Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- n ? lk zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. ** •
für den Kreis Hersfeld
Willst
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ;
Nr. 123
Sonnabend, den 29. Mai
1915
^iw Juni
nehmen alle Pvstanstalten sowie die Geschäftsstelle
Bestellungen auf das
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entgegen.
Amtlicher Teil
Kgl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und
l Gartenbau zu Geisenheim a. Rhein.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der Königlichen Lehranstalt im Jahre 1915:
1. Ein Obstverwertungskursus für Männer und Haushaltungslehre rinnen in der Zeit vom 26. Juli bis 5. August,
2. ein Obstverwertungskursus sür F r a u e n in der Zeit vom 9. bis 14. August abgehalten werden.
Die Kurse beginnen an den zuerst genannten Tagen vormittags 8 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertungsmethoden einzuüben.
Das Honorar beträgt sür den Kursus zu 1 : für Preußen 10 Mk., für Nichtpreußen 15 Mk.; für den Kursus zu 2: für Preußen 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk. ” f W
Anmeldungen sind an die Direktion zu richten.
Alles Nähere ist aus den Satzungen der Lehranstalt, die unentgeltlich verabfolgt werden, zu ersehen.
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Hersfeld, den 25. Mai 1915.
Brunnenrohr bis auf den Wasserspiegel nieder, wo er den untergehenden Knaben noch rechtzeitig erfassen und retten konnte. Mit Hilfe von starken Seilen gelang es dann, den tapferen Mann und den wie durch ein Wunder unversehrten Knaben aus der Tiefe zu ziehen, in der letzterer ohne die mutige Tat rettungslos versunken wäre. Die vor Schreck fast gelähmte Mutter, deren Mann auch noch im Felde steht, konnte ihren Liebling wieder in die Arme schließen. Die Tat des Manes soll aber nicht vergessen sein. Ein Held in der Heimat!
Holzhausen b. Bad Pyrrnont, 25. Mai. Durch einen erschütternden Borfall wurde die Einwohnerschaft unseres Ortes am Nachmittag des ersten Pfingst- feiertages in große Aufregung versetzt. Der etwa 35 Jahre alte Sohn des Landwirts G. von hier, der schon seit Jahren nicht recht zurechnungsfähig und deshalb von alt und jung gefürchtet war, bekam am Sonntag nachmittag einen Tobsuchtsanfall, der sich darin äußerte, daß er, mit einem schweren Eichenstamme bewaffnet, alle ihm Begegnenden niederzuschlagen drohte, dabei, von Haus zu Haus gehend, wohl über 50 Fensterscheiben im Orte zertrümmerte und ständig Drohungen ausstieß. Als er hierbei auf den Hof des Gutsbesitzers D. kam und dieser ihn auf- forderte, sein Grundstück zu verlassen, versetzte er demselben mit einer Latte mehrere wuchtige Hiebe über Arm und Hand und setzte sein Toben auf dem Hofe fort. Da von den herbeigeeilten Männern keiner ihm entgegenzutreten wagte, ließ D. sich von seinem Knechte sein Jagdgewehr herausbringen, forderte G. nochmals zum Verlassen des Hofes auf und gab dann, als G. der Aufforderung nicht nachkam, einen Schuß auf ihn ab. Etwa 100 Meter raste der Getroffene noch weiter und brach dann, immer noch Verwünschungen und Drohungen ausstoßend, tot zusammen. Der herbeigerufene Arzt konstatierte einen Herzschuß. G. sollte cm^Lnufe dieser Woche in eine Heilanstalt gebracht werden. Die Leiche wurde vorläufig beschlagnahmt.
Eisenach, 26. Mai. Einen besonderen Trick wendet ein in Thüringen sich herumtreibender Schwindler an. Er bietet in den Dörfern Mehl, Hafer, Erbsen, Linsen, Kartoffeln, Schweine zum Kaufe an, natürlich seinen Zwecken entsprechend zu sehr niedrigem Preis. Die Waren werden selbstverständlich nicht mitgeführt,
werke anzuwenden hat man erst begonnen. Die sonstigen Ausfuhrindustrieen sind vorwiegend Luxus- industrieen; Seidenwaren, feine Strohgeflechte,Schmucksachen und Mosaiken, und selbst die ausgeführten Naturprodukte grenzen an die Luxuswaren: Südfrüchte, frische Blumen, feine Gemüse, dagegen kann das Land mit vorwiegend landwirtschaftlicher Bevölkerung nicht seinen Bedarf an Weizen selbst hervorbringen, es ist auf Einfuhr angewiesen. Die Einfuhr betrug im Ganzen in den Monaten August bis Dezember 1914 nur 783 Millionen gegen 1506 Millionen
Dezember 1914 nur 783 Millionen geg in den gleichen Monateji 1913, die Zahlen für die Ausfuhr betrugen Millionen Lire.
entsprechenden
753 und 1119
Wird veröffentlicht, j. 5957.
Der Landrat.
Funke, Kreissekretär.
Bus der Heimat.
):( Hersfeld, 29. Mai. Zum Assistenzarzt der Reserve befördert, der Unterarzt der Reserve Dr. Strauß.
-b- Reilos, 27. Mai. Erheblichen Schaden richtete heute ein Wagen mit Langholz an einem hiesigen Gebäude an. An der abschüssigen Straße versagte die Bremse und der Wagen rannte in ein Haus und riß dort Fachwerk und Säulen um. Ein Bett, das in der Stube stand, wurde ein Teil weggeschoben und die Langhölzer ragten bis zur Küche hinein. Zum Glück wurde kein Menschenleben verletzt, sondern nur erheblicher Sachschaden angerichtet.
sondern sollen in kürzester Frist angefahren werden. Der Schwindler läßt sich eine Anzahlung leisten und verspricht, die Leute wegen des Reftkaufgeldes nicht zu drücken, sondern geduldig zu sein. Das tut er ch: er verschwindet nämlich mit seiner Anzahlung, nachdem er noch jedem einzelnen Käufer eingeschärft hat, niemandem etwas von der Sache zu erzählen, da ja sonst die Waren beschlagnahmt würden. Vor diesem Schwindler sei hiermit gewarnt, zumal er als Opfer mit Vorliebe sich Frauen aussucht, deren Männer im
au
Der Rückgang des Handels ist also außerordentlich groß, zumal in der Einfuhr ein sehr großer Posten Kriegsmaterial enthalten ist. Ferner fallen diesmal zwei Quellen des Wohlstandes Italiens aus, der Fremdenverkehr, der viele Millionen jährlich ins Land brächte, stockt und wird jetzt vollends aufhören, da die Ausschreitungen des Pöbels sich nicht nur gegen die Deutschen sondern gegen alle Fremden richten. Und Italien war ein Land starker Auswanderung, doch hatte die italienische Auswanderung ihren besonderen Charakter. Im seltensten Falle blieb der Italiener dauernd in der Fremde, am liebsten war er Saisonarbeiter und kehrte jährlich, selbst aus den Vereinigten Staaten und Argentinien, in die Heimat zurück, stets mit einem guten Sparpfennig in der Tasche. Diesmal ist diese Auswanderung eingeschränkt und die Arbeitslosigkeit entsprechend gestiegen, die die Mobilmachung nur zum Teil behoben hat. Der wirtschaftliche Rückgang prägt sich auch in den Finanzen aus. Diese waren ausgezeichnet bis zum Ausbruch des Raubkriegs, der zur Erwerbung von Tripolis führte. Die Kosten von 800 Millionen sind jetzt noch nicht gedeckt, und schon sind neue entstanden. Man hat sich nur dadurch helfen können, daß immer neue Banknoten ausgegeben wurden und steuert so wieder der Papiergeldwirtschaft zu, aus der das Land sich erst vor 30—40 Jahren aufgerafft hat. Man sagt nicht zuviel, wenn man Italien schon beim Beginn des Krieges als am Rande des wirtschaftlichen Verderbens stehend bezeichnet. Von sich aus kann es sich nicht helfen, aber noch einmal locken die Subsädien Englands. Noch einmal hat England sich einen Staat gekauft, dessen Armeen für die Weltherrschaft Englands sich verbluten dürfen. Was Portugiesen und Griechen ablehnten, taten die Italiener, bestochen auch von einem Trugbild politischer Größe, an dessen Wirklichkeit gerade England wenig liegen kann. Aber die Würfel sind gefallen. Auf das sempre avantt der Italiener ist die richtige Antwort — deutsche Hiebe.
Caffel, 27. Mai. Für Kriegsverstümmelte hat die Kgl. Kunstgewerbeschule eine Ausbildungsstelle geschaffen, wo den Handwerkern, die beschädigte Gued- maßen durch den Krieg davongetragen haben, Gelegenheit gegeben wird, unter Anleitung von Professoren die Kunstgewerbeschule und zahlreicher hiesiger Handwerksmeister sich wieder in ihr Handwerk ein- zuarbeiten bezw. sich an stelle ihrer bisherigen hand- - ßigen Fertigkeiten sich m der Ausführung ^.Jtgewerblichen Besonderheiten auszubilden. Zunächst sind Schmiede- und Schreinerwerkstatten im Betriebe, es sollen aber auch Dekorationsmaler, Lederarbeiter und Polsterer so ausgebildet werden, daß sie ungeachtet ihrer Verstümmelungen doch wieder voll erwerbsfähig werden. Weitere Berufe werden später Berücksichtigung finden.
werksmä
von kun
Cassel, 27. Mai. Der Vorstand derLandwirtschafts- kammer für den Regierungsbezirk Eapel hat Geldpreise ausgesetzt für sorgfältig und verstandn^voll durchgeführte und abgeschlohene ^Ei^iche Buchführungen. Der einzelne Preis schwautt zwischen 10 und 50 Mark und soll nach erfolgter Prüfung der Buchführung und Genehmigung durch den Borstand von der in Betracht kommenden Kaste ausgezahlt werden.
Breitau, 27. Mai. Ein braver Mann ist der Dienstknecht Wilhelm Axt zu Breitau, ein gebürtiger Wichmannshäuser. Am Freitag vor Pfingsten fiel ein zweijähriger Knabe in einen 18 Meter tiefen Brunnen. Durch den Schreckensruf einer Frau herbeigerufen, ließ sich der schnell entschlossene Lebensretter am dünnen
Felde stehen.
Erfurt, 26. Mai. In einem Teich ertrunken sind gestern hier drei Schulknaben im Alter von 8 bis 14 Jahren. Vier Jungen hatten sich ein Floß gebaut und stürzten in der Mitte des ziemlich tiefen Teiches ins Wasser. Einer von ihnen wurde gerettet, während die übrigen drei den Tod fanden.
Frankfurt, 26. Mai. Bei den hiesigen Bezirkskommandos und Ersatztruppenteilen haben sich Hunderte von Kriegsfreiwilligen — darunter Personen im Alter von über 50 Jahren — gemeldet. Manche von ihnen äußerten bei der Meldung den bestimmten Wunsch, nur für Italien Verwendung zu finden.
Mainz, 26. Mai. Am Pfingstmontag begab sich der 42 Jahre alte Bierbrauer Arnold Pritzl nach der Firmung seines 12jährigen Sohnes mit diesem in die Geschäftsräume der Mainzer Aktienbierbrauerei, wo den Angestellten alten Brauche gemäß an diesem Tage Freibier verabreicht wird. Hier ergriff Pritzl ein Messer und erstach seinen Sohn. Die grauenvolle Tat scheint in geistiger Umnachtung geschehen zu sein.
Die wirtschattlichr Lage Italiens
So ist denn die Entscheidung gefallen. Italien tritt in den Krieg ein in der festen Zuversicht, daß sein Eingreifen die Entscheidung bringen wird. Von der Vortrefflichkeit seiner Armee ist jeder Italiener überzeugt, begeistert ist er von den unbesiegbaren Alpenjägern, von denen wir wohl bald hören werden. Doch lassen wir die Bedeutung der Armee auf sich beruhen, es muß sich ja zeigen, ob die Arbeit von zehn Monaten alle offenkundigen Schäden beseitigen konnte. Wer mit Russen, Engländern und Franzosen fertig geworden ist, kann mit Ruhe dem Ansturm der Italiener entgegensehen. Aber wie steht es mit der wirt chaftlichen Kriegsbereitschaft? Da ist unverkennbar, daß dieselben zehn Monate eine Zeit tiefen Niederganges waren. Allerdings kam manchen Jn- dustrieen Italiens die Vorbereitung des Krieges zugute, doch ist die Schwerindustrie hier wenig entwickelt. Es fehlt dem Lande an Kohlen, und die Wasserkräfte als Kraftquellen für die Elektrizitäts-
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Nicht nur an den Tagen, an denen man etwas wichtiges unter ihnen vermutet, sondern
Unter den amtlichen Bekanntmachungen werden fast Tag für Tag Bestimmungen wirtschaftlichen Inhalts verzeichnet, die man in dieser ernsten Zeit wissen und befolgen muh. Einmal im Interesse des allgemeinen Wohles und dann auch um sich vor Strafe zu schützen.
3ur Kriegserklärung Italiens.
Nun hast auch Du, von Größenwahn geblendet, Dich gegen uns zum Bruderkrieg gerüstet, Und unsrer tückschen Feinde Schar sich brüstet: „Zu unsern Gunsten hat sichs Blatt gewendet." Das Gold, das Großbritannien gespendet, Das sang: Wenn Ihr nicht wolltet, Ihr doch müßtet — Minister, Presse es nach mir gelüstet, Ich bin der Gott, den England listig sendet!" — Verderben Dir, dem räuberischen Volke, Das seines Ruhmes Tempel schnöd entweihte, Gerichtet wird von seiner Brüder Schwerte!
Bald fährt der Blitz aus Unheil schwangrer Wolke auf Dich herab, das grundlos Krieg begehrte, Und gegen seine Freunde zieht zum Streite!
Armin Kraft.
Wetteranssichten für Sonnabend den 29. Mai.
Zunahme der Bewölkung, noch meist trocken, keine größere Temperaturveränderug, nordwestliche Winde.