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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im / amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bet Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 154.

Sonntag, den 4. Juli

1915

MWtl Stil.

Vetanatmachung betreffend Herstellungsverbot für Baumwollstoffe.

Auf Grund § 9 Buchstabe b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 (in Bayern auf Grund Artikel 4 Ziffer 2 des Gesetzes über den Kriegs- Mtcmd vom 5. November 1912) wird folgendes

Herstellungsverbot erlassen und zur allgemeinen Kenntnis gebracht.

§ 1-

Vom 1. August 1915 an dürfen bis auf weiteres folgende, ausschließlich oder vorwiegend aus Baum­wolle zu fertigende Web- und Wirkwaren ohne Unter­schied, ob glatt, gemustert oder buntgewebt, nicht mehr hergestellt werden:

1. Stoffe für Leib und Bettwäsche:

Sämtliche Gewebe, zu welchen sei es in Kette, sei es in Schuß Garne unter Nr. 16 engl. oder über Nr. 32 engl. zu verwenden sind, ohne Rücksicht auf die Fadenstellung,' ferner sämtliche Gewebe, zu deren Her­stellung mehr als 5 Schäfte gebraucht werden.

2. Stoffe für Haus- und Tischwäsche:

Tischzeuge und Tischtücher, Servietten, Handtücher und Haudtuchzeuge im Stück, Küchentücher, Scheuer­tücher, Staubtücher, Frottiergewebe, Inletts, Daunen- köper, gerauhte Bettücher.

3. Kleider und Futterstoffe:

a) Sämtliche Gewebe, zu welchen sei es in Kette, sei es in Schuß Garne unter Nr. 16 oder über Nr. 32 engl. zu verwenden sind, ohne Rücksicht auf die Dichte der Fadenstellung; ferner sämtliche Gewebe, zu deren Herstellung mehr als 5 Schäfte gebraucht werden.

b) Stickereistoffe, Filets, Tülle, Spitzen, Schleierstoffe, Fransen,- Kleiderfrottees, Kleidervelvets -Plüsche und -samte.

4. Stoffe für Inneneinrichtung:

Matratzendrelle, Bettvorlagen, Wandbespannungs­stoffe, Tapezierstoffe, Möbeldrelle, Läuferstoffe, Möbel­plüsche, Tisch- und sonstige Decken, Vorhangstoffe, Fell­stoffe, Vorhangkretonnes, Madrasvorhänge, Gardinen aller Art.

5. Stoffe für technische Artikel:

Säcke, Treibriemen,Seile,Bindfaden, Walzentücher, Seihtücher, Käsetücher.

6. Bänder, Litzen, Riemen, Gurte, Besatzartikel und Posamente.

7. Wirkwaren jeder Art.

Das Verbot erstreckt sich auch auf solche Gegen­stände, welche den unter 1 bis 5 aufgezählten Ver­wendungszwecken dienen und den aufgeführten Stoffen im wesentlichen gleich sind, jedoch unter anderer Be­zeichnung gehandelt werden.

Die Herstellung der unter das vorstehende Ver­bot fallenden Waren ist nach wie vor erlaubt, wenn hierzu ausschließlich Garne von Nr. 60 engl. einfach aufwärts Verwendung finden.

§ 2.

Das Verbot erstreckt sich nicht auf Web- und Wirk­waren irgendwelcher Art, welche

1. in der Zeit bis zum 1. August 1915 zur Erfüllung von unmittelbaren oder mittelbaren Aufträgen der Heeres- oder der Marineverwaltung in Arbeit ge­nommen waren,

2. ab 1. August 1915 durch den Kriegsausschuß der Baumwollindustrie, dessen Gründung in Aussicht ge­nommen ist, zur Vergebung gelangen,

3. aus Rohstoffen oder Halberzeugnissen gefertigt werden, welche nachweislich erst nach dem 15. Juni 1915 vom Ausland nach Deutschland eingeführt worden sind.

JmöffentltchenJnteresse undzur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens können Ausnahmen vom Ver­bot der Herstellung, insbesondere der unter Ziffer 5 aufgeführten technischen Artikel, durch das Königl. Preuß. Kriegsministerium, Kriegsrohstoff-Abteilung (Sektion W 2.), Berlin SW 48, verlängerte Hedemann­straße 9/10, bewilligt werden.

§ 4. Strafandrohung.

Wer das in § 1 ausgesprochene Herstellungsver- bot Übertritt oder zu solcher Uebertretung auffordert oder anreizt, wird, sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist, mit Ge­fängnis bis zn einem Jahr bestraft.

Cassel, im Juni 1915.

Der Stellv. Kommandierende General des 11. Armeekorps, gez. v. Haugwitz.

* * * Hersfeld, den 1. Juli 1915.

Wird veröffentlicht.

I. 8249. Der Landrat.

I. B.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Unsere D Helden

Auf dem Felde der Ehre fielen: In­fanterist Karl Rössing, Hersfeld, Fritz Eschstruth, Wilhelmshof bei Hersfeld, Pionier Peter Georg Knittel, Hersfeld, Erst Res. Peter Soika, Kalkobes, Ers. Res. Adam Blum, Mengshausen, Gardist Johannes Albert, Hausen, Musketier Jacob Hofmann, Mecklar, Leutnant d. R. Gustav Weege, Hersfeld.

Mit demE i s e r n e u K r e u z" ausgezeichnet wurden: Grenadier Wilhelm Deiß, Burghaun, Joh. Deis, Schenklengsfeld, Trompeter Sergeant Hahn, Friedlos, Pionier Wilhelm Nordheim, Philippsthal.

Bus der Heimat.

* (Hütet die Feldpo st briefe!) Das stellver­tretende Generalkommando des 7. Armeekorps ver­öffentlicht folgende Warnung:Es hat sich die Tat­sache herausgestellt, daß Beauftragte feindlicher Staaten zu dem Zwecke sich im Lande umhertreiben, um An­gehörige von Kriegsteilnehmern znr Auslieferung von Feldpostbriefen oder Abschriften von solchen zu veranlassen. Unter dem Vorgeben, es handle sich um Vaterländische Werke, in denen die Briefe zum Ab­druck gelangen sollen, oder durch andere Vorspiegel­ungen, auch Geldanerbteten, suchen sie ihren ver­räterischen Zweck zu erreichen. Die Briefe werden von ihnen besonders dazu benutzt, um die Standorte der einzelnen, zn bestimmten Korps gehörenden Re­gimenter festzustellen, sowie die Höhe der Einzelver­luste Truppenverschiebungen und dergl. daraus zu berechnen. Die Bevölkerung wird demnach aufs dringendste davor gewarnt, Feldpostbriefe an dritte Personen auszuliefern oder Aufzeichnungen aus solchen zu gestatten. Von verdächtigen Anträgen solcher Art ist der nächsten Militär-oder Polizeibehörde schleunigst Kenntnis zu geben."

):( Hersfeld, 2. Juli. (Vaterlands dan k.") Bei den schweren Verlusten, die unseres tapferes Volk in diesem größten und blutigsten aller Kriege zu erleiden hat, sind die Anforderungen, die für die Versorgung der Kriegswitwen und- waisen an den Staat gestellt werden, ungeheuer, so groß, daß sie nicht in dem wünschenswerten Umfange erfüllt werden können. Alle Kreise unseres Volkes sind überzeugt, daß hier private Tätigkeit eingreifen muß, und so hat sich dieNationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen" gebildet, die sich zur Aufgabe macht, den Witwen und Waisen der im Kriege ver­storbenen Reichsangehörigen zu helfen, und zwar ohne Unterschied des Standes, der Partei und des Glaubens, soweit Unterstützungen neben der Reichsfürsorge er­forderlich erscheinen. Selbstverständlich sind zu diesem Zweck nicht geringe Mittel aufzubringen. Bei den hohen Anforderungen, die in dieser großen Zeit an die Opferwilligkeit des deutschen Volkes herantreren, wäre es aber verfehlt, sich allzu oft mit der Bitte um Barspenden an die Oeffentlichkeit zu wenden. Darum hat sich die VereinigungVaterlandsdank" zur Auf­gabe gemacht zu Gunsten derNationalstiftung" eine Sammlung entbehrlicher Gold- und Silbersachen zu veranstalten und auf diese Weise tote Werte, die in Kisten und Kasten unbeachtet und vergessen umher- lagen, für einen gemeinnützigen Zweck wieder lebendig zu machen. Im Zusammenhänge mit der über das ganze Reich sich erstreckenden Organisation dieser Sammlung hat sich in unserem Kreise ein Aus­schuß gebildet, der an alle Bewohner von Stadt und Land die herzliche Bitte richtet, seine Bestrebungen durch Zuwendung geeigneter Gegenstände (alte Uhren, Ketten, Ringe, Armbänder, Anhänger, Löffel u. a.) unterstützen zu wollen.

§ Hersfeld, 3. Juli. Im Orts- und Landbestell- bezirk des hiesigen Postamts und der hierher zuge­teilten Postagenturen bestehen folgende amtlichen V e r k a u f s stellen für Postwertzeichen: In Hersfeld : Bei E. Hirschberger, Linggplatz, bei L. Glebe, Claustor, bei L. Lotz Nächst, Breitenstraße, bei Joseph Gold­schmidt, Obere-Franenstraße. Im Landbestellbezirk: In der Waldschenke, bei Seelig, Kathus, bei Henning, Heenes. In Asbach: bei Bürgermeister Baumhardt. In Kerspenhausen: bei Bürgermeister Rössing. In Friedewald: bei Kaufmann Volkenandt. In Allen- dorf (Kr. Hersfeld): bei Bürgermeister Schmidt. In Gershausen: bei Bürgermeister Faulhaber. In Rotensee: bei Bügermeister Hebig Jm Unter­baun : bei Frau Therese Kölzer. In Muhlbach: bei Landwirt Heußner. In Ellingshausen: bei Landwirt Zinn. In Salzberg: bei Landwirt Bernhardt.

Bebra, 2. Juli. Die Erneuerungs- und Umbau­arbeiten an dem großen Hönebacher Tunnel zwischen den Stationen Hönebach und Bebra, die vor einer Reihe von Jahren in Angriff genommen werden mußten, sollen auch im gegenwärtigen Knegsiahr noch weiter gefördert werden. Es sollen letzt die zur Rauch- ableitung und Luftzufuhr erbauten Luftschächte, die bei 2 Meter Durchmesser eine Höhe von ca. 40 Metern haben, erneuert werden. Die Arbeiten sind bereits ausgeschrieben worden. Durch die Erneuerungsbauten ist genügend Vorsorge getroffen, daß der Tunnel in

Zukunft auch bei noch stärkerem Verkehr allen An­forderungen entsprechen wird.

Marburg, 1. Juli. Hier ereignete sich der merk­würdige Fall, daß ein in der Landesheilanstalt unter- gebrachter Soldat, der im Felde beim Granatfeuer taubstumm geworden war, beim gestrigen Gewitter so erschrack, daß er Sprache und Gehör plötzlich wieder- fand. Man ist gespannt, ob die Genesung anhält.

Marburg, 1. Juli. Vor dem Schöffengericht hatten sich heute zwei Studenten stvegen schwerer nächtlicher Ruhestörung, Zertrümmern von Straßenlaternen usw. zu verantworten. Das Gericht war der Ansicht, daß gerade mit Rücksicht auf die Kriegszeit derartige Ver­fehlungen schwer geahndet werden müßten, und ver­urteilte den Hauptübeltäter zu 380 Mk. und seinen Genossen zu 350 Mk. Geldstrafe.

Aus Oberhessen, 27. Juni. Auch ein Grnnd zum Hurrarufen! Wenn in dem Städtchen unserer schönen Provinz irgend eine Siegesnachricht eintrifft, dann erhält die Schule zuerst die Kunde und läßt sie in Ermangelung von Extrablättern von den Schulkindern unter lauten anhaltenden Hurrarufen den Einwohnern mitteilen. Am letzten Samstag nun wurde das Städtchen wiederum durch besonders kraftvolle nnd akkordreiche Hurrarufe der Schuljugend mobil ge­macht. Alle Fenster fliegen auf, auf den Straßen sammelt sich im Nu das halbe Städtchen. Erwartungs­voll fragt man die vor Freude überströmende Buben- schar:Wieviel Russen sind denn wieder gefangen?" Hurra, hurra, hurra!" ist die Antwort, und dann jauchzte die Gesellschaft:Ei, gar keine! Aber unser Lehrer muß einrücke! Hurra, hurra, hurra!"--

Alsfeld, 1. Juli. DasAlsfelder Tageblatt" hat sein Erscheinen bis auf weiteres eingestellt.

Fulda, 2. Juli. Vereinzelt sind in unserem Kreise die Landwirte schon mit dem Schnitt der Wintergerste beschäftigt. Sie verspricht eine gute Ernte.

Arnstadt, 2. Juli. Zwei Brotkarten mehr wird von jetzt ab jeder Haushalt erhalten. Dies soll ge­schehen, um die Zubereitung von Mehlspeisen ange­sichts der hohen Fleischpreise in den Familien zu ermöglichen. _________________________

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Unaufhaltsam eilt im Osten unsrer Heere Siegeslauf, Rußlands letzte Niederwerfung hält kein Sterblicher mehr auf, lange kann es nicht mehr währen, steht der Tag auch noch nicht fest, -- bis sich Rußlands schlimme Lage nicht mehr reparieren läßt. Mag in Rom, Paris und London man sich noch so sehr bemühn, um bem Volke zu beweisen, daß daraus kein Schluß zu zieh», daß der Russen Flucht am Ende gar ein neuer Kriegsplan sei, der sich schon bewähren würde, wenn man nur geduldig sei. Mag man alles das verkünden, eines steht dagegen fest, daß in Rußland selbst sich niemand dergestalt betören läßt, russische Minister fliegen alle Tage jetzt ein paar, weil in Petersburg man einsieht, daß nicht einer tauglich war, und mit Angst und stillem Zittern geht der nächste an das Amt, wozu ihn die hohe Gnade seinesVäterchens verdammt. Nikolajewitsch, der immer gleich geohrfeigt rechts und links, hätte jetzt die besten Gründe auch sich selber so ein Dings mitten ins Gesicht zu pflanzen, denn er sieht allmählich ein, daß es besser für ihn wäre jetzt derjenige nicht zu sein, der vor Jahresfrist die Suppe eingerührt aus Größenwahn und inzwischen lernen mußte, daß ers besser nicht getan.

Walter-Walter.

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Nicht nur an den Tagen, an denen man etwas wichtiges unter ihnen vermutet, sondern a@r täglich

Unter den amtlichen Bekanntmachungen werden fast Tag für Tag Bestimmungen wirtschaftlichen Inhalts verzeichnet, die man in dieser ernsten Zeit wissen und befolgen muh. Einmal im Interesse des allgemeinen Wohles und dann auch um sich vor Strafe zu schützen.

Wetterausfichten für Sonntag den 4. Juli.

Meist heiter, trocken, warm, schwache Luftbewegung.