Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
Willst
Amtlicher Anzeiger
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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei D'oSatlOn Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Nr. 113.
Sonntag, den 16. Mai
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Unsere D Helden.
Mit dem „Eisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden: Gefreiter Mosebach, Ausbach. — Offiz.-Stellv. Fritz Radeck, Hilmes. — Gefreiter Georg Hartwig, Niederaula. — Unteroff. d. R. H. Reuß. Hersfeld. — Gefreiter Adam Schäfer, Holzheim. — Gefreiter Fürer, Stärklos. — Lt. d. Res. und Komp.-Führer H. Warnig, Röhrigshof. —
Auf dem Felde der Ehre fielen: Johannes Mangel, Hvlzheim. — Heinrich Baetz, Hersfeld. — Musk. Heinrich Höbig, Raboldshausen. — Musk. Andr. Schmidt, Unterstoppel. — Musk. Hermann Schütrumpf, Leimbach. —
Bus der Heimat«
* (Die Kartoffeln reichen!) Wie wir erfahren, sind im Lande ausreichende Kartoffelvorräte vorhanden, so daß die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln bis zur nächsten Ernte als sichergestellt zu betrachten ist. Wohl infolge der warmen Witterung ist augenblicklich das Angebot erheblich größer als die Nachfrage. Die Landwirte wollen verstünd- licherweise die Sorge für Aufbewahrung los sein und verzichten vielfach aus die hohen Zuschläge, die ihnen seitens des Reichs für das Risiko der Aufbewahrung und Behandlung zugebilligt sind,' sie verlangen nur sofortige Abnahme. Der Reichsstelle für Kartoffelversorgung wird daraufhin seit einiger Zeit unausgeseßt von den Ueberschußkreisen, von Kommissionären und Landwirten auf telephonischen und telegraphischen Wege mitgeteilt, daß Kartoffeln bereits in Waggons verladen seien oder an Orten lagerten, wo sie Gefahr liefen, zu verderben: auf alle Fälle müsse sofort über sie dispontiert werden. Die Reichsstelle ist natürlich gar nicht in der Lage, diese Wünsche zu erfüllen, obwohl sie selbstverständlich redlich bemüht ist, allen lokalen Sonderinteressen gerecht zu werden. Die Interessenten können nicht genug davor gewarnt werden, ohne ausdrückliche Vereinbarung zwischen Bedarfs- nnd Ueberschußverbttnden, oder ohne Disposition seitens der Reichsstelle die Kartoffeln zu verladen oder sonstwie über sie zu verfügen. Sie allein tragen die Verantwortung, wenn die Kartoffeln nicht sofort abgenommen werden und womöglich verderben. Im übrigen hat das Reich die hohen Zuschläge für Aufbewahrung, Behandlung, Schwund und Risiko nicht als Preisersöhungen, sondern nur deshalb bewilligt, damit die Landwirte die Kartoffeln möglichst lange an geeigneten Plätzen ausbewahren und sie mit sachkundiger Hand behandeln. Es liegt im nationalen Interesse, daß die Landwirtschaft, sich dieser Aufgabe für die sie reichlich entschädigt wird, auch wirklich unterzieht und nicht plötzlich alle Kartoffeln auf den Markt wirft.
* Postpakete nach Griechenland werden von jetzt ab wieder angenommen. Die Beförderung erfolgt auf dem Weg über Oesterreich-Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Nähere Anskunft erteilen die Postanstalten.
* Die Gewährung der Familienunterstützung wird nicht unterbrochen dadurch, daß die zur Fahne Einberufenen zur Abwendung eines wirtschaftlichen Notstandes, z. V. Bestellung ihrer Grundstücke, zeitweilig in die Heimat beurlaubt werden. Die Unterbrechung tritt aber ein, wenn der Urlaub zum Geldverdienst benutzt wird.
* (Die Verkaufszeit zu P fi ng ste n .) Nach der polizeilichen Bekanntmachung vom 31. Mai 1910 ist eine erweiterte Verkaufs-undBeschäftigungszeit nur vor dem Weihnachsfeste zugelassen. Ein längeres Offenhalten der Läden oder eine längere Beschäsigung der Angestellten vor dem Pfingstfeste ist daher nicht statthaft. Am Festsonnabend ist wie an den sonstigen Sonnabenden um 9 Uhr Ladenschluß.
* (Verbot des Alkohols für Mnsterungs- Pflichtige.) Für die Dauer des Kriegszustandes für den Bezirk des 11. Armeekorps ist der Ausschank, wie überhaupt die Verabreichung von Alkohol an die zur Musterung beorderten Militärpflichtigen für den Tag der Musterung verboten. Den Beorderten ist der Genuß von Alkohol am Tage der Musterung wie am Tage zuvor verboten.
* (Ueberflüssige Ankäufe in Zucker.) In letzter Zeit mehren sich wiederum die Zeichen, daß bei den Hausfrauen eine gewisse Angst in Bezug auf die Versorgung Deutschlands mit Lebensrnitteln herrscht. Bereits zu Anfang des Krieges machten sich derartige Befürchtungen bemerkbar. Insbesondere wurden damals Mehl, Streichhölzer, Konserven und andere Gegenstände des täglichen Hausgebrauches von den tausfrauen in großen Mengen aufgekauft. Diese berstürzten Einkäufe wurden aber bald als unbe
rechtigt erkannt und machten einer verständigeren Haltung des Publikums Platz. Jetzt scheinen aber von neuem Angsteinkäufe einzusetzen. Diesmal handelt es sich um Zucker. Daß auch in diesem Falle kein Grund für Besorgnisse irgend welcher Art vor- liegt und daß die übereilte und übermäßige Versorgung mit Zucker völlig unnötig ist, dafür bürgt die Größe und der Umfang unserer Zuckererzeugung und unserer Zuckervorräte. Es ist daher dringend vor dem ganz zwecklosen Angsteinkauf des Zuckers zu warnen, da dadurch unnötige Preissteigerungen hervorgerufen werden. Daß ein Mangel an Zucker eintreten könnte, erscheint nach Lage der Sache ganz ausgeschlossen.
):( Hersfeld, 15. Mai. Die diesjährige Mitgliederversammlung des z. Zt. 62 Zweigvereine zählenden Verbandes derVaterländischenFrauenver- e i n e im Regierungsbezirk Cassel findet am Mittwoch, den 2. Juni d. Js. 412 Uhr Nachmittags, in dem neuen Krankenhause vom „Roten Kreuz" zu Cassel (Haltestelle der Linie Nr. 1 der elektrischen Bahn in der Wilhelmshöher Allee) statt. Zur Teilnahme an den statutengemäß nur alle zwei Jahre stattfindenden Mitgliederversammlungen ist jedes Mitglied der dem Verbände angeschlossenen Frauenvereine berechtigt. Auswärtigen Teilnehmern wird für die Reisen zu dieser Versammlung und zurück, soweit sie Vorstandsmitglieder sind, auf den Staats- und unter Staatsverwaltung stehenden Eisenbahnen eine Fahrpreisermäßigung in der Art bewilligt, daß für die 2. und 3. Wagenklasse nur der halbe Fahrpreis erhoben wird. Anmeldungen zur Teilnahme an der Versammlung sind bis zum 25. d. Mts. an den Vorstand des betreffenden Zweigvereins zu richten, welcher sie an den Bezirksvorstand weitergeben wird. Die Ausweise zur Erlangung von Fahrpreisermäßigungen werden von dem Vorstände des Zweigvereins, dem der Teilnehmer als Mitglied angehört, ausgefertigt. Die Tagesordnung der Versammlung umfaßt neben dem Geschäfts- und Rechenschaftsbericht und den Vorstandswahlen sowie Mitteilungen aus der Versammlung über die Tätigkeit der einzelnen Vereine pp. insbesondere einen Vortrag über Kriegsbeschädigten-Für- sorge, gehalten von Herrn Dr. A. Alsberg. Am Abend des 2. Juni soll ein gemeinsames Abendessen in den Gesellschaftsräumen des Schloßhotel Wilhelmshöhe stattfinden, zu dem auch Angehörige der Mitglieder nach vorheriger Anmeldung (bis zum 25. d. Mts.) willkommen sind. Eine möglichst große Beteiligung, namentlich auch von auswärts, ist erwünscht.
):( Hersfeld, 15. Mai. Befördert: Zum Lt. ö. Res. d. Kraftf. Bats. mit Patent vom 22. März 1915: Schimmelpfeng, Vizefeldwebel bei d. Kraftf.-Tr. d. Mar.-Korps.
Rotenburg, 14. Mai. Die durch Frau Bürgermeister von Kupß dahier veranstaltete Sammlung unter den Damen hiesiger Stadt zugunsten der Kaiser Wilhelm-Spende hatte ein schönes Ergebnis. Es wurden insgesamt 544,50 Mk. gespendet. — Auch der am Geburtstage unseres Kronprinzen veranstaltete Nichtrauchertag hat viel Beachtung gefunden. Für ersparte Zigarren, Zigaretten, Tabak wurden ca. 90 M. gespendet. Der Aufforderung, auch tatsächlich nicht zu rauchen, war meist entsprochen worden. — Das hiesige im Landgräflichen Schlosse untergebrachte Genesungsheim hat vor einiger Zeit von einem unbekannten Wohltäter Apparate für mediko-mechamsche Behandlung erhalten. Das Erholungsheim ist letzt unbesetzt, dürfte aber voraussichtlich sehr bald wieder belegt werden.
Spangenderg, 14. Mai. Dem 17jührigen Kriegsfreiwilligen Wille Entzeroth, Sohn des hiesigen Metzgermeisters August Entzeroth, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Der junge Krieger der einem Pionier-Bataillon angehört, hat nch diese Auszeichnung in den Kämpfen bei Upern verdient.
Marburg, 12. Mai. Im nahen Dörfchen Marbach fiel neftern das Kind der Eheleute Schmidt, ein Mädchen im Alter von luMren als die Mutter kurze Zeit das Zimmer verließ, in den auf dem Fußboden stehenden Waschtopf und ertrank. Der Vater des Kindes ist zum Heere eingezogen.
Fulda 11 Mai. Weil der Landwirt Ambrosius Will zu Kohlgrund (Rhöu) wissentlich unrichtige Angaben bei der Bestandsaufnahme ferner Roggen- und Safervorräte gemacht hatte, erkannte das Schöfferrge- riri f Snibst uns eine Geldstrafe von 75 Mark. - Die Bäckermeister Franz Jestädt und Franz Giesel hier hatten "beide trotz Verordnung des Bundesrats in der ckeit von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens wiederholt Backwaren und Brot hergestellt. Ersterer wurde zu einer Geldstrafe von 50 Mk., letzterer zu einer solchen von 30 Mk. verurteilt.________________________
Bersthweudet kein Brot! Zeder spare, so gut er lau«.
Das Gasthaus im Kriege.
Von Professor Dr. Carl Oppenheimer- Berlin-Grunewald.
(Fortsetzung.)
Dieses Beispiel kann man auf alle übrigen, ja bekannten Fälle übertragen. Dazu ist es aber eben, wie schon oben erwähnt, notwendig, daß die Wirtshäuser eben ständig und täglich die üblichen Gemüse in schmackhafter Zubereitung vorrätig halten, so daß eben jeder zu dem Rind- oder Hammelfleisch, das er sich bestellt, das ihm zusagende Gemüse extra bestellen kann. Für das gebratene Fleisch gilt natürlich genau dasselbe. Auch hierfür gibt es eine ganze Reihe von passenden Zuspeisen, wie z. B. Kartoffeln, Reis, Makkaroni, Klöße irgendwelcher Art, die ebenfalls vorrätig gehalten werden und auf Wunsch in reichlichen Portionen zu dem gebratenen Fletsche serviert werden müssen. In dieser Umkehrung der bisherigen Gewohnheiten scheint mir die allerwichtigste Reform der Gasthauskost zu liegen, um so mehr, als es demjenigen, der überhaupt kein Fleisch genießen will, dann natürlich auch frei steht, sich seine Portion Gemüse oder Reis oder dergleichen allein zu bestellen, ein Uurstand, der heute in den meisten Wirtshäusern überhaupt unmöglich ist oder zum mindesten das lebhafteste Erstaunen des bedienenden Kellners erwecken würde. Natürlich ist es eine selbstverständliche Folgerung, daß die so eingeführten kleinen Fleischportionen, die als Beilage zum Gemüse usw. bestimmt sind, auch zu einem wesentlich ermäßigten Preise verkauft werden. Man wird dies ganz prinzipiell dadurch erreichen können, daß man von allen dazu geeigneten Fleischgerichten halbe Portionen einführt, die mit einem Aufschlag von zehn bis fünfzehn Pfennig für die Bedienung usw. verkauft werden können. Man würde durch diese Maßregel gleichzeitig radikal den ebenfalls viel gerügten Uebelstand der Berliner Bierhäuser vermeiden lernen, daß die Fleischportionen im allgemeinen viel zu groß sind, so daß sie häufig von Leuten, die keinen besonder? starken Appetit haben, oder noch eine andere Speise genießen wollen, nicht ganz verzehrt werden, und deshalb wiederum Gelegenheit zum Uebrigbleiben von Abfällen geben. Es wäre also die prinzipielle Durchführung Von halben Fleischportionen ein in jeder Beziehung segensreiches Vorgehen.
Es muß aber für die Fleischersparnis in den Wirtshäusern noch auf andere Weise vorgesorgt werden, und diese beruht darin, daß man wohlschmeckende Gerichte ganz anderer Art herstellt, die vorn Fleischgenuß völlig unabhängig sind. Solche Speisen bieten sich in unzähliger Mannigfaltigkeit dar in den sogenannten Mehlspeisen, zu denen ja durchaus nicht bloß Mehl im engeren Sinne, also Weizenmehl verwendet wird, sondern auch Reis, Nudeln, Makkaroni, Kartoffeln usw. Solche Gerichte, die auch für die einfachsten und billigsten Wirtshäuser dann in Betracht kommen, wenn sie mit Magermilch und reichlich Zucker hergestellt werden, sind die wichtigsten Ersatzmittel für das Fleisch, da sie außerordentlich wohlschmeckend und zugleich sehr nahrhaft sind, und ferner, wenn man auf großen Zusatz von Eiern und teueren Speisefetten verzichten kann, sehr billig sind. Auch in dieser Beziehung kann man sich wohl an die süddeutsche und österreichische Küche anschließen, in der alltäglich solche Mehlspeisen auch auf den Karten der Speisehäuser eine ganz andere Rolle spielen als bei uns, wo sie meistens entweder überhaupt nicht oder in unzulänglicher Weise zubereitet auftreten. Wenn solche wohlschmeckenden und doch billigen Gerichte tagtäglich auf die Speisekarte einfacherer Wirtshäuser erschienen, so würde schon die Kostenfrage sehr viele junge Leute, die in den Wirtshäusern essen müssen, dazu bewegen, wenigstens an einigen Tagen der Woche auf den Fleischgenuß ganz oder fast ganz zu verzichten und sich an diese singe zu halten; und damit wäre ein erheblicher Schrrtt auf dem so notwendigen Wege der Fleischersparnrs erzielt
Wir haben also bisher folgende Leitsätze für die Reform der Gasthauskost gefunden: Einschränkung der allzu großen Speisekarte und Beschränkung auf einige wenige Fleischgerichte. Einschränkung der gebratenen Fleischstücke zu gunsten von gekochten. Be- reithaltung halber Fleischportionen. Ständige Be- reithaltung von billigen Gemüsen und ähnlichen Zuspeisen, sowie von wohlschmeckenden billigen Mehlspeisen aller Art und vor allem völlig unabhängiges Bestellen jedes einzelnen Gerichtes, um das Liegen- bleiben von Resten auf den Tellern nach Möglichkeit
zu vermindern. , v
Diese Dinge hier im einzelnen auszufuhren, ist natürlich nicht am Platze. Dazu sind die Verhältnisse in den einzelnen deutschen Gauen, ebenso aber auch innerhalb der einzelnen Gruppen von Wirtshäusern zu verschieden. Es werden andere Anpassungen dort nötig sein, wo es sich um die einfachen Speisehäuser der Arbeiter, wo es sich um die typischen Bier- Restaurationen großer Städte und wo es sich um elegante Wein-Restaurants handelt. Aber die Prinzipien können von intelligenten Wirten überall durch- geführt werden, wenn sie nur den guten Miller dazu haben, sich der Lage der Zeit anzupassen. (Schluß f.)