Einzelbild herunterladen
 

»elfe durch Die Deztkke der englischen Kriegsindustrie machen, da man eine Einsicht in die englischen Maß­nahmen für notwendig hält.

Unterseebootsopfer.

Oh* Loudou, 29. Juni. (T. u.) Ein deutsches Un­terseeboot griff gestern in der Nähe der Irischen Süd- küste mehrere Schiffe an und versenkte den englischen DampferEdith" aus Narrow. Der DampferLu- cera" wurde, wie Reuter aus Liverpool meldet, von einem deutschen Unterseeboot bet Ballycotten an der Südknste von Irland versenkt. Die Mannschaft ist gerettet.

Ein französisches Flugzeng znm Landen gezwungen.

o-* Bern, 29. Juni. (WTB.) Die Schweizerische Depeschen-Agentur meldet, daß das bei Rheinfelden niedergegangene französische Flugzeug infolge der Be- schädignngen durch deutsche Geschosse zum Landen ge­zwungen wurde.

Die Neutralen.

Eine Nordseekonferenz der nordischen Staaten.

oh* Kopenhagen, 29. Juni. (T. U.) Das norwegi­sche Storthing wird nach demB. T." der Regierung die Einbernfnna einer Nordseekonferenz vorschlagen, an der außer den skandinavischen Staaten auch Holland leil- nehmen soll. Die Konferenz soll die Dreikönigszusam- menkunft von Malmö fortsetzen und gerechtere Verhält­nisse für die nentrale Schiffahrt erzwingen. Zwischen dem schwedischen und dem norwegischen Minister des Aeußeren sollen entscheidende Vereinbarungen getroffen worden sein. Auch der dänische Minister des Auswär­tigen hat grundsätzlich seine Zustimmung erklärt.

Die Wiener Besprechungen.

Die oft halbamtlich benutzteKöln. Ztg." läßt sich aus Berlin über die in Wien zwischen dem deutschen Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, dem Staatssekretär v. Jagow und Dem österreichisch-ungarischen Minister des Aeußern, Freiherrn v. Burian, stattfindenden Be­sprechungen folgendes schreiben: Wir können bestätigen, daß es sich bei den Wiener Besprechungen des Reichs­kanzlers und des Staatssekretärs des Auswärtigen Am­tes mit dem Freiherrn v. Burian, nicht um Neuerun­gen in der auswärtigen Politik der Kaisermächte ge­handelt hat, sondern nur um die Förderung von Be­sprechungen, die in schwebenden Fragen, die mit der Haltung der Balkanstaaten zusammenhängen, schon seit längerer Zet im Flusse sind. Es liegt in der Natur oer Sache, daß sich ein sofortiges Ergebnis der Wiener Be­sprechungen nicht mitteilen läßt, weil die^! eben nur einen Teil von noch nicht abgeschlossenen diplomatischen Verhandlungen bilden. Die Frage nach der voraussicht­lichen Gestaltung der rumänischen und der bulgarischen Politik, die jetzt im Vordergründe des Interesses steht, läßt sich jetzt noch nicht mit aller Bestimmtheit beant­worten. Man darf indes, ohne in optimistische Ueber­treibung zu verfallen, wohl aussprechen, daß die Hoff- nungen des Vierverbandes auf militärische Unter­stützung durch Rumänien und Bulgarien stark znrück- gegangen sind.

Ktleasanetlel

2 Einberufung der Duma.

Das WienerVolksblatt" meldet über Stockholm aus Petersburg: Der Stadthauptmali n von Moskau hat eine Proklamation anschlagen lassen, die der Be­völkerung bekanntgibt, daß der Zar die Einberufung der Duma befohlen habe, der man die Wünsche des Volkes unterbreiten solle.

Die Arbeiterfrage in England.

^ Manchester, 29. Juni. (WTB.)Manchester Guardian" erfährt, daß, wenn die Verhandlungen mit den Bergarbeitern erfolglos bleiben, Lloyd George selbst bei der Beratung der Munitionsbill beantragen werde, daß sie davon ausgenommen werden. Auch die Textil­arbeiter werden, wenn sie es verlangen, ausgenommen Daily Telegraph" berichtet über die Lage der Kotzlen- industrie in Südwales. Arbeitgeber und Arbeiter äußern sich gleich pesimistisch über die Aussichten.

Ein Beitrag zur englischen Kriegführung.

Bet einem in deutsche Kriegsgefangenschaft ge­ratenen Korporal des Kingstown Scotch Broderers Re­giment wurde ein Tagebuch vorgefunden, das unter dem 20. August 1914 folgende Eintragung enthielt:Parade, 9,30 Uhr Abmarsch zur Uebung, 15 Meilen bei brennen­der Sonnenhitze. Furchtbar erschöpft kamen wir zurück. Um 3,15 Uhr Ansprache durch C. V. B. Forguson. Er sagte, daß wir jeden Augenblick auf die Deutscheu stoßen können. Wir brachen auf, um sie entweder heute abend oder morgen früh zu treffen. Pardon soll auf keinen Fall gegeben werden. Ankunft von englischer Post, Hitze unerträglich." Hierüber befragt, gab der Korporal an, daß der Befehl, keinen Pardon zu geben, von General Forguson, dem Kommandanten der 14. Infanterie-Bri­gade, gehörig zur 5. Division, gelegentlich einer An­sprache an seine Truppen vor dem Zusammeristotz mit den Deutschen gegeben worden sei. Seit Monaten hallt die Presse der Gegner vom Geschrei der deutschen Barbaren wider, die erbarmungslos ihre Gegner nieder­machen und keinen Pardon geben. Aus der obigen Fest­stellung ersieht man, wer in Wahrheit barbarische Ge­wohnheiten in diesen Krieg hineingetragen hat.

Das Los der Kriegsgefangenen in Rußland.

Der schwedische General Hjalmarson, der aus China nach Stockholm zurückgekehrt ist, wo er zwecks Bespre­chungen über Einrichtung einer schwedischen Gendar­merie weilte, berichtet imAftonblaöet" vom 26. Juni, daß er auf der Durchreise durch Jrkutsk österreichische Gefangene beim Wassertransport gesehen habe. Sie seien von Soldaten mit Peitschen bewacht gewesen. Auf eine Frage nach ihrer Behandlung, entblößte einer wortlos seinen Arm und zeigte einen langen, blutigen, von einem Peitschenhieb herrührenden Striemen. Die Deutschen würden noch schlechter behandelt, außerdem müßten ste Hungern. Ueber seine Rückkehr aus Persren befragt, er­klärte der General, daß der russische Gesandte Korostovcz und besonders der englische Generalkonsul Cox durch die gemeinsten Jntrigen und bewußten Unwahrheiten die Arbeit der schwedischen Offiziere Hinderten.

Der deutsche Kaiser bei den österreischisch-nngarischen Truppen.

Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet:

Am 19. Juni traf der deutsche Kaiser mit militärischem Ge- solge in Przemysl ein. Nach der Besichtigung der wiedererober­ten Festung, insbesondere der Forts an der Nordsront, begab sich der Monarch auf den Tartarenstrigel, wo der k. und k. Vrilcken- Kopfkommandant die Entstehung der Geschichte der Festung, so­wie ihre Schicksale und ihre Bedeutung, im jetzigen Knege in übersichtlichem Vortrage darstellte, dem der Kaiser mit regem Interesse folgte. Nun ging es an die Front zu dem westlich von Ianow gelegenen gerade in heftigem Kampse stehenden Beskiden- Korps des Generalleutnants von Marwitz. Der Kaiser beglück­wünschte den General zu der erfolgreichen Führung und den her­

vorragenden Leistungen der ihm unterstellten Truppen und ließ sich über den Verlauf des Gefechts genauen Bericht erstatten. Als der Kaiser erfuhr, daß unweit von ihm das feinen Namen tragende k. und k. Infanterie-Regiment Nr. 34 sich in heißem Kanipfe befinde, ließ er dem Regiment seine kaiserlichen Grüße übersenden. Dem Obersten des Regimentes, der sich bald hiernach zur Meldung eingefunden hatte, äußerte der Kaiser seine besondere Freude darüber, sich auf dem Kampfplatz seines schönen Regimentes zu befinden. Mit großer Befriedigung nahm der Kaiser zur Kenntnis, daß das Regiment sich während des ganzen Feldzuges durch eiserne Pflichttreue, vorzüglichen Geist und hervorragende Tapferkeit ausgezeichnet habe. Er gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß es ihm vergönnt gewesen sei, dem Regiment schon so zahl­reiche Eiserne Kreuze zu verleihen.

Auf dem Kampfplätze meldete sich auch der k. und k. Gruppen- Kommandant, der eine Darstellung des bisherigen Gefechtes und der augenblicklichen Lage gab. Der Kaiser nahm die Meldung mit großer Befriedigung entgegen und äußerte den Wunsch, nun auch die österreichisch-ungarische Artillerie im Kampfe zu sehen. Unweit vom Standorte des Kaisers war eine schwere Haubitz- batterie im Walde aufgefahren, dahinter, die erstere überschießend, eine Kanonenbatterie, bei im heftigen Feuer gegen die von den Russen noch zähe behaupteten Stellungen. Der Monarch begab sich zunächst zur schweren Haubitzbatterie, nahm die Meldung des seuerleitenden Offiziers entgegen und betrachtete aus unmittel­barer Nähe, mitten in der Batterie stehend, deren Feuertätigkeit, wobei er sich über alle Einzelfragen genauestens unterrichtete und insbesondere auch das Geschützmaterial (Skoda, neueste Type) mit regstem Interesse besichtigte. Auch bei der Kanonenbatterie, welche die Haubitzbatterie beständig überschossen hatte, verweilte der Kaiser längere Zeit und verfolgte als genauer Kenner die Feuerleitung und Feuerwirkung, sowie die Tätigkeit der Offiziere und der Mannschaften. Der Monarch, der zum ersten Male Gelegenheit hatte, österreichisch-ungarische Truppen im Kampf zu beobachten, schien von dem Gesehenen überaus befriedigt zu sein und unterließ es nicht, sich namentlich auch zu dem zur Meldung erschienenen k. und k. Korpskommandanten über die gewonnenen Eindrücke in anerkennendster Weise zu äußern. Lange hatte der Kaiser in den Batteriestellungen verweilt, ein deutliches Zeichen seines Interesses und wohl auch seiner Befriedigung über die Kampsestätigkeit der k. und k. Truppen. Als der Kaiser mit Anbruch der Dunkelheit die mustergültig gewählten und ausgestalteten Artilleriestellungen verließ, wurde er von den eben nicht im Kampfe stehenden Truppen, vorwiegend Ungarn, mit vielstimmigen Hurra-, Hoch- und Eljenrufen begrüßt. Aus dieser spontanen Huldigung sprach der freudige Stolz unserer bra­ven Truppen, den hohen Verbündeten ihres geliebten Kaisers und Königs in ihrer Mitte zu sehen und ihm zu zeigen, was die im Vereine mit den deutschen kämpfenden österreichisch-ungarischen Streitkräste in der Verteidigung ihres Vaterlandes zu leisten ver­mögen. Mustergültig war die Haltung der Offiziere und Mann­schaften. Alle voll Kampfeslust und Siegeszuversicht, keine Spur von Ermattung trotz wochenlauger oft Tag und Nacht währender Vorwärtsbewegung. Reberall nur der unbeugsame Wille, für Kai­ser und Vaterland den Siegeslauf fortzusetzen.

Bei dem hohen Verständnisse des Deutschen Kaisers für mili­tärische Leistungen insbesondere auch für die sittlichen Kräfte einer Armee, darf füglich behauptet werden, daß die Eindrücke, die der Kaiser bei seinem überraschenden Erscheinen int Bereiche der österreichisch-ungarischen Truppen gewonnen hat, die allerbesten waren. Nicht nur die vom Kaiser besuchten Truppenteile, sondern auch die gesamte k. und k. Armee empfindet es voll Dankbarkeit als eine besondere Ehrung, daß Kaiser Wilhelm in Stunden heiße­sten Kampfes und Ringens in ihrer Mitte auf dem Kampfplätze erschienen ist. (WTB.)

Vermischtes.

Ein unerhörter Fall von Milchfälschung hat die Gerichte in Bochum beschäftigt. Der dortige Milchhändler Stimpel war vom Schöffengericht wegen Nahrungsmit- telfätz'chung mit einer Geldstrafe von 300 Mark belegt worden. Aus der Beweisaufnahme ergab sich, daß Sttm- pel Milch mit hohem Wasserzusatz verkauft hatte,' in einem Falle war ein Wassergehalt voll 70 Prozent fest­gestellt worden. Der Vorsitzende der Berufungsinstanz bedauerte, daß nicht auch die Staatsanwaltschaft Beru­fung gegen das schöffengerichtliche Urteil eingelegt habe: in diesem Falle würde die Strafe erheblich erhöht und statt der Geldbuße auf eine Gefängnisstrafe von min­destens drei Monaten erkannt worden sein; nach Lage der Sache blieb dem Berufungsrichter nichts anderes übrig, als das erste Urteil zu bestätigen,

Thormanns Revision verworfen. Das Reichsgericht verwarf die Revision des früheren Kreisausschutz-Assi- stenten Heinrich Thormann, der vom Schwurgericht Köslin am 15. März wegen Betruges, versuchter Er- pressung, mehrfacher Urkundenfälschung, unberechtigter Führung des Doktortitels sowie mehrfachen Meineides zu 10 Jahren Zuchthaus und Nebenstrafen verurteilt worden war. Die Angelegenheit des falschen Bürger­meisters hatte seinerzeit, wie erinnerlich sein dürfte, gro­ßes Aufsehen erregt.

In den Tiroler Bergen als Leiche augefunden. Der seit drei Jahren vermißte Professor der Pharmakologie Hildebrand in Halle, der seinerzeit auf einer Ferienreise in Tirol verschwunden ist, ist jetzt in der Nähe von Bozen in einer Schlucht als Leiche aufgefunden worden.

Ein wohlverdienter Hereinfall ist, wie aus Lübeck berichtet wird, einer dort durchreisenden Dame bereitet worden. Sie hatte noch 1000 Mark in Gold in Besitz, und damit ihr dieser Schatz während ihrer Abwesenheit vom Heimatsorte nicht abhanden komme, nahm sie ihn mit auf Reisen und bewahrte ihn in ihrer Handtasche. In Lübeck mußte die Dame umsteigen, und da viele Damen bet solcher Gelegenheit es sehr eilig haben, so verließ die Reisende des Abteil und ließ die Tasche mit den 1000 Mark liegen. Unterwegs bemerkte sie den Verlust, und der Schreck war groß. Sofort telegraphierte sie nach Lübeck, und der Schreck wich großer Freude, als die Nachricht eintraf: Tasche gefunden! Aber die Bahn­verwaltung spielte der Dame einen berechtigten Streich. Sie sandte ihr die Tasche leer zurück und zahlte die 1000 Mark in Gold bei der Post ein.

Der Ueberträger des Flecktyphus. Der Oberarzt der Landwehr Professor Dr. Jürgens berichtet in der Ber­liner Klinischen Wochenschrift in eingehender Weise über seine Erfahrungen bei der Behandlung von Fleckfieber- Kranken, die er in dem ihm unterstellten Gefangenen­lager gemacht hat. Dabei hat er auch die Beobachtung gemacht, daß für die Uebertragung des Fleckfiebers ein­zig und allem die Läuse in Betracht kommen. Eine Eigen­tümlichkeit der unheimlichen Seuche liegt darin, daß man erkrankt, ohne einen Kranken berührt zu haben, ja ohne in unmittelbarer Nähe eines Kranken gewesen zu sein. Die Erkrankuttgszahl ist außergewöhnlich groß und während aridere Epidemien nach einer gewissen Zeit einen natürlichen Abschluß finden, reiht sich beim Flec^ fieber Erkrankung an Erkrankung, und solange noch gesunde Leute im 8ager sind, geht auch die Epidemie nicht zu Grunde. Auch die alten Aerzte haben diese epi­demiologischen Eigentümlichkeiten der Seuche immer betont, aber ihnen gegenüber hat die neue Medizin vor­aus, daß ihr auf Grund der Erfahrungen bei anderen Seuchen die wichtige Rolle der Insekten als Infektions­träger besannt geworden ist. Jürgens gibt nun zum Beweise dellen, daß etmia und allein die Läuse die

Ueberträger dieser furchtbaren Seuche sind, einige Ber« spiele an. Von oen russischen Aerzten und dem Pflege­personal seines Lagers erkrankten die meisten. Nach einer vollständig dnrchgeführten Entlausung der Gefan- genen mit ihren Kleidern und Wohnungen brächte er die Epidemie zum Stehen, und auf der lünsefreien Fleck- fieberabteilung ist im Verlauf von vier Monaten nie« mand, einschließlich der Aerzte, erkrankt. Selbstverstäno- ilch kommen nach der Entlausung noch Erkrankungen vor, Denn das Fleckfieber hat eine Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen, aber das Fleckfieber kann von Derartigen Kranken nicht mehr übertragen werden.

Nachdenkliche Bauernweisheit. Von dem Tisch, den die Natur aufs neue deckt, nicht ein Körnchen, nicht ein Hülmchen ungenützt verkommen zu lassen, nicht eine Gabe zu übersetzen, mühen sich Bolkswirtschaftler aller Schattierungen, uns eindringlich au ermähnen. Wie auch der einfache Landmann durch Nachdenken über das Problem zu Betrachtungen solcher Art kommt, schildert Peter Rosegger launig imHeimgarten": Ich saß in der Laube. Hinter Dem Heckenzaun hüteten die Bauern ihr Vieh und ich hörte, was sie rcDcten.Host nia noch- denkt?" fragte der eine und schallte wohl Den Kühen zu beim Grasen.Nochdenkt? Ueber wos?"Da Mensch, hoaßts, knnt litt lebn von Gros (Gras), hätt * dron zwenk Bohrung."Js a sou."Wia konns dann liochher fein, daß die Knah milch so nohrhoft ts. Un frißt die Kua douh nix, wia Gros!"Wird Halt von ihr selber wos daznagebn, daß D' Milch nohrhaft is." Oba! Nehllla tnats wos für sih selba voll Gros. Sist kunnts jo nit lebn. Für ollzwoa roachts Gros, für Die Kua und für dih, wannst Milch ißt."Jv Norr, ivanns a foit is, do brauet) ih ka Kua. Do geh 16 auf all Biern lind tua selber grosn."Probiers, nimmst drei Mägn Host, wia die Kua. Ja, met Linbcr! Walllt da Mogn verkauht, do is alls nohrhoft. Af a Gleichs: Die Kua muast das Gros vorkuin (vorkauen)."Pfui Dcuxl!" Is nit anderscht. Milch uuD Buder Host donh gern." Mehr hörte ich nicht, sie mären weiter getrottet. Mich hat diese Bauerllwetsheit selber ein bissel nachdenklich gemacht. Das Gras, wie es Da wild wächst unter un­seren Füßen strotzt vor Nahrung für den Menschen, aber die Kuh muß sie ihm erst vorkauen.

Die Gemülsstimmung des Zaren.

Neutrale Blätter melden, daß die Gemütsstimmung des Zaren sich in der letzten Zeit auffallend verdüstert hat. Dazn er­fährt dieIns." von unterrichteter Seite: Schon seit geraumer Zeit kann man beobachten, daß der Zar nicht mehr wie zn Be­ginn des Krieges in der zuversichtlichen Laune sich befindet. Gerade in den vergangenen Wochen nun hat sich der Zar auffallend von allen Menschen, die sonst seine Umgebung bildeten, zurückgezogen. Einsam wandert er oft stundenlang durch die Gemächer feines Palastes und weicht allen direkten und persönlichen Anreden aus. Der Zar hat den Wunsch geäußert, au die Front zu reisen, hat auch die Reise unternommen, aber als er zurückkam, verbat er sich alle Begrüßungen, und schloß sich in seine Gemächer ein. Nur den Polizeiwachtmeister hat er eines Tages zu einer längeren Audienz empfangen, es sonst aber vermieden, mit irgend einem anderen Menschen ein Wort zu sprechen.

Es ist klar, daß die Hofleute alle Mühe aufbieten, um den Zaren wieder zu einer froheren Auffassung des Lebens zu veran­lassen. Bisher haben sich jedoch alle Anstrengungen als vergeblich erwiesen. Als man eines Tages versuchte, in der Nähe der Zaren­gemächer eine würdige Musik ertönen zu lasse«, erscholl ein hef­tiges Klingeln aus dem Vorraum des Arbeitszimmer des Zaren. Es war das Signal dazu, daß die Musik sogleich aushören solle. Augenzeugen wollen gesehen haben, daß der Zar heftig gemeint habe, als er die Klänge vernonnncn. Konnte sich in früheren Zeiten der Zar damit stundenlang unterhalten, sich dem Spiel der kleinen Pferdchen" hinzugeben, und hatte er ein kindliches Ver­gnügen daran, wenn er einen oder gar mehrere Einsätze hinter­einander gewann, so ist er jetzt jeder Zerstreuung abhold, und mit Abscheu soll er es von sich gewiesen haben, als einer seiner Hofleute ihn veranlassen wollte, sich eine kurze Zeit in dem von ihm einst so gelieb­ten Spiel zn zerstreuen. Auch in dem Zusammenleben mit seiner Familie findet der unglückliche Zar keine Aufheiterung. Er mei­det es, selbst bei den Mahlzeiten mit seiner Familie zusammen zu sein, und bei Tisch ist er schweigsam, nimmt nur widerwillig einige Speisen zu sich, um sich bann wieder in seine dumpfe Ab­geschlossenheit zurückzuziehen.

Einsamer noch, als er gewesen, ist jetzt der Zar. Das Schicksal seines Heeres lastet gleich einem quälenden Druck auf ihm. Die Vorgänge in Galizieu, vnn denen er nun erfahren mußte, nahm er mit einer starren Miene auf, keine Bewegung seiner Muskeln verriet, wie sehr ihn das Ereignis d r Besetzung Leinbergs durch die Oesterreicher und Deutschen getroffen

Weitere Drahtnachrichten.

Meyer-Gerhard über Amerika.

Berlin, 29. Juni. (WTB.) ImTag" schreibt Geheimrat Meyer-Gerbard, Der auf Wunsch Der deut­schen Botschaft in Wasbingtolr der Diesigen Regierung über Die Stimmung in den Vereinigten Staaten Bericht erstattet, daß von den tatsächlich leider in Den Vereinig­ten Staaten übernommenen MnnttiottSliefernngsans- trägen bislang nur ein noch nicht sehr großer Teil zur Ausführung gelangt sei. Bei einer Abstimmung würde die Mehrheit des amerikanischen Volkes sich gegen die Lieferungen aussprechen.

Der Wechsel im russischen Kriegsministerium.

oh*. Petersburg, 28. Juni. (WTB.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur: Der Kaiser hat das Rücktrittsgesuch des Kriegsministers Generala-intanten Suchomlinow angenommen und den General der In­fanterie Poliwanow zum Verweser des Kriegsmintiteri- ums ernannt.

Urteile gegen Bnrenftthrer.

O-* London, 29. Juni. (WTB.) Das Reutersche Bureau meldet aus Bloemfontein: Das Kriegsgericht verurteilte den General Wessels zu 5 Jabren Gefängnis und einer Geldbuße voll 1000 Pfund Sterling, Conroy und Nicola Cerfontein zu je 4 Jahren Gefängnis. Durch eine Petition mit 12 645 Unterschriften von Afri- kanderfranen Der Union ist Der Justizminister um Die Begnadigung Dewets ersucht worden.

Oh* London, 29. Juni. (WTB.)Daily Telegraph" meldet aus Kapstadt, die Gegner Bothas beulntzen dessen Teilnahine am Feldznge, um bei der Ministerwahl, Die Ende dieses Jahres stattfinden muß, dessen Sturz vor- zubereiten.

Feuer im Glasgower Hafen.

o-* London, 29. Juni. (WTB.) Ein großes Scha­denfeuer entstand gestern im Hafen von Glasgow. Es verursachte einen Schaden von 60 000 Pfund Sterling.

Verwüstungen durch einen Zyklon in Kanada.

o-* London, 29. Juni. (WTB.) DieTinres" mel- den aus Toronto: Eilt Zyklon zerstörte die Stadt Red- cliffe im Staate Alberto. Der Schaden wird auf 100 000 Mund Sterling geschätzt.