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Leitmotiv d?r italienischen Politik. Das traurigste da- Der

bei ist, daß wir das Verhandlungsobjekt sind. Dreiverband räumt Italien Konzessionen ein auf

Dreiverband räumt Italien Konzessionen ein auf Rech- nung ihres Bundesgenossen Serbien. Serbien verlangt and braucht von Italien feine Hilfe, am allerwenigsten ist es aber geneigt, hierfür irgendein südslawisches Ge­biet abzutreten. Wenn der Dreiverband auf die italie­nische Hilfe angewiesen ist, so möge er den hierfür not­wendigen Preis aus eigener Tasche zahlen. Wir sind vollkommen davon überzeugt, daß diese Erpressungs­politik Italiens auch dem Dreiverband nicht sympathisch ist und daß sich die Tripleentente nur schweren Herzens zu solchen erpreßten Kompensationen entschließen wird, gerade so wie wir davon überzeugt sind, oaß sich diese Erpressung früher oder später an Italien selbst bitter rächen könnte. Jstrien und die dalmatinische Küste find slawisch und müssen slawisch bleiben. Jeder Versuch, diese Tatsache mit Gewalt umzuändern, könnte zu neuen Verwicklungen und Konflikten führen, deren Tragweite nicht abzusehen ist. Das mögen der Dreiverband und Italien bedenken.

Vorsichtsmaßregeln in der Schweiz.

Ein Berner Telegramm derMagöeb. Ztg." mel- det: Die Militärdeputation hat infolge der notwendig Rewordenen Verstärkung des schweizerischen Grenz- Hutzes und zur Aufrechterhaltung der schweizerischen Neutralität in dem neuen italienisch-österreichischen Konflikt bei dem Bundesrat die Einberufung einer wei­teren Armeedivision beantragt.

Die Abstimmung im Senat.

Rom, 21. Mai. (WTB.) Der Senat nahm folgende Tagesordnung in namentlicher Abstimmung mit allen Stimmen der 281 anwesenden Senatoren unter großer Begeisterung an: Der Senat hat die Erklärungen der Regierung gehört, welche so deutlich den Willen der Na­tion aussprechen, und geht zur Abstimmung über den Gesetzentwurf über.

Warum das italienische Volk keinen Krieg will.

Von einem Italiener wird derJnf." geschrieben: Die deutsche Öffentlichkeit hat es völlig richtig ersannt und die Proteste der Arbeiterschaft bewiesen es, daß das italienische Volk in seinerGesamtheit demKriege völlig abgeneigt ist. Einige wenige aber um so lautere Schreier und Skandalmacher, die teils aus Liebe zum Skandal, teils durch französisches und englischesGelö ver­lockt zum Kriege hetzten, konnten die ganze Welt über die wahre Gesinnung des italienischen Volkes irre füh­ren. Italien hat mehrere ©ritude, um den Krieg mit den früheren Bundesgenossen zu hassen. Jeder Ita­liener, der nicht vorn Kriegswahnsinn befallen ist, em- pfindet es als eine ungeheure Schmach, den früheren Bundesgenossen in den Rücken zu fallen. Die tollen Sprünge, welche Blätter wieCorriere öella Sera" und Giornale d'Jtalia" machten, um den Dreibund als nicht mehr bestehend hinzustellen, wurden zum Teil mit Ekel angesehen. Wenn die Raserei vorüber ist und die kühle Ruhe wieder zurückgekehrt sein wird, dann werden ge­rade diese Zeitungen von dem italienischen Volke die Quittung für ihr jetziges Verhalten bekommen. Wenn der Mob auf den Straßen tobt, können die ruhigen und richtig denkenden Bürger ihre Anschauungen nicht durch- setzen. Es kommt aber auch wieder eine andere Zeit, und dann werden die anständigen Elemente Rechenschaft für die jetzigen Tage fordern. Ein zweiter Grund ist darin zu sehen, daß Italien wegen des günstigen Geschäfts­ganges das größte Interesse au dem Frieden hat. Genua ist, weil wichtige andere Häfen in den kriegführenden Ländern zum Teil ausgeschaltet sind, zu einer Bedeutung gelangt, die dieser Hafen bisher noch nicht gehabt hat. Das Geschäftsleben blüht auf allen Gebieten, und nie-

' ' 1 ' Interesse daran, durch einen Krieg alle diese Vorteile aufzugeben. Am meisten kommt aber in Betracht, daß Italien nach Anschauung aller ruhigen friedliebenden Volksgenossen auch nicht die geringste Ur­sache zu einem Kriege während dieser ganzen neun Mo­nate gehabt hat. Nachdem Oesterreich so beträchtliche An- erbietungen gemacht hat, um die eigentlich selbstver­ständliche Neutralität Italiens zu erhalten, wird das Vorgehen der Kriegspartei als eine brennende Schmach empfunden. Aber auch zugleich als eine Dummheit! Viel mehr dürfte Italien vorausgesetzt daß es siegt auch im günstigsten Falle nicht erhalten. Sind nun, so fra­gen sich viele Italiener, diese geringe Vorteile so viele Milliarden und soviel vergossenes Blnt wert? Bei der Stellung, welche das deutsche und österreichische Heer sich in diesem Kriege einer Welt von Feinden gegenüber errungen haben, steigt aber bei sehr vielen Italienern die bange Frage auf, ob der Sieg wirklich so gewiß ist wie ihn die Zeitungen öarstellen. Schon jetzt haben viele erklärt, daß sie an eine Niederlage der verbündeten Zen- tralmächte nicht glauben. Dann aber haben die Kriegs­hetzer nicht nur eine ungeheure Niedertracht, sondern auch eine große Dummheit begangen. Aus diesen Grün­den verabscheut der größte Tei des italienischen Volkes

mand hat ein

den Krieg.

f Bericht des türkischen Hauptquartiers.

0^ Konstantinopel, 21. Mai. (WTB.) Das Haupt- qnartier teilt mit: An der Dardanellen^ setzte der Feind in der Nacht zum 20. Mai um Mitternacht einen Angriff gegen unsern rechten Flügel an, der aber vor unserm Gegenstoß scheiterte. Ebenso wurden Angriffe gegen unser Zentrum und unsern linken Flngel ver- lnstreich für den Feind zmückgescklagen, welcher,m über­stürzter Flucht achtzig Tote i« den Schützengraben zn- rückließ. Einer unserer Flieger warf gestern wirksam Bomben auf den Feind, deren eine auf einen großem ^ a«K»nt cdanivsor fiel. Gestern vormittag versuchten " Bahr unter dem Schutze ihrer

Transportdamvfer fiel. -_

die Alliierten bei Sed ül Sau - M - Schiffsgeschiitze einen überraschenden Angriff gegen un­seren linken Flügel, hatten aber keinen Erfolg und w»r- den durch unseren Gegenangriff mit d?M Bajonett ver­trieben. Feindliche Schiffe, nahe der Einfahrt in die Meerenge stützten den vergeblichen feindlichen Angriff gegen unsern linken Flügel.Unsere vorgeschobenen Batterien auf dem anatolischen Ufer beschoisen die feind­lichen Schiffe erfolgreich und »rasen mehrere Male.

Der Krieg in den Kolonien.

Wie Botha Windhuk antraf.

Reuter meldet: Ein besonderer Korrespondent des Reuterschen Bureaus, der.sich beim Heere General Bo- thas in Südwestafrika befiiidet, drahtet uns unterm 19. Mai ans Karibi: Die Lage in Windhuk ist wieder nor­mal, wie es unter den heutigen Umständen überhaupt möglich ist. Die Geschäfte sind überall wieder eronnet worden. Die Gerüchte von Hungersnot und Krank­heiten sind übertrieben: es sind nur einige Fälle von Diphtheritis unter den Schulkindern vorgekommem Was die Lebensmittel anbelangt, so sehlt es an Mehl, Kartof­feln lind Fleisch: Reis und Gemüse sind dagegen im lleberflutz vorhanden. Die Einwohner verhalten sich den

Engländern gegenüber ruhig, aber sie setzen auch wei­terhin Vertrauen in die deutsche Sache, wozu namentlich Meldungen beigetragen haben, die kurz vor der Besetzung der Stadt drahtlos angekommen sind und die von einer großen Niederlage der Russen in den Karpathen berich­ten. Die Kanonen der transvalischen Artillerie, die zu Beginn des Feldzuges von den Deutschen bei Bloem- fontein erbeutet und beim Hererodenkmal, im Mittel­punkt der Stadt, ausgestellt worden waren, wurden von den Deutschen bei dem Rückzug von Windhuk mitge­nommen.

Kleine Kriegsnachrichten.

a»^ Petersburg, 22. Mai. (WTB.) Nach dem Han­delsbericht der Nowvje Wremia zeigt die Handelsbilanz Rußlands ein außerordentlich ungünstiges Bild.

London, 22. Mai. iWTB.) DieDaily News" melden, daß ein Soldat dem Polizeigericht vor^eführt worden sei, weil er bei den jüngsten Ausschreitungen gegen Deutsche Kleider usw. im Werte von 2000 Pfnnd Sterling gestohlen hatte.

«> London, 22. Mai. (WTB.) WieDaily Chro- niele" schreibt, verlangen die Unionisten sechs wichtige Portefenilles im Ministerium, und wenn der Staats­sekretär ein Unionist ist, soll auch der Unterstaatssekretär ein Unionist sein.

Kriegsallerlei.

Zeppeline über Bialystok.

Krakau, 22. Mai. (T. U.) Die Blätter entnehmen russischen Zeitungen folgenden Bericht über das letzte Bombardement von Bialystok in Polen aus Zeppelinen: Es war gegen 8 Uhr früh, als sich am Horizonte 10 deut­sche Luftschiffe auf einmal zeigten, die in großen Kreisen die Stadt umflogen und Bomben abwarfen. Insgesamt dürften etwa 100 Bomben abgeworfen worden sein. Das Bombardement dauerte bis gegen 11 Uhr vormittags, worauf die deutschen Luftschiffe wieder verschwanden. Durch das Bombardement wurden vier Häuser in Brand gesteckt. 20 Personen wurden getötet, viele verwundet. Zwei Tage später erschien wieder ein Zeppelin um %3 Uhr früh über der Stadt und warf 13 Bomben ab, wo­bei mehrere Häuser beschädigt wurden.

Die russischen Revolutionäre an der Arbeit.

DieKöln. Ztg " meldet aus Stockholm: Dem Stock­holmerDagblaö" zufolge handelt es sich bei der seiner­zeit gemeldeten Explosion in einer Sprengstoffabrik in Umgebung Petersburg nicht um eine Feuersbrunst, son­dern um einen wohlüberlegten Anschlag der revolutionä­ren Partei, in deren Dienst ein Oberst an dem Anschlag beteiligt war. Zwanzig Verhaftungen wurden vorge­nommen. Der Schaden ist ungeheuer; es sind 1500 Ar­beiter verungückt.

Abgeschlagene Fliegerangriffe auf einen Zeppelin.

DerTelegraaf" berichtet aus Belgien, daß der am Montag morgen über Calais erschienene Zeppelin von fünf Flugzeugen der Verbündeten verfolgt wurde. Der Zeppelin richtete ein heftiges Maschinengewehrfeuer auf die Flugzeuge, die die Verfolgung aufgeben mußten. Es war ihnen später nur mit großer Mühe möglich, sich den deutschen Küstengeschützen zu entziehen.

Ein französischer Fischdampfer versenkt.

Lloyds" meldet aus Brixham: Das Fischerfahrzeug ,,'Sunstar" landete hier den Kapitän des französischen FischdampfersSt. Inst". Der Kapitän meldete, daß sein Dampfer von einem deutschen Unterseeboot bei Star­point gestern nachmittag versenkt wurde. Die Besatzung von 13 Mann sei ertrunfen.

Die russischen Kriegskosten.

Wie in Paris versichert wird, betrugen die russi- fchn Kriegskosten bis 1. April rund 5500 Millionen Rubel = 14,890 Millionen Franken, ohne die 310 Mil­lionen Franken für Kriegslieferungen in Amerika und ohne Rußlands Anteil an der finanziellen Unterstützung der kleinen Verbündeten.

Eine Ehrung Weddigens.

Der Kaiser hat an die verwitwete Gattin des Kapi­tänleutnants Weödigen die folgende Order gerichtet:Es ist mir gemeldet worden, daß beim Untergang des von Ihrem Gatten geführten Unterseeboots auch zwei Orden, der Pour le merite und das Eiserne Kreuz I. Klasse, in Verlust geraten sind. Ich bestimme, daß Ihnen die ge­nannten Ordenszeichen als eine äußere Erinnerung an die Taten des heldenhaften, vor dem Feinde Gebliebenen hiermit ersetzt werden, und bringe Ihnen bei dieser Ge­legenheit noch ganz persönlich zum Ausdruck, wie sehr ich mit Ihnen den herben Verlust empfinde, den Sie er­litten haben. Sie haben Ihr Bestes für das Vaterland hrgeben müssen. Möge Gottes Trost Ihnen zur Seite stehen und es Ihnen immer gegenwärtig bleiben, daß mit Ihnen das ganze Vaterland um Ihren Gatten trau­ert, der unvergänglichen Ruhm für sich und sie Marine erworben hat, und für alle Zeiten als leuchtendes Bei­spiel der Kühnheit und ruhigen Entschlußkraft weiter» leben wird.

Wieder eine Verleumdung aus dem britischen Hauptquartier.

Reuters Korrespondent beim englichen Hauptquar­tier verbreitet die verleumderische Behauptung, die Deutschen hätten in der Nähe von Ypern einen Fluß,mit Arsenik vergiftet. Die Tatsache sei durch eine chemuche Untersuchung festgestellt worden. (Da Reuter so vor­sichtig ist, den Fluß bei Npern nicht näher zu bezeichnen, kann man sich schon denken, was es mit dieserchemischen Untersuchung" für eine Bewandtnis hat!)

Vermischtes.

Zum Raubttberfall im Eilznge BremenHamburg, dem eine mitreiseude Dame zum Opfer fiel, sind noch folgende Einzelheiten nachzutragen: Als am 11. d. Mts. abends eine Dame auf dem Bahnhöfe Rotenburg (Han­nover) ein Abteil zweiter Klasse des soeben aus Bremen eingelaufenen Schnellzuges 49 besteigen wollte, lag in dem Abteil auf dem Fußboden blutüberströmt, eine gut gekleidete Frau, die nur noch Ichwache Lebenszeichen von sich gab. Nachdem die Uebekannte von einem herbeige- kufenen Arzt einen Notverband erhalten hatte, wurde sie in das Rotenburger Krankenhaus gebracht, wo sie bald darauf die Besinnung wieder erlangte. Sie gab an, daß sie die 47jährige Ehefrau des Kanfinanns Wegener aus Kiel fei; sie beabsichtigte, nach einem Besuch in Bre­men in ihre Heimat zurnckzilkebren, sei aber kurz vor der (Station Rotenburg von einem Mann überfallen worden. Der Räuber sei durch die Aborttür m ihr Ab­teil gekommen, habe ihr einen Revolver vorgehalten und gedroht, sie zu erschießen, falls sie schreien soll e. Er habe sie dann auf den Sitz geworfen und ihr auf die Brust gekniet, worauf er iür, anscheinend mit einem scharfeil Instrument, mehrfach Verlctzunaen im Gesicht und am Kopfe beigebracht habe. Es handelt sich um den Fah­rigen Bildhauer Walter Meyer aus Alt-Schwerin in Mecklenburg. Bei seiner Festnahme leugnete er zunächst alles, verwickelte sich jedoch derart in Widersprüche, daß er der Tat, nachdem ihn auch die Rotenburger Bahn- beamten wiedererkannt hattM, Mrsührt werden konnte.

Post-

Prü-

Er gestand dann später auch das Verbrechen ein, verweb gerte aber, die Gründe hierfür anzugeben. Es liegt je­doch zweifellos ein Raubmoröversuch vor; denn die der Ueberfallenen geraubte Handtasche, in der sich ein grö­ßerer Geldbetrag und Wertpaplere befanden, hatte er noch in seinem Besitz. Meyer ist ein Sohn eines Post­schaffners aus Wismar. Frau Wegener hat zwar meh­rere erhebliche Kopfwunden erhalten, die jedoch nicht lebensgefährlicher Natur sind.

Ein deutsches Weib. Diese Zeit der schweren . fung für das deutsche Volk bringt viele herrliche und er- heberlde Beweise des Edelmutes und der Opferwillig­keit. Aus Düsseldorf zog gleich zu Anfang des Krieges, so schreibt dieTextilarbeiter-Zeitung" ein Mitglied des christlichen Metallarbeiterverbandes mit unseren sieg­reichen Heeren nach Belgien und von da nach Frankreich. Ein braves und treues rheinisches Mädchen aus dem Arbeiterstaude nannte er seine Braut. Als er auf des Königs Ruf hin fortging, gab sie ihm ihr Wort, sie sei fein für alle Zeit, was auch kommen möge. Er machte mehrere heiße Gefechte und siegreiche Schlachten mit. Anf Frankreichs Fluren ereilte ihn im September ein böses Geschick. Seine Braut bekam auf einer Karte, die in merkwürdiger Schrift geschrieben war, die Mitteilung, er sei verwundet, schwer verwundet, aber sie solle sich nicht sorgen, er lebe und seine Verwundung sei auch nicht lebensgefährlich. Er sei an den Augen verletzt. Später kam ein Brief, in verbogener Schrift und in schiefen Reihen geschrieben. Eine fremde Hand hatte die seine geführt. Darauf stand in kurzen abgebrochenen Sätzen. Sie habe ihr Wort zurück, sie könne ihn nie heiraten. Er sei blind auf beiden Augen, blind für immer. Sie möge mit einem anderen glücklich werden; das sei sein heißes Gebet. Wie das unser braves Mäd­chen packte, kann nicht beschrieben werden. Aber die Liebe machte sie stark und zu den größten Opfern fähig. Die Treue war für sie fein leerer Wahn. Am 15. April führte sie ihn zum Traualtar. Sie will ihm Führerin fein durchs Leben hindurch. Ihre Liebe wll ihm das verlorene Licht seiner Augen ersetzen, mit ihren hellen Augen will sie ihn sehen, mit ihren gefunden Armen für ihn schaffen, will mit ihrem blinden Mann das große Opfer, das ihnen das Vaterland auferlegte, ge­meinsam tragen bis zum Tode. Möge der Himmel bei­den viel Kraft geben, damit sie das Opfer nie als eine Last empfinden und es sie niemals Niederdrücke.

Zwischen Arras und Selhune

Die jüngsten Kämpfe im Norden Frankreichs haben sich in der Gegend zwischen Arras und Bethuue abge­spielt. Diese Gegend des alten Artois be itzt dadurch eine große Wichtigkeit, daß der Boden rings um Be- thune reiche Kohlenschätze birgt. Das eintönige, selten von Hügeln unterbrochene Bild der Ebene, das dieses ganze Industriegebiet zwischen Bethune und Arras bie­tet, zeigt sich noch trauriger unter den schwarzen Rauch­fahnen, die ringsum, soweit das Auge reicht, den hohen Schronsteinen der Grubenanlagen entströmen. Ueberall rage« die bizarren Gerüste der Förderschächte in die Höhe, die insgesamt eine jährliche Ausbeute von unge­fähr 11 Millionen Tonnen Kohlen zutage bringen. Kohle, Kohle, Kohle, das ist der beherrschende Zug, unter dem das Landschaftsbild des Bezirks derGohelle" steht. Einzig im Mai und im Juni, wenn die Felder mit grü­nen Saaten bedeckt sind, wird der traurige Eindruck des Landes durch die weithin sich streckenden, in langen, sanften Wellen wogenden Getreidefelder ein wenig auf- gehellt. Oder auch das Gelb der Rapsfelder und die blühenden Leinäcker bringen hier und da ein wenig Farbe in die düstere Stimmung.

Ein Heer von Arbeitern ist in den Schachten und Anlagen der Kohlenbergwerke beschäftigt. Die Arbeiter­dörfer mit ihren Häusern aus roten Ziegeln ziehen sich dicht, wie eine zusammenhängende Straße, an den zahl­reichen Eisenbahnstrecken hin, die die hauptsächlichsten Plätze des Kohlengebietes Lens, Aix, Auchy, Lievin und weiterhin La Bassee, Ostricourt und andere mit Bethune verbinden, ein engmaschiges Netz von Strecken, dessen Mittelpunkt der wichtige Knotenpunkt Grenay-Bully bildet. Diese Arbeiterdörfer, so wenig Abwechselung euch das gleichmäßige Rot der Ziegel dem Auge gewähren mag, bieten immerhin einen ganz freundlichen Anblick. Gesund und lustig wie denn überhaupt die Berg- werks- und Arbeiterdorfanlagen des Gohelle-Gebietes für mustergültig gehalten werden geben sie dem Auge des Vorbeireisenden immer noch einen Rest breiten, be­häbigen und reinlichen flandrischen Behagens. Die Fenster des Häuschen, die jedes von einem Streifen Grün, von der Andeutung eines Gürtchens umgeben sind, stehen wenn die Jahreszeit es erlaubt, meist offen und erlauben einen Einblick in das Innere zu tun. Die kleinen Kinder, die auf der Straße herumspielen, sind halb oder besser so gut wie ganz nackt. Es mag mehr Sparsamkeit als Lässigkeit fein, die eine derartig abhärtende Kur nach japanischem Muster für ange- bracht hält. Denn reinlich ist man trotz aller Kohlen. Oft wird man vor den Türen eifrige Mütter am Werk finden, in einer großen Bütte die neben Kleinen ener­gisch mit Bürste und Seife zu behandeln.

Westlich von Grenay-Bully, wo die Eisenbahn nach Houdain hin abbiegt, verliert das Land allmählich den industriellen Charakter. Die rauchenden Schlote, die Hö­hen und Täler defekten, verschwinden. In dichten Baumgruppen, tief versteckt, so daß nur noch die Spitzen der Kirchtürme herausschanen, liegen da und dort die Ortschaften. Aber alle Bäume sind um das Dorf ver­einigt,' genau so selten wie draußen im Industriegebiet wird auch hier die Gleichförmigkeit der Aecker durch die belebende Anmut einer Baumgruppe unterbrochen. Auch gegen Arras hin nimmt die Industrie ab, ebenso wie Arras selbst nicht recht eigentlich eine Industriestadt ist. Nur in der Nähe liegen einige größere Werke, darunter eines eine bedeutende Edelmetallschmelze ist. Die Er­trägnisse an ölhaltigen Pflanzen, die ringsum Ebenen und Hänge bedecken, spielen im Handelsleben von Arras eine große Rolle. Besonders die als Biehfutter wichtigen Oelkuchen werden in Arras gehandelt. Im weientlichen ist es also dasSchwarze Revier von Bethune", das Kohlenrevier, das das Lanöschaftsbild des Striches zwi­schen Bethune und Arras beherrscht. Die Kohle hat aus dem kleinen, flandrisch mittelalterlichen Städtchen Be- thune in einem Zeitraum von ungefähr sechzig Jahren einen emporblühenden Jndustrieort gemacht. Vordem dachte niemand daran, daß im Boden der Aecker des al­ten Artois irgendwelche Werte verborgen sein könnten. Heute ist alles ihr dienstbar gemacht,und selbst die klei­nen Wasserläufe des Souchez find kanalisiert und re­guliert worden und tragen schnurgerade sich hinziehend die Kohle von Lievin und Leus dem großen Kanal von 'La Bassee zu, um von da aus ganz Frankreich zu ver- sorgen.(Dtsch. Tgztg.")

gisch mit Bürste Westlich von

Weitere Drahtnachrichten«

Die englische Kabinettskrisis.

*^ Rotterdam, 22. Mai. (T.-U.) Aus London wird nach demB. T." gemeldet: In einer Arbeiterversamm- lung in Hull erklärte der' Führer der Arbeiterpartei, Artur Henderson, er sei zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt worden.