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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * x « zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

fiir den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im ul5ulDU amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- ; holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 147

Sonnabend, den 36. Juni

1915

Bestellungen

auf das

Hersfelder Tageblatt

werden für das 5Ditrtdjal?r 1915 von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und der Geschäfts­stelle angenommen.

Amtlicher Teil

Hersfeld, den 23. Juni 1915.

Um Unterlagen für die Kirchensteuer-Veranlagung zu gewinnen, hat der Kirchenvorstand der hiesigen katholischen Gemeinde ersucht, die Ortsvorstände zu veranlassen, ihm folgendes mitzuteilen:

1. Die Namen sämtlicher innerhalb der einzelnen Ortschaften des Kreises zur Staatseinkommensteuer und zur fingierten Normalsteuer veranlagten Katho­liken unter Angabe der einzelnen Steuerbeträge.

2. Die Namen des katholischen Teils gemischter Ehen, soweit die Ehemänner zur Staatseinkommensteuer oder fingierten Normalsteuer veranlagt sind, ebenfalls unter Angabe der einzelnen Steuerbetrug \ *

Ich weise die Heeren ^iirgeruci;iei wnir^ui»- vorsteher, soweit in ihrenOrtschaftenKatholikenwohnen (mit Ausnahme der Stadt Hersfeld) an, die geforderten Nachweisungen sogleich aufzustellen und bis spätestens zum 5. Juli an den katholischen Kirchenvorstand, Herrn Pfarrer Malkmus, hier einzusenden.

Ueber das Veranlaßte ist mir zum 5. Juli zu be­richten ; auch Fehlanzeige ist erforderlich.

Der Termin ist pünktlich inne zu halten.

Ich verweise auf meine Verfügung vom 7. 9.1911, I. Nr. 2636, (Krcisblatt Nr. 106) Absatz 3.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer Veranlagungs-Kommission.

I. Nr. 1335. I. V.:

v. H e ö e m a n n, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 23. Juni 1915.

Der Firma G. W. Schimmelpfeng hierselbst habe ich gestattet, eine Menge von 30000 Kilogramm Pet­roleum zu folgenden Höchstpreisen abzusetzen:

1. im Großhandel 100 Kilogramm zu 69 Mk.,

2. im Kleinhandel 1 Liter zu 60 Pfg.

Weiterverkäufern in der Stadt Hersfeld wird ge­stattet, im Kleinhandel pro Liter ebenfalls bis zu 60 Pfg. zu nehmen; außerhalb der Stadt Hersfeld wird der Höchstpreis pro 1 Liter im Kleinhandel auf 64 Pfg. festgesetzt.

Uebertretungen dieser Anordnung werden nach Maßgabe des Gesetzes vom 4. August 1914 in der Be­kanntmachung vom 17. Dezember 1914 bestraft.

I. 8020. Der Landrat.

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Berlin, den 18. Juni 1915.

Die Rohmaterialstelle des Landwirtschafts-Mini- steriums gibt folgendes bekannt:

Es ist zu unserer Kenntnis gekommen, daß von verschiedenen Firmen Superphosphate und Ammoniak- Superphosphate zu Preisen angeboten werden, welche die zwischen den Vertretern der Düngerindustrie und der landwirtschaftlichen Körperschaften vereinbarten Höchstpreise, die seinerzeit veröffentlicht wurden, ganz erheblich überschreiten.

Nach den getroffenen Abmachungen ist die fernere Lieferung zu versagen, sobald Preise gefordert werden, die über die in der Vereinbarung festgesetzten Preise hinausgehen. Es wird daher ersucht.

^^»h.;,^. Es wird daher ersucht, von allen hier­auf bezüglichen Vorkommnissen der Rohmaterialstelle des Landwirtschaftsministeriums, Berlin W. 9 Leip­ziger Platz 7, zur weiteren Veranlapnng unverzüglich Mitteilung zu machen. *

Hersfeld, den 22. Juni 1915.

Wrrd veröffentlicht.

I. 7950 Der Landrat.

J. V.:

v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 23. Juni 1915.

Die Herren Bürgermeister in den Landgemeinden des Kreises sind in letzter Zeit überall eingehend da-

rüber belehrt worden, in welcher Weise Anträge auf Ueberlassung von Gefangenen zwecks Ausführung der landwirtschaftlichen Arbeiten in den Gemeinden zu stellen sind und welche Bedingungen hierzu erfüllt werden müssen. Alle Beteiligten, die glauben mit den noch zur Verfügung stehenden Arbeitskräften für die in Aussicht stehende Ernte nicht auskommen zu können, mache ich hierauf mit dem Ersuchen ausdrück­lich aufmerksam, umgehend den Bedarf an Arbeits­kräften bei dem zuständigen Bürgermeister anzumelden. Da der Bedarf der Heeresverwaltung an diensttang- lichen Personen von Monat zu Monat steigt, so kann

lichen Persl ich mit

cksicht anf die Möglichkeit, Gefangene zu beschaffen, in Zukunft Reklamationen und Urlaubs­gesuche in der Regel nicht mehr als begründet ansehen, wenn sie sich darauf berufen, daß Arbeitskräfte nicht

zu beschaffen seien.

Die Leitung der erforderlichen Arbeiten durch Ge­fangene hat sich überall dort, wo sie versucht worden ist, bestens bewährt. Es besteht daher nicht der ge­ringste Anlaß sich gegen die Einstellung von Gefangenen bei landwirtschaftlichen Arbeiten ablehnend zu

verhalten.

I. 7865.

Der Landrat.

v. Heöeman, Reg.-Assessor.

Aus der Heimat.

* (Israelitische Feldgeistliche.) Bisher sind 13 Rabbiner, soweit bekannt geworden ist, als Feld­geistliche von den verschiedenen Heeresverwaltungen der Bundesstaaten ausgesandt worden. Vier Feld­rabbiner wurden bis jetzt mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Zahlreich ist die Auszeichnung auch sonst im Felde stehenden jüdischen Kriegern zuteil ge­worden. In sechs Fällen ist an solche das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen worden.

£u*dd4$«**H^^ÄmtUw^cii in i» nutzlos, Gemüsepflanzen zu setzen, wenn man nicht Zeit und Möglichkeit hat, recht oft und tüchtig zu be- gießen. Damit nun nicht größere Anbauflächen un- bepflanzt liegen bleiben, möchte ich auf einen Weg hinweisen, Bohnen trotz der Trockenheit zum schnellen Aufgehen und Wachsen zu bringen. Man mache in die trockene Erde etwa 10 Zentimeter tiefe Löcher, lege 45 Bohnen hinein und gieße dann soviel Wasser in die Löcher, daß die Bohnen ordentlich einschlammen. Nach einer Viertelstunde fülle man die Löcher mit der herausgehobenen trockenen Erde und überlasse die Bohnen ihrem Schicksal. In spätestens 9 Tagen ich habe es schon in 6 Tagen erreicht werden die Bohnen aufgegangen sein und sich schnell und gut entwickeln. Bohnen können bis Ende Juni noch ge­legt werden. Die Feuchtigkeit bleibt bei der be­schriebenen Art der Bestellung in der Erde, weil die Haarröhrchenanziehung durch die trockene Erde über den Bohnen unterbrochen ist. Das Verfahren habe ich auch beim Legen von Gurken seit vielen Jahren mit Erfolg angewandt. Es darf aber nachher nicht begossen werden!

8 Hersfeld, 25. Juni. Vom 1. Juli ds. Js. ab treten auf den Strecken Hersfeld-Treysa und Hersfeld- Grebenau nachstehende Zugverlegungen in Kraft: Pz. 1222 Oberaula ab 8.03 (bisher 8.08), Treysa an 9.37 (bisher 9.39). Pz. 4754 Hersfeld ab 8.36 (bis­her 8.06), Grebenau an 9.52 (bisher 922). Pz. 1225 Treysa ab 6.51 (bisher 6.21), Hersfeld an 9.33 (bisher 9.03). Die Abfahrtszeiten auf den Zwischenstationen ändern sich ebenfalls dementsprechend.

):( Hersfeld, 25. Juni. Durch den Genuß un­reifen Obstes im rohen Zustande werden alljähr­lich zahlreiche langwierige und besonders bei Kindern sehr gefährliche Erkrankungen herbeigeführt. Das Publikum sei deshalb vor dem Genuß des vor der natürlichen Reife gepflückten Obstes in ungekochtem Zustande dringend gewarnt. Ebenso wird vor dem Hinunterschlucken von Kirsch- und Pflaumenkernen und vor dem Wassertrinken nach dem Genuß von Obst aller Art gewarnt. Auch dürfen Obstabfälle nicht auf die Straße geworfen werden, da der Betreffende ver­antwortlich für das durch feine leichtfertige Handlungs­weise etwa entstehende Unglück ist.

h Hersfeld, 25. Juni. Dr. Wilhelm Claus, ein aeb Hersfelder, wurde zum Oberstabsarzt befördert. Vor längerer Zeit war er schon mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet worden.

Gndeusberg, 24. Juni. Im benachbarten Merkel versuchte der Kaufmann I. flch zu erschießen, nachdem er infolge von Streitigkeiten seine Braut durch einen Schutz schwer verletzt hatte. Beide wurden in das La­zarett nach Fritzlar gebracht. An ihrem Aufkommen

Hettigenstadt, 24. Juni. Es sind Verhandlungen einaeleitet, um in Heiligenstadt ein Kornhaus mit Getreide-Trocknungs- und Getreide-Reinigungsan­lagen sowie größeren Lagerräumen für künstliche Düngemittel und für Futtermittel zu errichten. Mit Rücksicht darauf, daß die Ernte auf dem Eichsfelde sehr spät und die Körnerfrüchte leider sehr häufig

feucht eingebracht werden müssen, wodurch schon große Werte verloren gegangen sind, ist dem Unternehmen, welches auf genossenschaftlicher Grundlage aufgebaut werden soll, größte Bedeutung beizumessen.

Säle statt Fleisch.

Der Rückgang in der Fleischer-zeugung muß seinen natürlichen Ausgleich finden in einer gesteigerten Nachfrage nach Milch und Molkereiprodukten. Im Vor- und Hochsommer macht die Beschaffung größerer Mengen von Frischmilch und Molkereiprodukten auch durchaus keine Schwierigkeiten. Sie kann ohne be­sondere Maßnahmen dnrch den privaten Handel be­sorgt werden.

Es ist aber dringend notwendig, daß schon im Sommer für ausreichende Vorräte an haltbaren Käse­arten zur Ernährung der Bevölkerung im Winter Sorge getragen wird. Deshalb sollte darauf hinge­wirkt werden, daß im Sommer die haltbaren Käse­arten wie Tilsiter, Schweizer, Holländer usw. geschont werden und die Hausfrauen ihren laufenden Bedarf bis zum Herbst möglichst in Form der nicht zur Auf­bewahrung bestimmten Quark- und Weichkäsearten decken.

Dies ist um so wünschenswerter, als die Her­stellung der haltbaren Käsearten nicht von heute auf morgen auf ein Mehrfaches gesteigert werden kann, weil dazu die Einrichtungen und das geeignete Per­sonal fehlen. Nur wenn unser Bestand an haltbaren Käsesorten geschont und schon im Vor- und Hoch­sommer nach Möglichkeit verstärkt wird, können wir mit großen Vorräten in den Winter gehen.

Quark und Weichkäse, wie Mainzer Handkäse, Nteheimer Käse, Harzer Käse, Kräuterkäse, sind im Gegensatz zu den haltbaren Käsesorten leicht in be­liebigen Mengen herzustellen, dabei noch haltbar ge­nug, um auch einen etwas weiteren Transport zu vertragen, ohne der Gefahr des Verderbens ausge- fc^t 2" f»1« ^Dip?» ist neben d->" ut»^'*- wicht bet gleichem Nährswygehalt der Vorzug, den der Versand von Quark und Weichkäse vor dem von Frischmilch hat.

Der Verbrauch von Quark und Weichkäse em­pfiehlt sich noch ganz besonders wegen des außerord­entlich niedrigen Preises dieser Käsearten. Die weniger haltbaren Käsearten sind neben der Frisch­milch und den Seefischen von allen eiweißreichen Nahrungsmitteln augenblicklich weitaus am billigsten und dabei in ausreichender Menge vorhanden, um einer fast unbeschränkt gesteigerten Nachfrage zu ge­nügen. Deshalb ist allen Konsumenten in ihrem eigenen Interesse dringend zu raten, während des ganzen Sommers Quark, Weichkäse und Topfen immer wieder zu verlangen, nnd dadurch den Handel endlich zur Lieferung großer Mengen anzuregen. Die Konsumenten sorgen dabei am besten und billigsten für sich und helfen, wenn sie während der Sommermonate den Verzehr der viel teureren halt­baren Käse einschränken, an der Aufspeicherung einer genügenden Eiweißreserve für den Winter. Diese Aufspeicherung ist auch das beste Mittel, der drohenden Preissteigerung des Käses im nächsten Winter ent- gegenzutreten.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Kaum ein Staat ist noch vorhanden wo sich Englands Diplomaten in verfehltem Liebeswerben nicht bisher blamieren taten, nicht mit Drohen, nicht mit Kosen kommt der Brite mehr zum Ziel, selbst der beste Freund von früher sah inzwischen schon zuviel sich auf dieser Welt ereignen was man vorher nicht geglaubt und was manchem wohl für immer schon den Uebermut geraubt. - Auf dem Balkan zwar noch immer hofft man was her- auszuholen, die Gesandten dort verreißen täg­lich ein paar Stiefelsohlen, - mit den allerletzten Mitteln feilscht und schachert dort John Bull, aber die Erfolge bleiben nach wie vor so gut wie null. Einmal wird die Weltgeschichte deshalb nunmehr endlich sehn, daß das Britenvolk genötigt - für sich selber einzustehn, - daß es nicht wie sonst noch immer - andre Völker ködern kann, - sich für Englands Interessen aufzuopsern Mann für Mann. Selbst die einst so treuen Freunde Frankreich, Rußland sind verstimmt, weil die Truppenlief'rung Englands keinen rechten Fort­gang nimmt, nur Italien, dessen Ehre gar zu tief im Schlamme steckt, sieht man noch vor Eng­land kriegen, dem es fromm die Stiefel leckt. Wenn dereinst beim Friedensschlüsse . . Hände reichen, stehen England und Italien ab­seits mit dem Kainszeichen, Frankreich selbst und Rußland werden sich für alle Zeiten schämen, daß sie einst gezwungen waren diese Hilfe anzu- nehmen. Walter-Walter.

alle sich die

Wetteraussichten für Sonnabend den 26 Juni.

Ziemlich heiter, trocken, wärmer, südöstliche Winde, trübe Gewittergefahr.