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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * ,

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hsrsfeld. Fitz die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im Damtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder-

Holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, j

Nr. 145.

Donnerstag, den 34. Juni

1915

M

Bekanntmachung.

Das Proviantamt in Fulda hat mit dem Ankauf von neuem Heu begonnen. Die Interessenten werden hierauf mit dem Hinweis aufmerksam gemacht, daß es jedes einzelnen Pflicht ist, in diesem Jahre die ver- fügbaren Heumengen lediglich den Proviamtämtern zu verkaufen. Es wird noch bemerkt, daß das Proviant­amt in Fulda auch jede Menge vorjährigen Heues an kauft.

Hersfeld, den 18. Juni 1915.

I. 7888. Der Landrat.

J. :

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Bekanntmachung.

Die Zinsscheine Reihe IV Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konso­lidierten SVapro^entigen Staatsanleihe von 1885 und Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der konsolodierten 3prozentigen Staatsanleihe von 1895, 1896, 1898 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. April 1915 bis 31. März 1925 nebst den Erneue­rungsscheinen für die folgende Reihe werden

vom 1. März d. Js. ab ausgereicht und zwar

durch die Kontrolle der Staatspapiere in Berlin SW 68, Oranienstraße 92/94,

durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staats­bank) in Berlin W 56, Markg- ^senstraße 38, durch die Preußische Central-Genossenschafts-Kasse in Berlin C 2, am Zeughaus 2.

durch sämtliche preußischen Regierungs-Hauptkassen, Kreiskassen, Oberzollkassen, Zollkassen und haupt­amtlich verwalteten Forstkassen, durch sämtliche Reichsbankhaupt- und Reichsbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehenen Reichsbanknebenstellen.

Vordrucke zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Abhebung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Anweisungen, Talons) den Aus­reichungsstellen einzuliefern sind, werden von diesen un­entgeltlich abgegeben..

Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind.

Berlin, den 26. Februar 1915.

Hauptverwaltung der Staatsschulden

(1 291.) v. Bischoffshausen.

Hersseld, den 17. Juni 1915.

Wird veröffentlicht.

I. 7749. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Auf Grund des Artikel 68 der Reichsverfassung in Verbindung mit §§ 4 und 9 des Preußischen Ge­setzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 wird für die Dauer des Kriegszustandes für den Be­zirk des 11. Armeekorps folgender

Befehl

erlassen:

Angehörige feindlicher Staaten, welche der ihnen von den zuständigen Polizeibehörden auferlegten Meldepflicht nicht nachkommen oder ohne Erlaub­nis der zuständigen Behörde den ihnen angewiesenen Aufenthaltsort verlassen, werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft.

Für die russischen landwirtschaftlichen Arbeiter und Arbeiterrinnen verbleibt es bei den Befehlen vom 4. Oktober 1914 und 20. Mai 1915.

Cassel, den 2. Juni 1915.

Der stellv. Kommmandierende General des 11. Armeekorps.

v. H a u g w i tz.

* * *

Hersfeld, den 16. Juni 1915.

Wird veröffentlicht. _ _ .

I. 7589 Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Mabnahmen für das Erntejahr 1915.

Bemerkenswerte Anregungen hinsichtlich ange­messener Behandlung der Henrigen Ernte geben Be­

schlüsse, die der Bayerische Lanöwirtschaftsrat (am 6. Mai) gefaßt hat. Sie lauten:

Der Bayerische Landwirtschaftsrat spricht im Hin­blick auf die Fortdauer der besonderen Verhältnisse der Kriegszeit seine Ansicht dahin aus:

1. Die Beschlagnahme von Getreide ist für das neue Erntejahr 1915/16 mit der Maßnahme aufrecht­zuerhalten, daß sämtliche Vorräte von Getreide, Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste für den Kommunalverband beschlagnahmt werden, in dessen Bezirk sie sich befinden. Das gleiche gilt hinsichtlich der Kleie und anderer Kraftfuttermittel.

2. Die Kommunalverbände haben die Vorräte an Getreide den Landes- bezw. Provinzialsammelstellen anzumelden. Die Landessammelstellen haben die Zu- fammenstellungen der bei ihnen etngegangenen An­meldungen an eine Zentralsammel- und Ausgleichs­stelle weiterzugeben.

3. Diese Zentralsammel- und Ausgleichsstelle hat die bisherige Reichsverteilungsstelle, Kriegsgetreide- Gesellschaft und Reichsstelle zur Kartoffelversorgung zu ersetzen, während dieZentralstelle zur Beschaffung der Heeresverpflegung" und dieZentraleinkaufsge- sellschaft" ihre Tätigkeit bis zur Beendigung des Krieges fortzuführen haben.

4. Die Verwaltung der Zentralsammel- und Aus­gleichsstelle soll möglichst selbständig geordnet und in derselben der Landwirtschaft eine maßgebende Ver­tretung gesichert sein. Dieselbe hat unter Berücksich­tigung des Ausfalls der Ernte und des Heeresbe­darfs festzusetzen:

a) den Verteilungsmaßstab für Brotgetreide und Mehl, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Stadt und Land,

b) die Höchstpreise für Getreide, Mehl, Kartoffeln, Brot, Malz, Kraftfuttermittel und Kunstdünger, wo­bei für Gerste nur ein Preis bestimmt werden darf, anerkanntes Saatgut ist von der Beschlagnahme aus- zuschließen und im freien Verkehr zu belassen,

c) dem Grad der Ausmahlung des Getreides, so­wie eventuell die Erlaubnis zur Verfütterung des­selben.

5) Jeder Vorverkauf von Getreide- und Kar­toffeln der Ernte 1915 ist zu verbieten. Bereits voll­zogene Vorverkäufe werden als ungültig erklärt.

6) Ausfuhr ins Ausland ist für die Dauer des Krieges hinsichtlich sämtlicher in gegenwärtigem Be­schluß genannten Verbrauchsgegenstände zu verbieten.

Kriegsjugendwehr der Sersselder Turnerschaft.

Hinaus in die Ferne mit lautem Hörnerklang." Die Erinnerung an dieses schöne alte Jäger-Marsch- lied aus dem Jahre 1813 wurde wach, als die Kriegs­jugendwehr der Hersfelder Turnerschaft am ver­gangenen Sonntag zu der vorgesehenen Uebung aus der Stadt rückte. Pünktlich um 1 Uhr wurde auf dem Marktplatz augetreten. Die Zahl der Teilnehmer war von 112 der letzten Uebung auf 169 gestiegen. Das Trommler- und Pfeiferkorps des Turnvereins Iahn" hat sich ebenfalls in den Dienst der guten Sache gestellt. So konnte denn um 1 *2 Uhr die statt­liche Wehr, die der vaterländische Geist zusammenge­führt hat, klingenden Spiels, an der Spitze der 1. Abteilung die Spielleute vom TurnvereinIahn", an der Spitze der 2. Abteilung die des Turnvereins Hersfeld, den vorgesehenen Marsch nach dem Stoppels­berg antreten. Im geschlossenen Marsch war bald Bingartes erreicht, woselbst ein kurzer Aufenthalt dem Führer die Gelegenheit bot, die Teilnehmer mit den Aufgaben des Tages bekannt zu machen. Die jugendlichen Gruppenführer erhielten ihre besonderen Anweisungen, sollten doch gerade sie viel Neues sehen und lernen. Mit dem Vorschicken der Patrouillen begann die Uebung. Der Haupttrupp setzte sich nach dem Johannisberg zu mit Seitendeckung im Haune- tal in Anmarsch, und es galt nun unter Beobachtung der nötigen Sicherheitsmaßregeln in möglichst kurzer Zeit den Bahnhof Neukirchen zu erreichen, um dort­selbst größere Munitions- und Lebensmittelmengen, deren Ausladung gemeldet war, abzufangen. Bereits um 4 Uhr war Mauers erreicht, wobei die die Selten- deckung bildende Abteilung ganz hervorragendes im Marschieren geleistet hatte. Bevor Neukirchen erreicht worden war, meldeten die Patrouillen, daß dem Feinde die Ausladung geglückt wäre, und daß seine Kolonnen sich bereits hinter den Hohen des Stoppels­berges in Sicherheit gebracht hatten. In beschleunigter Marschordnung ging es nun durch Neukirchen, um den Stoppelsberg zu besetzen. Der Aufforderung des Führers, daß nur solche den Berg miterstürmen sollten, die sich noch kräftig fühlten brannte doch die Sonne UM 2 beantworteten alle mit einem ungestümen Vorgehen. Kurz vor dem letzten Aufstieg schlugen die Trommler an und mit einem kräftigen Hurra stürmte die jugendliche Schar auf den breiten zum Lagern wohl geeigneten Bergkegel. Gegen -6 Uhr hatte die Uebung ihr Ende erreicht, sodaß sich nun ein jeder der wohlverdienten einstündigen Ruhepause er­freuen durfte. Einem mächtigen Feldkessel entströmte der Duft eines wirklich guten Kaffees; schnell waren

alle Trinkgefäße gefüllt und die Brüter den Ruck- taschen entnommen. War's Wunder, wenn es schmeckte? Das Stündchen der Ruhe ging leider gar zu schnell vorüber. Um 127 Uhr wurde wieder angetreten, die beiden allbekannten Lieder:Turner auf zum Streite" undO, Deutschland, hoch in Ehren" wurden beim Abschied von der schönen Bergeshöhe gesungen, und nun ging es durch den Wald hinunter nach dem Bahnhof Neukirchen, von wo die Heimreife mit der Bahn erfolgte.

Der stattliche Zug ordnete sich wieder am Bahn­hof Hersfeld. Er führte durch die Klausstraße nach dem Marktplatz, wo er sich nach einem strammen Parademarsch auflöste.

Konnte die Leitung auch zu ihrer großen Genug­tuung feststellen, daß alle Teilnehmer freuderfüllt und mit dem Vorsatz im Herzen, bei der nächsten Uebung gewiß nicht fehlen zu wollen, den Uebungs­tag beschlossen, und konnte ferner die Leitung die Wahrnehmung machen, daß die Herrn Geschäftsinhaber in freundlicher zuvorkommender Weise ihren jungen Leuten die Gelegenheit zur Teilnahme gewährt hatten, so darf doch andererseits nicht verschwiegen werden, daß immer noch eine geringe Anzahl Jugendlicher der herzlichen Einladung der Gauleitung zum Ein­tritt in die Wehr bisher nicht entsprochen hat. Auch die wenigen jungen Herren, die sich von den Vorgärten oder von den Fenstern aus den Vorbeimarsch am Sonntag Abend ansahen, sind nochmals zur Teilnahme auf das herzlichste gebeten.

Die Herren Minister des Innern, der Unterrichts- Angelegenheiten und des Krieges haben in ihrem gemeinsamen Erlaß vorn 16. August 1914 die Er­wartung ausgesprochen, daß auch diejenigen jungen Männer, die bis jetzt den Veranstaltungen für die sittliche und körperliche Kräftigung ferngeblieben sind, es nunmehr als eine Ehrenpflicht gegenüber dem Vaterlande ansehen, sich freiwillig zu den angesetzten Uebungen usw. einzufinden.

Es liegt gewiß nicht in der Absicht der.Säumigen, sich dieser Ehrenpflicht in dieser großen ernsten Zeit zu entziehen!

Bus der Heimat«

* (Wer spart in der Zeit---) Noch weiß niemand, wie lange der Krieg dauern wird. Fürsorge und Organisationsgeist der Deutschen haben sich bisher als ganz vortrefflich erwiesen. Die deutsche Heeresverwaltung läßt nun den Ruf an die Truppen im Felde ergehen, mit den Wintersachen, die jetzt ab­gelegt werden, sparsam umzugehen, damit nichts um= komme. Auch die Daheimgebliebenen werden gut tun, den Ruf, der zwar nicht direkt an sie gerichtet ist, zu beherzigen.

):( Hersfeld, 23. Juni. Die große Siegesnach­richt, längst erhofft und dennoch so frühzeitig nicht erwartet, wurde gestern Abend kurz nach 8 Uhr be­kannt, überall freudigste Begeisterung erweckend. Lemberg gefallen, die Fahnen heraus! Und inner­halb weniger Minuten hatte unsere Stadt ein prächtiges Flaggengewand. Auch die Glocken ließen die eheren Stimmen erklingen, den großen Sieg der Verbündeten in die nähere und fernere Umgebung zu tragen.

):( Hersfeld, 23. Juni. Dem Kriegsfreiwilligen Einj. Gefr. Hermann Beyebach vom Rhein. Pionier-Battl. Nr. 7, Sohn des Herrn Stedtsekretärs Beyebach hier, wurde dasEiserne Kreuz" 2. Klasse verliehen.

Heringen a. Werra, 22. Juni. Sonntag nacht ist ein kriegsgefangener Franzose, der unter den auf Gewerkschaft Wintershall beschäftigten Kriegsge­fangenen sich befand, entflohen. Er arbeitete in der Schmiede und hatte sich einen Dietrich zu verschaffen gewußt. Er ist hier als Dolmetscher verwandt worden. Seine Flucht bewerkstelligte er in Zivilkleidern. Er trägt blaue Hose, Sweater, Rucksack, rote Mütze.

Cassel, 22. Juni. Die Landesversicherungsanstalt hat sich an der Kriegsanleihe mit 15 Millionen Mark beteiligt, den Gemeindeverbänden 3 Millionen Mark gering verzinsliche Darlehen zur Verfügung gestellt und für sonstige soziale Kriegsaufgaben bisher rund 470 000 Mark bewilligt.

Aus dem Senuelager, 22. Juni. Gestern abend brach im Gefangenenlager in einer mit Küchenvor- räten aller Art gefüllten großen Holzbaracke aus bis­her nicht aufgeklärter Ursache Feuer aus, das alsbald lichterloh emporschlug und einen gewaltigen Qualm entwickelte. Die Militärverwaltung traf sofort An­stalten, um mit Wasser und Spaten den Brand zu dämpfen, doch war die Glut zu arg, als daß eine Rettung des Gebäudes und dessen Inhaltes geglückt wäre. Auch die Gefangenen halfen tatkräftig löschen. Das Gebäude brannte gänzlich nieder. Da auch die nahestehenden Bäume Feuer gefangen hatten, gelang es nur mit Mühe, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Man fchätzt den Schaden aus mehr als vierzigtausend Mark.