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liefert werde, lassen doch Mahnungen, öle einige Zei­tungen darunterMatin" undNeuyork Herald" an die Bevölkerung richten, erkennen, daß man in der Oeffentlichkeit über die Ereignisse Bescheid weiß und sich äußerst beunruhigt zeigt. Diese Stimmung steigerte sich noch durch die vorn westlichen Kriegsschauplatz ein­laufenden ungünstigen Nachrichten. DemMatin" nach zu urteilen, verursachten diese Nachrichten zwar keine Panik", aber einePaniquette", also einkleines Pa- nikchen", weswegen das Blatt sich veranlaßt sieht, eine drohende Gebärde gegen die Verbreiter der Nachrichten einzunehmen. Nach demNeuyork Herald" liefen sogar recht niederdrückende Nachrichten im Volke um.

Der Türkenkrieg.

- C ' Erbitterte Kämpfe auf Gallapoli.

^ Budapest, 8. Mai. (T.-U.) Der Sonderbericht­erstatter desPesti Htrlap" meldet nach derDeutsch. Tgztg. aus Sofia: Auf der Halbinsel Gallipoli und der asiatischen Seite der Dardanellen sind die Kämpfe mit anhaltender Erbitterung im Gange und arten in Hand­gemenge aus. Bei Kum Kale ist das französische Heer vollständig vernichtet worden. Auch die Lage der Eng­länder bei Gallipoli ist höchst verzweifelt.

Verfehlte Spekulation des Dreiverbandes.

Nach einer Konstantinopeler Depesche derFrkf. Ztg." wird aus Athen und Sofia und auch aus Bukarest gemeldet, daß die dortige Stimmungsmache der Entente­mächte bezüglich des angeblichen Sieges auf der Halb­insel Gallipoli nicht verfangen hat. Man gewann dort die Ueberzeugung, daß die zweite, mit allen Hilfsmit­teln unterenommene Aktion der Ententemächte gegen die Dardanellen, die nunmehr schon zehn Tage währt, sich als schweres Fiasko darstellt. Würde nicht eine mächtige Flotte die Spitze von Sednl Bahr unter Feuer halten, so wäre auch auf der europäischen Seite kein Feind mehr. Aber auch bei Sedul Bahr wird das vom Feind besetzte Gelände immer geringer unö unhaltbarer. Ein neuerdings unternommener Angriff brächte den Engländern abermals schwere Verluste. Die eingetre­tenen großen Lücken ihres Landungskorps vermochten die Engländer bisher nicht auszufüllen.

Die italienische Krisis.

Gespannt, aber nicht aussichtslos nennt dieKöln. Ztg." die Lage. In einem Berliner Telegramm meldet sie: Der Stand der italienisch-österreichischen Frage ist auch heute unverändert, das hertzt, es dauert eine ge­spannte Lage an, ohne daß man genötigt wäre, sie als aussichtslos zu bezeichnen. Sache der nächsten Tage wird es wohl sein, Klarheit darüber zu schaffen, daß die bis­her nicht unterbrochenen, aber kritisch gewordenen Ver­handlungen wieder in eine ruhigere Bahn einlenken.

Ein italienischer Politiker berichtet dem Züricher Mitarbeiter derKöln. Ztg.", Italien durchlebt in die­sen Tagen Augenblicke höchster Spannung. In wenigen Stunden kann über Krieg oder Frieden entschieden sein. Es handelt sich jetzt nicht mehr um eine Frage, wie sie der Besitz von Tripolis darstellte, sondern um die Groß­machtstellung Italiens. Die Verhandlungen Italiens mit den Zentralmächten dauern fort, die Aussichten auf ein Zustandekommen der Vereinbarung sind indes nur noch ganz gering. Die Freunde des Friedens sprechen von einem Briefe, den Giolitti an den Senator Giova- nelli schrieb und in dem er erklärte, der Meinung zu sein, Italien dürfe keinen Krieg mit Oesterreich-Ungarn führen. Man glaubt jedoch, daß dieser Brief nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war. Giovanelli erklärte ei­nem Vertreter des Secolo", er könne über den Brief keine nähere Auskunft geben. Viel bemerkt wird, daß nun auch die italienischen Katholiken ernsthaft mit dem Kriege rechnen. DerOsservatore Romano", das Organ des Vatikans, schreibt, jeder Tag stärke die Ueberzeu­gung, daß die letzte Stunde der Entscheidung für Ita­lien nahe. Die Wahrscheinlichkeit des Krieges sei ge­geben, doch dürfe man nicht jede Hoffnung verlieren, da an der Spitze der Regierung Männer ständen, die alles täten, um dem Lande die Schrecken des Krieges zu ersparen. Die klerikale MailänderJtalia" schreibt, die Verhandlungen dauerten noch an, es bestehe wöoch keine große Wahrscheinlichkeit mehr, daß sie Erfolg hätten. Ein Dekret ermächtigt den Post- und Telegra­phenminister, den Telephondienst im örtlichen Verkehr wie in dem zwischen einzelnen Städten auf den Staats­und privaten Linien bis zum 30. Dezember aufzuheben.

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Schrecken des Krieges

Zur Vertagung des italienischen Parlaments um eine Woche sagt das Berliner Tageblatt", dies könne natürlich dahin gedeutet werden, daß die Regierung Zeit zu weiteren Verhandlungen gewinnen wolle. Es dürfe nur nicht verkannt werden, daß das Kabinett Salandra- Sonnino bis zur gegenwärtigen Stunde sich nicht allzu geneigt gezeigt hat, diesen Verhandlungen einen günsti­gen Abschluß im Sinne des Friedens zu geben. Viel­leicht will auch die Regierung das Parlament vor die vollendete Tatsache stellen, um so einen Widerstand ge­gen die Regierungspolitik zu verhindern.

Die Niederlage der Italiener in Libyen.

Das Gefecht, das am 29. April Oberst Miani den Aufständischen bei Kasr bu Hadi, 16 Ktlometer land­einwärts von der großen Syrte lieferte, stellt sich nach den genauen Mitteilungen, die jetzt nach den Berichten von Augenzeugen in den italienischen Matern vorlie­gen, als eine empfindliche Niederlage der Italienerher­aus, die durch den Verrat der arabischen Freischarler während des Kampfes hervorgerufen wurde. DerCor- riere della Sera" (vom 4. und 6.) berichtet darüber in Uebereinstimmung mit derTribuna" nach Berichten von Verwundeten, die auf dem PostdampferLetimbro in Syrakus und weiter in Catania eingetroffen sind. Der Letimbro" hatte 435 Verwundete an Bord darunter 150 Weiße. Aus den Erzählungen ergibt sich das fol­gende Bild:

Am 26. kam die Abteilung Mimus an der Syrte an. Nach zwei Rasttage,i brach die Abteilung, der sich ein Besatzungsbataillon des Syrtengebietes unter Major Maussier und eine weitere Abteilung Artillerie anschloß, ins Innere auf. Am 29. war sie in der Nähe des Auf­ständischenlagers Kasr bu Hadt, als starke feindliche Kräfte gemeldet wurden. Diese wurden aber von der Artillerie verjagt. Die Freitruppen entdeckten darauf das feindliche Lager. Die Zahl der Feinde stellte sich noch größer, als angenommen, Heraus. Um 9 Uhr be- kam man Fühlung mit dem Feinde. Kaum hatte der Kampf begonnen, oa wandten sich die Freitruppen von Taruna, die den linken italienischen Flügel decken soll­ten, gegen die Italiener. Oberst M,au ließein Ba­taillon Bersaglieri gegen sie vorgehen. Aber da gingen auch die Araber vom rechten Flügel über sowohl d e Freitruppen von Mifaurata wie die von Sitten. Die Bersalieri gerieten zwischen zwei Feuer und konnten sich nur mit äußerster Anstrengung aus der Umzinglung zurückziehen. Der Artillerie wurden die sämtlichen Ge­spanne erschossen. Die Geschütze mußten daher beim Rückzüge stehen bleiben. Ebenso wurden die Maschinen­gewehre zurügelassen. Bon, Feinde verfolgt und ständig unter Feuer gehalten, kamen die Beste der Abteilung

Mianis nach einigen Stunden in Sicht der Küste. Dort ließen die Araber von der Verfolgung ab. Die Gesamt- verluste an Toten und Vermißten werden angegeben auf 18 Offiziere und 218 Mann. Dazu 435 nach Sizi­lien übergeführte Verwundete.

Japans Ultimatum.

^ Petersburg, 7. Mai. (WTB.) Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet aus Peking vorn 7. Mai 3 Uhr nachmittags: Japan hat China ein Ultimatum überreicht, das am 9. Mai, 6 Uhr abends abläuft.

Reuter meldet: Wenn China nach Ablauf der im japanischen Ultimatum gestellten Frist die Bedingungen Japans nicht annimmt, wird Gesandter Hioko Peking verlassen. Heer und Flotte haben den Befehl, sich bereit- znhalten, um sich sofort nach dem Platze, der ihnen an­gewiesen wird, begeben zu können.

Japan vervollständigt seine Flotte.

Im Hinblick auf die japanisch-chinesischen Verhand- luitgen ist ein Privatbericht derNeuen Zür. Ztg." aus Petersburg bemerkenswert. Danach arbeitet Japan fie­berhaft am Ausbau seiner Flotte. Schleunigst soll der Bau von drei Dreaönoughts (Ianasiro",Chijuga" undJssi") von 36 000 Tonnen in Jokosuk, Kobe und Nagasaki beendet werden. Der Stapellauf dieser Kriegs­schiffe wird im Herbst erwartet. An das Marine­ministerium ist der in Nagasaki gebaute Panzerkreuzer Kirisima" von 27 500 Tonnen abgeliefert worden.

Gibt China nach?

6-^= Rotterdam, 8. Mai. (T. U.) Reuter meldet aus Peking: Wegen des zu erwartenden Ultimatums hat China gestern abend sich erboten, in die Forderun­gen einzuwilligen. Jnbetreff der anderen Forderungen macht die chinesische Regierung neue Vorschläge.

Kleine Kriegsnachrichten.

«m> Paris, 8. Mai. (WTB.) Der Petit Partsien glaubt zu wissen, daß die Regierung demnächst in der Kammer einen Gesetzesantrag einbringen will, der die Herstellung, den Verkauf und den Transport von Alkohol jeglicher Art verbietet.

»-£ Petersburg, 8. Mai. (WTB.) Die Zahl der Kohlenarbeiter im Dongebiet ist in der letzten Zeit auf 120 000 gegen früher 208 000 gesunken und hat sich bei Beginn der Frühjahrsbestellung noch erheblich vermin­dert, svdatz eine große Krise eiuzutreten droht.

Küegsallerlei.

Festung und Kriegshafen Libau.

Ueber Libau, vor dessen Mauern unsere Vortruppen nach unserm Generalstabsbericht bereits angelangt fhtö, wird der KorrespondenzHeer ud Politik" geschrieben: Schon bei der Darstellung des Kriegsschauplatzes Libau- Dünaburg wurde auf die Bedeutung, welche die Bahn Libau-Dünaburg hat, verwiesen. Die Stadt, die als Kriegshafen nicht große Bedeutung hat, liegt auf einer schmalen sandigen Nehrung zwischen der Ostsee und dem Libauischen See. Libau kommt mehr und mehr als Han­delshafen in Betracht, da er während der größten Zeit des Jahres eisfrei ist. Eine Vereisung, die eine Schiff- fahrt unmöglich macht, wie bei den meisten anderen rus­sischen Häfen, ist hier überhaupt nie zu befürchteu. Der Platz ist ein wichtiger Ausfuhrhafen für die Erzeugnisse Kurlands und als Hauptartikel kommen hierfür Ge­treide, Erbsen, Hanf, Flachs und Holz in Betracht. Der große und umfangreiche Holzhandel der russischen Ostsee- provinzen hat hier einen großen Teil seiner Ausfuhr. Ist Libau auch nicht mehr als erstklassiger Kriegshafen anzusehen, so hat es doch starke Befestigungen, sowohl gegen die Seeseite wie gegen die Landseite aufzuweisen. Die B^^mungeu von Libau sind hauptsächlich zum Schutze der mannigfachen Schiffbauanlagen, die hier vor­handen sind, gewidmet. Libau war schon oft Zeuge ge­schichtlicher Vorgänge, besonders aus jüngster Zeit sind noch eine Reihe von Kriegsschiffsbesuchen in frischer Er­innerung, zumal diese Besuche mit dem heutgen Kriege in engstem Zusammenhang stehen.

Die englische Briefsperre vor Kriegsausbruch.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Dieser Tage sind in Deutschland Briefe eingetroffen, die in Hongkong in der zweiten Hälfte des Juli, also er­heblich lange vor dem Kriegsausbruch aufgegeben wor­den sind. Die englische Pvstbehörde in Hongkong hielt diese Briefe zurück, anstatt sie ordnungsmäßig über Si­birien zn leiten. Später fhtö dann die Briefe nach Lon­don zur Zensur gesandt, geöffnet unö wieder verschlos­sen nach Schanghai geschickt worden. Von dort kamen sie auf einem besonderen Wege nach Dentschland. Es geht aus diesem Tatbestand klar hervor, daß man in Hongkong bereits in der zweiten Halste Juli mit einem Kriege Englands gegen Deutschland rechnete und daß die dortige englische Postbehörde bereits entsprechende Weisungen aus London erhalten hatte. So kommen im­mer neue Beweisstücke dafür zusammen, daß England den Krieg erwartete und in ihn eurzugreifen entschlossen war. Immer aufs nette erweist sich die Verteidigung der belgischen Neutralität nur als heuchlerischer Bor­wand.

Einstellung der verstärkten Schweineschlachtuugen.

Die abschließenden Ergebnisse der Schweinezählung vom 15. April 1915 liegen zwar noch nicht in allen Ein­zelheiten vor. Das Gesamtbild rechtfertigt jedoch, wie aus Berlin geschrieben wird, die Annahme, daß die Ge­fahr der Verfütterung der zllr menschlichen Ernährung geeigneten Kartoffeln durch die Schweine im wesentlichen behoben oder auch erheblich herabgemindert ist. Damit dürfte das Ziel der Maßnahmen, die die vermehrte Ab- schlachtung von Schweinen zum Gegenstand haben, als erreicht betrachtet werden können. Unter diesen Um­ständen steht das alsbaldige Außerkraftsetzen der Buu- oesraksverorönung zu erwarten, durch die den Gemein­den mit mehr als 5000 Einwohnern die Verpflichtung zum Ankauf und zur Verarbeitung von Schweinen auf- erlegt ist. Die Ausschaltung dieser Zwangsankäufe wird hoffentlich dazu beitragen, die außerordentlich gestiege­nen Fleischpreise auf ein den Zeitverhaltttissen tatsäch­lich entsprechendes Maß herabzudrücken.

Englische Kriegsauszeichuuugen.

Man hat nicht mit Unrecht gegen die Engländer den Borwurf erhoben, daß die Zahl der mit dem Viktoria- Kreuz, der höchsten kriegerischen Auszeichnung, ge­schmückten Offiziere m gar keinem Verhältnis zu den Mannschaften steht, die dieselbe Auszeichnung erhielten. Nur in ganz vereinzelten Fallen wird einem Gemeinen dieser Kriegsorden verliehen. Der gewöhnliche Soldat war ja hier stets nur ein geworbener Söldner, der seinen Lohn erhielt und auf Ehren keinen Anspruch hatte. Des­halb herrschte bis in die neueste Zeit bei der englischen Armee die Sitte, daß nur höhere Offiziere mit Ehren­zeichen versehen werden sollten. Seltene Ausnahmen, ht denen von dieser Anschauung abgegangeu wurde, be­stätigen die Regel. Als Napoleon an Bord desBelle- rovlwW kam, wurde er von einer Abteilung Marine- Maten empfangen, die in Reih und Glied standen. Er schritt mit aufmerksam prüfenden Blicken an ihnen

entlang, lobte ihr kriegerisches Aussehen und äußerti dann feine Verwunderung darüber, daß diese augen­scheinlich alten Soldaten noch nie im Feuer gewesen feien. Der Kapitän erwiderte, daß dies durchaus Nicht der Fall sei, sondern daß sich viele von ihnen schon in Schlachten ausgezeichnet hätten.Was!" rief da Napo- Icon,und keiner von ihnen hat ein Verdienstzeichen?" Man setzte ihm auseinander, daß Orden nur an die Offiziere der höchsten Ränge verliehen würden, wo­rauf er kopfschüttelnd erwiderte:Das ist nicht der rechte Weg, um kriegerische Tugenden zu pflegen und zu stei­gern." Die englischen Offiziere aber empfanden es doch als eine Ungerechtigkeit, daß ihre Soldaten keine Aus­zeichnungen erhielten, und so ist es denn vielfach vor­gekommen, daß britische Offiziere aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten Orden anfertigen ließen, die sie an ihre Mannschaften verliehen. Der Oberst eines Re­giments gab einem Soldaten für tapferes Verhalten, für lange Dienste oder sonstige gute Führuug aus eige­ner Machtvollkommenheit einen von ihm gekauften Orden.

Vermischtes«

Großfeuer im Hafen von Venedig. Die großen La­gerhäuser der bekannten Speditionsfirma GondranS Fratelli in Venedig gerieten am Donnerstag nachmittag in Brand. Infolge der wegen Exportverbotes erfolgten Anhäufung großer Massen von Schwefel, Baumwoll- ballen und Felle nahm das Feuer ungeheure Dimension an. 200 Soldaten und zahlreiche Carabieneri helfen, die anliegerrden Gebäude, die sich in unmittelbarer Feuers­gefahr befinden, auszuräumen. Ein in der Nähe ver­ankertes Segelschiff, auf dem sich einige Säcke Schwefel durch die ausstrahleude Hitze selbst entzündete, mußte, da die Löscharbeit unmöglich, versenkt werden. Der Scha­den ist ungeheuer groß.

Englische kriegssührung im Sunden Afrika.

Mit welchen energischen Mitteln die Engländer gegen die aufständischen Eingeborenen vorgehen, schildert der Brief eines britischen Soldaten aus Blantyre, daß nur durch dies scharfe Vorgehen die Verbreitung des Aufstandes über das ganze Land verhindert werden konnte, und die Missetaten der Eingeborenen werden dick unterstrichen, um die radikale Art ihrer Bestrafung zu rechtfertigen.Scheinbar war die einheimische Be­völkerung in der Nacht in das afrikanische Wafsenlager eingebrochen und hatte alle Kanonen und Gewehre, die sie finden konnte, gestohlen. Sie gruben eine Höhle unter dem Munitionslager und legten außer den Gewehr­patronen 700 Stück Munition hinein. Sie beschossen das Haus des Lagervorstehers, und nur durch einen glücklichen Zufall wurde er selbst gerettet, während sein Wächter den Tod fand. Das war gegen 3 Uhr morgens. Am Sonntag mittag, als wir auf Patrouille waren, hör­ten wir, daß die tierische Bande Magaro ausgeraubt, drei Männer getötet und einen schwer verwundet hatte. Ei­nem dieser toten Burschen schnitten sie den Kopf ab und steckten ihn auf einen Speer. Das war nun ihr Amulett und wurde immer vorangetragen, bis wir es ihnen ent­rissen. Außerdem schleppten sie 4 Frauen und 5 Kinder mit. Ihr könnt Euch unser Entsetzen vorstellen! Wir versammelten alle Frauen und Kinder, und die Mäyner patrouillierten die ganze Nacht im Ort. Ich tat ununter­brochen 36 Stunden Dienst. Am Montag kam ich mit einigen anderen an einen Ort namens Chiradzulu, in dem wir das Versteck der Rebellen richtig vermutet hat­ten. Die verschleppten Frauen und Kinder konnten wir glücklicherweise unversehrt wieder mitnehmen. Am Dienstag wollten wir die Einheimischen in dem Dorf der Rädelsfübrer angreifen. Bei Tagesanbruch mar­schierten wir, 30 weiße Männer und 100 einheimische Po­lizisten, zu diesem Dorf hin. Das war eine aufregende Sache, da wir jede Minute gewärtig sein mußten, in einen Hinterhalt zu geraten. Wir durchwateten meh­rere Flüsse, und nach etwa vier Stunden gingen wir, durch Büsche gedeckt, gerade auf den Ort zu. Als wir nur noch etwa 800 Meter von der Kirche des Ortes entfernt waren, meldete unser Vorposten, daß sich die Bande in Büschen gerade vor uns versteckt hatte. Wir stellten etwa auf 100 Meter ein, und dann sandten wir ihnen Salve. Sie erwiderten das Feuer und flohen dann zur Kirche. Als wir aus dem Walddickicht kamen, hatten wir noch einen freien Platz zu überschreiten, und es war unser Glück, daß die Rebellen sich zurückgezogen hatten, da sie wohl sonst viele von uns kampfunfähig gemacht hätten. Dann erhielten wir den Befehl, wieder zu schießen, und zu gleicher Zeit feuerten sie aus der Kirche wie wild auf uns los. Einer beschoß und sogar vorn Kirchturm aus. Da erblickte ich zwei, die entschlüpfen wollten. Ich war zufällig zu dieser Zeit allein auf dem linken Flügel und schoß einen von den beiden nieder. Als wir nach einiger Mühe in die Kirche stürzten, waren alle geflohen. Un­sere Enttäuschung könnt Ihr Euch wohl vorstellen. Wir zerstörten alles im Dorf, verbrannten jedes Haus, unö später sprengten wir die Kirche in die Luft. Wir Hatten im galizen etwa 800 Gefangene, von denen ein Teil er­schossen oder gehenkt wurde . . ."

Weitere Drahtnachrichten.

Der Kaiser bei den Verwundeten.

^ Berlin, 8. Mai. (WTB.) Das Kaiserpaar be­reitete gestern durch feinen Besuch im Reservelazarett des Orangeriegebäudes zu Potsdam den dort unterge- brachten Verwundeten eine Ueberraschung. Der Küster unterhielt sich mit den Verwundeten und ließ sich von ih- nell über ihre Kriegserlebnisse berichten. Zum Andeken an diesen Besuch wurde am Abend jedem Verwundeten ein Taschennotizbuch mit dem Bildnis des Kronprinzen, dessen Geburtstag die Verwundeten feierlich begangen hatten, und ein blanker Taler überreicht.

König Alberts Aufenthalt ««bekannt.

w> Berlin, 9. Mai. (WTB.) DerTägl. Runösch." zufolge melden holländische Blätter: An der Aserfront herrscht fortgesetzt ein äntzerst starker Druck der deutschen Linie. Viele Dörfer verschwinden vom Erdboden. König Albert ist seit 14 Tagen nicht mehr an der Front. Sein Aufenthalt ist unbekannt.

Die Frage der Kriegsgefangenenbehandlnug im Unterhause.

»s^ London, 8. Mai. (WTB.) In der gestrigen Unterhausdebatte über die Behandlung englischer Kriegsgefangener in der Einzelhaft legte Asquith dar, welche Schritte die Regierung getan habe. Bonar Law tadelte die abgesonderte Behandlung der Unterseeboot« gefangenen und meinte, die Regierung könne ohne Ver­lust ihres Presttges und der nationalen Würde diese Politik rückgängig machen. Primrose erklärte, die Ad­miralität beabsichtige nicht, die Unterseebootsgefangenen dauernd im Marinegefängllis zu behalten. Sie würden dort nur bleiben, bis ein anderer Platz gefunden sei, wo ihre Trennung von anderen Kriegsgefangenen fort­gesetzt werden könnte.