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Brand des holländischen Dampfers „Triton" am 31. Mai geht hervor, daß ein beut Dampfer hilfeleistender eng­lischer Schleppdanrpfer die Hilfe einstellen mußte, weil ein englisches Torpedoboot der F-Flotte auf eine Mine gelaufen war, und gleichzeitig Hilfe branchte.

Die Neutralen.

Das veränderte Rumänien.

Stockholm, 25. Juni. (T. U.) Die Hoffnungen auf Rumänien sind in Petersburger diplomatischen Kreisen arg zusammengeschrumpft. Man erklärt, daß die Stim­mung des Landes vollständig unter dem Eindruck der Vorgänge in Galizien stehe. Die rumänische Presse wolle in der Mehrheit ihren Einfluß auf die öffentliche Meinung mit einem Male zugunsten der Zentralmächte geltend machen. Selbst der „Universul", der bisher zu den getreuesten Anhängern der Entente in Rumänien gehört habe, beginne jetzt ins Lager der Freunde Deutsch­lands und Oesterreich-Ungarns abzuschwenken.

Die enttäuschten Ententediplomaten.

Sofia, 25. Juni. (T. U.) Die Enttäuschung der hie­sigen Ententevertreter über die ablehnende Haltnug Bul­gariens auf ihre Vorschläge vom 29. Mai ist über alles Erwarten groß gewesen. Besonders verstimmend hat gewirkt, daß Mincsterpräsident Radoslawow garnicht für nötig fand, ernsthaft auf die Anerbietung der Verbün­deten einzugehen. Trotz dieser Abfuhr haben die Ver­treter Rußlands und Frankreichs- ihre Bemühungen noch nicht eingestellt.

Die Lage in Griechenland.

$-^ Athen, 25. Juni. (T. U.) Man betrachtet es hier als sicher, daß Ministerpräsident Gnnaris um seinen Rücktritt einkommen wird, sodaß die Kammer noch binnen drei Tagen einberufen wird.

kriegsaNerlel

Einführung von Preis- und Gewichtsverzeichnissen im Kleinhandel.

Bäcker und Verkäufer von Backwaren können, wie amtlich bekannt gegeben wird, angehalten werden, in ihren Verkaufsräumen ein Preis- und Gewichtsverzeich­nis sichtbar anzubringen und ferner im Verkaufsraum eine Wage zum Nachwiegen der verkauften Backwaren für das Publikum aufzustellen. Die günstigen Erfah­rungen hiermit haben den Bundesrat auf Anregung besonders aus Kleinhandelskreisen zu einer Ausdeh­nung dieser den Ortspolizeibehörden eingeräumten Be­fugnis auf alle Gegenstände des täglichen Bedarfes, ins­besondere Nahrungs- und Futtermittel aller Art sowie rohen Naturerzeugnissen, Heiz- und Leuchtstoffen, soweit sie im Kleinhandel abgesetzt werden, veranlaßt.

_ Zum Verkauf von Dauerware.

Bei dem Verkauf der durch die Gemeinden aufge­speicherten Vorräte von Dauerware hat stellenweise die erleichterte und billige Bezugsmöglichkeit zu einem miß­bräuchlichen Weiterverkauf zu höheren Preisen geführt. Um diesem Mißstanöe abzubelfen, hat der Bundesrat den Gemeinden das Recht eingeräuuit, den Weiterver­kauf ober die Abgabe von Fleisch und Fettwaren zu verbieten ober zu beschränken, sowie bei Gestaltung des Weiterverkaufs die Preise festzusetzen.

Die fleißige Berta bei Przemysl.

Von unterrichteter Seite wird dem „Berl. L.-A." geschrieben: In den meisten deutschen Tageszeitungen war gelegentlich der Beschießung der Forts von Prze­mysl die ganz außerordentliche Wirkung der Belage- rungsartillerie hervorgehoben. Hierbei wurde die von österreichischen Berichterstattern ausgegangene Bemer­kung eingeflochten, daß neben den vorzüglichen deutschen 21-Zentimeter-Mörsern sich vor allen Singen auch wie­der eine österreichische 42-Zentimeter-Skoda-Haubitze durch ihre Leistungen hervorgetan habe. Dies letztere beruht jedoch auf einem Irrtum. Die vor Przemysl mit so großem Erfolg verwendeten 42-Zentimeter-Geschütze waren die deutschen, von Krupp erbauten, und zwar dieselben, die vor den belgischen Festungen eine so aus- fchlaggebende Rolle gespielt haben. Diese unter dem Namen „die fleißige Berta" volkstümlich gewordenen Geschütze haben vor Przemysl Gelegenheit gehabt, au­ßer ihren bekannten vorzüglichen Schießleistungen, ganz besonders auch ihre große Beweglichkeit darzutun. In­nerhalb 48 Stunden haben die schweren Geschütze auf sehr schlechten Landstraßen eine Wegstrecke von nicht weniger als 80 Kilometer zurückgelegt. Bei Przemysl waren neben den obengenannten deutschen 42-Zentime- ter-Geschützen einige österreichische 30,5-Zentimeter-Mo- tor-Mörser mit guten Erfolg tätig.

Das Schicksal eines kanadischen Regiments.

s-£ Amsterdam, 25. Juni. (T. U.) Die englische Presse veröffentlicht nach der „Voss. Ztg." spaltenlange Berichte zum Andenken an das Patricia-Regiment, ka­nadische leichte Infanterie, das am 7. Mai auf 635 Mann zusammengeschmolzen war und am 8. Mai bet Ypern bis auf 150 Mann aufgerieben wurde. Leutnant Far- quhar, der das Regiment größtenteils aus eigenen Mit­teln ausgerüstet hatte, fiel mit allen Offizieren bis anf einen Leutnant.

Glückliche Operation des Sultans.

Das türkische Pressebüro übermittelt den Blättern folgenden Bericht des ersten Leibarztes des Sultans: Da der Khalif seit einiger Zeit an Blasenstein leidet, wurde infolge der wiederholten des von Berlin beru­fenen Prof. Israel und der behandelnden Aerzte abge­haltenen Beratungen, deren Ergebnis in den am 20. und 22. Juni unterbreiteten ärztlichen Berichten dargelegt wurde, einstimmig beschlossen, daß mit Gottes Hilfe eine Operation vorgenommen werden müsse. Sie Operation wurde Donnerstag vormittag mit vollem Erfolge vor- genommen.

kln französischer Sssizier über das französische Heer.

Die

In dem Tagebuch eines gefangenen französischen Offiziers finden sich die folgenden,. W in wortgetreuer Uebersetzung wiedergegebenen Aufzeichnungen.

„Ein Wald von Hyazinthen, Anemonen und Vö­geln. Der Wind singt leise in den Zweigen der Birken, die sich sacht in seinem schmeichelndem Hauche wiegen. Die wilden Kirschen blühen, ich habe mir einen gan­zen Strauß Hyazinthen an die Feldbmöe gesteckt Ich setze mich auf einen bemoosten Stem und bin ganz allem, ganz allein in der träumeriicben Stille Dieses Nachmit­tags: ist es möglich, daß die dumpfen Schlage, die der Wind von Nordew herüberträgt, wieder Kanonenschüsse sind, dieselben Kanonen, die in der flandrischen Hölle donmrten^äre ^ idyllisch, wenn nicht die garstigen Dinge wären, die es auch m.Friedenszeiten gibt: die Bitterkeit, mit der man die Kriegskreuze der Schreiber­seelen und Bedienten hinter der Front verliehen sehen muß, den Kerlen, die dem Oberst den Wem emschenken, während unsereins im Granatfeuer steht: die Kriegs­kreuze, die man dem einfachen Soldattn vorentyalt, der im Schützengraben seine Haut zu Murkte trägt, um

einem verwundeten Kameraden das Leben zu retten. Alles wird in diesem wohlorganisierten Kriege von den Leuten dahinten vereinnahmt, die Menschen, die Vor­teile, die Tabakspakete und der Champagner, die neuen Uniformen, die Tressen und die Kriegskreuze. Vorn kommt überhaupt nichts hin, als was von den Boschen kommt. Einen von uns Offizieren hat man antreten lassen, um von ihm im Namen des Ministers Rechen­schaft für einen Brief zu fordern, in dem er geschrieben hatte, seine Leute hätten keine Lust mehr, und ich selbst bin gestern zartfühlend gefragt worden, ob ich nicht viel­leicht einmal in meiner Korrespondenz unvorsichtig ge­wesen sei, und ob nicht etwa die Zurücksetzung, die mir zuteil geworden ist, auf diese Weife zu erklären wäre.

Der Oberbefehlshaber ruft uns eines Tages zusam­men, um unsVorwürfe darüber zu machen, daß wir nicht rücksichtslos genug seien, und um uns zn befehlen, daß wir den Mannschaften den Haß gegen alles Deutsche predigen sollten. „Machen Sie den Haß Ihren Soldaten zur Pflicht, pflanzen Sie ihn in Ihre Familien, er­ziehen Sie Ihre Kinder zum Haß." Und zum Schluß verbietet er uns das Odol, die Osramlampen und die Maggisuppen. — Ich übertreibe nicht und füge nichts hinzu. Ich aber, ich verstehe meine Leute, uud weiß, was sie gern hören möchten: „Ihr habt es lange schlecht gehabt — ihr werdet es auch ivieder besser haben. Hier habt Ihr Hosen, Stiefel, Tabak. Ihr möget gern so bald wie möglich nach Hause, Ihr seid Väter und Groß­väter und seid nicht zu Marsjüngern geschaffen. Aber haltet noch eine Zeitlang in den Gräben aus: zur Heu­ernte könnt Ihr daheim sein."

Statt dessen ruft man die Leute zusammen, um ih­nen zu sagen: „Ihr habt euch in Flandern anständig ge­führt, jedoch habe ich in Apern öfters Leute getroffen, die nicht vorschriftsmäßig angezogen waren und nicht militärisch grüßten." Wenn ich daran denke, daß wir sechs Monate lang in dem schrecklichen Ungemach des flandrischen Winters einen Abschnitt gehalten haben, der acht Tage nach unserem Weggang verloren ging! Die ganze Asermündung gehört jetzt den Boschen, all die Orte, wo wir so viel ausgestanden haben: die Spitze von Langemarck, wo wir in dem Leichenwasser faulten, das dreieckige Wäldchen, das Du aus meinen Skizzen kennst, und das im Dezember 1500 Mann gekostet hat, Steen- strate, wo ich in den dunklen Januarnächten gearbeitet, Pilcken, wo ich eine ganze Kaminplatte vollgekritzelt, der Straßenübergang 1'45, wo ich Dein Weihnachtspaket bekommen habe: unser ganzer Winter, all unser Unge= mach, alles verloren und umsonst! Das ist das Bild die­ses ganzen Krieges: nutzlose Opfer, Leiden, Krankheit, Tod und Verwüstung ohne Ende. Und Sieger ist schließ­lich nicht, wer am meisten gewonnen, sondern wer am meisten ausgehalten hat. Mehr als je hat man den Eindruck, daß alles wieder von vorn angefangen wer­ben muß. Die Nachricht von dem Rückzug auf Bassinghe hat uns gänzlich niedergeschmettert. Zuerst hatte man das Gefühl eines Mannes, der sich nach einem aufre­genden Unfall betastet, um zu sehen, ob er heil geblieben ist. Acht Tage länger da oben, und wir wären tot oder gefangen. Und dann kam die Empfindung des Man- ues, der mit Heiler Haut öavongekvmmen, aber sein Vermögen eingebützt hat: denn all diese Orte gehörten uns, den Jungen vom . . . .sten, und nun ist alles vorbei, und von ben im Winter gemachten Opfern ist nichts übrig geblieben, als die Erinnerung an einen schreckhaften bösen Traum."

Man wird dem Manne, der hier das Wort führt, schwerlich die Berechtigung abstreiten können, ein Ur­teil zu fällen. Aus Ton und Haltung dieser wenigen Zeilen spricht derart Bildung und Einsicht, daß es be­langlos erscheint, darauf hinzuweisen, daß der Verfasser in seinem bürgerlichen Leben Professor an der Sor­bonne ist.

Beachtenswert erscheint die Darstellung der ver­zweifelten Lage, in der sich die Franzosen in den Käm­pfen an der Ysermündung befunden haben und wohl noch befinden. Meldeten die Berichte der Obersten deutschen Heeresleitung wiederholt die „schweren Verluste des Gegners", so hat man hier in einer greifbaren Einzel­heit den Beweis dafür: die Verteidigung eines Wäld­chens hat im Verlaufe eines Monats den Franzosen Verluste von 1500 Mann eingetragen!

Schwerwiegender aber ist das, was hier ein gewiß einwandsfreier Zeuae über die Günstlingswirtschaft im französischen Heere sagt. Vereinzelte Klagen der Art tönten bereits aus radikalen Blättern Frankreichs zu uns herüber. Hier sieht man deutlicher, wie es darum bestellt ist: während die Briefe der tapfer Kämpfenden von argwöhnischen Augen durchforscht, die Sendungen aus der Heimat unterschlagen werden, wird der Liebe­dienerei ein nur allzu reicher Lohn zuteil. Und was an Organisation, an Gerechtigkeitssinn und an soldatischem Geist fehlt, das alles soll durch — Deutschenhaß ersetzt werden! ________________________________

Vermischtes

Autounfall des Grafen Schwerin-Löwitz. Der Prä­sident des Abgeordnetenhauses Graf von Schwerin-Lö- Wt6, wurde Donnerstag abend durch einen Automobil­unfall verletzt. Sein Kraftwagen stieß an der Ecke der Kreuzung der Straße Unter den Linden und der Wil­helm-Straße in Berlin mit einer Kraftdroschke zusam­men Graf Schwerin erlitt eine stark blutende Wunde an der rechten Schläfe, konnte sich aber, nachdem er auf der Unfallstation einen Verband erhalten hatte, in seine Wohnung begeben. Sein Zustand gibt zu Besorgnissen keinerlei Anlaß. t

Drei Bergleute erstickt. Mittwoch abend entstand auf der Grube Stahlgrund bet Dillenburg in einem Ueberhauen auf unaufgeklärte Weise Feuer in einer Grubenstemmung. Drei Männer, die die dort arbei­tenden Leute warnen wollten, konnten nicht mehr geret­tet werden, sondern erstickten in den Rauchschwaden. Die übrige Belegschaft konnte gerettet werden.

Drei' Streckenarbeiter totgefahren. Auf der Strecke Dorstfeld—Dortmund wurden Donnerstag mittag drei Streckenarbeiter unmittelbar hinter der Station Dorst- feld von dem Vorzüge des D-Zuges 7 überfahren und ^^ Blaujacken von 338 Pfund Gewicht. Der schwerste Soldat der deutschen Streitkräfte gehört der deutschen Marine an. Es ist der Oberbotterlier Jeder in Kiel, der die Kleinigkeit von 338 Pfund wiegt. Dieser Mann hat, wie dem „B. T" aus Kiel geschrieben wird, schon einmal eine Ehrenrettung unserer Marine vorgenom­men. Mehr als zehn Jahre waren verflossen, da war einmal ein deutsches Geschwader in Dublin Eine eng- lische Zeitung behauptete bei einer Besprechung dieses Besuches, unsere Marinemannschaften machten einen „verhungerten Eindruck". Diese Behauptung wollte Feder nicht ruhig einstecken, und so machte er sich, der damals nur 260 Pfund wog, mit einem Kameraden, einem Materialienverwaltungsmaaten von 240 Pfund auf den Weg, um unter Hinweis auf ihre Person einen Widerruf dieser Behauptung zu verlangen. Sie drohten gleichzeitig damit, ihre Photographien einem Konkur­renzblatte zur Verfügung zu stellen, um die Unwahr­heit der Behauptung zu beweisen. Das half. Der eng­

338 Pfund wiegt. Dieser Mann aus Kiel geschrieben wird, schon

lische Redakteur erklärte sich geschlagen und brächte im eigenen Blatte die Bilder dieser aus nur zwei Mann bestehenden, aber 500 Pfund schweren Marinemannschaft zum Abdruck.

Bierverbands-Phautasie«. Eine römische Meldung an den „Rußkoje Slowv" vom 23. Mai gibt eine Nach­richt aus Nizza wieder, nach der die Bevölkerung der Insel Sankt Helena sehr aufgeregt sei, da auf der Insel das Haus Napoleons wieder instand gesetzt werde. Es sei zur Aufnahme einer „unbekannten hochstehenden Person" bestimmt.

Kriegshnmor. D'Annunzios Anhang. „D'Annun- zio hat sich an die Front begeben." „O weh, o weh! Das is bös für uns!" „Wieso?" „Weil sich da sicher auch die Gläubiger d'Annunzios an die Front begeben werben; aus die Art wird uns eine gewaltige Ueber* macht gegenüberstehen." — Eingebildet. Ei, so was! Jetzt kriegen wer weibliche Schaffner! Jetzt is es aus for mich mit in Schwarzfahren (fahren ohne Bezah­lung)." „Wieso?" „Weil die Weiber e so e schreyen Mann, wia tach aner bin, nix überseh'n!" („Kikeriki".)

die Tiroler Schützen im Kamps.

Wie im Jahre 1809.

Daß die Kampfmittel aus den Tiroler Befreiungs­kriegen von 1809 auch heute noch möglich und wirksam sind, beweisen die jetzt bekannt wcrbenbcn Einzelheiten des siegreichen Gefechtes bei Belftore am 14. Juni. Dort hatte, wie dem „B. T." aus Innsbruck gemeldet wirb, seit Kriegsbeginn unser Gendarmeriepvsten unter dem Kommando des Wachtmeisters Reyrer, verstärkt durch Tiroler Standschützen, die Steilhänge besetzt, die von der Lafrauner Hochebene gum Asticotale abfallen. Feind­liche Aufklärungspatroutllen, die täglich vorzudringen versuchten, wurden mit wohlgezielten Schüssen in Schach gehalten, ohne daß sie den Zweck ihrer Vorstöße irgend­wie erreichen konnten. Die Steilhänge von Belfiore

versperrten jeden Weg. Nach einem später aufgefuu- denen Befehl erhielt nun am 13. Juni die südlich Ev- fatto gelegene dritte Kompagnie des 71. italienischen Infanterieregiments den Auftrag, unsere Schlitzen aus ihren Felsenstellungen zu vertreiben, Belfiore zu neh-

cotales

ihren Felsenftellunge>! zu vertreiben, Belfiore z inen und gegen die österreichsche Seite des Astb zu vorzurücken.

In den ersten Morgenstunden des 14. Juni be­merkte Reyrer mit seinen Leuten das Nahen des Fein­des. Wachtmeister Reyrer erhielt durch seine Vorposten, die alle Felssteige besetzt hatten, von dem geplanten Um­

fassungsversuch bald Kenntnis, und eben so rasch ivar seine lange vorbereitete Abwehr des Angriffes im Gange. Die Italiener stiegen den steilen Schluchtweg hinan, aber sie kamen nicht weit. Eine ungeheure Steinlawine donnerte plötzlich auf sie herab und prasselte mitten in die marschierende Kolonne hinein. Reyrer hatte die Holzstangen entfernt, die oben die aufgeschichteren Fels- trümmer festgehalten hatten, und ein Hagel von Stein- blöcken überschüttete den Gegner. Viele wurden tödlich getroffen, andere stürzten schwer verwundet unter Weh­rufen zusammen, der Rest, der der Lawine noch i.n§= weichen konnte, drängte sich auf dem schmalen Felssteig zusammen und suchte vergebens nach einem Schutz. Stein auf Stein rollte den Hang herab, und mitten hinein in den flüchtenden Haufen trafen die Kugeln unserer Schützen. Jeder Ausgang ivar versperrt, jedes Ent- kommen unmöglich. Wie eine Erlösung war es den Resten der vernichteten Abteilung, als Reyrer an sie die Aufforderung richtete, die Waffen wegzulegen und sich zu ergeben. Nur einer, der Hauptmann der Kompagnie, versuchte die Flucht. Auf einem Felssteig kletterte er seitwärts, aber man hatte ihn beobachtet, und eine nach- gesandte Patrouille holte ihn bald ein. Inzwischen ivar auch der frontale Angriff gegen unsere Stellungen im Gange, Er endete unter schweren Verlusten des Geg­ners mit einem raschen Rückzug der Italiener, die auch ihre Toten und Verwundeten auf dein Kampfplatz zu- rückließen. Zwei Offiziere und 58 Soldaten, darunter sechs in schwer verletztem Zustande, wurden von den Unseligen gefangen genommen.

Belfiore ist auch heute noch so fest in unserem Besitz wie damals, und die Italiener haben nach dieser Nieder­lage den Angriff nicht mehr wiederholt. Sie fürchten neue Steinlawinen, deren furchtbare Gewalt sie in der Felsschlucht kennen gelernt haben. Wachtmeister Reyrer ist für die kühne Tat mit der goldenen Tapferkeitsme­daille ausgezeichnet worden. Es ist dies die erste ./Wol* dene" die an der Südwestsrom verliehen worden ist.

Weitere Drahtnachrichten.

Nach Lembergs Fall.

Berlin, 25. Juni. (WTB.) Die Folgen der Ein­nahme von Lemberg machen sich nach verschiedenen Ber­liner Blättern auch schon am Dujestr bemerkbar. In Frankreich und England macht die Einnahme einen niederschmetterudcu Eindruck. Man fürchtet vor allem den Einfluß auf die Balkanstanten. Sie „Times" schrei­ben, die Abrechnung mit den Zentralmächten werbe bis zum nächsten Frühjahr verschoben werben müssen. — Nach der „Voss. Ztg." leugnen die italienischen Blätter jede militärische Bedeutung des Falles von Lemberg und bezeichnen diesen als russisches Manöver.

Die Italiener als „Befreier".

^ Wien, 25. Juni. (WTB ) Aus bem Kriegs- pressequartier wird gemeldet, daß die Italiener fortsah- ren, die Bevölkerung der besetzten Grenzorte zu drang­salieren. Aus Brentonico würben Bürgermeister und einige Einwohner als Geiseln svrtgefüyrt. Eins Der österreichischen Mörsergeschosse habe in einer italienischen Batterie einen Volltreffer erzielt und ein Munitions- magazin gesprengt.

Dernburg auf dem Wege nach Berlin.

&-'r Berlin, 25. Juni. (T. 11.) Bei den Angehörigen des früheren Staatssekretärs Dr. Dernburg ist, wie das „B. T." hört, gestern ein Radimelegramm vom Dampfer „Bergensfjord" eingelaufen, in bcni Dernburg inuicilt, daß er voraussichtlich am Sonnabend m Berlin ein. treffen werbe. Auf eine telegraphische Anfrage der Fa­milie in Christiania erhielt sie die Nachricht, bafi der Dampfer von der englischen Regierung fretgegeben und gestern abend in Bergen erwartet wurde.

Die serbische Typbnsepidemie.

s-r Sofia, 25. Juni. (T. U.) Die »yphnsepldemtc in Serbien fordert, nach Meldungen aus illisch. iroy aller Anstrengungen der ausländischen emiitdlsmtffio« neu noch immer große Opfer. Die Zahl der Tode», und Erkrankungsfälle unter den ©rwadvenen ist zwar etwas zurückgegangen, dagegen wütet die Seuche nach sehr stark unter den Kindern. Die Zahl her tagtub ay Tv- phus sterbenden unerwachsenen Personen bat sich er­schreckend vermehrt und steigert sich von Tag zu Tag

Absturz zweier schweizerischer Flteaer.

6-» Zürich, 25. Juni. (T. U.) Auf dem Flugplatz» Dubendorf bet Zürich stürzten gestern zwei -chioeizertstvc Flieger ab, von denen der eine gelötet, der andere lchwet verletzt wurde.