Einzelbild herunterladen
 

Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

SersfeWer

für den Kreis Hersfeld

KreisM

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- ' holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. ;

Nr. 113

Sonnabend, den 15. Mai

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Bus der Heimat«

* (Die Aecker sind heilig!) Die Zeit der Spaziergänge, der Ausflüge und der Wanderungen ist gekommen und damit auch die Zeit, in der man sich so oft über allerlei Unarten ärgern muß, die von Groß und Klein, von Erwachsenen, die doch ver­nünftiger sein sollten, und von Kindern, denen sie streng untersagt werden müssen, begangen werden. Gerade in diesem Sommer aber sollte sich ein jeder mehr denn sonst hüten, in seine alten Fehler und Gedankenlosigkeiten zu verfallen, draußen im Wald und Feld, auf Aeckern und Wiesen Schaden anzu- richten, in diesem Sommer, da es eine hohe, vater­ländische Pflicht ist, die Anstrengungen der Landwirt­schaft mit allen Kräften zu unterstützen, durch die Erzielung der bestmöglichen Erträge die Aus­hungerungspolitik unserer Feinde zuschanden zu machen. Tief beschämend aber ist es, daß man so häufig draußen sehen muß, wie von Spaziergängern und Ausflüglern die jungen Blütenzweige der Obst­bäume abgerissen werden oder wie neben den Feld­wegen rechts und links auf den Aeckern breite Pfade ausgetreten sind und der Pflanzenwuchs auf diesen Streifen vernichtet ist. Sogar quer über die Felder, über Getreide und Klee, über Wiesen und Rüben- breiten gehen solche Fußwege, die sich die gedanken­losen Leute angelegt haben, um eine Ecke abzuschneiden eine sehr bedauerliche Bequemlichkeit desPublikums! Solches Tun zu unterlassen, ist nicht nur ein Gebot des Anstandes, die Aecker sollen uns allen heilig sein, und unter gar keinen Umständen soll man sie schädigen oder den Kindern erlauben, sich auf Feldern und Wiesen zu tummeln und io Mengen von Nahrungs- und Futterstoffen zu zerstören, die Heuer unersetzlich sind. Ein jeder hat die Pflicht, derartigen Ungezogen­heiten entgegenzutreten. Helfen Mahnungen und Verwarnungen nicht, dann scheue man auch vor einer Anzeige nicht zurück.

):( Hersfeld, 14. Mai. Ueber die Aushändigung postlagernder Sendungen sind von den stellvertr. Generalkommando neue Bestimmungen erlassen worden. Postlagernde Sendungen werden nur noch gegen besonderen Ausweis des Abholers ausgehändigt. Diese besonderen Ausweise müssen von Polizei- behörden ausgestellt sein und die Photographie der zur Abholung berechtigten Person enthalten. Sie haben nicht nur für den einzelnen Fall, sondern dauernd Gültigkeit, sowohl für den Bereich des Ar­meekorps, in dem die ausstellende Polizeibehörde ihren Sitz hat, als auch im Bereiche aller anderen Armee­korps. Postausweiskarten sowie Ausweise aller übrigen Behörden und der Nachrichtenoffiziere be­rechtigen nicht mehr zum Empfang postlagernder Sendungen. Von jetzt ab sind alle Polizeibehörden auch die der Landgemeinden zur Ausstellung der Ausweise ermächtigt,

§ Hersfeld, 14. Mai. Die drei gestrengen Herren haben heuer durch eine milde Herrschaft den Aus­hungerungsplan unserer Feinde gemißbilligt. Die nur wenig frostigen Gesichter von Mamertus und Pankratius und die dritte erheblich wärmere Nacht lassen, weiter hoffen, daß die Obstblüte gut zum An- saü kommt. Da nun ein Kälterückschlag nicht mehr zu° erwarten steht, heißt es: Bohnen legen und durch fleißiges Einstecken der Gurkenkerne die Sauregurken- zeit vorbereiten!

8 Hersfeld, 14. Mai. Die Maul- und Klauen­seuche ist ausgebrochen in Bottenhorn (Kr. Bieden- kopf), Mackenrode, Rittergut Sollstedt (Kr. Mühlhausen i. Th.) und erloschen in Tettenborn. Bläschenausschlag ist in mehreren Rindviehbeständen in Wellingerode festgestellt. Milzbrand wird aus Solz gemeldet.

§ Hersfeld, 14. Mai. Der Königliche Förster Kötzschke hatte das Weidmannsheil im Bezirk Vockerode der Oberförsteri Meißner einen kapitalen Auerhahn zu erlegen.

Sontra, 11. Mai. Auf noch unaufgeklärte Weise entstand gestern nachmittag gegen 6 Uhr in dem Wohn­haus des Fabrikarbeiters Wacker hierselbst, Feuer. Trotzdem die Feuerwehr alsbald auf dem Brandplatz erschien und die Rettungsarbeiten vornahm, konnte es nicht verhindert werden, daß der herrschende Wind das Feuer auch auf das Nachbar-gebäude der Witwe Arnold übertrug und auch dieses einäscherte.

Eassel, 14. Mai. Seine Durchlaucht der Fürst voll Reuß hat Sr. Exellenz dem stellvertretenden Komman­dierenden General des 11. Armeekorps, General der Jnfantrie von Haugwitz das Fürstlich Reußische Ehrenkreuz 1. Klasse mit der Krone am Bande der KriegSauszeichnung verliehen.

Bracken (Kr. Höxter), 13. Mai. Nach längerem Suchen fand die Frau des Sügewerksbesitzers Lohre in Klare das vierjährige Söhnchen als Leiche in der unweit des Wohnhauses vorüberfließenden Nethe vor.

Das Kind war beim Spielen ins Wasser gefallen und ertrunken.

Erfurt, 12. Mai. Die am 6. Mai im Berg ström aufgefundenen beiden Oberschenkel gehören zweifellos ebenso wie der vorhergefundene Arm zu dem männ­lichen Rumpf, der am 10. Februar imVenedig" aus der Gera gezogen wurde. Die beiden Oberschenkel waren in einen vollständigen Kleiderrock aus blauem Wollmusselin mit ziemlich großen weißen Punkten eingewickelt. Der Rock war innen mit grauem Futter- versehen. Es ist ein Stoff, wie man ihn in einfachen Kreisen, besonders auch auf dem Lande, vielfach ver­wendet. Der Rock liegt im Kriminalkommissariat im Rathause zu jedermanns Besichtigung aus. Wer über seiue Herkunft etwas mitteilen kann, wird gebeten, dies bei der Polizei sogleich zu tun.

Tann i. d. Rhön, 12. Mai. Einen seltenen Fund machte dieser Tage Herr Förster Randow in dem be­nachbarten Ort Wendershausen. Als derselbe mit Personal zwischen Alt- und Neu-Schwambach mit Kulturarbeiten beschäftigt war, stieß man plötzlich auf irdene Töpfe, in denen sich etwa 150 wohlerhaltene Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert befanden. Man nimmt an, daß die Münzen aus dem 30jährigen Kriege stammen.

Das Gasthaus im Stiege.

Von Professor Dr. Carl Oppenheimer- Berlin-Grunewald.

(Fortsetzung.)

Man sieht schon aus diesen ersten Dingen, daß man die Frage der Beseitigung der Vergeudung in den Gasthäusern kaum von der anderen, ebenso wich­tigen Frage trennen kann, nämlich der Frage der qualitativen Abänderung unserer Gasthaus kost. Daß in der Tat diese beiden Din^ untrennbar Zusammen­hängen, sieht man wiederum, wenn wir ein zweites, höchst wichtiges Problem der Gasthauskost vornehmen, nämlich die geradezu ungeheuerliche Vergeudung, die in allen Wirtshäusern mit dem Fett getrieben wird. Natürlich ist dies auch wieder keine absichtliche Ver­geudung, sondern hängt eben mit einer eingebürgerten Gewohnheit in der Art des Gasthausbetriebes zu­sammen, die aber ebenfalls jetzt den veränderten Zeit­läuften unbedingt zum Opfer 'fallen muß, nachdem bisher alle Ermahnungen der Hygieniker vergeblich gewesen sind. Es ist dies der ganz gewaltige Miß­brauch, der in wohl sämtlichen Gasthäusern Deutsch­lands mit dem Fleisch und damit auch mit dem Fett getrieben wird. Damit sagt man wohl niemandem, der Wirtshäuser in Städten und auf Reisen kennt, etwas Neues. Wiegt schon beim Mittagessen selbst dann die Fleischnahrung in unsinniger Weise vor, wenn es sich um feste Mittagsmahlzeiten handelt, so bekommt man an den Abenden, .wenn man nach der Karte essen muß, wohl überhaupt kaum etwas anderes wie Fleisch, und am allerschlimmsten steht es in den kleinen Wirtshäusern der Reise- und Kurorte, wo man allermeist außer Fleisch überhaupt nichts Genieß­bares bekommt. In Norddeutschland verbindet sich mit diesem Vorwiegen des Fleisches noch ein weiterer großer Uebelstand, daß man nämlich das Fleisch nicht einmal häufig genug in gekochtem Zustande in irgend­einer wohlschmeckenden Zubereitung bekommt, sondern fast ausschließlich in gebratenem oder geschmortem. Auch in dieser Beziehung steht es viel besser in Oesterreich, wo man wenigstens in jedem Wirtshaus, vom einfachsten bis zum feinsten, jeden Tag ein Stück gekochtes Ochsenfleisch bekommen kann, das man mit irgendeiner Beilage genießt. In Norddentschland dagegen bekommt man fast ausschließlich entweder gebratene Fleischstücke wie Schnitzel, Rumpsteak usw. oder abgeschnittene Scheiben größerer Braten, Kalbs­oder Schmorbraten usw. .

Abgesehen davon, daß diese sogenannten Braten beim Stehenlassen in ganz kurzer Zeit jeden Wohl­geschmack verlieren, und infolgedessen der Schrecken jeder Wirtshauskost sind, führt das durchgängige Vor­herrschen der unter reichlicher Verwendung von Fett hergestellten Fleischspeisen zu einer geradezu unge­heuerlichen Fettvergeudung., Gerade weil die aller­meisten Gäste in den Wirtshäusern drese Flersch,perlen ohne jede oder mit ganz ungenügender Zukost ver­zehren, so bleibt ein großer Terl der merst uberrerch- lich servierten Tunke oder Fettuberaüsse völlig unge- nuüt auf den Tellern und Schusseln zurück und wandert wie eben alles in den Wirtshäusern dort Zurückbleibende, unbedingt in den Abfall. Es müssen auch hierbei geradezu ungeheuerliche Werte an Nal runnsstoffen in völlig uminniger Weise verloren gehen Es wäre also das allererste, dringendste Er­fordernis daß die Gastwirte sich entschließen wurden, im weitesten Ausmaße an der Stelle der gebratenen «6 8 Sorten »leiWftMe gekochtes Misch »u setzen Damit würde also in allererster Linre Fett gespart werden, es würde aber auch mit größter Wabrscheinlichkeit schon dadurch der zweite, unbedingt nötige Weg von selbst mehr begangen werden, näm­lich den Fleischgenuß in den Wirtshäusern überhaupt auf ein erheblich geringeres Maß zu beschränken, und zwar liegt eS daran, daß sehr viele Leute gebratenes

Fletsch ohne jede Zuspeise, außer vielleicht Kompott und Salat, verzehren, daß es aber wohl schwerlich jemandem einfallen wird, ein gekochtes Stück Fleisch ohne eine andere, wohlschmeckende Beilage zu genießen. Es würde sich also ganz von selber der Modus dar­aus ergeben, daß man eben zu dem gekochten Fleisch reichliche Mengen von Zuspeise in Form von Ge­müsen irgendwelcher Art serviert, und damit würden sich ohne weiteres die Pforten öffnen zu der aller- wichtigsten und dringend notwendigen Reform, die einzig und allein zu einer Ersparung an Fleisch führen kann. Es muß nämlich gerade umgekehrt werden wie bisher. Während bisher in den aller­meisten Wirtshäusern man zu einem reichlichen Stück Fleisch eine geringfügige Menge Zuspeise bekam, müssen die Gasthäuser in Zukunft eine reichliche Portion Gemüse mit einem kleinen Stück Fleisch als Hauptmahlzeit vorsetzen. Es darf also, um ein be- kannies Beispiel zu wählen, ein Gericht Hammelfleisch mit Wirsing nicht mehr, wie bisher, daraus bestehen, daß es zu ein paar großen Stücken Hammelfleisch ein winziges Löffelchen Kohl gibt, sondern es muß um­gekehrt ein tüchtiger Teller voll Kohl und ein kleines Stück Fleisch serviert werden. (Fortsetzung folgt.)

Durch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Unaufhaltsam im Südosten geht der deutsche Siegeslauf, Rußlands größte Niederlage hält kein Sterblicher mehr auf, österreichisch-deutsche Waffen zeigten, brüderlich vereint, daß vor ihrem scharfen Klänge selbst ein noch so starker Feind nicht imstande auszuhalten, daß Vernichtung immer droht, wo die Banner mutig flattern schwarz mit gelb und schwarz-weiß-rot und mit ehrfurchts­vollem Staunen sieht das Ausland Tag für Tag uns dem Ziele näher kommen, wo mit einem letzten Schlag Nikolaus' Karpathenheere ganz dem Untergang geweiht, und der Sieger stolzer Name glänzen wird in Ewigkeit---- Voll Verblendung unterdessen, doppelt dumm in solcher Zeit, hält in Rom sich die Regierung jederzeit zum Krieg bereit, unser einstiger Genosse der erst groß im Dreibund ward, will uns in den Rücken fallen, recht nach feiger Buben Art. Sei es drum! mit schwerem Herzen sieht man zwar, wohin es führt, wenn der Deutsche, wie so häufig, falsche Freunde sich erkürt, aber nur darum zu klagen, wär' der Ehre schon zuviel und am eig nen Leibe spüren

wird Italien solches Spiel. Wir, die wir mit 7 Staaten es bisher noch stets geschafft, stehen auch dem achten Feinde voll Vertrau'n auf unsre Kraft,' ließ Italien sich verführen--von Franzosen, Brit' und Ruß', wird auch ihm die Stunde schlagen, die für alle kommen muß, will es vor der Welt­geschichte in den Schmutz herniedersteigen, werden wir mit deutschen Hieben ihm dazu die Wege zeigen. Walter-Walter.

Vom östlichen Kriegsschauplatz "

1. Steh ich in finstrer Mitternacht, So einsam auf der Lausejagd, So denk ich an die Drogerie, Ob sie nichts hat fürs Läusevieh, Und wenn ich oft des Nachts erwach, Sitzt alles bei der Lausejagd.

2. Als ich zum Kriege fort gemußt, Hab ich nichts von dem Vieh gewußt! Bis ich nachher so manche Nacht, Von diesen Läusen aufgewacht.

Es biß mich sehr, an Brust und Bein, Daß ich vergaß das Schlafen ein.

3. Sie sind uns treu, doch wir nicht gut, Sie saugen gern Soldatenblut, Noch nie schlug's Herz uns warm dre Nacht, Wenn uns das Läusevieh erwacht, Wir stehen dann vom Schlafe auf, Und machen Sturmangriff darauf,

4. Wie glücklich lebt Ihr doch daheim, daß ihr nichts wißt von dieser Pein, Ihr schlafet ruhig jede Nacht, Wenn wir sind auf der Lausejagd, Doch für uns ist's wohl keine Schaud, Denn wir sind hier im Lauseland.

5. Ein Wunder ist es sicher nicht Daß wir erfunden dies Gedicht Viel Ratten gibt es hier und Mäuse, Doch nicht so viel als russische Läuse, Die findet man hier in jedem Haus Vielleicht auch bei Zar Nikolaus.

Berschwendetlein Brot ! Zeder spare, so gut er tone.