' Unsere öffentliche Meinung ist zurzeit das Opfer einer von London aus betriebenen Propaganda der Preß- Hetze, während jede Möglichkeit, die andere Seite zu hören, abgeschnitten ist. Es wird sichtlich darauf hingearbeitet, Amerika auf der Seite Großbritanniens und seiner Verbündeten in den europäischen Krieg hinein- zuzerren, und zwar mit dem ausgesprochenen Zweck, Deutschland zu vernichten.
Herr Präsident, das amerikanische Volk wünscht seinen Präsidenten unter keinen Umständen Unrecht tun zu sehen. Das Volk ist zeitweilig getäuscht worden. Sie aber nicht. Die Forderungen, die Sie gestellt haben, kann Deutschland nicht erfüllen, das ist klar. Die Zeitungen deuten an, daß sie auf iljnen ohne eine ordnungsmäßige Untersuchung bestehen sollen. Das wäre Krieg und sie selbst hätten ihn gewollt und gesucht. Ich kann nicht glauben, daß das wahr ist. Wenn dem ernüchterten Volke schließlich die ganze Wahrheit klar werden würde, dann würde es diejenigen, die für den verhängnisvollen Schritt verantwortlich sind, verfluchen." (Hann. Kur.)
' Bericht des türkischen Hauptquartiers.'
w, Konstantinopel, 25. Juni. (WTB. Das Hauptquartier teilt «. a. mit: An der Kaukasusfront bei Kaleh Bogbasi Geschützkämpfe mit feindlichen Nachhuten. — An der Dardanellenfront ist die Lage bei Sed ül Bahr dieselbe wie vor der legten Schlacht. Die außerordentlich hohen Verluste des Feindes konnten noch nicht geschätzt werden. In der Nacht znm 25. Juni vernichtete eine unserer Erknndungsableilnngen eine feindliche Abteilung, zerstörte deren Maschinengewehre nnd kehrte mit beträchtlicher Bente zurück.
Die Neutralen.
Der Vierverband nnd Rumänien.
Nach Stimmungsberichten aus dem Lager des Vierverbandes bildet die bessarabische Frage den Stein des Anstoßes für den Kriegseintritt Rumäniens. Solange Rußland die Abtretung Bessarabiens verweigert, werden die Verhandlungen den toten Punkt kaum über- winden. In Paris und London glaubt man, daß Rumänien die bessarabische Forderung absichtlich stellt, um jedes Uebereinkommen mit dem Vierverband unmöglich zu machen.
Wien, 26. Juni. (T. U.) Die „Reichsvost" meldet aus Bukarest: Der Erlaß wichtiger militärischer Maßnahmen steht für Rumänien bevor. Der Ministerrat wird zu weiteren Beschlüssen am Montag zusammentreten.
Einberufung neuer Jahresklassen in Griechenland.
Die „Nationalztg." berichtet aus Genf: Der „Schweizer Presse-Telegraph" meldet aus Athen: Der Kriegsminister hat die Jahresklassen 1912 und 1911 zu den Waffen einberufen. Der Jahrgang 1913, der feine Dienstzeit beendet hatte, wurde gleichfalls unter den Fahnen belassen.
Kleine Kriegsnachrichten.
Aus Bukarest wird gemeldet, daß in Petersburg die Arbeiter der staatlichen Munitionsfabriken in den Ansstand getreten sind, ebenso die Arbeiter der Kron- stadter Werke. Die Gründe seien unbekannt. In Petersburg streiken 30 000 Arbeiter.
Amtlich wird in London bekannt gegeben, daß der znm Tode verurteilte angebliche deutsche Spion Müller am Mittwoch im Tower von London erschossen worden ist.
In Pariser, gewöhnlich über russische Finanzvorkommnisse sehr gut unterrichteten Kreisen nurd versichert, die russische Regierung bereite die Ausgabe einer weiteren inneren Anleihe von einer Milliarde Rubel vor.
Reuter meldet aus Washington: Die Antwort der Vereinigten Staaten auf die jüngste deutsche Note über die Versenkung des „William Frye" ist an Deutschland
abgeschickt worden.
Der frühere Staatssekretär Bryan Ruf als Professor der Wirtschaftspolitik western-Universität.
Krieasallerlei.
erhielt einen an die Mid-
Der „Rjetsch
Der Schaden in Moskau.
Ob* Petersburg, 26. Juni. (WTB-). _
schätzt den in Moskau angerichteten Schaden auf 40 Millionen Rubel. 113 der zerstörten Geschäfte gehörten Deutschen oder Oesterreichern, die übrigen 579 aber russischen Untertanen. Auch Schweden, Engländer, Franzosen und Amerikaner befinden sich unter den Geicha- digten.
Wie die Franzosen sich das künftige Belgien vorstellen,
darüber gibt eine FNkgschrrft der wallonsichen Parte: Aufschlutz. Darin wird nach der „Dt»ch. Tgztg." auv- geführt, öatz Belgien nach dem Krrege ein franzosncher Einheitsstaat bilden müsse, der sich an Frankreich als seinen natürlichen Protektor anlehnen müsse. Zu diesem Zwecke sei das ganze flämische Volk, wenn nötig mit Gewalt, zu entnationalisieren, d. h. zu verfranzen weil Belgien in Zukunft keinen germanischen Volksbestand- teil mehr besitzen dürfe. Diese wallonisch-französuchen Zukunftsträume erregen zwar erhebliches Aufsehen in den flämischen Volkskreisen, aber keinerlei Befürchtungen,- denn das Flamentnm hält sich für. stark genug, um die wallonische Ueberhebung jederzett in die gebührenden Schranken zurückzuweisen.
Der Untergang des „Tigers" bestätigt.
Die englische Admiralität hat sich bisher immer noch nicht dazu bequemt, einzugestehen, datz in der Seeschlacht bei Helgoland der „Tiger" untergegangen ist. Nun ist kürzlich eine zuverlässige Persönlichkeit aus England zurückgekommen, die in Greenook Matrosen mit der Aufschrift „Tiger" am Mützenband getroffen hat. Auf die Frage, wo zur Zeit ihr Schiff ser, erfolgte d;e em- silbige Antwort: „Down" (unten).
Aus dem Gebirgskrieg in den Dolomiten.
Von den Helden des trojanischen Krieges erzählt uns Homer, daß sie nach völligem Verbrauch ihrer Waffen sich mit Steinwürfen bekämpften, und ^n Ajax hören wir rühmen, daß er seine Gegner mit so massigen Felsblöcken bewarf, daß kein anderer Mann sie hatte heben können. Aehnliches trägt sich jetzt, trotz der Vervollkommnung der Feuerwaffen in den Kämpfen an der.italcentsch-oster- reichischen Grenze zu. Mit einigem Aufwand von Ent- "stung berichteten vor einiger Zeit ttalienrsche Blatter, ß die Oesterreicher dem angrelfenden Gegner dadurch iniprp beibrachten. daß sie darüber empor-
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schwere Verluste beibrachten, daß sw darüber empor^ raaende Felsmassen zum Absturz brachten. Mit Befr;e- diaung schildert dagegen jetz ein italienischer Kriegsbe- richterstatterim EorÄere della Sera, wie eine italienische Abteilung auf die gleiche Weise eme friedsiche Strerfwache vernichtet hat. Es war bei Ngcht,und.aus der Stille klang der Laut von C Schlucht herauf. Die
Schritten überm Gestein aus einer _ie italienische Wache auf der Höhe wÄI? auVdurchsvähte die Finsternis und entdeckte schließlich auf d?m weißen Schneegrund schwarze Gestalten, die sich voranbewegten und näher kamen, sollen
wir schießen?", fragten die Alpentruppen mit kampses- froh leuchtenden Singen. „Es ist nicht der Mühe wert," antwortete der Offizier, „ich weiß etwas Besseres,- nöti= genfalls schießen wir später? Dann machten sich nach den Weisungen des Vorgesetzten die Alpini ans Werk und schleppten auf einen Felsvorsprung, unter dem die österreichischen Soldaten vorüberkommen mußten, die schwersten Gesteinstücke zusammen, die sie finden konnten. Der Schweiß rinnt ihnen in Strömen herab, aber sie ertragen die Mühe frohen Mutes in Erwartung des sichern Erfolgs. „Krieg und List, das ist das Ideal!", sagt der Berichterstatter und erzählt dann weiter, wie alle nach Bereitstellung dieser riesigen Wurfgeschosse atemlos lauern, bis der Offizier den rechten Augenblick gekommen glaubt, und den Befehl zum Abstürzen gibt. Mit fürchterlichem Krachen fallen die Felsstücke in die Tiefe, Wehgeschrei schallt herauf, danu wird alles still. Man sieht ein paar schwarze Gestalten über den Schnee entflieh»;. Eine Weile danach klettern die Alpini hinab und finden acht Oesterreicher zerschmettert, tot und drei verwundet.
Politische Rundschau.
Sicherstellnng des Kriegsbedarfs. Die „Nordd. Allgemeine Ztg." schreibt u. a.: Behufs Abstellung der aus der bestehenden Gesetzgebung über Kriegsleistungen sich ergebenden wirtschaftlichen Schädigungen hat der Bnn- desrat eine Verordnung zur Sicherstellung des Kriegsbedarfs erlassen, die die Bestimmungen des Kriegsbedarfsgesetzes zweckentsprechend erweitert. Danach können dem Eigentumserwerb alle im Reichsgebiet vorhandenen Gegenstände unterworfen werden, die bei der Herstellung von Lkriegsbedarf zur Verwendung gelangen. Bet Bemessung des Uebernahmepreises soll unangemessene Preistreiberei beschränkt werden. Der Friedenspreis soll jedoch eine den Umständen entsprechende Erhöhung erfahren. Zur Wahrung der notwendigen Einheitlichkeit ist ein zentrales Schiedsgericht für das Reichsgebiet vorgesehen.
Die Strömungen in der Sozialdemokratie. Ueber die Spaltung in der sozialdemokratischen Partei bringt die Breslauer „Volksmacht" eine ausführliche Darstellung und kommt zu dem Ergebnis, daß die Sozialdemo- kratie eigentlich in vier verschiedene Gruppen zerfallen ist. Der linke Flügel, der am besten von Liebknecht repräsentiert wird, unterscheidet sich von dem darauffolgenden linken Zentrum der Partei nur durch die Schürfe des Tones,- in den Zielen sind beide identisch. Dieses linke Zentrum hat seinen Ausdruck gefunden in den litten Ausführungen des Abgeordneten Haase. Der stärkste Teil der Parte:, den man als rechtes Zentrum bezeichnen könnte, wird von der Breslauer „Volksmacht" der Block vom 4. August genannt. Auch dieser Teil der Partei ist gegen Eroberungsabsichten, verlangt aber das Durchhalten im Krieg vis zum Lautwerden unzweifelhafter Friedenswünsche im feindlichen Ausland. E»;o- lich glaubt die genannte Zeitung noch einen äußersten rechten Flügel der Partei zu erkennen, den sie die An- nektionisten nennt; sie stehen in: Verdacht, die Einverleibung fremder Gebiete zu wünschen, obwohl sie es selbst leugnen. Immerhin lassen sie erkennen, daß die Grenzen von heute nicht für die Ewigkeit bestimmt sind.
Der Schreckenstag von Serajewo.
(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)
Die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin, der Herzogin von Hohenberg, hat den 29. Juni des Jahres 1914 zu einem Schreckenstag in der Weltgeschichte gestempelt. Eine dumpfe Ahnung furchtbarer Ereignisse ourchdrang unser Gemüt, als wir am Spätnachmittag des sonnigen Sonntags die Kunde von der schaurigen Tat in Serajewo vernahmen. Die Beseitigung des tatkräftigen Thronfolgers des österreichisch-ungarischen Doppelstaates durch verruchte Mörderband war ein Vorgang von bochpolftischer Bedeutung, denn in Rußland fürchtete man den starken Willen dieses Habsburgers, der einst dem edlen Kaiser Franz Joseph auf dem Herrschersitze in der Wiener Hofburg folgen sollte. Der vorzeitige Tod des Mannes, der seinen Blick nicht nur auf die innere Festigung des großen Donaureiches gerichtet hatte, sondern auch der Verstärkung des Heeres und der Entwickelung der Flotte seinen regen Eifer zuwandte, war den Allslavisten an der Newa und Moskwa nicht unwillkommen, und in Serbien verstand man sich auf die Erfüllung russischer Wünsche gar wohl.
Alles Uebel, das der Habsburger Monarchie seit Jahrzehnten von auswärts angetan wurde, ging von Belgrad aus. Die Hauptstadt Serbiens war der Krater, aus dem sich die politischen Lavaströme, die unterirdisch von weither dort zusammenflossen, immer von neuem über den friedlichen Nachbarstaat ergossen. Belgrad war der Herd unausgesetzter Verschwörungen gegen den Bestand Oesterreich-Ungarns,' hier saß der haßerfüllte Gegner mit den vergiftteen Waffen, die von den Leuten des „Slovensky Jug" oder der „Sinrolma Odbrana" oder wie sonst die Verschwörer Bereinigungen sich zu nennen beliebten, unablässig geschmiedet wurden. Und nicht weit davon, in Kragujewatz, flammte in den Werkstätten des staatlichen Arsenals der Nebenvulkan, der Bomben, Höllenmaschinen und sonstige Mordwerkzeuge gegen Oesterreich-Ungarn lieferte. In innen beiden Städten wurde hauptsächlich die Untat ermnnen, die das Erzherzogspaar aus glücklichem Leben hinwegrrß.. Keine Mörder haben jemals eine so scha::erl:che Blutfchnld auf sich geladen, wie der P^erbrecher und seine Helfershelfer in der Stätte und Ferne.
Die Schüsse von Serajewo waren d:e Alarmze:cheu für den Weltkrieg. Von dem Schreckenstage datierter: die schicksalsschweren Geschehnisie, die in unbeugsamer Folge Eilropa dem Völkerftreite zusuhrten. N:emats hat sich furchtbarer, als bei der Mordtat von Serajewo, das Wort des deutschen Dichters bewahrheitet von dem Fluch der böser: Tat, die sortzengend Böses muß gebären. Ein Staat nach dem anderen wurde m den Weltkrieg gerissen, und rwch immer »chemt die Re:he nicht zu Ende zu sein. Doch schon heute zergt irch, daß die Hauptübel- täter ihrer Strafe nicht entgehen, und daß das Weltgericht über sie hereinbricht. ~
Entsetzlich ist die Buße, d:e ^erb:en rchon zu zahlen hatte. Zentnerschwer sank d:e ichuldbeladene Wagjchale dieses Landes herab. Furchtbare weitesten verheerten die Ortschaften. Hilfeschrei drangen aus Serbien zu den Verbündeten. In England, Frankreich und Rußland vernahm man wohl mit Grauen, was sich in dem Reiche des Königs Peter vollzog, aber niemand vermochte Rettung zu bringen. Rußland hat Serbin zu:mchst für feine Zwecke benutzt und schleudert es retzt zur Seite. In iet= ner Not rief es Italien zum Bundeogenoisen auf und verriet Serbien. Jetzt versuchen die Serben mit ihrem kleinen Heer selbst die Adria zu gewinnen, doch Jie werden trüb genug zur Seite geschoben werden. Zwilchen Serben und Italienern Ast die Eifersucht auf Al- banien zusehends, und das Ende wird ein offener Kampf fein. Die Verwirrung im Massenverbande hat schon ei- nen Wahre^RuMand^der Verzweiflung nahe ist, steigt der Doppeladler Oesterreich-Ungarns nach den glänzenden Siegen in Galizien immer stolzer empor. Kaiser
Franz Joseph konnte bei der Huldigung der Wiener in Schönbruun die Ueberzeugung aussprechen, daß ein siegreicher und ehrenvoller Friede den Völkern Oesterreich- Uugarns dauernde Bürgschaften für die Wohlfahrt gewähren werde, deren Förderung die schönste Aufgabe seines Lebens bildete. Die Ermordung des Erzherzogs- paares Franz Ferdinand erhält seine Sühne.
Vermischtes.
Fünf Brüder anf dem Felde der Ehre gefallen. Ein ungewähttlich schweres Opfer für das Vaterland haben die Bauersleute Erber in Nteoeralsbach (Unterfranken) bringen müssen. Nachdem bereits vier ihrer Söhne den Heldentod gefunden hatten, ist jetzt der fünfte Sohn auf dem Felde der Ehre gefallen. Der sechste nnd letzte Sohn steht ebenfalls vor dem Feinde.
„gnstav nagel" als Soldat, „gustav nagel", der be- „gnstaf nagel" als Soldat, „gustaf naget", der ve- ein idyllisches Dasein führt, barhäuptcg und barfüßig, mit entblößtem Oberkörper nnd wallendem Haupthaar hernmlänft und sich von Kohlköpfen, Rettichen und 9lü= den nährt, soll nun anch Soldat werden. Unlängst mußte er sich vor der Anshebungskommission in Ntag- deburg stellen, wo sein sonderbaer Anszng allgemeines Aufsehen erregte, „gustaf nagel" behauptete zwar, er sei kurzsichtig und müsse eine blaue Brille tragen, aber der untersuchende Oberstabsarzt hatte solche Freude an dem prächtig gewachsenen gebräunten StaturmenfcOen, &st$ ihn Dorf) für gesund und felddienstfähig erklärte.
»ei» eigenes Kind zu Tode geprügelt. Das Niar- tyrium e nes vor der Ehe geborenen Kindes beschäftigte das Dessaner Schwurgericht, das gegen den Barbier Ps5sillf.und dessen Ehefrau wegen Kindesmisihandlung mit tödlichem Ausgang verhandelte. Bei einer Züch- tigung trug das Kind mehrere Wunden am Kopf davon. Nach einem alten Kurpfnscherrezept hübte der Angeklagte diese Wimden dadurch zu heilen, daß er die betreffende»: Körperteile mit Nadeln stach und Oel einrieb. Natürlich schrie das gepeilttgte Wesen vor Schmerz laut auf, worauf der Angeklagte das Kind aus dem Bett nahm, es furchtbar verprügelte nitd dann wieder mit aller Gewalt nl das Bett zurttckwarf, so daß eine Leiste des Bettes abbrach. Kurze Zeit darauf starb das Kind. Wie bet der Sektion festgestellt wurde, hatte das Kind durch die rohe Behat:öl>tng einen Ritz in der Niagenwand davongetra- gen. Der Angeklagte behanptete zit seiner Verteidigung, daß er durch das Benehme»: des Kindes in Wut versetzt worden sei keinesfalls habe er die Absicht gehabt, das Kind zu toten. Demgegenüber wurde dtlrch das Zeugnis der Großmutter des Kindes festgestellt, das; dieses in Anbetracht seiner Jahre äußerst folgsam war. Die angeklagte Ehefrau will von der: Mißhandlungen durch ihren Ehemani: nichts gefeiten haben. Da der Frau eine direkte Mitschuld nicht nachgetviesen werde:: konnte, ver- »teinten die Geschworenen die auf sie beziiglichen Schlttd- iragen, so daß sie freigesprochen werden mußte. Das Urteil gegen den Ehemann lautete auf sechs Jahre Zuchthaus und zehr: Jahre Ehrverllist.
Sie Kampfkraft der U-Boote.
Unter Hinweis auf die halbamtliche Erklärung, daß es Attfgabe der Regierung sei, die Kampfkraft der U- Bootwaffe zu erhalten, schreibt die „Kreuzztg.":
Neu ist, im Handelskriege wie im Seekriege überhaupt, das Unterseeboot. Wie nach der Armbrust das L-chießgervehr, nach dem Kriegsschiff das Torpedoboot unö vor allem die Mine, so muß auch i>a$ Unterseeboot ein »einer technischen Eigenart entsprechendes Völkerrecht sich erst bilden. Wollte man ihn: das versagen, weil es eine urunenschliche Waffe sei, so müßte man anch heute noch mit Pfeil und Bogen schießen und man würde dabei vergessen, daß die technisch vollkommensten :l»:d w:rk»amsten Waffe»; im Endergebnis den Krieg abkür- zen und darum me:rschlicher mache»:. Nach seiner ganze»; technischen Eigenart liegt nun die Stärke und Ueber- legemjett des Unterseebootes darin, daß es unvermutet altgreift. Wird es an die alten völkerrechtlicher: Regeln der Ueberseeschiffe gebunden, denen übrigens nach auer= kannten Grundsätzen auch die Mine nicht uuterivorfen ist, so bedeutet das nichts anderes, als ein Alstgehen seiner technischen Ueberlegenheit. Tancht es auf, um mit einem der Verfolgung ausgesetzten Handelsschiffe erst lange zu verhandeln, so ist es uidtl nur der Gefahr arrsgesetzt, von Diesem Handelsschiff heimtückisch vernichtet zu werde»: — „U 29" mit Wed- digen und eine große Zahl anderer Beispiele zeigen das — sondern es unterliegt der weiteren Gefahr, vor; großen oder kleinen Kriegsschiffen, die den .Daudet im Kriegsgebiete schützen sollen, üoerrannt zu werden.
Nun sind aber diese technischen Vorzüge des Hit= tern'ebootes für Deutschland von ganz besonderem Nutzen, für England von besonderer Gefährlichkeit. Wahrend Englaiw auch mit der: alten Kampfmitteln seine Ziele gegen Deutschland erreichen kann, wird Deutschlarid durch das Unterseeboot in die Lage versetzt, ohrre weiteres die Sperre der Nordsee, ja auch die Sperre von Gibraltar und eines von feindlichen Wäch- tern aller Art durchkreuzten Mittelländischen Meeres zu durchbrechen. Das Unterseeboot ist es. das Deutschland befähigt, Errgland die Vorteile feiner insularen Lage zu entreißen und es vom Handel abzusperren. Hierin liegt eine Zukunftsfrage von der entscheidendsten Bedeutung.
Wenn die Formen für den U-Bootkrieg ausgestaltet und dereinst in diplomatischen Abrnachunge»; festaelegr werden sollen, so wird daher Deutschland darauf bestehen müssen, daß bei dem U-Boot wie bei der Mine, die allgemeine Warnung an die Stelle der besonderen Verhandlung im Einzelfalle, der allgemein festgelegte Tatbestand eines Kriegsgebiets- oder Blockadegebiets an Stelle der einzelnen Untersuchung treten muß. Jeder Schritt des Nachgeberis, den wir jetzt tun, kann die Folge einer weittragenden Festlegung für die Zukunft haben. Je mehr wir uns dabei der Anerkennung einer Regel annähern, nach weitster das U-Boot feindliche und neutrale Handelsschiffe nicht ohne weiteres wie eine Mine verseilten, sondern mit ihm erst wie ein Ueberseeschiff verhandeln soll, um so mehr schwäche»; wir unsere Stellung gegenüber derjenigen Englands für den jetzigen Krieg wie für alle Auseinandersetzungen mit England, die eine fernere Zukunft uns noch bringen wird.
In demselben Sinne wird in „Mitteilungen des Teutscher: Flotten-Vereins" gesagt: Daß eine Untersuchung der Konterbande führenden Schiffe in den meisten Fälle»;, insbesondere bet Schnelldampfern von der Größe und Schnelligkeit der „Lusitania," unmöglich ist, darüber werden auch die seemännischen Berater Präsident Wilsons nur einerlei Meinung fein. Eine Kursänderung von nur wenigen Schritten brächte sie außer Bereich seiner Torpedos und ein Mittel, sie zum Stoppen zu zwingen, besitzt kein „U"-Boot. Sollte also verhindert werden, daß die in den 5400 Munitionskisten lauernde Vernichtung Tausende deutscher Soldatenleben erreichte, so blieb nur ein Mittel übrig: Die Versenkung ohne Warnung. Dabei muß es auch bleiben.