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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im ÄlEISDlull Etlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder- ! holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ;

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- r st

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei MÖlHO^! Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Nr. 115.

Mittwoch, den 19. Mai

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1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden fich auf der letzten Seite.

Bus der Heimat

* (Postsendungen an Gefangene.) An die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen im Ausland werden vielfach außer Briefen und Paketen kleine in Briefform gehaltene Päckchen mit Schokolade, Zigarren usw. versandt. Diese Päckchen werden nicht zusammen mit den Paketen, sondern mit der Briefpost befördert. Gleichwohl aber dürfen diese Päckchen außer ihrem Wareninhalt nicht auch noch schriftliche Mitteilungen enthalten- solche Mitteilungen sind vielmehr stets für sich entweder in einem möglichst kurz gefaßten Briefe unter besonderem Umschläge oder noch besser auf Postkarten an die Gefangenen zu schicken. Die Absender können besondere Briefe oder Postkarten umso eher schicken, als ja alle diese Sendungen porto­frei befördert werden. Auf den erwähnten Päckchen muß stets der Vermerk niedergeschrieben sein:Ent­hält keine schriftlichen Mitteilungen". Sendungen, die dieser Vorschrift nicht entsprechen, müssen zurück­gewiesen werden. Ein ähnlicher Vermerk ist bekannt­lich auch für die eigentlichen Pakete an die Gefangenen vorgeschrieben, dieser muß aber nicht nur auf den Paketkarten, sondern auch auf den Paketen selbst an­gebracht werden und soll lauten:Das Paket enthält keine schriftlichen Mitteilungen".

* (Unsere W e i z e n b e st ä n d e.) Das W. T. B. verbreitet die folgende Mitteilung: Im Reichstag ist, wie berichtet, von zuständiger Stelle erklärt worden, daß die Getreidevorräte Deutschlands mehr als aus­reichend find, um den Brotbedarf bis zur neuen Ernte zu decken. Selbstverständliche Voraussetzung dieser Feststellung war und ist, daß die Beschränkung des Verbrauchs, wie sie seit Anfang dieses Jahres in allen Teilen des Reichs durchgeführt worden ist, im wesent­lichen beibehalten wird. Von Wichtigkeit ist indes, daß die Weizenvorräte nahezu ebenso groß sind wie die Bestände an Roggen, während man noch vor wenigen Monaten der Ansicht sein mußte, daß sehr viel weniger Weizen vorhanden sei als Roggen. Ein Grund dieser auffälligen Erscheinung liegt darin, daß das Heer ausschießlich Roggen verbraucht. Ferner hat sich die Bevölkerung aus patriotischen Erwägungen so entschieden dem Roggenverbrauch zugewandt, daß die Weizenbestände nur wenig in Anspruch genommen worden sind. Es ist daher jetzt nicht mehr unpatriotisch, Weizenbrot zu essen, sondern es kann nur dankbar begrüßt werden, wenn der Verbrauch sich immer in der gebotenen Beschränkung mehr dem Weizen zu- wendet. Darum hat die Getreide-Gesellschaft auch den Weizen-Mehlpreis erheblich stärker heruntergesetzt als den Preis für Roggeumehl. Wer aus diesen Tatsachen aber den Schluß ziehen würde, es sei nunmehr wieder an der Zeit, das Weizenmehl in stärkerem Umfang zu Kuchen zu verarbeiten und dem Kuchengenuß zu sröhnen, würde einen verhängnisvollen Fehlerbegehen. Denn zweierlei darf nicht verkannt werden: Nur das Mengenverhältnis zwischen Roggen und Weizen hat sich entgegen der ursprünglichen Auffassung geändert. Die Gesamtmenge reicht nur dann, wenn auch weiter sparsam gewirtschaftet und nur das Bedürfnis nach Sättigung'befriedigt, nicht aber aus Gewohnheit und des reinen Genusses wegen gegessen wird.

* (Pakete für di e Südarmee.) Nach einer soeben ergangenenBestimmung desKriegsministeriums werden vom 13. Mai 1915 ab Zehn-Kilogramm-Pakete für die Truppen der Südarmee zur Beförderuug durch die Militär-Paket-Depots zugelassen. Stückgutverkehr bleibt vorläufig noch ausgeschlossen.

* (Vorbeugungs-Maßregeln gegen die Raupen- plage.) Obstbaum-Besitzer werden gut tun, die jetzt an den Bäumen und Sträuchern vorkommenden Ab­lagerungen von Schmetterlings-Eiern zu zerdrücken, damit die Raupenbrut vernichtet wird. Die gelben Eier sitzen hauptsächlich an der unteren Seite der Aeste vielfach im Astwinkel in Partien von 20 bis 50 Stück rund neben einander wie im Sommer am Kohl ­sie können mit der Hand oder mit einem Stocke leicht vernichtet werden.

Homberg, 16. Mai. In Niedergemünden erlitt das 7jährige Töchterchen eines Bahnbeamten, das dem Herdfeuer zu nahe gekommen war, solche Brand­wunden, daß es bald darauf verschied.

Cassel, 14. Mai. In der Altstadt nahe bei dem aus der Renaissancezeit stammenden Renthof, wird demnächst zur Erinnerung an den gegenwärtigen Krieg ein Denkmal in der Form eines alten hessischen Zaitenstocks (hölzerner Brunnenstock) errichtet werden.

Cassel, 17. Mai. Beamtenbeleidigung wurde dem Wehrmann Gottfried G. vom Zentral-Pferdedepot in letzter Sitzung des Kriegsgerichtes zur Last gelegt. Er hatte am 4. April dieses Jahres während seines Osterurlaubs einen Waldhüter, der ihn wegen Ueber- schreitung des Holzleserechts zur Rede stellte, in gröb­licher Weise beleidigt, indem er dabei eine rohe An­

spielung auf den Tod des Sohnes des Beamten machte, einem auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden. Das Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Bei Aus­messung der Strafe war die Gefühlsroheit des Ange­klagten, mit der er bei dem Wortstreit den Verlust des Sohnes dem Beamten in Erinnerung brächte, strafschärfend in Anrechnung gebracht worden.

Cassel, 17. Mai. Der Maler Hermann Knackfuß, Professor an der Königlichen Kunstakademie in Cassel, bekannt als Herausgeber der Künstlermonographien, ist heute nachmittag im 66. Lebensjahr gestorben. Man erinnert sich noch dessen, daß Knackfuß den Kaiser auf seiner Reise nach Jerusalem begleitete und später das bekannte BildDer Einzug des Kaisers in Jerusalem" gemalt hat. Der Tod des sehr ver­dienten Mannes, der sich die tödliche Krankheit als Landwehroffizier im Dienste des Vaterlandes zuge­zogen hat, ist für das Casseler Kunstleben von ein­schneidender Bedeutung.

Cassel, 15. Mai. Aus gesundheitspolizeilichen Gründen wird bis auf weiteres jedes Baden in der Fulda für den ganzen Polizeibezirk der Stadt Cassel ver­boten. Das allgemeine Badeverbot wird voraussichtlich nach Herstellung der Kanalisation des Gefangenenlagers Niederzwehren, die etwa Anfang Juni beendet sein wird, wieder aufgehoben werden.

Dieringhausen (Sauerland), 15. Mai. Durch Groß- feuer wurde im benachbarten Bomig das Doppelhaus zweier Familien eingeäschert. Bei den Rettungs­arbeiten verunglückte ein hiesiger Dachdeckermeister so schwer, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

Grebenstein, 15. Mai. Zweimal wurden heute unsere Ortsbewohner durch Feuerlärm in Schrecken gebracht. Gegen 11 Uhr vormittags brannte es im Hause des Landwirts Kar! Kramm. Die oben im Hause wohnende Frau Pf., deren Mann als Krieger im Felde steht, hatte einen mit heißer Asche gefüllten Sack auf den Fußboden gesetzt. Zugluft setzte Sack, Holz und Balkenwerk in dem selten betretenen Raume in Brand, sodaß ein Teil derDecke dem unten wohnenden Hauswirte in die Schlafstube auf den Schränk fiel und letzteren gleichfalls in Brand setzte. Um 12^ Uhr entströmte einem Stallgebäude an der Jmmenhäuser- straße starker Rauch. Kinder der Mietsleute von Ch. Pfeiffer hatten sich ein Feuer im Hause angezündet, wobei sie unvorsichtig gewesen sein mußten. Beide Brände wurden bald im Keime gelöscht.

Eschwege, 17. Mai. Festgenommen wurde am ver­gangenen Sonnabend vormittag in der Nähe der Domäne Fürstenstein von Herrn Gendarmeriewacht­meister Schenk ein französischer Feldwebel, der Zivil­kleider trug und vor etwa 14 Tagen aus' dem Ge­fangenenlager in Ohrdruf entwichen war. Der Flücht­ling hatte in einer Feldscheune übernachtet Und wurde von Herrn Gutspächter Josef bemerkt, der dann die Verhaftung veranlaßte. Man fand bei dem Ver­hafteten u. a. einen größeren Betrag Bargeld, vier französische Orden und Lebensmittel. Die Zivilkleider will er sich in dem Gefangenenlager verschafft haben. Um sich nicht durch seine Muttersprache zu verraten, hatte er sich während der Flucht taubstumm gestellt. Angeblich hat er bereits 15 Jahre gedient, und zwar die längste Zeit in den französischen Kolonien. Der Flüchtling wurde zunächst hierher gebracht und abends der zuständigen Militärbehörde zugeführt.

Italiens Rüstungen.

Der fieberhafte Eifer, mit dem Italien seit Be­ginn des großen Krieges am Ausbau seines Heeres gearbeitet hat, um ganz unabhängig nach beiden Seiten hin dazustehen und das Gewicht seines Schwertes entweder schon während des Krieges oder nach seiner Beendigung bei denFriedensverhandlungen in die Wagschale werfen zu können, scheint nunmehr den Erfolg gehabt zu haben, daß es die Zeit gekommen glaubt, seinen beiden mit ihm Jahrzehntelang ver­einten Bundesgenossen in den Rücken zu fallen und auf eine unschöne Weise Vorteile einzuheimsen, die es in normalen Zeiten aus eigener Kraft niemals erlangt haben würde. Heer und Flotte, seit langer Zeit arg vernachlässigt, nicht nur infolge des chronischen Geldmangels, sondern auch weil einflußreiche Per­sonen und ganze Parteien einer kräftigen und schnellen Entwickelung der Wehrkraft entgegen arbeiteten, hatten schließlich einen Stand erreicht, der sich in dem kläglichen Verlaufe des Krieges in Tripolis und in der Cnrenaika aller Welt zeigte. Das italienische Expeditionskorps, aus den besten Truppen des ganzen Heeres zusammengesetzt, mit Offizieren und Unteroffizieren, die den nicht beteiligten Truppen­teilen entnommen waren, reichlich ausgestattet, konnte lediglich mit Hilfe der schweren Schiffsgeschütze die Landung in Afrika bewerkstelligen und mit ihrer Hilfe allein sich im Lande halten; über einen schmalen Küstenstrich ist die Macht der Italiener nie weit hin­ausgekommen, und auch jetzt noch erleiden sie Schlappen ans Schlappen, trotzdem die Türkei auf das sogenannte

Mitglied des Dreibundes die weitgehendste Rücksicht nimmt und die kriegslustigen Afrikaner möglichst im Zaum hält. Aber das wird jetzt alles ander- werden, wenn auch nicht in Afrika, so doch in Europa. Jeder Widerstand gegen den Ausbau der Wehrmacht im Lande, sowie im Parlamente ist seit Beginn des großen Krieges geschwunden. Geld wurde und wird in Fülle bewilligt, so daß man sich zunächst daran- machen konnte, die tatsächliche Stärke des Heeres zu erhöhen.

Andere Staaten brauchen dazu Jahre. Italien macht das schneller- allerdings beruft es mehr Leute zum Waffendienst ein, aber das nützt doch im Augen­blicke nicht viel, und so wurde denn die Jahresklasse 1915 vorzeitig eingestellt und außerdem ältere Jahr­gänge, besonders bei der Artillerie, wieder einberufen. Auf diese Weise kann man jetzt die erste Linie auf 660 000 Mann, die zweite auf 250 000 Mann und die dritte auf 450 000 Mann schätzen. Das sind ja ganz stattliche Zahlen, die aber doch in der Hauptsache nur eine Umgruppierung der schon vorhandenen ausge- bildeten Mannschaften bedeuten. Dem geradezu ge­fährlichen Mangel an Offizieren hat man dann da­durch abzuhelfen gesucht, daß man Reserve-Offiziere zu Tausenden zu längeren Dienstleistungen eingezogen hat- also auch hier kein Hinzutreten neuer Offiziere, sondern nur eine andere Ausbildung und Verwendung der schon vorhandenen. Aber die neuen Offiziere werden auch kommen, denn, da jeder, der drei Monate im Heere gedient hat und ein gewißes nicht allzu großes Maß von Schulbildung nachweisen kann, Offizier werden darf, und da überall im Lande vom 1. Mai beschleunigte viermonatliche Ausbildungskurse für diese Offiziersanwärter begonnen haben, wird sich am letzten Tage des August ein Strom wohlausge- bilöeter, dem Ideale eines Offizieres vollkommen entsprechender Leutnant in die Reihen der italienischen Armee ergiessen. Erwähnt sei noch eine Neugestaltung der Feldartillerie und eine völlige Umgestaltung des Flugwesens, in dem früher Luftschiffer und Flieger einander durchaus nicht in die Hände arbeiteten und die jetzt eine gemeinsame obere Behörde im Kriegs­ministerium erhalten haben. Auch ein Gesetz zum Schutze des Landes, das unter anderem auch scharfe Bestimmungen über den Schutz militärischer Geheim­nisse durch die Presse enthält, und das für so wichtig gehalten wurde, daß es schon am Tage nach der An­nahme durch die Kammer in Kraft trat, gehört zur neuesten militärischen Rüstung unseres Bundes­bruders.

Zu Wallensteins Zeiten galt es noch für unmög­lich, Armeen aus der Erde zu stampfen. Die Zeiten haben sich ja auch in dieser Beziehung geändert, das zeigt uns das Beispiel Gambettas im Jahre 1870. Der italienische Kriegsminister hat etwas mehr Zeit ge­habt als damals Gambetta. Ob aber seine Schöpfung tüchtiger und innerlich gefestigter ist, wird vielleicht die nächste Zukunft zeigen, wenn man wirklich jenseits der Alpen mehr Land mit Waffengewalt erobern will, als das siegreiche Oesterreich-Ungarn freiwillig ohne Kampf abzutreten bereit ist.

Lusitania.

Deutschland sprach:Amerika nun stelle

Ein dein Waffenliefern doch einmal, Sonst verschlingt die Schiffe Meereswelle Durch Torpedos grausigen Todesstrahl!"

Wilson sprach:Neutral sind wir, im Rechte I Schicken weiter stets Munition

An die zahlenden Ententenmächte, Willst du es verhindern, tu es schon!"

Deutschland sprach:Bleibt von dem Cunard-Schiffe,

Freie Bürger von Amerika, Denn am deutschen U-Boots Eisengriffe Stirbt die stolze Lusitania!"

England sprach:Wir werden es beschützen, Denn die Ladung ist uns teuer wert.

Selbst bestückt mit zwölf 6 Zoll-Geschützen Jsts, kein U-Boot Kampf mit ihm begehrt!"

Deutschland sprach:Nun laßt es ruhig kommen, Schießen es mit Mann und Maus in Grund- Haben Rücksicht schon zu viel genommen, Ernst zu handeln zwingt uns ernste Stund!"

Deutschland sprach: Sie lachten ob dem Worte, Deutsches Wort, es ward zu deutscher Tat. Und des tiefen Meeres Wogenpforte Lusitania verschlungen hat.

Deutschland sprach: Ihr habt es hören müssen, Großbritanien und Amerika! Schrei'n euch nicht die Toten ins Gewissen Von versenkter Lusitania?!

Armin Kraft.

Wetteraussichten für Mittwoch den 19. Mai.

Ziemlich wolkig, zeitweise leichte Niederschläge, mild, südwestliche Winde.