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hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weib

für den Kreis Hersfeld

Wlott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im ; amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- j holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, |

Nr. 160.

Sonntag, den 11. Juki

1915

Hersfeld, den 9. Juli 1915.

Die monatliche Auszahlung der Kriegs-Familien- Unterstütznngenandie im Bezirke der Stadt Hersfeld wohnenden Empfangsberechtigten durch die Kreis- kommunalkasse hier erfolgt von jetzt ab bis auf Weiteres nur in der Zeit vom 17. bis 22. jedes Monats und zwar nur an den Wochentag-Vormittagen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 3. Juli 1915.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvor­steher des Kreises, welche meine Verfügung vom 29. Juni 1880, I. 7680 Kreisblatt Nr. 52, betreffend Einreichung der Verzeichnisse über die von Privat- hengsten avstammenden Füllen, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 20. ds. Mts. erinnert, i. 8274. Der Landrat.

V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Ankere D Helden

Mit demEisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden: Heinrich Becker, Wetzlos, Unteroffizier Heinrich Manns, Kirchheim.

Auf dem Felde der Ehre fielen: Johannes Albert, Hausen, Landwehrmann Johannes Schott, Hersfeld, Res. Johs. Horst, Hersfeld, Musk. Justus Stephan, Kalkobes, Musk, Justus Spill, Obergeis, Kriegsfreiw. Friedrich Wilhelm Pforr, Hersfeld, Gefreiter Heinrich Klippert, Hatterode.

Bus der Heimat«

* (Privatsedung en nach undvonElsaß- L o t h r i n g e n.) Die Bestimmung der in den'Schalter- flüren der Postanstalt aushängenden Bekanntmachung Nr. 1, wonach infolge des Kriegszustandes bis auf weiteres verschlossene Privatbriefsendungen nach und von Elsaß-Lothringen und den in dieser Bekannt­machung namentlich aufgeführten badischen Postorten zur Postbeförderung nicht angenommen werden, wird von den Auflieferern der Sendungen häufig nicht be­rücksichtigt. Die Bestimmung ist noch voll in Kraft. Wenn private Briefsendungen des inneren deutschen Verkehrs nach und von den bezeichneten Gebietsteilen verschlossen ausgeliefert werden, müssen sie den Ab­sendern zurückgegeben oder wenn diese nicht bekannt sind, nach den Vorschriften für unbestellbare Sendungen behandelt werden. Es liegt daher im eigenen Vor­teil der Absender, solche Sendungen nur offen auf- zuliefern.

* (Gedenken wir der Vergessenen!) Der Bund für freiwillige Vaterlandsdienste e. V., Berlin W. 9, Potsdamer Platz, Bellevuestraße 2122 teilt uns mit: Draußen im Felde und auf den Wogen der Meere gibt es unter unseren wackeren Kämpfern so manchen, dem nie oder fast nie die Freude zuteil wird, eine für ihn persönlich bestimmte Gabe, ern stchtdares Gedenken aus der lieben Heimat zu erhalten. Weh­mütiger Stimmung, ja, blutenden Herzens, steht so mancher Brave dabei, wenn die Feldpost ferne Kame­raden so reich bedenkt, während sie ihm nie etwas bringt. Eltern- oder geschwisterlos steht er allem in der Welt oder seine Angehörigen können ihm kern derartiges Zeichen der Liebe und des Gedenkens aus ihren be­scheidenen Mitteln zuwenden. Es bedarf nicht erst vieler Worte, um darzutun, daß hier das warmherzige, sich in Taten äußernde Mitempfinden einzusetzen hat. Keinen draußen im Kampfe stehenden soll lemals das Gefühl beschleichen, die Schwester und Bruder der Heimat könnten auch nur eines derer vergehen, die zu sümpfen und zu sterben bereit sind. Der Bund für freiwilligen Vaterlandsdienst hak die Organisation dieser Angelegenheit in die Hand genommen. Er sendet die herzliche Bitte ins Land: Teilt uns mit, wer bei der Versorgung der bisher Vergessenen helfen will. Sammelt und sendet uns Natural-Lrebesgaben und Geldspenden für diesen Zweck.

* (Einführung des Zeitungsve rt r i e b s in Russisch-Polen.) Bei sämtlichen deutschen Postanstalten in Russisch-Polen ist der Zeitungsvertrieb eingefuhrt worden. Bezogen werden können die in deutscher Sprache innerhalb Deutschlands erscheinenden sowie eine beschränkte Zahl polnischer Zeitungen und Zeit­schriften. Die Bezieher in Russisch-Polen haben dre deutschen Bezugspreise zu entrichten. Gleichzeitig sind auch die Ueberweisungen von Zeitungen für ge­wonnene Bezieher sowie der Versand von Zeitungs- bahnhossbriefen nach Ruffisch-Polen zugelassen.

* (Geleitscheine für Reisen nach Belgien.) Es ist in letzter Zeit häufig vorgekommen, daß Reisende, nur mit dem von dem Königlichen Landrat oder Polizei-Präsidium ausgestelltenReisepaß" versehen, ihre Reise nach Belgien antreten. Es geschieht dies meist gutgläubig in der Annahme, daß einReisepaß" hierzu genüge. Zur Vermeidung von Unannehmlich­keiten wird deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß derReisepaß" lediglich ein Personalausweis ist und noch keineswegs zu einer Reise nach Belgien er­mächtigt, viemehr hierzu auch noch ein besonderer von dem zuständigen stellvertretenden Generalkommando ausgefertigten Geleitschein erforderlich ist.

* (Achtet auf die G e m ü s e r a u p e n.) Zurzeit fliegen die Schmetterlinge des großen Kohlweißlings in größerer Menge. Die Flugzeit dauert bis Mitte Juli. Nach der Paarung legt das Tier seine Eier in kleine Häufchen auf die Unterseite der bereis stark­entwickelten Gemüsepflanzen. Schon nach wenigen Tagen schlüpfen die Raupen aus, die noch anfangs dicht beieinandersitzen, bald aber sich über die ganzen Pflanzen verbreiten und nun ihr Zerstörungswerk beginnen. Zunächst zerstört man mit dem Wegfangen der Schmetterlinge eine große Zahl der Raupen im Keime. Sodann empfiehlt es sich, die Unterseite der Blätter des Kohls während der Flugzeit des Kohl- weißlings, also Ende Juni, Anfang Juli, öfters nach dem gelben Eierspiegel abzusuchen. Mit einem Griff kann man auch auf diese Weise das Auskriechen zahl­reicher Raupen verhindern und diese wiederum vor ihrer Entstehung vernichten. Auch die bereits ausge- krochmen jungen Raupen lassen sich dann leicht in größerer Menge von den Blättern beseitigen. Wer diesen Zeitpunkt versäumt, dein bleibt schließlich nichts anderes übrig, als sich zu der mühsamen, unange­nehmen Arbeit des Ablesens der Gemüsepflanzen in kurzen Zeiträumen zu entschließen, wenn er seinen Kohl vor dem Untergang retten will. Endlich em­pfiehlt es sich noch, einen Versuch zu machen und die befallenen Gemüsepflanzen mit einer zweiprozentigen Nikotin- oder Quasirtösung zu bespritzen, die eine tötende Wirkung auf die Raupen sicher ausübt.

* Beim Kriegssptel wird von der Jugend vielfach dadurch gesündigt, daß sie im Felde über Ge­treide- und Kartoffeläcker stürmt und die Frucht zer­tritt. Da heute aber mehr als je daranfgeachtet werden muß, daß von der Ernte nichts vernichtet wird, wäre es wünschenswert, wenn die Kinder von den Eltern an­gehalten würden, beim Spielen die Felder nicht zu betreten. Uebrigens können die Eltern für den von ihren Kindern angerichteten Schaden haftbar gemacht werden.

§ Hersfeld, 10. Juli. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augen­blickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsbeschreibung, gehn aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zu­ständige Stelle, ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fort­laufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeineres Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Ge­eignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffent­licht werden; die Einsender mögen deshalb angeben was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffent­licht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Um­fange nachkommen werden.

Cassel, 9. Juli. Auf frischer Tat ertappt wurde auf dem gestrigen Wochenmarkte eine besser gekleidete Dame, die einer Händlerin die Geldtasche in einem unbewachten Augenblick fortnahm. Nach anfänglichem Leugnen gestand sie die Tat ein und gab das geraubte Gut wieder heraus. Zur Entschuldigung führte sie an, daß ihr früher die Geldbörse abhanden gekommen war und sie sich auf diese Weise schadlos halten wollte.

Cassel, 9. Juli. (Vom Tode des Ertrinkens gerettet.) Vorgestern abend gegenVdO Uhr balgten sich mehrere Jungen an der Schlagd. Hierbei kamen vier Jungen dem Ufer zu nahe, sie stürzten in die Fulda und wurden von der Flut mit fortgertssen. Auf das Hilfe- geschrei eilten fünf junge Leute aus der Fuldagasse herbei. Da sie schwimmkundig waren, sprangen sie den Knaben nach. Nach vieler Mühe gelang es den Leuten, die leichtsinnigen Jungen zu retten.

Cassel, 9. Juli, Die Brustseuche ist in den Pferde- beständen des Zentraldepots Nr. 8 zu Wilhelmshöhe (6. Eskadron) und Niederzwehren festgestellt worden. Bei den Pferden des Zentral-Pferde-Depots in Waldau besteht Brustseuchenverdacht. ,

Eschwege, 10. Juli. In unserer Umgebung ist mit dem Roggenschnitt begonnen worden.

Fritzlar, 10. Juli. Am morgigen Sonntag nach­mittag wird im hiesigen Stadtpark die Wanderver- sammlung des Obstbau-Vereins für den Regierungs­bezirk Cassel abgehalten werden.

Bad Sooden (Werra), 9. Juli. Ein Badearzt schreibt über Erfolge und Mißerfolge in der Kur der

Kinder: In der Ferienzeit, wo viele erholungsbe­dürftige Kinder die Solbäder aufzusuchen pflegen, kann man oft staunen, über den Erfolg, den wenige Wochen Kurzeit bringen. Das blasse müde Gesicht des Kindes bekommt einen frischen freudigen Ausdruck und an Körper und Geist gestärkt und gekräftigt kehrt das Kind in das Elternhaus und in die Schule zurück. Leider sehen wir diesen schönen Erfolg nicht immer. Oft liegt es an ernsteren Störungen, meist serophnlöser Natur, die sechs auch acht Wochen Kurzeit verlangen, um dann doch noch einen guten Erfolg zu erzielen. Zuweilen bringt auch erst eine Wiederholung der Kur im nässten Jahr oder mehrere Jahre hintereinander den gewünschten Erfolg. Nicht selten aber trügt die Schuld am Mißerfolg eine unrichtig durchgeführte Kur: es wird zu stark oder zu lange oder zu oft ge­badet.Das Kind verträgt die Bäder nicht", heißt es dann. Indes nicht das Bad, sondern seine ver­kehrte Anwendung ist daran Schuld gewesen. Wer die die Kur wesentlich unterstützenden Faktoren be­rücksichtigt, wird kaum über einen Mißerfolg zu klagen haben.

Rörshaim, 7. Juli. Glück im Unglück hatte das siebenjährige Kind des Landwirts G. Glintzer dahier Montag nachmittag stürzte es so unglücklich aus dem Fenster, daß es die Sprache verlor. Der zn Rate ge­zogene Arzt veranlaßte die sofortige Ueberführung des Kindes in die Klinik zu Marburg, wo es der Kunst der Aerzte inzwischen gelungen sein soll, ihm die Sprache wieder zn verschaffen.

Bernterode (Etchskeld), 9. Juli. Heute gegen Mittag brach in der Scheune des Landwirts Schi cke hier Feuer aus, das diese in Asche legte. Leider fielen dem Brande vier junge Menschenleben zum Opfer, fünf Jahre alte Tochter des ner, die drei und fünf Jahre h und der

Vier Kinder, die etwa

Dachdeckers Johs. Kremmer, die drei und fünf Jahre alten Söhne des Landwirts Philipp Roth und der fünf Jahre alte Sohn des Landwirts Schücke, die in der Scheune gespielt haben, fanden den Tod in den Flammen. Die Väter der drei letzteren Kinder be­finden sich im Felde, während der erstere zurzeit in Berlin arbeitet. Man vermutet, daß die Kinder mit

Streichhölzern gespielt haben.

Wehrda, 8. Juli. Der Bauer Jakob Döring ist als Beigeordneter der Gemeinde Wehrda gewählt und verpflichtet worden.

Fulda, 7. Juli. Ein Ausreißer ist der am 27. August 1892 zu Steinau (Kr. Schlächtern) geborene Kaufmann" Rob. Klotz. Das Bärschchen ist wegen Veträgereien und Fahrraddiebstählen wiederholt vor­bestraft, zuletzt im Mai d. J. vom hiesigen Schöffen­gericht wegen Fahrraddiebstahls zu 6 Monaten Ge­fängnis. Am 1. Juni entwich Kl. aus dem Hofe des Amtsgerichts-Gefängnisses, wurde jedoch nach einigen Tagen in Frankfurt als Pfeudo-Soldat wieder fest­genommen. Heute entfloh er aus dem hiesigen Land­krankenhaus, woselbst er wegen Lungenblutens in ärztlicher Behandlung war und als geheilt wieder dem Amtsgerichts-Gefängnis zugeführt werden sollte.

Aus dem Bogelsberg, 8. Juli. Von zehn Söhnen, die der Tagelöhner Adam Wahl aus dem Vogelsberg­dörfchen Vonhausen dem Vaterlande zur Verfügung stellte, starben bis jetzt vier den Heldentod. In Schlierbach verlor eine junge Frau ihren Gatten und die drei Brüder auf dem Schlachtfelde. Aus Schmerz über diese Verluste machte sie ihrem Leben durch Ver­giftung ein Ende. .

Kennst du das Land?

Kennst du das Land?

Auf dem Globus wirst du's nimmer finden, Nimm die größte Karte die zur Hand, Seine Größe wird es dir dann fünden.

Kennst du das Land?

Vor drei Wochen tat's nns Krieg erklären, Mit Italien es sich kühn verband Lange wird der Krieg nun nicht mehr wahren.

Kennst du das Land?

Zwei mal hundert mutige Soldaten Es in seinen Felsennestern fand Wenn die in den großen Kampf geraten?!

Kennst du das Land?

Von dem blinden Größenwahn besessen Hat's in Deutschland seinen Feind erkannt, Denkt mit unsern Heeren sich zu messen!

Kennst du das Land?

Republick ist's nennt sichSan Marino" Und an Stolz und Dummheit ist's verwandt Großem Königreiche Montenegro!--

Armin Kraft.

Wetteraussichten für Sonntag den 11. Juli.

Wolkig vereinzelt leichte Niederschläge, wenig kühler, westliche Winde.