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< Ein SMMS eRPWSB RMMStti an Jet persischen Grenze vernichtet.

Major Pravitz von der schwedischen Gendarmerie in Zerfielt, der nach Stockholm zurückgekehrt ist, berichtet im „Stockbolm-Dagblaöet" vom 29. Juni, daß die Nach­richten, die über die türkischen Kriegsoperationen in Asien nach Europa gelangt sind, sehr unvollständig seien. So z. B. sei in Europa niemals bekannt gewor­den, daß ein ganzes englisches Regiment von Heu Tür­ken bei Alvaz an der persischen Grenze dadurch ver­nichtet wurde, daß es aus einen unterminierten Land- streifen gelockt wurde, wo es vollständig verschwand.

Lalkanprobleme.

Bisher hatte man es in der englischen Presse ge­flissentlich vermieden, sich in die Zänkereien der Bundes­genossen über die Verteilung der Beute aus und in der Nähe des Balkan einzumischen. Aber anscheinend hält man jetzt doch den Augenblick sür gekommen, einzelne Be- ruhigungsrüfsel auszuteilen und zwar an die Adresse Serbiens. Die in Orientfragen in England führende Zeitschrift „Near East" sagt jetzt in einer Zuschrift ihres Athener Korrespondenten den serbischen Politikern we­gen ihrer Halsstarrigkeit mit ungewöhnlicher Deutlich­keit die Meinung. Es heißt darin:

„Gott bewahre mich davor, an dem Verhalten unse­rer heldenhaften serbischen Verbündeten irgendwelche Kritik zu üBeit, aber warum zum Teufel setzen sie ihren Ansprüchen keine Grenze. Warum besetzen sie ganz Ma­kedonien, anstatt dieses Gebiet, wo sie nichts weniger als populär sind, den Bulgaren zu überlassen. Man wäre andernfalls versucht zu sagen, daß ihre diplomatische Organisation noch schlechter ist als ihre militärische. Wir haben große Verluste vor den Dardanellen und werden sie weiter haben, wenn sich die Lage am Balkan nicht ändert. Es wird endlich Zeit, daß die Offiziere aus der Umgebung König Peters begreifen lernen, daß sie auf die Diplomatie verzichten müssen und sich ausschließ­lich ihren militärischen Angelegenheiten zu widmen haben."

Das ist sehr deutlich und klingt — sehr verärgert! Es ist aber nicht anzunehmen, daß Serbien sich aus die­sem englischen Rüffel allzuviel machen wird. Im Ge­genteil, es wird das bittere Gefühl haben, es soll jetzt zurückgesetzt werden gegenüber Bulgarien, auf dessen Hilfe man törichterweise immer noch hofft, während man der serbischen Hilfe eben sicher zu fein scheint. Dabei ändern sich die Verhältnisse auf dem Balkan von Tag zu Tag. Die kleinen Balkanvölker sehen immer mehr ein, daß ihnen das Hemd näher ist als der Rock. Sie küm­mern sich mehr und mehr weniger um den Weltkrieg als um den Kleineroberungskrieg, in dem sie im Laufe der Jahre Meister geworden sind. „Hammelkriege" nannte man früher diese Zwergkriege. Montenegro rückt auf Skutari los, Serbien möchte seine Hand auf Alba- nien legen.

Die Balkanmächte stimmt die Lage immer nachdenk­licher. Mehr und mehr sehen sie ein, daß sie auch in Zukunft nnt der Türkei als Dardanellenmacht werden zu rechnen haben, was ihnen im Grunde auch tausend­mal lieber ist, als wenn das russische Kreuz am gol­denen Horn aufgerichtet würde: sie sehen ferner ein, daß Italien als Balkanvormacht viel, viel gefährlicher ist als Oesterreich. Wer heute in den Herzen der serbischen Staatsmänner zu lesen vermöchte, der würde sicher fin­den, daß sie lieber heute wie morgen den Habsburgern in die Arme sinken möchten, um den Italienern ein energisches Halt entgegen zu rufen. Ihre Hoffnung wird heute schon sein, daß das den Oesterreichern auch allein gelingen wird und das wird die einzige Hoff­nung sein, die sich den Serben in dieser schweren Zeit restlos erfüllt.

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Znr Haltung der Balkanstaaten berichtet ein Telegramm des „H. K." aus Lugano: Die Nachrichten, die in Italien vom Balkan eintreffen, lassen jetzt offen erkennen, daß die russischen Niederlagen alle Hoffnungen zerstört haben. Rumänien unterhandelt zwar, will aber Herr seiner Entschlüsse bleiben. Bul­garien bleibt nach wie vor unnachgiebig. In Italien herrscht hinsichtlich des Balkans völlige Hoffnungslosig­keit. — König Ferdinand hat nach der „Köln. Ztg." einem österreichischen General eine Audienz gewährt, der dem König ein Handschreiben des Kaisers Franz Joseph überbracht hat.

Die bulgarische Neutralität.

Die' größte Partei der bulgarischen Sobranje, die Landwirtepartei, veröffentlicht nach der „Natl. Ztg." in dem offiziellen Organ der Partei eine Erklärung, die besagt, daß die Russophilen sich vergeblich bemühen, Bul­garien in eine Aktion zu reißen, die nur fremden Jnter- effett dienen kann. Das Parlament werde keiner kriege­rischen Intervention Bulgariens für Rußland zu­stimmen.

Kleine Kriegsnachrichten.

m> Petersburg, 30. Juni. iWTB.) Eine kaiserliche Verordnung ermächtigt den Finanzminister, auf dem Londoner Markte kurzfristige Staatsschatzscheine für 50 Millionen Pfund Sterling auszugeben.

Lyon, 30. Juni. (WTB.) Der „Progres" mel­det, daß die militärpflichtigen Angehörigen verbündeter Staaten in Paris durch eine halbamtliche Note aume- fordert wurden, ihrer Militärpflicht zu genügen oder d111 ^Amsterdam, 30. Juni. (WTB.) Nach dem,„Han- delsblad" fordert ein dem Schatzsekretar ubernnttelter Gesetzentwurf einen außerordentlichen Kredit von 90

Millionen Gnlden.

Kriegsallerlei.

Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser nnd dem Sultan.

Kaiser Wilhelm hat dem Sultan eine Depesche ge­sandt, in der er seine Freude über den Erfolg der Ope­ration ausdrückt, den Sultan beglückwünscht und sagt, Gott möge das kostbare Leben des. Sultans zum Heile der verbündeten und tapferen Dürfet lange erhalten. In seiner Dankdepesche teilte der Sultan mit. daß er bereits eine bedeutende Besserung verspüre und sich wohl be­finde. Zugleich beglückwünschte er den Kaiser zur Wie- dereinnahme Lembergs durch die wertvolle, gedeihliche Tätigkeit der beiden tapferen kauerlichen Armeen.

Neue Bundesratsverordnnngen.

Ueber den Inhalt der neuen Verordnungen, die der Bundesrat in seiner letzten Sitzung zur Srcher tellung unserer Ernte erlassen hat, erfährt tue „B. Z. von ulatz- gebender Seite: Es bleibt grundsätzlich bei den Höchst­preisen sowohl für Brotgetreide als auch für Futter­mittel. Die Festsetzung dieser Höchstpreise erfolgt aber erst später, wenn man übersetzen kann, welche Entwick­lung unsere Ernte nimmt. Ebenso bleibt es bei der Beschlagnahme für alle diese Erzeugnisse. Die Verord- nungen^'mid neu durchgearbeitet und möglichst in ein System gebracht. Bei Brotgetreide und Futtermitteln mUerfcheibet sich die neue Verordnung von der früheren dadurch, daß die Beschlagnahme zugunsten der Kommu­nalverbände erfolgt,

MiMückler Fliegerangriff auf Friedrichshafen.

Stuttgart, 29. Juni. (WTB.) Das Württember­gische Kriegsministerium teilt mit: Am Sonntag, den 27. Juni, um 10 Uhr 30 Minuten vormittags, näherte sich ein französischer Doppeldecker von Konstanz her Friedrichshafen. Schon beim Anzüge heftig von Artille­rie beschossen, setzte er den Flug nicht dicht über Fried­richshafen fort, sondern machte eine Schleife über dem See westlich der Stadt, wobei er drei Bomben, die kei­nerlei Schaden anrichteten, abwarf. Eine Bombe fiel in den See bei Manzell, die anderen ilis Gelände zwischen Schnepfenhausen-Waggershausen und dem Seeufer. Nach Abmurf der letzten Bombe entzog sich der Flieger dem Artilleriefeuer durch Wegflug in der Richtung Konstanz. Wie aus Schweizer Zeitungen zu entnehmen ist, mußte er später auf Schweizer Boden landen, wo er festge- nommen wurde.

Die italienischen Verluste in Libyen.

Holländische Reisende, die aus Niederländisch-Jn- dien kamen, berichten, sie Hütten in Sues erfahren, daß die Italiener bei dem Rückzug aus dem oberen Libyen nach der Küste 1600 Tote und über 3000 bis 4000 Ver­wundete verloren hätten.

Was in einem englischen Schützengraben gefunden wird.

Durch WTB. wird die photographische Wiedergabe eines Meßgewandes verbreitet, das sich im Tornister des kanadischen Korporals C. Frauce von der 5. Kompagnie 3. Bataillons 1. Brigade vorgefunden hat. Der Tor­nister lag halb mit Erde verdeckt in einem von deutschen Truppen eroberten englischen Schützengraben. In dem Tornister wurde ein Brief der Schwester des Korporals ermittelt, in dem die Nachschrift lautet: „Laß and) Dir für das versprochene Paket danken: ich bin sicher, daß Fred bei seiner Heimkehr Deine Freundlichkeit hoch ein­schätzen wird, ich erwarte ihll am nächsten Montag." Danach gewinnt es den Anschein, als habe der Korporal die „Beute", bevor er Gelegenheit hatte, sie abzusenden, zu Hause bereits angekündigt. Wie dem auch sei: mt§ genügt es, festzustellen, daß englische Truppen in den von ihnen besetzten Landesteilen ihrer Verbündeten vor Raub oder Diebstahl nicht zurückschrecken, wobei es als besonders charakteristisch gelten darf, daß sich der „fromme" Engländer ein Priestergewand als Andenken heimnimmt.

Der Kampf um die Vorherrschaft in der Lust.

Zum ersten Male brächte, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" geschrieben wird, unser General­stabsbericht jüngst eine Mitteilung über den Kampf mit die Vorherrschaft in der Luft, der bei Arras durchge- führt wird und zu unseren Gunsten verläuft. Diese Mitteilung erscheint äußerst bedeutsam, da sie zum ersten Male eine Luftschlacht von wochenlanger Dauer betrifft. In den ersten Kindheitstagen des Flugzeuges hat man sich allgemein über die Rolle der Luftwaffe im Kriege eine Vorstellung gemacht, die später beim Tripoliskrieg und beim Balkankrieg, wo Luftfahrzeuge zum ersten Male praktische Kriegsverwendung fanden, nicht völlig verwirklicht wurden. Besonders über das Wesen der ersten „Luftschlacht" hat man sich vielfach irrigen An­schauungen hingegeben. Es sei nur an den Aufsatz des Besonnten Generals d'Amade erinnert, der schon vor Jahren über die erste Luftschlacht zwischen Deutschland und Frankreich Betrachtungen anstellte, die in keiner Weise verwirklicht wurden. Nach seiner Auffassung mußte der Krieg mit einer großen Luftschlacht eröffnet werden, die an der Grenze Hütte stattfinden müssen.

Wir wissen heute, daß diese Anschauung tzrlsch war. Auch die Ansicht der Franzosen von der gewaltigen Ueberlegenheit der französischen Flugzeuge war ein schöner Irrtum, mit dem sie sich selbst so lange belügen konnten, als nicht ein Krieg die große Prüfung brächte. Unsere Flugzeuge haben im Osten und Westen gezeigt, daß sie allen Anforderungen des Krieges gewachsen sind, und unsere Flieger, die vor dem Kriege nach französi­scher Anschanung gar nid)t in Betracht kamen, haben so «hervorragendes geleistet, daß ein großer Teil von ihnen ereits mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausge­zeichnet ist. Der Krieg hat den wahren Wert unserer Flugwaffe erwiesen, und Paris selbst kann davon er­zählen. Wenn im Frieden die Anschauung von der Ueberlegenheit der französischen Fliegerei verbreitet war, so liegt das daran, daß die Franzosen jeden Erfolg weithin mit lauttönender Stimme in selbstbewnnöcrn- den Worten verkündeten, während bei uns in der Stille redliche und gediegene Arbeit geleistet wurde, ohne Sucht nach Beifall. Es kam dazu, daß die Franzosen das Flugzeug mehr als Artisten handhabten und durch Kunststücke die Welt verblüfften, während bet uns mehr dem Ernst der Waffe Rechnung getragen wurde. So kam es, daß die gewaltigen Leistungen unserer Flieger bei Ausbruch des Krieges in Frankreich fast eine ebenso große Ueberraschung bildeten, wie die 42 Ltm.-Geschütze. Man hatte sie bisher mit mitleidvoller Verachtung als Spielerei angesehen und mußte umlernen. Oft kam es dann zu kleineren und größeren Fliegerduellen im Ver­laufe des Krieges, in denen sich unsere Flieger neue Lor-

dann zu kleineren und größeren Fuegersuei laufe des Krieges, in denen sich unsere Flieg Beeren holten. Manche heldenhafte Tat half da den Er­folg unseres Heeres sichern.

Aber es kam noch nicht zu größeren Schlachten. Erst die große Schlacht bei Arras, die seit mehr als 6 Wochen auf 'der Erde tobt, hat die erste große Luftschlacht zwi­schen deutschen und französischen Flugzeugen gebracht. ■ Bemerkenswert ist die Tatsache, oatz auch die Luftschlacht eine ähnliche Dauer aufweist, wie sie bisher die Schlach­ten auf dem Erdboden in diesem Kriege zeigten. Es handelt sich um die Vorherrschaft in der Luft, um die hier nach dem Bericht unseres Generalstabes gestritten wird. „Seit einigen Tagen haben wir sichtlich die Ober­hand gewonnen", so sagt der Bericht weiter. Ein ge­waltiger Erfolg ist somit erzielt worden, wenn wir die oben geschilderten Verhältnisse bedenken, die bis zum Ausbruch des .Krieges herrschten. Aber der endgültige Erfolg ist uns auch auf diesem Gebiete gewiß, denn die Gediegenheit der deutschen Arbeit, die sich Bei unseren Unterseebooten, bei den Luftschiffen und den gewaltigen Geschützen offenbarte, hat uns auch ein hervorragendes azeug geschaffen, das in der Hand unserer todes- gen Flieger alle Bedingungen, des Sieges aufweist. Der Kampf um die Vorherrschaft in der Luft, der jetzt gekämpft wird, wird für spätere Zeiten ebenso eine Um­wälzung in den Anschauungen zu unseren Gunsten brin­gen wie wir sie bereits auf vielen anderen Gebieten des Krieges — nicht zum geringsten des Seekrieges Eng­land gegenüber — erlebt haben. (Z.)

Vermischtes.

Aus Gram über den Tod ihrer Tochter hat in Voh- winkel bei Elberfeld die Schwiegervn des Küfers Ko?va ihren jüngsten drei Enkelkini die sich im Alter von 4 Monaten bis zu 6 Jahren .«den, ,n Ab­wesenheit ihres Vaters den Hals aBgenB ntten und sich danach selbst umgebracht. _

1000 Mark Geldstrafe wegen Verfütterns von Brot­getreide. Vor der Konitzer Strafkammer hatte sich tu

der letzten Sitzung der Besitzer Anastasius Stodolski zü verantworten. Stodolski, der Besitzer eines etwa 180 Morgen großen Gründstücks ist, hatte Monate hindurch seine Pferde mit Roggen gefüttert. Mehrfache Ermah- nungen und Revisionen durch den Gemeindevorsteher und den Gendarmen hatte keinen Erfolg. Die Straf­kammer erkannte auf eine Geldstrafe von 1000 Mark oder 200 Tage Gefängnis. Da Stodolski auch feine Ge­treidevorräte falsch angegeben, bet Revisionen diese auch zum Teil versteckt hatte, erhielt er noch eine Zusatzstrafe von 100 Mark.

Die gehetmuisvollen Brände in England dauern noch immer an. Am Sonnabend sind wieder an verschie­denen Stellen große Brände ansgebrochen, zwei in Glasgow, zwei in Essex mtd einer in Braoforö. Bei dem einen Brand in Glasgow, der die Clyde Navigation Trnstees betraf, wird der Schaden auf 60 000 Pfund be­rechnet. Bet keinem Feuer konnte die Ursache festgestellt werden.

Witze vom Tage. In Gedanken. Bader: „Die Pul­verfabrik da drüben ist schon viermal in die Luft ge­flogen!" — Fremder: „Merkwürdig, die sieht doch noch so neu aus!^ Im Bilde. „. . . Ist es wahr, Frau Sekretär, daß Ihre Tochter einen Artillerieoffizier ge­heiratet hat?" — „Ja, ich habe sie glücklich unter die Haubitze gebracht." —— Passende Zweideutigkeit. A'S mau dem britischen Kapitän die Nähe des U-Bootes meldete, wechselte er urplötzlich die Farbe . . .--Vor­bildung. „Es geht nichts über solch einen Weltkrieg . . . Erst war ich in Frankreich und lernte Französisch, dann in Belgien Englisch: -'rauf war ich in Rußland und hab' Russisch gelernt und jetzt geht's nad) Italien. - Wenn ich heim komme, werd' ich Sprachlehrer." (Fliegende Blätter.)

Die Moskauer Pogroms.

Eine Norwegerin, die Angenzeugin der furchtbaren Tage des Moskauer Pogroms gewesen ist — ihr Name ist Kitty Wentzel — veröffentlicht jetzt nach der „Frkft. Ztg." in „Tidens Tegn" eine Schilderung ihrer Erleb­nisse. Der Aufruhr war danach aimenfdietnlid) ausge­zeichnet organisiert und die Plürrdernng begann gleich­zeitig an mehreren Punkten der Stadt. Die WnfrüOrer drangen in die Läden ein, deren mehrere zwei und drei Stockwerke einnahmen und nun wurde alles auf die Straße binausgeworfen, auf die sich alsbald ein walirer Regeu der kostbarstell Unterkleidung und anderer Be- kleldungsgegenstättde, vermischt mit Glassplittern von Bett großen Spiegelglasscheiben ergoß. Alles wurde in Stücke zerrissen und nachdeur die Warell hinausbefördert waren, ging die Ladenausstattullg BcufelOen Weg, ebenso Bücher, Kvpterpressen und Scbreibmaschtnett-. Im Kus- netzky Most, wo sich das große Flügellager von Zimmer- mann befand, flogen Flügel und Pianos durch die Spie- gelglasscheibeu auf die Straße. Da auch die andern Pianolager einer deutsch-russischen Firina gehörten, er­litten sie das gleiche Schicksal, sodaß man gegenwärtig in Moskau sein einziges Piano mehr saufen samt. Ein paar Banden kräftiger Männer und Frauen nahmen sich die Maschinengeschäfte vor, die tu der großen Straße Mjasnitzkaja ziemlich dicht zusalilmenliegen. Dnilamos, Lokomobilen, elektrische Motoren, landivirtschaftliche Ma­schinen, alles ging in Stücke. Daß die Aufrührer diese schweren Eisenwaren zertrümmern konnten, erklärt sich wohl daraus, daß sie kurz vorher eine ^^^^^^w^^^^^^^^^^ lnng geplündert hatten, wo sie sich mit Werkzeug ver­sehen sonnten. Wo nichts mehr zu zerschlagen war, wurde verbrannt: so erging es z. B. den Kontorell mehrerer außerhalb der Stadt liegender Fabriken, und schließlich legte man an veridjtedeueu Stellen, an die ganzen Häuser Feuer. Die Feuerwehr stand vollkommen machtlos da, da es zugleich an 54 Stellen in der Stadt Bräunte. Auch die Polizei konnte gegen die rasenden Menschen nichts ausrichten und begniigte sich damit, die Zuschauer zu warnen, sie sollten nicht so nahe Heran­gehen, daß sie die auf die Straße fliegenden Gegenstände auf den Kopf bekümen. ....

Während in der Stadt diese Gewalttaten vor sich gingen, wurde auch an Fabrikerr in der Umgegend Feuer gelegt. Der Leiter einer großen Wollweberei wurde ge­tötet: in einer anderen Fabrik, deren Leiter im Kriege war, wurde seine Frau niedergeschlagen, als sie mit einem Revolver den Eingang zn ihrem Hause zu ver­teidigen suchte. Wie viele Menschen im ganzen getötet worden sind, weiß man nicht und wird man wohl auch nie erfahren. Nur einzelne« Personen gelang es, sich im letzten Augenblick zu retten. So glückte es dem deutschen Bankier Junker, sich einer Gruppe von fünf Soldaten, die mit Gewehr und evolver bewaffnet waren, zu ver­sichern. Er gab jedem von ihnen 100 Rubel, stellte sie vor dem Eingänge zu feilten Kontorräumen auf und erteilte ihnen den Befehl, niemanden hineinzulasseir. 2luf diese Weise gelang es ihm wirklich, seine Geschäftsräume und die darin aufbewahrten großen Werte zu retten. Nachts drangen einzelne Scharren in die Gasthäuser ein, um nach etwa dort verborgeneil Deutschen zu silcheu. Jli dem Gastbaus, wo die Berichterstattern: wohnte, kam die erste Bande nachts um 12 Uhr an, fand aber nur einen deutsch klingenden Namen, den einer älteren Dame, die bereits längere Zeit im Hotel gewohnt, glücklicheriveise sich aber beizeiten geflüchtet hatte. Dafür brach die Bande nun wenigstens in ihr Zimmer ein, zerbrach alles, rvas sich dort vorfand und zerriß die Betten und Kleider der Dame. Noch einmal später in der Nacht statteten die Aufrührer demselben Haus einen Besuch ab.

Am nächsten Tage setzten die Massen, die sich in Weinhandlungen und Branntweingeschäften reichlich Anregung geholt hatten, die Plünderungen fort. Erst um 11 Uhr rückte der neueruamite Pvllzeihauptmann an der Spitze einer Kosakenkompagnie in den Straßen vor. Den Kosaken folgten einige Rote-Kreuzivagei:. Die Menschennmsse zog sich vor den Truppen langsatn von den Straßen weg. Die Aufruhrakte wurden verlesen und das Volk aufgefordert, sich zu zerstreuen. Allein weder auf die erste noch auf die zweite Aufforderung rührte sich jemand. Nun gaben die Kosaken eine Salve in die Lirft ab, und als auch das auf die halbirnnkeue Menge keine Wirkung ausübte, wurde nun mitten in die Menge Hiueingeseuert. Man schätzte die Zahl der Toten auf 50—00, die der Verwundeten auf 200—300. Jetzt griff ein richtiges Schreckensregiment Platz: der Velageruligszustaud wurde erklärt, und nach zehn Uhr abends durfte niemand mehr das Haus verlassen. Man begann sogleich mit der Anfräumung der Straßen: an einzelnen Stellen laaen die Trümmer so hoch, wie ein Straßenbahnwagen ist.

Weitere Drahtnachrichten.

Bericht des türkischen Hanptquartters.

»-♦ Konstantinopel, 80. Juni. lWTB.) Das Haupt, quartier teilt n. a. mit: Bei Art Bnrnu und Sed nl Bahr griff der Feind wiederum mit großen Verlusten vergeb­lich an. Wir eroberten durch einen Gegenangriff zwei Linien feindlicher Schützengräben. Unsere anatotischen Batterien fügten dem Feinde schwere Verluste zu nul brachten Batterien bei Tckke zum Schweigen. Hufen Flieger bombardierten mit Erfolg den leindlichen Flng, Platz bei Sed ui Bahr.