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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei , Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Nr. 119.

Sonntag, den 33. Mai

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Deutsche Pfingsten 1915.

Ein Brausen geht jetzt durch die Weltenweiten Wie einstmals, da der Pfingsttag war erfüllt, Als jene Offenbarung hoher Zeiten Von gottergebnen Jüngern ward enthüllt.

Begeistert sprachen sie mit Flammenzungen Und kündeten des Meisters Lehre laut, Und was sie predigten, ist nicht verklungen, Noch heute hören wir es tieferbaut.

Es mahnt an Hoffnung, an Geduld und Treue, An Pflicht, bis in den Tod zu halten stand,' Wie Baum und Strauch in Blüten prangt aufs neue, So blüht alsdann auch unser Vaterland.

Aus Blüten werden Früchte,' hoff und harre, O Seele, daß nach all der Kämpfersaat, Wieviel man auch in dieser Zeit verscharre, Dereinst ein ewger deutscher Pfingsttag naht!

Dann, als die von dem Heilgen Geist Erneuten, Lobsingen wir dem Herrn, der für uns focht: Ob auch wie Sand am Meer die Feinde dräuten, Sie haben dennoch nicht uns übermocht.

Max Hoffmann.

Pfingsten 1915.

Steigen nicht in diesem Jahre zu Pfingsten die seligen, strahlenden Bilder vergangener Friedens­pfingsten herauf? Wie heilig-fröhlich, verheißungsvoll waren die Predigten in den Kirchen! Wie beglückt

zogen wir durch die lachenden, blühenden deutschen

Fluren! Schönheit der Gotteswelt, wohin dasMM nur verschiedene Wagenaöteile bereit--M

sah! Jubel aus Menschenbrust, wvyin das Ohrchörte! halten. Diese Abteile werden an den Fenstern mit

Und heute 2 Wieder blüht und lächelt in seliger Sonne

die Pfingstnatur und will uns ans Herz blühen! Aber, ach, das Herz ist so ernst und manches zu Tode trau­rig ! Pfingsten! Und draußen brüllen die Kanonen, und steht der Tod in reicher Ernte. Die deutschen Helden liegen im schmutzigen Kriegerrock, die rauhe Faust am Gewehrkolben, im Schützengraben und halten grimme, starke Wacht.

Wie leuchtete sonst das friedliche Meer, und die blauen Jungen jauchzten über die blauen Wogen! Und heute?

Pfingsten! Die Glocken läuten! Aber das klingt so anders! Der glückliche, freie Ton ungetrübter Freude fehlt im festlichen Geläute! Ein Ton vom Tode, von harter Not schwingt mit. Und die Menschen, die in der Heimat durch die Maienpracht schreiten, haben nicht die hellen Gesichter wie sonst. Kriegs­pfingsten ! In diesem Worte welche schroffen Gegensätze!

Aber doch gerade aus ihm Hallelujah klingt es wie selige Verheißung, wie brausende Sieges­zuversicht! Der unvergängliche göttliche Geist lebt in dem WortePfingsten". »

Da schrieb einer aus dem Felde: Es ist die Seele, die siegt!" Ja, die vom Geiste Gottes erfüllte deutsche Seele! Wäre alle ungeheure, übermenschliche Kraftent­faltung und Entbehrung bei unseren Kriegern mög­lich, wenn nicht die heldenhafte Seele immer wieder ihr Ueberwindwort:Ich will!" spräche! Dieser Krieg lehrt uns: Das Volk, das vom besten Geiste beseelt ist, kann nicht bezwungen werden! O, gesegnet sei der Geist, der in dem deutschen Volke lebt! Wie war er Heldenmut und Opfersinn im Feld und in der Heimat bis zn dieser Stunde! Wir haben die Kraft und den Segen Gottes für diesen unseren Geist herabgebetet aus der Höhe in unsere Seelen.

Dieses Pfingsten soll uns zu einem ernsten Dank­fest werden, daß Gott uns so herrlich mit seinem Geiste begnadete: aber es soll auch zu einer Ferer der Seele werden, in der das Gelübde uns erfüllt, in diesem Geiste zu bleiben, wenn uns der Sieg beschieden wird, immer und immer! Ja, der heilige Geist muß noch mehr unser ganzes Volk und fein tiefstes Sein durchdringen. Es muß neu werden, besser, reiner, von Grund auf! O nichtmüdewerden in der Erneuerung, jeder an sich selbst!

Diese Kriegspfingsten müssen wir uns zum wahr­haften Segen feiern ! Aus den Festglocken tont Gottes Mahnung, nun immer bei ihm zu bleiben, mr Lichte seines heiligen Geistes, daß keine Macht der Erde uns wieder von ihm löse!

Der Geist großer, heiliger Liebe der Geist des Heldenmutes, der Treue, der Wahrhaftigkeit, des starken, unerschütterlichen Glaubens bleibe unter uns ! Wirke bei allen, allen im deutschen Lande!

Ihr Helden, tragt einst den Geist, der euch zu großen Taten, zum unbezwinglichen Aushalten be­seelte, heim zu Haus und Herd und in eures Leben» Gemeinschaft! Du tapfere Kriegerfrau, bewahre dir den neuen Geist deines Mutes, deiner schwertlosen Treue in den Zeiten des Friedens! Erfüllt die Jugend da­mit, daß sie rein und stark werde! Du aber, durch deren Seele das Schwert des Schmerzes fuhr, du Trauervolle, die des Liebsten beraubt steht, richte dich

auf, fühle den Geist der Pfingsten. Er will auch zu dir kommen. Schaue ihn, der den Heldentod starb, an als einen, der, vom Geiste getrieben, sich opferte, und der nun im Lichte verklärt ist, im Lichte des ewigen Geistes.

So laßt uns Pfingsten feiern ! Läutet, ihr Glocken, blühe, du leuchtende Natur! Wir Wissens: Er ist der Geist, der siegt! R. B.

Unsere D Helden.

Mit demE i s e r n e n K r e u z" e r st e r Klasse ausgezeichnet wurden: Hauptmann Grau und Major Meyer, früher Lehrer an der hiesigen Kriegsschule.

DieN o t e K r e u z - M e d a i l l e" 2. Klasse er­hielten: Karl Gorges, Färber, Hersfeld. Maurer Josef Hohmann, Burghaun. Landwirt Leon Liebeck, Steinach (Kr. Httnfeld).

Auf dem Felde der Ehre fielen: Mus­ketier Johs. Schäfer aus Untergeis. Musketier Valentin Reinmöller aus Oberhaun. Johann Kon­rad Grenzebach aus Mühlbach. Kriegsfreiwilliger Lehrer August Jckler aus Rotensee. Pionier Johs. Gg. Wilh. Steinhauer aus Wüstfeld. Reservist Joh. Diehl aus Kruspis. Musketier August Bommer aus Hillartshausen.

Bus der Heimat.

* Die Einstellun

ung besonderer Eisen- Militärpersonen in den

bahnwagen für

Zügen hat derartig befriedigende Resultate gezeigt, daß neuerdings angeordnet wurde, noch weitere Züge damit auszurüsten. Auf denjenigen Strecken, wo die Einstellung besonderer Wagen nicht erforderlich er-

BeklebezettelnFür Militärpersonen" versehen. Sie dürfen von anderen Reisenden nur bei Platzmangel und unzureichender Benutzung durch Militärpersonen

benutzt werden.

* (D i e n st b e s ch r ä n k u n g e n t in Postver- kehr an den Pfingstfeier tagen.) Am 1. Pfingstfeiertag ruht die Paket- und Geldbestellung. Dagegen findet am 2. Pfingstfeiertag eine einmalige Bestellung von Paket- und Geldsendung statt. Ebenso kommen am 2. Pfingstfeiertag Postsendungen nach allen Landorten zur Abtragung. Am 1. Pfingstfeier­tag ruht die Landbestellung vollständig. Der Tele­graphen- und Fernsprechdienst wird in vollem Umfange wahrgenommen.

* (Die Militärdienstzeit der Volksschul- l e h r e r.) Bei der Erörterung der Frage über die Vermehrung des militärischen Ausbildungspersonals ist neuerdings bestimmt worden, daß Volksschullehrer, die vor 1900 kürzere Zeit als ein Jahr gedient haben und sich zur Ausbildung von Mannschaften eignen, wie die übrigen Mannschaften des Beurlaubten­standes befördert werden sollen. Damit ist einem Wunsche der älteren Volksschullehrer, die eine aktive Dienstzeit von 10 Monaten hinter sich haben, ent­sprochen worden.

* (Die Rente der Kriegsbeschädigten). Wie man derKöln. Ztg." schreibt, ist bei der Beur­teilung der Höhe des den Kriegsbeschädigten ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend zu zahlenden Lohnes die Befürchtung aufgetaucht, daß die auf Grund der gesetzlichen Fürsorgebestimmungen gewährte Rente den Kriegsbeschädigten wegen ihrer Einkünfte ge­kürzt werden könne. Derartige Besorgnisse sind grundlos. Die Aufnahme lohnbringenden Erwerbs darf die Höhe der Rentenzahlung nicht ungünstig be­einflussen. Es ist dringend erwünscht, daß alle be­teiligten Stellen dieser Auffassung entgegentreten. Die Tatsache der lohnbringenden Beschäftigung oder die Höhe des Verdienstes kann allein keine Aenderung oder Entziehung der Rente begründen. Eine An­rechnung des Verdienstes auf die Versorgungsgebuhr- Nisse ist unzulässig. Eine Minderung oder Entziehung der Rente könnte nur bei einer wesentlichen Steigerung der Erwerbsfähigkeit eintreten. Die Kriegszulage ist so lange fortzuzahlen, als der Versorgungsberechtigte in seiner Erwerbsfähigkeit in meßbarem Grade, also mindestens um 10 v. H. geschädigt ist. So wurde z. B. jemand, der durch den im Kriege erlittenen Ver­lust eines Fußes erwerbsbeschrankt geworden ist, stets neben der dem Grade seiner Erwerbsunfähigkeit ent­sprechenden Rente die Verstümmelungszulage von 27 Mark monatlich und die Kriegszulage beziehen, gleichviel welches Einkommen er aus lohnbrinaender Beschäftigung hat. Weder Arbeitgeber noch Verletzte haben daher zu befürchten, daß die Verwendung eines solchen Verletzten und die wohlwollende Zahlung höheren Lohnes sachliche Nachteile für denselben her­beiführen könne.

n-

* Der Saaten stand ist nach den Aeußerungen von Sachverständigen in allen Fruchtarten sehr g stig. Namentlich stehen zurzeit Winterroggen und

Winterweizen ganz vorzüglich. Dasselbe ist bei dem Klee der Fall.

* (Die Lehrer und der K r i e g.) Die Zahl der aus dem Lehrerstande Hessens auf dem Felde der Ehre gefallenen Kriegsteilnehmer hat sich auf 157 erhöht. Nach Feststellungen des deutschen Lehrer­vereins haben bis zum 1. Januar 1915 von den Lehrern an Seminaren 48 Direktoren, 178 Oberlehrer, 407 Seminarlehrer, 446 Präparandenlehrer und 129 andere Lehrer am Kriege teilgenommen; 379 oder 31,4 v. H. derselben gehörten dem Reserveoffizierkorps an. Bis zu demselben Zeitpunkte waren 13 425 Seminaristen in das Heer eingetreten und zwar nur 2112 als Aus­gehobene, die übrigen als Kriegsfreiwillige. Unge­fähr die Hälfte derselben hatte vor dem Eintritt ins Kriegsheer die Notprüfung abgelegt und dadurch den Befähigungsnachweis für den einjährig-freiwilligen Dienst erlangt. Damit dieselbe Vergünstigung auch den übrigen am Kriege teilnehmenden Seminaristen gewährt werde, ist vom Geschäftsführenden Ausschuß des Deutschen Lehrervereins eine diesbezügliche Petition dem Herrn Reichskanzler überreicht worden. Die Zahl der infolge der Neueinberufungen einge­stellten Kriegsteilnehmer aus den Seminaren und Präparandenanstalten ist auf etwa 16000 gestiegen.

* Mit dem Wachstum der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen stellen sich auch deren Feinde ein. Mehr wie je muß es in diesem Jahre, zwecks Sicherstellung unserer Ernte, die Aufgabe des Land­wirtes sein, diese Feinde zu bekämpfen. Schon sieht man in Flur die Wirkung des Drahtwurmes, der vorwiegend Hafer, Rüben und Kartoffeln schädigt. Wenn es auch kein völlig sicher wirkendes Mittel zu seiner Vertilgung gibt, so wird es durch mehrmaliges Ueberwalzen des Feldes, wodurch der Boden gefestigt wird, in seinem Umherkriegen im Boden von Pflanze zu Pflanze so gehindert, daß er aus Nahrungsmangel zu Grunde geht. Auch der Hederich hat sich strichweise sehr reichlich eingestellt. Hier ist das Bespritzen des Feldes mit Eisenvitriolbrühe das einzige höher wirkende Mittel. Scharfes Eggen mit spitzen, leichten Saateggen ist auch sehr gut. Weniger sicher ist die Benutzung von Streupulvern wie Heöerichtoö usw. Sie sind meist sehr teuer und schädigen oft auch die Saat selbst.

* (Hessische Kriegsverstcherung.) Bei Er­öffnung des Hessischen Kommunallandtages, der kürz­lich hier versammelt war, hat der Herr Oberpräsident ausgeführt:Zu den Einrichtungen tatkräftiger Für­sorge zählt die Hessische Kriegsversicherung, bestimmt, erste Not von den Hinterbliebenen gefallener Krieger abzuwenden." Die zu dieser Einrichtung gesetzlich erforderliche nachträgliche Genehmigung hat der Kommunallandtag einstimmig erteilt. Die Kriegs­versicherung hat ihre wohltätige Wirkung schon in einer Zeit von hessischen Familien geäußert, denen alsbald nach dem Eintritt eines Kriegs-Sterbefalls die zugesicherte Teilzahlung von 100 Mark für einen gelösten Anteilschein zugewendet worden ist. Im ganzen hat die Landeskreditkasse als Verwalterin der Unterstützungskasse a. G. bis jetzt nahezu 140 000 Mk. ausgezahlt. Die Mahnung an unsere heimatliche Be­völkerung, soweit es noch nicht geschehen, sich an der Versicherung zu beteiligen, verdien^ allgemeine Be­achtung. Anteilscheine können nach wie vor bei jeder Kreiskasse gelöst werden.

-k- Hersfeld, 22. Mai. (Zur Nachahmung nicht zu empfehlen.) Kam dieser Tage eine Zigeunerin zu einer hier, Hünfelderstraße wohnhaften Frau, deren Mann sich im Kriege befindet und sagte zu dieser, daß ihrem im Krieg befindlichen Manne etwas zustoßen würde. Sie (die Zigeunerin) besitze das siebte Buch Moses und könne dadurch etwas tun, daß ihr Mann wohlerhalten bleibe. Um die Wahr­sagung richtig vornehmen zu können, müsse sie ihr das im Haus befindliche Geld überlassen, welches sie dann am ersten Pfingstfeiertage wieder zurückbringen werde. Da die Frau schon längere Zeit keine /Nach­richt von ihrem Manne erhalten hatte, so ließ sie sich durch Zureden der Zigeunerin verleiden, das in ihrem Besitz befindliche Geld 100 Mark herauszugeben. Nach Empfangnahme des Geldes verschwand die Zigeunerin und dürfte die Frau um ihr Geld ge­kommen sein. Man sollte es wirklich nicht glauben, daß es immer wieder Leute gibt, die auf solchen Schwindel hineinfallen.

):( Hersfeld, 22. Mai. Herr Turnlehrer Heine- mann von hier nnirbe auch für das Etatsjahr 1915 wieder zum Kreisjugendpfleger für den Kreis Hers­feld bestimmt.

Allendorf a. W., 20. Mai. Die Gemeinde Sooden hatte im vorigen Jahre den Antrag gestellt, für die in den Gemeindebezirken Sooden und Allendorf ge­legenen Quellen des Bades Sooden, die als gemein­nützlich im Sinne des Quellenschutzgesetzes vorn 14. Mai 1908 anerkannt worden sind, einen Schutzbezirk nach den Vorschriften dieses Gesetzes festzustcllen. Durch die für einen solchen Schutz notwendigen Be- schränkurrgen fühlten sich eine Anzahl Grundbesitzer

Fortsetzung auf der 4. Seite.