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Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld Wlatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * _ p _ zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags, j

Nr. 105.

Donnerstag, den 6. Mai

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

3«m Geburtstage des Kronprinzen.

(6. Mai.)

Fern von der Heimat in Feindesland begeht in diesem Jahre der einstige Erbe der deutschen Kaiser­krone, des Deutschen Reiches Kronprinz, seinen Ge­burtstag. Da wird der erlauchte Hohenzollernsproß rückschauend der Staffeln gedenken, auf dem sein Leben von der unfertigen Kindheit über die entwick- lungsreiche Jugend zur vollen Mannesreife hinan­gestiegen ist. Von den schattenhaften Erinnerungen der Kindheit im Elternhause, wo ihm das Glück einer unmittelbaren persönlichen Erziehung durch Vater und Mutter zuteil geworden ist, wird sein geistiges Auge weiter wandern zum Kadettenhause in Plön, wo er mit seinem Bruder Eitel-Fritz zusammen von sorgfältig auserlesenen, in Wissen und Charakter her­vorragenden Männern in den Anfangsgründen der Wissenschaften unterrichtet und in den bewährten Formen militärischer Disziplin erzogen wurde. Die Namen des Obergouverneurs von Deines, des ersten Zivillehrers Professors Esternaux, des verstorbenen Predigers Emil Frommel, des Generalsuperintendenten d. Dryander werden ihm heute, wenn auch manche Stunde strenger Zucht bei ihrem Klänge dem Gedächt­nis wiederkehren wird, als die bewährten Förderer und Hüter seiner Lebensentwickelung leuchtend vor Augen stehen. Er wird weiter des Tages gedenken es war sein Geburtstag im Jahre 1900, wo er nach wohlbestandenen Prüfungen allgemein wissen­schaftlicher und militärischer Art mit glänzender Pracht das Fest seiner Großjährigkeit begehen durfte, wo die Jahre der Leitung ihr Ende nahmen, und Das Handeln und Wagen nach eigener Verantwortung be­gann. Dann wird seine Erinnerung, sicher mit stärkerer Kraft, hineilen zu den schönen Ufern des Rheins, wo er in Bonn vier Semester lang die herr­liche Freiheit des Studentenlebens, die Daseinsfreude des rheinischen Volksschlages und die freie Größe deutschen wissenschaftlichen BetrieDes durch eigene Er­fahrung kennen lernen und den Becher schäumender Jugendlust leeren durfte. Und was dann folgte an Reisen in die Nähe und in die Ferne, durch alle Gaue der Heimat, an die befreundeten Fürstenhöfe der Nachbarstaaten, an den sonnumleuchteten Gestaden des Mittelmeeres bis nach den Wüsten Syriens und Afrikas hin, was da alles in seinem Geist eingegangen ist, seine Kenntnisse bereichert, sein Urteil geschärft, seine Entschließungskraft gehoben, seinen Willen ge­stählt hat, es wird heute zusammenklingen zu einem vollen Akkord dankbarer Freude für die Wege, die ihn ein gütiges Geschick geführt hat. Besonders freudig wird er zurückschauen auf sein Hochzeitsfest, da er seine erwählte Braut, die Herzogin beeilte zu Mecklenburg-Schwerin, heimführte. Den Schluß aber des Rückwärtsschauens wird jener ernste und doch stolze Tag bilden, da er hinauszog ins Feld, um iu Frankreich für des deutschen Vaterlandes Ehre und Freiheit an der Spitze seiner tapferen Armee zu kämpfen, die er bereits zu Ruhm und Sieg ge­führt hat.

Die Schwelle des Mannesalters hat der deutsche Kronprinz schon überschritten, und ein reiches, arbeits- und kampfgesegnetes Leben liegt vor ihm. Er ist ein echter Hohenzoller vom Scheitel bis zur Sohle. Da­rum halten wir fest zu ihm in der Gewißheit, daß ihn der hoffentlich noch recht ferne Augenblick, der ihm .einst die mit Blut und Eisen geschweißte deutsche Kaiserkrone aufs Haupt setzt, gerüstet findet zu der seiner harrenden Aufgabe, zu deren Lösung es eines ernsten und festen Willens bedarf, redlichen Fleißes und unbedingter, opferwilliger Hingabe an das große Ganze und letzten Endes jener heiligen Liebe und des festen Glaubens an die Zukunft unseres Volkes, der Berge versetzt. Daß die Nation ihn dabei nicht im Stiche lassen wird, dessen darf er versichert sein. Noch nie hat das deutsche Volk seinem Herrscher Treue und Gefolgschaft versagt, nicht in frohen und noch viel weniger in ernsten Stunden.

Gerade unseren Kronprinzen hat die Liebe und das Vertrauen des Volkes getragen, wie einem rechten Maienkinde fielen sie ihm in den Schoß. Daß er sich ihrer freut, daß er sie dankbar empfindet, das zeigt sein ganzes Wesen, sein Gebaren, wo immer er mit dem Volke in Berührung kommt. Seine natürliche Schlichtheit und einnehmende Leutseligkeit dezaubern jeden und haben ihn in Wirklichkeit zum Liebling des Volkes gemacht. Und so vereinigt sich auch heute an seinem Geburtstage, wo er als sieggekrönter Feld­herr im Felde steht, das ganze deutsche Volk iu den: innigen Wunsche: Gott schütze, Gott segne, Gott er­halte unseren Kronprinzen und sein Haus! -e-

Berjchwendet kein Brot! Zeder spare. so gut er kann.

Bus der Heimat

* (Zeugnisse über H e e r e s l i e f e r a n t e n.) Zwischen dem Preußischen Kriegsministerium und dem Deutschen Handelstag hat neuerdings ein Schrift­wechsel stattgefunden über die Behandlung der von den Handels- und Handwerkskammern auszustellenden Zeugnisse über Anbieter von Heereslieserungen; in­wieweit solche Auskünfte von den Kammern selbst als vertraulich zu behandeln sind. Das Kriegs­ministerium bemerkt jetzt zu dieser Frage:Der Anschauung, daß es den Kammern überlassen bleiben muß, darüber zu befinden, ob sie ihre Auskünfte ver­traulich behandelt haben wollen oder nicht, wird bei­getreten. Um jedoch bei den militärischen Beschaffungs­stellen den Anschein zu vermeiden, als seien die Zeugnisse der Kammern mit den Angeboten unmittel­bar von den Anbietern überreicht worden, dürfte es sich empfehlen, den Kammern anheimzugeben, die An­gebote mit einem Anschreiben, etwa des Inhalts, daß die Kammer das Angebot mit dem vertraulich zu be­handelnden Zeugnis vorlegt, an die Beschaffungs­stellen zu senden."

§ Hersfeld, 4. Mai. In manchen Kreisen der Be­völkerung scheint die Furcht zu bestehen, daß das in einzelnen Gefangenenlagern herrschende Flecksieber (Flecktyphus) sich ausbreiten könne. Zu dieser Befürchtung liegt, wie uns von amtlicher Seite mitgeteilt wird, kein Grund vor. Das Fleckfieber hat allerdings in früheren Jahren auch in Deutschland eine große Ausbreitung gehabt, als Fleckfieber, Hungertyphus, Kriegstyphus, Lagertyphus usw. Seit den vierziger Jahren vorigen Jahrhunderts ist es in Deutschland fremd geworden, so daß es in den letzten Jahren überhaupt mehr vorgekommen ist bis auf vereinzelte Fälle in unsern Grenzprovinzen, wo es nur bei Landstreichern, die über die Grenzen kommen, auftrat. Aber auch in diesen Fällen ist es über die Herbergen niedrigster Art und die Arrest­lokale für diese Leute nickt hinausgegangen. Die Krankheit wird durch ein noch unbekanntes Lebe­wesen hervorgerufen, welch' o anfter im Menschen, nur noch in den Läusen, und wahrscheinlich nur in Kleiderläusen, vorkommt. Aus verschiedenen Er­scheinungen muß man folgern, daß die Krankheitser­reger in der Laus eine gewisse Umwandlung oder Ausreifung erfahren,' denn die Läuse können erst 4 Tage später, als sie von einem Kranken Blut genossen haben, die Krankheit auf andere übertragen. Man war früher der Auffassung, daß die Krankheit an­steckend wäre, in gleicher Weise wie es die Pocken, die Masern und Scharlach sind, namentlich durch Be­rührung. Versuche an Affen und fortgesetzte Beo­bachtungen an Menschen haben aber mit Sicherheit er­geben, daß die Krankheit durch Berührung nicht über­tragen werden kann, sondern nur durch die Läuse. Aus dieser Eigenart der Uebertragung ergibt sich die Art der Bekämpfung, wie sie in Deutschland in den Gefangenenlagern planmäßig und mit vollem Erfolg durchgeführt wird. Sie beruht darauf, daß mau die­jenigen Personen, welche flecktyphusverdächtig sind und Läuse haben, also die Kriegsgefangenen, durch warme Bäder unter Anwendung von grüner Seife und entsprechenden Salben von den Läusen befreit. Zu gleicher Zeit werden den Leuten sämtliche Kleider, Decken, Strohsäcke usw. fortgenommen und in be­sonderen Apparaten entlaust. Während dies geschieht, werden, die Baracken der Leute mit Desinfektivns- mitteln sorgfältig ausgewaschen und ausgepinselt, außerdem wird alsdann ein anhaftendes Desin­fektionsmittel auf die Wände usw. gebracht, wo es sitzen bleibt. Darauf werden die entlausten Leute mit ihren entlausten Sachen in die desinfizierten Baracken zurück­gebracht. Durch Anbringung von doppelten Draht­zaun wird jeder Verkehr der Entlausten mit den noch läusehaltigen Personen unmöglich gemacht. Auch in den hiesigen Lagern sind die sämtlichen vorerwähnten Maßnahmen in der Ausführung, und zwar ist der Professor der Hygiene und Mitglied des Reichs-Ge- sundheitsrates, Geh. Rat Dr. Gaertner aus Jena, der in der Behandlung des Fiebers eine reiche Erfahrung besiNt, herübergerufen worden, um mit seinem Rat zur "Verfügung zu stehen. Die Flecktyphuskranken kommen in besondere Lazarette, nachdem sie vollständig enthülst und neu eingekleidet sind. Von dem Augen­blick an sind sie nicht mehr gefährlich für ihre Um­gebung, sofern, diese nicht selbst Kleiderläuse hat. Diese Tiere sind aber in Deutschland, und vor allen Dingen in den reinlichen Städten, so gut wie ausge- storben. Es können sich also möglicherweise, aber nur in seltenen Fällen, in dem betreffenden Lager be­schäftigte Personen anstecken, wenn sie unvorychtig sind. Man verhütet jedoch die Ansteckung dadurch, daß die Personen, welche im Lager mit den Gefangenen zu tun habe», sich durch eine besondere Kleidung so^ wie durch Abschreckungsmittel schützen, als welche sich zum Beispiel ätherische Oele, Naphtalin und dergleichen, die auf die Kleider gebracht werden, bewährt haben. Für die Militärpersonen aber, die nicht im Lager selbst beschäftigt sind, und für die Zivibevölkernng besteht eine Infektionsgefahr nicht, da nur die Kleiderlaus

die Vermittlerin ist; sie stellt den einzigen Weg der Uebertragung dar. Ein Eindringen der Krankheit in die Bevölkerung Deutschlands ist umsoweniger zu fürchten, als es sogar gelungen ist, viele ansteckendere Krankheiten, wie zum Beispiel die Cholera, zu be­seitigen. Ja es gelang sorgar, was bis jetzt noch nie­mals vorgekommen ist, sie aus den sümpfenden Truppen, in welche sie im Osten teilweise eingedrungen war, wieder zurückzudrängen, sodaß sie auch dort zur Zeit keine Gefahr mehr darstellt. Die Sicherheit, welche man jetzt in der Behandlung der ansteckenden Krank­heiten, einschließlich des Fleckfiebers, hat, beruht auf dem Fortschreiten der Wissenschaft in der Erkenntnis der Erreger, deren Eigentümlichkeiten man jetzt kennt und mit denen man deshalb rechnen kann. So sind die Erfolge der Bekämpfung um ein unendliches sicherer und besser, wie sie in den früheren Zeiten waren. Da somit alle irgendwie erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit getroffen sind, ist einer­seits zuversichtlich zu hoffen, daß man ihrer bald in den Lagern selbst Herr werden wird, und ist ander­seits ein Uebergreifen der Krankheit auf die Bevölke­rung so gut wie ausgeschlossen."

):( Hersfeld, 5. Mai. Am Mittwoch, den 19. Mai d. I., findet zuGersfeld in der Rhön eine Tier­schau mit Prämiirung, verbunden mit dem 15. Zucht­viehmarkt statt. Alles Nähere in dem Anzeigenteil der heutigen Nummer.

§ Hersfeld, 5. Mai. Das Königl. Provinzialschul- kollegium Cassel hat die Rektorenprüfung auf den 25. November die Prüfung der Lehrer an Mittelschulen auf den 22. November d. I. festgesetzt. Anmeldungen zu diesen Prüfungen haben schriftlich beim Provinzial- schulkollegium bis zum 11. September zu erfolgen.

):( Hersfeld, 5. Mai. Aenderung imFernspr ech­oe r k e h r, Kuranstalt St. Wigbertshöhe Nr. 245 jetzt 43.

):( Hersfeld, 5. Mai. Herr Stadtkirchner Georg D i tz e l beging am 1. Mai sein 25jähriges Dienst- jubiläum.

Cassel, 4. Mai. Vor dem Kriegsgericht der 22. $4Vision hatte sich am Montag der Wehrmann Ge­freiter Wilhelm L. aus Arolsen wegen Körperver­letzung zu verantworten. Wie sich ergab, geriet der Angeklagte am Abend des ersten Weihnachtsfeiertages in einer Gastwirtschaft in Niederzwehren, in dem er seinen ständigen Wohnort hat und in Friedenszeiten eine Hausschlachterei betreibt, in Wortwechsel mit einem Gewerbegenossen Sch., mit dem er früher zu­sammengearbeitet hatte. Ein Wort ergab das andere und schließlich geriet der Wehrmann in eine derartige Erregung, daß er mit der Faust den Sch. so wuchtig in das Gesicht schlug, daß diesem die Oberlippe ge­spalten wurde. Der Angegriffene erhob sein Bier­glas und schlug damit dem angeklagten Wehrmann auf die Stirn, wodurch dieser eine blutende Ver­letzung erhielt. Letzterer sprang nun auf, ergriff sein Koppel und schlug damit auf den flüchtenden Sch. ein, der schließlich aus der Wirtsstube gedrängt und deren Türe nunmehr von der Wirtin verschlossen wurde, um weiteren Exzessen vorzubeugen. Der Angeklagte begab sich daraufhin in die Wirtschaftsküche, um sich das die Stirn herunter rinnende Blut abzuwaschen, bewaffnete sich aber bei der Gelegenheit mit einem Feuerhaken und schlug damit seinen Gegner von hinten her auf den Kopf, als er hörte, daß dieser im Hausflur stand und die Herausgabe seines im Wirts­zimmer verbliebenen Hutes verlaugte. Der Ge­troffene erlitt vier stark blutende Kopfwunden, die indessen glücklicherweise bald verheilten. Der Ange­klagte gab im großen ganzen den Tatbestand zu, be­hauptete aber zu seiner Entlastung, von seinem Gegner gereizt gewesen und sich in Notwehr befunden zu habe». Das Kriegsgericht erkannte an, daß sich der Angeklagte in gereiztem Zustande befunden habe, verneinte aber das Borliegen der Notwehr. Bei dei Strafzumessung wurden mildernde Umstände duge= billigt, die auch in der seitherigen Straflongkeit des Angeklagten und seiner guten militärischen Führung zu finden seien. Das Urteil lautete auf eine Geld­strafe von vierzig Mk.

Marburg, 4. Mai. Die Leiche des seit etwa einem Monat gesuchten Fabrikarbeiters Jordan.aus Ober- listingen wurde hinter der Kammschen Saldieret aus der Diemel gezogen und "ach Protokollaufnahme nach Oberlistingen gebracht. Ob Mord oder Unglucksfall vorliegt, ist bisher noch nicht sicher.

Hann. Münde«, 3. Mai. Eine Kindesleiche wurde heute nachmittag nahe bei Baake an der Weser geländet. Es handelt sich um einen 8-10jährigen Knaben, dessen Herkunft noch nicht bekannt ist. Die Leiche dürfte bereits drei Wochen im Wasser gelegen haben.

Hedemiiuden, 4. Mai. In einer der letzten Nächte gewahrte ein Brückenwachtposten bei der Eisenbahn­brücke zwei Personen, als plötzlich eine von diesen einen Schuß abgab. Der Posten feuerte daraufhin auf die beiden Personen, ohne jemand zu treffen. Eure vom Brückenkommando sofort voraenommene Ab- suchung der Gegend ergab keine Spur der Verdächtigen.