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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- f k

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei 5)^19100^1 Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle 10 Pfennig, im MulSUlwU amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Nr. 108.

Sonntag, den 9. Mai

1915

. Amtlichn Stil.

bandsturmmusferung II. Aufgebots.

Zur Musterung und Aushebung der unausgebildeten Candfturmpflichtigen des II. Hufgebots im Kreise Hers- seld sind folgende Termine bestimmt worden:

Am Montag, den 10. Mai d. Js. von morgens V28 Uhr ab

Musterung und Hushebung der unausgebildeten Eand- sturmpflichtigen zweiten Hufgebots, der Jahrgänge 1869, 1870, 1871 und 1872 aus der Stadt Hersfeld sowie aus sämtlichen Gemeinden unb Gutsbezirken des Kreises.

Am Dienstag, den 11. Mai d. Is. von morgens V28 Uhr ab desgleichen der Mannschaften aus den Jahrgängen 1873, 1874 unä 1875.

Am Mittwoch, den 12. Mai d. Is. von morgens V28 llhr ab

Musterung und Hushebung der wegen zeitiger (ln- tauglichkeit vorläufig zurückgestellten Militärpflich­tigen der Jahrgänge 1893,1894 und 1895, ferner

Unsere D Helden.

Mit demEisernen Kreuz" ausgezeichnet wurden: Unteroffizier d. R. Wunscher. Unter­offizier d. L. Konrad Bock, Hersfeld. Gefreiter Schütrumpf, Kathus, unter gleichzeitiger Beförderung zum Unteroffizier. Unteroffizier Adam Eckhardt, Goßmannsrode. Gefreiter d. R. Johannes Eichen- nauer, Völkershausen. Dr. med. Otto Triebestein, Bebra und den bayerischen Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern. Wehrmann Adam, Kirchheim.

Auf dem Felde der Ehre fielen: Res. Heinrich Walper, Glaam. Res. Ludwig Kehl, Goßmannsrode. Landwehr-Gefreiter Wilhelm Brecht, Oberbreitz­bach. Musketier Christian Glebe, Asbach. Mus­ketier Johann Philipp Sand, Rotenburg. Gefreiter Johann Paul, Willingshain. Walther Otto, Bleiche­rode. Ersatz.-Res. Adam Klee, Wüstfeld. Res. Valentin Schabel, Heimbolöshausen. Wehrmann Adam Ekhardt, Meckbach. Wilhelm Petter, Hünfeld.

Kriegsf. Heinrich Schmidt, Friedewald. Gefreiter Gustav Willhardt, Hersfeld. Gefreiter Ferdinand Limmeroth, Mecklar. Unteroffizier George Strek, Oberstoppel. Gefreiter Johannes Schienbein, Niederaula.

Bus der Heimat«

* (Kampf den Unkräutern. Die Regierung in Wiesbaden macht darauf aufmerksam, daß in Feldern und Wiesen der Löwenzahn, auch Kettenblume und Eierbusch genannt, überhand genommen habe und den Ertrag der Wiesen und Kleefelder stark beeinträchtige. Da es besonders in diesem Jahre darauf ankomme, alle angebauten Flächen zu vollem Ertrage zu bringen, so sei die planmäßige Bekämpfung dieses Unkrauts wünschenswert. Durch einfaches Ausstechen mit einem Küchenmesser soll die Ausrottung erfolgen. Da sich die ausgestochenen Pflanzen zur Verfütterung an Rindvieh, Ziegen, Schafe und Kaninchen eignen, so bilden sie in den kommenden Wochen eine wertvolle Ergänzung des Futters. Da der Löwenzahn eben blüht, so ist seine Bekämpfung sofort vorzunehmen, nm der Samenbildung vorzubeugen, die in großer Menge erfolgt und wegen ihrer Flugvorrichtung durch den Wind weiteste Verbreitung findet.

* (Versichert gegen Hagelschaden!) Ge­rade in dieser Zeit ist es angebracht, daß die landwirt­schaftliche Bevölkerung sich daran erinnert, die Hagel­versicherung ja nicht zu unterlassen.

Heimboldshausen, 6. Mai. Von der Außenarbeit haben sich heute2 der hier beschäftigteu kriegsgefangenen Russen entfernt. Weit werden sie wohl nicht kommen und bald wieder an ihren Arbeitsort geliefert werden.

Eisenach, 7. Mai. Nicht lange der Freiheit er­freuen konnte sich der vor einigen Tagen aus dem Zuchthaus in Untermaßfeld, wo er wegen Meineids eine längere Strafe zu verbüßen hat, entflohene frühere Eisenacher Schutzmann Käsemann. In

der zur Verfügung der Ersatz-Behörden entlassenen Mann­schaften, die noch keine endgültige Entscheidung erhalten haben und Nachmusterung der unausgebildeten Land­sturmpflichtigen des ersten Hufgebots, soweit diese von dem Bezirks-Kommando Gestellungsbefehl erhalten haben und Untersuchung von kranken Reservisten, Wehr­leuten, Ersatz-Reservisten und gedienten dienstuntauglichen Landsturmleuten, und zwar aus der Stadt hersfeld sowie ebenfalls aus sämtlichen Gemeinden und Guts­bezirken des Kreises.

Die Musterung findet zu Hersfeld, in der neuen Turnhalle (August-Gottlieb-Straße) statt.

Die Militärpapiere und etwaige sonstige Papiere über die von den Ersatzbehörden erhaltenen Entschei­dungen sind mitzubringen.

Die Herren Ortsvorsteher des Kreises werden hier­mit angewiesen, Vorstehendes alsbald und wiederholt auf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen und dafür zu sorgen, daß sämtliche Gestellungspflichtige pünktlich zu den bestimmten Terminen erscheinen. Etwa fehlende Personen sind mir sofort namhaft zu machen. Die Herren Ortsvorsteher haben zu den Terminen eben­falls zu erscheinen und so lange zur Stelle zu sein, bis sämtliche Mannschaften ihrer Gemeinde gemustert sind. Im Falle einer Verhinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters Sorge zu tragen.

Hersfeld, den 5. Mai 1915.

I. M. Nr. 2964. Der Landrat.

I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Affeffor.

Hersfeld, den 8. Mai 1915.

Um den Landsturmpflichtigen und sonstigen Militär­pflichtigen aus den an der Hersfelder Kreisbahn gelegenen

Wasungen ist er bereits festgenommen und ins Zucht­haus wieder eingeliefert worden.

Erfurt, 7. Mai. In dem hinter der Gewehr- fabrik vorbeifließenden Wasser wurde gestern mittag ein Paket gefunden, in dem sich zwei menschliche Oberschenkel befanden. Anscheinend handelt es sich bei dem Fund um Teile der Leiche, von der vor einiger Zeit der Rumpf aus der Gera gezogen wurde. Das schwere Verbrechen, das hinter dieser Angelegen­heit steckt, ist noch in keiner Weise aufgeklärt.

Witzenhausen a. W., 7. Mai. Die Burgruine Ludwigstein ist letzthin von unbekannten Tätern in roher Weise beschädigt worden. Es ist tief bedauer­lich, daß sinnlose Zerstörungslust vor einem Bau­werk, das als Denkmal aus vergangenen Zeiten der Gegend zur Zierde gereicht, nicht halt macht. Der Landrat erläßt eine öffentliche Warnung, indem er auf die strenge Bestrafung eines solchen Vandalismus verweist.

Fulda, 6. Mai. Am heutigen Viehmarkt betrug der Auftrieb 769 Tiere. Es wurden gezählt 95 Ochsen, 105 Stiere, 2 Bullen, 371 Kühe, 134 Rinder, 59 Kälber, 3 Pferde. Es kosteten Ochsen 1200 bis 1500 Mk., Stiere 700 bis 1020 Mk. das Paar, Kühe das Stück 270 bis 550 Mk., Rinder 250 bis 500 Mk. Der Nährzustand des Vieheswar gut, öerHaudellebhaft bei hohen Preisen. Nächster Markt am 10. Juni.

Gelnhausen, 6. Mai. Die hier im Verlage von Oskar Wetting täglich erscheinende Gelnhäuser Zeitung (Kinzigbore) hat sich infolge der jetzt für das Zeitungsgewerbe eingetretenen ungünstigen Verhält­nisse genötigt gesehen, ihr Erscheinen bis auf weiteres einzustellen.

Bad Orb, 6. Mai. Für die Schulkinder unserer Stadt soll die Schulzahnpflege eingeführt werden. Die Beteiligung der Schulkinder ist als eine frei­willige gedacht, die Kinder unbemittelter Eltern er­halten auf städtische Kosten völlig kostenfreie Be­handlung.

Wiesbaden, 7. Mai. Der 26 Jahre alte ledige Fabrikarbeiter Adolf Graf aus Ried, der in der Nacht vom 6. auf 7. Februar d. J. seine Geliebte, die Ehe­frau Elisabeth Berlinghof aus Höchst a. M., im Niederwald bei Griesheim a. M. auf deren ausdrück­lichen Wunsch getötet hatte, wurde von der hiesigen Strafkammer zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der grobe Sieg am ersten Sonntag im Mai.

Tatsachen sprechen eindringlicher als Worte. Diese alte Erfahrung wird den vergesslichen Völkern des Erdballs wieder einmal durch den großen Sieg zwischen den Karpathen und der Mündung des Dunaiee in die Weichsel zur Kenntnisnahme und Beherzigung be­stätigt und eingeprägt. Im Mai sollte ja der Krieg nach Kitchcuers Prophezeihungen erst eigentlich und wirklich beginnen, selbstverständlich mit englischen, französischen, russischen Stegen. Aber mit den Prophe­zeihungen des erbarmungslosen Siegers von Undur-

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Ortschaften die am Montag, Dienstag und Mittwoch kommender Woche zur Musterung und Aushebung zu erscheinen haben, Gelegenheit zu geben, den Frühzug der Hersfelder Kreisbahn zu benutzen, wird diesen ge­stattet, anstatt morgens um V28 Uhr erst um 8,10 Uhr im Musterungslokal zu erscheinen.

Die beteiligten Herren Ortsvorstände des Kreises weise ich an, Vorstehendes sofort auf ortsübliche Weise bekannt zu machen zu lassen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses

J. A. No. 4745. I. V.

v. Heedemann, Reg.-Affeffor.

Hersfeld, den 6. Mai 1915.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister derjenigen Ge­meinden, die im Jahre 1913 über 150% Umlagen erhoben haben, mir bestimmt bis zum 25. d. Mts. anzuzeigen, ob die dortigen Einwohner im Jahre 1913 von der Ge­meinde zu Hand- und Spanndiensten herangezogen worden sind. Gegebenenfalls ist anzugeben, für welche Zwecke die Dienste geleistet wurden und

a) wieviel Handdienste

b) wieviel Spanndienste tatsächlich geleistet worden sind.

Nicht zu berücksichtigen sind solche Hand- und Spann­dienste, für welche der Bezirksverband aus Landwege­baufonds Entschädigung gewährt hat. (§ 56 des Regle­ments vom 27. Mai 1914 Amtsblatt Seite 130/31).

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. Nr. 3843. I. V.:

v. Hedemann, Reg.-Affeffor.

(Fortsetzung auf der vierten Seite.)

man steht es fast noch schlimmer wie mit seinen Werbungen für das Dreimillionenheer. Die Prophe­zeihungen und die Werbungen des Erfinders der südafrikanischen Fieberlager stellen die ärgste Selbst­täuschung und Großsprecherei dar, die die Weltgeschichte je erlebt hat; denn die deutschen Erfolge in Flandern und die türkischen an den Dardanellen, die Abwehr­erfolge der Verbündeten in den Karpathen und der große Sieg Mackensens im Beisein Erzherzogs Fried­richs strafen denMann ohne Lachen" in fühlbarster Weise Lügen. Zu seinem Troste befindet er sich als schlechter Prophet in guter Gesellschaft. Ebenso wie er nehmen seine Waffenbrüder, ob sie nun Joffre oder French, Nicolajervitsch oder Limpus heißen, den Mund gewaltig voll, schon wenn sie ihre Pläne eben erst gefaßt und ihre Unternehmungen eben erst anbefohlen haben. König Georg beglückwünschte sogar die völlig geschlagene Armee und Flotte zu ihrenDardanellen- siegen", denn der Ruhm des Zaren Nicolaus und des Präsidenten Poincarö, die schon oft Orden als Pflästerchen auf tiefe Niederlagenwunden legten, ließ ihm keine ruhige Stunde. Wie wohltuend berührt doch demgegenüber der Gegensatz, in welchem sich die Oberste Heeresleitung der Deutschen und ihrer Ver­bündeten zu jenen mit Vorschußlorleeren sich selber krönenden Worthelden steht. Vor der Tat still und stumm, verschwiegen wie das Grab,' nach dem Siege bescheiden und zurückhaltend, damit ja die Wahrheit nicht leide. Fast zwei Wochen hindurch gab der Ober­befehlshaber im Osten nur die ständige wortarme Meldung Tag für Tag heraus, daß die Lage unver­ändert sei, und jetzt kam überraschend und erfreuend der Einmarsch nach Kurland, der Erfolg bei Szawle, das Vordringen bis vor Mitau und der Sieg am Duuajec am ersten Sonntag des Mai.

Was hätten wohl die Dreiverbändler gemeldet, wenn sie einen solchen Sieg Hütten erringen können ! Wenn sie sich schon so wortreich ihrer Erfolge bei Niederlagen zu rühmen wissen, was würden sie erst in die Welt und in die neutralen Länder hinaus- posannen, wenn ein Sieg ihre Fahnen gekrönt hätte. Die deutsche Meldung macht wenig Worte, aber diese wenigen Worte wiegen schwerer als Gold. Die ganze russische Front in Westgalizien, die fast einhundert Kilometer breit war, ist eingedrückt und an zahl­reichen Stellen durchstoßen worden. Die Heeresteile des Feindes, die entkommen konnten, befinden sich im schleunigsten Rückzüge, scharf verfolgt von den verbündeten Truppen, die Trophäen des Sieges aber sind noch nicht annähernd zu übersehen. Mit anderen Worten: ein großer Sieg, der den größten Teil der gegenüberstehenden feindlichen Armee vernichtet oder gefangen hat, ein Sieg, wie die größten Siege in Ost­preußen und in Polen. Große Freude geht durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Jeder hat das Gefühl, nun wird die Partie nicht mehr unentschieden ausgehen, nun wird der Krieg in Ost und West von denen gewonnen werden, denen die Beschützer von Fürstenmördern im Bunde mit rachsüchtigen Feinden und neidischen Konkurrenten den Kampf aufgezwungen haben. Im Mai begann der kommende endgültige Sieg der gerechten Sache.