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(Fortsetzung 6er 1. Seite.)

hat, von der abzuweichen schocking ist, so glaubt man auch im Kriege, mit gewissen Waffen sicher auszu- kommen. Eine solche Waffe war die der Aus­hungerung. Man hatte sie mit Erfolg angewendet, also war sie nicht nur brauchbar, sondern auch be­rechtigt. Daß man sich dagegen mit einer neumodischen Waffe wie das Unterseeboot erfolgreich wehrt, ist für den Durchschnittengländer höchst unmoralisch. Aber unsere Torpedos und Luftgeschosse zerstören nicht nur Oceanriesen und Schiffswerften, sie zerstören auch den Glauben an die eigene Unfehlbarkeit. Das bewiefen gerade die Worte des Premierministers, aus denen aber doch noch nicht ein volles Erkenntnis der Sach­lage spricht. Gehört unser Militarismus uicht auch zur Organisation? Er ist das zur höchsten Voll­kommenheit organisierte Militärwesen, das bei den Engländern im Söldnerwesen stecken geblieben ist. Jetzt noch nachträglich die allgemeine Wehrpflicht ein- zuführen, wagt man nicht mehr. Die unteren Stände würden sich gegen den Zwang auflehnen. Gewiß inö jetzt Hunderttausende zu den Fahnen geeilt, halb reiwillig, halb aber doch einem stärkeren oder chwächeren Zwange folgend, aber die zurückgebliebenen Arbeiter suchen durch Lohnforderungen, Streiks, ver­mehrte Feiertage der Regierung so viel Schwierig­keiten wie möglich zu machen und glauben so auch ihren bei den Fahnen stehenden Genossen zu helfen. Was geht sie und auch jene der Krieg an? Hier stoßen wir auf eine mächtige Organjsation, die dem Staat entgegentreten kann, aber sie hat sich von innen herans ihm feindlich entwickelt, der Staat selbst hat nichts getan, die anderen Kräfte zusammenzufaffen. Es ging alles in gleicher Weise weiter, wie lange noch, wird sich zeigen. Der als Geschäftskrieg unter­nommene Krieg kann mit einer gewaltigen Er­schütterung aller Zustände enden.

Der Kriegstaumel in Italien

Ward je in solchem Rausch ein Krieg vom Zaum gebrochen? So wird es bei allen vernünftigen Leuten heißen, wenn der Wille der Straßen- und Kaffeepoli­tiker den König, das Ministerium und das Parlament mit sich fortreißt. Das ist nun mit jedem Tage wahr­scheinlicher geworden. Ein einziger Mann, Giolitti, der bisher den größten Einfluß im Parlament besaß, hat in der vorigen Woche versucht, das Unheil aufzu- halten, indem er riet, keine Entscheidung zu treffen, bevor die von Oesterreich-Ungarn angebotenen Zuge­ständnisse der Kammer unterbreitet wären. Es hat nichts geholfen. Er und seine Partei sind still geworden, die Tumultuanten auf der Straße und die von fran­zösischen und englischem Gelde genährten Blätter führen allein das Wort. Nur die sozialistische Partei, die in der Kammer mit 51 Sitzen vertreten ist, stemmt sich gegen den allgemeinen Taumel.

Den Kern der Kriegsschreier bilden Jrredentisten, Freimaurer und Republikaner. In den Lärm der öffentlichen Aufzüge in den großen Städten mischt sich der Ruf: Gs lebe die Republik. Kein Wunder, daß der König in seinen Enschlüssen von der Sorge um die Krone beeinflußt wird, die gefährdet wäre, wenn er sich dem Toben der Straßenmenge wiedersetzte. Daß es trotzdem weite Kreise gibt, die den Krieg nicht wünschen, ist nicht zu bezweifeln. Man hat eine ganze Anzahl von früheren Ministern und Senatoren mit Namen aufgeführt, die die Ansicht Giolittis teilen, daß es Wahnsinn wäre, Gebiete unter unermeßlichen Blut­opfern, zu erkämpfen, die auf friedlichem Wege zu er­langen sind. Aber sie trauen sich nicht, zu handeln. Das gegenwärtige Ministerium, in dem sich besonders der Minister des Auswärtigen Sonnino dem Drei- verdande verschrieben hat, läßt sogar ruhig zu, daß sich die Beamtenschaft an den Kundgebungen für den Krieg beteiligt. Verschiedene Anzeichen deuten darauf

hin, daß auch in der Kammer, die am 20. Mai wieder Zusammentritt, sich keine starke Opposition hervor­wagen und die Mehrheit sich dem von der Straße aus geübten Terror fügen wird, auch wenn das Ministe­rium Salandra was noch ungewiß ist, die Volksver­tretung nicht vor keine vollendete Tatsache stellt d. h. den endgültigen Bruch mit den Zentralmächten vor­her vollzieht.

Um den Eindruck der von Giolitti veranlaßten Veröffentlichung der österreichisch-ungarnischen Ange­bote (italienisches Sprachgebiet in Südtirol und am Jsonzo, italienische Universität und italienische Stadt­verwaltung in Triest, vollständige Freigabe Alba­niens) abzuschwächen, wurde verbreitet, das seien nur Scheinkonzessionen. Oesterreich-Ungarn werde es nie vergessen, daß sich Italien seine Neutralität so hoch bezahlen ließ, und zu gelegener Zeit seine Freigebig­keit wieder rückgängig machen. Zur rechten Zeit noch und doch wahrscheinlich ohne Erfolg hat der unga­rische Ministerpräsident Graf Tißa dieses Mißtrauen mit der feierlichen Erklärung im ungarischen Abge- orönetenhause zu zerstören versucht, daß die Ange­bote zwar im Bewußtsein der Schwere der Opfer, aber nicht zu taktischen Zwecken, sondern zur ständigen Besserung des Verhältnisses zu Italien gemacht worden seien. Aber die Kriegsraserei ist schon zu weit ge­diehen, die einfachste Logik hat aufgehört, zu wirken. Große Blätter haben es schon fertiggebracht, jeden für verächtlich zu erklären, der nicht Frankreich und Eng­land die Treue hält. Giolitti, der den alten Bund mit den Zentralmächten nicht ohne Not brechen will — ein Hochverräter, d' Annuncio der die Treulosig­keit predigt, — ein ritterlicher Held! Wenn diese Ver­wirrung aller Begriffe das Land regiert, wird Italien aus lange Zeit hinaus sein Ansehen verlieren, und selbst die neuen Freunde von heute werden es morgen mißachten.

Amtliche Bekanntmachungen.

Hersfeld, den 15. Mai 1915.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich auf die im Reichsgesetzblatt Nr. 51 S. 235 unter dem 22. April 1915 abgedruckte Verordnung des Bundesrats über den dinglichen Rang öffentlicher Lasten aufmerksam. Die Verordnung verlängert die zweijährige Frist des § 10 Nr. 3 des Zwangsversteigerungsgesetzes, sofern diese Frist am 1. Januar 1915 noch nicht abgelaufen war, zunächst für die Dauer des Krieges. Die Gemeinden sind danach in die Lage versetzt, für Beiträge nach § 9 K. A. G. oder nach § 15 des Fluchtliniengesetzes ohne die Gefahr des Verlustes des Vorrechts nach § 10 Nr. 3 Zahlungserleichterungen auch über die zweijährige Frist hinaus zu gewähren.

I. A. Nr. 4518. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assesfor.

sturmmusterung zur militärärztlichen Untersuchung gestellt haben, die Musterungsausweife einzuziehen, und mir bis zum 1. Juni d. Js. zur Vervollständigung ein- zureichen.

I. M. Nr. 3288. Der Landrat.

J. V.-

Funke, Kreissekretär.

Hersfeld, den 17. Mai 1915.

Am 1. April d. Js. ist der öffentliche Wetterdienst wieder ausgenommen worden und wird während der Sommermonate in gleicher Weise wie bisher, durchge­führt werden.

Ich weise erneut auf die außerordentliche Bedeutung des Wetternachrichtendienstes für die ländliche Bevölkerung hin und empfehle dringend, den Bezug der Wetterkarten. Die Karten und Vorhersagen können auch nach Schluß des Sommerdienstes von den Wetterdienststellen im Abonnement weiterbezogen werden.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich für die Ge­meinden auf den Bezug der Wetterkarten zu abonnieren und auch dafür zu sorgen, daß die Vorhersagen stets an den bekannten Stellen zum Aushang kommen.

I. I. Nr. 5565. Der Landrat.

I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assesfor.

Bekanntmachung.

Nachdem der Bundesrat das Schroten von mahl- fähigem Roggen und Weizen durch § 2 Abs. 1 der Verordnung vom 21. Januar 1915 (Reichsgesetzblatt Seite 27) verboten hat, heben wir unser am 18. Dezember 1914 erlassenes weitergehendes Verbot des Schrotens von Roggen und Weizen hiermit auf. Wir weisen aber darauf hin, daß auch nicht mahlfähiger Roggen und Weizen nach § 1 der Bundesratsverordnung vom 25. Januar 1915 (Reichsgesetzblatt Seite 35) der Be­schlagnahme für die Kriegsgetreidegesellschaft unterliegt und nur geschrotet werden darf, wenn und soweit die Kriegsgetreidegesellschaft das' Getreide freigegeben oder das Schroten gestattet hat.

Berlin, den 30. April 1915.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen u. Forsten. Frhr. v. Schorlemer.

Der Minister des Innern, v. L o e b e l l.

Der Minister für Handel und Gewerbe.

J. V.: Dr. ® ö p p e r t. * *

Hersfeld, den 17. Mai 1915. Wird veröffentlicht.

K. G. 385. Der Landrat.

J. V.:

v. Hedemann, Reg.-Assesfor.

Die Ausgabe der

Brotkarten für die kommenden vier Wochen findet schon morgen, Freitag, d. 31. d. Mts., während der Dienststunden in den Ausgabestellen statt.

Hersfeld, d. 20 Mai 1915.

Der Magistrat.

Strauss.

Schönes

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H. Groseurth

Unterhaun.

Mädchen

welche die

Dainenschneltlerel

erlernen wollen, können sofort oder später bei mir eintreten.

Frau Wilhelmine Schott

Hersfeld, den 17. Mai 1915.

Ich ersuche die Ortspolizeibehörden des Kreises von den Militärpflichtigen, welche sich bei der letzten Land­

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