Verrusse, M km kMNWeu MeMtnaen um jeden ^ceis zu bemächtigen. Der Versuch mißlang, obwohl 6er Angriff von der englischen Infanterie mit großem Schneid durchgeführt und mehrmals wiederholt wurde. Jedesmal brach er im Feuer der türkischen Gewehre und Geschütze zusammen. Der ergebnislose Durchbruchsversuch hat nach einer ersten unmaßgeblichen Schätzung den Engländern allein an Toten 600 Mann gekostet.
Verstärkungen für die Dardanellen.
Einer Athener Meldung der „Köln. Bolkszig." zufolge erklärt „Neon Asty", auf zwei englischen Riesen- dampfern seien 12 000 Mann Verstärkungen, bestehend hr farbigen Truppen, für die Dardanellenoperationen in Teneöos eingetroffen.
Will Italien am Dardanellen-Abenteuer teilnehmend
Die aktive Beteiligung Italiens an der Darda- gellenaktion dürfte, wie der „Voss. Ztg." berichtet wird, nach römischen Meldungen nunmehr Tatsache geworden sein. Danach haben mehrere italienische Kreuzer und verschiedene kleinere Einheiten den Hafen von Torent mit Volldampf verlassen und sind nach Tenedos in See gegangen. Das Geschwader soll sich dort der englisch- französischen Flotte vor den Dardanellen anschließen.
Die Kämpfe im Kaukasus.
** Konstantinopel, 23. Juni. (T. U.) Die Kämpfe im Kaukafus, die sich in den letzten Wochen auf Vorpostengefechte und Zusammenstöße von Aufklärungsab- teilungen beschränkt hatten, nehmen wieder größeren Umfang an. Die Russen machten mit einer größeren aus Infanterie, Kavallerie und Artillerie zusammengesetzten Abteilung einen Vorstoß in der Richtung aus Olty. Durch einen Gegenangriff der in dieser Gegend stehenden türkischen Truppen wurde der Feind verjagt «nd es gelang hierbei, sich in den Besitz wichtiger russischer Stellungen z« setzen.
Der Unterseebootskrteg.
Ein neuer Dampferangriff auf ein U-Boot.
London, 22. Juni. (WTB.) Die Blätter berichten, daß der Dampfer „Cameronia" der Zlnchor-Linie, der am Sonntag aus Neuyork in Liverpool ankam, auf der Reise von einem Unterseeboot angegriffen wurde, dem man, obwohl der Dampfer mit voller Geschwindigkeit fuhr, unmöglich entweichen konnte. Die „Cameronia" versuchte das Unterseeboot zu rammen; das Boot tauchte unter und wurde nicht mehr gesehen. Viele angesehene Anrerikaner, die sich an Bord der „Cameronia" befanden, berichten darüber an den amerikanischen Botschafter. — Die „Cameronia" ist ein 11,000-Tonnen- dampfer aus dem Jahre 1911 und läuft 17 Knoten.
kkiegsallerlei.
Italienische Politik.
Berlirr, 23, Juni. (T. U.) Italien sehnt sich nach billigem Kriegsruhm Wie der Korrespondent der „Täglichen Rundschau" erfährt, hat die italienische Re- gerung folgenden plumpen politischen Schwindel in die Wege setzen wollen. Sie hat sich nach Oesterreich-Un- aarn mit dem Vorschläge gewandt, Oesterreich-Ungarn solle einen Scheinrückzug aus dem vor dem Kriege Italien versprochenen Gebiet antreten und das Gebiet räumen, sodaß es von den Italienern besetzt werden kann. Italien würde sich verpflichten, bei der Besetzung zu bleiben und keine weiteren Schritte gegen Oesterreich- Ungarn und Deutschland zu unternehmen, vielmehr nach dem Kriege sogar einen neuen Dreiburldvertrag eingehen. Dell Schwindel versucht man in die Wege zu leiten, da man billigen Ruhm ernten und gleichzeitig der revolutionären Bewegung im Lande Herr werden will
Die Kosten der deutschfeindlichen Plünderungen in London.
Der Schaden, der durch die deutschfeindlichem Plünderungen in London angerichtet worden nt, beträgt 250 000 Pfund. „Daily News" schreibt hierüber: Schon allein finanziell ist dies eine fehr ernsthafte Angelegenheit in einer Zeit, in der jedes einzelne Mitglied der Regierung darauf drängt, daß es die Pflicht eines jeden ist, selbst die kleinste Sparsamkeit im privaten täglichen Leben zu üben. Möglicherweise haben die Leute, die die Läden plünderten, nicht überlegt, daß aller Schaden, der durch ihre Tollkühnheit angerichtet worden ist, durch sie selbst und durch die anderen Steuerzahler wieder aufgebracht werden muß.
Deruburgs Dampfer in Kirkwall etugebracht.
Nach einer Meldung der „Frkf. Ztg." aus Bergen ist das Dampfschiff „Bergensfjord" mit Dernburg an Bord nach Kirkwall eimebracht worden.
Russische Verluste in einer unbekannten Ostseeschlacht.
Nach den „Baseler Nachrichten" gibt der russische Marinestab, wie die „Kriegsztg/ des „V. L.-A." meldet, die Verluste einer bis jetzt nicht erwähnten Seeschlacht in der Ostsee bekannt. Die Russen haben danach dort 110 Offiziere und 356 Mann an Toten, 3 Offiziere und 309 Mann an Verwundeten verloren.
Besteuerung der Kriegsgewinne.
Von einzelnen Handwerkskammern ist beim Deutschen Handwerks- u. Gewerbekammertage eine einheiMche Stellungnahme für eine angemessene Besteuerung der Kriegsgewinne beantragt worden. Die Handwerkskammern sind nunmehr seitens des Kammertages zur Erstattung von Gutachten aufgefordert worden und soweit bisher Beschlüsse vorliegen, wird eine solche Besteuerung grundsätzlich für notwendig erachtet.
Das Urteil gegen Dewer.
Reuter meldet aus Bloemfontain: Dewet ist zu sechs Jahren Gefängnis und 2000 Pfund Sterling Geldstrafe verurteilt worden.
Meine Erlebnisse im Felde.
Aus dem Feldpostbriefe eines jungen Offiziers, der inzwischen mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden ist, geben wir einige interessante Stellen ^wieder.
G. C. Wir liegen an der Aisne'einem mittelgroßen Fluß, auf dem hohen Bergrücken, der vor dem Flusse siegt. Die Höhen ringsum sind völlig kahl, nur an den Bergesabbängen finden sich Waldungen, meist uralte Bäume, die aber jetzt zum großen Teil vö g Zerfetzt und zersolittert sind. Dort, wo unser Regiment steht, stand großes Gut, das, da es in der vordersten Front lag, völlig zerschossen ist. Rechts von uns steht Regiment
8 natürlich auch auf dem Höhenrücken. Es hat einen, etwas iiber den Höhenrückenherau^
Bera besetzt, den sogenannten Denkmalsberg. Hier ö nÄ bis vor wenigen Wochen, ein großes Denkmal evrb muß einstigen, daß wir hier an einem groß- RstorisLen Orte steSen. Schon 1814 und 1870 haben fiter große Kämpfe stattgefunden. Und zwar war es 6ama?s - 1814 Aücher - Deutschen nicht gelungen, sich tn den Besitz dieses Berges zu setzen. Da nun die
Heb in den Besitz dieses Berges zu setzen. Da nun die »M b»ÄÄ« Ä ÄÄ
innern Ton. Don diesem Denkmal ist jetzt nicht viel mehr übrig als die Grundpfeiler. Auch links von uns zieht sich der Höhenrücken hin.
Es ist 2 Uhr nachmittags. Am Morgen hat es etwas geregnet, aber jetzt haben sich die Wolken verzogen und fast scheint es, als wollte die Sonne uns noch einmal mit ihren lieblichen Strahlen begrüßen. Wir verlassen den Ort Boueonville am Südwestausgange. Schon vorher haben wir das geschäftige Treiben der deutschen Soldaten, das Hin- und Herfahren von Lastwagen, Proviant- und Munitionskölmlnen, die Meldereiter, überhaupt das rege militärische Leben im Orte betrachtet. Am Dorfausgang treffen wir auch noch die Feldküche, die soeben wohl mehr als 100 von hungrigen Soldaten- magen gestopft hat. Der Weg führt anfangs durch Wiesen und Rübenfelder, dann durchschneidet er einen kleinen Hain, und nun hält er geraden Wegs auf den Bergrücken zu. Zu beiden Seiten der Straße und auch auf ihr selbst sehen wir große, trichterförmige Löcher, die immer häufiger werden, je mehr wir uns dem Fuße des Berges nähern. Fast könnte man denken, wenn man von weitem auf die Flur sieht, das Feld sei um- gepflügt worden, aber dem ist nicht so. Es waren die großen Granaten der schweren englischen Geschütze, die sich mit furchtbarer Wucht in den Boden gerannt und die Erde herausgeschleudert haben. Doch allzu gefährlich sind die englischen nicht, da die Hälfte von ihnen nicht krepieren. Sie bohren sich tief hinein in die Erde und tun keinem Menschen etwas. Wenn sie aber krepieren, dann regnet es im Umkreis von 50 Metern Steine, Erdklumpen und Granatsplitter. Da heißt es dann, rasch hinlegen und niederducken.
Stach einer halben Stunde kommen wir zum Kloster, das unter dem Geschützfeuer stark gelitten hat und fast ganz zerstört ist. Eine Granate nach der andern ist in das alte Mauerwerk gesaust und hat große Löcher gerissen, bis dann die Zerstörung vollständig war. Nun noch 100 Meter und wir haben den Fuß des Rückens erreicht. Bisher war der Weg leidlich, aber jetzt ist kaum durchzukorumen, so matschig und schmierig ist der Boden. Wir kommen wieder in den Wald hinein, in den sogenannten Granatgarten. Es ist das Stück Wald, das vor dem toten Punkt liegt, und in das alle Granaten, die knapp über das Ziel (Bergrücken) hinwegsausen, einschlagen. Infolgedessen sieht es dort wüst aus. Die Baumkronen sind heruntergerissen, die Stämme zersplittert und umgebrochen. Jetzt sind wir fast oben, da bietet sich uns ein lustiges Bild. Ueberall, an allen Ecken und Enden stehen, fest an den Berg gedrückt, kleine Laubhütten, meistens sind es nur Höhlen mit einem kleinen Vorbau. Wir sind im Bereich des . . . Bataillons. Hier hat der Soldatengeist erfinderisch und ent- deckerisch gewirkt. Jede Gruppe hat ihr eigenes Heim, kunstvoll ist es ausgebaut und dann häuslich und gemütlich eingerichtet. Eine Schütte Stroh bildet Bett, Stuhl und Sosa. Der Tisch wird durch einen Baumstumpf markiert usw. Die Hütten und Höhlen sind mit einander durch kleine Wege und Gärige verbunden, und darin herrscht Leben und Verkehr. Hier geht eine Gruppe mit Kochgeschirren zur nahen Wasserstelle, dort holen andere frisches Stroh, diese zimmern sich ein paar Dachbalken zurecht, andere wieder sind eifrig bemüht, jede Ritze zuzustopfen, damit es darin hübsch warm bleibt, kurzum man glaubt sich auf der Schützenwiese in der Heimat. Wir gehen jetzt wieder hinauf auf die Höhe aus dem Walde heraus zum Bereich des . . . Bataillmrs. Jetzt bietet sich uns ein ganz anderes Bild. Während vorhin alles sehr friedlich aussah, merkt man jetzt nur zu gut, daß wir im Krieg sind, daß wir die Absicht haben, den Feind zu vernichten. Vor uns liegt ein kleines Dorf, Hurtebise war es genannt, aber Hurtebise ist nicht mehr, es war einmal. Nackte Mauern,, halbzerrissene Giebel, eingestürzte Häuser, vereinsamte Mauerpfeiler, das ist Hurtebise. Wir gehen näher heran, um das Werk französischer Granaten noch genauer zu besehen. Wir müssen in einen Laufgraben gehen und uns etwas ducken, denn in der Luft pfeift es und singt es von Gewehr- und Schrapnellgeschossen. Jetzt sind wir mitten drin. Alles ist ein großer Schutthaufen. Verkohlte Balken, Dachsparren, ein halb eingestürztes Gattertor, ein eisernes Bett, Möbelrefte, alles liegt durcheinander. Tief unter all den Mauern und all den Trümmern aber liegen mehrere Keller, mühsam sind sie in das Gestein gemeißelt und besitzen alle eine mehr als meterstarke Decke. Wir gelten zurück zu den Eingängen. Immer gehen wir in mehr als mannstiefen Gräben, denn wer kann wissen, ob nicht gerade im Augenblick ein Gruß vom Feinde kommt. Der Gang wird schmäler, und jetzt Seht es sogar noch hohe Stufen hinab. Wir stehen am singang, der durch eine Brettertüre geschlossen ist. Letztere ist natürlich von Soldatenhänden gefertigt. Wir treten ein. Eine dumpfige, rauchige Luft strömt uns entgegen, aber es ist warm, schön warm drin. Jeder Keller wird von einem Zug bewohnt. In einem viel kleineren Nachbarkeller haben es sich die Herren Offiziere bequem gemacht. Es ist die „König Friedrich Augusthöhle". Hier herrscht nun ein ganz unerhörter „Lnxus". Der Erdboden ist mit Brettern belegt, die Schlafstätten sind richtige Matratzen, und an der einen Seite ist ein richtiger Kochherd errichtet, an dem tagtäglich ein lukullisches Mahl bereitet wird. Ich hatte die Freude, mehrmals zu Tisch eingeladen zu sein, und da setzte man mir Fleischbrühe, Braten, Gemüse und als Nachtisch sogar Brot mit Butter, man denke hier Butter, und Käse vor. Doch ich will Euch den Mund nicht zu wäss'rig machen, sondern schlage Euch vor, mit mir einen Rundgang durch die Stellung zu machen. Wir verlassen unsere Behausung und benutzen wieder den Laufgraben, der mehrfach überbrückt ist, um vom Flankenfeuer verschont zu bleiben. Wir kriechen also unterm „Prebisch- tor" und dem „Kuhstall" hindurch und schlagen den Weg nach „Eichgraben, Schießstände", ein. (Das Dorf Eich- graben liegt bei den Zittauer Schietzstanden.) Nach einigen Minuten kommen wir zur „Zwei Kaiserecke". Wir müssen den „Kaiser Franz Josef-Steig" wählen, denn die „Kaiser Wilhelmstraße" führt zu den Beyan- snngen der anderen Kompagnien, denen wir nachher einen Besuch abstatten wollen. Nur noch wenige Schritte und wir sind im Hinteren Schützengraben. Ich muß iffen sagen, daß er in seiner Ausführung nullt vorbildlich gearbeitet ist. Wir sehen uns die Schießscharten und Unterstände an. Dann kommen mir zum Geschütz, das einige Artilleristen haben einbauen müssen. Jetzt kommen wir an den Annäherungsgraben, der zu den neuen Schützengräben führt. Tag und Nacht arbeiten wir nun an der Befestiauttg unserer Stellung. Neulich haben wir vor dem Graben Drahthindernisse angebracht usw. Hier habe ich meinen Wachdienst.
(Schluß folgt).
o
Vermischtes.
Ein Gnadenerlaß des Kaisers. Der Kaiser hat dem sozialdemokratischen Redakteur Blechschmidt in Zeitz, der wegen Beleidigung der dortigen Stadtverordnetenversammlung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, die Strafe auf dem • Gnadenwege vollständig erlassen.
I Nach dem Beispiel des Königs. Die „Mönchener Post" ! erzählt folgendes nette Geschichtchen: In der Nähe von Ludwigs- . Hafen ist eine Ziegelei, die Italiener beschäftigt. Ungefähr sechzig
von diesen meist oberllallensschen Arbettern hatten den Destellungsc befehl erhalten. Der amtlichen Anordnung gemäß begaben sie sich zum italienischen Konsul in Mannheim, um das Reisegeld nach den Gefilden des heiligen Egoismus in Empfang zu nehmen. — Es war sehr heiß. Und als sie das vaterländische Geld in der Tasche fühlten — es war das erste und das einzige, das sie aus der italienischen Heimat jemals erhalten hatten —, wuchs ihr Durst. Und sie stillten ihn, zwar nicht mit dem Blute der Barbaren, aber mit anderem edlen badischen Safte. Dann gingen sie stillvergnügt wieder zu ihren pfälzischen Ziegelschuppen zurück. Dem ,Capo", der sich verwundert stellte über die schnelle Rückkehr der Einberufenen und sie mit listigem Aeugleinzwinkern frug, ob der Krieg schon vorbei sei, antworteten sie: „Hat der König nicht sein Wort gehalten, braucht es der arme Arbeiter auch nicht!"
Kirchenbrand in Berlin. Das Gotteshaus der katholischen Sankt-Corpus-Christi-Gemeinde in der Thorner Straße zu Berlin ist am Montag in der dritten Nachmiltagsstunde von einem verheerenden Feuer heimgesucht worden. Das Innere wurde zum größten Teil vom Brande verzehrt, der Dachstuhl seiner ganzen Ausdehnung nach vernichtet. Menschenleben sind nicht zu Schaden gekommen. Wahrscheinlich liegt Brandstiftung vor. Die Feuerwehr dämpfte den gewaltigen Brand durch große Wassergaben. Der Schaden beträgt nach vorläufiger Schätzung etwa 100 000 MK., der nur zum Teil durch Versicherung gedeckt ist. Der große, etwa 300 Jahre alte Barockaltar, der von einem Freunde der Kirche aus einem alten schlesischen Gotteshause erworben wurde, und der zunr Teil eigenartige Schnitzereien zeigte, war nur mit 10 000 MK. versichert. Ferner fielen dem Brande sechs Oelgemälde, die den Leidensweg Christi darstellen, zum Opfer. Sie hatten einen Wert von etwa 10000 MK.
Ein Ueberschlauer. Der „Hann. Courier" erzählt von einer Pferdemusterung folgendes lustige Geschichtchen: Es waren ein paar wunderschöne Pferde und der Pferdehändler M. hätte sie gar zu gern für sich behalten. „Ich kriege doch längst nicht den Preis, den sie wert sind, wenn sie gemustert werden." Und so überlegte er jeden Tag, wie er seine beiden Braunen vor Schrapnells und Granaten bewahren konnte. 1. Ausmusterungs- tag. M. sieht sich die angekommenen Pferde der Reihe nach an. „Du", sagte er zu seinem Bekannten, „ich gebe Dir ein gutes Trinkgeld, wenn Du Deine Pferde zum zweiten Male vorsühren läßt."' Es geschieht und die Sache klappt; Die zum zweiten Male vorgeführten Pferde werden für die des schlauen Pferdehändlers gehalten. M. zieht ftohen Herzens mit seinen gewissermaßen neuerstandenen Lieblingen nach dem heimatlichen Stalle. Weib und Kind sind voll der Bewunderung über das Genie ihres Ernährers. — 2. Ausmusterungstag. M. hegt Bedenken, ein zweites Mal die gleiche Sache zu versuchen. Er macht es anders: „Herr Leutnant, es hat gar keinen Zweck, daß ich meine Pferde vorführe, das eine ist dampfig und das andere hat einen Kopf." So sagte M. zu der musternden Militärperson. „Ja, aber sehen müssen wir die Pferde." Schweren Herzens führt der Händler seine Lieblinge vor. „Die Pferde sind gut, und wir können sie gebrauchen." M. hört es wie die Posaunen des jüngsten Gerichtes, und er knickt ganz zusammen, als der Leiter des Musterungsgeschäft fortfährt: Wir hätten Ihnen für die Tiere 3000 Mark gegeben, aber da Sie so aufrichtig sind und sagen, das eine Pserd sei dampfig und das andere habe einen Kröpf, was aber garnicht auffällt, so können wir Ihnen nur 1750 Mark bewilligen." — M. bat, ihm doch die Pferde zu lassen, er wollte ja gern 500 Mark dafür anlegen, damit er sie behielte. Aber seine schönen Pferde zogen in den Krieg!
Eine tapfere Tirolerin. Aus Tirol wird der Wiener „Arbeiter-Zeitung" folgende „Kriegsgeschichte" berichtet: Die Strolche, die im letzten Jahr am 28. Juni während des Sonntagsgottesdienstes beim Stockbauern in Tux einbrechen wollten, aber von der Tochter mit einer alten Fuchsraffel „fortgeplöscht" wurden, kamen am letzter! Sonntag wieder, um die angedrohte Rache zu nehmen. Wieder war wegen des Gottesdienstes die Tochter allein zu Hause. Nun drohten die beiden, diesmal ihr den Garaus zu machen. Aber die Tochter hatte vorher ihren Plan erlauscht, wenn Männer zu Hause sind, das Haus anzuschüren, falls aber die Tapfere vom vorigen Jahre zu Hause sei, sie abzumurksen. Deshalll hatte sie gleich einen alten Säbel von der Kammer herabgeholt und so ging der Kampf los. Als die Haustür bedenklich ächzte, öffnete die Tochter sie plötzlich vollständig nnd hieb einen mit dem Säbel hinaus auf den Arm, schloß die Tür vor dem Zurückweichenden schnell wieder und lief in die neben der Tür liegende Speisekammer, wo der zweite Strolch durchs Fenster einsteigen wollte. Diesem hieb sie noch mit dem Säbel über die Achsel, als sie selbst schon einen Revolverschutz durch die Hand erhalten hatte. Dann gab sie den Kampf auf, eilte zur Hausglocke und läutete Sturm auf dem Dache. Das benahnc den beiden den Mut völlig und sie räumten den Kampfplatz.
gegangen sein! (Jugend.)
Weitere Drahtnachrichten.
Der Einzug in Lemberg.
&-£■ Wien, 23. Julni. (WTB.) Aus dem Kriegs- presiequartier wird gemeldet: Ein General der siegreichen zweiten Armee aab seine Eindrücke beim Einmarsch in das befreite Lemberg mit folgenden Worten wieder: Der Einzug in Lemberg war von hinreißender historischer Grütze. Der Jubel der Bevölkerung war überwältigend. Es war ein Erlebnis, das sich kaum beschreiben läßt.
Jubel in Berlin nnd Wien.
öse?’ Berlin, 23. Juni. (WTB.) Aus die Nachricht von der Eroberung Lembergs fanden abends an den belebtesten Punkten der Stadt Freudenkundqebungen statt, die bis in die späten Nachtstunden dauerten. Stürmische Hochrufe auf die verbündeten Armeen und die beiden Monarchen wurden ausarbracht.
»-»- Wien, 23. Juni. (WTB.) Die Nachricht von der Einnahme Lembergs rief in der ganzen Stadt jubelnde Begeisterung hervor. Ileberall, auch vor dem deutschen Konsulat, fanden große Kundgebungen statt, die bis in die Nacht andauerten. Viele Fenster waren illuminieA. Die Glocken wurden geläutet. Auch aus der Provinz werden Frendenkundgebnngeu gemeldet.
Die Berliner Presse zum Falle Lembergs.
Zur Einnahme Lembergs ''chreibt der „Lokalan- zeiger": Wir teilen die Freude unserer Verbitndcten, die da5 Vaterland schon vom Feinde gesäubert setzen. Das Beispiel der Waffenbrüderschaft, die keine Eifersüchteleien und Vorwürfe kennt, kann nicht ohne Wirkung auf die anderen Völker bleiben.
Die „Vossische Zeitung" sagt, von einer russischen Offensive sei seit den ersten Managen keine Rede mehr. Nach und nach bröckele auch die Defensive b. Es kämen Unruhen in Rußland, die alles bisher dort Erlebte in den Schatten stellen würden. Das stärkste Rotz im Vierbundstalle fei zusammengebrochen.
Im „Bert. Tagebl." sagt Major Moraht, es sei nicht anzunehmen, daß unsere Operottonen auch nur einen Augenblick bei diesem Erfolge ausharren würden. Eine planmäßige Verfolgung der Russen müsse die Vernichtung zur Vollendung bringen. Für den Balkan bedeute die Einnahme Lembergs ein Merkmal für die russische Schwäche und die Stärke der Verbündeten.
Die „Rundschau" schreibt: Der Rückfall Lembergs an die Verbündeten bedeutet für die Puffen den völligen Bankerott ihres galizischen Unternehmens.