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«ensur oazwlscheugefayren uns yat ven Nest gestrichen. Etwas mehr Glück hat das „Journal" gehabt. Es er­örtert die Frage, woher das deutsche Unterseeboot ge­kommen sei, indem es zwei Möglichkeiten annimmt: Die Zusammenstellung deutscher Unterseeboote mit weitem Aktionsradius auf den österreichischen Werften in Trieft, Pola oder Fiume, oder sogar ihre direkte Fahrt von Deutschland her durch die Straße von Gibraltar. Dazu bemerkt das Blatt: „Das wäre eine Leistung von ganz anderer Bedeutung. Eine unmögliche? Die Mann­schaften der Unterseeboote aller Kriegsflotten haben ihre Ausdauer bewiesen; die Sache ist also eine Frage oer _ Ausbildung im einzelnen. Deutschlands Geist der Me­thode und Organisation befindet sich da gans und gar wohl in dieser Aufgabe. Mit der spanischen Küste und den Balearen als Hauptruhepunkte und einige Gelegen- Heitsanlegepunkt kann der Coup gelingen." „Man müsse sich," meint das Blatt weiter, „mit dem Dasein der Unterseeboote abfinden." „Ihr Eingreifen," meint es, „verwickelt ein Unternehmen, das in einem beschränk­ten Kreise'eine intensive Tätigkeit zur See erfordert. Der erste Schlag ist empfindlich, ohne besonders ernst zu sei«, und die Warnung wird nicht verfehlen, von den Führern der Flotte im Gedächtnis behalte» zu werden." Das letztere scheint nicht der Fall gewesen zu sein, oder aber, was wahrscheinlicher ist, das Gedächtnis hat nicht geholfen. Dem ersten Schlag ist noch empfindlicher der zweite auf dem Fuße gefolgt. Die Führer der englischen und französischen Flotte werden wohl noch etwas Besseres altwenden müssen als das Gedächtnis, um den dritten 6it parieren.

’ Bericht des türkischen Hauptquartiers.'

w> Konstautinopel, 30. Mai. (WTB.) Das Haupt­quartier teilt mit: An der Dardanettenfront bei Ari Bn- run bemühte sich der Feind vergeblich, uns daran zu ver­hindern, die im Zentrum seiner Stellung gelegenen Schützengräben zu organisieren, die wir genommen hat­ten. Bei Sed iil Bahr ist der Feind anscheinend damit beschäftigt, die infolge der Kämpfe vom 23. Mai entstan­denen Lücken ausznfttllen. Untere anatolischen Batte­rien an der Meerenge bombardierten gestern wirksam die feindlichen Schiffe bei Sed ül Bahr. An den übri­gen Fronten nichts von Bedeutung.

Die Torpediernug des „Agamemnon".

Das französische Marineamt konnte bisher nach dem „B. L.-A." kein Londoner Dementi der anch aus Athen gemeldeten Torpeöierung eines Panzers vom „Aga- mcmnou"-Typ erlangen. Die Pariser Fachmänner er­kennen rückhaltlos an, daß die deutschen Unterseeboote mit ihrem Reiserekord von 5000 Seemeile» und ihren Torpedos von unabwendbarer Dnrchschlagsfähigkeit die Sicherheit selbst der modernsten Ozeanriesen durchaus problematisch machen.

Die „Majestic" sei, wie der Marinefachmann der „Daily News" ausführt, das siebente englische Linien­schiff, das in diesem Kriege verloren ging. Und da man mit vierzig derartigen Schiffen in den Krieg gegangen fei, habe sich die Flotte um 17^ Prozent vermindert, was um w schwerer wiege, als die deutsche Schlacht­flotte keine ausgleichendeu Verluste erlitt, sondern als Schlachtflotte intakt geblieben sei. Die Verluste, oie England während des Krieges erlitten habe, stellen einen Tonnengehalt von 142,785 dar, die Bundesgenossen zu­sammen verloren sogar 190,862 Tonnen, davon vor den Dardanellen allein 92,228 Tonnen.

Eine Niederlage der Russen in Erzernm.

Die „Agence Mtlli" erfährt aus Erzerum, daß Truppenabteilungen der Unten russischen Flügels aus ihren Verschanzungen geworfen wurden und unter Zu- rücklassnng vieler Toten flüchteten. Die türkischen Trup­pen erbeuteten eine Menge Gewehre und Munition. Am rechten russischen Flügel hat sich nichts von Bedeu­tung ereignet.

Die deutsche Antwort auf die „Lusitania"-Note.

In der Antwortnote der Kaiserlich Deutschen Ne- glerung in der Lusitania-Angelegenheit heißt es u. a.:

Die Kaiserliche Regierung hat die Mitteilungen ver Regierung der Vereinigten Staaten einer eingehenden Prüfung unterzogen und hegt auch ihrerseits den leb­haften Wunsch, in offener und freundschaftlicher Werfe zur Aufklärung etwaiger Mißverständnisse beizutragen, die durch die von der Amerikanischen Regierung er­wähnten Vorkommnisse in den Beziehungen der beiden Regiernngen eingetreten sein könnten.

‘ Was zunächst die Fälle der amerrkantschen Dam­pfer „C»shi«g" und „Gnlflrght" betrifft, so ist der Ame- rikarrischen Botschaft bereits mitgeteilt worden, daß der Deutschen Regierung jede Absicht fernliegt, im Kriegs- zebiet neutrale Schiffe, die sich keiner feindlichen Hand- mng schuldig gemacht haben, durch Unterseeboote ober Flieger angreifen zu lassen; vielmehr sind den deutschen Strestkrästen wiederholt die bestimmtesten Anweisungen gegeben worden, Angriffe auf solche Schisse zu vermei­den. Wenn in den letzten Monaten infolge von Ver- vechsclungen neutrale Schiffe durch den deutschen Mrter- 'ecbvotskrieg zu Schaden gekommen sind, so hanoelt es sich um ganz vereinzelte Ausnahmefalle, die auf bett Flaggeumitzbrauch der britische» Regier»»» in Verbm- mnq mit einem fahrlässigen ober verdächtigen Verhalten der SchiffSkapitäne zurückznsnhren sind. Die Deutsche Regierung Hai in allen Fällen, wo ein neutrales Schiff ohne eigenes Verschulden nach den von ihr getroffenen Feststellungen durch deutsche Unterseeboote oder Flieger zu Schaden gekommen ist, ihr Bedauern über den un­glücklichen Zufall ausgesprochen und, wenn es in der Sachlage begründet war, Entschädigung 3U gesagt. Nach den gleichen Grundsätzen wird sie auch die Falle der amerikanischen Dampfer „Cushing und „Gulflight be-

^ Bei der Versenkung des englischen Dampfers „Fa- lava" hatte der Kommandant der deutschen^Untersee­bootes die Absicht, den Passagieren udderManttchaft volle Gelegenheit zu ihrer Rettung 3U geben. Erst als der Kapitän der Aufforderung, bciz^ nach- kam, sondern flüchtete und mit Rakciensignasin Hilfe herbeirief, forderte der deutsche Kommandant zunächst die Mannschaft unb die Passagiere durch Signale und "prZrvhr auf das Schiff binnen zehn finalen w ver- ^n-tatkäcklich ließ er ihnen brehmbiwanatg Minuten enknna des britische» Passagierdampfers „Lusitania" an- S to a KHe Regierung den beteiligten ten^ralen Regierungen bereits ihr ^Änqehö Vedaueru »M ®' &T W tfÄÄ «inoren laben Die Regierung der Bereinigte« Staaten geht S aus dab die Lusitania" als ein gewöhnliches, ,«bewaffne'tes Handelsschiff zu, betrafien^ st. Die Ka t- erliche Regierung gestaltet sich 'm/mFS ^«.äMÄ Km>Sm3

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unb M der vön der englischen AdunraMät sterausge- gebenen „Navy List" ausdrücklich aufgeführt ist. Der Kaiserlichen Regierung ist ferner aus zuverlässigen An­gaben ihrer Dienststellen und neutraler Passagiere be­kannt, daß schon seit längerer Zeit so gut wie alle wert­volleren englischen Handelsschiffe mit Geschützen, M»- nition und anderen Waffen versehen und mit Personen bemannt sind, die in der Bedienung der Geschütze be­sonders geübt sind. Auch die „Lusttania" hat nach hier vorliegenden Nachrichten bei der Abfahrt von Neuyork Geschütze an Bord gehabt, die unter Deck versteckt auf­gestellt waren.

Die Kaiserliche Regierung beehrt sich ferner die be­sondere Aufmerksamkeit der Amerikanischen Regierung darauf zu lenken, daß die britische Admiralität ihrer Han­delsmarine in einer geheimen Anweisung vom Februar d. Js. empfohlen hat, nicht mir hinter neutralen Flag­gen und Abzeichen Schutz zu suchen, sondern sogar «n- ter dieser Verkleidung durch Ramme« angriffsweise ge­gen deutsche Unterseeboote vorzugehen. Auch sind als be­sonderer Ansporn zur Vernichtung der Unterseeboote durch Handelsschiffe von der britischen Regierung hohe Preise ausgesptzt und auch bereits ausgezahlt worden. Angesichts dieser ihr einwandfrei bekannten Tatfachen vermag die Kaiserliche Regierung englische Kaufsahrtei- schiffe auf dem vom Admiralstabe der Kaiserlich Deut- scheu Marine bezeichneten Seekriegsschauplatz nicht mehr als „««verteidigtes Gebiet" anzusehen,' auch siud die deutschen Kommandanten infolgedessen nicht mehr in der Lage, die sonst für das Seebeuterecht üblichen Regeln zu beobachten, denen sie früher stets nachgekommen sind. Endlich muß die Kaiserliche Regierung besonders darauf Hinweisen, daß die „Lusitania", wie schon früher, so auch auf ihrer letzten Reise, kanadische Truppen und Kriegs­material, unter diesen nicht weniger als 5400 Kisten Mu­nition an Bord hatte, die zur Vernichtung tapferer deut­scher Soldaten, die mit Opfermut und Hingebung ihre Pflicht im Dienst des Vaterlands erfüllen, bestimmt war.

Die deutsche Regierung glaubt in gerechter Selbst- verteibigung zu handeln, wenn sie mit den ihr zu Ge­bote stehende« Kriegsmitteln durch Vernichtung der für den Feind bestimmten Munition das Leben ihrer Sol­daten zu schützen sucht. Die englische Schiffahrtsgesell­schaft mußte sich der Gefahren, denen die Passagiere un­ter biefen Umständen an Bord der „Lusitania" ausgesetzt waren, bewußt sein. Sie hat, wenn sie sie trotzdem in Bord nahm, in voller Ueberlegung das Leben amerika­nischer Bürger als Schutz für die beförderte Munition zu benutze» versucht und sich in Widerspruch zu den klaren Bestimmungen der amerikanischen Gesetzgebung gesetzt, die die Beförderung von Passagieren auf Schiffe», die Explosivstoffe an Bord haben, ausdrücklich verbietet uud mit Strafe bedroht. Sie hat dadurch in frevelhafter Weise den Tod so zahlreicher Passagiere verschuldet. Nach der ausdrückliche« Meldung des betreffenden U-Boot- kommandanten, die durch alle sonstigen Nachrichten le­diglich bestätigt wird, kann es keinem Zweifel unter­liegen, daß der rafche Untergang der „Lusitania" in er­ster Linie auf die durch deu Torpedoschutz verursachte Explosion der Munitionsladung zurückznführen ist. An­dernfalls wären die Passagiere der „Lusitania" mensch­licher Voraussicht nach gerettet worden.

Die Kaiserliche Regierung hält die im vorstehenden angeführten Tatsachen für wichtig genug, um sie einer auf­merksamen Prüfung der Amerikanischen Regierung zu empsehlen. Zum Schluß wird gesagt, daß die Kaiserliche Regierung sich ihre endgültigen Stellungnahme zu den im Zusammenhang mit der Versenkung der „Lusitania" gestellten Forderungen bis nach Eingang einer Antwort der amerikanischen Regierung endgültig vorbehält.

Der bayerische Kronprinz über die Friedensziele.

Kronprinz Rupprecht hat in seinem Hauptquartier den Reichstagsabgeordneten Dr. Max Pfeiffer, Bibliothekar an der Staatsbibliothek in München, als Vertreter der Baye­rischen Staatszeitung empfangen und sich ihm gegenüber in einstündiger Unterhaltung in seiner bekannten Frische und Lebendigkeit über die verfrühten Friedensgerüchte und die Kriegsziele ausgesprochen. Der Kronprinz ist über­zeugt, daß von einem F r ie d e n e r st d a n n g e s pr o ch c n werden darf, wenn die Ergebnisse des Friedens derartig sind, daß wir diesen Frieden nach unseren Be- dürsnisien und den Forderungen der Wohlfahrt des Vaterlandes zu gestalten vermögen. Staatsnotwen- digkeiten verschiedener Art müssen hierbei ansschlaggebend sein, niemals aber irgend ein Gefühl oder auch nur eine Anwandlung von Kriegsmüdigkeit daheim tm Lande oder die Stimmung, daß der Opfer nun genug gefordert und gebracht seien. Rücksicht auf unsere Gegner könne hierbei überhaupt nicht initsprechen. Wie sich die G v e n z c n des V a t e r l a n d e s i n d e r Z u k u n f t gestalten mögen, kann dieser Überlassen bleiben. Die vornehmste Aufgabe wird sein, die gewahrte, glänzend und mit unerhörter Tapferkeit verteidigte Selbständigkeit des Reiches, Die In­teressen der Bundesstaaten und ihre historisch und wirt­schaftlich bedingten Verhältnisse auszubauen m wirtschaft­lich-agrarischer wie industrieller Hinsicht Wird das Gebiet des Reiche?' erweitert, so wird es der klugen Vorsicht der Staatsmänner anheini gegeben werden müssen, den An- passungs- und Verschmelzungsprozeß weise zu fordern. Da­für sind verschiedene Möglichkeiten vorhanden, verschiedene Wege, die gangbar erscheinen. Jedenfalls muß aber dafür gesorgt werden, STM für die A uf w e n d u n g dieses Krieges Ersatz geschaffen wrrd, der vollkom­men ausreichend sein muß. Ueber den Geist der Armee, über die Tüchtigkeit, die Ausdauer, Tapferkeit und Disziplin der Krieger sprach sich der Kronprinz mit vollster Befriedigung und größter Anerkennung aus,

kriegsallerlel.

800 Schiffe für die Marine der Vereinigten Staaten gefordert.

Neuyork, 30. Mai. (T. U ) Die.Agitation für eine Vermehrung ber Flotte der Vereinigten Staaten, die in der Hauptsache von den jüngeren Offizieren der Flotte und einer Reihe von Polttikerll getragen wird, beginnt seit den Erfolgen Japans gegen China mit er­neuter Kraft einzusetzen. Kapitän Mac Kean vom Schlachtschi s „Nor-th Dacota" erklärte, daß die Ber- Ruigten Staaten, um eine ihrer wirtschaft^ und po­litischen Bedeutung entsprechende Macht zu sein, «der eine Flotte von 800 Schiffen verfügen müßten. Die Be­völkerung müßte auch einseben lernen, daß es notwen­dig sei, eine Bemannung für diese Flotte zu schaffen, die jeder Zeit für den Ruhm und die Größe der Ver­einigten Staaten nur ihre Pflicht tun werde Die Flotte werde auch die Männer, die durch den Ruf des Staates an sie gesandt würden, als tüchtige und gesündere Bür­ger zurücksenden.

Vermischtes.

Doppelmord in Cöln. In der Nacht Wm SsPlUMSfctii tob M tobWe Archttokt Mtz

in Cöln uns sein DkeltstttNMyen . ermomi worden. Bntz bewohute eine Villa am Römerpark, an einer einsamen Stelle der Stadt. Soldaten und Zivi­listen wurden bald nach der Tat auf einen aus der Villa kommeuden Menschen aufmerksam, deu sie festnahmen und der Polizei überlieferten. Es handelt sich um einen alten Zuchthäusler, der auch schon die Tat eingestanden hat. Er hatte es auf Raub abgesehen. Wahrscheinlich stellte sich Butz dem Räuber etgegen und wurde von diesem ebenso wie das Dienstmädchen erstochen.

Eine beispiellose deutschfeindliche Gesinnung legte der Lehrer Peter Haas aus Sufflenheim im Elsaß in feinem Amte an den Tag, die schließlich zur Kenntnis der Behörde kam nnd den Französling vor die Schran­ken des Kriegsgerichts in Saarbrücken führte. Der An­geklagte war erst im August v. J. au die Volksschule in Sufflenheim versetzt worden. Schon in der ersten Zeit bemerkten seine Kollegen, weg Geistes Kind er war, denn offen äußerte er, er würde sich freuen, wenn die Franzosen in das Elsaß tarnen, er hielte schon zu ihrem Empfange ein Fähnchen bereit. Wenn die Kinder beim Eintreffen einer amtlichen deutschen Siegesnachricht ihrer Freude uud Begeisterung Ausdruck gaben, ver- saclue er biete Bekundungen niederzuhalten, indem er die amtlichen Meldungen auf ihre Richtigkeit anzweifelte und bemerkte, die Meldungen feun aufgebaufcUt, auch oie Gefaugeuenzahlen seien sicher übertrieben. Auch über die Behandlung der französischen Gefangenen in Deutschland verbreitete er unwahre Nachrichten. Dann bemerkte er auch Bekanuten gegenüber, wenn er zu den deutschen Soldaten eingestellt werden sollte, würbe er sich gut ausbilden lassen und dann bet der ersterr besten Gelegenheit zu den Franzosen übergehen, Bei einem von der Schule veraustnlleceu Kriegsspiel ließ er feine Klasse sogar ein Hoch auf das französische Heer aus­bringen. Nach einer Feier des Geburtstages des Kaisers bemerkte er höhnisch, es würde wohl die letzte Feier die­ser Art gewesen sein. Das Urteil lautete auf sieben Mo­nate Gefängnis.

Untfangreiche Saccharinschttiuggeleie» hat die Ber­liner Kriminalpolizei ausgedeckt. Ein Schreiben ohne Namen verdächtigte einen Spediteur im Norden der Stadt, daß er an einem schwunghaften Handel mit diesem Süßstoff beteiligt sei. Längere Beobachtungen ergaben, daß verschiedene Leute von ihm Neisekörbe und Koffer von den Bahnhöfen abholen ließen mit der Weisung, sie wieder auszuhändigen, wenn jemand mit einem Aus­weis des Auftraggebers komme. Sie enthielten nichts anderes als Saccharin. Es konnte festgestellt werden, daß auf diese Weise von Berlin aus etwa 20 Ztr. von dem Süßstoff uach Breslau, Htrschberg uud auberen Städten gesandt wurden. Der Untersuchungsrichter sandte nun einen Kriminalkommissär nach Schlesien. Die Beobachtungen ergaben, daß ein Handelsmann Frei- berger in Krummenau viele Kisten bezog, die nach der Erklärung Maschinenteile enthalten sollten. Die Kisten enthielten auch Maschinenteile, 1% Meter lange Webe- bäume von 25 Ztm. Durchmesser. Der Kriminalkoln- missar nahm aber einen ber Webebäume aneinander und fand, daß er einen Hohlraum von 10 Ztm. im Geviert hatte. Diesen Hohlraum füllte eine 1% Mtr. lauge Zink­blechhülse aus und diese war mit Saccharin gefüllt! Die Ermittlungen auf den Bahnhöfen in Schlesien ergaben, daß Freiberger von diesen Webebäumen Hunderte be­kommen und wieder versandt und auf diesem Wege eben so viele Hunderte Zentner Saccharin verhandelt hat. Nach den Sparen, die bisher aufgebeett werden konnten, ist der Süßstoff aus der Schweiz eingeschmug­gelt worden.

Wenn mau mit hohen Herren spricht. Daß man mit hohen Herren Gelegenheit zu sprechen findet, konunt wohl fm Kriege am meisten vor. Während im gewöhnlichen Leben die Fürstlichkeiten mit allerlei EtlSeitevvvrfchrtften um­geben sind, schwinden diese notwendigerwelle z»nreist int Felde, und mancher einfache Soldat, der, sanft auf dem Dorfe lebend, säum Gelegenheit gehabt hätte, einen Pun­zen zu sehen, summt nun in die Lage mit ihm zu sprechen. Natürlich empfangen die Soldaten in den Jnstruk»ivus- stunden auch darüber Belehrung, wie sie hohe Herren an- zureden haben, aber die Verwirrung läßt tm gegebenen Augenblick meist alle diese Belehrungen vergessen. Vom deutschen Kronprinzen wird berichtet, daß er, als er jüngst einen Soldaten befragte, die Antwort erhielt: „Jawohl, Herr Kaiserliche Hoheit Kronprinz!" Der Kronprinz,h ber über diese von dem Soldaten wiederholt gebrauchte Anrede sehr belustigt war, wandte sich darauf an einen seiner Be­gleiter mit der Anrede: „Herr Exzellenz General!" Das Geschichtchen erinnert an manche ähnliche. Prinz Albrecht, ein Bruder Kaiser Wilhelms L, der ein schneidiger Reiter- general und vor allem ein leidenschaftlicher Pferdelieb­haber war, lobte einmal im Deutsch-Französischen Kriege 1870 einen strammen Gefreiten von den 5. Kürassieren, dessen Pfero besonders gut gehalten war und rund und blank aussah. Der Prinz fragte ihn, ob sein Vater Sol­dat gewesen sei. Der Mann antwortete: „Zu Befehlen, Herr Wachtmeister, Litauischer Dragoner in Jnsterburg!" „Nun," so antwortete der Prinz lächelnd, „dann grüße deinen Vater von mir, als seinen alten Regimentskame­raden, der mich wohl besser kennen wird, als du mich kennst." Der Gefreite hochrot kni Gesicht, sah den Herrn mit seinen blauen Augen treuherzig an und stammelte: „Königliche Hoheit, Prinz, ich habe mir man blos im ersten Schreck so versprochen." Natürlich amüsierte sich der Prinz sehr hierüber; er „lachte, daß ihm die Tränen über bi» Wangen liefen", berichtet fein Adjudaut, General von Hagen in seinem Kriegstagebuch. Aber auch Zivilisten „versprechen sich im ersten Schreck". Von König Friedrich Wilhelm III. wird erzählt, baß, als ihn einmal ein älterer Herr, ein Gutsbesitzer wiederholt irrtümlich „Exzellenz" anredete, der KKönig darauf lachend sagte: „Tun mir zuviel Ehre an; hab's nie bis zum Generalleutnant gebracht!" Er war nämlich nur Generalmajor gewesen, als er den Thron bestieg.

Weitere Drahtnachrichten.

Das Wüten des italienischen Pöbels.

Berlin, 31. Mai. Wie verschiedenen Moraeublätteri^ berichtet wird, wurde der schweizerische Konsul in An- cona, Lachmann, vom Pöbel wegen seines deutschen Namens verfolgt unb gezwungen, Ancoua zu verlassen, weil er in ständiger Lebensgefahr schwebte. Die schwei­zerische Bundesregierung habe eine energische Beschwerdc bet ber italienischen Regierung eingelegt. — In Mai­land würbe die große Wäschefabrik eines OesterreicherS, der sechshnndert Arbeiter beschäftigte, laut L.-A. bis auf die Mauern niedergebraunt.

Die Brunnen in Dentsch-Südwest.

>-»- London, 31. Mai. (WTB.) „Montittg Post^ veröffentlicht den Brief eines Offiziers aus Südafrika Es heißt darin über die angebliche Vergiftung vor Brllunen, die in Wirklichkeit eine gewöhnliche Un- brauchbarmachung des Wassers ist: Man kann die Deut' schen nicht tadeln, denn sie beabsichtigen einfach, unt aufzuhalten. Sie waren fast in allen Mllen so anftfin dig, die Brunnen als unbrauchbar für Trinkmasser zi ^czeichnon. Die Schwierigketi ist nur, bah ante» ta» w E «LÄgL-ev sind.