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Der heilige Egoismus.

Italien bekommt rasch den bittersten Nachgeschmack seiner Verräterei zu kosten. Seine Art hat Schule, ge­macht unter den Verbündeten! Was sind Vertrage? Ein Stück Papier! Konnte Italien den Dreibuudsver- trag so perfide brechen, als es glaubte, seinen Vorteil dabei zu haben, als es die Zeit desheiligen Egoismus", wie Salandra sagte, für gekommen hielt, weshalb sollen wir es nicht genau so machen? Die Abmachungen der Londoner Konferenz empfinden wir alsungünstig" für uns, also zerbrechen wir sie sagte der Kömg der schwarzen Berge und ließ durch seine Montenegriner Skutari besetzen, auf das sein königlicher Schwiegersohn von der Tiber her schon die liebevollsten Augen gewor­fen hatte. Jetzt gerieten die edlen Römer aber in sitt­liche Elltrüstung. Wie der Dieb am lautestenHaltet ihn" ruft, so hagelte es Borwürfe au Nikitas Adresse. Wie könne er einen Beurtrag brechen, den die Vierver- bandmächte unterzeichnet hätten, denen er doch so viel zu verdanken habe.

So viel zu verdanken! Sicherlich nicht ein Tausend­stel von dem, was Italien dem Dreibund verdankte. Wohl hatte der Zar einmal in der Zeit umutiger Iso­lierung der Montenegriner seineneinzigen Freund" genannt und ihm einige alte Kanonen und Ge­wehre als Geschenk übersandt, für das wirtschaftliche Aufblühen des Landes und seine politische Hebung tat er rein gar nichts. Er benutzte die hochgewachsenen Söhne der schwarzeil Berge höchstens als Mittel, den Balkan in ewiger Unruhe zu halten, denn ein ruhiger Balkan war nie das, was sich Rußland wünschte. Ita­lien ist unter den Fittichen des Dreibundes erst eigent­lich eine Großmacht geworden, verdankt ihm eigentlich alles, und wenn es heute wagt, gegen Montenegro und auch gegen Serbien auf den Dank anzuspielen, durch den diö beiden zum stillschweigenden Warten auf deu guten Willen des Vierverbandes verpflichtet seien, so 'ann das nur grotesk wirken. Italien säte Sturm durch 'einen Verrat, es wird Sturm ernten miö darf ver- ichert sein, daß der Wind, der jetzt vom Balkan her weht, nur sein bescheidener Vorbote ist.

Montenegro hat sich auf seinen heiligen Egoismus besonnen! Nachhelfend werden dabei die galizischen Nie­derlagen und das schlappe Vordringen Italiens in die unerlösten Gebiete" gewirkt haben. Italien hatte 9(1= bauten für sein Interessengebiet erklärt und glaubte, mit des famosen Essad Paschas Hilfe sich des Landes bei gelegener Zeit bemächtigen zu können. Aber Ita­liens Wege waren nicht die des Königs Nikita. Er dachte, was du hast, das hast du, auf Versprechungen ist auf dieser schlechtesten aller Welten nicht viel zu geben und bemächtigte sich nach der Besetzung einiger Städte und Dörfer Albaniens auch Skutaris. Feierlich hielten die Montenegriner dort ihren Einzug. Nach einer Vor­hut von etwa tausend Mann, nach den Popen in vollem Ornate mit Kreuzern und religiösen Fahnen zog die Hauptmacht des Heeres ein. Der montenegrinische Kon­sul und der General folgten im Wagen. Danach kamen irreguläre Albanerbauden. Der Generalstab des Heeres nahm die Regierung der Stadt in Besitz und richtete sich im Konak ein, wo er von den Notabeln empfangen wurde. Der Generalstab erklärte, daß sich die Bürger der Stadt künftig als montenegrinische Untertanen zu betrachten hätten und nach montenegrinischen Gesetzen abgeurteilt würden. Wer den neuen Zustand störe, werde nach den Militärgesetzen bestraft.

Dann erst sandten die Montenegriner eine Note an die Mächte. Sie ließen erst der Tat die Worte folgen. Und wieder zeigten sie, was sie von Salandra und Ge­nossen gelernt hatten. Wenn man die Note liest, haben die Montenegriner mit der Besitzergreifung von Skutari eigentlich nur die Geschäfte ihres Bundesgenossen be­sorgt. Nur weil sie eingesehen hätten, daß die österreichi­schen Treibereien gegen das montenegrinische Gebiet den Zweck hätten, die Aufmerksamkeit Montenegros von der Hauptfront abzulenken, hätten sie sich entschlossen, Sku­tari in die Tasche zu stecken. Oesterreich habe mit Erfolg

durch seine Mittelmänner in Albanien allerlei Bewe­gungen in Montenegro hervorgerufen. Oesterreich habe dies gesonnt, weil Skutari dem montenegrinischen Staate entrissen worden sei, ohne Rücksicht darauf, daß der Besitz dieser Stadt eine Lebensfrage für diesen Staat gewesen sei.Indem wir somit unter dem Zwange äußerster Notwendigkeit gehandelt haben", heißt es zum Schluß der Note,haben mir die österreichischen Treibe­reien vollkommen vereitelt. Die montenegrinischen Truppen, die bisher gezwungen waren, die albanische Grenze zu bewachen, sind nun freigeworden, um an der Hauptfront an ben Unternehmungen gegen den gemein­samen Feind Montenegros und seiner Bundes­genossen teilzunehmen."

Glaubt man nicht Salandra zu hören, wenn man das liest? Der heilige Egoismus hat Schule gemacht. Wir wünschen von Herzen, daß er unter den Alliierten wachse, blühe und gedeihe. Egoismus, gegen Egoismus gestellt, ist das herrlichste Sprengmittel von Bündnissen. Italien hat es gezeigt! Ob es allerdings darauf vor­bereitet war, so rasch und so gründlich damit Schule zu machen? Wer andern eine Grube gräbt ---

Die Schlacht bei Moulin-sous-Touvent.

Feldpostbrief eines Unteroffiziers.

Es waren neben Soissons (am 10. 1.) die schrecklich ften Tage, die ich während des Krieges erlebt habe,- denn schrecklich lagen die Toten, und wie mitunter verstüm­melt! Ich dachte nicht mehr, noch lebend aus dieser ge­fährlichen Lage zu kommen.

Ich will Ihnen nur mal in kurzen Worten Sie letz­ten drei Tage in der ersten Linie schildern. Am 13. Juni morgens um 3 Uhr rückten wir in die erste Linie, wo rechts von uns, also in demselben Graben zirka 900 Meter, die Franzosen waren; denn es war ihnen ge­lungen, bei einem Durchbruchsversuch am 5. Juni in unsere erste Linie einzndringen. Uns trennten nur starke Sandsackbarrikaden vom Franzmann. Wir hatten an diesem Tage fürchterlich unter Artilleriefeuer zu leiden. Am 14. sollte nun gestürmt und die Franzosen vollstän­dig aus unserer Stellung geworfen werden. Zu diesem Zweck mußten wir des Nachts die Sturmgräben graben. Gegen 4 Uhr morgens zogen wir uns zurück und die . . . er besetzten die Sturmgräben, worauf wir dann folgten. Um 10 Uhr sollte der Sturm loSgehen; aber die feindliche Artillerie schoß furchtbar und verheerend in unsere Reihen, und der Sturm konnte nicht richtig statt- finden,- infolgedessen nahmen wir nur zirka 100 Meter Graben. Da alles zusammengeschossen wurde, so mach­ten wir uns bei Dunkelheit gleich daran den Graben auszubessern. 91m 15. morgens wurden wir in Unter­ständen untergebracht, und die . . . er übernahmen die Wache. Gegen 8 Uhr setzte die feindliche Artillerie wie­der furchtbar ein, und unsere Verluste nahmen immer mehr zu. Gegen 9 Uhr war wieder unser Graben der Erde gleich, und ich war mit drei Mann durch die ein­stürzenden Erbmassen vollständig von meiner Kompagnie abgeschuitten. Ich wußte nicht, was ich anteiligen sollte, und mußte dabei noch meine drei Leute trösten. Und wie war mir zumute! Das feindliche Artilleriefeuer nahm immer mehr zu, und es stürzten auch schon Erd- massen bei uns in den Unterstand,- wir hatten Mühe, diese Erde immer wieder herauszuschippen, um nicht ver­schüttet zu werden.

Gegen 4 Uhr nachmittags ließ das feindliche Ar- tilleriefeuer nach, und ich wollte zuseben, wo meine Kompagnie steckt. Ich mußte nun den eingeschossenen Graben entlaugkriecheu, was mir mich zirka 30 Meter gelang. Dann mußte ich bemerkt worden sein, denn zirka 5 Meter vor mir schlug eine Granate ein, und ich wurde verschüttet, konnte mich aber selbst wichet freimachen, und mußte nun zurück, wobei ich noch dreimal durch Ein­schlägen von Granaten verschüttet wurde ohne aber eine Verletzung davonzutragen. Als ich bei meinen drei Ka- meraden wieder auf am, war ich fertig. Nach einer Stunde kam ich wieder zu mir, und nun mußten wir eben aushalten. Die Granaten schlugen ganz furchtbar

in unserer Nähe em, und icoen Augenona wartete ich darauf, von einer Granate tödlich getroffen oder ver­schüttet zu werden,- denn mit dem Leben noch davonzu- kommen, daran dachte keiner mehr von uns. Wir hatten nun schon zwei Tage bei dieser furchtbaren Hitze nichts zu trinken und kaum etwas zu essen.

Endlich um 10 Uhr abends Züchte uns unser Feld­webel und war froh, daß er uns noch lebend fand,- denn sie hatten uns alle schon aufgegeben und hielten uns für verschüttet. Er sagte, um 1 Uhr nachts werden wir ab­gelöst, und wir sollen so lange den zu jarinnengeschosseuen Graben ausschippen, was wir vor Freude gern taten, wußten wir doch, daß wir wenigstens vorläufig abge­löst werden.

Am 16. gegen 1 Uhr morgens kam dann auch die langersehnte Ablösung. Gegen 3 Uhr erreichten wir N. und besamen jetzt wieder aus der Feldküche zu essen und zu trinken. Gegen 4 Uhr legten wir uns an eurem Waldabhang schlafen. Plötzlich setzte vorn wieder ein unheimliches Artilleriefeuer ein. Uns wurde sofort klar, daß die Franzosen wieder angreifen und unsere Ruhe wohl nicht lange andauern würde. Um 8 Uhr morgens wurden wir alarmiert, und nun gings wieder vor. Da die Franzosen auch die Zugangswege nach vorn unter Feuer hielten, so hatte ich beim Vorrücken schon zwei Verwundete. Um 10 Uhr etwa gelangten wir an unse­ren Bestimmungsort und warteten hier auf weitere Be­fehle. Endlich besamen wir einen Befehl. Unser Kom­pagnieführer rief Zugführer und Unteroffiziere zusam­men und sagte uns, daß unsere Compagnie unbedingt den Graben, der noch von den Franzosen besetzt ist, heute nehmen muß. Gern waren wir dabei. Ich meldete mich mit noch einem Unteroffizier freiwillig dazu, und zwar zum dritten Zuge, da der zweite Zug vorläufig zur Verstärkung hinten blieb. Wir gingen, nachdem wir uns mit genügend Handgranaten versehen hatten, durch den Laufgraben vor, immer über die Leichen hinweg. End­lich waren wir so ziemlich am Franzmann. Ich warf eine Handgranate in den Graben, und bald darauf mach­ten wir die ersten Gefangenen.

Aber auch bei uns mußte ein Kamerad nach dem anderen den Kampfplatz verlassen,- entweder waren sie verwundet oder blieben tot liegen. Gegen 2 Uhr nach­mittags wurde unser Leutnant verwundet, und er über- gab mir das Kommando über den Zug. Bis hierher hat­ten wir 164 Gefangene gemacht. Ich setzte mich nun an die Spitze des Zuges, und langsam, aber sicher gingen wir vor und machten noch 4 Offiziere und 86 Mann zu Gefangenen. Um 3 Uhr stießen wir mit den . . . eru zusammen, und der Graben war von den Franzosen gesäubert. Ich meldete sofort nach hinten:Gräben in unserer Hand", und bat gleichzeitig um Verstärkung, worauf sofort drei Gruppen, also 27 Mann vorkamen. Ich verteilte die Leute, um eventuell einen Gegenstoß der Franzosen abwehren zu können.

Als die Franzosen merkten, daß der Graben wieder in unserer Hand war, setzte das feindliche Artilleriefeuer wieder mit unheimlicher Wucht ein, und bald mußte ich wieder um Verstärkung bitten. Gleichzeitig ließ ich mit­sagen, daß auch ich zu aufgeregt bin, den Zug weiter führen zu können, und bat, den Leutnant vom zweiten Zuge mit vorzuschickeu. Endlich kam er mit dem Rest des Kommandos an und nahm mir das Kommando ab. Gleichzeitig sagte er mir, daß ich auf dem rechten Flügel gehen sollte, damit er weiß, daß ein Unteroffizier auf dem rechten Flügel ist.

Ich bin auf dem Wege dorthin, als eine feindliche Granate in den Graben einschlägt. Ich falle um, und die Erdmassen stürzen auf mich. Zwei Mann eilten hinzu und gruben mich aus. Da spürte ich ein ganz fürchterliches Brennen auf dem Rücken, und mir war sofort klar: ich war verwundet. Aber wie sah es in dem Graben aus! Zwei meiner guten Kameraden waren tot, während mit mir noch zwei andere Kameraden verwundet waren Ich ließ dem Leutnant sagen, daß ich verwundet bin und zurück muß. Aber noch nicht lange war ich auf dem Verbandplatz, als es hieß, mein Leutnant sei durch Kopfschutz gefallen. Zwei Tage war er vom Urlaub zurück, wo er sich verlobt hatte. Wie kurz war fein Liebestraum! sP. L -A ) '

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