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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

HersWer WW Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Psg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 149.

Dienstag, den 39. Juni

1915

Teil.

Bekanntmachung.

In Forsthaus Hilmes ist eine Telegraphenanstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Cassel, den 23. Juni 1915.

Kaiserliche Ober-Postdirektion.

Hus der Heimat.

* (Winke fürVerreis ende.) Wegen des Krieges geht in diesem Jahre der Reiseverkehr unter verän­derten Verhältnissen vor sich. Alle, die eine Sommer­frische aufsuchen, ihren Urlaub außerhalb des Wohn­ortes zubringen oder eine Erholungs- und Badereise antreten, tun gut, sich mit hinreichenden Ausweis­papieren über ihre Person zu versehen. Diesen Zweck erfüllt am besten ein vorschriftsmäßiger Paß, dessen Ausstellnng bei der zuständigen Ortspolizeibehörde

Der Krieg als Lehrmeister.

Der Krieg ist ein gewaltiger Lehrmeister für alle, namentlich aber für die, die ihn im Felde erleben. In stiller Nacht, auf einsamem Posten wachen Gefühle auf, die lange schlummerten, da drängen Gedanken Hervor, die sonst unterdrückt wurden. Junge verwöhnte Männer aus reichen Häusern, denen die elterliche Fürsorge alle Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt hatten, sehen ältere Kameraden sterben, deren letzter Gedanke das Schicksal von Weib und Kind ist. Leicht­fertige, Selbstsüchtige, Genußsüchtige wandeln sich zu ernsten, verantwortungsbewußten Menschen um, Spöt­ter verstummen vor dem heiligen Ernst weihevoller Augenblicke, da der knappe Befehl erschallt:Helm ab zum Gebet!" und Männer aller Altersstufen sich stumm und ergriffen zusammenstellen zu wenigen andachts­vollen Minuten, ehe es herangeht an den Feind.

Ja, eine mahnungsvolle, eindringliche Sprache spricht dieser Krieg, der eine feindliche Welt mit geifern­dem Haß erfüllte und über stille Dörfer und betrcebs- same Städte ein Sengen und Blutvergießen schreck­licher Art gebracht hat. Sie würden die Greuel dieser ständig wechselnden Eindrücke nicht verwinden können, wenn nicht die behaglichen Raststunden wären, da ste sich zu sich selbst zurückfinden. Die einen sind ver­tieft in ein harmloses Spiel, andere umdrängen einen Lichtstumpf, um beim gelblichen Schein zu lesen oder an die Lieben in der Heimat zu schreiben, und wenn das Licht verglommen ist, dann stimmt wohl einer ein altes Heimatlied an, und dann steht sie vor ihuen in ihrem ganzen von Kindheitseriunernngen vergoldeten Zauber, die traute Heimat, die sie dort draußen aus feindlicher Erde gegen erbitterte neidische Feinde ver­teidigen. Ob sie aus Nord oder Süd stammen,, ob ihr Heim eine armselige Hütte oder ein klemes Häuschen, ob es eine prächtige, mit allen Luxus ausgestattete Behausung ist, die' Liebe zu ihm ist die .gleiche.. Das fühlen sie erst mit vollem Bewusstsein, seit sie hmaus- aezoaen sind, es zu schützen vor dem Frevelmut der Feinde, die in ihrem prahlerischen Uebermut das Land schon unter sich geteilt hatten, das alle diese Menschen mit heiliger Inbrunst lieben und für das sie freudig bereit sind, das Leben hw.zugeben

Von der Aufteilung Demsthlands E es ebenso still geworden wie von dem Eilmarsch der jetzt schon säst zu Boden liegenden Russen nach Berlin, und von den Ber- sureckmnaen deutschen Besitztums an neutrale Staaten Str M seit langem nicht mehr lich und doch zielsicher gecwnaenseit^

Sfe»« wieder ausstreuen, daß sie nicht eher blieben schließen nefie nicht dieser Militarismus gebrochen sei, ste selber ^öie Rußen die Franzosen, die Engländer haben die unvergleichliche Tapferkeit, die Sch l agseriißfeü, die Ausdauer, die hervorragende Ausbstdung unsere^Truw "Ä«

Ä^ÄTSÄ richten.__________ ,

Bet Gipfel englischer Heuchelei.

Alles wall oeWWt, y>M«S?,teÄ wenden, in der Kunst der Heuchelei sind die Englanoer unerreichte Meister. Der Krieg, den sie zur Vernichtung vorKrAw begannen sie, wenn vmn ihnen glauben Belgien gegen das große habsüchtige Deutschland in Schutz Ire

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Les Friedens unter englischem Schutz, was richtig aus-

zu beantragen ist. Einen solchen Paß müssen alle be­sitzen, die sich in deutschen Seebädern aufhalten wollen. Wer eine Sommerwohnung bezieht oder sich auf Reisen begibt, lasse sich von der zuständigen Brotkarten- kommission seines Wohnortes eine Bescheinigung über die Veränderung ausstellen, damit ihm an dem neuen Aufenthaltsorte wegen der Aushändigung der Brot­karten keine Schwierigkeiten entstehen. Anzuraten ist in allen Fällen eine schriftliche Mitteilung an die Polizeibehörde des Wohnortes über die vorübergehende Abwesenheit. Wer noch in einem militärischen Ver­hältnisse steht oder seine Einberufung oder einen Ge­stellungsbefehl zu erwarten hat, vergewissere sich bei dem zuständigen Bezirkskommando über seine Ver­haltungsmaßregeln. Es empfiehlt sich auch, etwaige Militärpapiere bei sich zu führen. Um in den recht­zeitigen und ungestörten Besitz der Postsachen zu ge­langen, lasse man sich durch das Postamt seiner Woh­nung eine Postausweiskarte ausstellen, die eine polizeilich beglaubigte Photographie besitzen muß. Wer als Partei oder Zeuge vor einem Gericht etwas zu tun hat, benachrichtigte die Gerichtsstelle von der Aufenthaltsänderung, gegebenenfalls mit einem An­träge auf Vertagung des Termins. Schließlich ist es ratsam, alle photographischen Apparate zu Hause zu lassen, um sich nicht Weiterungen infolge etwaiger Verbote auszusetzen.

gedrückt, unter englischer Willkür heißen muß. Als es dann anders kam, da sah England ein, daß das Jahr 1915 ganz etwas anderes einläuten würde. als den Un­tergang Deutschlands. Immer näher und näher fühlt sich das sichere, stolze Jnselvolk vom deutschen Schwert, von deutscher Zähigkeit bedroht. Es merkt immer mehr, daß die Karten versagen, auf die es seinen Einsatz ge­stellt hat. Das Geld wird ihm knapp, die Zahl der Bittsteller ist groß- die Soldaten werden ihm knapp, denn der Brite scheut die allgemeine Wehrpflicht- die Munition wird rhm knapp, obwohl die Drückeberger, Gelehrte, Anwälte und Kaufleute sich bereit zeigten, statt im Schützengraben, in den Munitionsfabriken Kriegspfuscharbeit zu leisten. Es sieht überhaupt viel­leicht ein, daß seine Kriegsarbeit der rechten Organisa­tion und der inneren Kraft entbehrt. Es sieht es ein, da es wohl zu spät ist!

Welche Schlüsse zieht der Engländer nun aus dieß Unterlassungssünde gegen sein Volk und gegen sein Land? Gesteht er sie ein? Ja! Aber nur, um für seine scheinheilige Heuchelei daraus Kapital zu schlagen. Da er jetzt wirklich erkennt, daß er diesen von ihm so frevelhaft angezettelten Krieg nicht zum glücklichen Ende wird führen sönnen, da er sich der Einsicht ab­solut nicht mehr verschließen kann, daß der friedfertige und friedliebende Deutsche besser zum Kriege gerüstet war als der sttbelraffelnöe und eroberungslüsterne Eng­länder, da sucht er ben Spieß umzudrehen und aus sei­nen Fehlern, aus seinen Versäumnissen, aus seinem Mangel an organisatorischer Kraft und Voraussicht ei­nen Beweis für seine Friedensliebe herauszuschwin- deln. Lloyd George hatte die Unverfrorenheit, kürzlich in einer Rede zu behaupten, daß es vor dem Richter­stuhl der Geschichte England zn gute kommen werde, daß es so schlecht für die Kriegsführung vorbereitet ge­wesen sei. Es i t wirklich nicht gut möglich, solche Heu­chelei noch zu überbieten! England glaubte sich ganz bestimmt, hauptsächlich allerdings durch seine Verbün­deten, auf das allertrefflichste zur Vernichtung des deut­schen Rivalen vorbereitet. Seine kluge Berechnung hatte nur eine Lücke, die allerdings für England verhängnis- roll werden sollte. Es hatte sich nicht die rechte Bor- stellung von der Kraft und den: Opfermute und von der allesumsassenden Organisation der Deutschen gemacht, bei denen die Parole lautete:Immer bereit fein, bis auf den letzten Knopf der Montur!" Hatte England ge­wußt, daß wir neben dem herrlichen suror tentoiiicus auch noch unsere 42 Zentimeter-Geschütze haben, innere, alle anderen an Größe und Schnelligkeit ubertre,senden U-Boote und so mancherlei andere Ueberraschungen der Chemie, es hätte vielleicht seine Frievensliebe früher entdeckt als jetzt. Der Augenblick ist entschieden sehr

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schlecht gewählt.

Ueber die wahre Angst.der Engländer gibt, noch besser als Lloyd Georges Heuchelei, die Ausführung eines englischen Militärschriftstellers Auskunft, der be­rechnet/daß die russische Niederlage eine Million bester deut cher Soldaten für die Westfront frennachen werde. Die würden die englischen und französischen Truppen im Westen ohne Zweifel zurückdrangen. Die ganze Vernoeifluna Englands leuchtet dann aber aus den Mön che der schreibende Soldat seinem Baterlande mr Rettung aus der Not anempfiehlt. Ein neues Of- f^ierkorvs müsse ausgebildet werden und das gesamte Wische Volk müsse für die Fabrikation von Muni­tion und den Heeresdienst organisiert werden. Auch biei' steht bezeichnender Weise die Fabrikation von an erster Stelle vor dem Heeresdienst. Hört man dann daß d^r Mann, der diese Mittel vorschlägt, sch- englischen Truppen nur eine Wider- llandskrast von höchstens zwei Monaten den neuen deutschen Heeren gegenüber gibt, so sieht man den gan­zen Winsinn und die Haltlosigkeit seiner Vorschläge ein. In zwei Monaten ein neues Offtz erkorps aus- bilden und dem Volk einen neuen Geist einhauchen wollen das kann nur dann ein höherer Offizier ernst- twr her Oenentlichkeit vorschlagen, wenn er der W vor der W^ nahe ist. Will Eng- mud ^s in zwei Monaten leisten, was Deutschland in hundert Jahren angestrengter systematischer Arbeit ge- übsfen hat? Da ist es schon Beifer, es hört auf die heuchlerischen Friedensschalmeien Lloyd Georges und beftuigt praktisch seine Friedensliebe. Mit welcher

):( Hersfeld, 28. Juni. Vizefeldwebel Wilhelm Sander, früher an der hiesigen Kriegsschule, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

-n- Meugshausen, 27. Juni. Gestern erhielt der Bürgermeister hierselbst vom Feldwebel der 12. Com­pagnie, Jnf.-Regt. 167 die traurige Nachricht, daß der Ersatz-Reservist A d a m B l u m am 17. Juni infolge eines Kopfschusses den Heldentod fürs Vaterland ge­funden habe. Es ist dies schon der siebte tapfere Krieger der in unserer kleinen Gemeinde gefallen ist.

Cassel, 25. Juni. (Die tapfere 83er Landwehr!) Das 1. Bataillon des Landw.-Jnf.-Regts. Nr. 83 hat in letzter Zeit an einem Sturmangriff rühmlichen An­teil genommen. Es ist ihm darauf vom Kommandeur des Regiments ein lobendes Schreiben zugegangen, in dem es heißt:Dem 1. Bataillon spreche ich im Namen des Regiments für seine brave Haltung und ausgezeichneten Erfolge beim gestrigen Angriff meine volle Anerkennung und Dank aus. Ein neuer Ruhmeskranz um unsere Fahne. Die erlittenen Ver­luste beklagen wir tief, aber sie erhöhen unseren Stolz und bleiben uns ein erhebendes Beispiel. Die 83er Landwehr immer voran! gez. Ehrenberg."

heuchlerischen Vervräuung sie sie betätigt, soll uns einer- lei sein.

Wie der erste Fernsprecher nach Seulschland kam.

Zum Tode Rathenaus, des Begründers des deutschen Fernsprechverkehrs.

Wer das Telefon als selbstverständlichen Gebrauchs­gegenstand in die Hand nimmt, ahnt wohl nicht, daß die Zeit nicht allzuweit liegt, in der man die Einrichtung des Fernsprechers noch nicht kannte. Zum Tode Emil Rathenaus erst wird zahlreichen Menschen erst die Er­kenntnis kommen, daß der Mann, der uns das Telefon beschert, unter den Lebenden geweilt, bis der Tod ihn am 20. Juni des Jahres 1915 abrief. Emil Rathenau, einer der bedeutendsten Industriellen Deutschlands, dem wir auch die Einführung der Glühlampen verbauten, hatte mit einem kühnen Blick die Bedeutung des Fernsprechers erkannt, lange ehe er sich in der Vollendung befand, in der wir ihn heute haben.

Es war im Jahre 1876 auf der Weltausstellung zu Philadelphia, als Emil Rathenau den Fernsprecher zum ersten Male erblickte. Er brächte den Apparat mit nach Berlin und wandte sich an den Polizeipräsidenten Ma- bai, um von ihm die Erlaubnis zur Einführung dieses neuen Gebrauchsgegenstandes zu erlangen. Madai wies Rathenau an den Reichspostmetster Stephan, und Ralhe- nau wandte sich an ihn und trug ihm die Angelegenheit vor. Er betonte schon damals, wie ungeheuer wichtig es für die Ausdehnung des geschäftlichen Lebens sein könnte, wenn die einzelnen Stadtbezirke durch einen Fernsprecher verbunden sein würden. Auch sah Rathe­nau ein, wie sehr die Postaustalten dadurch entlastet werden könnten. Leider fand er bei dem Reichspost- meister kein Verständnis. Es erging Rathenau ähnlich wie seiner Zeit der ersten Gesellschaft, die sich zum Zwecke der Einführung der Gasbeleuchtung grünoai wollte. Kein Bürger wollte sich entschließen, mit Kapital sich an der Ausbeutung zu beteiligen, Denn man war der Mei­nung, daß es nicht lvhne, für die wenigen Berliner, die sich entschließen könnten, Gas zu Brennen, so viel Geld anzulegen. Auch der Reichspostmetster Stephan hatte nicht sogleich den Blick und die Erkenntnis für die Be­deutsamkeit der Einführung und die Antwort, die er Rathenau gab, war etwa dahin lauleud, daß für die zehn bis fünfzehn Menschen, die in Berlin einmal oder das andere fernsprechen wollen, die Eiliführulig des Te­lefons nicht verlohne.

Freilich schon kurze Zeit später machte sich bei der wachsenden Bedeutung Berlins, bei der Ausdehnung, die es in kurzer Zeit annahm, das Bedürfnis nach dem Fernsprecher geltend. Aus den Kaufmannskreisen, in die von der wunderbaren Eillrtchtung hie und da etivas gedrungen war, kam die Anregung, den Apparat ver­suchsweise doch einzuführen. Nun war es Stephan, der sich an Rathenau wandte und ihn ersuchte, seinen Ge­danken in die Tat umzusetzen. Bersuchslveise wurde ein Anschluß gelegt und mit einem anderen Pvitaint ver­bunden. Es wird ohne weiteres klar sein, daß der Ap­parat nicht etwa in der Vollendung war, wie wir ihn jetzt kennen. Leute, die sich des Telefons in den Uran­fängen bedient haben, behaupten, daß man durch ein Gewirr und Gesurr die Stimme des Menschen wie aus einer anderen Welt vernahm. Allerhand Anekdoten waren damals in der Welt, nud zahlreiche Mißverständ­nisse wurden lediglich dem Fernsprecher zur Last gelegt. Dennoch ließ man sich nicht entmutigen, unablässig arbei­tete Rathenau an der Vollendung, und bald war der Fernsprecher nicht mehr das Alleinrecht der Kaufleute und der Begüterten. Je mehr Berlin an Ausdehnung zunahm, um so dringender machte sich der Wunsch nach dem Fernsprecher geltend, und das Verzeichnis der Teilnehmer, wuchs von Jahr zu Jahr Fast ganz Deutschland ist von dem gewaltigen Netz der Telefon- leitnngen zusammengeschlossen, und man kann sich ein reges geschäftliches Leben ohne den Fernsprecher kaum noch vorstellen. Der Mann, der mit Scharfblick die Be­deutung des Fernsprechverkehrs vorausgesehen, ist Emil Rathenau. der Begründer des deutschen Telefon­wesens.