Ein feindliches Unterseeboot von den Türken versenkt.
Konsiantinopel, 2. Mai. Das Hauptquartier teilt unterm 1. Mai, 7,55 Uhr abends mit: Der linke feindliche Flügel, der durch unsere wiederholten Angriffe aus seinen Stellungen bei Kapa Tepe nach Norden in Set1 Richtung anf Ari Burun zurttckgeworfe»» wurde, versuchte gestern vorzumarschieren, um sich dem wirksamen Flankenfeuer unserer Artillerie zn entziehen, wurde aber durch einen Bajonettsturm von neuem in seine alten Stellungen am Ufer znrttckgetrieben Bei dieser Gelegenheit erbeuteten wir zwei Maschinengewehre mit sämtlichem Material und der Munition. Der Feind, der bei Scdd-nl-Bahr an geschützten Uferstellen gelandet war und sich Geschütze hat anfstellen können, befindet sich gegenwärtig infolge des Feuers unserer Batterien auf der anatolischen Küste in einer unhaltbaren Lage. Die feindlichen Schiffe, die durch das Feuer ihrer schweren Artillerie ihre Streitkräfte an Land schützen »nutzten, haben keine Aktion gegen die Meerenge unternommen. — Das australisch-englische Unterseeboot „A. E. 2" wurde von unseren Kriegsschiffen vor einigen Tagen zum Sinken gebracht, als es in das Marmara-Meer ein- zudringen versuchte; die Besatzung, aus 3 Offizieren nnd 29 Soldaten bestehend, wurde gefangen genommen. — Ein feindliches Wasserflugzeug, das den Golf von Alerandrette überflog, wurde von unserem Feuer beschädigt nnd fiel ins Meer. Die Trümmer wurden von einem in diesen Gewässern fahrenden Kreuzer anfge- sammelt. — Bon den übrigen Kriegsschauplätzen ist nichts Wichtiges zu melden.
„A. E. 2" ist oas zweite U-Boot, das die Engländer vor den Dardanellen verlieren. „E. 15" ist, wie erinnerlich, am 17. April von den Türken versenkt und seine Besatzung gefangen genommen worden.
Ein weiteres Unterseeboot nntergegangen.
o^ Konstantinopel, 3. Mai. (WTB.) Das große Hauptquartier teilt unterm 2. Mai mit: Infolge unserer Angriffe und des Feuers unserer Batterien gelang es dem Feinde nicht, seine gefährliche Lage am Ufer der Halbinsel Gallipoli zu verbessern. Gestern wurde der französische Panzerkreuzer „Henry IV." von zehn Granaten getroffen. Heute hat sich das Schiff nicht gezeigt. Der englische Panzerkreuzer „Vengeance^ zog sich zurück. Ein Nachtangriff einiger Torpedoboote anf die Meerengen wurde sehr leicht abgeschlagen. Nachdem die russische Schwarze-Meer-Flotte heute eine Stunde lang vor dem Bosporus demonstriert hatte, zog sie sich eiligst gegen Norden zurück. Ein feindliches Unterseeboot, das in die Meerenge eindringen wollte, stieß auf eine Mine und ging unter. Die Besatzung konnte nicht gerettet werden. An der kaukasischen Front wurden felndliche Angriffe unter Verlusten für den Feind avgewiesen. Am 28. April wurde am Suezkanal eine Kompagnie Me- haristen in die Flucht geschlagen. Wir erbeuteten eine Menge Gewehre und Kamelausrüstung. Am 29. April wurden zwei feindliche Lanzenreiterschwadronen blutig zurückgeschlagen. Der Feind hatte 60 Tote und Verwundete. Wir verloren neun Mann.
Feindliche Boote durch die Türken versenkt.
Privatnachrichten von den Dardanellen besagen: Die türkischen Truppen versenkten durch ihr Feuer mehrere der Boote, in die der Feind flüchtete. Feindliche Kriegsschiffe, die ihre Infanterie decken wollten, wurden durch die Granaten der türkischen Batterien wiederholt getroffen und waren gezwungen, sich zurttckznzie- hen. Ein türkischer Flieger warf mit Erfolg Bomben auf feindliche Kriegsschiffe.
Große feindliche Verluste bei den Dardanellen.
®-* Konsiantinopel, 3. Mai. (WTB.) Nach zuverlässigen Nachrichten von den Dardanellen hielten sich vorgestern die feindlichen Kriegsschiffe aus Furcht vor dem wirksamen Feuer der türkischen Batterien in großer Entfernung und schössen in großen Zwischenräumen. Die feindlichen Truppen, die von den Kriegsschiffen nicht wirksam geschützt werden konnten, erlitten dnrch das Feuer der Türken große Verlnste. Mehrere Verwundete erzählen, wie der Feind, um die türkischen Soldaten anzulocken, aus den Schützengräben den musel- manischen Gebetsruf erschallen läßt, als ob er damit andeuten wollte, daß man nicht gegen Muselmanen schießen dürfe. Ein verwundeter feindlicher Soldat schleuderte gegen einen türkischen Sanitätssoldaten, der ihn aufheben wollte, ein Dynamitpaket.
Ei« Augenzeuge über die Landungskämpfe.
Ein in Konsiantinopel eingetroffener Augenzeuge, der den Kämpfen in den Dardanellen beiwohnte, entwirft im „Jköam" folgende Schilderung dieser Kämpfe:
Am 25. April, 4 Uhr früh, begann die feindliche Flotte ein furchtbares Geschützfeuer gegen die Umgegend von Kaba Tepe zu richten. Eine Stunde später gelang es dem Feind, unter dem Schutze des Feuers der Kriegsschiffe, Truppen zu landen. Bevor die Landung beendet war, gingen nnsere Truppen znm Angriff über. Der Feind verteidigte hartnäckig feine Stellung, während unsere Truppen ihn mehr ins Innere der Halbinsel zu ziehen suchten, um ihn dort um so besser vernichten zn können; aber der Feind vermied es, weiter vorzuörin- gen. Der Kampf bei Kaba Tepe war in vollem Gange, als es dem Feinde gelang, auch bei Sedöilbahr, Sighin- öere und Kumkale Truppen zu landen. Aber auch dort begegnete er erbittertem Widerstände und konnte nicht die geringsten Fortschritte erzielen. Die Tapferkeit der türkischen Truppen war so groß, daß es einer Kompagnie gelang, 1% Bataillone des Feindes ins Meer zu werfen. Während der Feind hartnäckig seine Stellungen verteidigte, sandten die Kriegsschiffe von allen Seiten einen furchtbaren Granatenhagel herüber. Die Kämpfe dauerten den ganzen Tag und einen Teil der Nacht an, bis es gegen Mitternacht den türkischen Truppen durch einen mit bemnnöeruugswürüiger Schnetdig- keit geführten Bajonettangriff gelang, den Feind zu vertreiben und den größten Teil der feindlicher» Truppen ins Meer zn werfen. Am 26. April eröffneten die feindlichen Kriegsschiffe wieder ein heftiges Feuer. Die Landkämpfe dauerten noch den mutsen Tag und die ganze Nacht an. Die ausgehende Sonne am 27. April beschien den türkischen Sieg.
Im Laufe des Vormittags führten die türkischen Truppen einen furchtbaren Bajonettangriff ans, der den Feind bei Sighindere in die Fluchtragte. Die feindlichen Soldaten drängten sich in so wilder Hast, daß viele von ihren eigenen Kameraden zertreten wurden. Nur einer kleinen Zahl gelang es, die Boote wieder zu erreichen. All demselben Tage wurden die feindlichen Streitkräfte, die Kaba Tepe besetzt hielten, von uns eingeschlossen. Sie erlitten durch das Fener unserer Maschinengewehre und Infanterie schreckliche Verluste, worauf sie zn fliehen begannen, viele ergaben sich gruppenweise. Am 28. April gelang es dem Feinde unter dem Schutze des Feuers aller seiner Kriegsschiffe, noch eine gewisse Anzahl seiner Truppen zu landen. Die Kämpfe begannen von neuem. Ein Torpedobootzerstörer, 2 Transportdampfer und ein Schiff für Wasser- flngzeuge sanken, 2 Kreuzer wurden beschädigt.
Der Augenzeuge schätzt die Zahl der getöteten Feinde ans 10 000, während die Türken nur wenig Tote
und eine verhältnismäßig geringe Anzahl Verwundeter hatten. Er zollt der Tapferkeit und Todesverachtung der türkischen Soldaten Worte begeisterten Lobes.
Die japanischen Forderungen an China werden jetzt endlich bekannt. Der Petersburger „Rjetsch" meldet aus Tokio: Die endgültigen vom Kaiser von Japan bestätigten Forderungen Japans an China sind nunmehr: Politische Vorrechte in der Südmandschurei, Ostmongolei, Schantung und Fulien. Als japanische Wünsche werden aufgestellt: Japanische Berater in den administrativen, finanziellen und militärischen Angelegenheiten Chinas, die Berechtigung zum Erwerb von Grundbesitz für japanische Schulen, Hospitäler und Tempel, Errichtung einer gemeinsamen chinesisch-japanischen Polizei, 50 Prozent alles chinesischen Kriegsmaterials soll in Japan angekauft werden oder aber es soll ein Arsenal errichtet werden, das nur japanische Techniker und japanisches Material benutzen soll, Berechtigung zum Bau einer Eisenbahnlinie Nischen—Nantschang—Gam- sche—Swatau, Errichtung von Häfen. Docks und Eisenbahnen in Fulien, Erlaubnis zn freier Ausbreitung des Buddhismus. . Y - ,
Kriegsallerlei.
Der Kronprinz bittet, ihm keine Glückwünsche ins Feld zu senden.
Um eine zu große Belastung der Feldpost und des Feldtelegraphen zu vermeiden, läßt der Kronprinz, wie Hofmarschall Graf Bismarck-Bohlen mitteilt, bitten, in diesem Jahre von beabsichtigten Glückwünschen zum Geburtstage freundlichst abzusehen.
Frau Pankhursts flammender Protest.
Nach einer Meldung des „B. T." veröffentlicht die glorreiche Miß Pankhurst im „Temps" einen flammenden Protest gegen den geplanten Frauenfriedenskongretz. Der Krieg müsse im Interesse der Menschheit bis zur „Zerschmetterung des deutschen Militarismus" fortgesetzt werden.
Bewegliche Forts.
Da der gegenwärtige Krieg immer mehr den Charakter eines Festungskrieges oder zum mindesten den eines Kampfes um stark befestigte Stellungen angenommen hat, so wendet sich die Aufmerksamkeit allen Mitteln zu, die zu seiner Führung dienen. Die bekannte französische Waffenfabrik von Schneider & Cie. hat im vergangenen Jahre nur transportable Forts gebaut, von denen man sich namentlich für die Verteidigung langhingestreckter Küstenstriche, aber auch sonst viel versprach. Bisher hatte man aber nichts von ihrer Verwendung gehört. Wie die schweizerische Wochenschrift für Offiziere aller Waffen mitteilt, besteht ein solches transportables Forts aus zwei Lafettenwagen, deren jeder eine Schnell- feuerhaubitze von 20 Zentimeter-Kaliber trägt, ferner aus einem Munitions- und Beobachtungswagen. Der aus diesen drei Wagen bestehende Zug wird von einer gepanzerten Lokomotive auf gewöhnlichen Schienen gezogen. Die Wagen sind durch Panzerplatten von 25 Sentimeter Dicke geschützt. Durch die vorübergehende ereinigung einer Anzahl dieser Geschütze hoffte man, überaus wirksame transportable Forts zu schaffen, die infolge ihrer Beweglichkeit einen bedeutend größeren Schutz bieten sollen als die feststehenden Befestigungsanlagen. Infolge ihrer ziemlich erheblichen Geschwindigkeit können sie nach jedem beliebigen Punkte geleitet und dort sogleich in Tätigkeit gesetzt werden. Im Bedarfsfälle können sie sich wieder zurückziehen und sich also in einem höheren Maße den augenblicklichen Verhältnissen anpassen, als dies den festen Batterien möglich ist. Der Gedanke, der dieser Konstruktion zugrunde liegt, hat ja an und für sich etwas Bestechendes, aber es scheinen sich für die Franzosen doch in der Praxis Schwierigkeiten ergeben zu haben, denn, wie schon erwähnt, — man hat von der Tätigkeit dieser beweglichen Forts bis nun noch nichts gehört.
Vermischtes.
Schreckenstat eines Neunjährigen. In München hat sich ein entsetzlicher Vorgang abgespielt. Der neunjährige Sohn eines Hilfsarbeiters schnitt seiner Schwester, einem einjährigen Kind, das er zu beaufsichtigen hatte, die Kehle durch. Dann stellte er einen Hammer, den er aus dem Werkzeugkasten seines Vaters nahm, vor die Tür und sagte der zurückkehrenden Mutter, Einbrecher seien dagewesen und hätten das kleine Kind umgebracht. Die Wahrheit stellte sich sehr bald heraus, worauf die Polizei den Knaben, der sich inzwischen zum Spielplatz begeben hatte, in Schutzhaft nahm. Zweifellos ist der Knabe erblich belastet und wird einer Anstalt zugeführt werden.
Sechs Jahre Zuchthaus für einen Hochstapler. Ein Einbrecher, der als Spezialität Einbrüche bei Ministern und anderen hohen Beamten betrieb, stand in der Person des früheren Postgehilfen Robert Meyer aus Salden vor der Strafkammer in Halle. Nachdem er im vorigen August aus dem Gefängnis entlasten worden war, plünderte er in Bückeburg die Villa des Staatsministers v. d. Recke und erbeutete einige Tausend Mark irr barem Gelde sowie für 6000 Mark Brillanten. In Stettin plünderte er die Bürgermeisterwohuung, in Altenburg stattete er dem Staatsminister Ruhstraat einen Besuch ab. In Gotha verübte er einen erfolgreichen Einbruch bei dem Staatsminister v. Bassewitz. In Coburg, Bremen und Lübeck bestahl er in nächtlichen Einbrüchen verschiedene Konsuln. In Halle wurde er schließlich verhaftet, als er bei einem Professor einbrach. Man fand bet ihm noch etwa 2000 Mark sowie für 15 000 Mark Edelsteine. Die Strafkammer verurteilte ihn zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust.
„Heringskartoffeln". Auf welche Mittel Berliner Kartoffelhändler gekommen waren, um die gesetzlichen Höchstpreise nicht einhalten zu müssen, zeigte ein Fall, der die Strafkammer beschäftigte. Wegen Ueberschrei- tung der Höchstpreise war der Kartoffelhändler Eduard Geiß aus Neukölln angeklagt. Der Angeklagte war, wie die Verhandlung ergab, in folgender Weise zu Werke gegangen: Wenn jemand in seinem Laden Kartoffeln verlangte, so erklärte er erst, keine zu haben. Dann aber erklärte er dem Kunden, daß er ihm Kartoffeln verkaufen würde, wenn der Betreffende gleichzeitig auch einen Hering kaufen werde. In den meisten Fällen gingen die Kunden auch hierauf ein, in der Meinung, es handele sich nm den bekannten Berliner „Sechser-Hering". Der Angeklagte berechnete nun aber diesen Hering, der ihn selbst 214—3 Pfg. kostete, mit 20 Pfennig, so daß er dadurch indirekt an den Kartoffeln einen höheren Verdienst von 15 Pfg. hatte. Der StaatS- anwalt beantragte 75 .// Geldstrafe. Das Gericht erkannte jedoch auf 100 Mark Geldstrafe, da es sich hier um einen recht raffinierten Fall handele; das Gericht habe lange geschwankt, ob es den Angeklagten nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilen tolle.
Deutsche Iremdeulegiouüre vor ienT Kriegsgericht.
Vor dem Kriegsgericht in Hanoi in Jndochina wurde, wie die neu eingetroffenen Nummern des „Ostasiatischen Lloyd" melden, Ende Januar gegen eine Anzahl deutscher Fremdenlegionäre vorhanden. Der Korporal Kurth wurde beschuldigt. nach Ausbruch des Krieges versucht zu babeu, in Jndochina eine Bewegung gegen Frankreich hervorzurufen und zu diesem Zweck zusammen mit anderen deutschen Legionären eine Verschwörung ange- zettelt zn haben. Zunächst sollte der in Nam-Nang stationierte Posten überwältigt werden, wodurch man in den Besitz der dort lagernden Waffen und Munition kam. Dann sollten weitere Militärposten unter dem Vor- wande, Nam-Nang sei von Piraten bedroht, zu Hilfe gerufen und in einen Hinterhalt gelockt werden. Nach den ersten Erfolgen soll beabsichtigt worden sein, eine ernste Bewegung gegen den Bestand der französischen Herrschaft in Jndochina ins Leben zu rufen. Der Plan wurde verraten, und die ermittelten Teilnehmer vor das Kriegsgericht gestellt. Dieses erkannte nach zweitägiger Verhandlung auf schuldig. Korporal Kurth, der Anführer der Bewegung, wurde zum Tode verurteilt, drei weitere deutsche Angehörige der Fremdenlegion zu je zehn Jahren Zuchthaus. Das gegen das Urteil einge- reichte Revisionsgesuch wurde vom Revisionshof verworfen.
Die Vollstreckung des Urteils gegen Kurth fand in Gegenwart der ganzen Garnison und einer großes, meist aus Annamiten bestehenden Menschenmenge in der Frühe des 6. Februar statt. Die französische Lokalpresse schrieb nach vollzogener Hinrichtung: „Der Korporal- Kurth ist tapfer und ohne Prahlerei gestorben. Die Offiziere und Soldaten, die seinem Tode beiwohnten, hören nicht auf, den Mut dieses Mannes zu rühmen, der für uns ein ernsthafter Gegner hätte werden können."
Ueber die Herkunft Kurths macht eine Tonkinger Zeitung noch folgende Mitteilungen: Kurth soll vor seinem Tode dem auf sein Verlangen ihn besuchenden Missionspriester über seine Herkunft mitgeteilt haben, daß er der Sohn eines sächsischen Offiziers aus vornehmer Familie sei. Infolge von Familienzwistigkeiten sei er in die Fremdenlegon eingetreten. Seit Ausbruch des Krieges habe ihm aber der Wunsch keine Ruhe mehr gelassen, etwas für sein Vaterland zu tun.
Variser Pflegerinnen.
Eigenartige Szenen aus Pariser Lazaretten werden in einem Briefe der römischen „Tribuna" geschildert. Die Damen, die die Pflege von Verwundeten übernommen haben, „übertreiben" manchmal ihre Aufmerksamkeit und den Eifer ihrer Hilfe. So kommt es, daß mancher Soldat es bei weitem vorzieht, von einer berufsmäßigen Pflegerin bedient zu werden, als von einer dieser Damen. In einem Lazarett, das von einer ausländischen Kolonie in Paris eingerichtet war, wurde vor kurzem ein Negerjüngling eingeliefert, um den sich verschiedene aristokratische Damen wie verrückt gebärdeten. Alle über- häuften ihn mit Zärtlichkeiten und Geschenken, als ob es sich um das reizendste weiße Baby gehandelt hätte, aristokratische Damen wie verrückt gebärden. Alle über- häuften ihn mit Zärtlichkeiten und Geschenke, als ob es sich um das reizendste weiße Baby gehandelt hätte .
Eines Tages waren wieder die Geschenke auf das Bett des Schwarzen herabgeregnet, aber der Pflegling schien doch weniger vergnügt als sonst. Ein Sturm von Fragen ging auf ihn nieder, die Damen zeigten ihm ihr holdestes Lächeln, sie wetteiferten, ihm hundert schöne Sachen zu versprechen. Eine der Damen hatte schließlich eine Idee. Sie eilte hinaus, sprang in ihr Automobil, und nach einer halben Stunde tehrte sie mir einem prächtigen Spielzeug zurück. Die anderen Soldaten hatten unterdessen einen Soldaten holen lassen, der arabisch verstand, und den Schwarzen fragen sollte. Als der Dolmetscher eintrat, drehte der Neger gerade das Spielzeug, das die besorgte Dame ihm eben gebracht hatte, zwischen den Handen, ohne zu wissen, was er damit zollte. „Wolltest du das haben?" fragte ihn der Dol- netscher. Der Neger schüttelte den Kopf nnb sagte mit einem traurigen Senszer: „9tein." „Aber was willst du denn eigentlich?" fragte der weiße Soldat. Worauf der Neger ihm zuflüstercr: „Ein Stückchen Brot.
Ein anderes Mal wurde in ein Lazarett ein Verwundeter eingeliefert, dessen Sauberkeit alles zu wünschen übrig ließ. Er fam augenscheinlich direkt aus dem Schützengraben bei schlechtem Wetter. Die vornehmen Pflegerinnerl weigerten sich ganz entschieden, ihn aus- zukleiden, da der Geruch, oen der Unglückliche verbreitete, zu fürchterlich war. Es mußte also eine richtige Krankenpflegerin kommen, die ohne weiteres ihre Arbeit verrichtete, den Soldaten entkleidete, wusch und seine heftig schyterzenden Wunden behandelte. Als nun die Damen sich dem Bett des frisch gewaschenen und wieder menschenähnlichen Verwundeten näherten, sahen sie, daß sie augenscheilich einen jungen Mann aus sehr vornehmer Familie vor sich hätten, und sie erfuhren, daß er den Namen eines der ältesten französischen Adelsgeschlechter trug. Jetzt drängten sie sich an sein Bett und wollten ihn alle pflegen. Aber der junge Mann blieb völlig ungerührt und würdigte sie kaum eines Blickes. „Wenn Sie irgendetwas brauchen, rufen Sie!" sagte eine der Damen. „Es wird uns ein großes Vergnügen sein, Sie zu bedienen." „Danke," antwortete der Soldat, „ich wünsche nur, daß die brave Pflegerin, die mich gewaschen hat, auch weiterhin meine Pflege übernimmt!" Die Damen verstanden die Lektion.
Weitere Drahtnachrichten,
Englische Eingeständnisse über die deutschen Erfolge
bei Npern.
w> London, 3. Mai. (WTB.) Die Times schreiben in einem Leitartikel: Was wir militärisch in den letzten Kämpfen an der Westfront erreichten, ist unr eine negative Leistung. Nnr ein Teil des Geländes, das der Feind in den letzten Wochen gewann, wurde »hm rvieder entrisse«. Die Deutschen können bei Ypern einen beträchtlichen Geländegewinn verzeichnen, den größten, der in den letzter» 5 Monate»» beiderseits auf dem westlichen Kriegsschauplatz gemacht wurde. Wir steheu einem Feinde gegenüber, der in jedem Augenblick mit großer Macht, unbändigem Mnt, reichem Borrat an Trnpper, und Geschützen und »ntt einem Geist, der vor nichts an» rückschreckt, die Offensive ergreifen kann. Die Deutsche« sind geeint wie nie seit 1870, trotzdem wird Euglanv siegen, aber nur, wenn die ganze Nation alle Stärke «nd Geisteskraft heransetzt.
Fliegerbomben auf Luneville.
6*^ Lyon, 3. Mai. (WTB.) Der Progres meldet: Ein deutsches Flugzeug hat Luneville in sehr großer Höhe überflogen. ES warf eine Bombe ab, die ein Haus beschädigte. Eine Person wurde leicht verletzt. Fran- Ssche Flugzeuge stiegen zu ihrer Verfolgung auf. Das tsche Flugzeug warf während des Rückzuges noch mehrere Bomben, ohne beträchtlichen Schaden anzu- richten.
Bomben auf Luneville.