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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Melier

für den Kreis Hersfeld

Sreisilott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im I amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. j

Nr. 153.

Freitag, den 3. Juli

1915

Hersfeld, den 28. Juni 1915.

Mit Rücksicht darauf, daß vorn 1. Juli ds. Js. ab der bisher 8.19 Nachmittags in Hersfeld eintreffende Eilzug von Bebra ausfällt, der nächste Zug aus dieser Richtung aber erst um 8.46 hier eintrifft, wird der Abendzug der Hersfelder Kreisbahn vom 1. Juli ds. Js. ab nach folgendem Fahrplan verkehren:

Hersfeld ab 8,50

Sorga 9,01

Malkomes 9,12

Schenksolz 9,16

Scheuklengsfeld an 9,24 Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

J. 91. Nr. 6583. J. V.:

v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 25. Juni 1915.

Auf den in demJnseratenteilöer heutigen Nummer des Hersfelder Tageblatts veröffentlichtenAufruf des Ausschusses für die hilfsbedürftigen Deutschen Gali- ziens und der Bukowina" mache ich die Herren Orts­vorstände des Kreises besonders aufmerksam.

Plakate, Aufrufe und Zahlkarten können von dem Ausschuß in Leipzig, Leibnitzstraße 21 direkt in jeder Anzahl bezogen werden.

Der Vorsitzende des Kreisansschusses:

J. A. Nr. 6353. ' I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

»elanntmachung

über das Verbot des Vorverkaufs der Ernte des Jahres

1915 und des Vorverkaufs von Zucker.

Vom 17. Juni 1915.

Der Bundesrat hat auf Grund des § 3 des Ge­setzes über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirt­schaftlichen Maßnahmen usw. vom 4. August 1914 (Reichs-Gesetzblatt Seite 327) folgende Verordnung erlassen:

§ 1-

Kaufverträge über

a. Roggen, Weizen, Spelz (Dinkel, Fesen), Emer, Einkorn, Hafer, Gerste allein oder mit anderem Getreide gemengt, ferner Mischfrucht, worin sich Hafer befindet, aus der inländischen Ernte des Jahres 1915.

b. Futtermittel aus der inländischen Ernte des Jah­res 1915, die der Bekanntmachung über den Ver­kehr mit Futtermitteln vom 31. März 1915 (Reichs- Gesetzblatt Seite 195) unterliegen,

c. Rohzucker, soweit die Verträge nach dem 31. Au­gust 1915 zu erfüllen sind,

sind nichtig. Dies gilt auch für Verträge, die vor Inkrafttreten, dieser Verordnung geschlossen sind.

§ 2.

Der Reichskanzler ist ermächtigt, die Vorschriften dieser Verordnung auch auf Kaufverträge über andere Erzeugnisse der inländischen Ernte des Jahres 1915 sowie über Verbrauchszucker auszudehnen.

§ 3.

Der Reichskanzler kann Ausnahmen von den Vor­schriften dieser Verordnung zulassen.

Diese Verordnuug tritt mit dem Tage ihrer Ver­kündigung in Kraft.

Der Reichskanzler bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens,- kann die Verordnung für einzelne

Erzeugnisse außer Kraft setzen.

Berlin, den 17. Juni 1915.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers, gez. D e l b r ü ck.

* * * Hersfeld, den 28. Juni 1915.

Wird veröffentlicht.

l. 8149. Der Landrat.

J. V.:

v. H e d e m a n, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 1. Juli 1915.

Meine Bekanntmachungen vom 1. Dezember 1914, Kreisblatt Nr. 282. vom 4. Juni 1915, Kreisblatt Nr. 129, vom 15. Juni 1915, Kreisblatt Nr 141 und vom 23. Juni 1915, Kreisblatt Nr. 147, betreffend Fest­setzung von Höchstpreisen für Petroleum im Klein­handel, hebe ich hiermit auf. t I. 8073 Der Lanörat.

V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 23. Juni 1915.

Am 22. März d. Js. ist in Koschmin, Kreis Mese- ritz bei dem dortigen Gastwirt ein unbekannter Bettler verstorben, nachdem er im Gasthause übernachtet hatte und dasselbe wegen Erkrankung nicht mehr verlassen konnte. Einer Person, bei welcher derselbe schon

des öfteren gebettelt hatte, war er als der Schuh­macher Otto Fischer aus Militsch (Schlesien) bekannt. Jedoch waren die in dieser Richtung unternommenen Nachforschungen erfolglos. Der Verstorbene war un­gefähr 70 Jahre alt, etwa 1,65 m groß, hatte graues Haar mit starker Platte, grauen Vollbart, spitze et­was nach rechts gebogene Nase mit Buckel. An Be­kleidungsstücken hatte er einen graugrünen Hut, schwarzen Ueberzieher, 4 Paar Hosen davon eine graugestreifte, die anderen dunkel dunkle Weste, grauweißes, wollenes Hemd (Trikothemd), 1 Paar Tuchschuhe.

Wer Aufschluß über die Personalien der Person zu geben vermag, wird gebeten, dem Distrikts-Kommi- ssar in Bentschen Reg. Bez. Posen Nachricht zu geben.

I. 7622. Der Landrat.

I. V.:

v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.

Kriegsjugenbwthr der hrrsselder Turnerschakt.

Um den Mitgliedern der Jugendwehr Gelegenheit zu einer größeren Marschleistung zu geben, ist für nächsten Sonnabend und Sonntag ein starker Uebungsmarsch vorgesehen. Die Teilnehmer nahe­zu 160 werden sich am Sonnabend Nachmittag um 3 Uhr auf dem Marktplatz sammeln, um von da mit klingendem Spiel nach dem Bahnhof zu gehen. Die Bahn wird bis Rotenburg benutzt werden. Von Rotenburg aus nimmt der Marsch seinen Anfang, der die Jungmannschaften am 1. Tag nach Spangenberg bringen wird. Hier hat die Bürgerschaft in äußerst zuvorkommender Weise eine genügende Anzahl Frei- quartiere zur Verfügung gestellt. Tags darauf er­folgt um 5 Uhr das Wecken worauf dann früh um 6 Uhr der Weitermarsch angetreten wird. Er führt über die herrlichen Spangenberger Forsten zunächst bis nach Melsungen und von da nach dem Heiligen- berg, woselbst eine größere Rast vorgesehen ist. Vom Heiligenberg aus geht es weiter durch die schönen Waldungen nach der Schloßruine Altenburg, da, wo Eder und Schwalm sich vereinigen. Von der Alten- burg ist bald die Felsburg erreicht, an deren Fuß sich das alte Städtchen Felsberg malerisch anlehnt. Die breite schöne Fläche des Schloßberges ist zum Lagern für eine größere Abteilung recht geeignet, und sollen sich hier die Teilnehmer am Uebungsmarsch einer mehrstündigen Ruhe erfreuen. Die Ankunft auf der Felsburg wird gegen ^2 Uhr mittags erfolgen. In großen Kochkesseln wird ein einfaches Mittags­essen zubereitet, an dem sich alle stärken können. Die kurze verfügbare Zeit wird dann durch ein munteres Lagerleben verbunden mit verschiedenen Turnspielen in nützlicher Weise ausgefüllt werden. Kurz vor 6 Uhr erfolgt die Rückreise nach Hersfeld von der Station Gensungen aus.

Es darf gewiß die Erwartung ausgesprochen werden, daß auch diese Veranstaltung die Mitglieder zum treuen Festhalten an den Vaterländischen Be­strebungen aneifern wird.

Aus der Heimat.

* (Verwundetenhilfe durch Obstdauererzeugnisse, Fruchtmarmelade, Fruchtsäfte.) Einen Maßstab für die Mengen der im Laufe des Sommers und Herbstes vergangenen Jahres von Obstbauvereinen hergestellten Obstdauererzeugnisse, die kostenfrei an Verwundeten­lazarette abgegeben wurden, liefern die nachfolgenden Zahl der allein von dem Deutschen Pomologen-Verein in Eisenach hergestellten Erzeugnisse, für die er sein ganzes verfügbares Vermögen hergegeben hat. Es wurden bisher von dem Deutschen Pomologen-Verein vollständig kostenlos an Verwundetenlazarette geschickt: 38000 Dosen Apfelmus, 4300 Dosen eingemachte Birnen, 7000 Dosen eingemachte Zwetschen, 1030 Dosen Reineclauden, Pfirsiche, Kirschen, Erdbeeren,Dreifrucht, 3500 Dosen Kürbisse, eßbare Ebereschen, Tomaten, 300 Dosen Erbsen und Bohnen, 6 Zentner gedörrte Zwetschen, Aepfel, Birnen, 400 Liter Brombeersaft. Die Dosen haben einen Inhalt von je 25 Kilo. Außer diesen Dauererzeugnissen sind noch große Mengen frischen Obstes und Gemüse, Fleischkonserven, Kakao, Schokolade/ Tee kostenlosabgegeben worden. Von den 54130 Dosen der in einer ihm zur Verfüg­ung gestellten Fabrik in Allendorf/Werra hergestellten Obstdauererzeugnissen ist bisher auch nicht eine ein­zige verdorben gewesen und unzählige Anerkennungen von Feld- und Reservelazaretten, Chefärzten und Behörden haben ihre Güte, Haltbarkeit und ihren Wohlgeschmack bezeugt. Die Gesamtmenge der Obst­dauererzeugnisse beträgt 54130 Dosen im nach den Großhandelspreisen der Konservenfabriken niedrig berechneten Werte von 69992 Mk. Diese Kriegsarbeit des Deutschen Pomologen-Vereins wird in diesem Jahre fortgesetzt. Der Deutsche Pomologen-Verein in Eisenach hat auch seine vielen großen Aufgaben für dieFörderung des öeutschenObstbaues fortgesetzt, z.B. Obstnachrichtendienst, wöchentliche Obstmarktberichte,

Deutsche Obstbauzeitung,viel taufende Sonderdrucke mit erprobten Ratschlägen für dieHerstellungvon Obst- u.Ge­müsedauererzeugnissen im Haushalt, Pflege und Düngung der Obstbäume, Düngungsversuche, festen» lose Verteilung von Walnuß-Sämlingen sorgfältig ermittelter Mutterbäume, Prüfung von Maschinen im Obstbau- und Baumschulenbetrieb, Vermittelung von Brostschutzmitteln usw. Der Vorstand des Deutschen omvlogen-Vereins in Eisenach gibt auf alle den Obstbau, Obstabsatz und die Oberverwertung be­treffenden Fragen Auskunft und erteilt allen deutschen Obstzüchtern Rat.

):( Hersfeld, 1. Juli. Von heute bis zum 4. Juli erfolgt die Er n te f läch e n e r h e b u n g für Ge­treide und Kartoffel insoweit diese feldmäßig ange­baut werden. Da die Erhebung in preußischen Morgen gleich Vt Hektar erfolgen muß, also andere Flächenangaben nicht zulässig sind, wollen wir nicht versäumen darauf aufmerksam zu machen. Wenn jeder Besitzer seine Anbaufläche nach Acker feststellt, hilft er damit das Zählungsgeschäft erleichtern.

Oberkaufungen, 28. Juni. Eine Einbrechergesell­schaft hat in den letzten Nächten das Lossetal heimge­sucht. Vorzugsweise hat die Bande es auf die Pfarr­häuser abgesehen. In der Nacht auf Sonnabend wurde im Pfarrhause zu Quenteln eingebrochen, verschiedene Schränke und Kommoden geöffnet und eine größere Summe bares Geld, sowie Wertgegenstände und Lebensmittel erbeutet. In der Nacht zuvor wurde das Pfarrhaus von Harmuthsachsen heimgesucht. Auch hier wurden Geld, Wertsachen und Lebensmittel er­beutet.

Hann. Münden, 28. Juni. Der Kreis hat in Be­rücksichtigung der Tatsache, daß eine zum Teil erhebliche weitere Verteuerung der notwendigen Lebensbe­dürfnisse eingetreten ist, den den Angehörigen der Kriegs­teilnehmer gewährten Kreiszuschuß für die Ehefrau um drei Mark und für jedes Kind um eine Mark und fünfzig Pfennig monatlich mit Wirkung vom 1. Juli d. J. ab erhöht.

Hann. Münden, 27. Juni. Unter Vorantritt der Pionier-Militärkapelle bewegte sich heute ein Leichen- zug durch unsere Stadt, wie ihn Münden wohl noch nie gesehen hat. Willi Siebel, der Meisterturner, der vor kurzem im Westen den Heldentod starb, fand hier in seiner Heimat seine letzte Ruhestätte. Zahlreiche Turnvereine mit ihren Bannern, so aus Cassel der Männer-Turn-Verein 1848 und der Männer-Turn- Verein sowie aus Witzenhausen, Allendorf, Eschwege, Göttingen und den Nachbarortschaften waren herbei­geeilt. Am Grabe sprach nach dem Geistlichen der Kreisvertreter des 7. Deutschen Turnkreises, Professor v. Hauxleden.

Unter der blühenden Linde...

Unter der blühenden Linde

Sitzet ein Mädchen und weint Ach, dem so lieblichen Kinde Nimmer die Freude mehr scheint.

Hält in den zitternden Händen Seines Geliebten schön Bild: Liebster, so mußtest du enden, Fern mir, auf fremdem Gesild!

Traf dich die Kugel ins Herze,

Das mich so glücklich gemacht?

Starbst du in quälendem Schmerze Lang nach der blutigen Schlacht?

Ach, wie ist's Herz mir zerrissen,

Daß ich bei dir nicht konnt' sein Dir nicht vom Munde durft' küssen

Todes verzehrende Pein!--

Weißt du noch, wie du gesungen Hier unter dem blühenden Baum?

Tief in mein Herz ist's gedrungen, Höre es manchmal im Traum:

Liebste, bald können wir freien, Mein wird der Hof und das Haus, Gott ließ mir alles gedeihen Bald ist die Brautzeit nun aus!"--

Aus ist die Brautzeit, mein Schätzchen, Hast mit dem Tod dich vermählt Hast du für mich noch ein Plätzchen, Dort, wo kein Weh uns mehr quält?

Lebst du im Glück ohnegleichen,

Oben in seliger Ruh:

Gib mir, o gib mir ein Zeichen, Tröste, Geliebter mich du!"

Und es durchrauschte die Linde Mächtig wie himmlische Luft, Streute dem klagenden Kinde Blüten als Gruß aus der Gruft!

Armin Kraft.

Wetteraussichten für Freitag den 2. Juli.

Ziemlich wolkig, vereinzelt leichte Niedersch läge, keine Temperaturveränderung, westliche Winde.