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Sie Folgen der russischen Meverlagen.

Die politischen Folgen der Schläge, die die Russen in Galizien erlitten haben, lassen sich noch nicht über­setzen. Unsere Siegesfreude darf uns nicht verfuhren, alsbald eine Lockerung des Zusammenhangs innerhalb des Dreiverbandes zu erwarten. Bis sich die Stimmung in Rußland einerseits gegen die Verbündeten, insbe- svnöere das mir Kriegsleistungen säumige England, an­derseits gegen die eigenen Gewalthaber vertieft, wird eine längere Zeit erforderlich sein. Auch ist nutzt zu übersehen, daß die Hoffnung auf die Bezwingung der Dardanellen und auf den großen Beutehaufen, der dann trotz aller Niederlagen des Dreiverbands auf den euro­päischen Kriegsschauplätzen im Westen und Osten für diesen übrig bliebe, immer noch fortlebt. Die wichtigste politische Folge der Verdrängung der Russen aus Gali­zien wird aber gerade die sein, daß alle Dreiverbands­versuche, einen neuen Balkaubund gegen unsere beiden Verbündeten, Oesterreich-Ungarn und die Türkei, zu gründen, endgiltig scheitern.

Die R u m a n e n können aus der Nahe beobachten, daß die Stoßkraft des russischen Heeres vollständig er­lahmt ist und daß die militärische Möglichkeit, die Retter- rolle für Rußland zu übernehmen, uidji mehr besteht. Din militärische Lage weist Rumänien darauf Hin, seinen Vorteil in einer Abmachung mit den Zentralmächten zu suchen. Schon für die Beobachtung einer wohlwollenden Neutralität kann Rumänien die Befriedigung gewisser nationaler Wünsche erlangen. Bulgarien hat be­reits vor der Wendung in Galizien alle Lockungen und Versprechungen des Dreiverbandes zurückgewiesen. Die Hauptbedingung Bulgariens, sofortige Herausgabe Ma­zedoniens, war unerfüllbar. Welche Sprache man m Serbien führt, zeigt das Regieruugsorgan wenn es schreibt:Es heißt, ein neuer Balkaubund solle unter dem Schutz Rußlands gebildet und zu diesem Zweck die Rückgabe Mazedoniens au Bulgarien durchgesetzt wer­den. Sollte das geschehen, sagt das serbische Blatt, sollte man Serbien nur des kleinsten Stückchens des mit Blut erkämpften Bodens berauben wollen, so möge die ganze Welt ebenso wie unsere wahnsinnigen bulgarischen Brüder wissen, daß wir die Frage nicht ungelöst lassen werden. Um uns ein für allemal zu schützen, werden wir tun, was wir in Albanien tun alle bulgarischen Pro­vinzen bis zu den Flüssen Jantra und Maritza besetzen und sie mit Großserbien mit dem geeinigten Südslawien vereinen. .. . .

Selbst ein siegreiches Rußland wäre nicht im Stande, die verwickelten Balkanprobleme zu lösen. Wie viel weniger ein geschlagenes! Das haben die klugen bulgarischen Brüder schon gewußt, bevor es ihnen das serbische Regierungsorgan von Neuem sagte. Endlich hoffen wir, daß die Lemberger Schlacht ihre politische Wirkung bis nach Griechenland erstrecken wrrd. Zwar hat bei den Neuwahlen die Partei des Veniselos die Mehrheit erlangt. Was aber Veniselos vor Monaten als Ministerpräsident nicht gegen den König durchzu- setzen vermochte, nämlich die Intervention gegen die Türkei, wird er vielleicht jetzt nach der für den Dreiver­band so bedeutend verschlechterten allgemeinen Kriegs- lage und nach dem Beitritt des alten griechischen Erb- feinds Italiens zum Dreiverband erst nicht mehr zu er­reichen versuchen. N. K.

kriegsbilver für das amerikanische Volk, sendet derKöln. Volksztg." ein Major aus der Gegend zwischen der Aisne und den Argonnen. Wir können den Ingrimm und die Bitterkeit verstehen und nachfühlen, mit denen ein Truppenführer, der solches erlebt hat, diese Zeilen zu Papier brächte.

Lichtblau wölbt sich die weite Kuppel des Firma­ments. Hell und warm strahlte die Sonne hernieder, die Lerche steigt trillernd empor, Friede und Freude liegt über dem Lande. _

Im Schützengraben steht etn Wehrmann, er hat eine Photographie vor sich liegen, seine Frau mit den drei Kindern darstellend. Das jüngste hat sie auf dem Arme, es ist geboren, als er schon im Felde war, er hat's noch nicht gesehen. Nächstens darf er heim, darf sein Jüngstes schauen. Das Regiment hat ihm vierzehn Tage Urlaub bewilligt, die er in zwei Tagen antreten soll. Sinnend, verklärten Auges schaut er auf das Bild, eine Träne rollt ihm in den Bart.

Da wird die friedliche Stille jäh unterbrochen etn Knall, ein Zischen, eine mächtige Explosion. Schwarzer Rauch erfüllt den Fleck, Balken bersten, Erdbrocken fliegen!

^Wir stürzen hinzu, ein Stöhnen dringt uns ent­gegen. Schwerverwundet liegt der Wehrmann im Gra- ben. Der Arzt springt hinzu, sucht zu retten, was zu retten ist. Unmöglich, er ist dem Tode verfallen. Wir beten mit ihm. er mit uns sein Gesicht wird immer

wer:Mein Wew .. meine armen Kinder," spricht er und hat ausgelitten.

Wir decken ihn mit dem Zelttuche zu. Zum Klagen ist keine Zeit, es gilt den Schaden am Schützengraben so­fort auszubessern. Rasch sind wir am Werke. Beim Aufräumen finden wir Granatsplitter, wir beschauen sie. Ach, da ist der Fabrikstempel!" Im ersten Zorne kommt ein herbes Wort heraus, ich will es nicht wieder­holen. Der Stempel ist nämlich der einer amerikanischen Firma! Um schnöden Geldgewinnes liefert Amerika Frankreich das Moröwerkzeug, das unsere Familien­väter dahinrafft! . . .

Ein anderes Bild: Ein junger Fahnenjunker faltet die Hände zum Gebete. Er soll seine Leute vorführen, die feindlichen Drahtverhaue zu zerstören. Der erste Flaum sproßt auf seinen Lippen, er ist brav, fromm und rein. Als die große Not des Vaterlandes kam, da litt es ihn nicht zu Hause. Mit seinem Vater zog er aus, den Feinden ringsum Trotz bieten zu helfen. Sein Ge­bet ist kurz, recht nach Soldatenart. Mutig eilt er seinen Leuten voran, eben sind sie am Verhau, da stürzt er als erster eine Kugel traf ihn in den Hals, in wenigen Minuten ist sein blühendes Leben zu Ende. Und wie reich war seine Aussicht für die Zukunft, da er so begabt und tüchtig gewesen! Er war seines Vaters Stolz und Freude. Nun liegt er hingemordet da. Von wem? Das Kupfer der Kugel lieferte Amerika, die Hülse der Patrone, aus der das Geschoß kam, lieferte Amerika und die Chemikalien zum Pulver, die das tödliche Geschoß trieben, lieferte Amerika. So sendet ihr jenseits des Ozeans uns Tod und Verderben! Der grimme Krieg wäre längst zu Ende, lieferte Amerika nicht so viele Munition.

Noch ein drittes Bild. Vorabend vor Fronleichnam, des Festes, das so recht ein Fest der Freude und des Jubels ist. Doch kein Glockengeläute ertönt, nein, statt dessen wettern und krachen die Granaten. Woher stam­men sie? Nun, auch sie tragen amerikanische Marken. Was soll euer Beten um Frieden drüben, solange ihr zu unseren Kirchenfesten solch' Geläute liefert!

Die Ablösungsstunde naht. Froh marschieren wir ins Quartier. Die gefährliche Strecke haben wir hinter uns, da auf einmal wieder ein Knall, das Sausen und Zischen und der Krach. Um uns platzen die Granaten aus Amerika. Wir suchen Schutz hinter einem Hange und kommen gerade noch mit dem Leben davon. Segens­wünsche haben wir für jenes Land, das unseren Gegnern das Kriegsmaterial liefert, da nicht gesprochen.

Was haben wir Amerika getan? So fragen wir an der Front uns oft. Nun, wir ließen uns in Zollfragen alles mögliche gefallen, nur um Frieden zu halten, sonst haben nur Amerika nichts getan. Dazu aber, daß die Amerikaner glauben sollten, wir wollten die Welt unter­jochen, durch den preußischenMilitarismus" drohe der Kultur Gefahr usw., dazu halten wir die Ameri­kaner doch für zu gescheit.

Nein, es gilt einzig und allein den Geldbeutel von gewissen Millionären noch weiter zu füllen. Während diese in ihrem Klub sitzen und sich unglaublichen Schlem­mereien hingeben oder im Spiele ihre Nerven anregen, oder in ihren Jachten wie Fürsten auf dem Meere um­herjagen oder mit leicht geschürzten Frauen ihre Zeit zubringen während dieser selben Zeit fließt das Hel- üenbtnr unserer deutschen Väter und Söhne, vergossen zum Vorteil dieser Amerikaner! Das mache sich das amerikanische Volk einmal klar! Das bedenkt einmal, ihr amerikanischen Männer und namentlich ihr Mütter und Mädchen drüben! Denkt euch einmal in die Lage deutscher Frauen und denkt, welchen Fluch das ameri­kanische Volk auf sich herunterzieht, wenn es zulätzt, daß das Elend des Krieges so verlängert wird. Denn eine Niederlage Deutschlands scheint doch, wie die Sachen eben stehen, ausgeschlossen. tD. Tgztg.)

Aus Feldpostbriefen.

Deutsche Barbaren.

Ein junger Kriegsfreiwilliger sendet seinen Eltern aus dem Westen einen Brief, aus dem wieder recht deut­lich hervorgeht, welch herzensgute Menschen unsere bra­ven Soldaten sind und tote sehr sich unsere Feinde selbst beflecken, wenn sie ihnen den Namen vonBarbaren" undHunnen" andichten. Der junge Krieger schreibt:

Mit Heutigem möchte ich Euch eine Begebenheit schildern, die den Charakter und die Kriegsweise der Franzosen in nicht gerade schönem Lichte erscheinen läßt, während sie das Gemüt des deutschen Soldaten wiederum in seiner vortrefflichen Eigenschaft kennzeichnet. Sie ist traurig, weil sie dem Schicksal einer guten französischen Familie des Mittelstandes eine tragische Wendung ge­geben hat.

Das Haus, in dem ich hier gutes Quartier gefunden habe, wird von einer Frau mit 2 Kindern bewohnt. Die Frau hat mir folgendes erzählt, das unbedingt den Stempel der Wahrheit trägt: Im Oktober war es. als

deutsche Ulanen. das WT Verwestes zwischen La Basier und Bethune nordwestlich von Lens besetzten und die Franzosen immer weiter zurückjaglen. Eine Patrouille kam auf einen Gutshof und machte dort Quartier. Die Bewohner des Hofes, eben jene Frau mit ihren beiden Kindern, ließen sich zuerst nicht sehen, kamen aber später zum Vorschein, nachdem sie bemerkt hatten, daß die Deutschen doch nicht solche Barbaren sind, wie noch tags zuvor die Franzosen sie geschildert hatten. Ein Offizier nahm sich der an allen Gliedern zitternden Frau an, be­ruhigte sie sowie die beiden schreienden Kinder und ließ der harmlosen Familie, als er bemerkte, daß sie hungrig war, von den Soldaten Essen bringen. Die Frau wurde dann auch gesprächiger und erzählte, daß die französischen Soldaten ihr alles Vieh, Wertgegenstäuöe und auch Geld genommen hätten, und daß sie nun nichts mehr zu esst habe und nicht wisse, was sie tun solle. Sie sagte ab auch, daß sie unter feinen Umständen das Haus, in dem ihre Eltern und sie selbst ausgewachsen wären, verlassen wolle. Der Offizier fühlte Mitleid und ließ tue Familie auch weiterhin verpflegen. Zugleich überzeugte er die Frau, daß die Deutschen alles gute Menschen seien und diese schon dafür sorgen würden, daß sie mit ihren Kin­dern nicht umkommen werde. Nach ein paar Tagen mußte die Patrouille wieder zurück, unS die Franzosen besetzten das Dorf später wieder. So ging das verschie­dene Male,' einmal war deutsche Kavallerie im Orte, ein andermal die Franzosen. Die Bewohner hatten

aber jetzt keine Angst mehr vor den Deutschen, sondern empfingen sie mit offenen Armen.

Dagegen versteckten sie Hab und Gut, so weit es ging, vor ihren eigenen Soldaten. Bis dahin war in dem Dorfe und der Umgebung außer kleiner Vorpostenge­fechte noch nichts vorgefallen, was dem Leben der Bevöl­kerung hätte gefährlich werden können.

Einige Wochen später aber kam die deutsche Infan­terie in die Nähe. Es gab größere Gefechte in der Um­gebung des Ortes, und die Bewohner verkrochen sich in den Kellern. Die Franzosen wurden geschlagen, und die Dentschen besetzten das Dorf und warfen vor demselben Schützengräben auf. Jetzt flüchteten viele Einwohner; andere jedoch blieben aus Liebe zum Heim noch zurück. Nun aber begann auch die Artillerie ihr Werk. Das Dorf wurde von der französischen Artillerie stark unter Feuer

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genommen. Ein Haus nach dem andern stürzte zusam­men oder ging in Flammen auf. Die große Mehrzahl der Bewohner hatte jetzt das Dorf bereits verlassen: die Familie, von der ich erzähle, war aber in den Keller geflüchtet und wollte dort das Ende des Kampfes ab­warten, um dann ebenfalls zu fliehen. Da schlug eine mächtige Granate in ihr Haus ein und zertrümmerte dasselbe vollständig. Die Insassen wurden durch Gottes wunderbare Fügung jedoch nicht verletzt und von unsern Truppen aus den Trümmern hervorgezogen. Jetzt zog die Frau es auch vor, mit ihren Kinder zu fliehen, und trotz Granaten und Schrapnellen gelangte sie glücklich aus dem Geschützfeuerbereich. Die Kleider waren ihr zerfetzt, die Glieder zerschunden, so lag sie während der Nacht auf freiem Felde von ihren armen, schreienden Kindern umgeben: doch hatten sie ihr Leben gerettet. Gott hatte seine Hand über ihren Häuptern gehalten und nicht geduldet, daß sie umkommen. Am folgenden Tage zogen sie weiter, und am Abend desselben kamen sie, auf den Händen kriechend, von Hunger, Durst und Schrecken ermattet, in Lens an. In diesem schrecklichen Zustande fand sie ein braver Musketier. Er brächte sie zur Kom­mandantur, wo die Frau vernommen wurde. Zufälli­gerweise traf sie ihren Wohltäter, den Ulanenoffizier hier wieder an. Er erinnerte sich der Armen und nahm sich ihrer wieder an. Durch seine Vermittelung wurde der Familie ein von den Besitzern verlassenes Haus zuge­wiesen, in das sie dann einzog. Gleichzeitig wurde die Stadtverwaltung beauftragt, für den Unterhalt der so arg bedrängten Familie zu sorgen, und unter Aufsicht der Kommandantur geht es ihr jetzt gut. Ihr Mann ist im Felde gefallen. Vor Kummer und Entsetzen in der Nacht der Flucht ist das Haar der Frau weiß geworden.

Das sind die Erlebnisse meiner jetzigen Wirtsfrau. Unter Tränen hat sie sie mir erzählt und dabei auch dessen gedacht, der seine Hand schirmend über sie gehalten und nicht geduldet hat, daß sie ein unschuldiges Opfer des Krieges werde. Wie man ihn auch nennen möge, er ist und bleibt doch die einzige große Liebe, die die guten Herzen erhöret und die bösen straft. Liebe Eltern und Geschwister, Ihr werdet Euch vielleicht wundern, daß ich hier von einer frommen Erregung gepackt worden bin. Ich habe vor drei Stunden die Erzählung der Frau angehört und bin noch jetzt in einer Stimmung, wie ich sie vor dem Kriege niemals hatte. Aber das ist ein Segen dieses schrecklichen Orlogs: Er macht den Men- schen zu dem was er sein soll, stahlt den Guten in seinem göttlichen Glauben und bringt den Bösen auf bessere Wege. Doch gebe Gott, daß er bald vorübergehe.

Viele herzliche Grüße und Kiisse Euer Euch innig liebender Sohn und Bruder Werner. iN.

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