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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei. Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Zersseldn

für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 158.

Freitag, den S. Juli

1915

Teil.

Hersfeld, den 7. Juli 1915.

Die Reichsverteilungsstelle hat für die körperlich schwer arbeitende erwerbstätige Bevölkerung eine Er­höhung der Brotration bis zu 50 Gramm Mehl auf den Tag und Kopf zugelassen. Die in Frage kommenden Personen erhalten also alle 4. Woche eine Zusatz-Brot­karte über 1400 Gramm Mehl gleich 4 Pfund Brot.

Anträge auf Zuweisung von Zusatz-Brotkarten sind bei den Herren Bürgermeistern anzubringen.

K. H. 788. Der Landrat.

I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 80. Juni 1915.

Die Inspektion des Kraftfahrwesens hat hierher mitgeteilt, daß bei den Kraftfahrtruppen nur solche Leute eingestellt werden, die eine längere Tätigkeit als Kraftfahrzeugführer nachweisen können, ferner Schlosser, Monteure usw., die infolge ihrer technischen Borbildung besonders geeignet erscheinen; für letztere sind bei den Ersatzabteilungen des Kraftfahr- bataillons Fahrschulen eingerichtet, die für das vor­handene Bedürfnis genügen. Die vielfach in Tages­zeitungen erscheinenden Inserate, in denen ein kurzer Lehrkursus bei Fahrschulen zwecks Erzielung der Ein­stellung bei den Kraftfahrtruppen empfohlen wird, sind nicht zutreffend. Leute, die erst seit kurzen einen Führerschein besitzen, werden bei der Einstellung nicht bevorzugt.

I M. Nr. 4063. Der Landrat.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Herstellung eines Dauerfutters durch Vermischung des Banleninhalts mit Strohmehl.

Der Preußische Landwirtschaftsminister gibt folgendes bekannt:

Die Bestrebungen, den auf den Schlachthosen an­fallenden Inhalt des Pansens der geschlachteten Wieder­käuer für Futterzwecke zu verwenden, haben bekannt­lich zu recht günstigen Ergebnissen geführt, doch sind zur Durchführung des Verfahrens Anlagen erforder­lich, die einen erheblichen Aufwand an Zeit und Kosten verursachen. Wenn sich auch heute schon voraussehen läßt, daß im Laufe der Zeit in allen besser einge­richteten Schlachthöfen Vorrichtungen getroffen werden, die eine bessere Verwertung nicht nur des Pansenin­halts, sondern auch allerübrigen auf den Schlachthöfen gewonnenen Abfälle ermöglichen, so wird dieses Ziel doch jetzt während der Kriegszeit nicht zu erreichen sein. Da es aber geboten erscheint, gerade jetzt unsere Futterbestände durch diesen recht wertvollen Zuwachs zu vermehren, so gewinnt ein Vorschlag besondere Bedeutung der es ermöglicht, sogleich den Pansenm- Halt in allen Schlachthöfen, auch den kleinsten ohne be­sondere Einrichtung in ein haltbares, von den Tieren, namentlich den Schweinen, sehr gern genommenes Futter überzuführen.

Die Firma M. Toepfer, Trockenmilchwerke G. m. b.H. Böhlen bei Rötha in Sachsen, die sich seit Jahren mit der Herstellung von Pflanzenmehl. befaßt,hat durch Versuche festgestellt, daß Strohmehl ein außerordentttch großes Aufsaugungsvermögen und außerdem tue Eigenschaft besitzt, das aufgenommene Wasser leicht wieder abzu- geben. Wenn man den feuchten Panseninhalt mit Strohmehl in einer Menge vermischt, die etwa die Hälfte des festgestellten Gewichts des Panseninhalts ausmacht, so wird die darin enthaltene Flüssigkeit be­gierig von dem Strohmehl aufgesaugt, und das Ge­menge sofort in transportfähige Form gebracht. Durch Ausbreiten dieses Gemenges in bedeckten Schuppen verdunstet das überschüssige Wasser rasch, sodaß sich in 24 bis 80 Stunden ohne Anwendung künstlicher Wärme ein trockenes, haltbares Futter erzielen läßt. Das Futter hat bei praktischen Fütterungsversuchen außerordentlich günstige Ergebnisse gelrefert. Em­pfehlenswert ist der Zusatz einer geringen Menge kohlensauren Kalkes.

Das zu verwendende Strohmehl braucht nicht be­sonders fein gemahlen zu sein, so daß es lieg mit ge­ringen Kosten herstellen läßt. Die genannte Firma ist bereit, das Strohmehl zu liefern und den Vertrieb des nach ihrer besonderen Anleitung gewonnenen Futters zu bewirken.

Es erscheint wünschenswert, daß die Schlachthof­verwaltungen, namentlich auch die kleineren, sich dieser- halb mit der erwähnten Firma in Verbindung setzen, damit die Futtermengen möglichst schnell dem Ver­brauch zugeführt werden.

Berlin, den 21. Juni 1915.

Bus der Heimat.

* (Schutz den nützlichen Tieren!) Eine große Anzahl nützlicher Tiere wird gerade jetzt während der Ferien von der Schuljugend verfolgt und teilweise unter unnötigen Quälereien getötet. Da ist zunächst der Frosch, auf. den so gern Jagd gemacht wird, und doch ist er ein Jnsektenvertilger ohnegleichen, denn ganze Scharen Mücken, Fliegen, Motten, Erdflöhe, Schmetterlinge, Larven usw. werden von ihm ver­speist. Auch die häßliche Kröte wird ganz unschuldiger- weise verfolgt und totgeschlagen. Nur die wenigsten, selbst Erwachsene haben eine Ahnung davon, daß die Nahrung der Kröte aus Negenwürmern, Schnecken, Käfern, Larven und Raupen besteht. Dabei ist die Kröte ungemein gefräßig und wird deshalb von den Gärtnern absichtlich in die Gärten gesetzt. Der Igel, der auch unter der Verfolgungssucht der Menschen zu leiden hat, ist als Vertilger von Mäusen und anderen kleineren Nagetieren, Erd- und Wegschnecken und Engerlingen ein sehr nützliches Tier. Selbst die viel­fach für giftig gehaltene, tatsächlich aber ganz unge­fährliche Blindschleiche betätigt sich in hervorragendem Maße als Jnsektenvertilger. Wenn ein Schulbube einen Marienkäfer, auch Marienwürmchen genannt, erblickt, ist es meist um das kleine Ding geschehen. Mit jedem getöteten Marienkäfer ist jedoch ein uner­müdlicher Blutlausvertilger vernichtet worden. Daß die Singvögel einer besonderen Schonung und eines umfassenden Schutzes bedürfen, braucht wohl nicht erst besonders erwähnt zu werden.

§ Hersfeld, 8. Juli. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augen­blickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsschreibung, gehn aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zu­ständige Stelle, ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fort­laufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeineres Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Ge­eignete Teile daraus sollen auch jetzt schon veröffent­licht werden; die Einsender mögen deshalb angeben was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffent­licht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Um­fange nachkommen werden.

Bebra, 7. Juli. Gestern mittag ertrank hier beim Baden in der Fulda der 11jährige Sohn des in Kriegsdiensten befindlichen hiesigen Lokomotivheizers Heinrich Biermann.

Blankenheim (Kr. Rotenburg a. F.), 8. Juli. In einem hiesigen Pferdebestanöe ist der Bläschenausschlag festgestellt worden.

Marburg, 5. Juli. Die Strafkammer verurteilte zwei Lehrlinge des hiesigen Elektrizitätswerkes, die am 7. Mai in der Unterkunftshalle der Straßenbahnwagen einen Wagen uubefugterweise in Bewegung setzten und dadurch den Tod des dort beschäftigten Schlossers Walter, eines älteren Mannes, verursachten, zu je drei Wochen Gefängnis.

Buchenau, 4. Juli. Im hiesigen Manganbergwerk verunglückte gestern der jugendliche Arbeiter Karl Debus und erlitt so schwere Verletzungen, daß seine Ueberführung in die Marburger Klinik nötig wurde.

Von der Burg Haustein, 6. Juli. Die vielen Be­sucher der Burgruine Hanstein werden mit Bedauern die Nachricht vernehmen, daß der in den weitesten Kreisen wohlbekannte Hanstelnswirt und Förster a. D. Ernst Funke im 72. Lebensjahre gestorben ist. 64 Jahre seines Lebens hat er auf dem alten Hanstein verbracht. Er löste seinen Vater als Burgkastellan ab. Die vielen Besucher der Burgruine von fern und nah werden den alten, freundlichen Hansteins- wirt nun sehr vermissen. Der Gemeinde Rimbach (am Fuße des Hanstein) stand Funke 17 Jahre lang als Schulze vor. , . m

Vacha, 5. Juli. Beim Baden in der Werra, in der Nähe von Unterzella, ertrank gestern der 11 Jahre alte August Preißel aus Oberzella. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. - Am gleichen Tage fand ein junger Mann, tm Alter von etwa 17 Jahren, bei Lengers den Tod in der Werra.

Göttingen, 6. Juli. Zu den seit mehreren Monaten hier erscheinenden Gefangenen-Zertungen Le Camps de Göttingen UNÜUnse Taal wird iN dLN nächsten Tagen noch eine dritte, eine englische Zeitung, kommen. Sie wird den TitelThe mooden City fuhren und ebenso wie die beiden anderen Blatter unter der verantwortlichen Leitung des Professors Stange er- ^^Heiligenstadt, 7. Juli. Am hiesigen Gymnasium wurde letzter Tage eine Notreifeprüfung abgehalten. Zwei angenommene Landsturmpflichtige des Jahrs­gangs 1896 erhielten das Reifezeugnis. In der Oberprima befindet sich nunmehr nur noch ein Schüler.

Weideuhausen, 7. Juli. Hier kam gestern ein Kind dem Herdfeuer zu nahe und stand sogleich in lichten Flammen. Ein in diesem Augenblick htnzu- kommender Fremder riß geistesgegenwärtig dem Kinde die Kleider vom Leibe. Immerhin hat die Kleine erhebliche Veletzungen davongetragen.

Bodenrode (Eichsfeld), 7. Juli. Eiu Grvßfeuer äscherte hier fünf Gehöfte zum größten Teil ein. Man vermutet Brandstiftung.

Schlitz, b.Juli. Ein sehr beklagenswerter llnglücks- fall ereignete sich am Sonntag Abend gegen 7 Uhr in der Kahl. Der in der Gräflichen Brauerei beschäftigte H. Vollmüller wurde von dem schnell abwärts fahrenden Brauereiwagen erfaßt, gegen einen Baum gedrückt und an der Brust so schwer verletzt, daß alsbald der Tod eintrat. Der Verunglückte, ein braver, allseitig geachteter Mann, stand im 40. Lebensjahre'; er hinter­läßt außer der bejahrten Mutter seine Frau und drei Kinder.

Hanan, 7. Juli. Ein schweres Bootsunglück er­eignete sich auf dem Main bei Gmündeu. Ein Haupt­mann, seine beiden Kinder und sein Diener fuhren in einem Kahn auf dem Main spazieren; das Boot kenterte aus bisher unbekaunter Ursache, und alle vier Personen ertranken. Bis jetzt konnte nur die Leiche des Dieners geborgen werden.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Täglich kündet neue Siege aus dem Haupt­quartier der Draht, jeder Tag, wenn er verflossen, brächte eine Heldentat, tiefer rückt in Ost' und Westen unser Heer ins Feindesland, hält uns auch mit Todesmute hier und da der Gegner Stand. Joffres Frühlingsoffensive, die er gar zu oft erklärt, hat sich unter deutschen Fäusten in das Gegenteil verkehrt, nach Verdun mit Riesen­schritten tragen wir den Angriff bald wenn demnächst wir durchgerungen uns durch den Ar- gonnerwalö. Und in Frankreich, wo man kürz­lich noch geglaubt, daß die Sehnsucht nach dem Frieden uns die Ueberlegung raubt, hat man wohl inzwischen wieder die Erkenntnis ausge­nommen, wenn die Deutschen Frieden wollen, wird er etwas anders kommen.--Um sich wieder mal zu trösten, daß es gänzlich fehlgegangen, sich Rumänien oder Japan noch als Dumme ein- zufangen, hört man aus Paris verkünden jetzt den GrundsatzZeit ist Geld" und man hofft drum von der Zukunft was die Gegenwart nicht hält. Wir in Deutschland gleicher Weise trauen künft'ger Zeiten Lauf, in sechs Monat' wie den letzten reibt sich wohl ganz Frankreich auf, deun des Franzmanns Mut zu leugnen, der ihn stets von neuem treibt, hieße diesen Feind verkleinern, aber dennoch ist und bleibt sein Bemühen trotz der Opfer aussichtslos für alle Zeit, während sich die Folgen rächen für das Land in Ewigkeit. Auch die nächsten Offensiven packt zum Schlüsse doch Herr Joffre, wenn sie wieder fehl gegangen,

still in seinen Aktenkoffer. Walter-Walter.

Husaren treffen die Feldpost.

Die Meldereiter der Husaren Durchstreifen Wälder, Flur und Feld, Nachdem sie unter viel Gefahren Die Feindesstellung festgestellt.

Bei diesem Ritt fragt einer leise: Kommt denn nur keine Post von Haus?" Drauf sagt man ihm bescheid'nerweise: Geduld, die Feldpost bleibt nicht aus.

Bei diesem unheilvollen Kriege,

In dem es donnert, blitzt und kracht,

Wo alle ringen nach dem Siege, Ist nicht so leicht die Post gebracht." -

Da plötzlich hört man ein Gebrause,

Es ruft und schallt:Hurra! Hurra.

Husaren! dort bei jenem Hause Die Feldpost hält, sie ist schon da!

Im Nu sind alle da zur Stelle, Empfangen Brief' und Karten dann, Und jagen fort in Flugesschnelle,

Zu bringen ihre Meldung an.

Dann lesen sie die Liebesgrüße,

Die Muttern hat geschickt von Haus Sieh', auch die Kleine, Holde, Süße Blieb nicht mit ihrem Gruße aus.

O schöner Gruß, du Born der Freude,

Du Trostquell aus der Heimat fern;

Mit Lust empfingen wir dich heute,

Du strahltest uns als goldner Stern."

Hersfeld. Max Bauer, Ober-Postschaffner.

Wetterausfichten für Freitag den 9. Juli.

Wolkig, trocken, keine Temperaturveränderung, westliche schwächere Winde.