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Volkes, knapper und zusehends teurer werden. Es steht jetzt fest, daß seit Kriegsausbruch weit über Hundert eng­lische Fischereidampfer, deren Wert durchschnittlich 800 000 Mark beträgt, durch Minen, Torpedos und Un­terseeboote vernichtet worden sind. Es liegt also eine Flotte im Werte von über 80 Millionen auf dem Mee­resboden. Dies ist jedoch nur der unmittelbare Schaden, während die mittelbare volkswirtschaftliche nachteilige Wirkung durch Verhinderung des Fischereigewerbes. Verteuerung dieses Volksnahrungsmittels und entspre­chende Verteuerung anderer Volksnahrungsmittel durch deren gesteigerten Verbrauch auf denzwet- bis dreifachen Betrag geschätzt werden muß. Nachdem in der Vor­woche sieben englische Fischereidampfer verloren gegan­gen sind, hat jetzt die Vernichtung von 15 weiteren seit letzten Sonntag unverkennbar ernsteste Besorgnis unter den Schiffseigentümern erweckt. Die Versicherungs­prämien für Fischereidampfer erfuhren eine fabelhafte Steigerung. Obgleich die Bemannung der vernichteten Schiffe im allgemeiner! die gute Behandlung durch die Deutschen rühmt, ist eine Abwanderung der Matrosen von Fischereidampfern festzustellen. In Hüll liegen fünf Dampfer, die infolge Mannschaftsmangels seit einer Woche nicht ausfahren können.

Fortdauer der Verhandlungen in Mom.

Ein T. U.-Telegramm aus Rom vom 6. Mai meldet uns: Auch heute vormittag fand eine Plenarsitzung des Ministerrates statt, über deren Verlauf, wie stets, das allergrößte Stillschweigen bewahrt wird. Alle Gerüchte über einen Abbruch der Verhandlungen, über ein Ulti­matum rc. erweisen sich als unbegründet. Hiesige poli­tische Kreise glauben nicht, daß Italien bereits irgend welche bindenden Verpflichtungen dem Dreiverband gegenüber eingegangen ist, sondern halten die Fort­setzung der Verhandlungen durch die italienische Regie- rüng für den Ausdruck ihres durchaus ehrlichen Be­mühens, einen Ausweg aus der Situation zu finden. In deutsch-freundlichen Kreisen betrachtet man den Um­stand, daß der kritische 5. Mai vorübergegangen ist, ohne die Entscheidung zu Bringen, als ein günstiges Anzeichen, schon in Anbetracht der Enttäuschung, die das andauernde zurückhaltende Schweigen der Regierung bei den Inter­ventionisten verursacht. Es kann natürlich von einer Entspannung nicht die Rede sein, doch hat sich die Si­tuation zum welligsten nicht verschlechtert. Keinerlei positive Gründe sind vorhanden, völlig an der schließ- lichen friedlichen Auflösung der Gegensätze zu verzwei­feln. Auch die Sprache der Blätter ist um eine Schat­tierung gemäßigter. Im allgemeinen neigt die Presse zur Ansicht, daß auch die nächsten Tage noct) keine Aen­derung bringen werden, und daß die Entscheidung noch einige Zeit auf sich warten lassen wird.

Weitere Telegramme znr Lage.

'65* Basel, 7. Mai. (T. u.) DieBasler Nachrich- ten" geben nach demB. L.-A." folgenden Ausspruch einer gut informierten italienischen Persönlichkeit wie­der: Ich bin überzeugt, daß wir keinen Krieg führen werden. Wenn wir jedoch dazu gezwungen werden iol(= ten, fo werden alle ohne Ausnahme mitmacheu. Wer etwa daran zweifelt, der kennt das italienische Volk nicht. Aber ich wiederhole es, ich habe die unbedingte Zuversicht, daß wir keinen Krieg anfangen werden, mit "^E^Zürich, 7. Mai. (T. U) Der gestrigeBerner Bund" bringt nach derBl. Mp." ein für die Lage äußerst charakteristisches Privattelegramm aus Genua: Die Garibaldi-Feier hielt sich so sehr im Rahmen des offiziellen Programms, daß nur die lauten Kundgebun­gen für D'Annunzio besonders hervortraten. Mau sprach viel von den Ereignissen in Westgalizien und in den Karpathen und man glaubt, die Eröffnung der Kammer werde verschoben werden. Offensichtlich stan- den die Teilnehmer an der Feier vielfach unter dem Eindruck jener Ereignisse.

D'Annnnzio als Kriegshetzer.

05* Turin, 7. Mai. ' (T. U.) Als gestern Gabriele D'Annnnzio auf seiner Rückreise von Quarto den Bahn­hof Turin passierte, hielt er an die auf dem Bahnhof an­wesende Menge nach derBl. Mp." eine Ansprache, in der er sagte, daß er bedauern wurde, wenn Italien auf den nationalen Krieg verzichten sollte. Die Annahme, daß der König wegen des Inhalts seiner Rede an der Feier nicht tetigenommen habe, suchte er zuruckzuweisen mit dem Hinweis darauf, daß die Regierung in Rom von dem Inhalt seiner Rede Kenntnis genommen und sie genehmigt habe.

Berliner Blätterstimmen zur Haltung Italiens.

Für Haltung Italiens sagt dasBerliner Tage­blatt": Man findet alle eigentlichen Republikaner, die in der Bekämpfung des Königstums von jeher ihre Hauptaufgabe gefehen haben, an der Spitzender Kriegs- aaitation. Die Sozialdemokratie, die neben der Verwirk­lichung der republikanischen Idee noch andere Ziele ver­folgt, ist in ihren offiziellen Gruppen gegen den Krieg; die Wenigen, die den Krieg.erstreben, erhoffen unver­kennbar von einer Kriegszeit mit ihren Wirren den Sturz des Königstums. In derKrenzzeitung" heißt es: Man sollte meinen, daß, wenn Italien der Sprache der Diplomatie nicht mehr Gehör schenken will, es doch verstehen sollte, was die Waffen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns eben wieder am Dunajec und an der Wislvka reden und welche Enttäuschung England und Frankreich wieder an der Daröanellenstraße erlebt haben. Wir werden es jedenfalls mit Ruhe aufnehmen und entschlossen abwarten, ob Italien m der Schichal^- stlinde dem Gebote der Vernunft folgt. Deutschland und seine Verbündeteil sind nach neunmonatiger Kriegvzeit stark genug, um jedem Entschluß, der in Rom gefaßt wird, gewachsen zu sein.

Der Türkenkrieg.

Neue türkische Erfolge.

05* Konstantinopel, 7. Mai. (WTB.) Das Haupt- quartier teilt mit: An den Dardanellen wurde gestern infolge unseres Angriffes gegen den linken Flugeldes . Feindes, der sich bei Ari Bnrnn Befuget, ein Bataillon des Feindes vernichtet und ein Teil seiner sehr stark ausgebanten Berschanznngcn genommen. Mehr als hundert Gewehre und ein Maschinengewehr wurden von uns erbeutet. Ebenso kosteten Nestern abend unsere Operationen gegen Sed ül Bahr f^e Engländer sehr schwere Verluste. Wir nahmen bet dieser Gelegenheit drei weitere Maschinengewehre uni'Zahlreiche' Munition Bis jetzt haben wir im ganzen zehn Maschinengewehre erbettlet. Auf den übrigen Kriegsschanplatzen nichts von Bedeutung.

Neun französische Bataillone vernichtet.

Aus Sofia wird derKöln. Zig." berichtet: Die bieüae französische Gesandtschaft gibt bekannt, daß die kuuaeu erhalten hätten und erbittert angriffen. Die allaemeineßaae sei befriedigend. - Demgegenüber sind Ä «l® SerMIc aus Wau. sinopel angelangt, wonach die gelandeten Truppen,.auf eilten kleinen Raum im Westen und Süden beschrankt Nd und M Vertreibung bevorstehe. Be­

stätigt wird die völlige Vernichtung bis auf den letzten Mann von neun französischen Bataillonen.

Mnselmanische Ueberlänfer der französischen Landungstruppen.

DieAgence Milli" schreibt: Die französischen diplo­matischen Vertreter bei den neutralen Mächten legen fieberhaften Eifer an den Tag, um die Tatsache zu de­mentieren, daß unter den bei Kumkale gelandeten fran­zösischen Truppen, die wir zurückgeschlagen haben, sich mnselmanische Soldaten befunden haben, die zu uns übergegangen sind. Wir nehmen ihnen diesen Ueber- eifer nicht übel, berufen uns aber auf den Generalstab des Generals d'Amade, der die genaue Zahl der musel- manischen Soldaten kennt, die sich unter den gelandeten Abteilungen, besonders im 60. Kolonialinfanterie-Regi- ment, und zwar im 3. Bataillon dieses Regiments, be­fanden, sowie auch die Zahl der in den Verzeichnissen des Generalstabes als verloren eingetragenen musel- manischen Soldaten.

Günstiger Verlauf der Kämpfe im Kaukasus.

6-* Konstantinopel, 7. Mai. (T. U.) Die Kämpfe im Kaukasus nehmen, nach Meldungen aus . Erzerum, weiter einen für die türkischen Waffen günstigen Ver- lauf. Im Laufe der letzten Woche machten die Rnssen unter Aufbietung stärkerer Kräfte täglich heftige An­griffe gegen die Stellung südlich von Artwin. Alle Vor­stöße würden unter bedeutenden Verlusten für den Feind zurückgeschlagen.

Kriegsmaßnahmen Japans.

Tokio, 6. Mai. (WTB.) Das Amtsblatt veröffent­licht einen kaiserlichen Befehl, wodurch auf der Hälv- insel Kwantnug südlich der mandschurischen Bahn der Belagerungszustand und das Gesetz der militärischen Requisitionen in Kraft gesetzt wird.

Wie nach Reuter gemeldet wird, ist das japanische Ultimatum a« China den Mächten gleichzeitig mit der Rechtfertigung des Vorgehens Japans mitgeteilt wor­den. In gutunterrichteten Kreisen verlautet, daß die Regierung mit der Absendung des Ultimatums an China warten will, bis weitere diplomatische Schritte ergebnislos verlaufen sind.

Die Meldung über die Verhängnug des Belage- rnugszustandes auf der Halbinsel Kwantung deutet gleichfalls darauf hin, daß Japan Ernst machen will. (Kwantung, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen südchinesischcn Provinz, ist die amtliche Bezeichnung, für das früher russische Pachtgebiet auf der Halbinsel Liau- tung.) Es ist wohl anzunehmen, daß sich Japan nun mit Gewalt nimmt, was es auf dem Verhandlungswege iticßt bekommt.

Der Krieg in den Kolonien.

Deutsche Offensive gegen Botha?

Nach einer amtlicher Meldung aus Kapstadt haben die Deutschen in einer Stärke von 700 Mann und mit 12 Geschützen am 26. April eine feindliche Stellung bei Treckopje, fünfzig Kilometer nordöstlich von Swakop- mnnd, angegriffen. Die Meldung, die ausfallender­weise zuerst durch den PariserFigaro" in Europa be­kanntgegeben wird und die englischen Verluste vollstän­dig verschweigt, zeigt deutlich, daß die von Swakopmund aus vordriugenden Truppen Bothas bisher nicht über den das Landinnere schützenden Wüstengürtel längs der Küste hinausgekommen sind. Treckopje ist Bahnstation an der von Swakopmund nach Winöhuk führenden Bahnlinie.

Kleine Kriegsnachrichten.

05* Paris, 7. Mai. (WTB.) DerEclair", der seit zwei Tagen verboten war, ist gestern wieder erschienen, jedoch ist der ganze Leitartikel von der Zensur gestrichen.

Paris, 7. Mai. (WTB.) Wie das BlattIn­formation" aus Neuyork meldet, wurde die Ausfahrt des DampfersMagentic" der White Star-Linie nach England ans ««bekanntem Grunde anfgeschoben. Am Sonnabend verläßt kein Dampfer Neuyork nach Eng­land.

6-* Paris, 7. Mai. (WTB.) Wie derTemps" aus Petersburg meldet, wurden vierzig Orte, die deut­sche Namen trugen, von den Behörden nmaetauft, des­gleichen im Bezirk Cherson und in den benachbarten Bezirken 22 Ortschaften.

Krleasallerlei.

Zum Bevölkerungsrückgang in Frankreich schreibt Heros in derGuerre sociale" u. a.: Neben uns, in Deutschland, füllt neuer Saft Stadt und Laud, bei uns verwandeln sich die Lande in Einöden, sogar die Städte vegetieren nur, trotz des Zustromes der Bauern. Als wir zum Gesetz über die dreijährige Dienstzeit die Zu­flucht nahmen, um den Vergleich mit der Friedensstärke des deutsche« Heeres auszubalten, merkten wir nicht, daß uns unsere Vorsicht in der Kindererzeugung teuer zu stehen komme. Heute bezahlen wir diese Vorsicht noch teurer. Aus Treue zu Rußland, der Schutzmacht der slawischen Nationeu des Balkans, sind wir in diesen schrecklichen Krieg verwickelt. Ich frage: hätten wir das Bündnis mit Rußland geschlossen, dessen Gefahr wir kannten, wenn wir eine starke Geburtenziffer hatten, die uns erlaube, Deutschland zu trotzen'? Wird diese Lehre wenigstens nützen?

Der Hilferuf i« der Flaschenpost.

An der Südküste Jütlands bei Stabil wurde vor einigen Tagen eine Flaschenpost angetrieben. Die Unter­suchung ergab, daß sie von Deutschen und Oesterreicheru in einem englischen Hafen ins Meer geworfen war und die Fahrt über die Nordsee bis hierher gemacht hatte. Die Flasche enthielt einen mit Bleistift niedergeschrrebenen Brief, geschrieben zu Southend am 1. Dezember 191t. Schreiber sind zivile deutsche und oiterretdmtfie Unter­tanen, die in England ansässig waren und nach Ausbruch des Krieges interniert wurden. In dem Schreiben heißt es:Wir sind zwei Wochen auf Schiffen festgehalten und haben seitdem nichts von unseren Angehörigen ge­hört. Einige von uns sind 30 bis 40 Jahre mit eng­lischen Frauen verheiratet. Wir haben mit ihnen Kin­der, die wir lieben. Wir sind nicht Soldaten und daher keine Kriegsgefangenen. Gleichwohl wurden wir von der 9(rßeit fortgeschleppt. Unsere englischen Frauen ver­hungern vielleicht. In einigen Orten wurden sie von den Behörden gezwungen, nach anderen Orten uber- zusiedeln, einerlei, ob sie Geld hatten ,oder nicht. Ist das christlich gehandelt'?" Der Brief schließt mit einer ein- dringlichett Bitte, ihn an den amerikanischen Konsul in London zu senden.Seid barmherzig! Haltet den Brief unserer kleinen Kinder wegen nicht zurück! Vergeht nicht, daß auch englische Soldaten in Deutschland gemn- aeit sind!" Der Brief wurde dem amerikanischen Ge­sandten in Kopenhagen übergeben, der erklärte, ihn an die in Betracht kommenden Behörden weiter zu be­

Seid barmherzig! Haltet den Brief inder wegen nicht zurück! Vergeht

fördern.

Die wackere Krcegsmutter.

Man schreibt derFrkf. Zig." aus Königsberg: Kürzlich ward ich zufällig Zeuge einer drolligen Szene, die aber doch für die Anschaunligen in unserm Volke charakteristisch ist. Einer meiner Arbeiter, der seit vier

Monaten und mehr im Felde steht, war mit einem Heft nen Kommando in die Heimat zurückbeordert und stellt« sich nun seelenvergnügt seiner alten Mutter vor. Die war aber angesichts des noch nicht beendeten Krieges von dem unerwarteten Wiedersehen keineswegs erbaut und fuhr ihren Sprößling mit den Worten an:Wat Jung? Du kömmst all turügg und best noch nich dem Ruß toögeschloane? Gliek moakst weöder kehrt!" Ganz kleinlaut geworden, entschuldigte sich nun der wackere Feldgraue vor Muttern, daß er ja nicht aus freien Stücken gekommen sei und bald wieder ausrücken werde diesmal sicher, umden Ruß" lotzuschlagen.

Die Arten der Neutralität.

Da san amal a paar Bauern im Wirtshaus g'sesseu und ham g'redt na, mein Gott, von was red'n denn jetzt die Leut im Wirtshaus vorn Krieg ham's natürli gredt. Da hat der Huababauer g'sagt, G'schicht mit dera Neitralided, die tut er halt gar no net vastehn. Un was der Bada is, der vasteht'sich grad sakrisch auf solchene Sachen, der hat dös dene Bauern nacha a so erklärt: Also paßt's auf, Manna," hat er g'sagt.Du, der Huababaua, und Du, der Schmied Wastl, ihr fangt's jätzt da im Wirtshaus z'raff'n an. Dann seiü's ös die kriegführenden Mächte. Und wenn jatzt die andan öa- sitz'n und Euch zuschaug'n dös san die Neutralen. Jetzt holt sich der oa oder andere an Steck'n her oder sunst wos, damit a glei was hat zum Zuhau'n, wenn's pres­siert, dös hoatzt ma die bewaffnete Neutralität. Wenn jetzt der Seppl sein'm Spezi, dem Huababauan an Steck'n nmilangt, damit der den Schmied Wastl besser verdreschen kann, woatzt, weil der Seppl selber koa Schneid hat zunr Mitrafs'n, dann ist dös die wohl­wollende Neutralität." Jetzt hat aba der Seppl a Wuat kriegt auf den Malafizbada und hat ean a paar richtigeg'langt". Na, kurz und guat, es is a große Rauferei word'n, und der Hausknecht hat's alle mitein- and außi g'schmisien. Wias draußen g'leg'n san, da hat der Bada san Buckel g'rieb'n und hat g'sagt:Und da Hausknecht, dös is die strikte Neutralität." (Unterarzt Schmidt in der Liller Kriegszeitung.)

Vermischtes.

Zwanzig Sack Feldpost verbrannt. Die Uebertre- tung des Verbots, feuergefährliche Gegenstände (Streich­hölzer, Benzin usw.) mit der Feldpost zu versenden, hat leider von neuem zu einem namhaften Verluste von Feldpostsendungen geführt. In der Nacht vom 1. zum 2. d. M. ist in einem Güterwagen, der mit der Post für die 3. Garde-Infanterie- und 1. Infanterie-Division be­laden war, infolge von Selbstentzündung durch Streich­hölzer ein Brand ausgebrochen, dem trotz sofort unter- flommener Löschversuche 20 Sack Feldpost zum Opfer gefallen sind. Bei den Bergungsarbeiten find mehrere Schachteln Streichhölzer, die aus Felöpostsendungen her- ausgefallen waren, vorgefunden worden. Hoffentlich gelingt es, die Personen zu ermitteln, die die Streich­hölzer abgesandt haben. Es wird dann gegen sie gericht- lich eingeschritten werden.

3liegerloö.

Die Kriegszeitnng der vierten Armee veröffentlicht eine ergreifende Schilderung von dem Tode eines deut­schen Fliegers, der ihr von einer Marine-Fliegerabtei- tung zur Verfügung gestellt worden ist. Es heißt darin: Eben stand er noch tachend und vergnügt mit uns zu­sammen auf dem Flugplatz, der kleine kriegsfreiwillige Fliegermaat Reuber. Mit der Freude, wie sie der herr­liche Frühlingstag ganz von selbst schuf, stieg er in sein Flugzeug, als sein Beobachter heraukam, der Fähnrich z. S. Crüger, gebückt unter der Last seines großen Pho- tographenkastens, den dicken Wollschal um den Hals ge­schlungen und den Sturzhelm auf dem Kopf. Ein Paar wie für einander geschaffen. Beide klein, leicht, mit blan­ken Augen, mutig bis zur Tollkühnheit, die gar nichts Beifallhaschendes hatte. Es war eine Freude, zu sehen, wie spielend leicht sie starteten und stiegen, bis sie un­seren Augen entschwanden. Durch Photographien ivoll- ten sie wichtige Aufschlüsse über die feindliche Stellung einholen. Bös zerzaust waren sie wiedergekommen, denn der Feind hatte sich schon oft die erdenklichste Mühe ge­geben, sie durch Schrapnellfeuer zur Strecke zu bringen, aber in der Ausführung ihrer Pflicht hattecc sie sich noch nicht stören lassen. Wir dachten nicht anders, als daß auch heute beide mit Erfolg zurückkehren würden, denn der sonnige Frühlingstag war ihnen ganz besonders günstig. Mitten in ihrer Arbeit sahen- sie sich plötzlich von einem großen feindlichen Flugzeug, das mit Ma­schinengewehr bewaffnet war, angegriffen, das, ans ei­ner Wolke hinter ihnen auftauchend, sie auf kaum 100 Mtr. mit Feuer überschüttete. Reuber wurde schwer getroffen und das Flugzeug beschädigt, so daß es nicht mehr flug­fähig war. Alle diese Vorgänge hatten sich in Sekunden abgespielt. Todwund, mit dem Bewußtsein, daß es mit ihm vorbei sei, wnr sein einziger Gedanke, den Kame­raden und die Maschine mit dem kostbaren Inhalt an wichtigen Photographien zu retten. Im Gleitfülg ging es steil hinunter, und immer steiler und schneller. Zu­letzt serikrecht die Fahrt zu Boden, denn er fühlte, daß die Kräfte ihn verließen, und mußte sich beeilen, das Flugzeug zur Erde bringen. Wir alle waren aufs höchste erstaunt, welche Energie und welchen heldenhaf­ten Opfermut der Heine Reuber während feines Todes- kampfes auf dem Weg zur Erde offenbart hatte. Mit voller Neberlegung hatte er, trotzdem er buchstäblich wie ein Sieb durchschossen und ihm die linke Hand zerschmet­tert war, Gas und Zündung abgestellt, um zu verhin- deru, daß das Flugzeug Feuer fing, und dann den Ap­parat wie auf dem Flugplatz hiugesetzt. Der Gedanke an feine Pflicht hatte keine Todesangst in ihm aufkommen lassen. Als wir an die Nvtlanöungsstette eilten, fanden wir das Flugzeug bis auf die massenhaften Schußbescha- digungen unversehrt. Auch das Verhalten des Beobach­ters, des Fähnrichs z. S. Crüger, ivar über alles Lob erhoben. Auch er verlor keinen Augeilblick die Geistes­gegenwart. Obgleich auch er erheblich verwundet war, packte er sein photographisches Handwerkszeug ditjam® men und sorgte dafür, daß die Aufnahmen der feindlichen Stellungen seinem Truppenteil überbracht wurden. Ih­nen selber ist ihr Heldentum gar nicht zum Bewußtsein gekommen: sie hielten ihr Tun für selbstverständlich. Leider mußten wir bald den Sarg des kleinen Reuber mit der Kriegsflagge bedecken, und noch jetzt, nachdem der Alltag über dies Ereignis hinweggegangen ist und andere Eindrücke uns bewegen, stehen wir nicht ohne Rührung und Ehrfurcht an dem Grab unseres Ka­meraden. ________________

Weitere Drahtnachrichten.

Brasilien für die allgemeine Wehrpflicht.

6-* Paris, 7. Mai. (WTB.) Wie derTemps" aus Rio de Janeiro meldet, wurde bei Eröffnung der neuen Session des Kongresses eine Botschaft des Prä­sidenten verlesen, der die Maßnahmen der Regierung zur Aufrechterhaltung der Neutralität Brasiliens dar® legt. Die Botschaft tritt ferner u. a. für die Einfüh­rung der allgemeine» Wehrpflicht ein.