Einzelbild herunterladen
 

Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Melier WW Msblatt

Vrzugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im . amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- ! holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. I

Nr. 155.

Amtlicher Ä.

Dienstag- den 6. Juli

1915

Hersfeld, den 2. Juli 1915.

Im Monat Juni d. Js. sind von mir den nach­benannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

a. entgeltliche:

am

tf

16.

2/6.

3/6.

5/6.

7 6.

Dem Rechnungsrat Schultheiß hier-

//

//

//

8 6.

//

//

8'5.

16/6.

26/6.

//

//

//

26 6.

28 6.

//

80 6.

//

Gastwirt Göbel in Wüstfeld- Gastwirt Paulus Harnickel in Tann - Landw. AdamHildebrand in Rohrbach- Bürgermeister Mathias Wolf in Lam- pertsfeld;

Butterhändler Friedrich Ried in Frielingen;

F. Funke in Hersfeld-

Oswald Anders in Heringen - Gerichtsassessor Wilhelm Stück in Hersfeld;

Landgräflichen Jagdgehilfen Jakob Schneider in Philippsthal- Gerichtsreferendar Albert Schmid in Hersfeld-

Verwalter Wilhelm Trelle zu Eichhof. b. unentgeltliche:

und in Masuren wird es in trockenen Jahren von jeher gefüttert. Heu und Schilfrohr enthält durch- schnitlich 8 pCt. stickstoffhaltige und 45 pCt. Extrakt­stoffe, darunter beträchtliche Mengen von Zucker. Das Schilfrohr wird sowohl grün als getrocknet von Pferden und Rindern gern genommen. Eine gewisse Vorsicht ist nur insofern geboten, als mit Rost, Mutterkorn oder Brandpilzen befallenes Rohr nicht, namentlich nicht an tragende Tiere, verfüttert werden darf. Die Fütterung des nicht befallenen Rohres ist dagegen in gesundheit­licher Beziehüng gänzlich unbedenklich. Zum Abernten des Rohres aus Wasserflächen geeignete Geräte und Maschinen sind u. a. in Heft 199 derArbeiten der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft" näher be­schrieben.

Berlin, den 28. Juni 1915.

* * *

Hersfeld, den 1. Juli 1915. Wird veröffentlicht.

I. 8268. Der Landrat.

B.:

v. Hedemau n, Reg.-Assessor.

war schon oft vorbestraft. Die eingelegte Berufung hatte keinen Erfolg.

am

15 6.

Keine!

B. Tagesjagdscheine:

Dem Leutnant Otto Braun in Hersfeld.

Der Königliche Landrat:

I "V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 1. Juli 1915.

Der Tagelöhner Heinrich Fuchs in Viedebach ist als Trunkenbold erklärt worden.

Fuchs ist der Aufenthalt in Lokalen, in denen geistige Getränke zum Ausschank kommen, verboten. Die Abgabe von geistigen Getränken an Fuchs ist nach der Regierungs-Polizei-Verordnung vom 9. Dezember 1902 strafbar und hat in wiederholten Zuwiderhand­lungsfällen bei Wirten Konzessionsentziehung im Ge­folge. Die Polizeiverwaltung hier sowie den zu­ständigen Gendarmerie-Wachtmeister ersuche ich, die in Betracht kommenden Schankwirtschaften hierauf be­sonders hinzuweisen und dauernd zu kontrollieren. I. 8223. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 1. Juli 1915.

Der Müller Konrad Herwig Stedemtthle in Niederaula ist als Trunkenbold erklärt worden.

Herwig ist der Aufenthalt in Lokalen, in denen geistige Getränke zum Ausschank kommen, verboten. Die Abgabe von geistigen Getränken an Herwig ist nach der Regierungs-Polizeiverordnung vorn 9. Dez. 1902 strafbar und hat in wiederholten Zuwiderhand­lungsfällen bei Wirten Kenzessionsentziehung im Ge­folge. Die zuständigen Herrn Gendarmerie-Wacht­meister ersuche ich, die in Betracht kommenden Schank- wirtschaften hierauf besondershinzuweisen und dauernd zu kontrollieren.

I. 8223. Der Landrat.

J. B.:

v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 29. Juni 1915.

Die durch den Krieg veranlaßte Aenderung der wirtschaftlichen Verhältnisse bringt es mit sich, daß das Zugvieh oft angestrengt werden muß. In solchen Fällen liegt die Gefahr der Tiergäulerei nahe.

Die Zugviehbesitzer werden im eigensten Interesse zur Schonung des Zugviehes hierdurch aufgefordert. Etwaige zur Anzeige kommendeTierquälereien werden unnachsichtlich bestraft werden.

I. 8028. Der Landrat.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Schilfrohr als Futter.

Der Preußische Landwirtschaftsminister gibt fol­gendes bekannt: r

Der trockene Vorsommer dieses Jahres hat zur Folge gehabt, daß der erste Schnitt der Heuernte manchenorts der Menge nach wenig Befriedigte; auch das Stroh, namentlich das Sommerstroh, wird trotz der inzwischen eingetretenen Niederschlüge kurz bleiben. Man wird also mit Rauhfutter sparsam wirtschaften müssen. Es sei deshalb darauf aufmerksam gemacht, daß das Schilfrohr (Arundo phragmites), auch Ret oder Riet genannt, sowohl grün als getrocknet ein recht brauchbares Futter darstellt, nur muß es beizeiten, d. h. vor der Blüte, spätestens Anfang Juli zum ersten­mal geschnitten werden. Es liefert dann gewöhnlich noch zwei Nachschnitte. In den Hannoverschen Marschen

Bus der Udmaf.

):( Hersfeld, 5. Juli. (Geldpreise für landwirt­schaftliche Buchführung.) Der Vorstand der Landwirt­schaftskammer hat Geldpreise für gute bäuerliche Buchführungen ausgesetzt, um welche sich jetzt die Landwirte des Regierungsbezirkes bewerben können. Die Buchführungen sind bis zum 15. d. Mts. un­mittelbar an die Buchstelle der Landwirtschaftskammer zu Cassel, Weißenburgstraße 12 zu senden, wo sie unter Wahrung völliger Verschwiegenheit geprüft werden. Wer es bisher versäumt hat ordentlich Buch zu führen, sollte jetzt sofort den Anfang damit machen. Jeder, der will, kann es auch durchführen und hat die Möglichkeit, wenn er die Eintragungen vom 1. Juli an nachholt, sich im nächsten Jahre um einen Geldpreis zu bewerben. Er erhält auf Wunsch auch Rat und Auskunft in der Bnchstelle Cassel nur Weißenburgstraße 12. Die Gewährung eines Geld­preises von 1050 Mk. ist an folgende Bedingungen geknüpft: Die zur Buchführung benutzten Formulare und Hefte müssen nachweisbar von der Landwirt­schaftskammer Cassel oder deren Buchstelle bezogen sein. In erster Linie kommt die von der Laudwirt- schaftskammer herausgegebeneBäuerliche Buch­führung" in Betracht. Die Buchführung muß wahr­heitsgetreu die Vorgänge in einem landwirtschaftlichen Betriebe bis zu 160 Morgen Größe angeben und 1 volles Jahr umfassen. Wenn Abschriften der ur­sprünglichen Eintragungen eingereicht werden, so sind die erst benutzten Unterlagen beizufügen. Zusendung hat bis zum 15. Juli an die Buchstelle der Landwirt­schaftskammer Cassel zu erfolgen.

§ Hersfeld, 5. Juli. Seit Kurzem erscheint in verschiedenen Tageszeitungen ein Artikel des In­haltes, daß die L e d e r P r e i s e sehr zurückgegangen seien, und daß infolgedessen ein Abschlag der Preise für Schuhwaren ItnB Reparaturen folgen müsse. Es ist nicht zu verkennen, daß es eine große Wohltat für die Allgemeinheit wäre, wenn diese Notiz der Wahr­heit entspräche. Allein weil eben diese Behauptung von einem Rückgänge der Lederpreise so ganz und gar nicht der Wahrheit entspricht, ist es Pflicht, dieser Nachricht zu widersprechen und darauf hinzuweisen, daß nicht nur die Lederpreise nicht zurückgegangen sind, sondern daß es geradezu als ausgeschlossen er­scheint, für die nächste Zeit, resp, für Kriegsdauer die­jenigen Leder zu beschaffen, die für den bürgerlichen Bedarf nötig sind, denn die Gerber mußten sich ver­pflichten, für Kriegsdauer ihre gesamte Produktion dem Militär zur Verfügung zu stellen. Daß unter solchen Umständen ein Rückgang der Preise für alle aus Leder hergestellten Gegenstände zu erwarten sei, ist vollkommen ausgeschlossen.

k( Hersfeld, 5. Juli. Ein reiches Honigjahr ist den Imkern nach langen Jahren wieder einmal beschieden. Die reiche Obstbaumblüte und auch der blühende Hederich trugen besonders zu einer guten Honigernte bei. Da auch die Linden in diesem Jahre außergewöhnlich reich blühen, so wird sich der Honig­ertrag bei weiterem Anhalten des günstigen Wetters noch erhöhen.

i:( Hersfeld, 5. Juli. (Aenderungen im Fernsprech- neu A Nenanschlüsse: Anhydat-Leder-Werke A. G. N? 81 Seeltg, Heinrich-Habrikdirektor, Abt. Michael­straße, Nr. 134. B. Aenderungen: Dr. Haring, Hain- straße 14 Nr. (94) jetzt (81) Klebe Jakob Breiten­straße Nr. (74) jetzt (131.) C. Aufgehobene Anschlüsse: Schönfeld, J. Nachs. Nr. 153. Schulz, H Maurermstr. Nr. 201. Plant, Gustav Kaufmann Nr. 249. Lem, Gebr., Kaiserstr. 14 Nr. 279. Schlag, Richard, Hanf­sack 614 Nr. 264. Bolender, H. Maurermstr. Nr. 132. Wolff, Peter, Gast- und Landwirtschaft Nr. 163.

Langenselbold, 2. Juli. Wegen Beleidigung eines hiesigen Lehrers wurde die Frau eines Landwirts vom Schöffengericht zu 12 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Frau hatte keinen Grund zur Beleidigung und

Ein Wort an die Bauern!

Sonderabdruck aus demBäuerisches Bauernblatt" Nr. 12 vom Dienstag, den 23. März 1915.

(Fortsetzung.)

Denkt an das und ihr werdet all das leicht er­tragen! Denkt daran, was unsere Soldaten um unsertwillen schon gelitten haben! Haben wir doch schon dadurch gesiegt, daß sie uns den Feind von Haus und Flur fernhielten. Denkt an das Schicksal jenes kleinen Teiles von Deutschland, den die russischen Horden heimgesucht haben! Es blieb kein Stein auf dem andern- 20000 Gemeinden niedergebrannt, von 8000 Haushaltungen der Hausrat planmäßig zerstört oder nach Rußland verschleppt, 2000 Zivilpersonen umgebracht, 40 000 fortgeschleppt, von denen heute niemand weiß, was aus diese» armen Menschen­kindern geworden ist. Ueber 4000 Frauen und Kinder fortgeschleppt oder ermordet. Eine Viertel­million Flüchtlinge in ganz Deutschland zerstreut und bet gutherzigen Menschen untergebracht. So sieht es in diesem kleinen Teil von Ostpreußen aus »ach einem Vortrag, den der Herr Oberpräsident Batocki neulich in Berlin gehalten hat.

Ihr wißt, daß das sogenannte Regensburger KurSgebäude seit Ausbruch des Krieges Lazarett ist. In unserem Lazarett war ein junger 22jähriger Bauernbursche aus Ostpreußen schwer verwundet. Sein Vater war verschleppt, die Mutter umgebracht, 2 Schwestern verschleppt, sein Elternhaus der Erde gleichgemacht, die Maschinen waren davongefahren, das Vieh, das letzte Lebewesen auf dem Hof, als Beute verzehrt oder davongejagt, das Ackerland mit der Ernte verwüstet.

Glaubt ihr denn ntun, daß diese Familien, wenn sich Vater, Mutter und Kinder wiederfinden könnten, und wieder ihr altes Heim hätten, mit 9 Kilo Ge­treide im Monat gern zufrieden wären? Denkt an alles das! Und dabei sage ich, daß ihr euch auf dem Lande doch eher helfen könnt, wie in der Stadt. Neu­lich habe ich mit einem Bürgermeister von einer Ge­meinde gesprochen, wo man jahraus, jahrein die reine Mehlkost hat, wo fast keine Kartoffeln gebaut werden, wo Schweine unbekannt sind, wo wenig Getreide ge­baut wird, aus einer Gegend reiner Viehzucht, in welcher das Mehl von auswärts bezogen wird, aus einer Gegend, in der Fleisch mit Ausnahme von hohen Feiertagen überhaupt nicht gegessen wird, sondern nur die kräftige Schmalzkost. Er hat mich gefragt: Herr Doktor, was sollen wir tun? Was habe ich ihm zur Antwort gegeben? Ich habe ihm die Dinge so dargestellt, wie ich eben zu euch rede. Er hat alles eingesehen.

Ich habe ihm dann den Rat gegeben, den ich ihm in Friedenszeiten sicher nicht geben würde, der aber der Not der Zeit entspringt, doch in Gottes Warnen eben mehr die Fleischkost auf einige Monate einzu- führen. In jedem Bauerndorf können die Bauern, wenn sie sich zusammentun, alle 14 Tage, wenn man kein Schwein hat, auch ein Stück Rind schlachten und die Fleischnahrung in den Vordergrund stellen. Es gibt in'jedem Dorfe einmal eine gelte Kuh oder ein ähnliches Stück, das sollen die Bauern gemeinschaft­lich schlachten und unter sich auspfündeln. Man kann das Rindfleisch auch räuchern.

Dann haben die Bauern doch Eier und vor allem haben sie Milch. Durch Einsparung des Mehles ist auch die Nachfrage nach Butterschmalz nicht mehr so groß. Die Milch enthält alles, was der Mensch zur Ernährung braucht. Infolgedessen heißt es weniger Butter machen und mehr Milch im eigenen Haus verbrauchen.

Um ein Pfund Butter herzustellen, braucht man je nach Fettgehalt 12-14 Liter Milch. Auch in der entbutterten Milch bleiben noch für den Menschen überaus wertvolle Bestandteile zurück. Nur das Fett geht in die Butter über. Milch, Zucker und Eiweiß, die sehr nahrhafte Bestandteile bilden, werden beim Buttern nicht ausgeschieden, sie bleiben in der ent­rahmten Milch. Ein Bauer, der heute Butter ver­kauft um 1.20 Mk. oder 1.30 Mk. per Pfund und da­für um 55 Pf. Reis oder sonstige Nahrungsmittel kauft, ist ein schlechter Rechner. Buttert weniger aus und verwertet in erster Linie die ,o erngesparte Milch in eigenem Hause! Das kann euch niemand verdenken. Man muß halt einmal mit den alten Lebensgewohn­heiten jetzt in der Kriegszeit brechen. Es ist hier kein Zweifel, daß bei uns auf dem Lande die Er­nährungsweise überall viel zu einseitig ist. In der einen Gegend kommt nur Kartoffelkost immer in der einen Form, in der Oberpfalz Reiberknödel und Reiberdatsch, in Oberbayern nichts wie Nudeln und Schmaren usw. auf den Tisch.

(Schluß folgt.)

Wetteraussichten für Dienstag den 6. Juli.

Geringe Bewölkung, trocken, nur wenig kühler, süd­westliche Winde.