Surchhalten mit opfermntiger Int!
An der Neige des Mais, des Monats, den der Friede Wonnemonat getauft hat und der uns auch Heuer im Weltkrieg eine leuchtendwarme Frühlings,onne beschert, hat sich der Horizont des Weltgeschehens verfinstert. Der schmachvolle Treubruch unseres ehemaligen Bundesgenossen, der just Pfingsten, an Dem „lieblichen Fest", unserm Bundesgenossen Oesterrerch-Ungarn den Krieg zu erklären für gut fand, hat das gewaltige Ringen der Völker in ein neues, für uns und unsere Verbündeten schwereres Stadium gebracht. Was ist die positive praktische Nutzanwendung, die das deutsche Volk aus der neuen Lage der Dinge zu ziehen hat? So heißt heute mehr als je: Durchhauen mit opfermutiger patriotischer Tat! Wenn wir zu unsern Tapfern Draußen und unsern Verbündeten das Vertrauen haben, daß sie auch der neuen schwierigern Lage gewachsen sein werden, daß sie auch den schier übermenschliche Kräfte erfordernden Vamps gegen nunmehr sämtliche europäische Großmächte mit ihren gelben, braunen und schwarzen Knechten, dazu einige kleinere Völker und Amerikas Waffen siegreich bestehen werden - und dieses Vertrauen haben wir ja alle —, dann müssen wir Daheimgebliebene uns auch das Gegenvertrauen verdienen, daß wir unserseits ebenfalls unsere Pflicht restlos erfüllen, das heißt alles in unsern Kräften Stehende tun, um Heer und Flotte den notwendigen materiellen und moralischen Rückhalt zu geben und ihnen die erfolgreiche Kriegführung zu erleichtern. Alle jene glänzenden Leistungen auf den Gebieten der Volkswirtschaft, der finanziellen Opferbereitschaft für das Vaterland und der Fürsorge für alle Hilfsbedürftigen, die bisher schon das Staunen und die Be- wuuderung der Welt erregt haben, heißt es jetzt nicht nur in dem bisherigen Maße weiter zu vollbringen, sondern noch zu steigern, entsprechend den grötzern An- sordermigen an die Tatkraft unserer Armee und Marine.
Da gilt es einmal, alle wirtschaftlichen Kräfte aufs höchste anzuspannen, um jegliche Not aus dem Lande zu bannen. Weiter gilt es, alles nur irgend entbehrliche Hab und Gut freudig auf den Altar des Vaterlandes zu legen, hier gegen gute zahlenmäßige Gegenleistung, hier als Opfer für das Vaterland. Das eigentliche Feld der Opfer ist das unermeßliche Gebiet der Kriegs- liebestätigkeit. Wohl liegt es dem Reiche ob, die Bedürfnisse des Krieges zu befriedigen und der Not, die er mit sich bringt, zu steuern, und das Reich erfüllt ja auch diese Pflicht nach Maßgabe seiner Kräfte aufs beste, und wo noch Mängel vorhanden sirid, ist es bestrebt, ihnen abzuhelfeu, z. B. bei der Invaliden- und Hinterötte- benenversorgung. Unterstützt wird es bei dieser Fürsorge- tätigkeit in wirksamster Weise durch die Emzelstaatcn, die 'Kommunalverbände, die auch hier wieder zeigen, daß ihre Leistungen ihresgleichen suchen, und durch die Organisationen der Kriegsfürsorge. Aber dieser große Organismus, so glänzend er auch eingerichtet ist und arbeitet, ist doch zu einem erheblichen Teile wegen der natürlichen Beschränkung seiner Mittel auf private Hufe angewiesen. Wenn er diese auch im bisherigen Verlaufe des Krieges in hervorragendem Matze gefunden hat, so scheint, wie die „Köln. Ztg." ausführt, gleichwohl die augenblickliche Lage, wo sich zu unsern vielen allen Feinden noch ein neuer gesellt, Grund genug zu sein, daß sich jeder Deutsche eruhaft die Frage vorletzt, ob er c uch bisher zur Erreichung unseres großen Zieles, der dau-
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nach fernen heften Kräften mttgearveltet ijot Jeder em- zelne stelle sich einmal recht anschaulich die Vorteile vor Augen, die ihm durch die glorreiche Arbeit unserer be- waffneten Macht zuteil geworden sind, die die brutalen Horden unserer Feinde von des Reiches Grenze mit eiserner Faust zurückgeworfen hat! Wir meinen, diese Vorstellung allein müßte jeden, der nicht undankbar ist, davon abhalten, in einen Zustand tatenloser Trägheit zu verfallen, als ob er ein gutes Recht darauf hatte, daß die Kriegslage für uns so glänzend ist! Das kann sie nur bleiben, wenn wir alle, trotzdem wir in unserm Alltagsleben zehn Monate lang kaum etwas von dem Kriege gemerkt haben, uns dauernd der schweren Lage des Vaterlandes bewußt bleiben und jedes nur mögliche Opfer an Gut und Blut freudig dem Vaterlande darbringen.
Und nicht nur dem Vaterlands, sondern auch unsern treuen Verbündeten, den Oesterreichern, Ungarn und den Türken, die jetzt mit bewuudernswerter Tapferkeit und entsprechendem Erfolge an den Dardanellen nicht nur für ihre eigenen, sondern auch für unsere und Europas Interessen kämpfeu und die für Liebesgaben besonders dankbar fein würden. Jeder spende, soviel er nur irgend kann, große oder kleine Gaben, für Liebesgaben für unsere Helden — mehr als bisher mit unbestimmter Adresse, denn daran fehlt es, trotz den Hin- weisen der maßgebenden Stellen und den anerkennenswerten Ausaleichbestrebungen im Verhältnis immer noch —, zur Fürsorge für Invaliden, Himerbliebeue, bedürftige Angehörige und sonstige Arme, die der Krieg zu Stiefkindern des Glücks gemacht hat! Der Bedarf ist ungeheuer, und nur die höchste Opferwilligkeit auf allen Gebieten kann das schwerbedrängte deutsche Volk zu seinem großen Ziele dem glorreichen Ende seines Da- seinskampfes, führen. Darum nochmals: Durchhauen mit opserumtiger patriotischer Tat!
Wie war's 1866 mit Irentino?
Unter den gegenwärtigen Umstünden hat es wohl ein gewisses Interesse, sich die Ereignisse vor 50 Jahren in jenem südlichsten Zipfel der österreichischen Monarchie vor Augen zu halten, der jetzt vielleicht wieder Kampfschauplatz werden wird. Daß die italienische Politik sich 1866 durch die Unverschämtheit ihrer Forderungen bei sehr minderwertigen Leistungen im Felde auszeichnete, ist bekannt, und gerade die Kriegsgeschichte des Trentino beweist das. Begehrt halten die Italiener das schöne Land, das sich von den Eisgipfeln des Ortler bis nach dem Gardasee erstreckt, schon lange, aber erobern konnten sie es nicht. Der italienische Generalstab von 1866 hatte, als der Krieg im Juni begann, eine ganze Division "vier dem General Medici nach dem Val Sugana in Tiro vorgeschickt, um gegen die Oesterreicher zu operiere,' mit diesem sollte sich der von Westen, von Brescia, kvn nöe Garibaldi vereinigen, dessen Freischaren sich umr cen- ihw eine leichte und sichere Beute versprachen. Hinten gegenüber stand der österreichische Generalmajor Kühn mit verhältnismäßig schwachen Kräften.
Garibaldi, damals noch auf der Höhe seines Ruhmes, de- "'elb von Calatifimi und Neapel, von dem man sich M dinge versprach, versuchte vergebens durch die Gc äste am Stilfser Joch und im Tonale einzu- drim, die geschichtliche Erfahrung, daß Tirol mit kleinen Heerhaufen leicht zu verteidigen ist, bestätigte sich wieder einmal. Kühn war im Begriff, gegen ihn ; vorzugehen, da traf die Nachricht von der Schlack)' bei l Eustozza (21 Juni) ein, die zunächst bethen Parten" Hu " ^''"'"" wbot. Die Italiener, als die geh' tue
Partei, zogen sich an vas Süvufer des Gardasees zurück? die Oesterreicher waren zwar Sieger, da aber sehr balo die ganze österreichische Südarmee nach Norden «drücken mußte, war in Italien kein österreichisches Heer meist; Südtirol mußte sich selbst verteidigen: man rief den Landsturm auf, dem die Deutschen begeistert, die Italiener nur sehr zögernd folgten. Indessen kam von Wien der Befehl, das Trentino um jeden Preis zu halten.' Kühn, der Verstärkungen erhalten hatte, wußte, daß General Medici vom Val Sugana her anrückte, und beschloß, erst Garibaldi einen Schlag zu versetzen, ehe er mit dem zweiten Gegner zu tun bekam. Er traf die Fre»° scharen, die auf Riva vorrückten, bei dem Orte Bececa und schlug sie mit einem beträchtlichen Verlust von etwa tausend Toten und Verwundeten. Am Abend des Tages bekam Garibaldi Verstärkungen, und es gelang ihm, das Gefecht zum Stehen zu Dringen; aber rwn einem wettern Vorrücken der Freischaren war keine Rede mehr. Die österreichische Flottille auf dem Gardasee, welche die nach Riva führenden Straßen bestrick), erwies sich auch der italienischen bedeutend überlegen.
Inzwischen war General Medici durch das Tal der Brenta von Osten her angerückt und näherte sich Trient. Kühn hatte aber von Wien eine Brigade als Verstärkung erhalten und war nun im Begriff, die Offensive zu ergreifen. Ehe es zum eigentlichen Kampfe um Trient kam, bei dem die Oesterreicher nunmehr die günstigern Bedingungen gehabt hätten, begannen am 5. August zu Cormons die Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Italien und Oesterreich, die am 11. zum Abschluß führten, wonach die Italiener die von ihnen besetzten Landstriche Südtirols räumen mußten. Je weniger sie aber militärisch geleistet hatten, desto unverschämter benannten sie sich jetzt bei den Verhandlungen. Wie verzogene Kinder, die gewohnt sind, daß ihnen alles durch andere besorgt werden muß, verließen sie sich darauf, daß der allmächtige Schirmherr in Paris schon durchsetzen werde was sie wünschten. Nachdem sie Venedig bekommen hatten, meinten sie auch Ansprüche auf das Trentino zu haben, obgleich sie es nicht hatten erobern können. Ja, sie machten diese Frage des Trentino zu einem der schwierigsten Streitpunkte bei den Friedensverhandlungen und hätten diese, wenn sie nur im geringsten dazu die Macht gehabt hätten, gern deswegen abgebrochen.
Indessen weder Napoleon in., noch Bismarck, die beide die Verhandlungen in der Hand behielten, hatten Lust, sich wegen dieser nationalen Eitelkeit der Italiener in Unkosten zu stürzen. Auch das preußische Kabinett verweigerte seine Beihilfe zu Unterhandlungen auf der Grundlage der Stötretung des Trentino, was man dem Verbündeten schon damals sehr übelnahm. Der italienische Minister Nigra reiste sogar nach Paris, um dem fran-osischen Minister Drouye die Forderung abzu- dringcn, daß die österreichisch-italienische Grenze zwischen Bozen und Trient liegen müsse— genau wie man's heute verlangt. In Paris ließ man sich auf nichts ein. Man hatte von dem unartigen Zögling genug. Und als die Italiener durchaus nicht nachgeben wollten, schickte Napoleon seine Flotte in die Adria und ließ sie drohende Be- ; wegunaen gegen Ancona und das schon von den Jtali- j eitern besetzte Venedig ausführen. Außerdem rückten die Oesterreicher nun wieder über die italienische Grenze, , und noch am 14. August, als der Krieg in Deutschland 1 längst zu Ende war, fand in Auronzo, auf venetianischen ' Boden, ein Gefecht zwifchen Oesterreichern und Garibal- öinern statt. Da gab Italien endlich nach. Es hatte niemand gefunden, der die Kastanien für es aus dem I Feuer holte, und danach fiel denn auch das Ergebnis aus.
(Köln. Ztg.)
Mehrere
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen zu Hersfeld am 4. Juni 1915, nachmittags 3 Uhr, folgende Gegenstände als:
1 neuer Wagenkasten,
2 Ladenregale,
1 Ladentisch,
1 Spiegel,
1 Sopha,
1 Wäscheschrank, Kommoden, 1 Schweinchen u. n. a. Sachen öffentlich meistbietend gegen gleich Barzahlung versteigert werden.
Zusammenkunft der Kaufliebhaber in der Wirtschaft „Zur Lullusquelle".
Becker, Gerichtsvollzieher.
AtrfiirsttM'Htrssklil. Freilag H.11.MH915 vormittags 10 Uhr wird auf hiesigem Geschäftszimmer die
Wiese
in der Thierbach bei Bie- debach, 11 ar groß, an den Adam Sprenk zu Biedebach seither verpachtet, für weitere 12 Jahre, vom 1. Oktober 1915 bis 30. September 1927, verpachtet.
Am Schlüsse des Termins werden aus dem Finstertal 139 versteigert
53 rm Buchenscheit u.
66 rm Buchenknüppel.
Derjenige, welcher sich erlaubt hat, meinen
Civtztarren
zu borgen, wird um Rückgabe ersucht.
F. W. Auel.
Nachruf.
Am 29. Mai d. Js. starb den Heldentod fürs Vaterland unser lieber langjähriger
Turnwart
Hugo Richter
Unteroffizier im Reserve-Inf.-Regt. Nr. 32.
Wir verlieren in demselben einen treuen Freund und eifrigen Förderer der deutschen Turnsache und werden ihm dauerndes Andenken bewahren.
Turnverein Jar.
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