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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld HerMer WM Mi

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für-die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- ; holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 159.

Sonnabend, den 10. Juli

1915

Hersfeld, den 3. Juli 1915.

Der Herr Oberpräsident in Cassel hat dem Be­zirksverein Cassel des Preußischen Beamtenvereins zu der gm 14. August d. Js. beabsichtigen Verlosung von Werken der Casseler Künstlerschaft und andere . Kunstgegenständen zugunsten der Kriegerfamilien in Cassel die Genehmigung erteilt.

Die Ortspolizeibehörde ersuche ich dafür zu sorgen daß dem Vertriebe der Lose keine Hindernisse bereite werden.

I. 8217. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Kriegsjugendwehr der hersselder Turnerschast.

In Erweiterung und Ergänzung der bisherigen Uebungen hatte die Gauleitung für den letzt ver­flossenen Sonntag einen großen Uebungsmarsch, der in Spangenberg seinen Anfang nehmen sollte, vor­gesehen.

Bestimmungsgemäß versammelten sich die Jung- mannschaften am vorhergehenden Sonnabend, Mittags um 3 Uhr, auf dem Marktplatz. Das Wohlwollen, welches die Bestrebungen der Jugendwehr bei den Eltern, Lehrherrn, Arbeitgebern usw. begegnet, zeigte sich in erfreulicherweise in der über alles Erwarten starken Beteiligung seitens der Jugendlichen; dadurch, daß die jungen Leute für den Sonnabend Nachmittag und zum Teil für den Sonntag Vormittag von ihrem Arbeitsverhältnis befreit worden waren, war ihnen die Teilnahme ermöglicht worden.

Um Vi4 Uhr rückte die Wehr nach dem Bahnhof, um von da bis nach Heinebach zu fahren. Helle Freude über die bevorstehende Kriegsaufgabe und die hierbei in Aussicht stehenden schönen Stunden lagerte auf allen Gesichtern. Gegen 6 Uhr traf die Kompagnie, in der die Trommler- und Pfeiferkorps der Turn­vereine Hersfeld und Iahn vertreten waren, und der sich 12 ältere Herren angeschlossen hatten, in Heinebach ein. Eine fast einstündige Zugverspätung in Bebra rechtfertigte den Befehl des Führers:Eilmarsch bis nach der dem Wald vor Spangenberg beschließenden sogen. Dermbachswiese." Ein hierbei zu überwindender gewaltiger Bergrücken wurde von der Jungmann- schaft und angeeifert durch diese auch von den älteren Herren im lebhaftesten Tempo genommen, sodaß bereits um ^8 Uhr das nächste Ziel, die Derm­bachswiese, erreicht war. Auf dieser herrlichen Wald­wiese, die überdies einen lohnenden Blick auf das Schloß Spangenberg gestattet, wurde die Kompagnie von Mitgliedern der Spangenberger Kriegs-Jugend- wehr, an ihrer Spitze Herr Lehrer Heinlein, auf das freundlichste Willkommen geheißen. Die kurze Rast wurde zum Abendessen benutzt. Eine reichlich Wasser spendende Quelle befriedigte die Durstigen, und so konnte erfrischt und gestärkt die Wehr ihren Marsch bald fortsetzen. In kurzer Zeit traf sie vor dem prachtvoll gelegenen, fast von allen Seiten von herr­lichen Waldungen umgebenen Städtchen Spangenberg ein, wo die Nachtquartiere bezogen werden sollten. Mit klingendem Spiel rückte die Jugendwehr in das Städchen ein, aus allen Fenstern begrüßt von den freundlichen Bewohnern, die in überaus liebens­würdiger Weise für 165 Personen Freiquartiere zur Verfügung gestellt hatten. Nach dem vor der Spangen­berger Wehr ausgeführten Parademarsch wurden die Jungmannschaften in ihre Quartiere entlassen- diese waren schnell gefunden, da die Spangenberger Schul­jugend gern und willig das Geleit gab. Die Auf­nahme bei der Bürgerschaft war eine vorzügliche. Um 140 Uhr Abends versammelte sich die Wehr in dem großen geräumigen Saal des Gasthauses Heinz, um noch eine Stunde in kameradschaftlicher Weise mit den Spangenbergern zu verleben. Herr Lehrer Hein­lein begrüßte nochmals die Erschienenen mit warmen Worten, wobei er der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß sich die Gäste in dem alten trauten Bergnestchen wohl­fühlen möchten- seine Begrüßungsworte fanden starken Widerhall in dem dreifachen Gutheil, das Herr Kreisjugendpfleger Heinemann auf ihn wie auf die gesamte gastfreie Bürgerschaft ausbrachte. Um 141 Uhr suchte ein Jeder sein Quartier auf. Für die von dem Kompagnieführer eingesetzte Wirtschafts­wache fand sich nirgends eine Gelegenheit znm Ein­schreiten. Der Sonntag brächte zunächst um 5 Uhr Wecken seitens der beiden Musikkorps. Pünklich um 6 Uhr rückte die Kompagnie aus Spangenberg aus- wohl alle hätten gern noch ein paar Stunden in dem alten geschichtlich denkwürdigen Städtchen zugebracht. Doch es galt, die gestellte Aufgabe zu lösen, die im wesentlichen darin bestand, zu einer bestimmten Stunde die Felsburg zu erreichen. Der Marsch dahin war sehr anstrengend, zumal die Sonne

ihre stärksten Strahlen auf die Marschierenden warf- aber es ging rüstig bergan bergauf, sodaß schon um V211 Uhr der Heiligenberg erreicht wurde. Eine unterwegs angetroffene große öde Wald­fläche öd, weil ein achtlos weggeworfenes Zünd­holz die Kultur vor wenigen Wochen vernichtet hat bot dem Führer Gelegenheit, die Jugendlichen auf die große Gefahr hinzuweisen, die das Rauchen im Walde im Gefolge haben könne. Den Marsch nach dem Heiligenberg machten auch noch 28 Jugendliche mit, die früh 5,58 Uhr aus Hersfeld bis nach Melsungen gefahren waren und sich hier der Hauptgruppe ange­schlossen hatten. Auf dem Heiligenberg war eine ein­stündige Ruhe vorgesehen. Ein zuvorkommender Wirt aus dem nahen Dörfchen Heßlar hatte für Erfrischung in Gestalt von Kaffee 'und Limonaden gesorgt. Der auf diesem Berg befindliche Aussichtsturm wurde von allen bestiegen, um die herrliche Aussicht zu genießen. Der Blick auf die vielen nahen und weiten Bergkegel, auf die wogenden Kornfelder, auf die zahlreichen Dörfer und Gehöfte, wie auf die im Tal friedlich da- hinfließende Edder war geradezu entzückend. Man konnte sich kaum trennen von der schönen Stätte. Lauter und Heller wie,'sonst erklang das Saitenfpiel auf den von einigen Jugendlichen mitgebrachten Gui­tarren und Zithern, und frischer und lebhafter ertönten die Lieder aus den jugendlichen Kehlen.

Um 14 Uhr ging es weiter. Nach Verlassen des Waldes erwartete die Jugendwehr noch eine Ueber- raschung. Am Fuße des Heiligenberges hatte sich die Jugendwehr von Felsberg mit einer Musikkapelle zur Begrüßung eingefunden, die sich dem Weitermarsch anschloß. Gegen 21'4 Uhr war nach dem Durchzug durch das alte Städtchen Felsberg die Felsburg und damit das Ziel der Wanderung erreicht. Hier war in großen Feldkesseln ein schmackhaftes und gutes Mittagessen vorbereitet. Schuell waren die von Hause mitge­brachten Teller gefüllt, und es konnte ein Jeder so­viel genießen, als er zur Befriedigung feines Appe­tits benötigte. Es war reichlich Essen vorhanden. Ein munteres Treiben und ein nettes Lagerleben, unter­brochen durch einige Uebungen, füllten die paar Nach- mittagsstunden aus. Gegen 5 Uhr marschierte die Wehr nach dem Bahnhof Gensungen, um von da kurz vor 6 Uhr nach der Heimat befördert zu werden. Gegen

9 Uhr war Hersfeld erreicht. Auf dem Bahnhofsplatz ordnete sich die Jugendwehr zum Einmarsch. Der Bahnhofsplatz, wie die angrenzenden Straßen waren von Freunden, Verwandten und Eltern der Jugend­lichen und sonstigen Personen dicht besetzt, sodaß der Einzug in die Stadt und der Marsch bis nach dem Marktplatz sowie der auf diesem Platz schneidig aus­geführte Parademarsch den Jungmannschaften die schöne Gelegenheit bot, zu zeigen, daß auch nicht eine Spur der Ermüdung an ihnen zu finden sei. Gewiß ein gutes Zeichen der Abhärtung, wenn man berück­sichtigt, daß der Marsch am Tage bei einer Tropenhitze ausgeführt werden mußte. Die Jugendlichen konnten mit dem Hinweis entlassen werden, daß auch nicht ein einziger an dem Tage versagt habe. Nachdem sie noch ermähnt waren, auch fernerhin der Kriegsjugendwehr der Hersfelder Turnerschaft treue Gefolgschaftzu leisten, trennten sich alle wohl sicherlich mit dem Bewußtsein, die beiden Tage in recht vaterländischem Sinne ver­bracht zu haben.

Die Gauleitung darf aber auch zuversichtlich hoffen, daß die Schar der Jungmannschaften in der Kriegs­jugendwehr auch weiter zunehmen wird. Der Völker­krieg hat das stählende Gefühl gebracht, daß wir in erster Linie auf uns allein angewiesen sind, daß wir alle unsere Volkskräfte aufs äußerste anzuspannen haben, wenn wir in Ehren bestehen wollen. Und dieses Gefühl sührt mit innere Notwendigkeit zu der Ueber­zeugung, daß insbesondere unsere reifere Jugend den Ernst dieser eisernen Zeit begreifen mnß. Es darf auch darauf hingewiesen werden, daß es sich bei der militärischen Vorbereitung der Jugend während des jetzigen mobilen Zustandes nicht um Sport, nicht um eine andere Form der Bestrebungen des Jung- deutschlandbundes handelt, sondern um eine ernste militärische Vorarbeit für den Krieg. Diese militärische Vorbereitung ist eine überaus wichtige Ergänzung der über 100 Jahre alten rastlosen Arbeit der deutschen Turnerschaft, die in der körperlichen nud sitt­lichen Kräftigung der deutschen Jugend gipfelt. Es kann überdies den Jungmanschaften der Wehr, so­weit sie den Turnvereinen nicht angehören, der Be­such der Turnstunden nur auf's wärmste empfohlen werden, obgleich eine Verpflichtung zum Turnen für diese nicht besteht.

Bus der Heimat.

* (Verband der M i l i t är - H i l fs ve r e i n e E. B.) Zur Aufnahme von Offizier- (Halb- und Voll-) Waisen haben sich zahlreiche in guten Verhältnissen lebende Ehepaare in Stadt und Land bereit erklärt. Die Auf­nahme soll zur Miterziehung mit den eigenen Kindern erfolgen- bei kinderlosen Ehepaaren ist die frühere oder spätere Annahme an Kindesstatt in Aussicht ge­nommen. Zur Anbahnung von Verhandlungen zwischen diesen Ehepaaren und den nächsten Ange­

hörigen oder gesetzlichen Vertretern von Offizierwaisen, die das 10. Lebensjahr noch nicht überschritten haben, ist die Zentrale für dauernde oder vorübergehende Unterbringung, Erziehung usw. von Offizierwaisen beim Verbände der Militär-Hilfsvereine geschaffen worden; an den Schriftführer derselben, Oberstleutnant z. D. Knothe in Berlin-Wilmersdorf, Nassauischestr. 7'8 2, sind alle Anmeldungen von Kindern, Gesuche und Anfragen zu richten. Durch den Eintritt in Ver­handlungen wird das freie Verfügungsrecht der Mutter pp. über das Kind selbstverständlich nicht berührt. Im Interesse der Witwen und Waisen liegt es, erstere dringend auf diese Einrichtung hinzuweisen.

W. T B.

* (500 Jahre H o h e n z o l l e r n h e r r s ch a f t.) Der Kaiser hat durch einen Erlaß bestimmt, daß der Gedenktag der fünfhundertjährigen Herrschaft des Hohenzollernhauses am 21. Oktober d. J. gefeiert werden soll. Die Feier soll aber mit Rücksicht auf den Ernst der Zeiten auf eine Feier in den Schulen und auf eine kirchliche Feier am Sonntag, den 24. Oktober, beschränkt bleiben.

8 Hersfeld, 9. Juli. Die Zahl der Feldpost- sendungen ist noch immer im Steigen begriffen. Nach einer am 24. Juni vorgenommenen Zählung sind an diesem Tage aus Deutschlaud 8,5 Millionen Feldpostbriefsendungen nach dem Felde abgegangen. Davon waren 5,9 Millionen portofreie Briefe und Postkarten und 2,6 Millionen frankierte Feldpostbriefe und Feldpostpäckchen. Da nach einer Mitte Mai vor- genommenen Ermittelung im Felde selbst 5,8 Millionen Feldpostbriefsendungen täglich ausgeltesert werden, umfaßt der gesamte Feldpostbriefverkehr täglich 14,3 Millionen Sendungen. Von den in der Heimat auf­gelieferten Feldpostbriefen müssen immer noch täglich gegen 35 000 Sendungen von den Postsammelstellen nach dem Aufgabeort zurückgeleitet werden, weil sie völlig mangelhaft adressiert oder so schlecht verpackt sind, daß sie nicht ins Feld geschickt werden können. Das Publikum wird von neuem ersucht, der richtigen Adressierung und sachgemäßen Verpackung der Feld- postsendungen die größte Sorgfalt zuzuwenden.

Cassel, 7. Juli. (EinhochherzigerDeutsch- Amerikaner.) Vor etwa fünf Wochen waren wir in der Lage, über den hochherzigen Spender einer der deutschen Kriegsfürsorge gewidmeten Hundert­tausend Mark-Gabe, einen Deutschamerikaner in Reading in Pennsylvanien, und seine Familie in Berichtigung eines bei Nennung seines Namens unterlaufenen Druckfehlers nähere Mitteilung zu machen. Inzwischen hat der prächtige Mann eine zweite Spende von weiteren hunterttausend Mark nach Deutschland gesandt und einen Teil derselben auch unserer Stadt zugewandt, in der er wie die ihm nahverwandte Familie G. seit Jahren freundschaftlichste Beziehungen unterhalten. Dem Vorstand des Roten Kreuzes zu Cassel konnte heute durch einen Freund des hochgesinnten Mannes der Betrag von zwanzig- tausend Mark übergeben werden. Zwar hat der Spender nachdrücklich die Verschweigung seines Namens gewünscht, doch war dessen Nennung nicht zu vermeiden, wenn man ihn nicht in der entstellten Form weiter durch die Blätter gehen lassen wollte.

Fulda, 8. Juli. Am heutigen Viehmarkt fanden 1064 Tiere und zwar 1 Bulle, 376 Ochsen, 128 Stiere, 342 Kühe, 178 Rinder und 39 Kälber. Ein großer Teil der gestern mit der Eisenbahn angekommenen Tiere ist bereits gestern verkauft und nicht zu Markt gebracht worden. Der Handel war schleppend. Es kosteten Ochsen 800 bis 1600 Mk. das Paar, Stiere 250 bis 700 Mk., Kühe das Srück 300 bis 600 Mark, Rinder 150 bis 350 Mk. Der nächste Markt findet am 12. August statt. _____

Ab Man leseW£

die

amtlichen Bekanntmachungen.

Nicht nur an den Tagen, an denen man etwas wichtiges unter ihnen vermutet, sondern täglich

Unter den amtlichen Bekanntmachungen werden fast Tag für Tag Bestimmungen wirtschaftlichen Inhalts verzeichnet, die man in dieser ernsten Zeit wissen und befolgen muß. Einmal im Interesse des allgemeinen Wohles und dann auch um sich vor Strafe zu schützen«

Wetteraussichten für Sonnabend den 10. Juli. Heiter, trocken, wärmer, ruhig.