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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Kmseitn Äreisifett

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im I amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zelle 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Nr. 106.

Freitag, den 7. Mai

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden ch aus der letzten Seite.

Bus der Heimat«

* (Durchhalten" im Hühner h o f!) Es findet sich jetzt genug Grünfutter und Würmernahrung für die Hühner, deshalb darf kein Huhn unnötiger­weise abgeschlachtet werden, um unsere Fleischver­sorgung zum Herbst sicherzustellen. In diesem Sinne richten jetzt viele Geflügelzuchtvereine Rundschreiben an ihre Mitglieder.

* (Keine Pfingsten-Liebesgaben.) W. T. B. meldet amtlich: Die von der Heeresverwaltung gegen die Osterliebesgabensendungen erlassene Er­klärung gilt sinngemäß auch für derartige Sendungen aus Anlaß des Pfingstfestes. Demnach ist es nicht angängig, besondere Pfingstliebesgaben an die Front zu senden. Weder die Militärpaketdepots noch die Güterabfertigungsstellen übernehmen die Vorführung von geschlossenen Transporten mit Liebesgabenpaketen, die aus Anlaß des Pfingstfestes etwa geplant sein sollten.

§ Hersfeld, 6. Mai. Während unsere Krieger mit Leib und Leben das Vaterland freihalten von unseren zahlreichen Feinden, ist es in der Heimat jedermanns Pflicht, dafür zu sorgen, daß auch deutsche Sitte, deutsche Bildung, deutsche Sprache befreit werden von fremdländischen Eindringlingen. In diesem Sinne ist in einzelnen Bezirken unseres Vater­landes bereits verboten worden, in Aufschriften an Häusern und Kaufläden sowie in öffentlichen An­kündigungen andere Worte und Bezeichnungen an- zuwenden als deutsche. Von einem solchen Verbot sieht das stellv. Generalkommando vorläufig ab; es vertraut der Bevölkerung, deren gesundes und vater­ländisches Empfinden sich schon so oft bewährt hat, daß sie aus freien Stücken selbst dafür sorgen wird, unsere Muttersprache von der Schmach der Ausländerei zu befreien. Maßregeln von Behörden können allein wenig helfen; das deutsche Volk selbst müß eines seiner edelsten und höchsten Güter, seine Sprache, in ihrer Würde und Hoheit zu erhalten verstehen. Mit dem Aufschwung des gesamten deutschen Wesens muß eine Wiederbelebung des Gefühls für den Adel und die Reinheit der Sprache einhergehen. Eine Zeit, die unser Volk um sein Dasein in dem gewaltigsten Kampf, der je gewesen ist, siegreich ringen sieht, muß auch im Stande sein, einer alten, schon frühzeitig be­klagten und bekämpften Schwäche unseres Volkstums, der Fremdländerei, den Garaus zu machen. Es gilt einerseits, entbehrliche Fremdwörter durch längst vor­handenes, nur durch die nachäfferische Vornehmtuerei verdrängtes Sprachgut zu ersetzen, anderseits die ge­rade durch den gedankenlosen oder gezierten Gebrauch von Fremdwörtern schon arg geminderte Triebsähig- keit unserer Sprache wieder zu erwecken. Eine Sprache, die so reich, so biegsam und so bildsam ist, daß wir Deutsche die besten Uebersetzer der Welt sind, eine solche Sprache ist auch im Stande, fremdes Gut durch Neubildungen ohne Schwierigkeiten zu ersetzen. Das ist auch früher schon in großem Umfang geschehen. Das uns so vertraute WortJahrhundert" ist erst im 18. Jahrhundert für das vorher üblichesaeculum" ge­bildet worden, wie späterJahrzehnt" fürDezennium." DerBriefwechsel" hat dieKorrespondenz" zurück­gedrängt, derFehlbetrag" dasDefizit", dieTatkraft" dieEnergie": und in neuerer Zeit wurde das ur­sprünglicheVeloziped" durch dasFahrrad" beseitigt, dasAutomobil" weicht vor demKraftwagen". Mit neuem Gut also wie mit altem kann Ersatz für die Fremdwörter geschaffen werden. Gerade das Gebiet, auf dem sich öffentliche Ankündigungen vornehmlich bewegen, das Gebiet der äußeren Lebenshaltung, der Bekleidung, der Genuß- und Nahrungsmittel usw. ist von Fremdwörtern besonders durchseucht, erklärlich durch die einst von Frankreich ausgehende Ver­feinerung des Lebens, deren Uebertragung uns dann auch die fremden Bezeichnungen brächte. Aber gerade wegen der Äußerlichkeit dieser Dinge rst der Ersatz durch deutsche Bezeichnungen weder einschneidend noch empfindlich, vielmehr ohne weiteres geboten. Eine AnkündigungRobes et manteaux" wirkt heute be­reits lächerlich, und jeder wirdKleider und Mantel" lieber lesen. FürTrieotagen"Strickwaren" zu setzen tut niemandem wehe. Auch für gänzlich eingebürgerte Fremdwörter deutsche Worte zu finden, ist bei gutem Willen nicht schwer. EineGardine" ist nicht bester als der deutscheVorhang". Weshalb sollteFrieseur" nicht durchHaarpfleger" oderHaarkünstler _ ersetzt werden können? FürRestaurant oder das häßliche WortRestauration", das nicht einmal der Franzose kennt oder wenigstens in einem ganz anderen Smne anwendet, kann ohne weiteresWirtshaus',Gast- wirtschaft",Speisewirtschaft",Bterstllben",Wein­stuben" und bergt gesagt werden.In Deutschland sollte man in einKaffeehalts" und nicht in einCast" gehen. Das WortHotel" hat sich so allgemein ein- gebürgert, übrigens erst seit Ende des 1^-Jahr­hunderts, daß es fast scheinen will, als ob man sich nicht

davon trennen könnte. Aber sehr mit Unrecht! Wem Gasthof" oderGasthaus" nichtfein" genug dünkt, kann unschwer eine andere deutsche Benennung wählen. Klingt nichtHaus Schirmer" stolzer als Hotel Schirmer?" Wie echt deutsch und dabei wohl­klingend sind Benennungen wieDeutsches Haus", Fürstenhof",zur Rautenkrone"! Weiter muß un­bedingt verlangt werden, daß in Wirts- und Gasthäusern nicht an dertable d' hste", sondern amMittagstisch" oder an derGasttafel" nichtDiners", sondern Mittags­essen", und nicht nachMenüs" oder» la carte", sondern nach derSpeisefolge", demSpeisezettel" oder derSpeisekarte"aufgetragen" und nichtserviert" werden. Gerichte mit fremdländischen Namen oder Speisenä la" möge man einfach zurückweisen. Wem es schwer fällt, gute Verdeutschuugen alt einge­wurzelter Fremdwörter zu finden, wird beimAllge­meinen deutschen Sprachverein" (Berlin, w 30, Nollen- öorfstraße 13'4), der Zweigvereine und Mitglieder in allen größeren Orten besitzt, stets Rat erhalten. Dem stellv. Generalkommando kann entgegehalten werden, daß es gerade in unserer Heeres und Kriegssprache von Fremdwörtern wimmele. Die Erscheinung er­klärt sich bei uns wie bei anderen Völkern geschicht­lich aus dem französischen Uebergewicht im 17. und 18. Jahrhundert. Aber es besteht die berechtigte Hoffnung, daß, wie es mit vielen Ausdrücken schon früher, ins­besondere in der Felddinstordnung, geschehen ist, die fremden Bezeichnungen auch auf diesem Gebiet ver­schwinden werden. Freilich nach dem Kriege. Jetzt sind für das Heer schwere Aufgaben zu lösen. Das stellv. Generalkommando wendet sich hiermit an das gesunde deutsche Empfinden der Hessen, Thüringer und Sachsenl Sorge ein jeder dafür, daß dem Unwesen der Fremdwörterei und Ausländerei ein für allemal ein Ende gemacht und das Gold unserer Sprache von welschen Schlacken befreit werde! Mögen unsere braven Truppen, wenn der ehrenvolle dauernde Friede durch ihr Blut und ihren Opfermut errungen sein wird, bei ihrer Rückkehr in die Heimat erfahren, daß auch hier deutsche Art und deutsche Sitte gegen fremde Eindringlinge gekämpft und ge­siegt haben!

Niederanla (Kr. Hersfeld), 5. Mai. Die Mit­glieder der Unterstützungskasse der Holzhauer der Oberförsterei Niederaula haben in hochherziger Weise beschlossen, ihr annähernd 510 M. betragendes Ver­mögen für die Kriegswohlfahrtspflege zur Verfügung zu stellen. Die Kasse ist infolge der Ausdehnung der Kranken-Bersicherung auf die land- und forstwirt­schaftlichen Arbeiter aufgelöst worden.

Breitenbach am Herzberg, 4. Mai. In körper­licher Rüstigkeit und geistiger Frische begingen die Eheleute Jsak Kalb und Frau im Alter von 75 bezw. 74 Jahren das Fest der goldenen Hochzeit.

Cassel, 4. Mai. Zu viel Hafer verfüttert und damit gegen die Bundesratsverordnung vom 13. Februar d. J. verstoßen hatte ein Landwirt G. aus Großalmerode. Er hatte sich deshalb gestern vor der Strafkammer zu verantworten. Wie er zugestehen mußte, hatte er im Februar d. J. zwölf Zentner Hafer verfüttert währendihm nach der mit Rücksicht auf die gegenwärtige Kriegslage erlassenen Verordnung des Bundesrates nur sechs Zentner Hafer zustanden. Die Strafkammer verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von fünfzig Mark.

Marburg, 5. Mai. Die Zahl der zum Sommer­semester an der hiesigen Universität bis Heute neu immatrikulierten weiblichen und männlichen Studie­renden stellt sich auf rund 250.

Merzhausen, 4. Mai. Der etwa 36 Jahre alte Fleischbeschauer Schwalm öahier zog sich an einem rotzkranken Pferde eine Infektion zu, die nach qual­vollen Leiden seinen Tod zur Folge hatte. Der all­gemein beliebte Mann hinterläßt eine trauernde Witwe und 7 unversorgte Waisen.

Niederhohne, 3. Mai. Wegen versuchten Straßen­raubs hatte sich gestern vor der hiesigen Strafkammer der Zwangszögling Ernst Sp. aus Niederhone zu verantworten. Der Angeklagte war auf seiner Ent- weichung aus der Erziehungsanstalt Wabern als Knecht in Bergheim untergebracht worden. An- scheinlich behagte es ihm auch in dieser Arbeitsstelle nicht, da er ein freies Vagabundenleben vorzuziehen scheint! Er suchte sich deshalb in den Besitz von Geld zu setzen und am 18. März dieses Jahres einer Bauersfrau auf demAlten Hahn" bei Bergheim die Geldtasche mit Gewalt 8« entreißen. Die Frau setzte sich indessen dem räuberischen Anfall des Burschen wacker zur Wehr und vermochte sich von ihm loszu­reißen. Hinzukommende Leute nahmen ihn dann fest und veranlaßten seine Jnhaftnahme. Die Straf­kammer verurteilte den Angeklagten wegen ver­suchten Raubes zu einer Gefängnisstrafe von acht

Gerstungen, 1. Mai. Um den Anliegern der Strecke GerstungenVacha einen besseren Anschluß an die Fernverbindungen zu schaffen, ist zum 1. Mai i). Js. die Durchführung des.'Zuges 231 vorgesehen, welcher über Dalzungen den Anschluß an den Eilzug y in Eisenach ermittelt (ab Gerstungen 8.32 vormit­

tags, ab Vacha 9.35, an Eisenach 10.54 ab Eisenach 11.12, an Corbetha 1.53, an Berlin 4.35, an Leipzig 2.49.) Auch wird durch den neu eingelegten Zug 827 (ab Bebra 8.35 abends, an Gerstungen 9.15, an Vacha 10.24) der Uebergang von D 187 auf Zug 239 ermög­licht. Gleichfalls ist eine Zugverbindung von Vacha nach Gerstungen zum Anschluß an Zug 810 im Sommerfahrplan enthalten; der Zug 234 wird in seinen frühenen Fahrplan wieder eingelegt (ab Vacha 6.11 früh, an Gerstungen 7.16, ab Gerstungen 8.28, an Bebra 8.56.)

Arnstadt, 3. Mai. Tot aufgefunden wurde in den Alteburganlagen ein junger Mann, der Seminarist F. W. von hier, der seinem Leben freiwillig ein Ende gemacht hatte, wie erzählt wird, weil er nicht zum Militär genommen worden ist.

Weida, 4. Mai. Das dreijährige Söhnchen des Hausmannes Christoph Trettwer verbrühte sich der­art, daß es bald darauf unter entsetzlichen Quallen starb.

Heiligenstadt, 4. Mai. Als der Landwirt Jgnaz Stitz von hier im nahen Westhausen mit einer Ringel­walze vom Felde heimkehren wollte, wurden plötzlich die Pferde scheu und gingen durch, wobei der in den 70er Jahren stehende Mann zwischen das Geschirr ge­riet und eine lange Strecke weit fortgeschleppt wurde. Der alte Mann wurde derart zugerichtet, daß er nach einigen Stunden verstarb. Der Unglücksfall erweckt um so lebhaftere Teilnahme, als der einzige Sohn im Felde steht und dem Alten die alleinige Sorge um die Wirtschaft oblag.

Frauensee, 3. Mai. Bei dem gestrigen Gewitter schlug der Blitz in das Anwesen des Landwirts Sünn im nahen Josthof ein und zündete. In wenigen Augen­blicken stand die Scheune und ein Teil der Stallgebäude in Flammen. Dem schnellen Eingreifen der Feuer­wehren von Marksuhl und Frauensee gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Das Vieh konnte gerettet werden.

Fulda, 3. Mai. Auf dem letzten Schweinemarkt waren 397 Ferkel aufgetrieben. Bezahlt wurden für Ferkel je nach dem Alter 17, 19 und 21 Mark pro Stück.

Hilders (Rhön), 5. Mai. Zwei unzertrennliche Freunde bis in den Tod waren die Handlungsge­hilfen Blum und Wegmann jaus dem hiesigen Kauf­hause Ludwig Keerl, Inhaber Rudolf Keerl. Beide traten als Musketiere zu gleicher Zeit in das Res.- Jnf.-Regt. Nr. 253 ein. Während der erstere der 1. Kompagnie zugeteilt wurde, diente letzterer in der 3. Kompagnie. Beide kämpften in treuer Kamerad­schaft und steter Pflichterfüllung auf dem östlichen Kriegsschauplatze und starben an ein und demselben Tage, am 14. März, den Heldentod für Kaiser und Reich. Mit ihnen fielen das 14. und 15. Opfer aus hiesiger Gemeinde.

Zum Siege an der Karpathenfront.

Das war das Ende der Karpathenschlacht, Die unser Herz bedrückt mit Sorgen, Die uns geschaffen manche wache Nacht O sei gegrüßt, du Siegesmorgen!

Die Fahnen hängt nun all heraus! Heraus! Ihr deutschen Knaben, deutschen Frauen Uns gab der Herr den Sieg in diesem Strauß, Ließ Seine Allmachtshand uns schauen!

Die Glocken lasset läuten freud'gen Dran'gs Im Jubelklang von allen Türmen! Mit Oesterreich im Bruderbund gelang's Zu trotzen wüt'ger Russen Stürmen!

Es war ein Kampf auf Leben und auf Tod, Ein nie zuvor gesehnes Ringen! Doch Gott ließ leuchten uns Sein Morgenrot Ihm laßt uns Dank und Ehre bringen.

Hier rang das Licht mit tiefer Finsternis, Barbarentum mit deutschem Wesen Der türk'schen Feinde Angriffsplan zerriß, An uns soll noch die Welt genesen!

Wie oft hat unsre Seele bang gezagt In diesen qualerfüllten Wochen, Und unser Mund:Ob siegen wir? " gefragt - Heut heißt's: Die Russenfront durchbrochen!

9tun atmen alle deutschen Herzen auf, Und an den völl'gen Sieg sie glauben: Wer hemmt der Bundesbrüder Ruhmeslauf? Wer fürchtet noch der Feinde Schnauben!

Besingt, Verbündeten den großen Sieg Mit einem hoffnungsfrohen Liede Ein jeder Sieg verkürzt den blusigen Krieg, Und näher kommt der goldne Friede.

O flammet, lodert, brauset hoch empor! Triumpsgesänge, Glvckentöne!

In jubelvollem, mächt'gem Dankeschor Erhebt des Sieges Größe, Schöne!

Armin Kraft.