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Leabstchtigken UMmatum an Serbien vorher nicht in Kenntnis gesetzt habe, eine Verletzung des Art. vn des Dreibundvertrages zuschulden konimen lassen. Dieser Artikel verpflichtet Oesterreich-Ungarrt und Italien zu vorheriger Verständigung und gegenseitigen Kompen­sationen für den Fall, daß sich eine der beiden Mächte genötigt sähe, den Statusquo auf dem Balkan durch eine zeitweilige oder dauernde Okkupation zu ändern. Die Berufung auf Artikel VII wäre begründet gewesen, wenn Oesterreich-Ungarn auf einen Machtzuwachs auf dem Balkan ausgegangen wäre. Wien hatte jedoch schon vor Kriegsausbruch in Petersburg und auch in Rom erklärt, daß Oesterreich-Ungarn keine Gevietsermeiteruu- gen auf Kosten Serbiens anstrebe. Die beiden im Kriege stehendeil Zentralmächte wären dagegen berechtigt ge­wesen, die Einwendungen Italiens gegen seine Bünd­nispflicht nicht anzuerkennen. In loyalem Verständnis für die nicht leichte innere und äußere Lage Italiens aogen sie es jedoch vor, eine so einseitige Auslegung des )reibundvertrages hinzunehmen und sich mit der Er­klärung wohlwollender Neutralität, zu der der Vertrag unzweifelhaft verpflichtete, zu begnügen. Obgleich der Artikel VII auf Kompensationen nur für den Fall eines Machtzuwachses am Balkan abzielte, erklärte sich doch, die österreichisch-ungarische Regierung wegen der mit Ausbruch des Kriegs eingetretenen Möglichkeit einer Machtverschiebung grundsätzlich bereit, etwaige Kom­pensationen ins Auge 8« fassen.

Mehr und mehr stellte sich im weiteren Verlaufe heraus, daß nach dem Tode des Ministers Marquis di San Giuliano in Italien starke Kräfte am Werke wa­ren, um für die Bewahrung der Neutralität noch einen besonderen Vorteil von der Donaumonarchie heraus- zuschlagen. Die italienische Regierung fing an zu rüsten und mit den Rüstungen stiegen die Forderungen der Jrredentisten, Republikaner, Freimaurer und anderer Franzosenfreunde. Bald handelte es sich nicht mehr um die Forderung des Trentmo, sondern um den Erwerb noch anderer alter österreichischer Erblande an der süd­lichen Grenze der Monarchie, als Preis dafür, daß Ita­lien den in heißem Kampfe stehenden Bundesgenossen nicht in den Rücken falle. In dem natürlichen Bestre­ben, Italien vom Kriege fernzuhalten und die öster­reichisch-italienischen Beziehungen auf eine neue, freund­schaftliche Grundlage zu stellen, hat die deutsche Regie­rung nichts unversucht gelassen, um eine Einigung zwi­schen Oesterreich-Ungarn und seinem italienischen Butts oesgenossen herbeizuführen.

Die Verhandlungen kamen langsam in Gang. Er­schwert wurden sie von vornherein durch das Verlangen der italienischen Regierung, daß die zu vereinbarenden Gebietsabtretungen sofort in Kraft gesetzt werden müß­ten. Um den in diesem Verlangen liegenden Argwohn zu zerstreuen, wurde am 19. März 1915 die Garantie der deutschen Regierung für die Durchführung der Ver­einbarung unmittelbar nach dem Kriege zugesagt. Auf das erste bestimmte Angebot Oesterreich-Ungarns vom Ende März 1915, daß bereits die Abtretung des italieni­schen Sprachgebiets in Südtirol in Aussicht stellte, ging die italienische Regierung nicht ein, sondern gab ihre eigene Forderung erst am 11. April der österreichisch- ungarischen Regierung wie folgt bekannt:

Die absolute Preisgabe des Trentino auf Grund der im Jahre 1811 festgesetzten Grenze, d. h. mit Ein­schluß des weit außerhalb des italienischen Sprach­gebiets liegenden urdeutschen Bozen, eine Grenzbe- richtigung zugunsten Italiens am Jsonzo mit Ein­schluß von Görz und Gradisca und Monfalcone, die Umwandlung Triests mit seinem bis an die Jsonzo- grenze vorgeschobenen Jnsellande nebst Capodistria und Pirano in einen unabhängigen Freistaat, die Ab­tretung der Curzolari-Jnselgruppe mit Lissa, Lesina, Curzolta, Lagosta, Dazza und Meleöa. Alle diese Ab­tretungen sollten sofort vollzogen und die aus den ab­getretenen Landesteilen stammenden Angehörigen der Armee und Marine sofort entlassen werden. Ferner beanspruchte Italien die volle Souveränität über Ba- lona und Saseno mit Hinterland und völliges Des- interessement Oesterreich-Ungarns in Albanien. Da­gegen bot Italien eine Pauschalsumme von 200 Mil­lionen Francs als Ablösung aller Lasten und dre Uebernahme der Verpflichtung an, während der gan­zen Dauer des Krieges neutral zu bleiben: auf Gel- tendmachung von weiteren Kompensationsforderun­gen aus dem Art. VII des Dreibundvertrages wollte es für die Dauer des Krieges verzichten und erwar­tete von Oesterreich-Ungarn einen gleichen Verzicht in bezug auf die italienische Besetzung der Inseln dev

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Obwohl diese Forderungen über das Matz dessen weit hinausging, was Italien selbst für die Befriedl- gung seiner nationalen Mpirattonen verlängert konnte, brach doch die k. und k. Regierung die Verhandlungen nicht ab, sondern versuchte weiter mit der italienischen Regierung zu einer Verständigung zu gelangen. Die deutsche Regierung tat alles, was in ihrer Macht stand, um die italienische Regierung zu einer Ermäßigung ihrer Ansprüche zu bewegen, deren bedingungslose An­nahme die berechtigten Interessen und auch die Würde der österreichisch-ungarischen Monarchie schwer verletzt hätte. Während diese Verhandlungen noch schwebten, gab der italienische Botschafter in Wien am 4. Mai der österreichisch-ungarischen Regierung unerwartet die Er- klärung ab, daß Italien den Bündnisvertrag mit Oester­reich-Ungarn als durch dessen Vorgehen gegen Serbien im Äugüst 1914 gebrochen ansehe. Gleichzeitig erklärte der Botschafter, daß er alle von seiner Regierung bis dahin gemachten Angebote znrückziehe. Diese foge- nannte Kündignngdes noch bis 1920. laufenden Ver­trages ging "also bis in die ^^«^S

^üfitßä Nitrit <f# ttni ftonli in SSiiciwtttfl nicht nnt^ mit Lenwohlwollenden und frenndschaitlichen Erklärungen des Königs von Italien im August 1914 und seiner da­maligen Regierung, sondern auch mit den inzwischen von der aeaenwärtigen italienischen Regierung aus dem Sto vnT^ «Kn« ««Wollte« Störn,

®"mufI 'H iwfle«t Meisen, o» Sie lawBaetosen Personen des italienischen Kabinett ber dieser Schwen­kung einer inzwischen durch geheime Abrede gestarkteil Hinnetauna zu den Feinden der mit Italien Verbiin- dettn folgten oder ob sie dem Druck der öffentlichen Mei­nung nachgaben, die ch unter der fortgesetzten Anfeue- ?Ä der in fremden Solde stehenden Blatter immer- mebr gegen die Äntralmächte erhitzt hatte. Dem Deut­schen ®cbe neS^ sich die italienische Megierung^da?aI,"N'in'Hen m

Erklärung in Berlin zur Kenntnis zu bitiigen. Ein letzter Versuch, den Uebertritt des bisherigen Bundes- ssen in das feindliche LEr zu verhindern, wur^ 10., Mai.mit.den noch verächtlich erweiterten Zu.

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mn 10 Wal mit den noch verracy'iim Mio« neue« o«- sagen der österreichisch-ungarischen Negiermlg gemacht, die der Reichskanzler am 18. Mai im Reichstage verlesen ÄMM^^^^ M« «tilxW

etwas daran ändern können, das!, wenn die italienische Regiernng zu den Waffen gegen den bisherigen Bundes- (KMiflfTctt mn fic niesen JBtitÄ von Streit ttno (Slituvctt um einen Machtzuwachs tun würbe, der.bem italieni­schen Borte mit allen möglichen Garantien freiwillig und ohne Blutvergießen dargevoten würde.

Kommentare der Berliner Presse.

Italien will den Krieg! schreibt dieNationalzei- tung. Die Beschlüsse der beiden Kammern bilden nur das amtliche Siegel unter die Abmachungen, die von der Regierung schon seit längerer Zeit getroffen worden sind. Es hat gar keinen Zweck mehr, zu leugnen, oder zu beschönigen, daß der Abfall Italiens von dem Drei­bund schon vor Wochen erfolgt ist.

In derFreisinnigen Zeitung" heißt es: Der Krieg, den Italien nunmehr mit den bisherigen Verbündeten zu führen unternimmt, ist der sinnloseste, den die Welt­geschichte je gesehen hat.

DasBerl. Tagebl." faßt seine Betrachtungen dahin zusammen: Wir glauben nicht, daß ein Volk, das unter solcher Leitung, unter so bösartigem skrupellosem An­sporn ins Kanonenfeuer hineintaumelt, lange in dem Traum gefangen bleiben kann. Die vereinigten Heere Deutschlands und Oesterreich-Ungarns werden dafür sor­gen, daß das Erwachen beschleunigt wird.

DerLokalanzeiger" sagt: Niemand in ganz Italien hat zu verhindern vermocht, daß eine gewissenlose Mino­rität das Recht vergewaltigt und die Gerechtikgeit mit Süßen getreten hat. Nun nimmt das Schicksal, das zum erhängnis Italiens werden kann, seinen Lauf. Sie haben ihn gewollt, den blutigen Krieg, sie sollen ihn haben. _ r

Nach derTageszeitung" wird einem Schweizer Blatt von zuverlässiger privater Seite aus Mailand be­richtet, daß in Genua 190 Infanterieregimente! in Kriegsstärke vereinigt seien. Deutschland habe die wei­tere Wahrnehmung der deutschen Interessen in Rom während des Krieges der Schweiz übertragen. Den Schutz der Interessen Oesterreich-Ungarns würden hie

Vereinigten Staaten übernehmen.

Der Krieg in den Kolonien.

Die Kriegslage in Deutsch-Südwest.

DemN. Notterd. Cour." schreibt derDeutsch. Tagesztg." zufolge ein Afrikander folgendes : Die Berichte aus Südwestafrika sind sehr wichtig. Windhuk wurde besetzt, in Johannesburg in Südafrika hat man deutsches Eigentum zerstört oder geplündert. Man erwartet einen großen Widerstand in Windhuk, desglei­chen auch bei Aus, das eine natürliche Festung sein muß. Wahrscheinlich entschieden sich die Deutschen für den Klein­krieg, also die einzige Taktik, bei der sie im diesem ungleichen Kampse Erfolg haben können. Doch kann der Krieg in Deutsch-Südwestafrika noch Jahre dauern. Alles hängt natürlich von dem Ausgang der ersten Feldschlachten ab. Herzbeklemmrud ist es, daß viele Afrikander auf, beiden Seiten ihr Leben lassen müssen. Denn man schätzt die mitfechten­den Afrikander aus deutscher Seite auf 1500 Mann. Die deutsche Macht (ungefähr 8000 bis 10 000 Mann) ist in der Hauptsache noch unversehrt. Die entsetzliche Behandlung der armen deut­schen Privatleute in Iohannesberg und den anderen Städten dürste nicht ohne Einfluß auf ihr zukünftiges politisches Beihalten in

Südafrika bleiben.

kkieasallerlei.

Bei bett deutschen Minenwerfern.

Ein kürzlich im Hauptquartier des Kronprinzen von Bayern eingetroffener Korrespondent derNew §)orf Times" berichtet seinem Blatt in anziehender Weise von den Erfahrungen, die er bei dieser Gelegenheit hin­sichtlich einer neuerdings so viel besprochenen Waffe, der Handgranate, machen durfte. Er wurde mit einer ganzen Reihe internationaler Kollegen in die Schützen- gräbeu geführt und dort wurde ihm Gelegenheit ge­boten, einen eigens ins Werk gesetzten Angriff auf die gegenüberliegenden englischen Linien zu beobachten. Eine Schar besonders dazu eingedrillter Feldgrauer trat auf Befehl des dort fmnnianöierenöen Bataillons- führers an die Minenwerfer und luden die Apparate mit vier langen röhrenartigen Granaten, die den Ge­schossen der Feldartillcrie ähnlich sahen. Ein kurzer Be­fehl, ein lauter Knall, und das Projektil bewegte sich pfeifend auf die englischen Linien zu. Es fiel 50 Meter zu kurz. Die Antwort von drüben blieb nicht aus. Sind) die Engländer ließen ihre Minenwerfer spielen, und die Journalisten konnten der Bahn des gegnerischen Ge­schosses folgen, das sich einige 60 Meter hinter der deut­schen Front in den Sand bohrte. Wie ein Gasrohr, meint der berichtende Amerikaner, erschienen die feind­lichen Projektile, wie Bierflaschen, lachten die Feld-- grauen, die unmittelbar gewählte Bilder vorzogen. Die Wirkung der Handgranaten, die ihr Ziel erreichen, ist dem Bericht des Amerikaners zufolge, geradezu vermch- teud, eine Tatsache, die ja schon bei den ersten Versuchen festgestellt wurde, die Ende des 19. Jahrhunderts dort auf spanischeu Truppenübungsplätzen, gemacht worden sind, wo man zuerst die alten Grenadlerkunste aus der Zeit Friedrichs des Großen wieder zu beleben strebte. Sdion der Luftwirbel, den das nahende Geschoß erregt, reißt, wie sich der geleitende Hauptmann drastisch aus- drückt, die Lunge in Stücke. Gelangt dann, eine Hand­granate wirklich an ihr Ziel, so werden .die innerhalb des Schützengrabens befindlichen Mannschaften meist sämtlich getötet. Freilich sucht man sich huben wie drü­ben durch Aufstellung von Horchposten zu sichern, die ihre Kameraden durch einen kurzen Pfiff vor der nahen­den Explosion zu warnen haben. Ertönt das Zeichen, so zieht sich die Besatzung des Schützengrabens eiligst in die dafür besonders vorbereiteten Unterstände zurück.

Vermisdites.

Abaelehnte amerikanische Liebesgaben. Der Stadtrat von Hohensteitt-Ernstthal (Sachsen) hat die Annahme von Licbes- aabeli, die aus Amerika für die Hinterbliebenen Verwundeter angeboten wurden, im Hinblick auf die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber dem Deutschen Reich abgelehnt. Auch eine Anzahl anderer Gemeinden im Königreich Sachsen hat amerika­nische Liebesgaben aus gleichem Grunde abgelehnt.

Ein russischer Konsul in Persien ermordet. Nach amt­licher russischer Meldung aus Ispahan ist am 18 Mai um Mitternacht der russische Konsul in Komesheh, Andrei Kaver, der Direktor der dortigen russischen Bank, auf der Straße durch mehrere Schüsse, die eine Anzahl Reiter abgaben ermordet worden

An die Herren Miesmacher. Ein Offizier schreibt derTgl. Rösch.": Allen Miesmachern hatte ich gegönnt, folgende kleine Episode mitzuerleben: Zu entern Trans­port Ersatzmannschaftcu, der vor einigen Tagen, an die Front aina, hatte jede Kompagnie des . . . Er,atz-Ba- taillons eine bestimmte Anzahl Ausgebildeter zu stellen. Der Rest sollte zunächst noch zurückbleiben. In l^ter StliNde wurden jedoch von der . . . Kompagute noch 20 Mann angefordert. Da aber 50 Ausgebildete dieser KomvaaE waren, hatte das Ausstichen gro^e Schwierigkeiten - jeder wollte durchaus zu den "o Auserwählten gehörell, nicht einer wollte zuruckblei- bett M mit Bitten bestürmt.

Wie sollte er dieser Begeisterung gerecht werden? Da kam ihm ein rettender Gedanke, er veranstaltete zwischen den 50 Bewerbern sofort ein Wettlaufen über den Ka­sernenhof! Wie rannten und stürmten diese prächtigen Feldarauen los! Das Herz lachte einem int Leibe, als man dies Ringen um die Ehre sah sobald als möglich ran an den Feind zu kommen. Die 20 Sieger marschier­ten bald darauf stolz mit ihren Kameraden zum Tore

hinaus, dem Feinde entgegen. O, ihr kleingläubigen Miesmacher, wo ist da etwas von Kriegsmüdigkeit?

Gabriele D'Annnuzio wird imVorwärts" wie folgt abgeschildert: Es ist wirklich ein Hohn des Schick­sals, daß gerade ein Gabriele D'Annunzio heute den kriegsstrebenden Teil des italienischen Volkes verkör­pern und versinnbildlichen soll. Wir denken nicht so niedrig von den Verfechtern des Krieges, ja, kaum w niedrig von den Kriegsschreiern, daß wir sagen können, sie seien dieses Nationalhelden würdig. Ist doch an die­sem Manne mit dem geilen Gesicht und dem glatten Wüstlingsschädel nichts, aber auch gar nichts italienisch: beschimpft er doch durch seine ganze moralische Erschei­nung jenes mannhafte und markige Abruzzenvolk, von dem er sich artfremd, im wahrsten Wortsinn: entartet, abzweigt. In diesem Sinne wird der Patriotismus zur Phrase und dann zu Geld, wie ihm seit seinen jungen Jahren das Weib zur Phrase ward und zu klingender Müuze. Er ist ein Wortkünstler, wie wenige vor ihm. Aber alles ist ihm nur Material für seine Wortfiligrane: er fühlt für das Vaterland nichts, das er besingt, so wenig er für die Frauen gesuhlt hat, die er in seinen Romanen der Gier des Publikums preisgibt. D'An­nunzio ist international im schlechtesten Sinne, vater- landslos, wie die Hefe der Großstadt, wie das Schma­rotzergeschmeiß der Lebewelt. Er kann kein Volk ver­körpern, das sich, sei es auch in einem Irrwahn, zum Kriege drängt: er verkörpert den Krebsschaden aller Völker, den alle abstoßen müssen, den sterilen Egois­mus der Genußsucht und Ausbeutung.

3m schönen Monat Mai in Polen.

Sticht wenige Menschen in der Heimat machen sich von Polen ein falsches Bild. Es ist freilich wahr: Das von Rußland geknechtete Polen ist ein Land höchster Un­kultur. Durch Poleu ziehen Scharen bettelnder Frauen und Kinder. Hier gibt es durchweg nur große Armut oder bedeutenden Reichtum. In der Bevölkerung steckt viel Ungewißheit und blöder Aberglaube. Polen ist vor allen Dingen auch das Land der Läuse und sonstigen Ungeziefers. Ein Bruder von mir, der als Bonner Student mit andern seiner Studiengenossen in Slupno liegt, schreibt in einem Feldpostbrief:Die Lausemittel benutze ich immer noch: denn der Erdunterstand, in dem ich logiere, sitzt knüppeldick voll davon. Da helfen keine Fläschchen! Ueürigens gebe ich einige Wollsachen zur Beförderung mit. Am besten packst Du die Sachen nicht aus, sondern legst sie recht warm (etwa 20 bis 25 Grad) irgendwo wohlverschlossen hin, so daß auch die Lause- uester sich entwickeln und die ganze Gesellschaft dann ver­hungert: Methode a la England ist uns hier von oben her empfohleri worden." Am Sonlltagmorgen, den 2. Mai hatte ich Gelegenheit, unsere mit vieler Mühe entlausten Russen in unserem Durchgangs-Gefangenenlager bei ihrer Sonntagsbeschäftigung zu sehen. Zu Dutzenden lagen die Kerle vor ihren Baracken splitternackt im Son­nenschein, alle emsig auf der Lausejagd. Selbst vor kur­zem eingebrachteZivilgefangene sitzen übervoll von Unge­ziefer. Die Läuse gehören eben zum Russen. Aber neben diesen Schattenseiten der Unkultur der Menschen steht jetzt im Monat Mai als Lichtseite Polens die herrliche Landschaft da. Polen ist im Lenzmonat wunderschön. Ein weiter Blütenhimmel hat sich auf die Erde gesenkt. Die Obstbänme im weißen Blüten kleide lautiern ganz prächtige Bilder hervor. Hinter Kalisch auf Lodz zu lie- geu in den Talzügeu weitgedehnte Blüteninseln, in die die Dörfer mit ihren armseligen Strohhütten eingetancht erscheinen. Wo Büchlein plaudern und die Ufer mit Er­len, Schlehdorn, wilden Rosen und Weiden und Hopfen­geranke umsäumt sind, dichten jetzt ungezählte Äkachti- gallen. Aus den parkartigen Obstbaumanlageu großer Gitter läßt der farbenprächtige Pirol, der Vogel Bülow, seinen melodischen Flötenpfiff ertönen. Rotkehlchen tril­lern im Gebüsch, Buchfinken schnrettern ihren Schlag, Hänflinge stimmen sanfte Weisen an und Ammern lassen ihr melancholisches Liebchen hören. Tausende von Spatzen schirpen dazwischen. Inmitten dieses zahlrei­chen Proletariervolkes geben die Künstler in der Vogel­welt ihr Können zum beste». Seukt sich der Abend in die Gefilde nieder, dann erklingen aus den Sümpfen und Tümpeln die merkwürdigen Unkenrufe, die sich wie fernes Glockerigelüute anhören, und breites, behäbiges Froschgequake. Meistens ist die Lust klar und ein wun­derbarer Sternenhimmel wölbt sich über den Beschauer. Auch au andern Stimmungsbildern ist Polen nicht arm. Zahlreich sieht man jetzt Gänse mit vielen Küchlein im gelben Flaumkleide auf Wiesen und Feldern. Auf be­moosten Strohdächern sitzen Ranchschwalben in der Sonne und spinnen ihr Zwirnerlied:Ich wollt mein Kittelchen flicken, hat aber halt keinen Zwirn, hat nur ein kleines Enöchen, das mußt ich lange zirru." Auch Meister Adebar ist da und baut wieder am zerzausten Horst auf Dächer» und Bäumen. Große, weite Saat­felder decken das Braun der Scholle zu. Eine Pflanzen­welt durchweg ähnlich derjenigen des Niederrhems, ist nach und nach aufgeßlüBt und stickt in den grünen Teppich belebende Farben. Die Natur des Landes ist unberührt geblieben von polnischer Mißwirtschaft. (Köln. Ztg.)

Weitere Drahtnachrichten.

Ein englisches Vorpostenboot in die Luft gesprengt.

^ Amsterdam, 21. Mai. (T. U.) Lloyds Bureau meldet aus Fraserburgh: Ein dänsches Segelschiff hat die Besatzung des Trawlers (Vorpostenbovtes)Lu- cerne" gerettet. DieLucerne" ist gestern von einem deutschen Unterseeboot 40 Meilen von Rattrayhead ent­fernt in die Lust geprengt worden.

Italiens Verpflichtnngen gegenüber England.

w Basel, 21. Mai. (WTB.) Nach einer Privat- meldung desBas. Atiz" aus Chiasso erklärte Ftaltcn seine Haltung mit der Drohung Englands, die Enge von Gibraltar zn schließen, falls Italien nicht intt den Drei­verbandsmächten gebe. Falls es sich aber ihm ein englischer Vorschuß von 3^Milliarden tire uiib die Garantie für ungeschmälerten Besitz der Oesterrerch- Ungarn abzunehmenden Gebiete angeboten worden, wo- ueaen es sich verpflichten mußte, von ieitu.it Truppen ?50 000 Man» an die Dardanellen, 300 000 Mann in die

Champagne abzugeben.

Englischer Bölkerrechtsbruch.

Berlin, 21. Mai. (WTB.) Ueber einen neuen Völ­kerrechtsbruch berichtet W. Scheuermann airs Rosselare vom 20. Mai in derDeutschen Tageszeitung :, Bei der Fahrt nach den Schlachtfeldern von Apern er ahre ich, daß auf der stark unter Feuer gehaltenen Straße 10 bis 200 Meter südlich St. Julrell ein englischer Sa- ilitätsantomobilzug, bestehend aus Kraftwagen und An­hänger, gefunden wurde, dessen Führer durch Streufeuer getötet worden waren. Der Anhängerwagen, der eben­falls das Rote Kreuz trug, war mit eingebautem Ma­schinengewehr armiert, das ein Schwarzer bediente, der ebenfalls getötet worden war. Zahlreiche Aerzte und Sanitätsmannschaften bestätigten mir, daß die Engländer stets auf sie feuerten, trotzdem sie das Rote Kreuz deut­lich erkennbar tragen.