Das englische Linienschiff „Goliath" in den Dardanellen torpediert.
S^- London, 14. Mai. (WTB.) Im Unterhaus teilte Churchill mit, Satz das Linienschiff „Goliath" in den Dardanellen torpediert wurde und daß man den Verlust von 500 Menschenleben befürchte.
Das Linienschiff „Goliath" hatte 13150 Tonnen Gehalt und besaß eine Besatzung von 750 Mann. Es war im Jahre 1898 erbaut und entwickelte eine Geschwindigkeit von 19 Seemeilen.
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100 englische Offiziere mit der „Falaba" nntergegaugen.
Reuvork, 13. Mai. (WTB.) Privatnachrichten zu- olge haben sich auf der „Falaba" hundert englische Of- iziere befunden, die nach Kamerun wollten. Bekannt- ich war die „Falaba" im vorigen Monat durch ein deut- ches Unterseeboot versenkt worden.
Eine für die Schweiz bestimmte Schiffsladung von den Franzosen beschlagnahmt.
Einer Meldung des Werner „Bund" zufolge hat der Kapitän des von Barcelona in Genua angekommenen Dampfers „Sicilia" erklärt, daß am 7. Mai sein Schiff von einem französischen Torpedoboot angehalten und nach Toulon gebracht worden sei. Der „Neuen Zürcher Zeitung" zufolge heißt das Schiff „Sibilla". Erbsen, Bohnen, Fleischkonserven, sowie Instrumente und Apparate für Genua seien zurückgehalten und dann die Weiterfahrt gestattet worden.
Die Ausschreitungen des englischen Pöbels.
Das Amsterdamer „Handelsblad" meldet aus London: Die Stimmung gegen die Deutschen verschärft sich. Nachts wurden in verschiedenen Bezirken Ostlondons deutsche Läden überfallen. Viele wurden beschädigt und einige gänzlich vernichtet. Die Polizei stellte die Ordnung nur mit Mühe wieder her. Am Fleischmarkt in Southfield und am Obermarkt in Coventgaroen werden keine Deutschen mehr zugelassen. Nach der „Times" begann die Polizei in Liverpool mit meitgreifenden Maßnahmen zur Jnterniernng der Deutschen. In London sind deutsche Restaurants von öeu City-Leuten mit Ueberfällen bedroht worden, wenn die Lokale nicht geschlossen würden. Auch in Manchester und Sal- f o r d fanden Ausschreitungen gegen Deutsche statt. Der Londoner Korrespondent des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" meldet, daß Mittwoch morgen an zahlreichen Stellen im Osten und Norden von London neue Ausschreitungen gegen Deutsche und Angrisfe auf deutsche Barbier-, Metzger- und Bäckerläden vorgekommen sind. Die Menge war so zahlreich, daß die Polizei, die bereits mehrere Verwundete zählte, nicht viel ausrichten konnte. Viele Läden wurden geplündert. Auch in S o u t h e n ö, das kürzlich von Zeppelinen besucht wurde, durchzog ein Zug von Tausenden die Straßen, um deutsche Läden zu plündern. Truppen sind anfgeboten worden, um die deutschen Eigentümer zu schützen. Der von dem Pöbel in Liverpool angerichtete Schaden wird auf 800 000 Mark geschätzt.
Eine italienische Ministerkrise.
Rom, 14. Mai. (WTB.) Die „Agenzia Ste- fant" gibt bekannt: Der Ministerrat hat in Anbetracht dessen, daß er in Bezug auf Sie Richtlinien der Regierung in der internationalen Politik der Eintracht und der Zu- stimmung der konstitutionellen Parteien entbehrt, die angesichts der Lage erforderlich wäre, beschlossen, dem
König seine Demission zu überreichen. Der König hat
sich seinen Beschluß Vorbehalten.
Weitere Telegramme melden uns zur Lage:
^ Rom, 14. Mai. (WTB.) Als Ministerpräsident Salandra gestern vormittag gelegentlich der Unterzeichnung von Dekreten beim König mit den Ministern zusammentraf, berief er persönlich einen Ministerrat auf 3% Uhr nachmittags ein. Der Ministerrat beschloß die Demission des Ministeriums. Salandra teilte diesen Beschluß dem König um 7 Uhr abends mit.
^ Rom, 14. Mai. (WTB.) Eine Sonderausgabe des Giornale d'Jtalia meldet: Der Präsident der Kammer, der abends in Rom angekommen ist, hatte um 915 Uhr abends eine einstündige Besprechung mit dem König. Heute wird der König antzer dem Kammerpräsidenten noch andere Persönlichkeiten befragen.
Die Beratungen des Ministerrates.
Rom, 14. Mai. (T. U.) Das „B. T." schreibt: Es scheint sich zu bestätigen, daß der Mimsterrat, der am Dienstag in Rom über die Lage beriet, beschlossen hat, die österreichischen Angebote der Kammer vorzulegen und die Entscheidung von dem Willen des Parlaments abhängig zu machen. Das wäre unstreitbar ein Verfahren, das dem Geiste einer demokratischen Verfassung entspricht. Nicht mehr die geheime Diplomatie, sondern die gewählte Vertretung des Volkes würde in der wichtigsten Lebensfrage den endgültigen Beschluß fassen und das Schicksal des Landes bestimmen. Wie ote neuen aus Rom kommenden Nachrichten besagen, kann die Ansicht der parlamentarischeil Mehryeit nicht zweifelhaft sein und daß die Mehrheit sich gegen den Krieg erklären werde. Trotz der günstig taugenden Meldungen ist es nach wie vor geboten, die Situation mit größter Zurückhaltung zu beurteilen und auf allzu optimistische Schlußfolgerungen bis auf weiteres zu verzichten, denn es darf nicht übersehen werden, daß die Kammer erst am 20. Mai zusammentreten wird und daß im Laufe einer Woche mancherlei geschehen kann. Die zmn Kriege drängenden Elemente werden in dieserZeit Manifestationen, Stratzenkrawalle und Zwischensalle aller Art Her- beizustthren versuchen und werden jedes Mittel anwenden, um die Friedensfreunde einzuschüchtern und ihren Willen durchzusetzen. _ _ „
6^ Lugano, 14. Mai. (T. U.) Der Mimsterrat befaßte sich nach dem „B. T." hauptsächlich mit zwei Fragen: 1. mit dem amtlichen Gebietsangebot Oesterreich- Ungarns, 2. mit der parlamentarischen Lage, die durch Giolittis kriegsfeindliche Haltung geschaffen ist. Was die erste Frage betrifft, so ist Sonnino der Ansicht, daß die allzuspät gekommenen Zugeständnisse Oesterreichs nicht annehmbar seien daß also das Ministerium keine Veranlassung habe, seine Haltung zu andern. Hinsichtlich des Eingreifens Giolittis beschloß das Ministerium angeblich, seinen Weg fortzusetzen, ohne sich umc die durch Giolitti hervorgerufene neutralistische ^vegung zu kümmern (?). Eine neue Vertagung der Karmner gilt für ausgeschlossen. Ausgeschlossen erscheint anch, so behaupten wenigstens die Ministeriellen, daß Sie Regierung mit einer vollendeten Tatsache, einerber^ er- snlmen Krienserklaruna vor das Parlament tritt.
U „Politiken" mel- klärt. Giolitti und
rnug mit einer vouenoeien xatwwv, folgten Kriegserklärung vor das P«
^ Kopenhagen, 14. Mai. (T. det aus Rom: Die Lage ist weiter get ........ —
das Parlament sind gegen den Krieg.
Italienische Stimmen gegen und für den Frieden.
Die interventionistische italienische Presie ist nach einer Meldung der „Köln. Ztg." aus Zistich über die Haltung Giolittis überaus eMört. Der „Cornere della Sera" wirft ihm vor, er habe die Frage der Beztehun- ren Rollen» zu Oesterreich-Ungarn verfeinert, so daß
es scheine, es handle sich nicht mehr um ein Volk, seine Zukunft und seine Ehre, sondern einfach um eine Ware. Der „Secolo" nennt Giolitti den Hochverräter und verlangt ein kräftiges Vorgehen Italiens, durch das allein seine Großmachtstellung erhalten werden könne. Der „Corriere d'Jtalia" hebt hervor, daß die Regierung das Vertrauen der Kammer erst gewann, nachdem zwischen Giolitti und Salandra völlige Uebereinstimmung hergestellt war. Um einen Krieg führen zu können, wie den heute drohenden, sei es wesentlich, daß das ganze Volk begeistert sei. Von einer solchen Begeisterung könne indes heute nicht gesprochen werden. Es sei falsch, wenn die Regierung durch ein Beharren auf ihren frühern neutralitätsfreundlichen Beschluß eine Schmälerei ihres Ansehens befürchte. Der „Avanti" erklärt, die Kammer werde dem Treiben der Regierung, die das Land in den Krieg stürzen wolle, ein Ende machen. Aus sicherer Quelle werde indes bekannt, daß die Regierung mit einer fertigen Maßnahme vor die Kammer treten wolle, um ihr die Freiheit des Entschlufses zu nehmen. Es sei heute unbestätigt, daß ein Abkommen mit Rumänien getroffen sei, und auch die Frage mit Serbien sei noch nicht gelöst. Es wäre daher verbrecherische Torheit, das Land in einen Krieg zu stürzen, von dem man nicht wisse, ob nicht Italien dabei allein bleiben werde. Wenn die Angriffe auf Giolitti fortdauerten, so sei eine Kundgebung seiner Anhänger an das Volk zu erwarten, worin völlige Aufklärung über die wirkliche Lage gegeben werde. Aus Bern wird der „Züricher Post" von unter- richteter Seite mitgeteilt, die italienische Krise habe seit 24 Stunden eine Erleicherung erfahren. Das Kabinett Salaudra-Sonnino scheine in Schwierigkeiten geraten zu sein, weil es durch zu weitgehende Forderungen über die österreichisch-ungarische Interessensphäre hinaus in die balkan-slawische hinübergegriffen habe und dabei auf Widerstand derjenigen Mächte gestoßen sei, die ihm in einem Krieg mit Oesterreich-Ungarn als Rückendeckung dienen müßten. Diese Schwierigkeit habe Giolitti meisterhaft benutzt, um seinen Einfluß geltend zu machen. Gelinge es ihm, sich durchzusetzen, so werde er Italien vor einer schweren Krise und einer noch schwereren Enttäuschung bewahrt haben. Ein erstes Zeichen der wirklichen Entspannung wäre eine Umbildung des italienischen Kabinetts. Die Verbände der interventionistischen Parteien nahmen eine gemeinsame Tagesordnung an, worin Giolitti als Bundesgenosse der Ausländer und Feind des Vaterlandes erklärt wird. In Rom, Mailand und anderen Städten wurden Kundgebungen für den Krieg veranstalte. Der klerikale „Corriere d'Jalia" in Rom, dem man die Verantwortung überlasset! muß. gibt die ttsächlichen Zugeständnisse Oesterreich-Ungarns wie folgt an: Abtretung des Trentinos bis Bozen und Meran, neue Grenzlinie am Jsonzo nördlich bis Goerz dieses inbegriffen, südlich bis nach Nabresina, wenig entfernt von Triest. Freie Hand Italiens in Albanien, namentlich Südalbanien. Die Abtretung dieser Gebiete solle unmittelbar erfolgen. _______
Die Neutralen.
Griechenland bleibt nentral.
Athen, 13. Mai. (WTB.) Von maßgebender Seite wird mitgeteilt, daß zwischen dem Dreiverband und der griechischen Regierung kein Uebereinkommen bezüglich eines Heraustretens Griechenlands aus der Neutralität zugunsten dieser Mächtegruppe erzielt worden ist, da diese Mächtegruppe nicht die erwünschte Garantien zu geben imstande war. Aus dieser Tatsache ergibt sich ein ferneres Beibehalten der Neutralität Griechenlands.
Eine bulgarisch-rumänische Militärkonvention?
„Utro Rossij" meldet nach einer Sofioter Depesche der „Dtsch. Tgzig." aus Bukarest, daß zwischen der bulgarischen und rumänischen Regierung ein Abkommen zustande gekommen sei. Es handle sich um nichts weniger als um eine Militärkonvention zwischen den beiden Staaten. Es soll zwischen beiden Regierungen zu einer Verständigung über eine wichtige Frage, wie sich Rumänien im Falle eines Krieges verhalten würde, gekommen sein. Das Blatt stellt fest, daß die Kriegsbe- geisternna in Rumänien in letzter Zeit sehr nachgelassen, dagegen in Bulgarien gewachsen sei. Allerdings besitze der Dreiverband in Bulgarien wenig Sympathie.
Deutschland und Amerika.
London, 14. Mai. (T. U.) Aus Washington meldet „Daily Telegraph": Hier denkt niemand anläßlich der Vernichtung der „Lusitania" und des Unterganges einer ganzen Reihe von Amerikanern an einen Krieg mit Deutschland. Insbesondere werden hiergegen folgende Gründe angeführt: Die amerikanischen Streitkräfte sind ungenügend. Anch ohne Krieg ist eine Genugtuung von feiten Deutschlands sehr wohl möglich. Aus allen diesen Gründen glaubt der Korrespondent des genannten Blattes, daß ein Krieg wegen der Lusitaniaaffäre nicht zu erwarten sei. Möglich wäre höchstens der Abbruch der diplomatischen und der Handelsbeziehungen, sowie die Beschlagnahme internierter deutscher Schiffe. .
Ein Neuyorker T. U.-Telegramm meldet: Die Erregung der Neuyorker und Washingtoner Presse über den Untergang der „Lusitania" hat nachgelassen. Fast alle Blätter zitieren euren Artikel der „Neuyorker Staatszeitung", der „Notwehr" betitelt ist und in dem Hermann Ridder in logisch klarer Weye die Rechtfertigung des deutschen U-Bootskrieges antrrtt. Ueber die Absichten der Regierung verlautet nichts bestimmtes, doch lassen halbamtliche Notizen in der Presse bereits erkennen, daß Präsident Wilson sich ut keiner Weise durch das Geschrei der vom Dreiverband gekauften Presse beeinflussen zu lassen^ gedenkt. So wird erklärt, daß die von verschiedenen weiten ausgestellte Behauptung, Amerika beabsichtige als Gegenmaßregel für die Vernichtung amerikanischen Gutes uno amerikanischer Bürger ber der Torpeöierung öer „Lusttama", die in amerikanischen Häfen liegenden deutschen Schiffe zn beschlagnahmen, frei erfnnoen sei.
139 Amerikaner mit der „Lusitania" ertrunken.
London, 13. Mc amerikanische Botschc mit der „Lusitania" 218 Amerikaner.
. (WTB.) Reuter meldet: Die t gibt bekannt, daß 139 Amerikaner ertrnnken sind. An Bord waren
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Ein Amerikaner Ritter des Eisernen Kreuzes.
Wohl der erste mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnete Amerikaner ist, wie der „B. L.-A." aus Stuttgart erfährt der 21jährige Sohn des Neuyorker Großkauf- manns Karl N Lüewellyn, der als Kriegsfreiwillige
den Kämpfen in Frankreich und Belgien teilnahm und sich in den Kämmen um Reims und an der Yser mit solcher Tapferkeit beteiligte, daß ihm das Eiserne Kreuz verliehen wurde. —
Treue und Unerschrockenheit.
Es war am 18. Februar 1915. Der 2. Zug der 8. Kompagrste des Lanöwehr-Jnfanterie-Regtments 124 in Reserve in Kellern von X. zur BeMarkung der 9 Vonwaanie des Regiments 130 bereit. Am Tag vor- her war em feindlicher Jnfanterieangriff aus diese Stellung unter großen Verlusten für den Gegner abgewie
sen worden, worauf die Feinde am 18. Februar Dtl Gräben wiederum stark besetzt hatten. Um 10 Uhr vormittags eröffnete unsere Artillerie das Feuer auf die gegnerischen Schützengräben. Leutnant d. R. Baumann, 8. Kampagnie Landwehr-Infanterie-Regiment 124. be- gab sich daraufhin aus seinem Unterstand (Keller) in den vorderen Schützengraben, um die Wirkung des Artilleriefeuers zu beobachten und das Feuer seiner verstärkten Posten auf die aus den Gräben Zurückgehenden zu lenken. Etwa von 11 Uhr vormittags an beschoß die feindliche Artillerie die vorderen Gräben. Leutnant Baumann wurde dabei durch ein Sprengstück eines Schrapnells schwer am Kopf verwundet. Auf die Nachricht hin, daß sein Herr schwer verwundet sei, ging sein Bursche, der Wehrmann Karl Rattenmaier aus Hütt- lingen, Oberamt Aalen, sofort trotz heftigsten feindlichen Artilleriefeners über ungedecktes Gelände aus dem Unterstand in den etwa 200 Meter davorliegenden Graben vor. Mit Hilse von drei Leuten der 9. Kompagnie des Regiments trug er dann, das sich immer mehr steigernde feindliche Artilleriefeuer nicht achtend, seinen Herrn in den etwa 400 Meter hinter dem Graben liegenden Sanitätskeller, wobei der Weg wieder über freies Gelände führte. Er pflegte dort den Schwerverwundeten mit treuer Hingabe, bis dieser mit Einbruch der Dunkelheit mittels Sanitätswagens nach V . . . zurückgeführt werden konnte.
„Nicht Rotz noch Reisige".
Wenn es in unserer Nationalhymne Heißt: „Nicht Rotz noch Reisige schützen die steilen Höh'n, wo Fürsten steh'n", so scheint man in Rußland jedenfalls gegenteiliger Ansicht zu sein. Väterchen Zar hält nichts von dem Schutz seines Lebens und Thrones durch die Liebe und Treue seines Volkes, sondern verläßt sich vielmehr auf ein kaum noch zu übertreffendes System polizellicher und militärischer Sicherheitsmaßnahmen. Hiervon legt eine interessante Schilderung Zeugnis ab, die eine Wiener Dame, die damals in der ukrainischen Stadt Katerinos- law wohnte und Rußland seitdem verlassen hat, über den Besuch, den der Zar der genannten Stadt im Februar abstattete, in den „Ukrainer Nachrichten" entwirft. Sie schreibt: „Eine Woche vor dem Eintreffen des Zaren wurden der Bevölkerung die Verhaltungsmaßregeln bekanntgemacht, die während der Dauer seines Aufenthaltes gehandhabt werden mußten. Auf den Straßen, die der kaiserliche Wagen passierte, durften die Fenster nur von den Leuten geöffnet werden, die in der Kirche oder von dem Gouverneur auf Namen lautende Karten gelöstt hatten. Alle übrigen sowie auch sämtliche Balkon- türen wurden behördlich versiegelt. In der Straße bildeten zwei Reihen von Schulkindern Spalier, dann wurde Militär postiert, hinter diesem kam das Publikum, das, einer in den Arm des anderen eingehängt, eine Kette bilden mußte. Trotz der strengen Kälte war das Tragen von Muffen verboten. Schnlkmöer und Militär hielten einige Tage vor der Ankunft des Zaren Marschier- und Stellungsübungen ab, weshalb ich Gelegenheit hatte, den ganzen Rummel zu sehen: denn ich Unglückliche hätte während der zwei Tage, die der hohe Besuch dauern sollte, im Hausarrest verbleiben müssen. Ich mußte der Behörde die schriftliche Versicherung geben, daß ich zwei Tage das Haus nicht verlassen werde."
Vermischtes.
Hinrichtung eines Doppelmörders. In Cöln ist der dreißig Jahre alte Bergarbeiter Adam Pfaff aus El- versberg bei Saarbrücken hingerichtet worden. Er hatte am 22. Dezember 1913 im Walde bei Elversberg seine Frau und am 13. Januar 1914 in Herzogenrath bei Aachen seine Kostwirtin, die Ehefrau Huster, ermordet.
Briefverkehr der Gefangenen in Deutschland. In Deutschland ist der Briefverkehr jetzt in allen Gefangenenlagern einheitlich geregelt. Danach dürfen die Gefangenen zweimal monatlich Briefe und außerdem allwöchentlich eine Karte schreiben. Bei der großen Menge der in Deutschland befindlichen Kriegsgefangenen ist im Interesse der Kontrolle die Beschränkung auf diese Zahl notwendig, bei besonders dringlichen Umständen werden aber Ausnahmen ohne Schwierigkeiten zugestanden. Weitere Einschränkungen können dort angeordnet werden, wo etwa Seuchen eingeschleppt werden.
Fliegerunglück auf dem Flugfelde Aspern. Der Ingenieur Viktor Wittmann, Direktor der Ungarischen Luftsabrzeugfabrik in Budapest, unternahm auf dem Flugfelde Aspern bei Wien mit einem Lohner-Doppel- öecker einen Probeflug. Im Apparat saß auch der Zivil- pilot Ziegler. Wahrscheinlich wegen einer zu scharfen Kurve, die Wittmann nahm, stürzte der Apparat aus der Höhe von etwa fünfzig Metern ab und begrub unter seinen Trümmern die beiden Piloten. Wittmann erlitt so schwere Verletzungen, daß er tot liegen blieb, Ziegler hatte nur leichte Hautabschürfungen erhalten und erholte sich bald wieder.
Feuer in einem Eisenbahnwagen mit Feldpostsen- dnngen. Am 7. Mai ist in einem verschlossenen Postwagen des Zuges 201 Hannover—Berlin, wahrscheinlich durch Selbsteutzündung, Feuer ausgebrochen. Glücklicherweise ist der Brand rechtzeitig entdeckt worden, so daß von dem aus Feldpostsendungen bestehenden Inhalt des Wagens nur 10 Sendungen verbrannt und 30 Sendungen leicht beschädigt worden sind. Der Befund läßt darauf schließen, daß eine der vernichteten Sendungen Streichhölzer oder andere leicht entzündbare Gegenstände enthalten hat. Auf das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände, wie Streichhölzer usw., durch die Feldpost wird deshalb erneut aufmerksam gemacht.
Fünf Jahre Zuchchaus und 5000 Mark Geldstrafe für einen Spion. Das Reichsgericht in Leipzig verurteilte den Gutspächter Alfons Hnrlin aus Montigny-Ia- Grauge wegen Ausspähung militärischer Geheimniße zu fünf Jahren Zuchthaus, 5000 Mark Geldstrafe, ferner zu zehn Jabren Ehrenrechtsverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Gerichtshof sah als festgestellt an, daß der Angeklagte der Pächter einer Ferme an der französischen Grenze war, in den Dienst des französischen Sptonagebnreaus trat. Er ist Überfahrt, sich fortge>ctzt teils der versuchten, teils der vollendeten Spionage schuldig gemacht zu haben.
Hofrichter in der Irrenanstalt. Den seiner Zeit wegen Giftmordes zu lebenslänglichem Kerker verurteilten Oberleutnant Adolf Hofrichter, der seine Strafe bisher in der Militärstrafanstalt von Mollersdorf bei Wien verbüßte, brächte man in die Landesirrenanstalt am Steinhof bei Wien.
Das große Los ist, wie schon mitgeteilt, zur einen Hälfte nach Rostock, zur anderen nach Lübeck gefallen. Namentlich in Rostock wurden, wie jetzt feststeht, ärmere Leute beglückt: drei Achtel wurden von Landleuten in der Rostocker Umgegend gespielt und das vierte Achtel erhielt ein früherer Rostocker Schneider, der als Regi- mentsschneider nach Elsaß-Lothringen verzogen ist. Er spielte die Glücksurrmmer schon ieit einer Reihe von Jahren, ohne bisher sonderliche Erfolge erzielt zu haben. Ein Achtel des Loses befindet sich im Besitz zweier Rostocker Einwohner.