< Berichte Hes „ZMHer TageZauzetaerZ" aus dem italienischen Kriegsgebiet schätzen die bisheriger, Verluste der Italiener auf viele tausend Mann. Große Erbitterung errege, daß in Mailand, dessen Lazarette bereits überfüllt seien, die Namen der eingebrachten Verwundeten streng geheim gehalten werden. Auch ist den Lazaretten jede Benachrichtigung an die Familien der Verwundete», untersagt.
Weitere 300 Millionen Lire für Kriegskosten.
Die italienische Regierung erläßt eine Verordnung, wodurch weitere 300 Lire für Heereszwecke überwiesen werden.
Mangel an Angriffslust im italienischen Heere.
Aus Lugauo wird gemeldet: Ein hier weilender italienischer Militärkritiker erklärte mir. der Verlauf des geldzuges sei unverständlich. Italien habe gegen esterreich seine ganze Wehrmacht zur Verfügung, was eine solche Ueber,»,acht barstelle, daß trotz Oesterreichs vorzüglicher Verteidigungsstellungen in 24 Tagen weit mehr hätte erreicht werden müssen. Was mau bisher gesehen habe, beweise einen Mangel an Tatkraft und Angriffslust bei der Führung und im Heere.
Die verheimlichten italienischen Verluste.
s-^ Wien, 18. Juni. (T. U.) Das „Bolksblatt" meldet nach der „Ntl. Ztg." aus Genf: Ein Zirkular- erlaß des italienische», Ministeriums au die Presse verbietet die fernere Veröffentlichung der Todesanzeigen von Angehörigen des Heeres in der italienischen Presse.
Aus dem großen Hauptquartier
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s-s- Konstantinopel, 18. Juni. (WTB.) Das Haupt- guartier teilte gestern mit: An der Dardanellenfront vernichtete unser linker Flügel am Morgen des 15. Juni durch Artilleriefeuer ein feindliches Flugzeug, das beim Ueberfliegen unserer Stellung gegenüber Ari Bnrnu beschädigt wnrde und zum Absturz hinter den feindlichen Schützengräben gebracht wurde. Gestern ereignete sich bei Ari Burun und Sed ül Bahr nichts von Bedeutung. Unsere Küstenbatterien an der Meerenge bombardierten bei Sed ül Bahr die feindlichen Artilleriestellungen sowie die feindlichen Truppen und eine der Transport- kolonnen. Sie sprengte einen Wagen der genannten Kolonne in die Luft. Auf den übrigen Fronten keine Kampfhandlung von Bedeutung.
Der Anschlag gegen das Karlsruher .Residenzschloß.
Wie die amtliche „Karlsruher Zeitung" meldet, teilt das Wolffsche Telegraphenbureau über den ruchlosen, nach dem Geständnis des französischen Bulletins den seindlichen Fliegern mit voller Absicht anbefohlenen Ueberfall auf das Residenzschloß des Großherzogs von Baden noch folgendes mit: „Vor dem Großherzoglichen Schloß wurde eine Bombe herabgeworfen, durch welche etwa 70 Fensterscheiben zertrümmert wurden. Allem in den von Ihrer Majestät der Königin von Schweden bewohnten Räumen wnröen elf Scheiben zerstört. Ein Bombensplitter drang in eines dieser Zimmer. Eine Bombe fiel in den Garten des Großherzoglichen Palais und explodierte in der Nähe des Küchenbaues, wobei einem Bediensteten ein Splitter durch die Mütze drang. Auch zahlreiche Fenster des Küchenbaues wurden zertrümmert. Eine dritte Bombe fiel auf das Palais des Prinzen Max, durchschlug das Dach und explodierte. Teile der Bombe blieben in der Decke zwischen Boden- raum und einem bewohnten Zimmer stecken." — Der Großherzog drahtete an den Oberbürgermeister vom Kriegsschauplatz: Seiue Majestät der Kaiser telegraphiert mir seine tiefe Empörung über den ruchlosen Angriff auf das liebe Karlsruhe. Die armen nnschuldigen Opfer der Bürgerschaft, mit der er sich in Freud unb Leid verbunden fühle, habe ihn sehr betrübt.
Ein französisches Verbrechen.
Berlin, 17. Juni. (Amtlich.) In ihrem amtlichen Bericht vom 15. Juni abends brüstet sich die französische Heeresleitung mit dem bekannten Fliegerangriff auf Karlsruhe, den sie als Vergeltungsmatzregel für die Be- schietzung offener französischer und englischer Städte Hin- stellt. Dieser Begründung des französischen Angriffes ist die Tatsache entgegenzuhalten, das; von deutscher Seite nur befestigte Punkte nnd solche im Operationsgebiet liegenden Orte beschossen worden sind, die mit dem Kriege nnmittelbar im Zusammenhang standen. Neberall, wo es sich dabei um offene Städte gehandelt hat, waren unsere Angriffe nur die Vergeltung für gleichartige Maßnahmen unserer Gegner. Wir haben darauf in unseren Berichten auch in jedem Fall ausdrücklich Hingewieseu. Datz die Begründung des französischen Vorgehens somit der Wahrheit widerspricht, wird niemand in Erstaunen versetzen, der die Berichte unserer Gegner kritisch zu lesen pflegt. Nen ist dagegen die brutale Offenheit, mit der die feindliche Heeresleitung eingesteht, datz sie ihren Fliegern als anderes Ziel eine fern vom Kriegsschauplatz gelegene friedliche Stadt bezeichnet hat, in der gerade den Franzosen vor dem Kriege so vielfach aastfrettttbtz Entgegenkommen erwiesen worden ist. MU,tar,sche Gründe können dies Verhalten nicht rechtfertigen, denn der einzige Verlust, den der Angriff unserer Kriegsmacht zu- gefügt hat, besteht in der Verwundung dreier in Lazarettpflege befindlicher Soldaten. Die abseits von der Stadt gelegene Mnnitionsfabrik, deren militärische Be- dentnnq übrigens nicht allzu groß »st, hat bis auf die Beschädigung eines Bangernstes nicht gelitten. Obwohl sie als Angriffsziel sehr leicht erkennbar war, ist sie auch nur mit wenigen Bomben belegt worden. Schon daraus geht hervor, daß es den Franzosen gar nicht auf die Gewinnung eines militärischen Vorteils angekom- men ist. Mit noch weit größerer Den«,ckkeit ergibt sich diese Tatsache aber aus dem Umstand, datz den feindlichen Fliegern nach dem amtlichen Emgestandms der Franzosen besonders das Residenzsthlotz als Ziel bezeichnet worden ist. Man hat im Lager unserer durch Spionage so gut unterrichteten Gegner zweifellos gc- «an gewußt, daß das Schloß außer der ehrwürdigen Großherzogin Luise seit mehreren Wochen die Königin von Schweden beherbergte. Dre Anwesenheit dieses einem neutralen Herrscherhanse attgehorettden hohen Gastes hat die französischen Flieger »edoch nicht davon »nrückgehalten, gerade das Schloß besonders heftig an- zngreise« und auch in der Tat erheblich zu beichadtgcn. Wie groß die Gefahr für die Königin geweseu ist, zeigt .. ----- - mehrere Spreugstücke tu das« Zimmer der schwedischen Baronin Hochschild geflogen sind Anch die Kinder »es Prinzen Max von Baden, über deren Schlafgemach eine Bombe das Dach zertrümmert und die Decke eina-scklageo ha«, sind nur m,t knappe« Not dem Tode entgangen. Unter der Bürgerschaft hat der Ueberfall, wie bekanwt, an Toten und Verwundeten insgesamt 84 Opfer gefordert Wir können den A»mriff «ach diesem Ergebnis und nach der ^i» feindlichen Flie- geru erteilten dienstliche« Anweisung über die Angriffs- Uele nickt als eine militSrsche Unternchmnng. sondern nur als du Verbreche« bezeichnen, dessen Roheit von der "g,Mchen Höbe der sterbe wunderten französischen Kltl- i'" r.-’rcMea itataniA alileai
u. a. die Tat
Srieasallerlei.
Die Beute des Korps Fraucois.
Von den über 40 000 Gefangenen der Armee des Generalobersten v. Mackensen entfallen, wie verlautet, etwa 13 000 auf das Korps Fraucois. Unter diesen Gefangenen befindet sich auch die Tochter eines russischen Obersten, die in Einjährigenuniform den Krieg mitmachte.
Von der deutschen Post in Belgien.
Wie gemeldet wird, waren bis 15. Juni in Belgien 1100 deutsche Postanstalten wieder in Betrieb. An Telegraphen- und Fernsprechaustalten sind 357 durch die deutschen Behörden eröffnet worden.
Bryan und Wilson.
®r^ Haag, 18. Juni. In Washington behauptet man nach der „Tgl. Rdsch.", daß Bryan gewünscht habe, es möge die gleiche Protestnote» wie sie an Deutschland wegen Behinderung der neutralen Schiffahrt gerichtet worden fei, gleichzeitig auch an die Verbündeten gehen. Wilson sei jedoch den Vorschlägen entgegengetreten.
Die Sicherstellnng der diesjährigen Ernte.
Der Bundesrat hat am Donnerstag beschlossen, für nichtig zu erklären alle Kaufverträge aus der inländischen Ernte des Jahres 1915 über Roggen, Weizen, Spelz, Hafer, Gerste, allein oder mit anderem Getreide vermischt, ferner über Mischfrucht, worin sich Hafer befindet, ferner über Futtermittel, die der Bekanntmachung über den Verkehr mit Futtermitteln vom 31. März 1915 unterliegen, ferner über Rohzucker, soweit die Verträge nach dem 31. August 1915 zu erfüllen sind. Dasselbe gilt auch für Verträge, die vor Inkrafttreten der Verordnung geschlossen sind. Weiter wurde zugestimmt den Vorlagen betreffend Verarbeitung von Kartoffeln in den Brennereien sowie Verbot des Vorverkaufs der Ernte des Jahres 1915.
Jnternierung der feindlichen Untertanen in London.
s-^p Amsterdam, 18. Juni. (T. U.) Die „Daily Mail" meldet nach dem „Hb. Frdbl.", daß demnächst alle in London befindlichen feindliche»» fremden, etwa 17000 interniert werden. Wegen des Mangels an Gefangenenlagern war bisher nur ein kleiner Teil festgehalten worden. Inzwischen sind zivei neue Lager 31t diesem Zweck errichtet worden. 1500 deutsche und österreichische Tränen wurden in ihre Heimat befördert.
vom „Eisenbahnkrieg"
Gren- begab Stäbe
Diese Schulung der Militär-Eisenbahn hat sich aber auch während des Krieges belohnt gemacht. Wie die Truppenführer die Marschkolonnen auf den Straßen je nach den Zutreffenden Nachrichten vom Feinde auf neue Marschziele leiten, so werden die auf den Schienen- wcgen laufenden Heeresverbände unter Berücksichtigung der besonderen Eigenarten der Eisenbahnen je nach der operative»» Lage tu andere Richtungen gebracht. Die Ge- schicklichkeit der beteiligten Offiziere und Beamten in der Führung der „Eisenbahnmarschkolvnnen" hat zn den herrlichsten Erfolgen im Osten und Westen wesentlich beigetragen, ihren schönsten Lohn aber in den letzten Siegen in Galizien geerntet. Die Vorbedingung für diese Beweglichkeit und Wendigkett der „Eisenbahn- marschkolonuen" ist ein gut entwickeltes Bahnnetz. — Das führt uns jur letzten großen Friedensaufgabe der Eifenbahn-Abteilung: der Ueberwachung des Bahnausbaues. Die Schwierigkeit dieser Ausgave lag darin, daß die Wege des deutschen Handels oft andere gewesen sind, als die Wege zu unseren Feinden im Ostei» und Westen. Weit vorausschauend mußten die für die militärischen Bedürfnisse und die für die Entwickelung von Handel, Industrie und Landlvirtschaft erforderlichen Bahnbauter» festgestellt und die Dringlichkeit gegenseitig sorgsam ab- gewogen werden. — Auch die Berücksichtigung der mili= tärischen Interessen bei kleineren Attsbauten mußte überwacht werden.
Als der Aufmarsch unserer Armeen an den zen vollzöge»» war, und der Vormarsch begann, sich der Chef der Eisenbahnabteilung mit seinem _ als „Chef des Feldeisenbahnwesens" im Gefolge Seiner Majestät ins Feld.
Mit dem Tage der Mobilmachung ist die Stellung der Militür-Eisettbahnbehörden gegenüber den deutschen Eisenbahnverrvaltttugen völlig geändert. Särntliche Eise»»bahne»» Deutschlands befinden sich seitdem im Kriegsbetriebe d. h. die Bahnverwaltungen sind beztig- lich der Einrichtung, Fortführung, Einstellung und Wie- deraufnaßmc des Bahnbetriebes den Anordunngen des Chefs des Feldeisenbahnwesens unterworfen. Tue Ausführungsanweisungen für die Regelung des Kriegsbetriebes gibt er durch die Linieukomruandantureu,- auch steht Wut für die Arbeit in der Heimat die Eiseubahn- abteilung des stellvertretenden Große»» Generalstabes in Berlin zur Verfügung.
Zrr dem heimischen Bahnnetz trat bald Balmgeötet in eroberten Landesteilen hinzu. Unsere Truppen sind im schnellen Ansturm weit in das Innere des feindlichen Landes vorgedrungen, aber die Gegner haben auf allen Kriegsschauplätzen noch Zeit gefunden, beim Rückzüge die meisten größeren Brucken.zu sprengen und viele Tunnels 31t sperren. Die Schienenwege münen den vorwärts dringenden Armeett dicht auf den Fersen bleiben, wenn anders deren Vormarsch nicht gestemmt werden soll. Dies bedingt schnellste Wiederherstellung nnd Inbetriebnahme der feindliche»» Bahnen. r
Für diese Aufgaben waren nach Attsspruch der Mobilmachung znuächst zwei Militär-Eisenbahil-Direk- ttonen aufgestellt, die den Eisenbahnbetrieb in dem er- oberten Gebiet so eiilrichten sollten, wie etwa die Eisen- bahn-Direktionen in der Heimat.
Die eine der beiden Militar-Eisenbahn-Direktionen wartete in Aachen auf den Zeitpunkt, wo sie nach Bel- gien vorgehen könnte. Die mit den Truppen ur vorderster Reihe vorgehender» Offiziere der Eisenbahn-Regimenter erknndeteri die Bahnzerstorunge»» an den völlig verlassenen Eisenbahnlinien, zunächst bis in die Ge- gend Hafselt—Löwen—Namur—Marloie. Abgesehen von vielen kleinere»» Störungen, aufgerissenen Gleisen, umgeworfenen Maschinen usw. fand man 13 Brücken gesprengt und einen Tunnel durch mehrere, mit Volldampf ineinandergefahrene Lokomotiven gewerrt. Die Telegraphen- und Ferttsprechleitttngen rvaren Her»mter- geriheu, die hierzu gehörigen Anlagen auf den Bahnhöfen unbrauchbar gemacht. Außerdem berauben sich bie Gleisanlagen in Belgien zum größten Teil in einem recht vernachlässigten Zustande: die Schienen waren schadhaft und in schlechter Gleislaae. Häufig brache»» bte Weichen unter der Last unse»-er Lokomotiven.
Da mußten die Eisenbahntruppen aus Werk: sie haben fast übermenschlich gearbeitet, um den vvrdringen- den Slnncen die Nachführung von Muuitwn nnd Ver- pslegnng zu sichern. Oft mußten lange Militärzüge in dichter Folge über die Bahnen geleitet werden, nacltbcm notdürftig ein Gleis frcigcmacht, und auf den Bahnhöfen Unteroffiziere mit einigen Leuten den Betrieb Übernommen hatten. Noch hatte z. B. keine beutfWe Maschine Lüttich nach Westerl hin ubcrfWrittcn, als schon der erste Zug mit deutschen Truppen, bte bett bei Brnyel Kämpfenöen Unterstützung bringen und bis Löwen Vorfahren sollten, in den Bahnhof einlief. Die vorliegende &red£ war aerobe eben etnaleisia in Ordnung gebracht.
Betriebspersonal fehlte ganz, die Telephon- oder Tele^ gravhenverbittdunge»» zwischen den Stationen waren noch nicht »nieder hergestellt. Trotzdein fuhr Zug auf Zug auf Löwen vor, die entleerten Züge kehrten auf demselben Wege zurück. Obwohl aus den Häusern auf die Züge geschossen und fortgesetzt feige Anschläge gegen die Bahnen vor» einer sinnlos verhetzter» Bevölkerung ausgeführt wurden, kan» die Truppe doch rechtzeitig an den Feind und konnte zum entscheidenden Sieg noch beitragen.
Schritt für Schritt ging es mit der Wiederherstellung und Jnbetrrebnahme der Bahnen vorwärts. Am 1. September zog die Militär-Eisenbahn-Direktion in Brüssel ein, Ende Oktober rückte sie nach Lille vor. An ihre Stelle traten in Lüttich und Brüssel neugebildete Linien- Kommandanturen.
Südlich der Militär-Eisenbahn-Direktion I wurde die Militär-Eisenbahn-Direktion II am 20. August in Ulflingen eingesetzt, am 25. August nach Libramont und am 4. September nach Sedan vorgeschoben. Ihr folgte bis Luxemburg eine neuformierte Linien-Kommandan- tur. Die Gebiete der beiden Militär-Eisenbahn-Direk- tionen wurden mit der Zeit so umfangreich, daß zwischen beiden noch eine dritte mit dem Sitz in Charleroi eingeschoben werde»» mußte.
Im Osten ist für das eroberte Gebiet Russisch-Poleus eine Linien-Kommandantur in Lodz eingesetzt.
Alle diese Behörden sind militärisch organisiert. Der Eisenbahnbetrieb ist militärisch und wird in den Gebietsteilen dicht hinter der Front durch Eisenbahntruppen, weiter rückwärts durch Personal, das von den deutschen Eisenbahnverwaltunge»» abgegeben ist, geführt.
Die Bautätigkeit der Eisenbahntruppei» erstreckte sich in den ersten Monaten des Krieges vorzugsweife auf die Wiederherstellung zerstörter Eisenbahn-Kunst- baute»», um überhaupt mit Hilfe feldmäßiger Mittel schnell Bahnverbindungen für die Zwecke der Armeen zu schaffen: in den folgenden Kriegsmonaten galt es, diese Bahnverbindungen zu größtmöglicher Leistungsfähigkeit auszubauen. Neue Bollbahnen wurden gelegt, wo die vorhandenen im militärischen Interesse der Ergänzung bedurften, oder wo unsere Bahnen irr das eroberte Land hinein keine Fortsetzung hatten.
Bei den ungünstigen Geländeverhältnissen und dem schlechten Zustande der durch den nasser» Winter aufgeweichten Wege war man im vordersten Teile des Operationsgebiets zur Anlage eines vielmaligen Netzes von Kleinbahnen, von Feld- und Förderbahnen gezwirngen, um Munition und Verpflegung bis dicht an die Stellungen unserer Truppe»» vorzuführen. Eine längere Feldbahn hat nur in Polen für den Nachschub einer Armee vorübergehend Bedeutung gewonnen.
Anstelle der Notbrücken mußten im Lause der Zeit zur Erhöhung der Betriebsleistung und Betriebssicherheit Brücken mit permanentem Charakter treten. Die Durchführnrig dieser Bauten geschah vorn im Opera- tio»»sgebiet durch die Eisenbahntruppen, in weiter rückwärts gelegenen Etappengebiet durch deutsche Privat- firmett. Im Laufe des Krieges sind bisher 104 größere Brücken gebaut, 8 Tunnels wieder hergestellt und 14 größere Bollbahne»» dem Betrieb übergeben. Etwa 160 Bahnhöfe sind hinsichtlich ihrer Gleisentwicklung, ihrer Aus- und Einladeinöglichkeiten aubgebaut, zahlreiche Ueberholungsgleise für die langen Militärzüge und eine Reihe von Verbindungskurven zwischen wichtigen Bahnlinie»» gelegt. (WTB.)
Vermischtes.
Leutnant und Bnrsche im Tode vereint. Eil» Beispiel treuer Kameradschaftlichkeit über den Tod hinaus wirb aus Döbeln gemeldet. Auf dem dortigen Park- friedhof fand dieser Tage eine seltene Trauerseier statt. Sie galt dem Andenken des Diplom-Ingenieurs und Leirtnants der Reserve Felix Gleisberg und dessen Burschen, des Kriegsfreiwilligen Walter Polster aus Schlesien. Gleisberg hatte sich schor, in verschiedenen Gefechte», ausgezeichnet und dafür das Eiserne Kreuz und den Sächsischen Albrechtsorder, erhalten, als er im Monat Mai bei einem Gefecht in Rußland fiel. Sein Bursche Polster wollte die Leiche bergen, erhielt aber einen Kopfschutz, der ihn ebenfalls tötete. Kameraden betteten die beiden Gefallenen in ein gerne,mames Grab. Der Vater des Leutnants Gleisberg hatte nun den Wunsch, die Leiche seines Sohnes in die Heimat zu überführen. Diesem Wunsche wurde stattgegeben und mit der Leiche des Leutnants auch zugleich die des treuen Burschen nach hier übergeführt, wo nun beide Kriegskameraden wieder gemeinsam in der kühlen Erde nuten.
Der Wayrsagennfng. Das Lberverwaltnngsgericht hat eine bemerkenswerte und sehr erfreuliche Entschel- dung in Sachen des Wahrsageunfnas gefällt. Eine Frau Sch., die als „phrenologisch ausgebildete und berühmte ®ame" die Leute an sich lockte, die nicht alle werden, und ihnen für sogenannte „Prophezeiungen" aus den Hand- und Kopflinien teures Geld abnahm, reichte gegen die ihr auferlegten Strafen nacheinander beim Regiernngs- präsidenten und beim Oberpräsidenten Beschwerde ein. Nunmehr hat das Oberverwaltungsgericht das Urteil gefällt, daß eine derartige Tätigkeit nicht nur gegen gute Sitten, sondern auch gegen das Strafgesetz verstoße, urw daß die Klage vor den Borinstanzen mit Recht zuruck- gcwicfen worden sei Es ist sehr erfreulich, daß diese Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts den Polizeibehörden ein wirksaines Mittel in die Hand gibt, dem Unfug der Wahrsagerei und Kartenlegerei rücksichtslos zu steuern.
Kriegsbnmor. Kein Platzn,angel. „Da sagen f’ immer, im Schützengraben gehbs so eng her, derweil' hat sich der Hias draußen anch noch einen Vollbart wachse», lassen! — Feldgraue unter sich. „Das Französische is a' tolle Sprach: Etui wird's g'schrieben nnd Futteral wird's gesprochen." — Ansgenutzte Begeisterung. Tischgast: „Nein, war das eine Begeisterung, als an der Table b’bote plötzlich die Nachricht von dem großen Sieg ein- traf.... den ganzen Kapaun, der gerade herurnge- reicht wurde, habe ich beinahe allein essen münen! — Macht der Gewohnheit. Der Reisende Müller ist zum Militär eingezogen. Am ersten Abend in der Kaserne stellt er vor dem Schlafengehen, nach alter Gewohnheit, seine Stiefeln zum Putzen vor die Tür.
(Fliegende Blatter.)
Weitere Drahtnachrichten.
Furchtbare Tat eines Vaters.
o-> Dresden, 18. Juni. (T. U.) Eine furchtbare Familientragödte hat sich in Oberliga (Vogtland) abgespielt. Dort ertränkte der Maurer Biedermann teilte vier Kinder, von denen das älteste fünf Jahre alt war, in einem Teich und warf sich dann vor einen Eisenbahn- zug, der ihn tötete. Biedermann litt an einer schwere», Krankheit und hatte fcfton wiederholt Selbstmordgedanken geäußert.
Mitzgltickter Angriff auf die Brüsseler Luftschiffhalle.
Amsterdam, 18. Juni. (WTB.) Dem „Nieuwes van den Dag" wird aus Rosendahl gemeldet: In der letzten Nacht, etwa um 4 Uhr machten zwei französische Flieger einen Angriff auf die WtiiiWiffOalle von Brüffel. Sie wurden aber burd) eine heftige Kanonade der De»rt- fdien vertrieben. Schade»» wurde nicht angerichtet.