Unaufhaltsame Verfolgung in Ostgalizien.
wie Lemberg genommen wurde.
Aus dem Großen Hauptquartier erhalten wir über die Einnahme von Lemberg das folgende Telegramm: Anfang September 1914 waren die Russen in Lemberg, der Hauptstadt Galiziens, die eine Einwohnerzahl von 250 000 Menschen aufweist, eingezogen. Sie fühlten sich während ihrer dortigen Herrschaft in der schönen Stadt, der sogleich ihr polnischer Name Lwow zurückgegeben wurde, außerordentlich wohl mtb gingen alsbald daran, Lemberg zu einer großen Festung auszubauen, um zum weiteren Schutze ihres Besitzes die befestigten Linien der Grodek und Wereszyca zu schaffen. Die von den Oesterreichern erbauten Verteidigungsanlagen von Lemberg wurden russifcherseits verstärkt und erweitert, besonders auf der Süd- und Südwestfront. Die beste- henden Bahnhofsanlagen wurden erweitert und eine Reihe von Feld- und Bobbahnen im Bereiche der Festung gestreckt. Um aber selbst für den Fall, daß die Grooekstellung durchbrochen und aufgegeben werden müsse, die Behauptung der Festung Lembergs zu garantieren, wurde gleichlaufend zur Groöekstellung und angelehnt an die Nordfront der Festung
eine stark befestigte Anschlußstellung gebaut, die sich an den Höhen westlich der Bahn Lem- berg-Rawaruska bis gegen Dobrosin hinzieht. Nachdem die Armeen des Generalobersten v. Mackensen die Grodek- mib Wereszyca-Stellung durchbrochen- hatten, stießen deutsche Divisionen und die daran anschließenden Truppen der Verbündeten auf die genannte Anschlußstellung. Die Mitte der Armee Boehm-Ermolli näherte sich gleichzeitig der Westfront von Lemberg. Die Masse dieser Armee griff einen Feind an, der sich in südlicher Anlehnung an die Festung hinter den Szozerzek- und Stawczanka-Bach gesetzt und zu erneutem Widerstände eingerichtet hatte. Es gelang, diese Stellung am Abend des 21. Juni an verschiedenen Stellen zu durchbrechen und die Angriffstruppen gegen die Befestigungen der Westfront von Lemberg näher heranzuschieben. Deutsche Verbände unter Führung des Generals v. d. Marwitz erstürmten am gleichen Tage die wichtigsten Punkte der von den Russen zäh verteidigten Anschlußstellung, zwangen dadurch deu Feind, diese Stellung in ihrer ganzen Ausdehnung zu räumen, und öffneten nunmehr den benachbarten österreichischen Truppen die Bahn zn den Befestigungen der
Nordwestfront der Festung.
Am 22. Juni konnten somit die Werke der Nordwest- und Westfront von den österreichisch-ungarischen Truppen genommen werden. Schon um 5 Uhr morgens fiel das Werk Rzesna, bald daraus Skuilow und gegen 11 Uhr auch die Lysagora. Dieses Werk wurde vom k. u. k. Infanterie-Regiment 34, Wilhelm I., Deutscher Kaiser und Köuig von Preußen, erobert. Im Werk Rzesna wurden neben Geschützlafetten und Maschinengewehren allein 400 Gefangene gemacht, die nicht weniger als 18 verschiedenen russischen Divisionen angehörten. Im Werke fand man neben Massen von Waffen und Munition auch eine große Menge ungeöffneter Holzkisten mit Stahlblenden. Schon am Mittag des gleichen Tages betraten die siegreichen Truppen die galizische Hauptstadt, in der die Russen fast zehn Monate geherrscht hatten. Um 4 Uhr nachmittags zog der österreichische Armeeführer in die völlig unversehrte und reichve- slaggte Stadt ein. Auf den Straßen, in den Feldern und auf den Balkönen standen Tausende und aber Tausende von Einwohnern, die die Befreier stürmisch begrüßten und die Kraftwagen mit einem Blumenregen bedeckten. Am nächsten Tage beglückwünschte in Lemberg der Oberbefehlshaber, General v. Mackensen, den Eroberer der Festung, k. u. k. General der Kavallerie v. Boehm-Ermolli. Seine Majestät der deutsche Kaiser richtete auf die Meldung vorn Falle Lembergs folgendes
Telegramm an Generaloberst von Mackensen:
Empfangen Sie zur Krönung Ihres glänzend geführten galizischen Feldznges, zum Fall von Lemberg, meinen wärmsten Glückwunsch. Er vollendet eine Operation, die systematisch vorbereitet und schneidig und energisch durchgeführt, zu Erfolgen an Schlachten und Beutezahl in nur sechs Wochen geführt hat, noch dazu im freien Felde, wie sie selten in der Kriegsgeschichte zu finden sind. Gottes gnädigem Beistand verdanken wir an erster Stelle diesen glänzenden Sieg, sodann Ihrer bewährten, kampferprobten Führung und der Tapferkeit der Ihnen unterstellten verbündeten Truppen beider in treuer Kameradschaft kämpfenden Heere. Als Ausdruck meiner dankbaren Anerkennung ernenne ich Sie zum Feldmarschall. gez. Wilhelm, I. R.
Gleichzeitig wurde der Führer des österreichischen Heeres, Erzherzog Friedrich, zum preußischen General- felömarschall ernannt. Die treue Zusammenarbeit der verbündeten Heere hatte reiche Früchte getragen.
Aus dem großen Hauptquartier
>* Großes Hauptquartier, 28. Juni 1915, 3,35 Uhr nachmittags. (Amtlich. WTB.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Arras wurden feindliche Nachtangriffe beiderseits der Straße Souchez-Aixnoulette und am Labyrinth nördlich Ecurie abgeschlagen.
Im Westteile der Argonnen versuchten die Franzosen gestern abend ihre verlorene Stellung wieder zu nehmen. Trotz Masseneinsatzes von Artillerie scheiterte ihr Angriff gänzlich.
Dasselbe Ergebnis hatte auf den Maashöhen ein zwei Kilometer breiter Jnfanterieangriff beiderseits der Tranchee. Nach ungewöhnlich großen Verlusten flüchtete der Feind in seine Stellungen zurück.
In den Vogesen überfielen unsere Truppen die Besatzung einer Kuppe hart östlich von Metzeral. 50 Gefangene nnd 1 Maschinengewehr blieben in unserer Hand.
Besonders gute Erfolge hatten wir in dem südlichsten Teil unserer Kampffront gegen feindliche Flieger. Im Luftkampf wurden 2 feindliche Flugzeuge nördlich des Schluchtpasses und bei Gerardmer heruntergeschossen, zwei weitere durch Artilleriefeuer bei Largitzen und bei Rheinfelden auf schweizer Gebiet zur Landung gezwungen.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Russische Angriffe nördlich und nordöstlich von Prasznysz, die sich hauptsächlich gegen nnsere neue, am 25. Juni eroberte Stellung südöstlich von Oglenda richteten, brachen unter großen Verlusten für den Gegner zusammen.
S ü d ö st l i ch e r K r i e g s s ch a n pl a tz.
Halics wurde von uns besetzt. Der Dnjestr ist heute früh hier überschritten worden. Damit ist es der Armee des Generals von Linsingen gelungen, auf ihrer ganzen Front nach fünftägigem schwerem Kampfe den Ueber- gang über diesen Fluß zn erzwingen. Weiter nördlich verfolgen unsere Truppen den geschlagenen Feind gegen den Gnilta-Lipa-Abschnitt.
Seit dem 23. Juni nahm die Armee Linsingen 6470 Russen gefangen.
Nordöstlich von Lemberg nähern wir uns dem Bug-
Abschnitt. Weiter westlich bis zur Gegend von Cieszanow
sind die verbündeten Truppen im weiteren Vorgehen.
Sie machten mehrere Tausend Gefangene und erbeuteten eine Anzahl Geschütze nnd Maschinengewehre.
Oberste Heeresleitung.
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Vom österr -ungar. Generalstab
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Wien, 28. Juni. (WTB.) Amtlich wird verlautbart:
RussischerKriegsfchanplatz.
Die verbündeten Armee« in Ostgalizien verfolgen.
Sie erreichten gestern unter fortdauernden Nachhutkämpfen nordöstlich Lemberg die Gegend Klobzienko— Zadworze, dann mit Vortruppen den Zwirz, der im Unterlauf schon überschritten wurde.
Halicz ist in unserem Besitz; das südliche Dnjestr- ufer aufwärts Halicz ist vom Feinde frei. Nach fünftägigen schweren Kämpfen haben die verbündeten Truppen der Armee Linsingen den Dnjestrttbergang erzwungen. An der übrigen Dnjestrfront herrscht Ruhe.
Truppen der Armee des Erzherzogs Johann Ferdinand erstürmten gestern Plazow südwestlich Rarol und drangen heute nacht in die feindlichen Stellungen auf den Höhen nordöstlich des Ortes ein. Die Russen sind im Rückznge über Narol. Die sonstige Lage int Nord- osten hat sich nicht geändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz ist unverändert, der Feind fast vollkommen untätig. Nur die Geschützkämpfe dauern an allen Fronten fort. Marineflieger hat am <J7. d. Mts. bei Villa Vicentina einen
feindlichen Fesselballon beschossen und zum Niedergehen gezwungen, am 28. mitten im feindlichen Artilleriepark S. Canciano schwere Bomben mit verheerendem Erfolge abgeworfen, einen Dampfer in der Sdobba dnrch Bomben schwer beschädigt, dessen Achterteil anf Grund ge- snnken.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Wie der deutsche Bericht, so bestätigt auch der österreichische die Besetzung der ihrer Wichtigkeit wegen fo- .lange verzweifelt von den Russen verteidigten Stadt Halicz am Dnjestr. Gleichzeitig aber bringt er die erfreuliche Nachricht, daß die verbündeten Truppen bereits bald in die Gegend von Zadworze vorgedrungen sind, das etwa 40 Kilometer östlich von Lemberg und nur noch 15 Kilometer südwestlich von Busk am Bug entfernt liegt. Narol endlich, wo die Truppen des Erzherzogs Johann Ferdinand erfolgreiche Sturmangriffe machten, liegt nordwestlich von der polnisch-galizischen Grenze.
6*^ Rotterdam, 29. Juni. (T. U.) Das „Handelsblatt" beschäftigt sich nach der „Dtsch. Tgztg." in einem militärischen Artikel mit der Lage auf dem östlichen Kriegsschauplätze. Diese sei für die Russen äußerst ungünstig. Es sei nicht anzunehmen, daß Rußland vor Ende des Jahres neu ausgerüstete und gut ausgebildete Truppen auf den Kriegsschauplatz werfen könne. England sei wohl imstande, den Krieg noch bis zum Frühjahr durchzuhalten. Es bleibe jedoch zweifelhaft, ob Rußland und Frankreich solange Schritt halten können.
Der italienische Krieg.
Von der italienischen Artillerie.
Aus dem Kriegspressequartier meldet der Berichterstatter der „Dtsch. Tgztg.", Rudolf Kastner, unterm 27. Juni: Wenn die kraftlosen Versuche der Italiener, in den abgelaufenen Kriegswochen an mehreren Stellen der Grenzfronten artilleristisch vorzugehen, gescheitert sind, so ist daran nicht nur der, wie sich zeigte, zuweilen geradezu demonstrative widerspenstige Geist in den Reihen der Italiener schuld, sondern in demselben Maße die Mängel der großkalibrigen schweren Artillerie, für deren vermeintliche Taten italienische Militär- kreise schon früher einen erwartungsfrohen Lorbeervor- schuß spendeten. Insbesondere haben die vielgerühmten 28er Geschütze und auch die 149-Millimeterkauonen stark enttäuscht. Einmal können die Batterien, wie die zahlreichen in unregelmäßigen Distanzen und Weiten einschlagenden Geschosse beweisen, keine Zielsicherheit erreichen. Dann ist aber die Tragweite der 28er weitaus kleiner, als man erwartete. In demselben Grase unzulässig sollen sich, wie gefangene Bedienungsmannschaften aussagen, die Rohre der 28er Geschütze erweisen, die selbst schon nach einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von Schüssen Beschädigungen erleiden. Nimmt man zu diesen offenkundigen technischen Fehlern noch die unsagbaren Schwierigkeiten des Geländes hinzu, in dem die italienische Artillerie operieren muß, so ist begreislich, daß unsere sämtlichen Gebirgstruppen der zeitweiligen heftigen Arbeit der feindlichen Artillerie mit Gemächlichkeit und unbeirrt zusehen und ihre Wirkung, die sich meist nur in leeren Schluchten oder auf unbesetzt ten Felskanten äußert, lediglich belächeln.
Von der Westfront.
Joffres jüngste Offensive.
»-^ Rotterdam, 29. Juni. <T. U.) „Journal des Debats" behauptet nach der „Dtsch. Tgztg.", daß es diesmal mit der französischen Offensive ernst gewesen sei. Wenn auch Joffre sein Ziel verschweigt, so zeige doch der Verbrauch von 300 000 Geschossen auf einer Front von zwölf Kilometern, daß erstens der Jammer über den Munitionsmangel übertrieben wird und daß es sich zweitens um die bisher wichtigste Offensive handelte.
Wachsendes französisches Mißtrauen gegen England.
Die Art und Weise, in welcher Lloyd George und andere Abgeordnete des englischen Kriegs- und Mnnitions- ministeriums die Frage der Steigerung der Geschoßherstellung bei der kürzlichen Zusammenkunft in Boulogne behandelten, hat nach Meldungen aus dem Haag, in französischen Militärkreisen Anstoß erregt. Man habe Lloyd Georges die Erklärung Lord Kitcheners vom vergangenen Jahre vorgehalten, nach der für England der Krieg nicht im August 1914, sondern erst im Mai 1915 beginne. Jetzt seien zwei Monate seitdem verstrichen, und England beweise gerade durch seine neuen Maßnahmen, daß es noch immer nicht fertig sei, während Frankreich sich an Menschen und Geld erschöpfe. Die französischen Re- gierungskreise wollen trotz der pompösen Ankündigungen Englands über die Steigerung der Munitionsherstellung der englischen Regierung eine Kontrolle nicht ersparen, und es sollen demnächst französische Beamte eine Rund-
Christel.
Roman von Freifrau Gabriele v. Schlippenbach.
32) (Nachdruck verboten.)
Alice nahm das Kind auf den Schoß und beschäftigte sich mit ihm. Sie kümmerte sich um ihre Pflege und fand jetzt auch an der Wirtschaft mehr Freude. Mamsell Regine meinte aber doch, daß die gnädige Frau nicht so tatkräftig eingriff, wo es not tat; Fräulein Christels flinke Hände verstanden das besser.
Alfred Röhrbach war zu seinem Regiment zurückgekehrt. Er schrieb an Steinern und entschuldigte sein Nichterscheinen. Es sei ihm dies bei der Fülle der zu bewältigenden Arbeit unmöglich gewesen. Eine Empfehlung an die Damen schloß den Brief.
„Ich hoffe, es gelingt Röhrbach, das Gut hochzubringen, aber es bedarf eines Kapitals dazu, ich weiß nicht, ob er es besitzt."
„Ich hörte durch Frau Holdern, daß er der Erbe eines reichen Onkels mütterlicherseits sei," sagte Alice.
„Weißt Du, was ich gedacht habe?"
„Nun, Schatz?"
„Röhrbach und Christel wären ein gutes Paar."
Adolf lachte.
„Was ihr Frauen euch doch immer mit Hetrats- projekten abgeben müßt! Ist es denn ein so großes Glück, einen Mann zu haben, Liebchen?"
„Ja, wenn er so gut ist wie Du, Dolf!"
„Bin ich das?"
Er zog sie an sich und küßte sie.
„Dolf", begann Alice nach einiger Zeit, „war ich „eklig", wie Christel zu sagen pflegt?"
. . "Das weitz ich nicht mehr, ich weiß Nur, daß Du jetzt eine liebe kleine Frau bist."
„Liebst Du mich ebenso wie Margarete?"
Es klang wieder die alte Eifersucht durch in der Frage.
„Wäge nicht ab", bat er, „man kann doch Menschen in verschiedener Art lieben."
„Ich will mich bemühen, Dir immer mehr zu werden, mein lieber, guter Mann."
Er merkte den guten Willen und nahm Rückfälle nicht tragisch.
„Sie wird sich durcharbeiten", dachte er freudig.
Alices Hauptgedanken beschäftigten sich jetzt mit ihrem zukünftigen Kindchen. Sie hätte am liebsten schon jetzt alles eingerichtet und zur Ankunft des „Jungen" bereit gehabt.
Sie, die früher sich nichts aus kleinen Kindern gemacht, blieb stehen, wenn eines der Arbetterbübcheu oder Mädchen zu sehen war. Sie fragte die Mutter nach ihren Namen und brächte warme Sachen oder stärkende Nahrungsmittel, wenn eines der Kleinen krank war.
„Unsere Frau macht es wie unser Fräuleinchen", hieß es bald.
--Der Herbstwinö fegte die letzten Blätter von den Bäumen; die Kartoffeln wurden eingeheimst. Hell loderte das dürre Kraut auf den Feldern, Wandervögel zogen übers Haus, und die Erde bereitete sich zum Winterschlafe vor.
Drinnen im alten Herrensitz der Steinaus waltet heimliches Werden. Adolf war jetzt fast den ganzen Tag zu Hause und lebte für Weib und Kind. Alice ging durch die Zimmer, ein stilles, glückliches Leuchten in den Zügen, und die kleine Jda spielte zu den Füßen der Eltern, nicht lange mehr das einzige Kind.
Christel schrieb oft nach Hollkitten. Einer ihrer Briefe lautete:
„Mein lieber, alter Bruder und liebe Alice!
Heute ist so recht ein Tag, um Euch zu schreiben. Muttchen hat sich erkältet, wohl etwas „Flenza", wie Jochen statt „Influenza" sagt. Ich habe es Muttchen bequem gemacht, den großen, breiten Letzte
stuhl vor den Kamin gerollt, ein Tuch über sie gebreitet und ihr Aspirin eingegeben, dann ein Glas Himbeerlimonaöe auf den Tisch gestellt, so daß sie es erreichen kann. Sie schlummert eben; es ist 11 Uhr vormittags, und die Jungens sind in der Schule. Draußen regnet und stürmt es. Keine Möglichkeit, hinauszugehen, wie in Hollkitten. Da hätte ich Dolss wasserdichten Lodenmantel angezogen, die Kapuze über den Kopf gestülpt, dann meine derben Leder- schuhe angezogen und Heidi! hinaus in Sturm und Regen. Möchte die entsetzlichen Gesichter hier sehen, wenn ich in diesem Aufzuge durch die Linden pendelte.
„Na, aber zu etwas anderem. Hilde schreibt sehr befriedigt aus X. Sie hat es in diesen ersten Wochen schwer, da sie von der Pike auf dienen, alle Hausarbeiten machen und die Wäsche waschen muß. Denkt Euch unsere zarte Hilde dabei!
„Ich sage immer, jede Arbeit kann geadelt werden, wenn man sie im rechten Sinne tut. Erst nach der Probezeit wird sie Pflegeschwester werden. Das denke ich mir interessanter, die armen kleinen Kinder zu pflegen.
„Die Jungens müssen lernen, daß ihnen der Kopf raucht. Bei Franz geht es von selbst. Den Fritz, den Bengel, habe ich in die Presse genommen, repetiere mit ihm und helfe beiden Brüdern im Eng- lischen und Französischen. Bin doch froh, daß ich mein Examen machte, obgleich ich viel lieber einen Kursus in einer Kochschule durchgemacht hätte. Na, bei Mamsell Regine habe ich im Sommer auch etwas gelernt, hoffe, es kommt mir mal zu Paß. wenn ich einen Landwirt heirate. —
(Fortsetzung folgt.)