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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Fitz die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ;

Nr. 143.

Dienstag, den ÄÄ. Juni

1915

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 15. Juni 1915.

Ich erinnere an die Einreichung der Nachweisung über den Bestand an deckfähigen Kühen und Rindern sowie der sprungfähigen Bullen mit Frist bis zum 5. k. Monats. I. A. Nr. 6162.

Der Vorsitzende des Kreisansschnsses: J. V. : v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 19. Juni 1915.

Die Kreiskommunalkasse hier ist vom 25. d. Mts. ab bis auf Weiteres zum Verkehr mit dem Publikum nur Vormittags von 8 bis Mittags 1 Uhr geöffnet.

Der Vorsitzende des Kreisansschnsses:

J. V.:

v. Hedeman n, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 7. Juni 1915.

Beim Eintritt des Todes eines Heeresangehörigen wird den Hinterbliebenen von den Kassenverwaltungen der Feldtruppenteile eine Bescheinigung über die Höhe der ihnen zustehenden Gnadeugebührnisse übersandt.

Damit nun die Bersorgungsgebührnisse der An­gehörigen der Gefallenen zur Zahlung angewiesen werden können, haben die Hinterbliebenen die ihnen zugegangene oben erwähnte Bescheinignng umgehend mit einem Antrag auf Gewährung der Gnadengebühr- nisse dem zuständigen Bezirkskommando einzusenden.

Die Annahme, daß die Bersorgungsgebührnisse ohne ^weiteres zur Zahlung angewiesen werden ist unzutreffend.

Ich ersuche die Ortspoli^eibehörden des Kreises, uei verminenden Fällen vie HinceeHlieöenen hierauf aufmerksam zu machen.

J. M. Nr. 3964. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 17. Juni 1915.

In Arnsbach, Kreis Hvmberg ist die Maul- und Klauenseuche wieder erloschen.

I. 7781. Der Landrat.

V.:

v. Heöemann, Reg.-Assessor.

Hersfeld, den 18. Juni 1915.

In Seehof, Kreis Hvmberg ist die Maul- und Klauenseuche wieder erloschen.

I. 7864. Der Landrat.

V.:

v. Hedemann, Reg.-Assessor.

tzerrenhaiis

Das Herrenhaus hielt am Sonnabend seine letzte Sitzung ab. Sie war nur von kurzer Dauer. Das Fischereigesetz stand nicht mehr wie ursprünglich beabsichtigt auf der Tagesordnung, da es der Aus­schuß erst im Juli beraten wollte. Es ist somit als gescheitert zu betrachten. Auch die Interpellation der Bürgermeister über die Verteilung der Getreidevor- rüte im neuen Erntejahre kam nicht zur Verhandlung, da sie zurückgezogen wurde. Drei Bittschriften um Verleihung des passiven Gemeindewahlrechts an Volksschullehrer und Gemeindebeamte mußten abge­setzt werden, da der Berichterstatter im Hause nicht anwesend war. Damit war die Tagesordnung er­schöpft. Präsident von Wedel teilte mit, daß am Donnerstag die gemeinsame Sitzung der beiden Käufer stattfinden solle, in der die Tagung geschloffen wird. Auf den Dank des Herrn v. Schönstedt an das Präsidium antwortete Präsident v. Wedel. Er er­innerte an die großen Ereignisse des Krieges und an die Worte, die Fürst Bismarck am 6. Februar 1888 im Reichstage sprach - einer Sitzung, deren Vorsitz er (Redner) führte. Bismarck sprach damals die Worte: Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts in der Welt, und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen laßt. Wer ihn aber trotzdem bricht, der werde sich überzeugen, daß die kampfesfreudige Vaterlandsliebe, welche 1813 das ganze Preußen unter die Fahnen rief, jetzt ein Ge­meingut der ganzen deutschen Nationsei und das der­jenige, der diese angreife, sie einheitlich in Waffen finden werden und jeden Wehrmann mit dem festen Glauben im Herzen:Gott wird mit uns sein!". Was Bismarck da gesprochen, traf 1914 ein. Wie der zn erlangende Friede beschaffen sein werde, stehe in Gottes Hand. Es müsse ein Frieden seht, der uns sichere gegen eine Wiederkehr solcher Angriffe. Einen solchen Frieden gebe es jedoch nicht, denn je größer wir aus dem Kampfe hervorgehen, desto größer werde and) das Bestreben unserer Gegner sein, das Er­rungene uns zu entreißen. Unsere Sicherung bestehe deshalb nur in der eigenen Kraft. Gottesfurcht,

Einigkeit und Kraft müßten auch die Richtschnur unseres Handelns im Frieden sein. (Lebhafter Bei­fall.) Der Präsident schloß mit dem Hochrufe auf den Kaiser und das gottesfürchtige, einige und wehrhafte deutsche Volk, in das das Haus begeistert einstimmte und schloß die Sitzung.

Bus der Heimat.

* (Erweiterte Unter stützung der Fa­milien Einberufener.) Die Unterstützung von Familien einberufener Mannschaften ist durch neue Ausführungsbestimmungen des Ministers des Innern wesentlich erweitert worden. Es werden jetzt auch die erwerbsunfähigen Eltern und Großeltern der aktiven Mannschaften unter Umständen 'unterstützt. Es geschieht dies dann, wenn die Mannschaften als einzige Ernährer auf Reklamation zurückgestellt gewesen, später aber zum Heeresdienst eingezogen worden sind oder wenn sie als einzige Ernährer reklamiert worden sind und die Eltern oder Großeltern tatsächltch unter­stützt haben, aber lediglich mit Rücksicht auf den Mann­schaftsbedarf trotz der Reklamation eingestellt worden sind. Auch die unehelichen Kinder rechnen zu den unterstützungsberechtigten Personen, selbst wenn sie erst nach dem Tode der unehelichen Väter geboren werden. Es ist aber notwendig, daß die Vaterschaft anerkannt ist. Auch uneheliche Kinder fremder Staatsangehörig­keit sind unterstützungsberechtigt, wenn sie sich im In­lands befinden und ihre unehelichen Väter in den deutschen Heeresdienst eingetreten sind. Es gilt dies selbst für eine feindliche Macht. Auch den unehelichen Kindern deutscher Mütter im Inland wird Unter­stützung gewährt, wenn deren Väter österreichisch­ungarische Staatsangehörige und in das österreichisch­ungarische Heer eingestellt sind. Die Mindestsätze für die Ehefrauen von 12 Mark werden auch während der Sommermonate gezahlt, während sie nur bis zum April gelten sollten.

* (Säuglingspflege i m Kriege.) Die Bekämpfung der Sterblichkeit der Säuglinge ist jetzt im Kriege besonders wichtig. Von erhöhter Bedeutung ist die Erhaltung und das Gedeihen unseres Nach­wuchses. Bei Beginn der sommerlichen Hitze empfiehlt es sich deshalb jetzt um so mehr, die Beteiligten auf das Flugblatt und das Hitzemerkblatt aufmerksam zu machen, die im Berliner Kaiserin-Augusta-Viktoria- Haus bearbeitet worden sind und amtlich empfohlen werden. Schon seit zwei Jahren ersucht auch der Minister des Innern die Verwaltungsbehörden, die beteiligten Kreise darauf hinzuweisen. Das Flugblatt zum Schutze der Säuglinge bringt in knapper Form die Ratschläge für die heißen Monate. Mütter! heißt es daran, der größte Feind eurer Kleinen ist der Sommer mit seiner großen Hitze! Unter den Lebens­rnitteln verdirbt am leichtesten die Tiermilch. Darum ernährt eure Kinder an der Brust und setzt nie im Sommer ab. Brustmilch verdirbt nicht! Laßt euren Kindern nachts die Ruhe. Künstlich ernähren dürft ihr nur auf Anordnung und unter Aufsicht des Arztes. Ihr müßt aber dann besonders genau und sauber sein. Jede Flasche muß nach der Mahlzeit sofort mit Wasser gefüllt werden. Sie ist mit einer Flaschen­bürste und mit Soda, Borax oder Seifenwasser zu reinigen, mit gekochtem Wasser nachzuspttlen und um­gekehrt an einen reinen Ort, möglichst in einen reinen Topf zu stellen. Zn warmes Einpacken oder ein über­hitzter Raum macht den Säugling krank, daher weg mit allen Federbetten und dicken Wickeltüchern, weg mit der Gummiunterlage! Ihr könnt im Sommer euer Kleines fast nackt im Bettchen oder Korb strampeln lassen, eine leichte, dünne Decke genügt zum Zudecken! Geringe Zugluft schadet eurem Kinde im Sommer nichts usw.

* (D i e H a l t b a r k e it der Milch). In der heißen Jahreszeit wird die leider sehr begrenzte Halt­barkeit der Milch häufig durch Zusatz aller möglchen Frischerhaltungsmittel zu verlängern versucht. Ein schnelles Verderben der Milch wird in der heißen Jahreszeit am wirksamsten verhindert durch möglichst saubere Gewinnung, Behandlung und Aufbewahrung, durch möglichst tiefe Kühlung sofort nach dem Melken und beim Verbraucher durch mölichst sofortiges Ab­kochen und kühle Aufbewahrung. Das Aufbewahren sollte nur in einem ausschließlich zu diesem Zweck dienenden, stets peinlich sauber zu haltenden Gefäß geschehen.

Hersfeld, 21. Juni. Vor den sogenannten Müller'schen Fichten am Weinberg ist gestern N a ch in i t t a g F e u e r ausgebrochen, wodurch eine größere Rasenfläche und Hecken abbrannten. Durch schnelle Hilfe konnte das Feuer von den Fichten ab- aehalten werden. Bei der zurzeit herrschenden Trockenheit muß im Walde oder in Waldungen die größte Vorsicht geübt werden.

8 Hersfeld, 21. Juni. Mit Rücksicht anf die Wichtigkeit des Gegenstandes darf nicht unterlassen werden, darauf aufmerksam zu machen, daß durch die Bundesratsverordnung vom 17. Mai ds. Js. die dreißigtägige Verlängerung der Fristen des Wechsel-

u. Scheckrechts am 30. Juni 1915 außer Kraft tritt. Infolgedessen werden mit Ausnahme der Wechsel auf Elsaß-Lothringen und einzelne Teile Ostpreußens alle bis zum 28. Juni fällig werdenden Wechsel im Falle der Nichtzahlung spätestens am 30. Juni, die am 29. Juni und später fällig werdenden Wechsel wie früher am zweiten Werktage nach ihrer Fälligkeit protestiert werden müssen.

):( Friedlos, 21. Juni. Ein aus Rengshausen in Friedlos untergebrachter 19jähriger Zögling ist diese Nacht unter Mitnahme von 70 Mark durchgegangen.

Friedewald, 19. Juni. Die Strafkammer zu Casfel verurteilte heute die 25jährige Sophie Nennstiel geb. Schäfer aus Friedewald im Kreise Hersfeld wegen versuchter Erpressung und Beleidigung zu drei Mo­naten Gefängnis. Der Vater der Verurteilten erhielt wegen Beihilfe hierzu zwei Monate Gefängnis, ob­wohl beide noch unbestraft waren.

Marburg, 18. Juni. Das Landgericht verurteilte heute einen jungen Burschen, der den Gottesdienst in einer Kirche dadurch störte, daß er eine Zigarre rauchte, zu vier Wochen Gefängnis. Ein Mitange- klagter, der ihm das Streichholz angezündet hatte, wurde zu drei Wochen Gefängnis verurteilt.

Marburg, 18. Juni. Eine eigenartige Stiftung hatdiehiesigeHolzhauerscheUniversitäts-Jnstrumenten- fabrik im Kriege invalid gewordenen Soldaten zuge­dacht. Sie stellte der Militärverwaltung 20 künstliche Beine, diese letzte Errungenschaft der modernen Ort­hopädie, für unsere Krieger zur Verfügung. Ein jedes dieser Ersatzglieder hat einen Wert von etwa 400 Mk. Durch eine besondere Bestimmung der Fab­rik wird die Schenkung auch über den Krieg hinaus von Segen sein. Die Spenderin hat sich nämlich ver­pflichtet, den Soldaten, die diese Beine tragen werden, alle etwa später notwendig werdenden Ersatzteile kostenlos zu liefern und auch Reperaturen der Glied­maßen unentgeltlich auszuführen. Diese Verpflichtung erstreckt sich auf die ganze Lebenszeit der Invaliden. So dürfte die zweckmäßige Stiftung dazu angetan sein, das schwere Los manches braven Vaterlandsver­teidigers zu erleichtern.

Cschwege, 19. Juni. Als Nachfolger des an die Königliche Regierung in Allenstein als Regierungs­und Schulrat berufenen Kreisschulinspektors Schrader wurde 'vom Kultusminister Herr Pfarrer Dithmar in Altenburschla ernannt. Derselbe verwaltete früher jahrelang dies Amt nebenamtlich.

Ans Thüringen, 19. Juni. Hier gehen die Kar- toffelpreife fortgesetzt herunter. Vielfach sind gute Kartoffeln für 3 Hit. erhältlich, namentlich wenn man die Frucht in ganzen Fuhren abnimmt. Die Kar­toffelspekulanten, die die Vorräte ängstlich verwahrt haben, erleben einen mächtigen Reinfall, da in diesem Jahre zu einer Zeit, wo sonst die letzten alten Kar­toffeln teuer bezahlt werden mußten, die Preise mehr und mehr sinken.

Ans der Rhön, 19. Juni. Der Butterhändler Büchner aus Oberriedenberg ist auf freiem Felde vom Blitz erschlagen worden; sein Sohn, der sich bei ihm befand, wurde gerettet.

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.

Preisend mit viel schönen Reden kündet täg­lich spaltenlang jetzt Italien die Erfolge, die es meistens nicht errang, mit der echt lateinischen Gabe unentwegter Phantasie kann es täglich Jubel künden, nur die Wahrheit sagt es nie. Wahrheit, nüchtern, kurz und offen, scheint in diesem Krieg allein nur bei uns und unsren Freunden einzig noch zu Haus zu sein, all' die andern, die allmählich merken, daß sie unterliegen, hoffen vor der Weltgeschichte sich und andre zu belügen und in diesem Lügentanmel sehn sie kaum, daß überhaupt niemand mehr von den Neutralen ihrem Lügenfeldzug glaubt. Selbst Rumänien, das lange noch mit der Entscheidung rang, scheint sich besser zu besinnen, - stark vermindert ist sein Drang - an der Seite der Verlierer gleichfalls noch hineinzufallen, und auf ähnliche Gesinnung stößt man bei den andren allen. WtUon fern tm weißen Hause hat sichs gleichfalls überlegt und den Wortlaut seiner Note sehr behntsam abgewagt, Deutschland Dor den Kopf zu stoßen )d)ten ihm ein Erperiment, das nur der sich noch gestattet, der ins Unglück sehend rennt, und so fehr man auch in London auf Amerika gehofft, wieder war es damit Essig wie in jüngster Zeit so oft. Still verzweifelnd sieht allmählich jetzt der neue Vier­verband, daß er seine Kriegserfolge zwingen muß mit eigner Hand, daß sich seine Diplomaten samt und sonders im Vereine jetzt begraben lassen können: Lügen haben kurze Beine, doch die Wahrheit, die auf Erden immer noch der Trumpf geblieben, äußert sich mit jedem Tage deutlicher in deutschen Hieben! Walter-Walter.