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für eine esilhestsWe militärische Aktion in Paris und London bettttigt haben. Folglich war Giolitti, der dies alles wußte, von Bülow bezahlt. Er versuchte das Va­terland zu verraten und an Oesterreich auszuliefern. Angesichts der Majestät des italienischen Volkes -eschnl- Sigen wir Giolitti des Hochverrates und überweisen ihn der Verachtung und öffeutlichen Rache. Es lebe der Krieg.

Italiens Risiko.

Zu der Mitteilung derStampa" über die öster­reichischen Anerbietungen an Italien schreibt nach der D. T." dasSvenska Dagbl.": Durch ein Eingreifen in den Krieg erlangt Italien allerdings die Möglichkeit, noch mehr zu bekommen, aber es riskiert auch, gar nichts zu bekomme» und außerdem die Blüte seines Heeres und seiner Jugend in einer Niederlage zu verlieren, der wertvollen Stütze der Zentralmächte, die niemals zu einer Vorherrschaft ausarten könnte, beraubt zu werden und infolgedessen Rußland als nächsten Nach­barn zu erhalten. So würde es zwischen Rußland und den Westmächten eingekeilt werden und von der Gnade oder Ungnade des Dreiverbandes abhängig werden.

Die Bewegung gegen den Krieg.

Wie demLuzerner Tagesanz." nach derNat.- Ztg." aus Genna berichtet wird, hat der dortige Ge- mernderat mit allen gegen vier Stimmen einen dring­lichen Beschluß angenommen, der für die Aufrechter- Haltung der Neutralität Italiens bis zum Friedens­schluß eintritt. Die aus Deutschland zurückkehrenden Italiener sind nach derselben Quelle voller Wut und Zorn über den drohenden Krieg, und äußern sich mit Verwünschungen, Drohungen und Flüchen gegen die Kriegshetzer, Verbrecher und Volksverführer. Auch nicht ein einziges Mal hörte man aus ihrem Munde etwas wie einen Borwurf gegen Deutschland.

DieKöln. Ztg." meldet aus Lugano: Am Sonntag tagten in Bologna die Vertreter der sozialistischen Par­teien, der Gewerkschaften und der sozialistischen Fraktion der Kammer. Sie beschlossen, den Widerstand gßgen die Kriegshetze unerschütterlich fortznfetzen, den wahren Wil­len des Volkes, das den Frieden wolle, zur Geltug zu bringen, der Regierung keine Kriegskredite zu bewilligen und am 20. Mai überall neutralistische Volksversamm­lungen abzuhalten.

Ein Generaladjutant des Königs gegen den Krieg.

Die römischeJdea Nazionale", das Hauptorgan der konstutionellen Kriegshetzer, bringt einen wütenden An­griff gegen den 1. Generaladjutanten des Königs, Bruf- sati, wegen seiner Propaganda gegen das Ministerium und zugunsten Giolittis. In intimen Kreisen wiederholte Brussati beständig, Giolitti habe bei seinem jüngsten Eingreifen nur seine Pflicht getan. Denn die Abmachun­gen mit den Dreiverbandsmttchten seien nur von Son- nino ins Werk gesetzt und trügen vielleicht auch die Un­terschrift Salanöras, aber keineswegs diejenige des Kö­nigs, und nur dieser schließe Vertrüge. Brussati behaup­tete, daß diese Entschließungen verderblich für Italien seien. Der (General erklärte auch, der König sei vom besten Willen für das Vaterland beseelt. Aber diejenigen, die heuteEs lebe der König!" rufen, täten es, damit er sich von Giolitti entferne, in ihrem Herzen seien sie jedoch gegen die Dynastie, und er selbst (Brussati) würde nicht wagen, heute den König durch die Straßen Roms zu füh­ren. Dies seien die Ansichten Brussatis, die er rückhaltlos verbreite und als Ansichten des Königs ausgebe. Der General habe auch wiederholte Zusammenkünfte mit Bülow gehabt.

Aus dem ungarischen Abgeordnetenhause.

Budapest, 18. Mai. (WTB). Im Abgeordneten­hause richtete gestern der Oppositionelle Graf Andrassy an den Ministerpräsidenten die Anfrage: Entspricht die Nachricht der Berliner Blätter den Tatsachen, daß der gemeinsame Minister des Auswärtigen dem Königreich Italien ein territoriales Anerbieten gemacht hat zur Sicherung seiner endgiltigen Neutralität? In der Be­gründung seiner Anfrage hob Andraffy hervor, daß er diesem Opfer nur insofern zustimmen könne, als dies nicht bloß der Ausfluß eines momentanen Bedürfnisses, sondern die Frucht unserer zielbewußten Politik sei, daß wir jenen Gegensatz in Zukunft ausschalten wollen, daß wir unser Verhältnis zu Italien auf eine gesündere, sichere Basis stellen und die Grundlage zu einem künf­tigen Frieden legen wollen. (Lebh. Zustimmung.) ,

Ministerpräsident Graf Tisza führte aus: Die Zei­tungsmeldungen, die sich auf die seitens unserer Mo­narchie an Italien gemachter! Vorschläge beziehen, find selbstverständlich nicht authentisch und ich kann mich letzt nicht in die ins Einzelne gehende Erörterung der Frage einlassen, wo und inwiefern sie sich mit der Wirklichkeit decken. Ich bemerke, daß diese Mitteilungen der Wirk­lichkeit in dem Sinne, daß die Monarchie in der Tat territoriale Anerbietungen an Italien gemacht hat, zum Zwecke der Sicherung der dauernden Neutralität Ita­liens (Zustimmung) entsprechen. Zu diesem Schritte sind wir, die wir für die auswärtige Politik der Mo­narchie verantwortlich sind, durch die Ueberzeugung be­wogen worden, daß die ständige Freundschaft zwischen unserer Monarchie und Italien sowohl den dauernden großen Lebensinteressen der Monarchie wie denjenigen Italiens entspricht. (So ist es!) Ich gebe mich der Hoff­nung hin, daß dies Vorgehen, der Regierung, die Zu­stimmung der öffentlichen Meinung finden wird, schon deshalb, weil ich hoffe, daß auch die ungarische öffent­liche Meinung unsere Interessen ebenso auffatzt wie sie zu meiner großen Freude der Herr Jnterpellent in einer mit unserer Ueberzeugung völlig übereinstimmenden Weise zum Ausdruck gebracht hat, aber auch in der Ueberzeugung, daß aus dem Herzen der ungarischen Na­tion die Gefühle der Sympathie und Freundschaft nicht geschwunden sind. Ick) hege die Ueberzeugung, daß, wenn es gelingt, die vorhin erwähnten Reibungspunkte zu beseitigen und sichere Grundlagen einer ständigen Freundschaft zwischen unserer Monarchie und Italien M schaf en/die Sympathie der Seelen mtd die Annähe­rung der Gefühle zu neuer Kraft gedeihen werden, die - "'en und der italienischen Nation so

SS WWSTaÄSÄWÄ <s°m°s» Ach bitte das geehrte Haus, diese Antwort zur Kenntnis zu

^Nach der Rede des Ministerprasiöenten erklkrte Graf Andrassy, daß er sowohl wie das ganze Abgeord­netenhaus und die Nation dann überems lmm

wir falls der Kampf unvermeidlich sein sollte, unsere V licht männlich tun werden. (Allgem. Zustimmung.) Jedoch wenn irgend möglich, unser Verhältnis zu Jta- nen inniger, sreimdlicher und aufrichtiger gestalten wollen (Allaem. lebh. Zustimmung.) Dav Haus nahm hierauf einstimmig oie Antwort des Grafen Tisza

zur Kenntnis. _

Der Krieg in den Kolonien.

Günstige militärische Lage in Deutsch-Ostafrika.

Die Berliner Mission hat aus dem I

Februar vou der Küste Deuisch-Ostafrikas von ihrer Station Schlesien" bei Morogoro gute Nachrlchteu. Ihre Stationin Daressalaaln ist.trotz»ihrer exponierten Lage auf dem Jmmanuel Kanw hei der Beschießung des Lakens und der Stadt Ende November ohne erheblichen

Schaden davongekommen. Die Missionsangehörigen sind wohlbehalten. Die politische Lage der Kolonie muß recht günstig gewesen sein. In einer Karte von Ende Februar heißt es: Wenn Ihr Eure Sache so gut ge­macht habt, wie wir hier die unsrige, sehen wir uns mindestens im Juni wieder. Auf der Hochoben in den Bergen gesund gelegenen Station Schlesien haben sich als Gäste des Missionars zahlreiche deutsche Familien aus Daressalaam mit Kindern eingefunden, um, am Europaurlaub verhindert, hier während der heißesten ungesunden Jahreszeit den Gefahren des Tieflandes zu entgehen. Missionar Neuhaus schreibt, daß es allen sehr gut" gehe. Auch die Missionsarbeit in dem Se­minar für eingeborene Lehrer und Prediger und auf der Station wurde ruhig fortgesetzt.

Die Gärung in Indien.

Haag, 18. Mai. (T. lt.) Aus Niederländisch- Jndien eingetroffene Briefe berichten nach derTägl. Rüsch." von Mitte April, daß Anfang April die Ver- schisfung von 30 000 Mann indischer Truppen aus den europäischen Kriegsschauplatz stattfinden sollte. Wegen der fortgesetzten unruhigen Stimmung unter der moham­medanischen Bevölkerung mußten die Verschiffungen unterbleiben. Nach der Aeußerung britischer Offiziere wird während des jetzigen Krieges überhaupt nicht mehr an die Verschiffung indischer Truppen gedacht werden können, weil eine Bewegung zur Anfachung eines all­gemeinen Anfstandes, die von den vermögenden Arabern betrieben wird, trotz aller zur Unterdrückung getroffe­nen Maßnahmen im Geheimen fortdauert. Eine auf­fallend große Anzahl englischer und französischer Kreu­zer soll in den indischen Gewässern znsammengezogen sein.

Kliegsallerlel.

Die Lehren desLusitania"-Falles.

Kopenhagen, 18. Mai. (T. lt.) Der Cunard- dampferTranssilvania", der am 8. Mai von Neuyork abgegangen war, ist gestern früh in Greeuook einge- iroffen. Der Dampfer, der 879 Passagiere an Bord hatte, war wegen der Unterseebootsgefahr nach dem süd- schottischen Greenook anstatt nach Liverpool dirigiert worden.

Dentsche Gefangene auf Anordnung eines russischen Armeeführers erschossen.

Zu den immer wiederholten Versicherungen des rus­sischen Generalstabes, daß die russische Armee keine Nie­derlagen erleide und die Russen sich keine Kriegsrechts­verletzungen zuschulden kommen ließen, bildet der fol­gende Brief eines russischen Soldaten, der in die Hände der Oesterreicher fiel, einen beredten Kommentar. Schreiber des Briefes ist der russische Lanösturminfan- terist M. Reizin beim Rücklaßdetachement des 8. Armee­korps, der Brief ist (Feldpost 106) unter dem 10. Feb­ruar 1915 (a. St.) an Moses Gulkis in Ziuryce (Gouv. Bessarabien) gerichtet. In dem Briefe heißt es:Unser Regiment ist am 5. Februar ganz vernichtet worden. Seit dem 3. d. M. stand es im Feuer unter persönlichem Kommando des Armeeführers. Innerhalb drei Stun­den 865 Mann gefallen, außerdem gab es unzählige Ver­wundete. Ein ganzer Berg von Leichen, darunter aber nur 200 deutsche Soldaten. Du kannst Dir das denken, wenn von 4000 Leuten kaum 1800 geblieben find. Unser Kommandant war derart aufgebracht, daß er alle Deut­schen, die wir gefangen genommen haben, erschießen ließ. Das geschieht bei uns sehr oft."

Dieser russische Armeeführer, der in seiner sinnlosen Wut über die erlittene Niederlage wehrlose Gefangene niederschießen läßt, ist der typische Vertreter jener rus­sischen Kriegspartei, die Rußland in den Krieg hinein gehetzt hat und jetzt die Führung des Heeres in Händen hat. Bei Truppen aber, die solche Führer aufweisen, kann es nicht überraschen, wenn die schlechten Ele­mente in der Mannschaft Schändlichkeiten aller Art be­gehen.

Vermischtes.

Umgelernt. In einem großen Blatte Süddeutschlands bekennt ein nach Polen gezogener Kriegsmann:Jeder von uns nahm staunend beim Überschreiten der Grenze den ungeheuren Unterschied wahr zwischen der wohlver­walteten, geordneten, wenn auch jetzt verwüsteten deut­schen Landschaft und den unglaublich verwahrlosten Zu­ständen in Feindesland. Bei diesem eindringlichenAn­schauungsunterricht" lernten wir die Segnungen unse­rer Verwaltung erst recht schätzen, un denen wir so leicht achtlos vorübergegangen waren." Diese bessere Einsicht ist hocherfreulich: sie wird Vorhalten, da sie durch den Krieg Millionen zuteil geworden ist.

Der Vaterrechte verlusttgerklart. Ueber eine inte- ressente Eheschließung wird aus Ranhagzes im Biharer Komitat (Ungarn) folgendes gemeldet: Der dort an­sässige Bankbeamte Peter Mornye hatte sich noch vor Kriegsausbruch mit der Tochter eines angesehenen Ein­wohners namens Togjer verlobt dieTrauung wurde jedoch infolge der Einstellung des Bräutigams m das Heer verschoben. M. ging ins Feld, kampfte als Held und eichnete sich besonders bei Sturmangriffen aus, wo­bei er von einem Schrapnell am Fuße schwer verwundet wurde, so daß dieser amputiert werden mußte. Als M. geheilt war und kürzlich n die Heimat zurnckkehrte, empfing ihn feine Braut mit offenen Armen, ihr Vater aber wollte von M. nichts wissen: er erkläre:Einem Krüppel gebe ich meine Tochter nicht!" Alles Bitten half nichts, der Vater blieb dabei. Da ledoch die Tochter von M nicht abließ, kam die Sache vor das Waisenamt des Biharer Komitats, das den Vater der Vaterrechte für verlustig erklärte und die Einwilligung zur Heirat gab, die denn auch unter dem Sstütze dieses Amtes stattfand.

die Zustände in Zrankreich.

Ein angesehener Bürger eines neutralen Landes hat kürzlich einen Vortrag gehalten, in dem er von den Eindrücken Rechenschaft ablegte, die er auf feinen Reisen durch Frankreich während der Kriegszelt gesammelt hat. Er bringt wertvolle Kunde über die Lage der in Frank­reich gefangen gehaltenen Deutschen, von der Volks- stimmuna und dem Treiben der Pariser Kreise. Seine Ausführuilgen sind umso beachtenswerter, als hier ein offener ^scharfer ^Beobachter das Wort ergreift, zugleich ein Mann, dem keinerlei nationale Voreingenommen­heit die Helle des Blickes trübt.

Der Vortragende führte aus: .

Als Ende August der große.Krieg, an dem wir alle dem Herzen nach beteiligt sind, in gewaltiger Entnuck-

befand ich mich gerade in der Schweiz. Ge- skbäftlicke 'Interessen führten mich bald nach Frankreich, 1M)^ lwtte, Beobachtungen über die Behandlung der Gefangenen zu machen.

großen ganzen bin ich persönlich der Ueberzeu­gung daß es den deutschen Gefangenen nicht so gut geht, wie den französischen vier in Deutschland. Ich spreche dies nicht ganz grundlos aus Ich habe(durch viele Nach­richten, die ick) bekommen habe, einen tiefen Einblick ge­

wonnen. Schon die ganze Art und Weise, wie das fram zösische Volk sich gebärdet, diese Ausbrüche des ungeheu« erlichsteii Hasses, ließen einen mutmaßen, daß nicht alles ganz in Ordnung sei und so habe ich von einigen Fällen erfahren, daß z. B. zwei Wehrpflichtige in Lyon derartig auf offener Straße rnißhanöelt wurden, daß sie zu Grunde gingen und die Eingeweide auf dem Boden lä­get!. Ich bekam einen Brief, direkt nach Paris, auf eine Postart, die lischtgeöffnet" werden konnte: näheres will ich darüber nicht anführen. Der Brief ist von einem jetzt noch in Frankreich lebenden Zivilgefangenen ab­gefaßt:

Wir waren in Lyon unseres Lebens nicht mehr sicher. Ich ging die letzte Nacht aus der Wohnung und fand Schutz bei einer befreundeten älteren Dame. Meine Wirtin wurde bedroht. Retten konnten wir uns nicht, da von Sonntag, dem 1. Tage der Mobilmachung, kein Zug mehr ging, statt daß man uns 2448 Stunden Zeit gegeben hätte. Bis Donnerstag hatten wir bei der Polizei die nötigen Schritte zu tun, um dann im Vieh­wagen ins Innere, 150 Personen, befördert zu werden. Die erste Nacht in einer Markthalle, nicht genügend Stroh. Die Männer für sich, Frauen und Kinder zusam­men. Täglich gab es zwei klägliche Suppen, wie bei uns für Hunde und Schweine. Später wurde auch die Suppe besser, wir bekommen jetzt wöchentlich 23 mal Fleisch, leben aber kann man nicht davon. Nachts liegen wir auf Stroh und haben eine Decke, viele haben sich noch Decken dazu gekauft, Betten find ein in unerreich­bare Ferne gerückter Begriff. Rechte hat man garnicht, man darf nichts sagen. Wir leiden körperlich und mora­lisch. Wir sind regelrechte Gefangene und dabei nennt man uns Schutzbefohlene. Man versucht sehr oft, so viele wie uwglich zur Fremdenlegion zu bereden, etwa 30 haben sich dazu verleiten lassen."

Ich habe auch von vielen anderen davon gehört, so­gar Kriegsgefangene werden dazu gepreßt, in die Frem­denlegion einzutreten, um doch schließlich gegen die Ver­bündeten zu kämpfen, die da unten im heiligen Krieg in Marokko stehen. Neulich war sogar ein Prozeß ange­strengt gegen einen Elsässer, der sagte, er fei dazu ge­preßt worden. Daß solche Fälle vorgekommen find, ist bedauerliche Tatsache.

Ueber die allgemeinen Eindrücke will ich einige kurze Streiflichter geben:

Es ist mir ausgefallen bei Ausbruch des Krieges, daß man Deutschland und deutsches Kulturgut gefaßt hat, wo es am schwächsten gerüstet war. Deutschland war militärisch glänzend gerüstet, wirtschaftlich ebenso glän­zend: aber in einem Punkte war es nicht so gut orga­nisiert, in der Verteidigung seiner Kulturgüter vor aller Welt. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, was geht uns das an, was das Ausland über uns denkt: wir brauchen nicht danach zu fragen; wir machen unsere Sache, und die ist gerecht und wird sich durchsetzen. Und ich muß sagen, es hat wohl noch niemals so gerechte Sache gegeben, wie Deutschland sie jetzt auskämpft. Aber es ist doch nicht so ganz bedeutungslos, wie man im Aus­land denkt. Es ist immer gut, wenn ein Geschäft einen guten Kredit hat, und so ist es auch hier. Man hat ver­sucht, von England und Frankreich aus den moralischen Kredit zu untergraben und man hat das in weitgehender Weise zu Wege gebracht, weil die ausländische Presse nicht von Deutschland aus beeinflußt werden konnte, wie es von England und Frankreich aus geschehen ist.

Zunächst wurde ein Geschrei erhoben über die Ver­letzung der Neutralität von Belgien. Nun wohl! Eine Züricher Zeitung schrieb damals:Wenn unser schwei­zer Bundesrat ein ähnliches Techtelmechtel gemacht hätte mit anderen Regierungen wie Belgien, so müßten wir unseren schweizer Bundesrat vor das nächste Gericht stellen wegen Landesverrats."

In Wirklichkeit war für Deutschland höchste Pflicht, das zu tun, was es getan hat. Kaum war der Neutra- littttsrummel vorüber, als vor allem von Frankreich ausgehend die Sache mit Löwen kam. Ein bischen lächer­lich war es ja. Erst schreien sie nach dem Kriege und wenn er kommt, dann jammern sie. Krieg ohne Zer­störung soll aber erst noch erfunden werden.

Dann ging eine zeitlang die Rede, daß Frankreich ganz unschuldig an diesem Kriege gewesen sei. Ich hatte Gelegenheit, mit Franzosen darüber zu sprechen. Ein Herr aus Marseille, großer Geschäftsmann dort, bat mid) dringend, ihm als Neutraler meine Stellung zu sagen. Ich sagte ihm:Nein, ich möchte das nicht tun." Er aber bat mich:Wissen Sie, wir haben den Krieg nicht gewollt, wer ihn gewollt hat, ist Kaiser Wilhelm und feine Generale."

Darauf sagte ich ihm:Wer hat, so oft man zu euch kam, jedesmal den Frankfurter Vertrag mißachtet? Schauen Sie die Karte an; ist Elsaß-Lothringen nicht immer noch als französisch eingezeichnet? Wer hat den Russen 20 Milliarden geliehen? Die Zinsen davon, das sind die blutigen Taten dieses Krieges. Wenn je­mand in Frankreich sagen wollte, sie sind unschuldig! Ja, die Vürger, aber die sind nach ihrer Staatsform verant­wortlich für ihre Regierung." .

Nachher kam der andere große Rummel der Be­schießung von Reims. Ich selber habe in Bordeaux mit eigenen Augen gesehen, was auf der Kathedrale aufge- baut war: Eine Funkenstation! Wenn man auf der Kathedrale Beobachtungsposten hat, was trotz dem De­menti des Kardinals der Fall gewesen ist, und hinter die Kirchen Kanonen stellt und ich habe ein Bild, eine Karte, auf der hinter einer elsässischen Kirche Kanonen aufgefahren waren, ein Bild vonharmlosen" Fran­zosen gezeichnet, so ist es doch selbstverständlich, daß man die Kirche beschießen muß. Wenn wir an derselben Stelle wären, dann gäbe es keine Kathedrale, die uns so wertvoll wäre, wie ein einziger unserer Soldaten, dem wir das Leben retten könnten!

(Schluß folgt.)

Weitere Drahtnachrichten.

Bericht des türkischen Hauptquartiers.

^ Konstautinopel, 17. Mai. 7 Uhr 10 Min. abends. (WTB.) Das Hauptquartier teilt nnt: An der Darda- nellenfront bei Aire Burun fand gestern außer schwa­chem Artillerie- und Jnfanteriefeuer seine wichtige Ak­tion statt. Ein kleiner Trausportdampfer wurde durch unsere Grauaten beschädigt. Jnr Suden bei «ed ül Bahr nahmen die Truppen nnseres rechten Slitgctg eine Höhe wieder, die 200 Meter von unserer Stellung entfern« lag. Ein französischer Kreuzer landete gestern bei Zars- kalc westlich von Mekri a« der Südküste von Smyrna 60 Soldaten, die die Flucht ergriffen, als unsere Küsten- posten ihr Feuer erwiderten. Ein anderer Kreuzer lan­dete etwa 100 Soldaten bei Sefat westlich von Feniki. Unsere Truppen vertrieben den Feind, der zehn Tote resp. Verwundete hatte. In der Nacht zum 16. Mai zogen sich zwei vor den Forts von Smyrna fahrenden Krenzer zurück, nachdem einer von ihnen durch das Feuer unserer Batterien beschädigt worden war. Von den anderen: Kriegsschauplätzen ist nichts Wichtiges zu melden.