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fern, wo der Krieg Frankreich lebe Stunve 3 Millionen kostet.

Der Unterseebootskrieg.

s-r- Skagen, 23. Juni. (WTB.) Der Fisch-ampfer Nord p. c. 1914" aus Geestemünde ist acht Meilen nörd­lich von Hanstholm von einem englischen Unterseeboot torpediert worden. Die Besatzung wurde von einem anderen deutschen Fischdampfer übernommen, mit Aus­nahme des Kapitäns, der als Marineoffizier von den Engländern zurückbehalten wurde. WieSkagens Avis" meldet, ist die Besatzung heute früh um 7% Uhr im hie­sigen Hafen eingebracht worden.

Bericht des türkischen Hauptquartiers.

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Russische Schlappen im Kaukasus.

Konstantinopel, 23. Juni. (WTB.) Das Haupt­quartier meldet: Unsere in der Nichtnng Olty operie-- renden Truppen haben durch die von ihnen unternom­menen zahlreichen Angriffe mit Erfolg den in diesen Gegenden befindliche» starken rechten Flügel des Fein-, des nach Osten verjagt. Infolge dieser.Angriffe bemäch­tigten sich unsere Truppen wichtiger feindlicher Stel­lungen nnd machten dabei reiche Beute. Die letzthin von uns gefangenen Russen erzählen, daß in Rußland sogar 50jährige Leute ansgehoben uud mit Berdeuka- Gewehren ausgerüstet würden, und das; die neuen Re­kruten sowie die Bevölkerung in mehreren Ortschaften sich gegen den Krieg erhoben haben.

Blutig abgeschlagene Angriffe anf Gallipoli.

An der Dardancllenfront nnternahm der Feind mit Unterstützung seiner großkalibrigen Kanonen und der jüngst erhaltenen Berstärknnqen am Morgen des 21. Juni mehrere Angriffe gegen unsere Südgruppe bei Sedd «l Bahr, doch fcheiterle» anch diese Angriffe, die bis nach Mitternacht dauerten, vollständig. Der Feind, -er sehr blutige Verluste erlitt, wurde vertrieben und nach seinen früheren Stellungen znrückgedrängt Am 20. Juni beschädigte eine unserer der Gruppe nördlich von Ari Burnu ängehörende Batterie mit ihrem wirk­samen Feuer zwei große feindliche Transportschiffe, die in dieser Gegend der Küste kreuzten und zwangen sie, sich zu entfernen. Am 21. Juni morgens zerstörte nu- sere Artillerie vollständig eine Batteriestellung, die der Feind anszubauen im Begriffe war. Von den anderen Fronten wird nichts Wichtiges gemeldet.

Die Schlacht bei Sedd ul Bahr

am 21. Juni, die fast 24 Stunden dauerte und mit einer Niederlage für den Feind endete, verlief folgendes maßen: Der Feind bereitete einen wirksamen Angriff vor, indem er besonders während fünf Tagen ohne Un­terbrechung mit seiner schweren Artillerie unsere Schützengräben bombardierte, die einen Teil des linsen Flügels unserer Gruppe bei Sedd ul Bahr bildeten. Am 21. Juni morgens 5 Uhr hatte der Feind, nachdem er dieses Feuer noch verstärkt hatte, indem er Huudert- stinfzig Granaten in der Minute abseuerte, infolge eures Sturmangriffes und dank beständig bei ihm erntreften- der Verstärkungen einen Teil unserer Schützengraben auf dem linken Flügel besetzt, die übrigens sehr dicht an ihn herangeschoben waren. Diese Schützengraben gingen aus unseren Händen mehrmals in die des Fein­des über infolge wiederholter Gegenangriffe. Gegen Abend blieb nur noch ein hundert Meter langes Stuck Schützengraben in den Händen des Feindes. In der Nacht vom 21. zum 22. Juni nahmen unsere Truppen, die während des Kampfes am Tage großen Heldenmut zeigten, durch energische Angriffe und nächtliche Ueber- raschung dieses Stück Schützengraben dem Feinde wie­der ab, der schließlich trotz großer Munitionsverschwen­dung und unter großen Verlusten für ihn in Unord­nung in seine alten Stellungen zuruckgeworien wurde.

Krieasallerlel

Generalfeldmarschall v. Mackeusen.

Wie dieDanziger Ztg/' .zuverlässig^ erfährt, ist Generaloberst v. Mackensen anläßlich der «lege in Ga- lizien zum Generalfeldmarschall ernannt worden. - Der neue Feldmarschall wird am 6. Dezember d. J. iem 66. Lebensjahr vollenden. Er trat am 1. Oktober 1869 als Einjährig-Freiwilliger in die Armee ein, wurde 18/8 als Leutnant im Leiügaröe-HusarenM.egiment Nr. - angestellt, 1894 Kommandeur des 1. Leibhusaren-Regi- ments und kommandierte seit 1908 das 17. Korps. Nach den Erfolgen bei der Offensive im vorigen Herbste gegen Wlozlawec erhielt General v. Mackensen den Rang eines Generalobersten.

Ein Handschreiben König Alfons an Kaiser Franz Josef.

Aus Wien wird gemeldet: Der Kaiser hat den spa- nischen Botschafter in halbstündiger Audienz enipfangen. Der Botscharter brächte, derNeuen Freien Prene" zu- Glae, ein in herzlichen Worten gehaltenes Hanchchrei- ben des Königs von Spanien.

Nach Sibirien verschickt.

Der PetersburgerRjetsch" vom 17. Juni berichtet: Fünf zur Verbannung verurteilte sozialdemokrattsche Reichsoumamitglieder sind per Schub nach Sibirien transportiert worden.

Neue Machenschafte« der Drahtzieher in Bukarest.

Die Köln. Ztg." berichtet aus BnkaM: Für den nächsten Sonntag ist wieder eine große Versammlung einoerufen worden, die diesmal von Dtumänen aus Siebend Bukowina veranstaltet wird, NM Stimmung für den Eilttritt fRumauiciid in den ®rtea an der ^ette des Vierverbandes Ut wachen. Hin­ter diesen stehen die bekannten Drahtzieher, die nun tfwn WS M den Kurs der rumä- nrschen Potttik in einem ihnen Einstigen Sinne beein­flussen wollen. ± _

Gefahrvolle Kämpfe unter der Erde.

Avr 93 Mai 1915 zeichneten sich die Unteroffiziere Mettin aus Sallgast, Kreis Luckau, Lefhalm aus Dort- Vaderborn -Mntlichter ^4.1KÄ-ompW PS.' Pion.k R?gt Nr 29 angehöZg - durch außergewöhnliche Ent- ttnh (Reistesaegenwart aus. Unftre

Real Nr. 29 angehörig durch außer

«sr wS rend* ihrer" Arbeit das ^Geräusch ' feindlichen Gegen- minierens vernahmen. Es wurde daraus ^t Richtung des feindlichen Stollens noch etwas wecken vorgegraben.

a^ Winden

wnSeu erleuchteten Minengang stürzte. Antpohler Nannte in zwei feindliche Pioniere. Er

kroch 'schnell zurück, hotte- eine Handgranate und Slnt&eFÄ ö« Geg-

nNbeitrebt war eine Ladung in den Stollen einzubrin- aen -NaEf tteß er sich von einem Infanteristen eine Pistol? geb!n, kroch eiligst in den Stollen zurück und gab me^ere Schüsse auf die Franzosen ab, wodurch

einer derselben verwundet wurde. Nun galt es, einer feindlichen Sprengung zuvorzukommen. Mettin und Lefhalm begaben sich zu diesem Zwecke in den Stollen, brachten vorerst die Handgranate durch Pistolenschüsse zur Entzündung, um dem Feinde das weitere Arbeiten unmöglich zu machen, und schassten dann eine starke La­dung in den feindlichen Stollen. Hierauf wurde der eigene Stollen gut verdammt und die Ladung zur Deto- nation gebracht. Die Wirkung war eine besonders gute, da sie auch mit dem Stollen den feindlichen Graben, der von der Sprengstelle aus nur noch 5 Meter entfernt war, verschüttete.

Spione.

An: 5. Juni sind vom Feldgericht in Lüttich 17 Spione abgeurteilt worden, von denen 8 am 7. Juni erschossen, drei weitere gleichfalls zum Tode verurteilt, aber mit lebenslänglichem, die übrigen sechs mit zu- fammen 77 Jahren Zuchthaus bestraft wurden. Die Verurteilten waren bis auf einen Engländer sämtlich Belgier. Wenige Wochen vorher war eine Holländerin in Aachen gleichfalls wegen Spionage zu fünfzehn Jah­ren Zuchthaus verurteilt worden.

Die zuerst erwähnten Spione hatte ihre Tätigkeit auf belgischem Boden ausgeübt, die Hottttnderin im Rheinland, alle aber übermittelten die gesammelteil Nachrichten an ihre in Maastricht in Holland sitzenden Auftraggeber. In der Hauptsache berichtete dieser sehr geschickt eingerichtete Betrieb über deutsche Truppen- beförderungen auf den Eisenbahnen.

Die Aufdeckung des gefährlichen Netzes ist der Auf- merksamkeit der deutschen Behörden in Belgien zu dan­ken, denen man weitere Erfolge auf diesem Gebiete nur wünschen kann.

Es wäre aber ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man glauben wollte, die Gefahr der Spionage bestünde nur oder hauptsächlich in dem von uns besetzten feind­lichen Gebiete. Im Gegenteil, sie ist viel größer im eigenen Lande. Aus der Schweiz, Holland, Skandinavien kommen die Agenten des Vierverbandes zu uns, meist unter dem Schutze eines Passes neutraler Staaten, oft aber auch mit falschen Pässen. Und leider gibt es wohl auch ehrlose Deutsche, die ihr Vaterland dem Feinde verraten. Gerade diese sönnen ihr niederträchtiges Ge­werbe am Sichersteil und Unauffälligsten betreiben. Deshalb ist es Pflicht, nicht nur der Behörden, sondern jedes Vaterlandsfreundes, in dieser schweren Zeit die Augen offen zu halten und jedes verdächtige Benehmen unter dem Gesichtspunkte der Spionage 31t betrachten. Jeder Deutsche hat heute die Pflicht, de Organe des Sicherheitsdienstes zu unterstützen. Auch die SBeamlett der Eisenbahn, der Post und Telegraphie, der Zollbe­hörden müssen ihre Ausmerksamkeit verdoppeln, um das gefährliche Treiben der Spione aufzudecken und zu vereiteln. Die Gefahr ist zwar in den Grenzbezirken am größten, aber auch im Jnlanöe sitzen und reifen die feindlichen Agenten und snchen sich durch Aufenc- Halt auf oder an den Bahnhöfen, auf Eisenbahnfahrten, im Verkehr mit Soldaten und deren Angehörigen wich­tige Nachrichten zu verschaffen. Darum Augen auf und Mund zu! Ein unbedachtes Wort. kann Hunderten un­serer tapferen Soldaten das Leben kosten!

Unsere Feinde trachten besonders danach, Nachrichten über die Stärke, Zusammensetzung und Verteilung un­serer Streitkräfte zu bekommen. Manche unbedachte Mitteilung aus Feldpostbriefen hat schon schweren Schaden angerichtet. Jeder, der solche Fahrlüssialeit be­geht, macht sich eines schweren Verbrechens am Vater- lande schuldig und gefährdet das kostbare Leben derer, die für uns kämpfen.

Also fort mit der Vertrauensseligkeit und Gleich­gültigkeit! Jeder Deutsche kann und muß mitwirken, daß dem Feinde alles, was unser Heer und unsere Flotte betrifft, verborgen bleibt. Damit trägt er an seinem Teile zu den Erfolgen unserer tapferen Kämpfer bet und trägt gleichzeitig auch eine Dankesschuld ab an die­jenigen, die für das Vaterland ihr Leben einsetzen.

VermiFdites

Trotz

Eine Familie durch Käse vergiftet. In der lnxem- burgischen Ortschaft Münchecker hat sich eine Familie so­genannten Schüsselküse bereitet. Sie hatte dicke Milch zum Abläufen in ein verzinktes Eisenblechgefäß ge­schüttet und stehen gelassen. So erzeugte die saure Milch in Verbindung mit dem Zink ein Gift, das in den Käse überging. Mutter, Tochter und drei Söhne aßen von dem Käse und erkrankten sofort unter heftigen Schmer­zen. Die Tochter starb gleich. Die Mutter und die drei Söhne befinden sich in fast hoffnungslosem Zustand.

Ein Prozeß um die verstopfte Tabakspfeife. Trotz aller Waruungen, in der gegenwärtigen Kriegszeit die kleinlichen Streitigkeiten aus oer Welt zu schaffen und damit nicht die Gerichte zu belästigen, gibt es noch immer Leute, die auch bei dem kleinsten Anlaß zum Kadi laufen. Ein prägnantes Beispiel dieser Art beschäftigte das Amtsgericht in Bamberg. Ein Dcenstknecht hatte ein mit ihm zusammen dienendes Mädchen im Verdacht, lhm die Tabakpfeife mit Strohmist verstopft zu haben. Er klagte und verlangte für den unbrauchbar gewordenen Pfeifenkopf eine Entschädigung von zwei Mark. Die an­gebliche Missetäters mußte vor Gericht erscheinen und vor diesem beschwor sie, daß sie die fragliche Pfeife nicht unbrauchbar gemacht habe Unter 0lesen Umstünden wurde der gewissenhafte Dienstknecht mit feiner Klage abgewiesen. Wenn aber sein Verdacht aus eine andere Person fällt, dann hat das Gericht vielleicht noch einmal Gelegenheit, sich mit besagter Tabakpfeife zu befassen.

Revolveratteutat im Gerichtssaale. Der Maurer Krause, der als Kläger in einem Zivilprozetz Amtsgericht in Gelsenkirchen wegen Ungebühr vor dem prozeßführenden Amtsgerichtsrat in eine Ordnungs­strafe genommen wurde, feuerte aus einem Revolver auf den Richter. Die Kugel drang dem Richter in den Kovf und verletzte ihn schwer.

Kriegshumor. Das Wachtlokal eines Gefangenen­lagers ist läuseverdächtig. Es will sich deshalb keiner der Wachmannschaften auf die Strohsacke legen. Als die Mitternachtsstunde vorüber und der Schlaf sich immer mehr bemerkbar macht, holt ein Landwehrmann als Erster seine Decken mit dem Ausspruch:I hau mi bin; war trauri, wenn ma net nv a paar Lau,' da­futtern könnt." Engliiches Kanonenfutter.Untere Rekrutierung ist neuerdings wieder stark vorgeschritten

vor dem

futtern könnt'." <

^in^K Feldpostbrief. " Bei un­

serer Feuerstellung, die mitten im Walde steht, befindet sich eine Tafel:Das Herumwerfen mit brennenden Gegenständen ist verboten!" (Jugend.)

Meine Erlebnisse im Felde

Nun wollen wir noch den anderen Kompagnien einen kurzen Besuch abstatten. Wir gehen sur.Zwei Kaiserecke" zurück und biegen in dieKaiser Wllhelm-

stratze" ein. Sehr einladend wirkt derFuchsbau". Er !

ist wirklich schlau angelegt. Vorüber gehen wir an 1

VillaDaheim" undUhlenhorst", wo eine außen am gebrachte Zigarettenkiste die Ausschrift trägt:Wir bib ten um Liebesgaben, um uns daran zu laben." Vor­übergehende stecken dann und wann eine Zigarre oder Zigarette hinein. Am schönsten ist das Heim der Ar­tilleristen, die das Panzergeschütz bedienen. Auf dem Dache steht eine kleine Kanone, gefertigt aus Holz usw., aber in hervorragend geschickter Ausführung. Sie sieht wirklich sehr schön ans. Ueber dem Eingang findet sich die Inschrift:Zum 42 em-Brummer". Der Humor hat hier glänzende Früchte getragen. Ich könnte noch viel davon berichten, aber wir wollen zur Höhle zurückkehren,

und ich Ivill Euch meinen Tageslauf vorführen.

Es ist 12 Uhr mittags. Ich habe zunächst 2 Stunden Wachdienst in der Sappe bezw. im Schützengraben. Da am Tage ein Angriff des Gegners nicht zu befürchten ist, ist der Dienst sehr leicht. Es wird natürlich an allen Ecken und Enden feste gearbeitet. Oft schanze ich and) mit, denn einmal wird man dadurch marin, dann hat man eine Beschäftigung, dann gehen die Arbeiten etwas fritueller vorwärts, und schließlich macht es mir Spatz mitzugraben und zu hacken. Dann gehe ich um 2 Uhr zum Mittagessen, das der Kompagniefeldwebel aus Bouevuville mitbriugt. Es ist immer tadellos und retch- lich, überhaupt sorgt unser Feldwebel ausgezeichnet für uns. Dell Nachmittag über habe ich frei, und ich schreibe oder lese etwas. Um 7 Uhr esse ich dann Abendbrot und ziehe um 8 Uhr wieder auf Wache und zwar diesmal 3 Stunden. Es ist ftoctöunfcl; nicht die Hand ist vor den Augen zu sehen. Licht darf natürliri) nicht gemacht wer­den. Langsam tasten wir und vorwärts. Bisweilen stößt man an eine Ecke, dann stolpert man über Steine und andere Unebenheiten. Endlich ist der Sappenein­gang erreicht, und ich löse den vorherigen Wachthaben­den ab. Jetzt heißt es ordeulliri) aufpassen und vor allen Dingen auf jedes Geräusch hören,' denn bei der Dunkel­heit ist es sehr leicht möglich, daß sich eine feindliche Pa­trouille einschleicht. Das Geschieße fettend der Frau- zvsen wird lebhafter, doch wir antworten wenig, hat man doch kein sicheres Ziel, und es ist nur Zufall, wenn man trifft. Dann und wann steigen Leuchtkugeln auf und

oder lese etwas.

erhellen auf einige gefunden das Vorgelände. Eine Stunde spaler kommt der Befehl, daß Minen geworfen werden sollen. Wir verlassen auf kurze Zeit unser Ar­beitsfeld. Da, der erste Knall, ein Zischen in der Luft und in hohem Bogen saust die erste Mitte durch die Luft. Fttukeil bezeichnelt ihren Weg. Jetzt ist es einen Augen­blick totenstill, und dann verkündet ein oomlerähiittcher Schlag, daß sie explodiert ist. Bald folgt eine zweite, eine dritte und ihnen noch eine ganze Reihe. Dann ists vorbei und wir schleichen wieder vor und nehmen still unsere Arbeit wieder auf. Endlos lang erscheint die Zeit. Es wird kalt und kälter. Jeder, der nicht gerade hackt und schaufelt, hüllt sich fester in seinen Mantel. Die düsteren niegenwolfen verz ehen sich, und plötzlich er­strahlt über und ein prächtiger Sternenhimmel, wie man ihn schöner kaum gesehen. Da komlnen Schritte. Es ist die Rvndc. Meldung. So vergehen Minuten und Stunden, da kommt die Ablösung. Die Posteil werden ausgewechselt, und nun geyts zurück tu die warme Höhle. Rasch in die Decke gewickelt und einige Stunden geschlafen, bis die Reihe der Wache wieder an mich kommt. Jetzt ist es 5 UHr morgens, 3 Stunden muß ich wieder wachen. Es ist wesentlich Heller als zuvor. Denil der Mond ist inzwischen gekommen und wirft sein bleiches Licht auf unsere Schützengräben. Rasch schwingt sich einer auf den Graben, und ein Sandsack nach dem andern wandert hinauf, um die Traverse zu verstärken. Da fällt ein Schuh. Hat uns der Feind be­merkt? Hat er entdeckt, wie sich etwas regt auf dem feindlicheti Grabeu? Nein, es ist nicht so, denn sonst würde ein rasendes Feuer auf der ganzen Linie folgen. Nun rasch noch einige Sandsäcke hluaufgewuchtet, und die Traverse ist fertig. Am nächsten Morgen aber, wenn die Sonne aufgeht und sich die Flille ihres Lichts auch über uns ergießt, dann wird der Feind wohl staunen, ivas dieverdammten Deutschen" in der Nacht voll­bracht haben.

Um 8 Uhr werde ich wieder abgelöst. Mein Bursche hat inzwischeit Wasser heißgemacht, und nun koche ich mein Morgetisüppchen, entweder Reis, Gries oder sonst einen guten Maggiwüxfel, der dann nach der kalten Nacht doppelt gut schmeckt. Dann lege ich miri) noch ein paar Stunden aufs Stroh, bis ich dann wieder um die Mittagsstunde auf Wache ziehe. So reiht sich ein Tag an den andern und fast einer gleicht dem andern. Neu­lich Nacht gab es eine ganz gewaltige Kanonade in un­serer rechten Flanke. Die großen Geschütze fingen an mit ihrem bunt, bunt. Darin aber folgte ein rasendes Maschinenaewehrfeuer, wie ich es noch nie gehört habe. Ihm zur Seite kllatterte auf der ganzen Linie heftiges Gewehrfeuer. Eine Viertelstunde, und es ist wieder Totenruhe, nicht ein Schuß fällt mehr. Das sei für heute genug. Laßt es Euch allzeit gut gehen und seid alle zu­sammen bestens gegrüßt von eurem dankbaren Söhne Karl.

Weitere Drahtnachrichten«

Die Verfolgung der geschlagenen Russen.

Berlin, 24. Juni. (WTB.) DemL.-A." wird aus dem Kriegspressequartier telegraphiert: Die Kriegslage bietet heute zwei Tatsachen, den russischen Rückzug auf der Linie Rawka-Ruska-Zolkiew-Lembera und die schleunige Räumung jener Fünfte des Weichsel-San- Winkels, den die Russen selbst nach dem siegreichen Vor­stoß der Josef-Ferdinand-Armee besetzt hielten. Die Russen räumen ihre Stellungen bei Kieler. LautB. T. verfolgen die verbündeten Truppen den zurück wei­chenden Feind in der Richtiing des Bug. Der sehr harte Kampf um Lentberg hat die Stadt unversehrt gelassen. DieVoss. Ztg." erfährt aus dem Kriegsprenequar- tier: Wie das russische Hauptquartier sich nicht mehr auf galizischem Boden befindet, werbe wohl bald auch das Schwergewicht der großen Kämpfe auf russischeu Boden verlegt werden. Berschtedenell Morgenblatterit wird berichtet, man befürchte jetzt einen Durchbrrichsversuch der Verbündeten an der Bsura, um den noch nicht be­setzten Teil von Russisch-Polen mit Warschau einzy- nehmen.

Türkische Freude über Lembergs Fall.

Konstantiuopel, 24. Juni. (WTB.) Die Nach­richt von der Erstürmung Lembergs verursachte im tür­kischen Publikum sowie in der österreichisch-ungarischen und deutschen Kolonie begeisterte Freude. Die ganze Stadt prangte bald im Flaggenschmuck.

Folgenschweres Spiel mit einer Granate.

a^ Stettin, 24. Juni. (WTB.) Nach derAbend- post" fanden in dem nahen Sckienne drei Knaben im Alter von 8-12 Jahren eine Granate ruffieben Ur­sprungs, spielten mit dem Geschoß und klopften mit Steinen darauf, bis es explodierte. Die Kinder wurden alle schwer verletzt. Einem Knaben wurde eine Wade abgerissen. Inzwischen ist noch ein ziveites Geschoß aub gefunden worden. Wahrscheinlich haben Arbeiter, die mit dem Bergen der russischen Beute beschäftigt waren, sich die Granaten angeeignet.