Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Hersselder
für den Kreis Hersfeld
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Nr. 137
Dienstag, den 15. Juni
1915
Teil
Hersfeld, den 10. Juni 1915.
In Rengshausen und Obersuhl, Kreis Rotenburg a. F. ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
I. 1. Nr. 7570. Der Landrat.
I. V.:
v. H e d e m a n n, Reg.-Assessor.
Abgeordnetenhaus.
Das Haus trat am Sonnabend in die zweite Beratung des Fischereigesetzes ein. Den Bericht über die Verhandlungen im Ausschuß erstattete Abg. Lipp- mann (Stettin, fortschr.). Er wies auf die Notwendigkeit der Neuregelung der Verhältnisse hin, nachdem das Wassergesetz zustande gekommen war. Werden auch eine Anzahl kleiner Existenzen vernichtet, so müsse man sich darüber hinwegtrösten damit, daß die Fischgewinnung eine wesentliche Vermehrung erfahren wird. Es liege im hohen Interesse des Landes, das Fischereigewerbe so weit als möglich zu erhalten. Wenn das Gesetz dazu beitrage, die Volksernährung zu sichern, so werde alle Mühe nicht umsonst gewesen sein. Mitberichterstatter Abg. Frhr. v. Maltzahn (kons.) empfiehlt die Entschließungen des Ausschusses. Diese wünschen: strengere Bestrafnng der Wildfischerei, Berücksichtigung der Gemeindeangehörigen bei Verpachtungen fiskalischer Gewässer, Einstellung größerer Mittel zur Förderung der Küsten- und Binnenfischerei. In der Einzelberatung erklärte Landwirtschaftsminister Frhr. v. Schorlemer, daß sich die Regierung allen Abänderungsvorschlägen des Ausschusses anschließe. Alle zur Einzelberatung gestellten Kurtage wurden nach kurzer Erörterung abgelehnt mit Ausnahme des Antrages Hausmann (nl.), der den Fischereiberechtigten den Zutritt zu eingefriedigten Viehweiden an Fischereiufern verschaffen wollte. Das Gesetz wurde schließlich in zweiter und auch in dritter Lesung mit den Entschließungen des Ausschusses angenommen. Präsident Graf Schwerin teilte mit, daß die nächste Sitzung nicht vor dem 21. Juni stattfinden solle, um der verstärkten Budgetkommission Zeit zu lassen. Darauf entspann sich eine längere Geschäftsordnungsdebatte. Abg. Pachnicke (fortschr.) beantragte, auf die nächste Tagesordnung seinen Antrag betr. die Fidei- kommisse zu setzen, da die Regierungsvorlage nun nicht mehr erledigt werden könne. Abg. Wildermann (Ztr.) bat, den Antrag über die Kriegsprimaner auf die Tagesordnung zu setzen. Dem stimmte Abg. Dr. v. Heydebrand (kons.) zu, widersprach aber dem Vorschläge des Abg. Pachnicke. Ein solches Notgesetz wäre sehr einseitig und eine Aussprache würde nicht dem Gedanken des Burgfriedens entsprechen. Abg. Dr. Friedberg (nl.) meinte, die Frage, inwieweit die fideikommissarische Bindung großer Güterkomplexe auf unser Wirtschaftsleben gewirkt habe, lasse sich im Rahmen der Geschäftsordnungsaussprache nicht erledigen. Abg. Hirsch (Soz.) wünschte eine Besprechung der Wahlrechtsreform, damit die Regierung Gelegenheit erhalte, zu zeigen, in welcher Weise sie die in Aussicht gestellte Wahlreform vorzunehmen gedenke. Abg. Dr. Porsch (Ztr.) widersprach beiden Wünschen, war aber mit der Besprechung der Frage der Kriegsprimaner einverstanden. Abg. Dr. v. Heydebrand (kons.) betonte, daß man über die Dringlichkeit der Wahlrechtsfrage verschiedener Meinung sein könne. Eine Debatte hierüber könne nur die allererheblichsten politischen Gegensätze zutage fördern. Das Verhalten der Freunde des Abg. Hirsch bei der letzten Beratung hat ja gezeigt, wohin derartige Verhandlungen führen. — Schließlich wurden die Vorschläge Pachnicke und Hrrsch abgelehnt, der Antrag Wildermann angenommen und es beim Vorschläge des Präsidenten belassen. Schluß 3V2 Uhr.
Bus der Heimat«
* (Kornblumen soll man in diesem ^ahre nicht pflücken!) In allernächster Zeit können sich Ausflügler und Wanderer wieder dieser Blumerr erfreuen. Wer aber bisher glaubte ohne davon nicht nachHause kommen zu können, (,?^e stch vergegenwärtigen, welcher Schaden durch das Abpflucken entstehen kann. Klein und Groß pflücken bekanntlich nicht nur die am Rande der Felder stehen- den Kornblumen ab, sondern sie dringen vielfach tief m die Kornfelder ein, um einige Blumen zu erlangen. Dabei werden, wie wohl schon jeder wahrgenommen hat, häufig größere Flächen des wachsenden Kornes medergetreten und dadurch der Ertrag der Ernte ver= ringen. Keiner denke, auf die kleine von ihm beschädigte Flache komme es nicht an. Nur Gedankenlose können das glauben. Bei dem Ernste der Zeit, in der unsere ötinöc unablässig bemüht sind uns auszuhungern, darf kein Deutscher dazu beitragen, die Ernte zu ver
ringern. Es ergeht daher die öffentliche Bitte, das Abpflücken von Kornblumen zu unterlassen. Wer trotzdem fernerhin zum Zwecke des Abpflückens von Sternblumen Kornfelder betritt, hat auf Grund der Feldpolizeiorduung empfindliche Bestrafung zu gewärtigen.
* (Genaue Adressen bei F e l d p o st s e nd u n g e n.) In der Aufschrift auf Feldpostsendungen an bayrische Truppenteile wird oft dir Abkürzung „b" für „bayrisch" angewendet, was zu Unsicherheiten in der Leitung der Sendungen Anlaß gibt. Es empfiehlt sich dringend, das Wort „bayrisch" unverkürzt vor die Truppenbe- zeichnungenMegiment, Division, Armeekorps zu setzen, und zutreffendenfalls vor jede der genannten Truppen- bezeichnungen, also „bayrisches Armeekorps", „bayrische Division", bayerisches Regiment".
* Die Maul- und Klauenseuche wird gemeldet aus Lagershausen (Kr. Northeim), Ernsthausen (Kr. Kirchhain), Harste (Göttingen), Duderstadt, Höringhausen (Kr. Frankenberg), Bruchhausen (Kr. Höxter),Dillich(Kr.Homberg). Erloschen ist dieSeuche in Sehlen, Rengshausen und Obersuhl. Pferöeinfluenza herrscht in einem Bestände in Sandershausen.
§ Hersfeld, 14. Juni. Kriegsberichte, die in Feldpostbriefen, Tagebüchern oder ähnlichem enthalten sind, bieten oft wichtige Anhaltspunkte für die augenblickliche Beurteilung der Kriegslage wie für die spätere Geschichtsbeschreibung, gehn aber unbenutzt verloren, weil sie nicht den zuständigen Stellen übermittelt werden. Die für die Sammlung solcher Berichte zuständige Stelle, ist in unserer Provinz das Rektorat der Universität Marburg. Es wird gebeten, dorthin fortlaufend möglichst bald alle Briefe und sonstigen Schriftstücke, die ein allgemeineres Interesse haben, ein- zusenden, möglichst in der Urschrift, die auf Verlangen zurückgegeben wird, allenfalls auch in Abschrift. Geeignete Teile daraus follen auch jetzt schon veröffentlicht werden; die Einsender mögen deshalb angeben was sie aus irgendwelchen Gründen nicht veröffentlicht haben wollen. Es ist zu hoffen, daß die Bewohner unserer Provinz dieser Aufforderung in weitem Umfange nachkommen werden.
):( Hersfeld, 14. Juni. Die evangelisch-reformierte Pfarrstelle zu Kruspis, kommt infolge Versetzung ihres bisherigen Inhabers am 16. August dieses Jahres zur Erledigung.
§ Hersfeld, 14. Juni. Bei den guten Erfolgen, die nach den bis jetzt vorliegenden Mitteilungen bei unseren im Felde stehenden Truppen mit den Schutzimpfungen gegen Cholera und Typhus erzielt worden sind, erscheint es wünschenswert, auch der Zivilbevölkerung die Möglichkeit zu geben, nötigenfalls solche Impfungen durch die praktischen Aerzte an sich ausführen zu lassen. Das Königliche Institut für Infektionskrankheiten „Robert Koch" in Berlin N. 39, Föhrerstraße 2, hält die Impfstoffe zu folgenden Einheitspreisen (einschließl. Gebrauchsanweisung, Packung und Porto) vorrätig: 10 ccm 1 Mk., 20 eem 1 Mk. 50 Pfg., 100 ccm 4 Mk., 500 ccm 12 Mk., 1000 ccm 20 Mark.
[:] Hersfeld, 14. Juni. Die dritte Schwurgerichtsperiode des Landgerichtsbezirks Cassel, die am heutigen Montag, den 14. Juni, beginnen sollte, fällt aus. Die nächste Schwurgerichtsperiode wird erst nach Beendigung der Gerichtsferien, im Oktober, abgehalten werden.
Treysa, 11. Juni. Bei einem gestern morgen in der hiesigen Gegend niedergegangenen schweren Gewitter schlug der Blitz in das Wohnhaus des Klempnermeisters Konrad Dreyßigacker öahier ein, ohne zu zünden. Schlimmer erging es dem Schreinermeister Adam Ferreau im benachbarten Frankenhain, dessen Scheune und mit Arbeitsholz angefüllte Werkstätte ein Raub des entfesselten Elementes wurden, obgleich die Feuerwehren aus der Umgegend bald auf der Brandstätte erschienen.
Bebra, 13. Juni. Unser Magistrat, der vor kurzem noch 5 Mark für den Zentner Kartoffeln verlangte, fordert jetzt nur noch 4 Mark. In Thüringen gehen, wie dorther gemeldet wird, die Kartoffelpreise fortgesetzt herunter. Vielfach sind gute Kartoffeln für 3 Mark erhältlich, namentlich wenn man die Frucht in ganzen Fuhren abnimmt. Die Herren Kartoffelspekulanten, die die Vorräte ängstlich verwahrt haben erleben einen mächtigen Reinfall, da in diesem Jahre zu einer Zeit wo sonst die letzten alten Kartoffeln teuer bezahlt werden mußten, die Preise mehr und mehr sinken.
Rotenburg, 11. Juni. Unerfahren und getötet wurde der Bahnarbeiter Daniel Becker aus Rons- Hausell, Kreis Rotenburg, der auf der Strecke Cassel- Bebra mit Gleisarbeiten beschäftigt war und dabei einer heranfahrenden Lokomotive nicht rechtzeitig aus- gewichen war. Der Getötete war Familienvater und ist einige fünfzig Jahre alt.
Cassel, 14. Juni. Der 11 Jahre alte Sohn Karl des im Grünen Weg wohnenden Großhändlers, M. war gestern beim Tempel auf der Schönen Aussicht auf
die Mauer geklettert. Hierbei stürzte er ab, fiel die Anhöhe hinunter, überschlug sich mehrere Male und blieb tief unten im Aueweg schwer verletzt und besinnungslos liegen. Er wurde durch Vorübergehende in ein nahegelegenes Haus getragen. Er hatte einen Beckenbruch und sonstige innere Verletzungen erlitten. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz brächte ihn in das Elisabeth-Krankenhaus.
Hann.-Münden, 12. Juni. Gestern nachmitttag entlud sich in unserer Stadt ein schweres Gewitter. Im benachbarten Bonafort wurde die 21jährige Jda Danne vom Blitz tötlich getroffen, als sie gerade den Heubaum auf dem Wagen befestigen wollte.
Bad Sooden a. Werra, 12. Juni. Hier starb im 86. Lebensjahre wohl einer der letzten alten kur- hessischen Soldaten, der Königl. Kanzleiinspektor a. D. Johann Balthasar Kurz. Im Jahre 1849 in das kurhessische Leibgarde-Regiment eingetreten, war er später als Offiziant am Hofe des letzten Kurfürsten von Reffen und nach 1866 in der Königl. Preußischen Staatsverwaltung tätig. Ein Mann von aufrechtem Charakter, dem die treueste Pflichterfüllung über Alles ging, ist mit ihm dahin geschieden.
Rinteln a. Weser, 12. Juni. Bei der Ersatzwahl im Wahlkreise Grafschaft Schaumburg für den auf dem Felde der Ehre gefallenen Landtagsabgeordneten Generalmajor von Ditfurth wurde sein Bruder, der Lanörat von Ditfurth, mit 147 Stimmen, ohne Gegenkandidaten, zum Landtagsabgeordneten gewählt.
Vom Eichsfelde, 12. Juni. Vorgestern und gestern entluden sich über dem Eichsfelde schwere Gewitter, die den lang ersehnten Regen brachten. Ein auf Klostergut Gerode (Kr. Worbis) beschäftigter Knecht, der mit der Maschine das Heu wendete, wurde samt seinem Pferde vom Blitz erschlagen. — In Büttstedt schlug der Blitz in eine dem Landwirt Sterner gehörige Scheune und zündete. Die Scheune wurde eingeäschert, das angrenzende Wohnhaus konnte gerettet werden.
Erfurt, 12. Juni. In der Färberei und chemischen Reinigungsanstalt von Kretschmann in der Andreas- straße ereignete sich vorgestern mittag eine Benzinexplosion, bei der einige Personen zum Teil schwere Verletzungen davontrugen. Ein junger Mann, namens Paul Hirschfeld, wurde so schwer verbrannt, daß sein Zustand als hoffnungslos gilt. Der Brandschaden an Material soll nicht beträchtlich sein.
Hallenberg, 10. Juni. Im nahen Olpen starb beim Baden der 16jährige Sohn des Müllers Fries, weil er erhitzt ins Wasser gesprungen war und dadurch einen Herzschlag erlitt.
Worbis, 14. Juni. Durch Blitzschlag wurde aus dem Klostergut Gerode ein auf der Heuwendemaschine beschäftigter Knecht samt dem Pferde getötet.
Fulda, 13. Juni. Ein hier beschäftigter 36jähriger Arbeiter aus dem nahen Orte Neuenberg bekam ein kleines Geschwür im Gesicht. Er machte sich wiederholt mit seinen Fingernägeln daran zu schaffen, wodurch Blutvergiftung eintrat, die den rüstigen Mann dahinraffte. Eine Witwe mit 4 unmündigen Kindern sind nun ihres Ernährers beraubt.
Fladungen (Rhön), 12. Juni. Der 35jährige Schuhmacher'Heinrich Ewald aus Rüdenschwinden fuhr mit seinem Rade von Stetten nach Hausen und stürzte an einem steilen Abhänge so unglücklich, daß er eine schwere Kopfverletzung erlitt, die den Tod des jungen Mannes zur Folge hatte.
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die amtlichen Bekanntmachungen.
Nicht nur an den Tagen, an denen man etwas wichtiges unter ihnen vermutet, sondern
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Unter den amtlichen Bekanntmachungen werden fast Tag für Tag Bestimmungen wirtschaftlichen Inhalts verzeichnet, die man in dieser ernsten Zeit wissen und befolgen muh. Einmal im Interesse des allgemeinen Wohles und dann auch um sich vor Strafe zu schützen.
Wetteransfichten für Dienstag den 15. Juni
Ziemlich heiter, trocken, keine wesentliche Temperaturveränderung, nordöstliche Winde.