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MH-U«Nk« yaven dem MUttster des Aeußereu Sons nhto eine Verbalnote überreicht. In diplomatische» Krei­sen hält man den Abbruch der diplomatischen Beziehun­gen zwischen Italien und den Zentralmächte« für be­vorstehend.

Gerüchte und Verdrehungen.

° ®a* Lugano. 20. Mai. (T. U.) Die gestrigen Er- klarungen des Reichskanzlers haben nach demB. L.-A." rn Italien eine unliebsame Ueberraschung hervorgerufen. Schon beginnt die Presse, die gewagtesten dialektischen Kunststücke machen, um nachzuweisen, daß ein Krieg ein Defensivkrieg sei, hervorgerufen durch Jahre unwür= biger Behandlung Italiens seitens Oesterreichs. Für dre heutige Kammersitzuug sind umfassende Sicherheits- maßnahmelt getroffen. Die beim Vatikan beglaubigten Gesandten der Zentralmächte werden voraussichtlich Ita­lien mit den Botschaftern verlassen. Für deutsches Eigen­tum in Italien scheint nichts zu befürchten zu sein, ob­wohl d'Annunzio in seiner gestrigen Rede erklärte, daß die Villa Malta der Konfiskation verfallen müßte. Der Secolo" bemerkt zu der Rede des Reichskanzlers, daß die österreichischen Konzessionen zu spät kommen. Nicht auf Italien, sondern auf die Zentralmächte falle die Ver­antwortung, da diese durch die Entsesselung des Welt­krieges den Dreibundvertrag zerrissen und Italien seine Handlungsfreiheit Wiedergegeben hätten.

Was sich in diesen, frei nach französisch-englischen Vorbildern unternommenen Rechtfertigungsversuchen kündgibt, ist, wie dieFrkf. Ztg." dazu mit Recht be­merkt, vor allem das schlechte Gewissen der Kriegshetzer.

Die entscheidende Kammersitzung.

oe* Lugano, 20. Mai. (T. U.) Auf dem Bureau der Kammer haben bereits 340 Deputierte ihre Adresse abgegeben. Man rechnet für die heutige Sitzung nach demCorriere della Sera" mit einer Teilnahme von 450 Deputierten. Die Kammer hat insgesamt 506 Ab­geordnete. Jurati, der im Namen der offiziellen Sozial- oemokratie gegen den Krieg sprechen soll, ist bis jetzt in der Rednerliste nicht verzeichnet. Im Ministerrat am Dienstag soll Sonnino einen neuen Bericht iiber die internationale Lage vorgelegt haben. Salandra unter­richtete über die Maßregeln, die gegen die geplanten sozialistischen Friedenskundgebungen getroffen sind.

Proteste gegen den Krieg.

w> Rom, 20. Mai. (T. U.)Avanti" fährt nach demB. T." fort, über Auflehnungen der Reservisten zu berichten, die in vielen Orten wie in Vigevano, Pavia usw. die Kriegsdemonstranten überfielen und unter Pro­testen gegen den Krieg mit Steinen bombardierten.

d'Annnnzio beim König.

w> Chiasso, 20. Mai. (T. U.) Der König empfing gestern mittag nach demB. T." d^Annunzio in der Villa Ada. Die Unterredung zwischen dem Monarchen und dem Dichter dauerte dreiviertel Stunden.

Kriegskundgebungen auf dem Kapital.

Nachdem am Montag der König die Leibkürassiere besichtigt hatte, die die neue graugrüne Uniform zum ersten Male trugen, hat er am Dienstag verschiedene andere Truppenteile besichtigt und ist von der Bevöl­kerung bei seinen Fahrten durch die Stadt auch in den Arbeitervierteln mit Enthusiasmus begrüßt worden. Gegen abend fand eine große Kundgebuug aüf dem Ka­pitol statt, an der mehrere tausend Menschen teilnahmen. Dabei hielt der Bürgermeister von Rom eine patrio­tische, aber im Gegensatz zu manchen anderen Reden der letzten Tage,, maßvolle Ansprache. U. a. sagte er: Wir müssen den Blick auf unseren jungen König richten, und uns daran erinnern, daß, wenn er uns eine Bahn weist, wir die Pflicht haben, ihm vertrauensvoll zu fol­gen. Dann ergriff der sozialistische Abgeordnete Po- drecca das Wort zu einer Lobrede auf Marine und Heer, die jedoch durch die Ankunft d'Annunzios unter­brochen wurde. Letzterer trat neben den Bürgermeister und sprach seinerseits zum Volke, indem er unter lau­tem und stets erneutem Beifall den Entschluß des Kö­nigs feierte. Nach d'Annunzios Rede zogen die De­monstranten unter Absingung von nationalen Liedern, während die große Glocke des Kapitols ertönte, die sonst nur bei nationalen Feiertagen geläutet wird, zur fran­zösischen Botschaft, wo die französische Fahne aufgezogen war. Diese wurde von der Menge unter Neigung ihrer Fahnen mit Hochrufen begrüßt. Der französische Bot­schafter Barrere hielt eine französische Ansprache, in der er sagte, daß er in der Demonstration des römischen Vol­kes die erfreulichen Auspizien für den gemeinsamen Sieg der Franzosen und Italiener sehe. Nach einem Vorbeimarsch am Ministerium des Innern, wo Sa­landra lebhafte Ovationen öargebracht wurden, löste sich der Zug ohne Zwischenfälle auf.

Die angeblichen Forderungen Italiens.

Kopenhagen, 20. Mai. (T. U.) Der frühere italie­nische Finanzminister Luzzatti teilte nach demHamv. Fremdenbl." dem römischen Korrespondenten derNa- tionaltiöende" folgende Forderungen Italiens an Oesterreich-Ungarn mit: Sofortige Besetzung von ganz Trtentine, Jstrien einschließlich Trieft, Pola, Fiume, mehrere Adria-Juseln, Abtretung der Marinestation an der dalmatinischen Küste, Verzicht auf jede, direkte und indirekte Einmischung in die Angelegenheit Serbiens, Verzicht auf eine gegen Italiens Interessen gerichtete Balkanpolitik, Freiheit für Italien, seine Interessen im östlichen Mittelmeer gegen die Türkei gemeinsam mit den Dreiverbaudsmächten wabrzunehmen und Stzlich Handlungsfreiheit für den kommenden Frie- kongretz, wo Italien sich Vorbehalte, die Sache Ser­biens und Belgiens zu unterstützen.

Ob die italienische Regierung diese Forderungen tat­sächlich erhoben habe, ist, wie dieDtsch. Tgztg." dazu be­merkt, nicht bekannt. Wir möchten es beinahe bezwei­feln. Immerhin wird der ehemalige Finanzminister, Herr Luzzati, sicher im allgemeinen unterrichtet sein. Von einer Ueberreichung der italienischen Forderungen auf amtlichem Wege an Oesterreich-Ungarn hat man bis jetzt noch nichts gehört, und ob Herr Luzzatti eine aktenmäßige Kenntnis der Dinge besitzt, wissen wir nicht. Daß er aber die Wünsche der führenden italienischen Politiker und Staatsmänner in diesem exorbitanten Ab­tretungsprogramme zum Ausdruck bringt, kann,nicht bezweifelt werden. Die Erfüllung selbst aller von Herrn Luzzatti angegebenen maßlosen Forderungen würde Oesterreich-Ungarn nicht einmal die Neutralität Ita­liens versprechen, geschweige denn sichern. Die Erfül­lung der Forderungen würde nichts weiter bedeuten, als daß Oesterreich-Ungarn sich kampflos verstümmeln ließe von Italien, das sich dann mit Serbien und an­deren Balkanmächten wohlgemerkt, wieder unter Oesterreichs-Ungarus Zustimmung, anschicken wurde, die verstümmelte Doppelmouarchie völlig zu zertrüm- meru. Aus diesen Gründen möchte man beMeifeln, daß die italienische Regierung tatsächlich diese Forderungen gestellt habe oder beabsichtige, sie zu stellen. Hatte sie es getan, würde sie es tun, so müßte das einen Hohn ve- bLUtM, a^Kt MMMvM sticht iÄM Mn kümm,

Der Türkenkrieg.

Ein englisches Urteil über die Dardauelleukämpfe.

DieTimes" meldet aus dem an den Dardanellen gelegenen Utros: Das englische Heer hat noch keine be­herrschende Stellung inne. Es hat aber den Feind ge­zwungen, seine Kräfte und die Art seiner Verterdigungs- werke zu zeigen. Wir streiten gegen ein tapferes, zähes Heer, das gut angeführt wird und sich bei der Vertei­digung immer als ein gewaltiger Gegner zeigte. Es sind noch die gleichen Soldaten, die Plewna verteidig­ten. Sie fechten für die Aufrechterhaltung der Türkei in Europa, für dre Erhaltung der Stadt, die der Stolz und die Lust jedes Türken ist. Deshalb müssen wir uns kämpfend einen Weg bahnen, Fuß um Fuß. Wie in Frankreich, so kommt beim Krieg auch hier in Frage, wie viele Leute wir opfern können, um einen Schützen­graben oder eine Quadratmeile Landes zu erobern.

Die Neutralen.

Amerika und derLnsitania"-Fall.

Ein Neuyorker Telegramm derFrkft. Ztg." mel­det: Der österreichische Botschafter hatte eine Unter­redung mit Bryan, anscheinend über denLusitania"- Fall. Dieser wird jetzt etwas rnhiger besprochen. Der Eindruck herrscht in Washington vor, daß eine Erledi­gung der Schwierigkeiten möglich sei, ohne daß sich beide Regierungen etwas vergäben. Jedenfalls tun die maß­gebenden Kreise alles, um die Kriegsstimmung zurück- 5ttä rängen.

Kriegsgewinnsteuer in Dänemark.

Die Einschätzung Steuerpflichtiger aus dem Kriegs­gewinn nach dem neuen dänischen Steuergesetz erfolgt jetzt. Die Steuerpflicht trifft diejenigen, die infolge durch den Krieg begünstigter Geschäftsverhältnisse eine jährliche Einkommenerhöhung von wenigstens 3000 Kro­nen hatten. Den größten Gewinn erzielten Pferde­händler, Lederwarenfabrikanten und Sattler.

krlegsaüerlei.

Die Gesamtzahl der englischen Offiziersverlnste.

Die amtlichen Veröffentlichungen des Generals French heben dauernd die dem Feinde beigebrachten un­geheuren Verluste hervor. Es hat den Anschein, als ob der englische Oberbefehlshaber dadurch die Aufmerksam­keit von Seit letzteil Mißerfolgen im Ypernbogen av- lenkeu und vor allem über die eigenen großen Verluste hinwegtäuschen will. Obgleich die englische Frontlinie sich in den letzten vier Monaten durch die Herausnahme französischer Kräfte nur um etwa 16 Kilometer verlän­gert hat, haben sich die Offiziersverluste in unverhält- nismätztger Weise gesteigert. Sie betragen nach den amtlichen englischen Veröffentlichungen im Januar 254, im Februar 397, im März 1184, im April 1300. Die hohen Verluste im März wurden durch die Kämpfe bei Neuve Chapelle, deren Erfolg ein kaum nennenswerter Geläuöegewinn war, die im April durch die Kämpfe im Ypernbogen bewirkt. Für den Monat Mai scheint die Verlustziffer gewaltig emporzuschnellen. Eine Zu­sammenstellung der Offiziersverluste vom 1. bis 11. Mai übersteigt schon die Gesamtzahl vom April; sie be­trägt 1478, von denen 289 tot, der Rest verwundet oder vermißt sind. Die Ursachen für diese hohe Ziffern sind die verlustreichen Kämpfe auf der Halbinsel Gallipoli und die englischen Angriffe südwestlich Lille. In diesen Kämpfen sollen nach Aussage von Gefangenen die Ver­luste weit höher sein als bei Neuve Chapelle. Die Ge­samtzahl der englischen Offiziersverlnste bis zum 1. Mai beträgt 8957. Die Seeverluste der Marine sind in dieser hohen Zahl nicht einbegriffen.

Der heilige Nikolaus.

Nicht ohne Humor erzählt ein polnisches Blatt folgende Be­gebenheit. Eine wohlhabende Frau, die ihren Heimaisort eine ostgalizische Stadt zeitweilig verlassen hatte, fand bei ihrer Rückkehr ihre Wohnung vollständig ausgeraubt. Ihre ge­samte Einrichtung und alle ihre Habseligkeiten waren mit einem Male verschwunden und die Sicherheitsorgane bekundeten für den typischen Fall nicht das geringste Interesse. Nach der Behauptung des Polizeichefs war anzunehmen, daß boden­ständige Spitzbuben in dieser Wohnung während der Abwesenheit ihrer Inhaberin gehaust haben. Es fiel indes der beraubten Frau auf, daß in einem Zimmer ihrer Wohnung nichts mehr als ein ihr gehöriges Oelbild, dem Porträt eines graubärtigen Mannes, unversehrt geblieben ist. Vor dem Bilde fand sie eine Reihe von Leuchtern aufgestellt. Verwundert fragte sie den Hausbesorger, was dies zu bedeuten habe. Dieser wußte auch hierüber Bescheid zu geben, welcher folgendermaßen lautete: An der Plünderung hatten sich nicht einheimische Strolche, sondern waschechte Russen beteiligt, welche den porträtierten Mann für den heiligen Nikolaus hielten und vor dem Bilde des vermeint­lichen Nationalpations weihevoll ihre Andacht verrichteten. In Wirklichkeit aber stellte das Bild den polnischen Dichter Ignaz Kraszewski dar. Die Segnungen der russischen Kultur werden in Galizien wohl schwerlich so gewürdigt werden, wie es Graf Bobrinski und Genossen angekündigt haben.

Ioffre und French unter Zensur.

Die weißen Stellen, die das fleißige Walten des Zensors in den Spalten der französischen Blätter erkennen lassen, haben bisweilen ihre eigene Schönheit. So wollte das Pariser Journal eine Geschichte aus bemCri de Londres" wiedergeben, die den verheißungsvollen TitelMars und Venus" trägt und die ein Gespräch zwischen Ioffre und French mitteilen soll. Aber dieses Gespräch zwischen den beiden Oberbefehlshabern der ver­bündeten Heere muß staatsgefährlich gewesen sein; denn der Zensor ist mit einem energischen Strich dazwischengefahren. Man lieft also folgendes:Marschall French, der Befehlshaber des britischen Expeditionskorps, hat kürzlich einem unserer Leser, der sich für die Echtheit verbürgt, folgendes Stück eines Gesprächs erzählt, das er mit dem General Ioffre hatte. Die Sache ereig­nete sich im englischen Hauptquartier gelegentlich eines Besuches des französischen Generalissimus. Als General Ioffre sich von Sir John French verabschiedete, bemerkte er eine Gruppe eng- lischer Offiziere, die auf Urlaub nach England abreisten.Wa­rum, zum Teufel," fragte der General Ioffre,bewilligen Sie Ihren Offizieren soviel Urlaub? Haben Sie es so dringend nötig, Piccadilly wiederzusehen?" Was auf diese immerhin deut­liche Frage Sir John French geantwortet hat, sollte die Welt nicht erfahren; denn nun kommt eben die große weiße Stelle. Freilich hätte sich der französische Zensor nicht verhehlen sollen, daß diese weiße Stelle namentlich in Verbindung mit dem Titel sehr anregend auf die Phantasie der Leser wirken könnte. Viel­leicht denken sie sogar Schlimmeres, als wirklich dagestanden hat; denn das Gespräch schließt, nachdem die staatsgesährlichen Aeuße­rungen getan sind, mit folgendem Schlußwort des Generals Ioffre, das dem Zensor wieder unbedenklich schien:Marschall, ich danke Ihnen für Ihren freundlichen Gedanken. Ich bebaute nur einen Umstand, und zwar, daß meine Offiziere wirklich zu beschäftigt in Frankreich sind, um den Engländern ihre Hofüch- keit vergelten zu können."

Vergrabene russische Geschütze.

Der KrakauerNaprzod" meldet, daß sich in der Nähe einer Ortschaft am Duuajec auf dem dortigen Orts­friedhofe Massengräber befinden, tn denen die an beerdigt sein sollen.

Nun habe man jedoch in einem russischen Grabhügel, der geöffnet worden war, um die Leichen aus sanitären Gründen tiefer zu betten, keine Leichen, sondern 400 russische Gewehre vergraben gefunden. In einer anderen

als Soldatengrab bezeichneten Grube habe man ein ruß sisches Geschütz gesunde. Infolgedessen werden alle rus­sischen Gräber durchsucht, ob sich in diesen nicht versteckte Waffen befinden.

Wie dieTranssylvania" einem U-Boot entging, meldet der HaagerNieuwe Courant": Passagiere der Transsylvania", die in Glasgow angekommen sind, sa­gen aus, daß sie, als das Schiff in die Kriegszone kam, 300 Yards hinter dem Schiff ein U-Boot bemerkten. Die Transsylvania" schlug zuerst einen Zickzackkurs ein und flüchtete dann später mit Volldampf.

Vermischtes.

Einen eigenartigen Schwindel zur Erlangung einer höheren Kriegsunterstützung hat sich die Frau eines Wehr­mannes, eine Frau G. aus der Leffingstraße 23 zu Neukölln, ge­leistet. Die Frau, die Mutter von 4 Kindern ist, erschien am 14. Dezember vorigen Jahres auf dem Standesamt und meldete fälsch­lich die Geburt eines fünften Kindes. Auf Grund der dadurch erlangten Geburtsurkunde bezog sie seitdem für 5 Kinder Kriegs­unterstützung. Nun fürchtete die Frau aber die Aufdeckung des Schwindels und meldete jetzt dem Kriegsbüro, daß das Kind am 13. Mai verstorben und beerdigt sei. Man verlangte die Sterbe­urkunde. Da die Frau sich eine solche nicht verschaffen konnte, machte sie bei der Polizei die Anzeige, daß sie bis zum 18. Mai in der Charitee krank gelegen hätte und jetzt ihr fünftes Kind entweder verborgen oder geheimnisvoll verschwunden sei. Die Be­aufsichtigung dieses fünften Kindes habe ihre Schwester aus Stettin besorgt. Diese habe ihr den Tod des Kindes vorgeredet und sei jetzt mit dem Kind verschwunden.^ Die Kriminalpolizei ermittelte aber bald, daß alle Angaben Schwindel seien, und nahm die Frau fest. Diese gestand, daß sie die Geburt und den Tod des Kindes erfunden habe zwecks Erlangung höherer Kriegsunter­stützung.

Verhaftung eines Raubmörders. Der in Cöln geborene Artist Friedrich Schäfer wurde in Halle verhaftet. Er hat die Frau des Geschäftsboten Prozel in Halle in ihrer Wohnung er­mordet und beraubt. Schäfer, der wegen Raubes mit Zuchthaus vorbestraft ist, ist geständig.

Festnahme des Räubers im Eilzug Bremen-Hannover. Zum Raubanfall im Eilzuge 95 zwischen Bremen und Rothen- burg am 17. d. M. wird noch mitgeteilt, daß der in Bremer- vörde sestgenommene Reisende die Tat eingestanden hat. Die Personalien sind noch unbekannt. Dem Täter war es möglich, von seinem Abteil aus durch die Aborttüre in das Abteil der überfallenen Frau zu gelangen, weil die Aborttttr vom letzteren Abteil aus nicht verriegelt war.

Ein russischer Gefangener über die Sümpfe bei Gorlire.

Die KrakauerNowa Reforma" meldet aus Neu- Saudez: Vorn 3. Mai an werben alltäglich ununter­brochen endlose Kolonnen russischer Kriegsgefangeuer in Gruppen vorr 1000 bis 4000 Mann eingebracht. Viele Kriegsgefangene werden mit Eisenbahnzügen nach den Gefangenenbeobachtungslagern gebracht. Einer der Kriegsgefangenen, ein Pole aus Warschau, schilderte dem Berichterstatter des genannten Blattes den furchtbaren Ansturm auf Gorlice. In der Erzählung heißt es: Seit dem Kriegsausbruche stehe ich uuuuterbrochen an der Front und habe an einer großen Anzahl von Schlach­ten und Gefechten teilgenommen. Aber solch schreckliche Kämpfe habe ich noch nie erlebt, wie bei Gorlice. Es ist schwer, die furchtbare Wirkung der feindlichen Artillerie zu schildern. Wir standen bei Gorlice in der Stärke von einem Bataillon als Reserve im dritten Schützengraben. Von dem ersten und dem zweiten Schützengraben war keine Spur mehr zu sehen. Nur wirr durcheänanöer ge­worfene Erdmassen kennzeichneten die Stellen, wo sich die Schützengräben befunden hatten. Neberall lagen formlose, verstümmelte Leichenmassen gefallener rus­sischer Soldaten. Wir erhielten den Befehl zum Sturm­angriff. Der Befehl wurde dreimal wiederholt, aber die durch die furchtbare« Erlebnisse förmlich gelähmten Soldaten standen wie versteinert da, als hatten sie den Verstand verloren. In diesem Momente setzte die furcht­bare Kanouade aus und wir vernahmen nahes Gewehr­feuer und RufeHurra!" Gleichzeitig waren wir auch schon von vorne und an den beiden Flanken von öster­reichischen Soldaten angegriffen. Die russischen Soldaten liefen mit dem anfgepflanzten Seitengewehr wie : äsend umher, aber nirgends gab es einen Ausweg. Ich selbst vernahm nur noch den Ausruf unseres Offiziers:Ich ergebe mich!" Die Soldaten erhoben die Hände, und schon wurden wir von nachstürmenden österreichischen Soldaten übernommen und abgeführt. Die Angreifer waren schon wieder weit in unsere rückwärtigen Stel­lungen vorgedrungen. Was die hierher nach Neu- Sandez gebrachten Kriegsgefangenen anbelangt, so sind es russische Soldaten aus den Reserven. Die in den ersten beiden Schützengräben gestandenen Russen sind sämtlich gefallen und lagen zu Haufen auf dem Schlacht- felde.

Weitere Drahtnachrichten,

Die Revolution in Portugal.

Lnon, 19. Mai. (WTB.)Progres" meldet aus Madrid: Die portugiesischen Kriegsschiffe habe» erneut Lissabon beschossen. Etwa hundert Personen wnrden getötet, darunter mehrere Spanier. Der Stampf in den Straßen dauerte den ganze« gestrigen Tag an. Die Lage soll entgegen andere« Meld««gen sehr ernst sei«.

Die Zeppeline über Calais.

w= Paris, 20. Mai. (WTB.) DerPetit Parisien" meldet, daß Calais in der 'Nacht vom 17. Mai mcht von einem, sondern von drei Zeppelinen überflogen wurde. Der erste näherte sich der Stadt um 1 Uhr, der zweite eine Stunde später. Beidemale wurde sofort Alarm geschlagen und Geschützfener eröffnet. Kurz, nach 3 Uhr nachts konnte man über dem Meere die Umrisse eines Zeppelins beobachten, der sich aber der Stadt infolge des Geschützfeuers nicht nähern konnte.

Joffres Nachmittagsbericht.

^ Paris, 20. Mai. (WTB.) Nach dem amtlichen Bericht von gestern nachmittag ereignete sich wahrend der Nacht nichts auf der Front außer einiger Kanonade an verschiedenen Stellen und zwei durch unser Feuer angehaltenen Angriffsversuchen des Feindes östlich Ypern.

Beschränkte Wehrpflicht in England.

Berlin, 20. Mai. (WTB.) Wie verschiedenen Morgeilblättern auf Umwegen aus London gemeldet wird, plane dort die Regierung die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes, wonach England eine beschränkte Wehr­pflicht einführt, durch die nur je ein Sohn jeder Familie wehrdienstpflichtig werde. Es sei vorläufig die Ein­ziehung der Altersstufen von 18 bis 32 Jahren beab­sichtigt. Dadurch würde England ein Heer von 400 000 bis 500 000 Mann erhalten.