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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Jersjelder

für den Kreis Hersfeld

Wlatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder- holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags. I

Nr. 100.

Freitag, den 30. April

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande «nd macht Ach strafbar.

Aus der Heimat.

* (Ausnahme tarife.) Mit Gültigkeit vom 26. April b. Js. ist ein Ausnahmetarif für Küchen- abfälle und Speisereste, auch geröstet oder gemahlen, zur Verwendung im Jnlande zu Futterzwecken ein­geführt. Der Tarif gilt für Stückgut und Wagen­ladungen. Nähere Auskunft erteilen die Güterab­fertigungen, durch die auch Abzüge des Tarifs zu be­ziehen sind.

*(UeberwachungderGetreidevorräte.) Wie mir bereits im Herbst v. I. mitgeteilt hatten, ließen die damals häufig auftretenden Brände an Ge­treideschobern, Kornhäusern nsw. den bestimmten Verdacht zu, daß feindliche Ausländer namentlich Engländer, die Brandstifter oder doch wenigstens die Anstifter seien. Neuerdings haben sich solche Brände wieder in auffallender Weise vermehrt. Auch die Casseler Landwirtschftskammer macht unsere Land­wirte auf die vorhandene Gefahr aufmerksam, und er­sucht dringendst, die vorhandenen Getreidevorräte scharf zu überwachen bezw. in den Gemeinden für die Durchführung einer scharfen 1 che^v^chung aller Ge- treidebestände und für strenges Vorgehen in jedem Verdachtsfalle einzutreten. Auch die Landwirtschafts- kammer ist der Ansicht, daß bezahlte feindliche Agenten oder deren Helfershelfer am Werke sind, Getreide­vorräte in Brand zu stecken, um auf diese Weise zur Aushungerung des deutschen Volkes beizutragen.

* N a h r u n g s m i t t e l, die nichts kosten, beginnen Feld und Wiesen jetzt zu liefern. Sie sollten voll ausge- nntzt werden, damit nichts verloren geht. Die Bren­nessel gibt, wie Spinat gekocht, ein schmackhaftes Ge­müse, das bis in den Sommer hinein wild wächst, wobei man bei vorgerückter Jahreszeit nur Blätter und Spitzen verwertet. Die jungen Löwenzahnblätter, wie Kopfsaalat zubereitet, finden viele Liebhaber; sind die Blätter älter, so legt man sie bündelweise 38 Tage lang in frisch aufgeworfene Erde oder in den Keller in angefeuchteten Sand, bis sie gelb werden. Dann werden sie fein geschnitten und wie Endivien- salat zubereitet. Einen guten Salat gebenRapünzchen, die man auf unbestellten Feldern findet. Hopfenspitzen werden wie Blumenkohl behandelt und schmecken vor­züglich. Reiche Auswahl in der Behandlung gestattet der Sauerampfer. Man kann ihn zu Suppen, Saucen als Gemüse und Salat verwenden. So läßt sich durch Heranziehung vieler sonst unbeachteter Pflänzchen ein Ersatz schaffen für den Ausfall, den uns die fehlende Gemüsezufuhr aus dem Ausland auferlegt.

* (Keine feuergefährlichen Gegen- stände mit der Feldpo st versenden. In vielen Geschäften werden mit Benzin gefüllte Gelatine­kapseln und Streichhölzer in Blechbehältern feilge­halten und dem Publikum als zur Versendung mit der Feldpost geeignet angepriesen. Demgegenüber wird erneut darauf hingewiesen, daß die Versendung feuergefährlicher Gegenstände, wie Streichhölzer, Ben­zin, Aether, mit der Feldpost unter allen Umständen, selbst unter besonderer Verpackung, verboten ist Wer der Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot über- führt wird, wird strafrechtlich verfolgt. Bei dieser Gelegenheit wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Industrie Feuerzeuge mit Feuersteinen und Zünd­schnur auf den Markt gebracht hat, die ohne Benzin oder andere Zündmittel gebrauchsfähig und unge­fährlich sind. _ ,

):( Hersfeld, 29. April. (Die Fr uhjahrsbe­st e l l u n g.) Wer heute über die Felder geht, entlang den Gärten, der sieht überall fleißige Hände sich regen. Männer und Frauen, Mägde und Kinder schaffen em­sigan der Bestellung der Aecker. Während die Männer hinter dem Pfluge gehen, legen Frauen und Kinder Kartoffeln ein, pflanzen, hacken und sorgen für den Imbiß. Am Straßenrande stehen die kleinen Wagen für das Handgerät und den Proviant, am Graben oder in der Ackerfurche liegen wohlumwickelt Kaffeeflaschen. Brot, Wurst und Eier, dann nach getaner Arbeit schmeckt das Essen. Neben dem Pfluge stolziert ein Dutzend Krähen, auch die Stare fehlen nicht, die be­gierig nach jedem Wurm, jedem Engerling haschen, den der scharfe Pflug ans Licht beförderte. Es wird fleißig gearbeitet draußen; jeder hat ein Stückchen Acker, das er bearbeitet und von dem er gerade in diesem Jahre reichen Ertrag erhofft. Möge es eine gesegnete Ernte geben.

):( Hersfeld, 29. April. (Preußische Klassenlotterie.) Am Montag den 3. Mai läuft die Erneuerungsfrist für die Lose fünfter Klasse 231. Lotterie ab.

§ Hersfeld, 29. April. Im Regierungsbezirk Cassel ist die Maul- und Klaueuseuche in den letzten Tagen neu aufgetreten: Kreis Homberg (Ge­meinde Hebel), Kreis Eschwege (Gemeinde Schwebda). Erloschen ist dagegen die Seuche im Kreise Homberg (Gemeinden Arnsbach, Borken, Fronhausen), Kreis Melsungen (Gemeinden Niedervorschütz, Böddiger, Deute und Neuenbrunslar), Kreis Witzenhausen (Ge­meinde Märzhausen.

):( Hersfeld, 29. April. Der Kommandeur des 3. Bataillons (Hersfeld) Res.-Jnf.-Regt. 71, Hauptmann von B r a n d e n st e i n, wurde mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. Die Aus­zeichnung wurde sowohl für persönliche Verdienste wie auch für Verdieste des gesamten 3. Bataillons verliehen.

):( Hersfeld, 29. April. Dem heutigen V i e h m a r k t waren nur 67 Stück Rindvieh zugetrieben. Der Handel war bei guten Preisen sehr flau. Auf dem Schweinemarkt waren 240 Schweine aufgefahren und ging der Handel gut. Das Paar Ferkel wurde mit 34 bis 40 Mark bezahlt. Der nächste Viehmarkt findet am 11. Mai statt.

Cassel, 28. April. Eine Schaffnerin der Casseler Straßenbahn wurde gestern vor dem Friedhofe beim Ankoppeln eines Anhängemagens derart von dem Wagen gequetscht, daß sie den rechten Oberschenkel brach. Die Freiwillige Sanitätskolonne brächte die Verunglückte nach dem Landkrankenhause.

Hann-Münden, 27. April. Eine männliche Leiche wurde aus der Weser nahe bei Vaake geländet. Es handelt sich um den 43jährige Unteroffizier Adolf Fr. aus Göttingen. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, konnte noch nicht fc.^gestellt werden.

Heiligenstadt, 28. April. Gestern nachmittag gegen 3' -' Uhr entgleisten zwischen Bahnhof Bleicherode und Niedergebra mehrere Wagen eines leeren Güterzuges, wobei 6 Wagen zertrümmert und 2 Personen verletzt wurden. Hilfszüge aus Nordhausen und Leinefelde trafen kurz darauf an der Unfallstelle ein und be­seitigten die zum Teil quer über den Schienen liegenden Wagen, so daß der Verkehr nur kurze Zeit gestört war.

Witzenhausen, 28. April. Heute früh gegen 1 45 Uhr brach in der Papierfabrik von Staffel ein Brand aus, der die ganze Fabrik vernichtete. Sämtliche Ge­bäude sind niedergebrannt, so daß der Betrieb auf­gegeben werden muß. Dadurch werden etwa 200 Ar­beiter brotlos.

Mühlhanseu i. Th., 26. April. Hier wurden am Sonnabend über 40 Frauen aus dem Nachbardorfe Görmar gerichtlich vernommen, weil sie ihre Brote schwerer als 2 Kilogramm gebacken hatten. Sie werden sich deshalb vor dem Schöffengericht zu verantworten haben.

Eisenach, 28. April. Der Bürgerschullehrer Rein- hold Tappert, der im Juli v. I. eine Ferienreise nach Rußland unternahm, dort vom Kriege überrascht und in Kriegsgefangenschaft genommen wurde, ist jetzt endlich freigelassen worden.

Ein halbes Jahrtausend hohenrosterntumr.

Zum 30. April.

Dem 1. April, dem Jahrhunderttage der Geburt Bismarcks, folgt am Ende dieses Monats ein zweiter preußisch-deutscher Gedenktag. Am 30. April vor einem halben Jahrtausend übertrug Kaiser Sigismund die Markgrafenschaft Brandenburg dem Burggrafen Friedrich von Nürnberg als Kurfürstentumerb- und eigentümlich." Der Weltkrieg gestattet nicht, auch diesen Gedenktag der Geburt des Hollenzollernstaates so festlich, als es der vollen geschichtlichen Bedeutung dieses Tages entspräche, zu begehen. Gleichwohl ziemt es sich, den 30. April 1415 zu würdigen als den An­fang des Werdens und Wachsens der Hohenzollern im Kürfürstentum Brandenburg, der zugleich die Vor­aussetzung ihrer unvergleichlichen Wirksamkeit snr Deutschland bildet.

Als Burggraf Friedrich von Nürnberg vor >00 Jahren der Begründer des brandenburgisch-preußischen Staates wurde, umfaßte seine Herrschaft nur ein Ge­biet von 400 Quadratmeilen mit 300 000 Einwohnern. Ein karger Boden, genannt die Streusandbüchse des heiligen römischen Reiches, war es, worauf der erste Hohenzollernfürst die unsäglich harte und schwere Er­ziehungsarbeit seines anfangs kleinen Völkchens be­gann und die Keime zu weltgeschichtlicher Entwicklung legte. Diese Hohenzollernarbeit stellt eine der er­hebendsten Zeugnisse dar, wie ein Volk vom Kleinsten bis zum Größten von seinen Fürsten durch die eiserne Zucht des Willens, der in Stürmen herbster Nöte und schicksalschwerster Prüfungen gestählt wird, em­

porgeführt werden kann. Fast immer haben sich die Hohenzollern als die berufenen Erzieher zu diesem Willen erwiesen, als Helden von Blut und Eisen, als Helfer und Retter im Kriege wie im Frieden, die in den entscheidenden Stunden erkannten, was not tat.

Unter ihnen ragt als ein wirklich Erster der erste brandenburgische Kurfürst Friedrich empor, der Held des Fünfhundertjahrtages vom 30. April. Er lebt mit dem unvergänglichen Verdienste fort, den Grund zu der Lebensfähigkeit des deutschen Staates gelegt zu haben, der heute die Krone des Deutschen Reiches trägt. Kurfürst Friedrich l. war ein Fürst mit An­lagen zu einer Größe, die unter seinen Nachfolgern der Große Kurfürst, König Friedrich der Große und Kaiser Wilhelm der Große wirklich erlangt haben. Als ein ganzer Mann ist er von unsern Geschicht­schreibern bewertet worden. Ranke, einer der ersten unter diesen, hat über ihn gesagt:Ebenso reich an Ideen wie voll von Talent, sie auszuführen, immer nach den wechselnden Umständen und Erfordernissen der Zeit, hatte er einen Zug von Volkstümlichkeit und einen lebendigen Begriff vom Berufe des Fürsten­tums. In diesem Sinne faßte er die dem Titel hinzu­gefügten Worte .von Gottes Gnaden' auf; alle seine Landschaften betrachtete er als ein ihm von Gott an­vertrautes Gut. Von ihm ist das schöne und große Wort, er sei der .schlichte Amtmann Gottes am Fürstentum'."

Der Geist dieser ersten großen Hohenzollernlosung, der Pflicht, die auch den Fürsten in den Dienst seines Staates, seines Volkes, seines Vaterlandes stellt, hat die 500 Hohenzollernjahre beseelt, an die der 30. April erinnert. Es ist der Geist wachsender, unwidersteh­licher, unüberwindlicher Größe, wie sie sich auch in diesem Weltkriege bekundet. Das halbe Jahrtausend Hohenzollerntums besiegelt die Wahrheit, daß der Geist der Pflicht, der Zucht, der Ausdauer und der Treue es ist, dem allein der gerechte Anspruch gebührt, ein Volk zur Sonnenhöhe von Macht, Ehre und Ruhm zu erheben und dort ihm seinen Platz zu sichern. Und nicht minder lehren diese herrlichen fünf Hohenzollern- jahrhunderte, daß solchen Geistes Gestalter und Führer Fürsten gewesen sind, in denen das Pflichtbe­wußtsein Fleisch und Blut geworden war, die ihren vornehmsten Beruf darin erkannten, Volkserzieher und Vollstrecker des völkischen Willens zu sein. Da­rum sind die Hohenzollern Vorbilder volkstümlichsten Heldentums, vom ersten, dem Kurfürsten Friedrich an, der sich als schlichter Amtmann Gottes am Fürsten­tum bekannt hat, dessen Wahrspruch dann Friedrich der Große mit dem gleichen Bekenntnis ausgenommen hat: Ich bin der erste Diener des Staates!", bis zu unserm Kaiser, der jüngst mit Freude und Stolz erklärt hat, in solcher Zeit der erste Diener einer solchen Nation zu sein". Fünf Jahrhunderte Hohenzollernpflicht: das bedeutet Vorwärts mit Gott durch Kampf zum Sieg!

Lurch die Lupe.

Ein Stückchen Zeitgeschichte in Versen.)

Unaufhörlich durch die Zeitung sucht durch Lug- und Trugverbreitung die Entente in Fieberqualen Unterstützung der Neutralen zu erbetteln, denn allein ---soviel sieht ein jeder ein scheint es mit dem Siegen windig, ob auch Frankreich noch so findig in der Kriegesmittel-Wahl sich gezeigt mit einem Mal. Deutschland hat auch diesmal wieder Frankreichs Mittel, brav und bieder auf der Stelle nachgemacht - Hat in Frankreich man gedacht, Deutschland würde rückwärts blasen, wenn mit giftigen Pulvergasen Frankreich die Geschosse jetzt angefüllt zuguterletzt? Stein, als wir von diesen Gasen neulich in der Zeitung lasen, waren dankbar wir sogleich für den neuen Fingerzeig. Und sofort mit gleichen Waffen - tat man sich Erfolge schaffen, mit dem Unterschied jedoch: unser Gas war besser noch Das ent­täuschte Frankreich möchte über Bruch der ^>0tker- rechte jetzt natürlich wieder stöhnen, denn man muß sich dran gewöhnen: alles gilt crit dann als schlecht und verletzt das Völkerrecht, wenn es auch die Deutschen machen, die sich sonst für solche Sachen viel zu brav und ehrlich dachten, eh es nicht die Feinde machten.---- Auch tut Aus­

land selbstverständlich lernt man es begreifen endlich, daß sich Deutschland schließlich auch wehren darf nach gleichem Brauch. lind mit allen schönen Reden, - womit Brit' und Franzmann jeden schmeichelnd zu umgarnen suchen--wenn sie auch im stillen fluchen ---ja, mit allen diesen Mühen, dem Erfolge nimmer blühen, ward bisher noch nichts erreicht, als daß man der Welt gezeigt, daß man seinen eig'nen Truppen nicht mehr zutraut, diese Suppen, die man angerührt indessen, mit Erfolg jetzt auszuessen, daß man, ehrlich sei's gesagt, Dumme jetzt zu suchen wagt, die die Finger sich verbrennen jetzt an dem Ge­schäfte können. Walter-Walter.