Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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.Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
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Nr. 104.
Mittwoch, den 5. Mai
1915
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Bus der Heimat«
* (Unerlaubte Sendungen von N a h r u n g s- und Genußmitteln an Kriegsgefangene aus dem Inland.) Für die in deutschen Kriegsgefangenenlagern untergebrachten Angehörigen feindlicher Heere sind in letzter Zeit häufig Pakete aus dem Jnlande eingegangen, die von deutschen Geschäften oder Familien auf Anregung der Angehörigen Kriegsgefangener gesandt wurden. Die Pakete enthielten außer erlaubten Sachen auch solche, deren Verkauf an die Kriegsgefangenen untersagt ist. z. B. Tabak, Schokolade, Brot und andere Backwaren. Auf diese Weise werden die im Interesse der Sicherstellung unserer Volksernährung getroffenen Bestimmungen umgangen. Bei der großen Zahl der Kriegsgefangenen kann ein solches Verfahren aus die Dauer zu erheblichen wirtschaftlichen Schädigungen führen. Die Heeresverwaltung hat deshalb Anordnungen getroffen, daß unerlaubte Sendungen von Nahrungs- und Genußmitteln aus dem Jnlande den Gefangenen nicht mehr ausgehändigt, sondern an die Absender zurück- gesanöt werden.
* (Sendungen an Zivilgefangene in R u ß l a n d.) Laut Erklärung der russischen Regierung sind jetzt Geld- und Paketsendungen an deutsche Zivilgefangene in Rußland zugelassen.
* (B e st e l l u n g s u r l a u b.) Vom stellvertretenden Generalkommando des 11. Armeekorps ist die Zeit, bis zu welcher Bestellungsurlaub erteilt werden kann, bis zum 15. Mai 1915 verlängert worden.
):( Hersfeld, 4. Mai. Das Witter im Mai soll nach den Angaben eines sächsischen Wetterpropheten sich wie folgt voraussagen lassen: Es werden die Tage vom 2. bis 4., 13. bis 15. und 29. bis 31. Mai sich durch Gewitter und stärkere Niederschläge auszeichnen. Der Mai wird trockener als der März und April, so daß die Niederschlagsumme etwa dem Durchschnitt entsprechen wird.
):(Hersfeld, 4. Mai. Während der gestrigen Uebung der Feuerwehr ereignete sich auf dem Marktplatz leider ein bedauernswerterUnfall. Bei der mechanischen Leiter d. 2 Löschzuges, welche wiederholt aufgerichtet und bestiegen worden war und stets tadellos funktioniert hatte, versagte plötzlich aus noch unaufgeklärter Ursache die Sicherheit-Selbsthemmungs- bremse an der Aufrichtung, und die mit 2 Mann besetzte Leiter neigte sich von selbst wieder zur Erde zurück, wobei sie derart hart aufschlug, daß der Steiger Koch, Sohn des Sattlermeisters Carl Koch einen Unfall erlitt und einen Armbruch davontrug. Die sofort von dem anwesenden Commando vorgenommene Untersuchung konnte ein Versehen oder Verschulden des Führers und der Mannschaft nicht feststellen und muß der Unfall auf einen unglücklichen Zufall zurückgeführt werden.
):( Hersfeld, 4. Mai. Die Nachricht von einem großen Sieg der Verbündeten im Osten verbreitete sich gestern gerüchtweise mit Windeseile in der Stadt. Auf die zahlreichen Anfragen hin, die von allen Seiten bei uns eintrafen, konnten wir auf Grund zuverlässiger Informationen mitteilen, daß in Berlin die öffentlichen Gebäude auf amtliche Anordnung hin geflaggt hatten, weil ein großer Sieg in den Karpathen errungeu sei. Die Geduld des Publikums, das naturgemäß gern Näheres erfahren wollte, wurde indessen lange auf die Probe gestellt, denn es dauerte bis zum Spätnachmittag, ehe der amtliche Bericht die ersehnte Erläuterung brächte. Inzwischen hatte die geschäftige Phantasie bereits ihre Fäden gesponnen und es wurden bereits bestimmte Zahlen der Gefangenen genannt, angeblich sollten es nicht weniger als 110 000 sein. Davon wußte allerdings der amtliche Tagesbericht nichts zu melden, indessen brächte er doch erfreulrcherweise die Bestätigung, daß es sich um einen weittragenden Erfolg unserer Waffen in Westgalizien handele und machte so aller Ungewißheit ein Ende.
):( Hersfeld, 4. Mai. In der Zeit vom 2. bis 8. Mai d. Js. findet vom Arbeits-Ausschuß derKarser - Wilhelm-Spende deutscher Frauen zur Förderung seiner Ziele in der ganzen Monarchie eine Haus- k o l l e k t e statt. Die Einsammler sind mit polizeilichem Ausweise versehen.
Cassel, 3. Mai. (Gefährliches Spiel.) Sonnabend nachmittag hat sich im Hofraume eines Hauses des Holländischen Stadtviertels ein Unglücksfall zuge- tragen. Der 11 Jahre alte Sohn des Unterbeamten V. hatte sich ein Gewehr verschafft, mit welchem er auf den 10 Jahre alten Jungen des Behordenar- betterS V. beim Spielen anlegte in der Mernung, die Waffe sei nicht geladen. Der Schuß ging los, so daß dem Jungen die Kugel unter dem linken Auge ein- drang. Der Verletzte wurde verbunden und einem Arzte zugeführt.
Melsungen, 3. Mai. Auf dem Vorwerk Karthause bei Domäne Mittelhof wurde im Beisein mehrerer Kreisausschußmitglieder, des stellv. Landrats und des Herrn Dr. Sprenger von der Landwirtschastskammer die vom Kreise Melsungen eingerichtete Jungvieh- weide eröffnet. Die für diesen Zweck verwendete Fläche von rund 140 Acker liegt unterhalb des Heiligenbergs zwischen den Straßen Melgershausen- Mittelhof und Heßlar-Gensungen. Vorläufig sind erst 60 Acker für den Auftrieb hergerichtet, die übrige Fläche wird jedoch auch bald vorbereitet. Genügende Tränkevorrichtungen in fließendem Wasser sind vorhanden, ebenso ist eine größere Schutzhütte errichtet. Es wurden bereits 50 Stück Jungrinder aufgetrieben.
Hitzerode, 3. Mai. Eine hiesige Frau hatte sich im Walde Holz aufgelesen. Als sie sich zu Hause ihrer Holztracht entledigen wollte, sprang der ahnungslosen Frau eine große Kreuzotter entgegen und verschwand im nächsten Augenblick in einer Maurerritze des benachbarten Spritzenhauses, noch ehe sich die Witwe von ihrem Schreck erholt hatte. Da der warme Sonnenschein diese giftigen Reptilien jetzt aus ihrem Winterversteck hervorlockt und dieselben erfahrungsgemäß bei solch warmer Witterung mit Vorliebe beißen, so dürfte allen Leuten, welche jetzt im Walde mit Holzauflesen, Laubsammeln und dergl. beschäftigt sind, Vorsicht vor den Kreuzottern empfohlen sein.
Marburg i. W., 1. Mai. Auf dem Transport Walda-Warburg-Neustadt verbrannten in einemWagen, dessen Stroh durch FunkenflugLeuer gefangen hatte, ein Ochse gänzlich, zwei andere so schwer, daß sie sofort geschlachtet werden mußten.
Bad Driburg, 3. Mai. Heute steht vor dem Schwurgericht zu Paderborn der Schlosser Hermann Franke aus Vohwinkel, der am Sonntag den 5. Juli v. Js. während die Driburger Einwohnerschaft auf dem Schützenfest weilte, ohne den geringsten Grund den Missionsbruder Joseph Weskamp mit einem Schuß aus einem Jagdgewehr ermordet hatte.
Fulda, 3. Mai. Ein verheerendes Schadenfeuer wütete, wie schon kurz gemeldet, am Sonnabend bis spät in die Nacht hinein in dem Orte Lütter (Rhön.) Das Feuer brach in der Holzremise des Landwirts Heinrich Schreiner aus und verbreitete sich mit Blitzesschnelle auf das gesamte Anwesen, bestehend aus Wohnhaus, Scheune, Stallung, dieses vollständig einäschernd ; auch das gesamte Nachbaranwesen des Jos. Bolz wurde ein Raub der Flammen. Durch den inzwischen eingesetzten Südwestwind wurde Flugfeuer in den abseits liegenden Ortsteil getrieben. Die Kirche sowie das Pfarrhaus waren sehr bedroht,- ebenso das Wohnhaus des Lehrers sowie die Schule. Den angestrengtesten Arbeiten von acht Feuerwehren aus der Umgegend gelang die Rettung der gefährdeten Gebäude. Dagegen war es unmöglich, die Scheune des Pfarrers und des Lehrers zu erhalten, die vollständig eingeäschert wurden. Ferner sind die gesamten Anwesen Wohnhaus, Scheune, Stallung usw. des Bürgermeisters Wahl, des Landwirts Ferd. Enders und des Landwirts Peter Walter ein Raub der Flammen geworden. Das Vieh der Abgebrannten konnte fast vollständig in Sicherheit gebracht werden, mit Ausnahme von verschiedenen Tauben und Hühnern. Auch einige Schweine sollen in den Flammen umge- kommen sein. Die meisten Wagen, landwirtschaftliche Maschinen aller Art sind vernichtet. An Mobiliar konnte leider bei den meisten Heimgesuchten nur wenig gerettet werden. Als ein großes Glück kam in Betracht, daß sich in dem Orte Hydranten befanden, die sehr gut funktionierten. Der angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich, aber meistens durch Versicherung gedeckt. Die Telegraphen- und Telephonverbindung nach Gersfeld ist durch Zerreißen der Drähte unterbrochen,- ebenso die elektrische Stromleitung. Bis zum frühen Morgen arbeiteten die Wehren von zwei Ortschaften, während die anderen nachts entlassen wurden, als das verheerende Element auf seinem Herd beschränkt war. Gestern vormittag entfachte noch öfters auf den verschiedenen Brandstätten Feuer, sodaß ein Hydrant mit zwei Schlauchlinien stets in Tätigkeit bleiben muß. Wie bis jetzt feststeht, ist das Feuer auf das Spieleu mit Streichhölzern durch Kinder des Landwirts Hch. Schreiner zurttckzuführen, deren Eltern bei Ausbruch des Brandes ortsabwesend waren. Verschiedene andere Dächer von Wohnhäusern sind teilweise beschädigt.
„ÄlaHengolh.“
„Klassengold" - so mag man jenes deutsche Goldgeld nennen, das aus den Schulklassen tu überraschend großen Mengen der Reichsbank zugeflossen ist. Der Gedanke des Goldeinsammelns durch die Schuljugend ist unerwartet fruchtbar gewesen und hat bisher schon einen glänzenden Erfolg gehabt. Viele Hunderttausende goldene Markstücke find durch die flinke Rührigkeit unserer Schulkinder aus den verborgensten Schlupfwinkeln hervorgelockt und auf die leichtzugänglichen breiten Wege zur Reichsbank gebracht worden. Der Goldbestand der Reichsbank hat dadurch einen sehr stattlichen Zuwachs erhalten, muß
aber auch fernerhin fortgesetzt aufgefüllt werden. Daß das sehr wohl möglich ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß nach amtlicher Schätzung immer noch etwa eine Milliarde gemünztes Gold in den Taschen der Bevölkerung sich verborgen hält. Von diesen geheimen Schätzen muß und kann noch ein sehr großer Teil ans Tageslicht gezogen und dorthin eingeliefert werden, wo das blinkende Metall während des Krieges und erst recht beim Uebergange zur Friedensarbeit seinen volkswirtschaftlichen Aufgaben voll und ganz nachkommen kann. Wer nach allen bisherigen Aufklärungen noch nicht davon überzeugt ist, daß das Goldgeld einzig und allein an der zuständigen Zentralstelle seine wichtige Mission der finanziellen Rückendeckung des Vaterlandes so zu erfüllen imstande ist, wie die kriegswirtschaftlichen Verhältnisse es erfordern, an die soll auch kein weiteres Reden verschwendet werden. So manchem werden aber hoffentlich die Ohren klingen, wenn die Unmündigen demnächst von neuem auf der Goldjagd die Wahrheit künden: Das Gold gehört in dieser Zeit vaterländischer Bedrängnisse in die Reichsbank.
Die deutsche Lehrerschaft hat mit rühmlichen Eifer des Einsammelns von Gold sich angenommen. Neben ihr haben eine Reihe anderer Organisationen und viele Einzelpersonen sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Das schönste Beispiel opferwilliger Hingabe an das gemeinnützige Werk hat aber der Kaufmann Alexander Miehe in Hamburg gegeben, der schon seit Monaten für die Beschaffung von „Klassengold" eine umfangreiche Propoganda aufgeboten hat und im Begriff steht, einen neuen Feldzug mit Hilfe der Schulen öurchzuführen. Sein erster Aufruf „an die SchuljugendDeutschlands"hatdie Schuls ammlungen bestens gefördert. Als hervorragendes Beispiel sei hier das Progymnasium in Sprottau erwähnt, dessen 82 Schüler bis zum 1. April 137 475 Mk. aufgebracht haben. Nach dem Plane Herrn Miehes soll, um den Sammeleifer weiter anzuspornen, ein Wettsammeln aller Lehranstalten Deutschlands stattfinden, eine Absicht, die ihres gemeinnützigen Zweckes willen von den Schulbehörden ausdrücklich gutgeheißen ist. Für die 5 Schulen mit den besten Sammelergebnissen, auf den Kopf der Schüler oder Schülerinnen gerechnet, sind von Herren Miehe 5 Preise im Werte von ungefähr je 400 Mk. in Gestalt künstlerisch schön modellierter Kaiserbüsten aus Marmor in Lebensgröße, gestiftet worden. Die Büsten werden an geeigneter Stelle aufgestellt, eine würdige Erinnerung an diese große Zeit und die erfolgreiche Mitwirkung der betreffenden Schulen fein. Außerdem find als weiterer Ansporn für das Goldsammeln 100 Bücher in ungefährem Werte von je 10 Mark als Preise für die erfolgreichsten Sammler und Sammlerinnen ausgesetzt worden. Endlich ist ein geschmackvolles Erinnerungsblatt zur Verstärkung des Interesses bei den Schulkindern und zur Erinnerung an ihre Betätigung hergestellt worden.
Dem von Hamburg aus an 60 000 Schulen versandten Aufruf ist ein Erfolg zu wünschen, wie er dem gemeinnützigen Unternehmen gebührt. In der Geschichte dieser ruhmreichen Zeit wird das „Klaffengold ein besonderes Plätzchen einnehmen.
Neutraler Amerika...
1. ,/Neutrales Amerika" —
Klingt das nicht wie blutger Hohn Dem kämpfenden, deutschen Sohn, Der seine Granaten sah,
2. Wie platzend sie den zerfetzt, Zerschmettert dem Mann das Haupt, Der Mutter den Sohn geraubt, Und viele so schwer verletzt?!
3. Er sagt als ein deutscher Mann: „Das war ein geliefert Geschoß, In „Oncle Sams" Land man's goß — Germania! Denke dran!"
4. Und denkt an der Krieger Frau'n, Die Witwen geworden sind — Und sieht so manch armes Kind, Das nie wird den Vater schau n.
5. Ihm ballt sich die Faust im Zorn: „Das nennt nun die Welt neutral. Dich treffe der Rache Strahl Du flammenmehrender Dorn!
6. Mußt Du denn für schnödes Gold Erhöh'n meines Volks Verlust ? — Schon wogt in der deutschen Brust Entrüstung, das Wetter grollt!
7. Gib acht, daß die Feuersglut Nicht über das Meer hinloht, Dich stürzend in Nacht und Tod, Du schäbige Yankeebrut!
8. „Neutrales Amerika"
Nun hüt' Dich und merk' Dir's fein
Und stelle Dein Liefern ein — Denn Deutschland ist auch noch da!" —
Armin Kraft.