Zur Vernichtung des „U 29".
6*» London, 21. Juni. (T. 1t.) In einer amtlichen Mitteilung stellt die britische Admiralität die Behaup- tung auf, das deutsche Unterseeboot „U. 29", das am 25. März in Grund gebohrt wurde, sei von einem Schiff versenkt worden, daß zur Flotte gehörte.
Die „Köln. Ztg." meldet aus Stockholm: Zu den Mitteilungen über die Versenkung von „U. 29" schreibt Stockholms „Dagbladet": Selbstverständlich wartet man hier in Schweden, dessen Flagge im Zusammenhang mit der Versenkung genannt wurde, mit gespanntem Interesse darauf, was matt in England von sogenannter autoritativer Seite antworten wird. Stillschweigen ist auch eine Antwort.
Allerlei italienische Enthüllungen.
Der Mailänder „Avanti" wird als Parteiblatt der dem Krieg abgeneigten Sozialisten von der Zensur des Kabinetts Salandra natürlich mit ganz besonderer Auf- merksamkeit gelesen und verstümmelt. Trotzdem kann man ihm ab und zu ganz bemerkenswerte Enthüllungen entnehmen. So enthält die Nummer vom 17. Juni einen Bericht aus Florenz, wonach daselbst am Tage vorher nicht weniger als 2200 Flüchtlinge aus den „unerlösien" Grenzländern angekommen sind, um deren Befreiung von österreichischer Herrschaft Italien kampft. Diese sogenannten Flüchtlinge find einfach Einwohner der von den italienischen Trnppen bereits erlösten, d. h. besetzten österreichischen Grenzortet da sie ja nun von,der Habsburgischen Herrschdft wenigstens vorläufig besrect sind, so versteht man nicht recht, vor wem sie auf der Flucht sein sollen. Der Bericht sagt, auch nicht, ob diese österreichischen Untertanen ihrem eigenen Wunsch folgend oder gezwungen das Innere Italiens anssuchen. Man darf gewiß das letztere annehmen, unb für diesen von der italienischen Behörde ausgeübten Zwang kann es verschiedene Gründe geben. Im Zusammenhang mit den bereits wiedergegebenen amtlichen italienischen Meldungen über Brigantentum bezw. Kleinkrieg hinter der italienischen Front, liegt es sehr nahe zu glauben, daß die Italiener diese erlösten Brnder nicht mit großem Vertrauen betrachten und sie Ueber fern rn Tos- cana unter guter Aufsicht als nahe am Kriegsschauplatz und den österreichischen Linien wissen. Damit wäre nur bestätigt, was von Tirol aus wiederholt erklärt wurde, daß sehr viele Bewohner des welschen Grenzlandes garnicht wünschen, durch die Italiener befreit zu werden. Es ist übrigens auch möglich,.,daß Italien die,e österreichischen Untertanen als Geueln weggefuhrt hat, dem Beispiel der französischen Schwesternation folgend: ie- denfalls gibt die Tatsache dieser Verpflanzung der sogenannten Flüchtlinge nach Toscana Anlaß zu mancherlei Gedanken, die für die siaUennche Kriegkllage nicht gerade erfreulich sind. — Weiter enthüllt uns eine römische Meldung des „Avanti", daß das kriegerische Giornale d'Jtalia", welches feit Monaten mit Bestimmtheit versichert hat, Rumänien warte nur auf das Zeichen von Rom, um vereint mit den Italienern über Oesterreich-Ungarn herzufallen, jetzt sehr scharf gegen biete lateinischen Brüder loszieht, weil sie sich noch nicht gerührt und auch anWinenb keine Lust haben, ms Feld zu rücken. — Eine dritte bemerkenswerte Enthüllung bringt das Sozialistenblatt in Gestalt eines ausführlichen, drei Spalten umfassenden Berichts aus Ancona, von Ende Mai datiert (bte Post arbeitet offenbar sehr langsam in Italien), der sich mit der Bechceßung der Stadt durch die Oesterreicher am ersten. Krregstag beschäftigt. Das wichtigste an diesem Bericht ist, daß ute Zensur davon knapp eine Spalte hat stehen laßen, während die übrigen zwei weiß geblieben sind, denn es geht daraus hervor, daß die Wirkungen der ofterrerchnchen Beschießung derartig waren, daß Salandra und Genossen dringend Gruiid haben, sie zu verheimlichen.________
[ Bericht des türkischen Hauptquartiers.
Konstantinopel, 20. Juni. (WTB.) Das Haupt- anartier meldet: Auf der kaukasischen Front wiesen unsere Truppen Angriffe, die der Feind als Ruckzugs- decknngen eingeleitet hatte durch Gegenangriffe
Wir machten Gefangene und erbeuteten 3 Maschruen- gewehre In Gegend Olty machen unsere Truppen tiwß erbitterten Widerstandes des Feindes Fortschritte. Bei diesen Gefechten verlor der Feind 200 Tote, da- rnnter einige Offiziere, und ließ Gefangene, eine Menge Gewehre, Zelte und Attsrüftungsgegenftaude in unseren Händen. An den Dardanellen nahm unsere Artillerie am 17. Juni bei Ari Bnrnu die feindlichen Funken- und heliostatischen Anlagen nnter Feuer. Der arößte Teil der dort arbeitenden feindlichen Soldaten wurde getötet. Ein feindliches Torpedoboot wurde durch ein Artillericgeschoß schwer beschädigt. Am 18. Funi beschoß unsere Artillerie erfolgreich den linken Flügel des Feindes und verursachte ihm große Ver- wste Um sich gegen das wirksame Fener unsrer Küstenbatterien zu schützen, hatte der Feind seine Stellingen gewechselt, aber auch die neuen Stellungen wurden von unseren Batterien beschossen. Die feindliche Artillerie, die das Feuer auf unsere Infanterie eröffnet hatte, wurde zum Schweige,r gebracht. Auf allen übrigen Fronten ist die Lage unverändert.
Die mißglückte Daroaneuenaktion.
^ Paris, 21. Juni. (T. U.) Die militärischen Be- richte die sich mit ber Lage in den Dardanellen beschäl- M heben immer wieder die Schwierigkeiten des Unternehmens hervor, und suchen die. DeffentliMeit, die sim von Anfaua an dazu sehr skeptisch stellte, damit ab- »n St habees mit einem Schsitzengrave»- krieg zn tun" dessen Schrecknisse man von der Westfront mr Genüae kenne Die Türken leisteten äußerst hartnäckigen Widerstand und alles müsse schrittweise unter maßen DvKn erkauft werden. Große Beunruhigung bereitet auch die Anwesenheit von Dschemal Pascha in »Är«&
in Konstantinopel wird einziehen sehen können.
Die Neutralen.
Ein rumänischer General über die Lage.
Der Bukaresier „Seara" vom 8. Juni schreibt.
SÄ der Russen nach dem Fall von Przemvsl: Auf der L^tfront kaun
endet betrachtet werden. Die russische enmee stellt mcht inehr eine Kraft dar, welche imstande ist, sich in der Dr- B &»ä ÄÄ d-LL-rL' ^ V'1. B£eS ißt W o lf Weser Front etreltji haben w-7Ln An der E maibt »er S«nn»sr»m»I jede endgültige Entscheidung unmöglich, so daß wir dort
keine endgültige Aktion erwarten können. Es hat den Anschein, daß die Deutschen und OesterreWer mit den Italienern ebenso verfahren wie mit den Russen. Man zwingt ihnen Ort und Zeit des Kampfes auf. unb ich sehe voraus, daß Tirol für die Armee von Victor Ema- nuel das sein wird, was die Masurischen Seen für die Russen gewesen sind. Unter allen Umständen ist es für jeden Soldaten klar, daß die russische Armee vollständig zersetzt ist, und daß die deutsch-österreichischen Heere einen gewaltigen Erfolg in diesen zehn Monaten errungen haben.
Serbien gegen Gebietsabtretungen an Bulgarien.
-^ Zürich, 21. Juni. (T. U.) Die Weigerung Serbiens, irgendwelche Konzessionen territorialer Statur an Bulgarien zu machen, hält weiter an. Der „Jtalia wirb aus Saloniki telegraphiert, daß jede derartige, Zumutung seitens der Entente in Nisch heftigsten Wider- stand errege, und ohne jeden Erfolg bleiben werde. Serbien verlange unbedingte Unvertetzlichkeit seines Gebietes. Es wünsche keine neuen Gebietserwerbungen, würde aber auch niemanden solche auf seine Kosten gestatten.
Kriegsallerlei.
Bryans Redefeldzng.
„Morningpost" meldet aus Washington: Bryan wird vor einer großen Versammlung in Neuyork sprechen, wo Vertreter der gesamten organisierten Arbeiterschaft Amerikas, die drei Millionen Arbeiter umfaßt, und Delegierte eben so vieler Farmer anwesend «ein werden . Bryan wird die Pflicht der Vereinigten Staaten betonen, den Kriegführenden ihre Vermittlung an- zubieten und den Plan eines Kongresses der neutralen Staaten darzulegen, um den Krieg zu beenden.
Schwedische Entrüstung über den Fliegerangriff auf das Karlsruher Schloß.
Das Stockholmer „Aftonbladet" gibt ber Entrüstung des schwedischen Volkes über das Luftbombardement über das Karlsruher Schloß, in welchem die Königin von Schweden weilte. scharfen Ausdruck und nennt es einen mit vollem Bedacht ausgeführten Angriff auf eine fürstliche Wohnung, in der nur Frauen und Kinder weilten. Die furchtbare Roheit, daß die französische Heeresleitung auf das Elternhaus der Königin von Schweden keine Micksicht genommen habe, erwecke in Schweden merkwürdige Gefühle.
9000 Kilometer im U-Boot
Der Konstantinopeler Korrespondent der großen amerikanischen Nachrichtenageniur Associated Preß hatte mit dem jüngst durch den Orden Pour le MLrite ausgezeichneten Kapitänleutnant Otto Hersing eine Unterredung, die die wiederholt aufgetauchte Meldung bestätigt, daß deutsche „U."-Boote den Weg nach den Dardanellen durch die Straße von Gibraltar genommen haben. Otti Hersing, der mit „11. 51“ in der ersten Iuniwoche aus Wilhelmshafen in Konstantinopel eingetroffen ist, sagte nach der ,B. Z." u. a.:
„Bei Ausbruch des Krieges wurde es als eine große Leistung betrachtet, wenn unsere „U."-Boote Boulogne erreichten. Wir selbst haben den Aktionsradius unserer ,,U."-Boote nnterschätzt. Als wir Wilhelmshafen verließen, nämlich ich und zwei andere, wußten wir nur, daß unser Ziel die Dardanellen sein würden. Es war ein langer Weg, aber wir schreckten selbstverständlich davor nicht zurück. Wie verließen den Heimatshafen am 25. April und kamen vor den Dardanellen am 25. Mai an. An diesem Tage haben wir den „Triumph", zwei Tage später die „Majestic" torpediert. Am 29. fanden wir, daß die britische Flotte die Dardanellen verlassen hatte, um Deckung zu suchen; so sind wir denn hierher gefahren, um der Mannschaft die Ruhe zu gönnen, zu bir sie nach einer so anstrengenden Reise sicherlich berechtigt ist.
2lls wir Gibraltar erreichten, sind wir keinem britischen Schlachtschiff begegnet, trotzdem wir den giößten Teil der Fahrt an der Oberfläche zurücklegten. In der Nähe von Gibraltar bemerkten wir einen großen englischen Zerstörer, wir sind aber über Wasser sozusagen mitten hindurch gefahren, freilich während der Nacht und in den ersten Morgenstunden. Wir wurden von dem Engländer nicht früher entdeckt, als bis wir außerhalb Gibraltar waren; dann fuhren wir eiligst davon, tauchten unter und entkamen unverletzt. Ein ähnliches Erlebnis hatten wir in der Nähe der französischen Flottenbasis bei Biserta.
Als wir das Aegäifche Meer erreicht hatten, machten wir uns sofort an die Arbeit, indem wir ant Morgen des 25. Mai den „Triumph" zerstörten. Ein britischer Zerstörer ging geradeweg? über uns hinweg. Als der Zerstörer sich uns näherte, tauchten wie unter, wir konnten aber die Propeller des englischen Schiffes deutlich hören, als es über „U. 51" hinwegfuhr. Kurz darauf tauchten wir wieder an die Oberfläche, feuerten ein Torpedo ab, tauchten wieder unter und hörten die Explosion des
Torpedos.
Zwei Tage später entdeckten wir die „Majestic" dicht an der Küste. Ein Auge stets vor dem Periskop, sah ich, daß die Mannschaft der „Majestic" eben ihr Mittagbrot einnahm. Ich überlegte einige Tlugenblicke, ob ich der Mannschaft nicht Zeit geben sollte, ihre Mahlzeit zu beendigen, sagte mir aber schließlich, daß es meine Pflicht sei, ohne Verzug zu feuern. Die „Majestic" war zu dieser Zeit von ungefähr 10 Transportschiffen umgeben. Ich mußte schräg feuern. Als wir an die Oberfläche kamen, sah ich das Schiff kielaufwärts liegen. In beiden Fällen hatten die britschen Schiffe ihre Torpedonetze herabgelassen."
Kapitänleutnant Hersing lehnte es ab, sich in eine Erörterung über die Einrichtung seines Bootes einzulaffen, die es ihm ermöglichen, mit feinen Torpedos jene Netze aus stärksten: Stahldraht zu durchfchneiden. „Unsere Torpedos bringen es eben fertig, das ^^""Die Torpedierung der britischen Linienschiffe „Triumph" und „Majestic" an der Dardanellenpforte bildet gewissermaßen den Abschluß der Fahrt von Wilhelmshaven nach Konstantinopel, die eine ununterbrochene Seereise von 5C00 Meilen gleich 9000 Kilometer darftellt.
Panik der Puffen in Lemberg.
„Dziennik Narodowy" in Krakau erhält aus Lemberg folgende Mitteilungen durch einen nun dort in der letzten Zeit cntfünnneucn Bewohner: Als in Lemberg Nachrichten von den großen Mißerfolgen der Russen bei Gorlice, Tarnow unb anderen Orten Verbreitung fanden. bemächtigte sich der Bevölkerung eine hoffnungs- volle Stimmung und auf den Straßen setzte wieder lebhafteres Treiben ein. Immer mehr russische Kaufleute trafen in der Stadt ein, die aus Tarnow' Rzesow, Prze- mysl, Stryt, Sauok und c.uderen Städten vor dem Abzüge der Russen geflüchtet waren. Mit freudiger Erwartung ist man auf weitere Nachrichtell ans dem ^ntnnfnebiete aesvannt, fortgesetzt treffen neue Ver
Kampfgebiete gespannt, fortaesetzt treff wundetentrausportzüge tu Lemberg ein, wodurch die Nliruhc in ber hiesigen russischen Kaufmannschaft wesentlich gesteigert wirb. An einem Tage allein trafen in Lemberg binnen weniger Stunden über zwanzig Züge mit verwundeten russischen s-oldaten ein. Die aus den von den Russen geräumten Städten gesliichteten ussischen Kaufleute verbreiteten natürlich auch unter
russischen Kaufleute verbreiteten natürlich auch unter der Lemberaer russischen Kaufmannschaft Panik, und die Geschäftsleute begannen ihre Waren auszuverkaufen und die Flucht «ach Brod» und weiter nach Rußland anzutreten. Wvhl treffen in Lemberg immer wieder ileue rnssilche Hilfstnippen ein, aber viele vieler Trnv-
ven und Reserven sieht man ohne Waffen, es heißt, dar die Waffen bett Soldaten in den letzten Etappenstatwnen ausgefolgt würden. Diese aus Rußland kommenden Soldaten erzählen, daß sich in der russtscherr Bevölkerung eine immer steigende Erregung bemerkbar macht, und daß unter den Sclbaten nur ein Wunsch verbreitet sei, daß der Krieg ein schnelles Ende finden solle. Als sich in Leniberg diese Nachwirkungen der russischen Niederlagen immer mehr mehrten, benrächtigte sich der Bevölkerung eine unbeschreibliche Gemütsbewegung. Wie der Gewährsmann des erwähnten Blattes weiter mit- teilt, erzählte ihm ein russischer Generalstabsoffizier, daß in den höheren rnssischen Militärkreisen gegenwärtig völlige Desorientierung herrsche und diese Depression sich auch auf die Offizierskreife übertrage. Die Ursache der russischen Niederlagen wird natürlich aus Spionage zurückgesührt und fortgesetzt werden russische Offiziere beschuldigt, die russischen Kriegsoperationen verraten zu haben.__________________________________
Vermischtes.
242 000 Mark für ein Buch. Der Vorsitzende des Isufsichtsrats vom Eisenbahn-Töchterhort in Berlin, Ministerialdirektor Hoff, hatte im vorigen Jahre bei Gelegenheit der Einweihung des „Christianenheims" eine Festschrift herausgegeben, die, wie dem Geschäftsbericht der Stiftung zu entnehmen ist, bis Ende vorigen Jahres einen Reingewinn von 242 8 07 Mark eingebracht hat. Diesen Betrag hat der Verfasser ungekürzt dem Eisenbahn-Töchterhort zugeführt.
Eine eigenartige Naturerscheinung beängstigte jüngst die Einwohner von Basel. Um die Mittagszeit erscholl plötzlich der Warnungsruf: Flieger! — Und es schien tatsächlich, als ob ein Luftgeschwader über der neutralen Zone herankomme. Die „Flieger" gingen aber bald darauf dicht an ber elsässischen Grenze steil nieder, slls die Neugierigen hinzuliefen, sahen sie sehr erstaunt einige große — Heuhaufen, die ein Wirbelsturm emporgehoben und weithin entführt hatte.
Schlechtes Betragen der Belgier in Holland. Das Slmfterbamee „Handelsblad berichtet über einen erneuten Zusammenstoß zwischen belgischen Internierten und einer holländischen Militärpatrouille. Letztere hatte Beseht erhalten, drei betrunkene Belgier, die stundenlang in Aufsehen erregender Weise umhergelaufen waren, zum Lager zurückzubriugen. Die Belgier widersetzten sich jedoch der Zlufforderung der holländischen Soldaten, beschimpften diese und drohten sie tatsächlich anzugreifen. Als selbst ein belgischer Offizier die Betrunkenen nicht zur Besinnung zu bringen vermochte, und ein Schuß in die Luft nichts hat', sahen sich die holländischen Soldaten gezwungen, aus die Belgier zu feuern. Hierbei wurden zwei der letzteren ernstlich getroffen, während der dritte Belgier flüchtete. Die beiden Verwundeten umtzten ins Krankenhaus gebracht werden. Es ist dies nicht das erste Mal, daß holläridische Bewachungssolda- ten gezwungeli waren, auf belgische Internierte zu feuern. Neberhaupt lernt man in Holland die Belgier, Soldaten sowohl wie Brirger, die sich durchaus nicht von ihrer besten Seite zeigen, immer besser kennen und bekommt dadurch auch mehr Verständnis für die Schwierigkeiten, mit denen die deutschen Soldaten in Belgien zu kämpferr ghabt haben.
J»l polnischen Angias-Stall. Ein im Osten stehender Berichterstatter schildert in einem von den „Bur- schenschaftlichen Blättern wiedergegebenen Feldpostbrief mit launiger Sachlichkeit den von Hunderttausenden erlebten Kampf mit dem polnischen Schmutz: Wir liegen hier in M . . . in Gruppen von fünf bis sieben Mann auf den einzeliren Gehöften und sind voll heißen Bemühens, alles sauber zu machen. Zunächst begannen wir den Hof von dem Stallmist, der sich da generationen- weise attgefammelt hatte, zu säubern. Nur in Hemd und Hose arbeiteten wir, in Strömen floß der Schweiß, unb zum Himmel stank der Mist. O, schöne Göttinger Zeit, wo bist Du hin! Schließlich hatten wir den kleinen Hof sauber, d. h. von Mist, und wir hatten dem Misthaufen eine schöne viereckige Form gegeben. Am anderen Tage gruben wir den Hof ab, denn fönst war er nicht sauber zu bekommen. Dann versuchten wir unsere Stube zu säubern. Zunächst gingen wir einem fürchterlichen Gestank nach. Wir entdeckten als Ursache ein Sauerkraut- faß in der Ecke und wälzten es hinaus. Dann wurden die beiden Bewohner zu den anderen in den gegenüberliegenden Stall, wollte sagen Stube, geschickt und es wurde ausgefegt. Eimerweise wurde Dreck und Schmutz hinausgeschafft bis wir schließlich den Dreck der Stube sahen. Als ich dann, um Luft zu schöpfen, hinter den Stall in bett Banmgarten ging, empfing mich auch hier ein finsterer Duft. Ich ging zurück, faßte bett Panje, ließ ihn eine Schaufel nehmen und hinter dem Stall eine Menge diskreter, kleiner Häufchen beseitigen. Nachdem dies geschehen war, ließ der Gestank allmählich nach. Dann war seine nächste Arbeit der Bau einer Latrine. Das war vor einigen Wochen, jetzt sieht es anders aus. UeberaK herrscht Sauberkeit! Der Hof ist stets sauber gefegt. Die tiefen Gräben, die die überaus tiefgründige Dorfstraße einfassen, haben wir gerade gemacht und sauber ausgehoben. Den kleinen Garten vorm Hause habe» wir umgegraben, bett Weg mit gelbem Sand ausgestreut und den ganzen Kram eingezäunt. Am Sonntag sind wir frei. Dann gehen wir, eine Zigarre im Gvscherl, würdig spazieren und unterhalten uns mit dem polnischen Panje oder spielen mit den kleinen polnischen Göhren, die nach ihrer anfänglichen Schüchtern- Heit schnell zutraulich wurden." . . ._____________________
Weitere Drahtnachrichten.
Geheimrat Rathe»«» t.
te* Berlin, 21. Juni. (T. U.) Gestern nachmittag ist der Geh. Baurat Dr. ing. et phil. Emil Rathen««, Generaldirektor der Allgcm. Elektrizitäts-Gesellschaft und der Berliner Elektrizitätswerke, nach kurzem Leiden im Alter von 76 Jahren gestorben.
Stratzenbahnzttsammettstotz in ElMlotte»b»rg.
Berlin, 21. Juni. (T. U.) Gestern abend zwischen 6 und 7 Uhr stießen an der Ecke der Narren straffe und des Wilhelmsplatzes in Charlottenbnrg zwei Straßenbahnwagen zusammen. Ein Wagen der Linie W war in eine falsche Weiche eingeboren und aus einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Wagen ber gleichen' Linie ausgefahren. Zwölf Personen wurden
^^^^^ Stimmungen und Verhältnisse in England.
Stockholm, 21. Juni. (WTB.) Ein in London ansässiger Schwede hat „Stockholms Dagbladet" über Stiummngen und Verhältnisse in England mitgeteilt, ber Krieg habe dort eine Bermirrnng und Besinnungslosigkeit geschaffen, die im Gegensatz zu den Verhältnissen in Dentschland umso schärfer hervortrete. Die englische Staatsmaschine sei an mehreren Punkten in Uns ordnnng geraten. Mangel an Arbeitskräften mache sich stark bemerkbar. Die Lebensmittelvrcisc seien bedeutend gestiegen. Unter der niederen Bevölkerung herrsche Unruhe. Die Siegesgewißheit sei in letzter Zeit stark gedämpft, aber die Gehässigkeit gegen Deutschland nicht geringer.