Mrktes französisches Feuer aller Kaliber eine dort beabsichtigte Unternehmung an. Wir hatten uns nicht getäuscht. Als der Feind die Wirkung seiner Artillerie- vorbereituug für ausreichend hielt, setzte er seine aus- geruhten frischen Truppen am Sonntag, den 20. Juni, nachmittags,
zum Angriff gegen unsere Stellungen beiderseits der Tranchee an. Die Franzosen beobachteten hierbei das von ihnen in der Regel beliebte Verfahren, gegen einzelne Punkte starke Kräfte nacheinander, oft aos verschiedenen Richtungen entlaufen zu lassen. Es gelang ihnen schließlich, in einen Teil unseres vordersten Grabens, in einige Verbindungsgräben nach rückwärts und sogar in einen kleinen Teil der zweiten Stellung einzudringen. Noch in der Nacht zum Montag unternahm das von dem Vorstöße betroffene tapfere Regiment einen Gegenstoß, an dem sich alles bis zum letzten Mann beteiligte. Es gelang uns auch, den Franzosen den von ihnen genommenen Teil unserer Stellung und die Verbindungsgräben wieder zu entreißen und hierbei eine Anzahl von Gefangenen zu machen. Aber der Feind ließ nicht nach. Um die Mittagszeit des 21. Juni erneute er mit frischen Kräften seine Angriffe auf der ganzen Linie. Westlich der Tranchee wurde er stets und auch an den folgenden Tagen
unter sehr schweren Verlusten abgewiesen.
Oestlich der Tranchee dagegen, wo die Eindrucksstelle sich immer noch in seinem Besitz befand, glückte es ihm, durch sie hindurchstoßend, wiederum Gelände innerhalb unserer Linien zu gewinnen. Er mußte hier also wieder hinausgeworfen werden. Für diese Unternehmung wurde das Morgengrauen des 22. Juni festgesetzt. Der Feind wurde anscheinend überrascht. Er räumte bei unserem Ansturm die Gräben unter Zurück- lassung einer beträchtlichen Anzahl von Gefangenen. Nunmehr nahmen die Franzosen unsere gesamten Stellungen
unter tagelanges, schweres Feuer.
Sie hatten zu diesem Zweck ihre dort schon vorhandene zahlreiche schwere Artillerie durch weitere Batterien schwersten Kalibers von anderen Fronten her verstärkt. Auch verwendeten sie in großen Mengen Geschosse, die bei ihrer Detonation erstickende Gase entwickeln. Die Wirkung solcher Geschosse ist doppelt. Sie wirken nicht nur durch ihre Sprengstücke, sondern sie machen durch die Gase auch im weiteren Umkreise sich aufhaltende Personen wenigstens für einige Zeit kampfunfähig. Um sich selbst dieser Wirkung dort zu entziehen, wo derartige Geschosse nahe der eigenen Infanterie einschlagen, trugen in den geschilderten Kämpfen alle Franzosen Rauchmasken. Gefangene gaben ferner übereinstimmend an, ihnen sei befohlen worden, als wirksamstes Mittel gegen die erstickenden Gase ihre in menschlichen Urin getränkten Taschentücher vor Mund und Nase zn halten. Mit solchem Feind hatten wir während der nächsten Tage und Nächte unausgesetzt erbitterte Nahkämpfe zu bestehen. Die neuen Nahkampfmittel mit ihren furchtbaren moralischen Nebenwirkungen spielten auch hier wieder eine große Rolle. Hiergegen gehören insbesondere die Minenwerfer und Handgranaten verschiedener Konstruktion, diese auch, wie die Artilleriegeschosse, bei den Franzosen mit erstickender Gasentwickelung. Indessen zeigte sich schon am 22. Juni die
unbestreitbare Ueberlegenheit unserer Infanterie über die französische. So oft wir zum Angriff schritten, konnten wir auch weit stärkere feindliche Kräfte werfen und besonders im Einzelkampf aus ihren noch so stark erbauten Stellungen vertreiben. Nur gegen das übermächtige Artilleriefeuer hatten unsere tapferen Truppen einen überaus schweren Stand. Sobald sie ein Grabenstück wiedergewonnen hatten, richtete die feindliche Artillerie dagegen ein mörderisches Feuer, in dem ein Aushalten zu den physischen Unmöglichkeiten gehört. In diesen hin- und herwogenden erbitterten Kämpfen konnten wir der französischen Infanterie unsere Anerkennung nicht versagen. Immer wieder ließ sie sich zum Angriff vortreiben, ungeachtet unseres gut wirkenden Artillerie- und Jnfanteriefeuers und ungeachtet des Feuers ihre eigenen Artillerie, das rücksichtslos auch dorthin gelegt wurde, wo die französischen Schützen ihren Sturm auszuführen hatten. Rücksichtslos waren die immer wieder frisch von rückwärts aufgefüllten An- griffstruppen, auch gegen sich selbst. Immer wieder stürmten sie über die Leichen ihrer soeben und während der letzten Kampftage gefallenen und in blutgetränktem Waldgestrüpp liegen gebliebenen Kameraden hinweg immer wieder nützten sie
Haufen dieser Leichen auch als Deckung
gegen unser Feuer, ja verwendeten die Körper der tapfer Gefallenen sogar als regelrechte Deckungsmittel, wo sie gezwungen waren, sich eiligst einzunisten und einzugra- ben. Viel hundert Leicken bedeckten den schmalen Raum zwischen unferen und den feindlichen Gräben. Als wir am späten Abend des 24. Juni alle zur vorderen Linie führenden Verbindungsgräben in unseren endgültigen Besitz gebracht hatten, waren diese bis oben hin mit französischen Leichen angefüllt. Tagelang hatten die Franzosen hier neben und auf den Leibern ihrer gefallenen Kameraden ausgehalten. Es mag dahingestellt bleiben, ob mehr Selbstüberwindung oder mehr die Gefühllosigkeit dabei mitgesprochen hat. Für uns war jedenfalls diese Totenkammer keine Kampfstellung. Wir schütteten die Gräben zu und bereiteten den dort gefallenen Tapferen ein Massengrab. Nicht unerwähnt in diesem Zusammenhang soll auch sein, daß nach überein- stimmenden Ausfagen aller Gefangenen die französische Infanterie in den Tagen vom 20. bis 25. Juni keine warme Kost erhalten hat. Mag diese nue andere Gefangenenaussagen nicht voll zutreffend und darauf berechnet sein, Mitleid zu erwecken, so ist immerhin zu beachten, daß erfahrungsgemäß an Gefangenenaussagen immer etwas Wahres ist.
Der jämmerliche Zustand der Gefangenen bestätigte dies. Vor dem in einer Ausdehnung von knapp 300 Metern noch im feindlichen Besitz befindlichen vorderen Grabenteil kam unser An.grrffam 25. Juni zum Stehen. Am 26. Juni gingen wir östlich von der Stätte der soeben geschilderten hartnäckigen Kampfe zum Angriff in Richtung Les Eparges vor. Ruht dieses in der Tiefe gelegene Dorf war das Ziel der Unternehmungen, sondern der dorthin abfallende bewaldete Bergrücken auf dem die Franzosen seit längerer Zeit starke Befestigungen angelegt hatten. Diese sollten genommen werden. Nach sorgfältiger Vorbereitung setzten um die Mittagszeit unsere Angriffsbewegungen ein. Der Feind schien derartiges an dieser Stelle mcht erwartet zu „ha- ben. Ohne allzu große Verluste und in verhältnismäßig kurzer Zeit gelang es uns, die ersten feindlichen Stel- lungen im Sturm zu nehmen und m ununterbrochenem weiteren Vorgehen auch die dahinter liegende
feindliche Hauptstellung zu erobern.
Was unserem Feuer und unseren Bajonetten nicht zum Opfer fiel, flüchtete die steilen Hänge nach Les Eparges hinunter, um sich dort wieder zu sammeln. Unsere aufmerksame Artillerie versäuinte die günstige Gelegenheit i^- das aenannte Dorf unter Feuer zu nehmen und
die von Norden nach dorthin führenden Wege, auf denen der Feind Verstärkungen heranführte, durch wohlgeziel- tes Feuer zu sperren. Nach fuZer Zeit ging Les Epar- ges mit dem dort angehüuften Kriegsmaterial in Flammen auf. Für uns galt es nun, die neu gewonnene vorteilhafte Stellung auf der Bergnase südwestlich Les Eparges zu halten: denn wir mußten mit hartnäckigen Ver- suchen des Feindes rechnen, das Verlorene wieder zu erlangen. Noch am Abend des 26. Juni begannen die Franzofen Gegenangriffe. Sie währten die ganze Nacht zum 27. hindurch ohne jeden Erfolg. Auch hier wie zu beiden Seite« der Trauchee haben
die Franzosen außerordentlich schwere Verluste erlitten. Wie auch die Lage sich hier weiter gestalten mag, das zweite französische Armeekorps und die dort eingesetzten übrigen Kräfte haben weder den beabsichtigten Durchbruch au der Tranchee zu erzwingen, noch die beherrschende Höhe südwestlich Les Eparges gegen den überraschenden, unvergleichlich mutigen Ansturm unserer kampferprobten und kampffreudigen Truppen zn behaupten vermocht.
StieasalletleL
Schwerverwundetenanstansch mit England.
Rotterdam, 1. Juli. (T. 11.) Reuter meldet nach dem „B. T." aus London: Vorgestern verließen 140 schwerverwundete deutsche Offiziere und Mannschaften sowie Sanitätsmannschaften England an Bord des Dampfers „Oranje Nassau" zur Rückreise nach Dentsch- land über Vlissingen. Die Volksmenge verhielt sich ruhig und es kam zu keinen Kundgebungen.
Das Eiserne Kreuz 1. Klasse
Der Kaiser hat dem im Felde stehenden Prinzen Georg von Bayern, Neffe des Königs Ludwig, das Et- ferne Kreuz 1. Klasse verließen. Ferner erhielt das Eiserne Krenz 1. Klasse der Reichstagsabgeordnete von Karlsruhe-Bruchsal, Rechtsanwalt Dr. Ludwig Haas, der in Flandern känipft. Er ist Mitglied des Reichstages seit 1912 und bekannt als einer der Führer der Fortschrittlichen Volkspartei.
Englische „Heldentaten".
In den Times vom 19. d. M. finden sich in einem Artikel „Eine Tour durch die Schützengräben" folgende Sätze: „Gesteru nahm einer unserer braven Soldaten einen Deutschen gefangen und stieß ihm das Bajonett durch den Leib mit den Worten: „Das ist für die „Lu- sitania". Dann, nach einer kurzen Pause durchbohrte er ihn zum zweitenmal: „Und das ist für mich selbst." — Da ist feine Liebe mehr geblieben zwischen uns und dem Feind. Nicht lange vorher kam ein Deutscher auf uus zu mit dem Ausruf: „Ich bin ein Christ." Die Antwort war: „Bist du wirklich ein Christ? Gut, dann hast du jetzt die Beförderung zum Engel." Eine Kugel beendete das Leben eines deutschen Schurken." (Wenn das bedeutendste und gelesenste Blatt in England solche Verrohung zeigt, ist ein Rückschluß auf die Bevölkerung nicht von der Hand zu weisen.) — Briefliche Meldungen der Morningpost aus Tokio besage«: „Als hier die Tor- pedierung der „Lusitania" bekannt wurde, stürzte sich ein angesehenes Mitglied der englischen Kolonie in Kvbe auf das im dortigen Fremöenklub hängende Bild des deutschen Kaisers und beschädigte es. Das Bild hatte einen Wert von 40 000 Mark und war dem Klub von einem deutschen Mitglied geschenkt. Englische und amerika- nische Mitglieder sahen dem Vorgang gleichmütig zu.
Das Einjährige für die Kriegs-Seminaristen.
Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht folgenden Allerhöchsten Erlaß: Auf Ihren Bericht vom 15. Juni 1915 will ich folgende Ausnahme von den Vorschriften des § 90 der deutschen Wehrordnung genehmigen: Den Zöglingen der zur Ausstellung von Zeugnissen über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten Volksschul-Seminaren kann von der Klassenstufe ab, für die nach den maßgebenden Aufnahmebedingungen in der Regel die Vollendung des 17. Lebensjahres gefordert wird, das Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilli- gen Dienst ausnahmsweise vor Erlangung eines zum Lehramt an Volksschulen befähigenden Zeugnisses erteilt werden, soweit diese Schüler während des gegenwärtigen Krieges bereits in den Heeresdienst eingetreten sind und beim Eintritt das 17. Lebensjahr vollendet hatten. In Zukunft kann während des Krieges das Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung nur dann vorzeitig verliehen werden, wenn Seminaristen vor Ablegung der Schlußprüfung gemäß § 97 der Wehr- ordnung ausgehoüen und eingestellt werden. Schülern der Obertertia einer nach § 90, 91 der Wehrorönung anerkannten höheren Lehranstalt, denen zum Ver- setzuugstermiu Herbst 1914 das Zeugnis der Versetzung in die Untersekunda bedingungslos zuerkannt worden ist, die aber wegen ihres bald darauf erfolgten Eintrittes in das Heer diese neue Klasse gar nicht oder nur ganz kurze Zeit besuchen konnten, kann das Zeugnis über die wissenschaftliche Befähigung für den einjährig- freiwilligen Dienst erteilt werden, wenn durch Urteil des Lehrerkollegiums bezeugt wird, daß sie «ach Ablauf eines Jahres die Reife für die Obersekunda erlangt haben würden.
Vermischtes.
Todessturz eines Kindes aus dem Eisenbahnzuge. Die Familie des Eisenbahnschaffners Kleinschmidt aus Leipzig-Schörrefeld wollte ihren bei den Chemnitzer Ulanen dienenden Sohn besuchen. Zur Fahrt dorthin benutzte sie einen Eilzug. Als der Zug durch eine Kurve fuhr, tarn der Wagen ins Schleudern, wodurch der sechsjährige Sohn der Familie Kleinschmidt ins Stolpern kam und gegen den Sperrhebel der Wagentür fiel. Die Tür öffnete sich infolgedessen und der Knabe fiel aus dem Zuge. Er erlitt einen schweren Schädelbruch, außerdem wurde ihm das linke Bein abgefahren. Auf dem Transport zum Krankenhause starb das Kind.
Mordtat eines russischen Gutsarbeiters. In der Nähe von Tempelburg lBezirk Köslin) ist ein grauenhafter Mord verübt worden. Der auf dem Gute Reppow arbeitende dreißigjährige russische Arbeiter Rossa über- fiel den zwanzigjährigen Ruthenen Hawryluk, als dieser mit einem neunjährigen Knaben auf dem Reppowsee in einem Kahn angelte. Rossa schlich sich heran und brächte hinterrücks dem Ruthenen neun Messerstiche bei. Dann hielt er den Kopf seines Opfers solange unter Wasser, bis der Tod eintrat und warf die Leiche in den See. Der von Rossa ebenfalls in den See geworfene Knabe rettete sich durch Schwimmen. Rossa stürzte ihm nach und brächte ich dann selbst einen Stich in den Leib bei. Er wurde n hoffnungslosem Zustande in das Stettiner Krankenhaus eingeliesert. .
Ein Rothschild im Gefangenenlager Lechfeld. Der „Bayerische Kurier" berichtet: Unter den Gefangenen im Gefangenenlager Lechfeld befindet sich auch einer der Pariser Rothschilds, der mit seinem Automobil in Gefangenschaft geraten ist. Dieser Herr erhält nun täglich mehrere Pakete mit Delikatessen, Leckereien. Kognak, seine Weine (als Haar- und Mundwasser und unter ähn
licher Bezeichnung). Zugunsten dieses „hohen Gastes" wurde sogar die spanische Gesandtschaft mobil gemacht, aber mit dem Erfolg, daß der Herr am anderen Tage früh 4 Uhr zum Heumachen mit anderen Gefangenen antreten mußte, jedenfalls zn einer gesunden, wenn auch ungewohnten Arbeit.
Von schweren Schicksalsschlägen wurde in den letzten Tagen die Familie eines Kölner Nachbarortes betroffen. Vor etwa 14 Tagen starb der einvernfene Familienvater, ein 42jähriger Mann, den Heldentod fürs Vaterland, wenige Tage später fiel der älteste Sohn im Alter von 22 Jahren im Felde, acht Tage darauf wurde der uii= glücklichen Familie die schmerzliche Nachricht zu teil, daß auch der jüngste Sohn einer feindlichen Kugel zum Opfer gefallen ist. Darüber entsetzte sich die im Haushalt lebende Schwiegermutter derart, daß sie einen Herzschlag erlitt und auf der Stelle starb. Das waren also vier Sterbesälle in einer Familie innerhalb zwei Wochen. Die Ueberlebenden, die Ehefrau mit einem Kinde, silld über den schmerzlichen Verlust ihrer lieben An- gehörigen untröstlich.
Ein früherer Fremdenlegionär mit dem Eisernen Kreuz. In einem Reservelazarett stellte der leitende Arzt Dr. Pick bei einem Verwundeten eines Casseler Regi- ments am ganzen Oberkörper zahlreiche französische Tätowierungen fest. Mach ihrem Ursprung befragt, wollte der Soldat zunächst nicht mit der Sprache heraus, dann erzählte er aber, daß er fünf Jahre in der französischen Fremdenlegion gedient habe. Als junger Schlossergeselle war er auf der Wanderschaft nach Ramm gekommen, wo er sich von Werbern der Legion überreden ließ, und bald darauf nach Algier abdampfte. Dort ist er aber bitter enttäuscht worden. Seine wiederholten Fluchtversuche sind jedesmal vereitelt worden und haben schwere Bestrafungen zur Folge gehabt. Nachdem der fünfjährige Vertrag abgelaufen war, hat er sich sofort, nach der Heimat zurückgekehrt, zur Ableistung feiner Dienstpflicht in das Infanterieregiment v. Wittich in Cassel einstellen lassen und ist mit diesem in den Krieg gezogen. Schon nach den ersten Gefechten ist er im August v. I. mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. In der letzten Zeit ist er verwundet worden.
Die Gebirgslämpse an der Siidweslsconl.
Im „Bert. Lokalanz" schildert Wirth die Kämpfe im Abschnitt des Krn und der Jütischen Alpen: Mit dem Krieg in den Karpathen, so heißt es da, lassen sich diese Kämpfe nicht vergleichen. Die Truppen liegen auf zum Teil mit Schnee bedeckten Gipfeln, Proviant und Munition werden durch Tragtiere, weiter oben auf schmalen Klettersteigen durch einzelne in die Schützen- deckungen gebracht. Eine eigentliche Deckung ist auf den Zugangswegen natürlich unmöglich. Alles kommt daraus an, die Stellungen so zu wählen, daß sich nicht nur die Verteidiger sicher einnisten können, sondern auch daß der Nachschub vom Feinde ungesehen vor sich gehen kann. Dieser Grundsatz wird von den Italienern, die hauptsächlich nach der Besetzung hoher, strategisch oft ganz wertloser Spitzen trachten, nicht immer eingehalten, und eine Flankierung, wie sie im Hochgebirge manchmal leicht durchgeführt werden kann, bringt dann das Verderbe«.
So sonnte kürzlich eine Abteilmcg ungarischer Truppe« ein Maschinengewehr in eine Stellung bringen, die den Nachschubweg für eine hochgelegene italienische Position beherrschte. Man wartete, bis auf dem deutlich sichtbaren Steig eine Kolonne von 40 beladenen Tragtieren erschien, ein einziger magerechter Strich mit dem Maschinengewehr — und Pferde und Bedeckungsmann- cbaften stürzten in die Tiefe. Seitdem ist, da der Nach- chub nur auf schwierigem Umgehungsweg durch Men- chenkraft erfolgen kann, die Situation auf dem Gipfel unhaltbar geworden. Die Italiener wagen aber nicht, den Berg zu räumen, weil das Herabklettern bet Nacht unmöglich, bet Tage aber mit den schwersten Verlusten verbunden wäre. Dieses Beispiel zeigt, wie bitter sich im Hochgebirge die geringste taktische Unvorsichtigkeit rächt.
Von außerordentlichem Vorteile ist für uns die im Kriege gewonnene Erfahrung der Unterführer und die nervenstarke Ruhe unserer Truppen. Sie lassen die Italiener stets ohne Schuß bis auf die nächsten Distanzen herankommen. Die unheimliche Stille wirkt derartig de- nwralisierend auf die Angreifer, daß sie dann meist bei der ersten Salve die Flucht ergreifen. Zum Haudge- menge und Bajonettkampf, bei dem die Italiener stets den Kürzeren ziehen, ist es bisher erst sehr selten gekommen. Starke Artilleriewtrknng macht die Italiener fast widerstandslos und läßt sie völlig den Kopf verlieren. Es ist vvrgekonnnen, daß sie nach wenigen Schüssen gute Stellungen räumten, ohne daß ein Jn- fanterieangriff erfolgte. Allerdings arbeiten die österreichisch-ungarischen Geschütze ganz vorzüglich. Besonders schwierig ist auch der Avtransport der Verwundeten, die von je vier bis sechs Mann auf Zeltbalmen zu Tal getragen werden müssen. Trotz alledem sind Stim- muug und Gesundheitszustand der Soldaten vorzüglich. Der Haß gegen den Verräter, der bei allen Nationalitäten i« gleichem Maße glüht, bildet den Ansporn zu staunenswerten Leistungen.
Weitere Drahtnachrichten.
Siegreiche Kämpfe der Türken.
o-* Konstantinopel, 30. Juni. (WTB.) Nach zuverlässigen Privatnachrichten waren die gestrigen Kämpfe bei Sed nl Bahr und Art Bnrnu erbittert. Das früh eröffnete intensive Artilleriefener des Feindes wurde von einem Kreuzer unterstützt. Am Nachmittag ließ das Artillerieduell nach und die feindliche Infanterie ging zum Sturm über, mußte aber unter großen Verlusten znrückwcichen. Hierauf gingen die Türken zur Offensive über und nahmen zwei feindliche Laufgräben. Ein erneuter Sturm der Feinde am Nachmittag anf Art Burnn endete mit der Dezimierung der Angreifer und Zerstörung zahlreicher feindlicher Schützeugräben. Die feindlichen Verluste «berschrittcn die der letzten Schlacht, die türkischen sind gering.
Oesterreichs Thronfolger besieht die Front in Kärnten.
os* Wien, 1. Juli. (T.-U.) Kürzlich besuchte der vsierreichisch-rmgarische Thronfolger die läruluerische Front. Er ließ sich alle Offiziere mit Namen verstellen und hatte für jeden ein freundliches Wort. Darauf nahm er die Parade über die Reservetruppen ab und verlieh mehreren Soldaten Kriegsauszeichnungen.
Gegen die amerikanischen Kriegslieferungen.
Kopenhagen, 1. Juli. (T. U.) Wie die „Tinres" nach der „Tgl. Rdsch." ans Neuyork meldet, versucht der Präsident der internationalen Seemannsuuiou Andrew Furuseth einen Weltstreik aller Seeleute hervorzumfen Er versprach jedem Seemann für die Dauer des Krieges eine wöchentliche Unterstützung von 40 7/. Damit beab sichtigt er, alle Schiffahrt stillzulegen, um dadurch zu ve hindern, daß den Dreiverbaudsmächten KriegSmateru aus den Vereinigten Staaten oder anderen Ländern liefert werde. Furnseth unterrichtete die Regierung Washington von seinem Vorhaben.