Einzelbild herunterladen
 

BIM MW WW HW »es WO. AW AM «Wk« W null MW.

Mililörifche Wochenschau.

Wieder ist eine Woche in diesem Weltkriege dahin- gegangen, wieder war das Kriegsglück den Waffen des neuen Dreibundes treu. Schöne Erfolge waren ihm beschieden, während die Staaten des Vierverban- des um neue Enttäuschungen reicher wurden. Im W e st e n ist von einer Offensive der Armeen Joffres und Frenchs nicht mehr die Rede. Jeder Tag hat viel­mehr den deutschen Truppen nördlich von Svuchez und halbwegs zwischen Souchez und Neuville stetige Fort­schritte gebracht. Was die Franzosen uns dort an Schützengrabenstücken entrissen hatten, um wenigstens einige Vorteile aus ihrer so ungestüm und so hart­näckig vorgetriebenen Angriffsbewegung zu ziehen, kehrt in erbitterten Nahkämpfen allmählich in unseren Besitz zurück. Diese andauernden deutschen Erfolge nördlich Arras haben nun auch dem obersten englischen Feldherrn zu denken gegeben. Er behält sich daher bis auf weiteres den Beginn neuer Unternehmungen vor, auf den ganzen fünfzig Kilometern der kurzen From- breite, die ihm und dem englisch-indischen Hilfsheere überlassen ist. Auch an anderen Stellen des westlichen Kriegsschauplatzes waren unseren Feinden Schlappen genug beschieden. Wie Dornen im eigenen Fleische schmerzen sie die Geländegewinne, welche die Unseren bei Les Eparges (nordöstlich von Verdun), bei Ban de Sept (in der rechtwinkligen Grenzecke unweit von Lu- neville) und an dem Westrands der Argonnen in der vorhergehenden Woche gemacht hatten. Aber alle fran­zösischen Rückeroberungsversuche sind an diesen drei Stellen fehlgeschlagen. Besonders heftig waren ihre Angriffe bei Les Eparges, wo sie täglich vier- bis fünf­mal in einer Frontbreite von zwei bis drei Kilometer tiefgegliederte Sturmkolonnerr Vortrieben. In den Ar­gonnen ging ihnen sogar, auch in dieser Woche, neuer Boden verloren. Dort gelang es württembergischeu und reichsländischen Truppen von der Armee des deutschen Kronprinzen nordwestlich von Four de Paris, alio wiederum am Westrande, in einer Breite von drei­tausend und einer Tiefe von zwei- bis dreihundertMe- tern voranzukommen. Bei dem schneidigen Vorstöße wurden über 1700 Gefangene gemacht, sowie 18 Ma­schinengewehre, 40 Minenwerfer und 1 Revolverkanone erbeutet. Schon diese hohen Beutezahlen sind ein trif­tiger Beweis für die Größe dieses schönen Erfolges. In den Vogesen entrissen wir den: Feinde in plötzlichen Ueberfällen eine Kuppe östlich von Metzeral und zwei Werke im Hilsensirste. Bemerkenswert ist noch, daß die Festungen Dünkirchen und Verdun von unserer schwe­ren Artillerie erfolgreich beschossen wurden.

Aehnlich wie im Westen unbeschadet taktischer ört­licher Unternehmungen naturgemäß der Stellungskrieg noch immer fortgesetzt wird, blieb auch im O st e n von der Ostsee bis zur Pilica diese Kampfesart an der Ta­gesordnung. Nur bei Prasznycz nahmen württem- vergische Truppen russische Stellungen beiderseits des Murawkabaches, unweit von Oglenda, im Sturm, eben­so wurden bei Kalwarja Höhen genommen, die der Feind besetzt hatte. Nicht unbeträchtlich war die Beute, welche Feldmarschall v. Hindenburg in seinem Ober­befehlsbereiche während des Monats Juni gemacht hatte. Sie betrug: 25 695 Gefangene, 7 Geschütze, 6 Minenwerfer und 52 Maschinengewehre. .

Umso lebhafter war der Bewegungskrieg in Sud- polen un ö G a l i z i e n. Unter dem Drucke, den die verbündeten Armeen in Galizien auf die weichenden feindlichen Truppen in heftigen Kämpfen ausübten, räumten die Russen auch in Südpolen, hart bedrängt von den dort stehenden verbündeten Armeegruppen, eine Linie nach der anderen. Groß war die Junibeute im Oberbesehlsbereiche des Feldmarichalls Erzherzogs Friedrich. Sie betrug 194 500 Gefangene, 98 Geschütze und 264 Maschinengewehre.

Nicht vom Fleck kommen, auch in der vergangenen Woche nicht, die Italiener. Schwerste Verluste, aber kein einziger Erfolg war das Ergebnis ihres Sturmlaufens. Trotz der Ansprüche, die Italien auf Albanien er­hebt, bemächtigten sich die Montenegriner der Stadt Sku- tari, während die Serben eine Reihe von Orten in Nord­albanien einnahmen. Seitdem sich die Russen auf ihrem ununterbrochenen Rückzüge von den Karpathen bis ins eigene Land befinden, schweigt man in Serbien von jener Offensive nach Syrmien, die einst beginnen sollte, wenn die Russen in Nordungarn eingebrochen wären. In Al­banien sind die Lorbeeren wohlfeiler, und was man hat, das hat man.

Unverändert ist die Lage auf G a l l i p o l i, wo ine englisch-französischen Truppen noch immer auf ihre win­zigen Stellungen beschränkt blieben. Groß waren, wie immer bisher, die Verluste der Feinde! Im Luft­kriege wurden zwei französische Flieger in der Gegend

aMBBMMBBMMMEMB«MWMgMMMBMMM^

Christel.

Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.

36) (Nachdruck verboten.)

Trotz aller Geschäftigkeit fanden Christel und die Brüder Zeit, eine Schneeballschlacht zu liefern. Hin und her flogen die Wurfgeschosse, und Lachen ertönte aus­gelassen dabei.

Mit geröteten Gesichtern und einem prächtigen Appetit kamen die Kämpfer um die Kaffeestunde ins Haus.

Und nun sinkt am heiligen Abend das Zwielicht hernieder; der Stern aus Bethlehem strahlt durch die Jahrhunderte. Ueberall werden die Christbäume ange­steckt, und frohe Menschen umstehen sie. Das schönste Fest des Jahres breitet seinen Zauber aus. Schlitten­geläut.

Die Jungen stürzen ans Fenster. Christel macht sich am Baume zu schaffen; sie weiß, wer kommt.

Röhrbach tritt ins Zimmer, begrüßt Adolf und Alice, wird Frau von Steinau vorgestellt, schüttelt den Jungen die Hand und geht zum Christbaum hin­über.

Darf ich helfen?" fragt er, nachdem Christel und er sichguten Abend" gesagt hatten.

Ach ja, dieses Licht will nicht gerade im Leuchter stehen. Bitte richten Sie es. So, nun ist es gehorsam. Ist es nicht fein, daß wir alle hier sind: Muttchen, die Jungens und--"

Sie unterbrach sich, wollte auch ihn nennen.

. , »AH HEe lange keinen Weihnachtsbaum brennen sehen", sagte er ernst.Seit meine letzte Schwester starb, konnte meine Mutter es nicht übers Herz bringen Darm starb auch sie, und Vater und ich blieben allein."'

von Belsort abgeschossen, zwei weitere mußten nach der Schweiz flüchten und dort landen. Auch zwei russische Flieger wurden abgeschossen. Oesterreichische Marine­flieger vernichteten einen italienischen Fesselballon und belegten ein italienisches Arsenal, sowie eine serbische Werft und ein serbisches Truppenlager mit Bomben. Sur See geht der Tauchbootkrieg seinen erfolgreichen ang, wichtigere Kämpfe zwischen Kriegsschiffen fanden nicht statt.

Aus dem großen Hauptquartier «-----------------------------«

o-^ Großes Hauptquartier, 2. Juli 1915, 4,30 Uhr nachmittags. (Amtlich. WTB.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Ein nächtlicher Angriff auf unsere Stellnngen west­lich von Sonchez wurde abgewiesen. Im Westteile der Argonnen hatten Teile der Armee. Sr. Kais. Hoh. des Kronprinzen einen schönen Erfolg: Die feindliche« Grä­ben nnd Stützpunkte nordwestlich von Fvnr de Paris wurden in einer Breite von drei Kilometern und einer Tiefe von 200 bis 300 Metern von württembergischeu und reichsländischen Truppen erstürmt. Die Beute be­trägt 25 Offiziere, 1710 Mann gefangen, 18 Maschinen­gewehre, 40 Minenwerfer, 1 Revolverkanone erbeutet. Die Verluste der Franzosen sind beträchtlich.

In den Vogesen nahmen wir auf dem Hilsensirst zwei Werke. Rttckerobernngsversuche des Gegners wur­den abgewiesen. An Gefangenen fielen 3 Offiziere, 140 Mann in unsere Hand.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Südöstlich Kalwaria wurde dem Feinde nach hefti­gem Kampfe eine Höhenstellung entrissen. Dabei machten wir 600 Russen zu Gefangene«.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nach Erstürmung auch der Höhen südöstlich von Knrostowice (nördlich von Halicz) sind die Russen auf der ganzen Front in Gegend Maryampol bis nördlich von Firlejow znm Rückzüge gezwungen worden. Ge­neral von Linsingen folgte dem geschlagenen Gegner. Die Bente erhöhte sich bis gestern auf 7765 Gefangene (darunter 11 Offiziere) nnd 18 Maschinengewehre.

Die Armeen des Generalfeldmarschalls von Macken- sen haben den Gegner westlich von Zamosz unter andau­ernden Kämpfen über den Labnnka- und Por-Abschnitt znrückgcdrängt nnd diesen bereits mit Teilen überschrit­ten. Weiter westlich ist die feindliche Stellung in Linie Tnribin-Krasnik-Jozefow (an der Weichsel) erreicht. Vorstellungen bei Stroza und Krasnik und die Orte selbst wurden noch gestern abend genommen.

Westlich der Weichsel hatten die Russen unter dem Druck des Angriffes die Brückenkopfstellnng bei Tarlow räumen müssen. Das südliche Kamienna-Ufer ist vom Feinde gesänbert.

Die Truppen des Generalobersten von Woyrsch ha­ben in erfolgreichen Kämpfen die Russen aus ihren Stellungen südöstlich von Sienna und bei Jlza gewor­fen und dabei etwa 700 Gefangene vom Grenadierkorps gemacht.

Oberste Heeresleitung.

Vsm österr.-ungar. Generalstab

Wien, 2. Juli. (WTB.) Amtlich wird verlautbart:

Rnssischer Kriegsschauplatz.

In mehrtägigen erbitterten Kämpfen warfen die verbündeten Truppen der Armee Linsingen die Russen ans der sehr starken Gnila-Lipa-Stellung abwärts Fir- lejow. Der Feind, der in östlicher Richtung zurückgeht und anf der ganzen Front von der Armee verfolgt wird, erlitt abermals schwere Verluste; 7765 Mann wurden in diesen Kämpsen gefangen genommen und 18 Maschi­nengewehre erbeutet. Nördlich anschließend innern die Kämpfe noch an. Am Dnjestr hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Du Aermster!" dachte Christel.

Um sechs schellte der Hausherr und öffnete die Flü­geltür zum Saale. Frau von Steinau setzte sich ans Klavier, und das alte, traute WeihnachtsliedStlle Nacht, heilige Nacht" wurde gesungen. Dann ging es zu den reich besetzten Tischen und zu den Gaben, die die Liebe aufgebaut hatte.

Christel fand auf ihrem Platze eine reiche Besche­rung von der Mutter und den Geschwistern vor, von Röhrbach einen Strauß langstieliger Rosen und wieder war die Bonbonniere aus hellgrünem Sammet dabei.

Röhrbach hielt noch etwas in der Hand. Als Chri­stel ihm dankte, sagte er:Ich möchte Ihnen noch etwas geben."

Er reichte ihr das Bild seines Vaters im Bronze- rahmen.

Wie lieb von Ihnen, Herr von Röhrbach, und wie ähnlich! Ich freue mich so sehr!"

Das Bild wurde vor einem Jahre gemacht; ich be­sitze auch eines", sagte er bewegt.Sie standen meinem guten Alten in den letzten Tagen seines Lebens nahe."

Er wandte sich ab, die Stimme zitterte ihm.

Adolf hatte für den Nachbar ein Kistchen feine Zi­garren bestimmt, und Christel hatte noch schnell ein Paar warme Pulswärmer gestrickt. Die Brieftaschen erregten bei den Herren Freude. Adolf küßte die Schwester, Nöhr- bach die fleißigen Finger Christels.

Ich hoffe, es kommen viele blaue Scheine in die Tasche," sagte Christel,es können auch braune sein."

Vorläufig wohl nicht, aber hoffentlich später, gnä­diges Fräulein", meinte Röhrbach.

* * *

Um diesebe Zeit, als der Baum in Hollkitten die Familie versammelte, feierte auch Hilde das Fest, wenn auch in anderer Art.

In Russisch-Polen kämpfen die verbündeten Trup­pen zwischen der Weichsel nnd dem Bug mit starken rus­sischen Kräften. Am Por-Bach nnd an der Wyznica grei­fen unsere Armeen überall an. Westlich der Weichsel griffen unsere Truppen die feindlichen Stellnngen bet Tarlow an. Um 5 Uhr nachmittags wurde ein Stützpunkt nördlich des Ortes erstürmt. In den Abendstunden ar­beitete sich die übrige Angriffsfront bis auf Sturmdistanz heran. Sie brach nachts in die russische Stellung ein, aus der der Feind fluchtartig znrückging. In der Verfolgung wurde Jozefow an der Weichsel genommen. Anch aus den Stellungen südöstlich Sienno wurden die Russen zurttck- geworfen und 700 Mann hierbei gefangen genommen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern wiederholte sich der italienische Angriff aus das Platean Daberdo. Nach mehrstündiger Vorbereitung dnrch schweres Geschützfener setzten nachmittags und abends mehrere Jnfanterievorstöße zwischen Sdraussina nnd Vermigliano ein, die alle wieder unter großen Ber- lnsten des Feindes abgeschlagen wurden. Borhergegan- gene schwächere Angriffe auf einen Teil des Görzer Brückenkopfes nnd im Krn-Gebiete wurden gleichfalls zurückgewiesen. Unsere braven Truppen behaupten nach wie vor die bewährten nrsprünglcyen Stellungen. Die Geschtttzkämpfe dauern an allen Fronten fort.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.

v. Höfer, Feldmarschalleutnaut.

Bevorstehende Räumung ganz Galiziens.

DasNeue Wiener Tageblatt" meldet über Kopen­hagen: Die russische Telegraphenagentur berichtet in vorbereitender Weise die bevorstehende Räumung ganz Galiziens zwecks Neugruppierung der russischen Armee. Der Generalissimus bleibt im Amte.

' Bericht des türkischen Hauptquartiers.'

» _ . . . 8

Konstantinopel, 2. Juli. (WTB.) An der Darda- nellenfront fand am 29. Juni an der Nordgruppe von Art Burnu bloß gegenseitge Beschießung statt. An der Südgruppe bei Sed nl Bahr dauerte der Kampf den ganzen Tag. Der Feind wollte unsern rechten Flügel umzingeln und unternahm unter dem Schutze unaus­gesetzten Artilleriefeners einen Angriff. Wir brachten die feindliche Absicht durch unsere Gegenangriffe zum Scheitern. In der Nacht zum 1. Juli schlugen wir an der Südgrenze von Ari Burnu sämtliche Angriffs­versuche gegen unsere Berschanzunge« im Zentrum blu­tig ab. Unser rechter Flügel ging znm Gegenangriff über «nd entriß dem Feinde zwei hintereinander lie­gende Reihen Schützengräben. In derselben Nacht un­ternahmen an der Nordgruppe von Sed nl Bahr unsere Truppen einen Gegenangriff gegen den linken Flügel des Feindes. Die Schlacht dauerte die ganze Nacht an. Unsere Truppen drangen in mehrere feindliche Graben­stücke ein und setzten den Angriff in hartnäckigen Nah­kämpfen fort. Die Schlacht endete erst bei Sonnenauf­gang. Am 30. Juni dauerte der Kampf an unserem rech­ten nnd linken Flügel der Südgruppe von Sed nl Bahr von 7 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags. Diese Schlacht, die an jedem der beiden Flügel mit Angriffen unserer Truppe» begonnen hatte, verlief sehr günstig für uns. Unsere anatolischen Küstenbatterien nahmen erfolgreich an dem Kampfe der Südgruppe teil und beschossen mit sichtlicher Wirkung das Lager und die Artilleriestellnngen des Feindes. Eins unserer Flugzeuge überflog Sed nl Bahr und warf dort Bomben ab. An den anderen Fron­ten nichts von Bedeutung.

Der italienische Krieg.

Umgruppierung von italienischen Trnppen.

Kopenhagen, 3. Juli. (T. lt.) Nach einer Türmer Meldung des Pariser Journals beginnen, wie dasB. T." meldet, die Italiener ihre Truppen umzu- grnppieren. Der Marsch nach Triest ist nach dem Pariser- Blatte anfgcgeOen worden, um alle Kräfte auf einen Stoß in das Herz Oesterreichs richten zu können. Wo dieses Herz liegt, wird noch verschwiegen. Noch vor drei Wochen erklärte das Pariser Journal die Eroberung Triests nur noch als eine Frage von Tagen und Stunden.

Italiens Enttäuschung in Albanien.

Lugano, 3. Juli. (T. U.) Die Nachricht, daß nach den Serben und Montenegrinern auch die Griechen mit ihrem Vormarsch auf Berat in Albanien einrücken, erregt den namenlosen Zorn derTribuna". Sie wieder-

Sie hatte ihre Probezeit bald bestanden. Sie fühlte sich nützlich und die Arbeit hatte ihr wohlgetan. Die Un­freiheit war von ihr gewichen. Klaren Auges schaute sie ins Leben, für sich nichts erwartend, in christlicher Nächstenliebe tätig.

Im Februar sollte sie eiue Staffel emporrücken und bei den Operationen zugegen sein, die leichteren Patien­ten bekommen und so nach und nach in ihren schönen Beruf eingeweiht werden. Sie trug jetzt auch die Tracht der Schwestern: das weiße Häubchen, das blaue Wasch­kleid und die große Schürze. Die Oberin war besonders freundlich gegen sie, und mit ihrer Stubengenossin, Schwester Martha, verband sie aufrichtige Freundschaft. Schwester Martha stammte aus einfachen Kreisen, aber ihr ganzes Wesen, ihre stets sich gleich bleibende Freund­lichkeit machten sie Hilde teuer.

Hin und wieder hatte Hilde schon Nachtwachen über­nommen. Zuerst fielen sie ihr nicht leicht, später gc= wöhnte sie sich daran, und trotz ihrer oft anstrengen­den Arbeit sah sie frisch und gesund aus.

Am heiligen Abend erklang auch im Hospital das alte Weihnachtslied. Die kleinen Kranken'waren in den Speisesaal getragen worden und lagen oder saßen auf weichen Sesseln und Kissen. Manche Eltern waren gekommen, um ihren Lieblingen zu bescheren. Kleine, abgemagerte Hände griffen nach den Gaben, und Kinder- angen glänzten in dankbarer Freude.

Ein kleines Mädchen von vier Jahren hatte keine Eltern. Es litt an einer langwierigen Hüftenentzün- imng. Zu diesem Kinde fühlte sich Hilde besonders htn- gezogen. Wenn es die Zeit erlaubte, saß sie am Bett- chen der kleinen Anna und erzählte ihr Märchen, spielte mit ihr und pflegte sie.

(Fortsetzung folgt«), . .