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Sehfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Fitz die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im ' amllichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- j holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 144.

Mittwoch, den 33. Juni

1915

Bus der Heimat«

* (Unterstützungsgesuche der früheren Heeres­angehörigen.) Unterstützungsgesuche werden von ehemaligen Heeresangehörigen des Mannschaften- standes und von Unterbeamten der Militärverwaltung sowie von ihren Hinterbliebenen häufig unmittelbar an das Kriegsministerium gerichtet. Ueber derartige Gesuche haben aber die örtlich zuständigen stellver­tretenden Generalkommandos entweder selbständig zu entscheiden oder mindestens Ermittelungen über die Verhältnisse der Unterstützungsbedürftigen anzustellen. Letzteres geschieht durch Inanspruchnahme des Be­zirkskommandos. Um Verzögerungen in der Er­ledigung der Unterstützungsgesuche zu vermeiden, kann den Bittstellern der vorerwähnten Unterklassen somit in ihrem eigenen Interesse nur dringend ge­raten werden, sich an das für ihren Wohnort zuständige Bezirkskommando zu wenden, das die Gesuche dem ihm vorgesetzten Generalkommando vorzulegen hat. Die Bewilligung der Kriegsteilnehmer (Veteranen)- Beihilfen erfolgt durch die Zivilbehörden. Gesuche um diese Beihilfe sind daher stets an die Ortsbehörde zu richten. Durch Eingaben an das Kriegsministerium geht auch hier nur unnötige Zeit verloren.

* (Die Löhnung der Kriegsgefangenen.) Auf eine Anfrage, ob der Familie eines Kriegsge­fangenen dessen Löhnung während der Gefangenschaft ausgezahlt wird, hat das Kriegsministerium folgende Antwort erteilt:Denjenigen Angehörigen, deren Ernährer der in Gefangenschaft befindliche Löhnungs­empfänger ist, kann die volle Löhnung oder ein Teil derselben vom Bataillonskommando auf Antrag be­willigt erhalten. Den Angehörigen von Gehalt em­pfangenden Kriegsgefangenen kann das Divisions­kommando bis zu sieben Zehntel des Gebaltes be­willigen. Sämtliche fteUüei.ietea^.i Kommandobe­hörden sind vom Kriegsministerium auf diese unter Kriegsbesoldungsvorschrift enthaltene Bestimmung noch besonders hingewiesen worden mit dem Ersuchen, die Nachgeordneten Dienststellen zu veranlassen, Ange­hörigen von Kriegsgefangenen entsprechende Auskunft zu geben und ihnen zur Erlangung der Gebührnisse behilflich zu sein." Da nur wenige Personen der zum Heeresdienst eingezogenen Personen Kenntnis von dieser Bestimmung haben dürften, teilen wir sie mit.

* (Es fehlt noch eine Milliarde Goldmünzen!) Von neuem ergeht die dringende Mahnung an das Deutsche Volk, alle Goldmünzen an die Reichsbank abzuliefern. Trotz den von allen Seiten eingeleiteten Bestrebungen, das noch im Umlauf befindliche Gold der Reichsbank zuzuführen, sind immer noch etwa 1000 Millionen Mark versteckt und ungeschützt im privatem Besitz. Das Gold gehört in die Reichsbank zur Stärkung unserer Kriegsausrüstung ; nur die Reichs­bank ist berufen und in der Lage, über den nationalen Goldschatz so zu verfügen, daß er zum Heile des Vater­landes in denkbar höchstem Maße wirksam wird.

* Die Einziehung der Zeitungsgelder durch die Briefträger erfolgt in der Zeit vom 15. bis einschließ­lich 25. des letzten Monats im Vierteljahr kostenlos. Die Briefträger usw. sind zur vollgültigen Quitttungs- leistung über die erhobenen Zeitungsgelder berechtigt. Die Vorteile, die diese Einrichtung für das Publikum bietet, springen in die Augen, wenn man berücksich­tigt, daß der regelmäßige Fortbezug der Zeitungen gesichert, der Gang zur Post und das Warten an den Schaltern, die am Vierteljahrsschlusse besonders stark in Anspruch genommen sind, erspart wird.

* (S o m m e r s A n f a n g.) Heute um 1 Uhr nach­mittags, trat die Sonne aus dem Zeichen der Zwillinge in das des Krebses und erreichte gleichzeitig den höchsten Stand in ihrer scheinbaren Jahresbahn. Damit be­ginnt im astronomischen Sinn der Sommer. Will man von dem Verlauf des Frühjahres Schlüsse auf die mutmaßliche Witterung des eigentlichen Sommers ziehen, so kann man nur sagen das eine so frühzeitige Hundstagshitze, wie wir sie in der ersten Junihälfte bereits gehabt haben, im allgemeinen kein günstiges Vorzeichen für den Hochsommer ist. Pflegen doch Pe­rioden der Wärme und Trockenheit mit anderen der Kühle und des Regenreichtums ziemlich regelmäßig abzuwechseln. Es läßt sich nur nicht mit Bestimmtheit Voraussagen, wie lange die jeweiligen Perioden dauern. An Hand früherer Erfahrungen ergibt sich aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, daß dem trockenen und warmen Vorsommer, früher oder spater eine Pe­riode anhaltender Kühle und regnerischer Witterung folgt. Ob diese schon bald einsetzt - was wünschens­wert wäre, oder ob sie uns in der Zeit der eigent­lichen Hundstage überfällt, wenn sie im Hinblick auf Ernte- und Reisezeit am unerwünschtesten ist, das läßt sich zurzeit nicht sagen. Allerdings kann, wie im vergangenen Jahre, sehr wohl auch der ganze Sommer seinen warmen Charakter behalten, was auf alle Fälle einem kühlen Hochsommer vorzuziehen wäre, sofern sich nur bald die erforderlichen Niederschläge, sei es in Form starker Gewittergüsse oder noch besser in Ge­stalt verbreiteter Landregen, einstellen.

* (Ein e Mahn u ng an die Landwirte).

Die Landwirtschaftskammer schreibt: Die wichtigste Zeit für den Landwirt ist der Sommer und der Herbst. Hier gilt es für den langen Winter zu sorgen, Vor­räte einzusammeln für die Erhaltung und Vermehrung des Viehbestandes. Letzterer hat gerade im gegen­wärtigen Kriegsjahr eine besondere Bedeutung wegen der Fleischversorgung der Bevölkerung. Ein vor­sichtiger Landwirt macht bei Beginn der neuen Ernte seine Scheunen nicht leer. Er behält vielmehr einen Vorrat für die spätere Zeit, da er nicht weiß, was die Witterungsverhältnisse bringen. Deshalb sollten unsere Landwirte ihre alten Heu- und Strohvorräte sorgsam hüten und nicht abstoßen. Das Heu ist eines der wichtigsten Futtermittel im landwirtschaftlichen Betrieb in der Zukunft.

§ Hersfeld, 22. Juni. Leutnant und Kompagnie­führer im Grenadier-Rgt. Nr. 3, Dr. AlfonsReuß ist am 1. Juni mit demEisernen Kreuz" 1. Klasse ausgezeichnet worden.

Vebra, 21. Juni. Das Ritterkreuz 1. Klasse mit Schwertern des Kgl. Sächsischen Albrechtsordens wurde verliehen dem Postdirektor Grieneisen aus Bebra, z. Zt. Feldpostmeister auf dem westlichen Kriegsschauplatz.

Königswald, 17. Juni. Unter zahlreicher Be­teiligung wurde gestern das einzige Söhnchen des Lehrers Haßenpflug von hier zu Grabe getragen, welches einen tragischen Tod erlitt. Es begab sich vor einigen Tagen in ein Nachbarwohnhaus. Hier hatte die Hausfrau einen Topf heiße Suppe auf den Erdboden gestellt und sich auf kurze Zeit aus dem Raume entfernt, um noch einige Zutaten zur Suppe zu holen. Während dieser Zeit betrat das Kind den Raum und fiel auf unaufgeklärte Weise in den Topf mit der noch kochenden Suppe, wodurch es sich erheb­liche Brandwunden zuzog. Die Eltern ließen den Knabe: in das Landkrankenhau 5 Esckwege überführen, woselbst er jedoch seinen Verletzungen erlag.

Cassel, 20. Juni. Wie seinerzeit berichtet wurde sind anläßlich 'des Hinscheidens der Frau Geheimrat Henschel von ihrem Sohn, dem Geheimen Kommer- zienrat Dr. ing. Henschel neben einem Betrage von 250 000 Mk. die Mittel zur Verfügung gestellt, um den Platz vor dem Roten Kreuz-Krankenhaus zu er­werben. Die Kaufkosten des Platzes und seine gärtnerische Herstellung des Parkes sollen 269 000 Mk. betragen. Die Stadt Cassel hat sich entschlossen, den Platz nunmehr zu erwerben, ihn herrichten zu lassen und ihm den Namen Sophie Henschel-Platz zu geben. Zum Andenken an die Stifterin soll dort ein Er­innerungsmal errichtet werden, ein Brunnen oder ein ähnliches Bildwerk ist vorgesehen. Das Denkmal soll den in Cassel lebenden und in Cassel geborenen Künstlern Gelegenheit zur Betätigung geben; es soll ein Wettbewerb ausgeschrieben werden.

Cassel, 21. Juni. Der städtische Kartoffelverkauf beginnt hier am heutigen Montag. Ausgelesene Speisekartoffeln werden bei Bestellungen von einem Zentner und mehr den Käufern durch die Stadtver­waltung frei in die Wohnungen geliefert. Der Preis beträgt 3,50 Mark für den Zentner.

Marburg, 21. Juni. Die Polizeiverwaltung gibt folgendes bekannt: Es ist nicht ausgeschlossen, daß feindliche Flieger bis Marburg gelangen und Schaden zu stiften versuchen. Bei dem Nahen eines Fliegers ankttndigenden Geräusche ist die Straße zu meiden, sofern es nicht bekannt ist, daß lediglich einer unserer Flieger naht. Der Sicherheit halber sind die unteren Räume der Häuser aufzusuchen und Kinder vor allem in diese zu verweisen. Ein besonderes Sig­nal wird von uns nicht gegeben werden.

Hann. Münden, 21. Juni. Die beiden russischen Offiziere Oberleutnant Bogdanow und Leutnant Borissowitsch, die vor ea. zehn Tagen aus dem hiesigen Reservelazarett entwichen waren, sind in der Nacht vom Freitag auf Sonnabend in Warendorf bei Bielefeld wieder eingefangen.

Siegen, 20. Juni. Vier zwanzigjährige Burschen fielen, über zwei verwundete Soldaten, die ihnen wegen der Mißhandlung eines jungen Mannes Vor­haltungen machten, her und richteten sie mit ihren Stöcken in gemeinster Weise zu. Einem der Soldaten, der im Felde schon ein Auge verlor, wurde das andere von den Patronen auch noch ausgeschlagen, sodaß er jetzt völlig erblindet ist.

Witzenhaufen, 21. Juni. Die Frage unseres Elektrizitätswerkes, die schon fett Jahren oft die Ge­müter erregt hat, ist nun zu einer besseren Regelung gekommen. Das Werk, das von seinen Gründern vor längerer Zeit in den Besitz der Siemens-Schnckert- Werke übergegangen war, wurde von diesen inzwischen all die hessischen Elektrizitätswerke in Rommerode weiterverkauft. Mit dieser Firma ist ein neuer Ver­trag abgeschlossen worden, der zunächst den alten als drückend empfundenen Vertrag aufhebt. Die Firma liefert das Licht für die nächsten Jahre noch von dem bestehenden Witzenhäuser Werk. Während dieser Zeit steht der Stadt ein Verkaufsrecht an dem Werk zu. Falls die Stadt hiervon keinen Gebraucht macht, wird

die Firma später den Strom vom Werk in Romme­rode liefern. Die Stadt tritt ferner als Gesellschafter bei der Firma ein und hat aus diesem Grunde eine größere Summe von Anteilscheinen überwiesen be­kommen. Der Sitz der Gesellschaft würde später nach Witzenhaufen verlegt werden. Diese Veränderungen, die auch eine größere Preisermäßigung für Licht bringen werden, werden in bestimmter Zeit nach dem Kriege in Kraft treten.

Koburg, 19. Juni. Das Städtchen Rodach steht seit gestern Nachmittag in Flammen. Bisher sind 16 Wohnhäuser niedergebrannt.

Duderstadt, 18. Juni. Der Niesenbrand, der unsere Stadt gestern heimgesucht hat, konnte, nachdem kurz nach Mitternacht die Hannoversche und die Hort- heimer Feuerwehr zu tatkräftigem Eingreifen an der Brandstätte erschienen waren, eingeöämmt werden und heute morgen war die Gefahr beseitigt. Die Kirche der evangelischen Gemeinde hat nicht mehr ge­rettet werden können,- nur kahle Mauerreste starren zum Himmel. Gegenwärtig schweben in den ver­nichteten Vierteln nur noch die verkohlten Balken­reste und ab und zu steigen Rauch und Funken aus dem gewaltigen Schutthaufen. Die vernichteten Stadt­teile, die zur Hälfte in Asche gelegte Spiegelbrücke, die untere Marktstraße, die Haberstraße, bieten ein trostloses Bild der Vernichrung. Leider ist auch ein Menschenopfer zu beklagen. Das siebenjährige Töchterchen des Winterschuldirektors Kostlan, das auf der Straße stand und in die gewaltige Lohe blickte, wurde von einem beim Hauseinsturz umherfliegenden Holzstück so schwer getroffen, daß das Gehirn zutage trat. Das Kind war sofort tot.

Hünfeld, 21. Juni. Die amtlich festgestellten höchsten Tagespreise für den Zentner Hafer, Heu und Stroh mit einem Aufschlag von fünf vom Hundert, welche für die Vergütung der im Monat Juni 1915 verabreichten Fourage maßgebend sind, stellen sich folgendermaßen: in den Kreisen Fulda, Hünfeld, Gersfelö, Schlüchtern für den Zentner Hafer 14.33 Mk., Heu 4.83 Mk., Stroh 2.10 Mk.

Fulda, 20. Juni. Der bereits vorbestrafte Land­wirt und Müller Möller von Unteruffhausen hatte etwas über 3 Zentner Hafer bei Seite geschafft. Daß hiervon Mengen auch in geschrotenem Zustande zur Fütterung der Schweine unbefugt benutzt worden sind, war durch den Gendarmerie-Wachtmeister festgestellt, der solche im Schweinetrog entdeckte. Um den zuviel verbrauchten Hafer zu ergänzen, säte M. einen Zentner weniger aus, als er ursprünglich zur Saat angegeben hatte. Die Strafkammer Fulda verur­teilte diesen Kriegssünder zu einer Geldstrafe von 60 Mark.

Hanau, 20. Juni. In dem benachbarten Dorfe Sailauf brach, durch spielende Kinder veranlaßt, in der Halle des dem Tünchermeister K. gehörenden An­wesens Feuer aus, dem leider auch die beiden im Alter von 5 und 8 Jahren stehenden Kinder des Be­sitzers zum Opfer sielen.

hurra! Die Infanterie.

Der Kaiser hat Soldaten

Im grauen Waffenkleid,

Die reich an Heldentaten Und groß an Tapferkeit.

Die mächtig vorwärts stürmen,

Trotz Feindes Uebermacht,

Obgleich sich Leichen türmen Ihr Sieg wird doch erbracht.

Im Feld und Schützengraben

Als Kämpfer man sie kennt,

Was sie geleistet haben

Die Löwen man sie nennt.

Gott läßt sie nicht verderben

Bei diesem Kriegesbranö

Sie leben und sie sterben

Fürs deutsche Vaterland.

Die Alten und die Jungen

Voll Mut, wer nennt mir sie?

Die oft den Feind bezwungen,

Hurra! Die Infanterie.

Hersfeld. Max Bauer, Ober-Postschaffner.

t Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Baterlaude und macht sich strafbar.

Wetteraussichten für Mittwoch den 23. Juni Heiter, trocken, warm, nordöstdliche Winde.