Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- & _ r zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
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holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Nr. 139.
Donnerstag, den 17. Juni
1915
Amtlicher Teil.
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der Zahresllasie 1896.
Zur Musterung und Aushebung äes Landsturms der ^abresklaHe 1896, also diejenigen männlichen Personen, welche in der Zeit vom 1. Januar 1896 bis einschließlich 31. Dezember 1896 geboren sind, sind folgende Termin bestimmmt worden:
Am Montag, den 21. Juni d. 3s.,
von Morgens V28 Gbr ab Musterung und Husbebung der vorbezeichneten Landsturmpflieh tigen aus der Stadt ßersfeld und aus sämtlichen zum Hmtsgei ichts- bezirk ßersfeld, gehörenden Landgemeinden und Gutsbezirken.
Am Dienstag, den 22. Zuni ds. 3s. vonjhlorgens V28 Uhr ab desgleichen der Mannschaften aus sämtlichen Gemeinden der Hmtsgerichtsbezirke friedewald, JViederaula und Schenklengsfeld. Die Musterung findet zu ßersfeld, in der neuen üurn- balle (Huguft Gottliebftraße) statt.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden hiermit angewiesen, Vorstehendes alsbald und wiederholt auf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen und dafür zu sorgen, daß sämtliche Gestellungspflichtige pünktlich zu den bestimmten Terminen erscheinen. Etwa fehlende Personen sind mir sofort namhaft zu machen.
Die Herren Ortsvorsteher haben zu den Terminen ebenfalls zu erscheinen und so lange zur Stelle zu sein, bis sämtliche Mannschaften ihrer Gemeinde gemustert sind. Im Falle einer Verhinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters Sorge zu tragen.
Hersfeld, den 14. Juni 1915.
J. M. Nr. 4382. Der Landrat.
J. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assesfor.
Hersfeld, den 12. Juni 1915.
In Verfolg meiner Verfügung vom 13. April ds. Js. i. 4102, Kreisblatt Nr. 88 erinnere ich daran, daß die Beiträge zur Landwirtschaftskammer bei der Königlichen Kreiskasse hier jetzt eingezahlt werden müssen, l. 7608. Der Landrat.
v. Hedemann, Reg.-Assesfor.
Hersfeld, den 14. Juni 1915.
Der bisherige Schöffe Brod in Friedewald ist zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt worden. Ich habe die Wahl bestätigt.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. No. 5711. IV. I. V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Berlin W. 9, den 27. Mai 1915.
Leipziger Platz 10.
die sämtlichen Herren Regierungspräsidenten und , den Herrn Polizeipräsidenten hier.
Einvernehmen mit dem Herren Reichskanzler Ukiclxnitt des Innern) bestimmen wir für die Dauer des gegenwärtige» Krieges folgendes:
1.) Dre Vorschrift in § 35 Nr. 4 der Ausführungs- bestimmungen A zum Fleischbeschaugesetze, nach der ern Organ auch dann als tuberkulös anzusehen ist, wenn nur die zugehörigen Lymphdrüsen tuberku- W Veränderungen anfweisen, hat auf solche Darme keine Anwendung zu finden, in deren zugehörigen Gekrösdrüsen nur ältere, verkäste oder verkalkte Tnberkelhrrde gefunden werden. In diesen Fällen sind die tuberkulös veränderten Ge- krosdrüsen nach sorgfältigem Ausschneiden aus deur sie umgebenden Gewebe unschädlich zu be- fettigen.
2.) Bei Schlachttieren, die mit Maul- und Klauenseuche behaftet oder der Seuche verdächtig sind, sind Schlund, Magen und Darm unbeschadet der Vorschrift in § 160 Abs. 3 der Viehseuchenpolizeilichen Einordnung des mitunterzeichneten Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 1. Mai 1912 (Reichs und Staatsanzeiger Nr. 105) sreizugeben, die Schlünde und Därme sowie die Schweinemagen auch geschleimt und bei Wiederkauern die Magen nach der Reinigung gebrüht worden sind.
Wir ersuchen, hiernach die beamteten Tierärzte und das Fleischbeschauerpersonal schleunigst mit der erforderlichen Weisung zu versehen.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
J. A.: gez. Krenzlin.
Der Minister des Innern.
I. A.: gez. Kirchner.
* * * Hersfeld, den 10. Juni 1915.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Fleisch- beschauer sofort hiernach mit Weisung zu versehen.
1. 7582. Der Landrat.
v. Hedemann Reg.-Assessor.
Hersfeld, den 7. Juni 1915.
An die sämtlichen Schulvorstände des Kreises Gemäß dem Erlasse des Herrn Unterrichtsministers vom 6. November 1913 — u. in. A. 1603. L u. II. pp welcher auf Seite 11 des Amtlichen Schulblattes für 1914 abgedruckt ist wird, unter Berücksichtigung der örtlichen Bedürfnisse und wirtschastlschen Verhältnisse, bezüglich der Lage der Sommer- und Herbstferien für die ländlichen Volksschulen des Kreises Hersfeld in Uebereinstimmung mit dem Herrn Kreisschulinspektor einheitlich für das Jahr 1915 folgendes bestimmt.
Für die Sommer- und Herbstferien kommen insgesamt eine Dauer von 45 Tagen in Betracht. Die Sommerferien werden 25 Tage und die Herbstferien 20 Tage umfassen. Die Sommerferien nehmen am 19. Juli ihren Anfang und endigen mit dem 12. August. Die Herbstferien beginnen am 20. September und dauern bis zum 9. Oktober einschließlich.
Sollten die Schulvorstände aus irgend welchen besonderen örtlichen Gründen eine Abweichung von dieser Ferienordnung wünschen, so ist rechtzeitig ein entsprechender begründeter Antrag durch Vermittelung des Herrn Krersschulinspeltors in Cassel an mich einzureichen.
L 7205. Der Landrat.
I V.:
v. Hedemann, Reg.-Assessor.
Bus der Heimat.
* (Anfragen nach vermißten Kriegern.) Das internationale Komitee vorn Roten Kreuz in Genf bittet dringend sämtliche nach vermißten Kriegern Anfragende, ihre Gesuche nicht zugleich an das Rote Kreuz zu Paris und nach Genf zu richten, was vollständig zwecklos ist, sondern nur an die eine oder andere Auskunfsstelle zu richten. Beide stehen in fortwährenden Beziehungen. Wiederholungen der Anfragen sind unnötig und sehr zeitraubend.
* (Kein vorzeitiger Ernteverkauf.) In dem Posener Raiffeisen Boten findet sich folgende sehr beachtenswerte Warnung vor einem vorzeitigen Verkauf der Ernte: „Manche Landwirte lieben es, das Saatgut für die Frühjahrsbestellung vom Händler auf Kredit zu entnehmen und dafür die Verpflichtung einzugehen, die künftige Ernte dem Händler zu einem schon festgesetzten Preise ganz oder teilweise zu verkaufen. In diesem Jahre, wo die Futtermittel so teuer sind, ist dieses Verfahren besonders verlockend, und werden unter Umständen gerade die Frauen der im Felde befindlichen Landwirte gern davon Gebrauch machen. Darum ist eine Warnung vor solchen Verträgen in diesem Jahre ganz besonders am Platze. Für das Saatgut wird ein hoher Preis, der derzeitige Marktpreis, vielleicht sogar mit Zinszuschlag, in Ansatz gebracht. Ueber die künftige Ernte weiß man garnichts, und der Händler sichert sich in der Weise, daß er einen Preis meist unter dem Durchschnittsergebnisse der früheren Jahre in Ansatz bringt. Abgesehen davon, daß derartige Verträge gegen die guten Sitten verstoßen sollten, laufen Händler wie Landwirte Gefahr, daß der Landwirt gar nicht in der Lage ist zu liefern, sofern bei längerer Kriegsdauer auch die neue Ernte zugunsten der Heeresverwaltung sichergestellt oder durch die Kriegsgetreidegesellschaft beschlagnahmt wird. Außerdem kann jederzeit der Hypothekengläubiger zur Sicherung seiner Zins- forderuna der Entfernung des schon im voraus verkauften Getreides aus dem Grundstücke widersprechen, weil es als Zubehör anzusehen ist. In all diesen Fällen hat der Landwirt dann eine Schuld in bar zu tilgen, die aufgrund des Händlerkredits höher geworden ist, als wenn er gleich bar bezahlt hätte.
* Die Jagdaus sichten für die kommende Saison sollen die denkbar besten sein. Trotz der- Ungunst der Witterung in der zweiten Hälfte des März und Anfangs April ist der erste Hasensatz, wie sich jetzt zur Freude der Jäger herausstellt, sehr gut gediehen. Es gibt mehr Junghasen wie im vorigen Jahre. Die Rehe haben gut überwintert und fangen an, sich zu färben. Die ersten Kitzchen wurden Mitte Mai beobachtet. Fasanen und Rebhühner, welche ebenfalls gut durch den Winter gekommen sind, brüten bereits.
§ Hersfeld, 16. Juni. (Neuerung bei den L 0 t t e r i e l 0 s e n.) Die Lotteriedirektion hat für die bevorstehende 6. Preußisch-Süddeutsche (232. Königlich Preußische) Klassen-Lotterie bei den soeben herausgegebenen Losen eine beachtenswerte Neuerung einge- führt. Auf der Rückseite sind genau die Ziehungstage der einzelnen Klassen angegeben. Diese Tage find der 9. und 10. Juli, der 13. und 14. August, der 10. und 11. September und der 8. und 9. Oktober. Die vierwöchige Hauptziehung beginnt am 6. November. Auch ist genau vermerkt, wann sür jede einzelne Klasse die Erneuerung der Lose erfolgen muß. Man erhält dadurch von vornherein einen Uebenblick über die ganze Ziehung.
Rotenburg, 15. Juni. Mit dem Eisernen Kreuz wurden ausgezeichnet: Unteroffizier und Waffenmeister Heinrich Adam aus Ronshausen, im Feldart.- Regt. Nr. 30; Gefreiter Christian Kaufmann aus Obersuhl, im Jnf.-Regt. Nr. 167.
Melsungen, 13. Juni. Gestern in der achten Abendstunde ist ganz plötzlich ein Pfeiler unserer alten steinernen Fuldabrücke (der letzte auf der linken Seite) mit großem Krach eingestürzt, infolgedessen der Fuhrwerksverkehr, linksseitig von der Stadt aus, sofort polizeilich gesperrt werden mußte. Der Bau dieser Brücke wurde, wie die angebrachte Inschrift besagt, am 2. Juli 1595 unter Landgraf Moritz begonnen und schon am 16. Oktober 1596, also in fünfviertel Jahren vollendet: 320 Jahre lang hat die Brücke manchem Eingang und Hochwasser durch ihre solide Bauart standgehalten und sie wäre wohl auch jetzt nicht zu so bedeutendem Schaden gekommen, wenn sie nicht vor längerer Zeit durch Blitzschlag einen Riß erhalten hätte. Seit 1842 ist die Brücke in fiskalischer Verwaltung, so daß unserem Stadtsäckel durch diesen Einfall kein direkter Schaden entsteht. Dieser alten Brücke haben wir Melsunger auch den landbekannten Spitznamen „Die Bartenwetzer" zu verdanken, indem die Bürger, wenn sie in den nahen Stadtwald zum Holzfällen gingen, auf den scharfen Sandsteinen des Brückengeländers ihre Barten (Aexte) scharfmachten, wofür man hier „wetzen" spricht.
Cassel, 15. Juni. (Ein Sechzehnjähriger als Liebes- gabendieb.) Der sechzehnjährige Postaushelfer Friedrich S. hatte in der Weihnachtszeit im Eisenbahntunnel ein Liebesgabenpaket erbrochen, um daraus Zigaretten zu entwenden. Bei seinem Tun wurde er ertappt und sofort mit einer gehörigen eracht Prügel bedacht. Ueberdies verurteilte ihn die Strafkammer gestern zu zwei Wochen Gefängnis, empfahl ihn jedoch zur bedingten Begnadigung.
Göttingen, 14. Juni. Geheimrat Professor Dr. Riecke, der Physiker unserer Universität, der nach Ablauf des Sommersemesters von seinem Lehramt zurücktreten wollte, ist letzten Freitag abend an einem Schlaganfall gestorben.
Niederklein, .13. Juni. Infolge eines Unfalles hielt sich der in Werdohl beschäftigte Maurergeselle Alfons van Moll von hier an einem elektrischen Leitungsdrahte fest. Da der Strom nicht ausgeschaltet war, stürzte er sofort tödlich getroffen zur Erde. Die Leiche wurde heute nachmittag in heimatlicher Erde bestattet.
Erfurt, 15. Juni. Als Leichenfledderer entpuppte sich vor dem Kriegsgericht der aus dem Gefangenenlager zu Ohrdruf vorgeführte französische Kriegsgefangene Ragon. Ende März dieses Jahres bestimmte er den russischen Kriegsgefangenen Bartikow, einem im Sterben liegenden Franzosen dessen unter dem Kopfkissen liegenden Geldbeutel zu nehmen. Der Russe tat, wie geheißen und erhielt als Belohnung zwei Mark, während der Franzose fünf Mark für sich behielt. Er erhielt drei Wochen strengen Arrest. Der Russe kam wegen Hehlerei mit drei Tagen Gefängnis davon.
Mühlhausen, 14. Juni. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Schuhmacher Gustav Hoffmann aus Langensalza, der an die im dortigen Gefangenenlager befindlichen Russen 1000 Stück Zigaretten verkauft hatte, zu 1 Woche Gefängnis. Der L-taatsanwalt hatte vier Wochen Gefängnis beantragt.
Mühlhausen, 15. Juni. Zwei Gefangenenzüge führe»! Sonntag nachmittag, der eine kurz vor 4 Uhr, der andere gegen 6 Uhr, durch den Bahnhos Muhl- Hausen. Jeder derselben führte rund 1700 kriegsge- fangene Franzosen aus dem Barackenlager Ohrdruf nach Soltau in der Lüneburger Heide, wo sie bet Moorkulturarbeien Verwendung finden sollen.
Neukirchen Kr. Hünfeld, 15. Juni. Der im Februar dieses Jahres als gefallen gemeldete Unteroffizier Johannes Schmidt aus Oberstoppel ist, wie jetzt bekannt wird, verwundet in französische Gefangen- schast geraten und sieht daselbst seiner Genesung entgegen.
Wetteraussichten für Donnerstag bett 17. Juni
Heiter, trocken, keine größere Temperaturver- änderung.