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f DeL Bericht des österreichische« FlottenkommanvoS.

Wie«, 28. April. (WTB.) Das Flottenkom- Ntandv veröffentlicht folgendes Communiquee: Unter- seevoot 8, Kommandant Linienschiffsleutnant Georg Ritter von Trapp hat im Ionischen Meer den franzö­sischen Panzerkreuzer Leon Gambetta torpediert und ver­senkt.

Das Rettungswerk für die Besatzung des Leon Gambetta".

"»8* Rom, 28. April. (WTB.)Giornale d'Jtalia" berichtet aus Brindisi: Da der drahtlose Telegraph auf dem PattzerkreuzerLeon Gambetta" nicht betriebsfähig war, so wäre der Verlust an Menschenleben sehr groß gewesen, wenn die Italiener von der Signalstation nicht zu Hilfe gekommen wären, Hilferufe nach allen Seiten ausgesandt'und trotz tiefer Nacht mit ihren Booten das Rettungswerk begönnert hätten. Sofort erschienen fast alle in der Nähe befindlichen Fäscherboote und einige Torpedoboote bei dem fast gänzlich überfluteten Panzer­kreuzer, dessen Besatzung 720 Köpfe betrug. Alle Tor­pedobootszerstörer aus Brindisi und Otranto sowie an­dere Schiffe aus Tarent sind zur Stelle und suchen die Gewässer nach allen Richtungen ab. Da die Besatzung zur Zeit des feindlichen Angriffes schlief, sind viele Ma­trosen ohne jede Kleidung. Die Behörden in Tarent sind angewiesen worden, Klerdunktsstücke zur Verfügung zu stellen.

Der Türltenkrieg.

Vier feindliche Brigade« ins Meer getrieben.

Konstantinopel, 27. ApriL, 5 Uhr 25 Minuten, nach­mittags. (WTB.) Das Hauptquartier teilt mit: Die Ufer von Sighin Dere, westlich von Sedulvahr sind vom Feinde gesäubert worden. Der Feind, der in der Nähe von Kabatepe gelandet war, bemühte sich, unter dem Schutze des Feuers seiner Schiffe sich in seiner Vertei­digungsstellung zu halten. Heute früh nahmen aber un­sere Truppen die genannte Stellung im Sturm, zwan- zen den Feind, sich auf der ganzen Linie zurückzuziehen, und fügten ihm außerordentlich schwere Verluste zu. Hin Teil des Feindes, der nach dem Meere zu flieht, flüchtete in seine Schaluppen und entfernte sich schleu­nigst. Diejenigen, die nicht fliehen können, entfalten weiße Fahnen und ergeben sich in Massen. Wir stellten fest, daß ein feindlicher Transportdampfer von den Ge­schossen unserer Artillerie getroffen wurde und vor Art Burnu sank. Eine in letzter Stunde (um 4% Uhr nach­mittags) eingetroffene Meldung besagt, daß die feind­lichen Streitkräfte, welche auf vier Brigaden geschätzt wurden, an der Küste von Kabatepe ins Meer getrieben worden sind. Ein feindlicher Kreuzer wurde mit zer­brochenem Mäste und beschädigtem Hinterschiff nach Te- uedos geschleppt.

** Paris, 28. April. (T. U.) Aus den nach hier gelangten Nachrichten über die Kämpfe der auf Galipoli gelandeten Truppen geht nach demB. L.-A." hervor, daß an den wichtigen Punkten keine englischen oder französischen Truppen Fuß fassen konnten. Die Tapfer­keit der im Nahkampf überaus tüchtigen türkischen Truppen wird auch vom Gegner rückhaltlos anerkannt.

Neue Erfolge der Türken.

e-*> Konstautinopel, 28. April. (WTB.) Bei dem gestrigen Empfange gelegentlich des Jubiläums des Sultans teilte der Kriegsminister ein Telegramm des Kommandeurs der 5. Armee, Liman Pascha, mit, nach­dem das Zentrum und der rechte Flügel des Feindes vollständig geschlagen sei und Hoffnung bestehe, daß auch der linke Flügel geschlagen werde.

Vorbereitungen zu einem neuen Angriff auf Smyrna.

6-^ Rom, 28 .April. (T. u.) Aus Athen wird nach derBl. Mp." gemeldet: Die französisch-englische Flotte bereitet einen neuen Angriff auf Smyrna vor.

. Kriegsallerlei.

Fortschreitende Genesung Klucks.

Der Führer der 1. Armee im Westen, Generaloberst von Kluck, erlitt Ende März in der vordersten Reihe der Schützengräben durch eine Schrapnellkugel eine Verwun­dung, die als leicht bezeichnet wurde. Jetzt ist der Ge­neraloberst auf dem besten Wege der Genesung. Er hat schon am 16. ö. Mts. den Garten seiner zum Lazarett eingerichteten Villa Rosa in Berlin betreten können.

Ein beachtenswertes Zugeständnis.

DasBerl. Tgbl." berichtet aus Kopenhagen: Der amerikanische Stahlkönig Charles Schwab, der bekannte Präsident der Bethlehem-Stahlwerke und der Haupt- munitionslieferant der Ententemächte, hat einem eng­lischen Journalisten erklärt, er halte Krupps Schiffs- geschtttze allen anderen der Welt überlegen.

Japan liefert Rußland Stickvomben?

Nya Dagligt Allehanda" in Stockholm erfährt von russischer militärischer Seite, daß Japan Rußland 12 000 Bomben geliefert habe, die nnt giftigen Gasen gefüllt sein.

Ein feindlicher Flieger über deut Neckar.

Stuttgart, 27. April. (WTB.) Das Kriegsministe- rium teilt mit: Heute vormittag zwischen 9 und 10 Uhr flog ein französischer Doppeldecker aus westlicher Rich­tung kommend über Oberndorf (Neckar), umkreiste mehrere Male die Stadt und warf vier Bomben ab. Da­von fielen drei beim mittleren, eine in das obere Werk der Waffenfabrik Mauser. Der Flieger wurde schon beim Anflug und dann beim Kreisen über der Stadt mit Geschützen und Maschinengewehren beschossen. .Durch Bombensplitter wurden sechs Personen der Zivilbevöl­kerung, darunter einige Arbeiter, getötet, sieben schwer verletzt. Der Gebäude- und Materialschaden ist nur un­erheblich. Der Betrieb der Waffenfabrik ist nicht ge­stört. Der Flieger entkam und flog in westlicher Rich­tung davon.

Entlassung der englischen Bankbeamter» aus Ruhleben.

hleben vereinigten Engländer Vergeltungsmaßnahme gegen-

Vor einigen Tagen sind aus dem Gefangenenlager Ruhleben 17 englische Bantbeamte entlassen worden. Wie von zuständiger Seite mitgeteist wird, hat es mit diesen Entlassungen folgende Bewandtnis: Bei derFest­setzung aller jetzt in Ruhleben vereinigten Engländer handelt es sich um eine Vergeltungsmaßnahme gegen­über der Masseninternierung von deutschen Staatsange­hörigen in England. Nun hat es sich Heransgestellt, daß in England über 100 deutsche Bankbeamte sich nicht nur auf freiem Fuß befinden, sondern auch ungestört ihren Geschäften nachgehen können. Da hiernach für diese Kategorie von Persönlichkeiten der Intermentngvor11nd fortfiel, erschien es gerechtfertigt, dse englischen Bank­beamten auf freien Fuß zu setzen. Inwieweit das Be- nehmen der freigelassenen Engländer auf ihrer pi-ahrt nach Haurburg zu berechtigten Aufstanden Anlaß gegeben hat, wird die hinüber eingeleitete Untersuchung .er­geben. _

Zu dem Beginn der neuen Operationen in Polen.

Während der gewaltigen Karpathenkämpse, welche einen großen Teil der verfügbaren russischen Mannschaf­ten festhielten, war es, wie der KorrespondenzHeer und Politik" geschrieben wird, vor Warschan still gewor­den. Die Schuld daran trug zum Teil auch das Tau- wetter des Vorfrühlings, durch das die Wege Polens zu großen unwegsamen Sümpfen verwandelt worden waren. Das Wetter hätte ein Vordringen nicht unmög­lich gemacht, wie die Winterschlacht in Masuren zeigt, in der unsere Truppen manchmal bis zu den Schultern im Schnee watend vorgedrungen sind. Aber der Vor­frühling hatte auf die Entwicklung der Kämpfe einen starken Einfluß. Nun, nachdem die große russische Lffen- sive in den Karpathen zum Stillstand gekommen ist, kann man nach Ankündigung der russischen Blätter eine neue Tätigkeit der Russen in Polen und gegen die Grenze Ostpreußens erwarten. Der russische Kriegsplan, wie er erst jüngst in englischen und französischen Bettungen verkündet wurde, besteht ja hauptsächlich darin, irgend wo auf der 3000 Klm. langen Front stets einen neuen Versuch zum Durchbruch zu machen. Schon im Januar uud Februar d. I. haben die Russen mehrfach versucht, gegen Posen und Ostpreußen vorzudringen. Nachdem die große russische Offensive gegen Posen durch die Nie­derlage bei Wloclawek am 13. und 11. November, bei Kutuo am 15. November, bei Przerziny am 24. und 25. November gebrochen war, mußten sie am 26. Dezember- Lodz aufgeben und sich zurückziehen. Das deutsche Heer hatte 120 000 Gefangene gemacht und gelangte auf sein Vordringen an den Bzura-Abschnitt vor Warschau. Hier kam es Anfang Januar zu der Schlacht an den vier Flüssen Bzura, Rawka, Sucha und Pilizka. in deren Mittelpunkt Lodz gelegen ist. Bei Beginn des Jahres hatten unsere Heere einen weiteren Fortschritt durch die Eroberung des Stützpunktes Borzimow gemacht, einer festen Stellung zur Deckung Warschans östlich der Rawka zwischen Lowicz und Sochazev. Es kam also zu­gleich mit den Kämpfen um Lodz zu einem Vordringen unserer Heere westlich von Warschau. Fast gleichzeitig damit errang auch unser Heer auf der Front nordwest­lich von Warschau große Erfolge. Um die Mitte Fe­bruar errichtete unser Heer die Linie PlockRacionz. Racionz liegt wenig nordöstlich von Plock entfernt. Ver­folgen wir die Schlachtfront immer weiter uadj Nord- osten, dann gelangen wir zu der befestigten Njemen- linie, auf die sich die Russen in der Winterschlacht bei Masuren zurückziehen mußten. Stuf der ganzen Front blieb das deutsche Heer siegreich und drängte die russi- schen Massen langsam aber unbezwinglich zurück. So weit war die Kriegslage bis zu dem Augenblicke ge­diehen, wo die große Schlacht in den Karpathen ihren Anfang nahm. Nun. nachdem unsere Truppen hier in den Karpathen allmählich zur Offensive übergehen, neh­men, durch das besser werdende Wetter begünstigt, auch die Bewegungen in Polen einen neuen größeren Um­fang an. Das Bombardement der russischen Festungen durch deutsche Flieger in jüngster Zeit ist auch ein Be­weis für die lebhafte Tätigest auf diesem Teile des östlichen Kriegsschauplatzes.

Vom LandsAlmleben

erzählt derJäger Hias" in denMünch. N. N." fol­gendes: Die nächsten vierzehn Tage nach der Einberu­fung und dem Ausmarsch ungedienter Lundsturmleute- nach der Stätte des ferneren Wirkens brachten eine solche Fülle von Ereignissen, daß jedem die Zeit wie im Fluge verstrichen sein wird. Dem Fassen der Uniform- stücke am ersten Tag folgte die Untersuchung durch den Arzt. Der zweite Tag, der meist noch sehr viele Nück- fälle in den früheren Zivilberuf erlernten ließ, brächte als besondere Denkwürdigkeit das erstmalige Fassen derMenage". Da standen im Hof der Kaserne in end­loser Zahl bebartete Männer, dann solche mit glatt­rasierten Gesichtern und schritten,die Schale balanzie- rend", die den Kaffee enthielt, der ob seiner Farbe der Feldgraue" getauft worden war, nach den Zimmern zurück. So mancher, der früher nur an Weißbrötchen mit Butter und Honig gewohnt gewesen war, schlürfte nun den Trank, der ihn jetzt jeden Morgen um >36 Uhr erquicken soll. Das Mittagessen bereitete manchem, der des Glaubens gewesen sein mochte, daß der Magen für die neue militärische Kost nicht das erforderliche patri­otische Gefühl aufbringen würde, eine sehr angenehme Ueberraschung. Von allen Seiten waren nur begeisterte Stimmen zu Hören gewesen. Die Gesichter so mancher nahmen erst dann einen etwas verblüfften Ausdruck an, als jeder sein Geschirr im Hose in einem Schaff warmen Wassers spülen mußte, in das mehrereMmdert Schüs­seln und Teller und Bestecke schon eingekocht worden waren. Aber anch das wurde bald als eine Gewohnheit angenommen, die nun mit der gleichen Selbstverständ­lichkeit verrichtet wird, mit der abends um 9 Uhr eifrige Hände aus einer Zimmerecke die Strohsäcke herbeitragen, die auf dem Boden nebeneinandergereiht werden, um Nachtqnartiere zu schaffen. Und sobald dann mit dem Zapfenstreich das Licht auslöscht, dann müssen gute und schlechte Witze auch die Zeit vertreiben helfen, bis in ir­gend einem Winkel jene Töne laut werden, die eine auf­fallende Aehnlichkeit mit dem Sägen ästereicher Buchen- scheite haben. Aber dieser Wechsel, der so unerwartet erfolgte, und der in meist unverhältnismäßig schroffem Gegensatze zu den bisher gewohnten behäbigen Leben stand, wird von sämtlichen Lanöstnrmlenten mit gutem Humor ertragen. Sie finden es schließlich auch begreif­lich, daß ihren durch die Lebensjahre schon etwas steif und ungelenk gewordenen Gliedern auch ungeteilte Stie­feln zugemutet werden. Allgemein herrscht Begeisterung für die Instrukteure. Diese Unterrichter verstehen es vorzüglich, in erster Linie das zu lehren, was praktisch im Felde ausgenützt werden muß. Und bei dem ersten Reisemarsch über 17 Kilometer mit gerolltem Mantel über die schlechtesten Feldwege bei dem miserabelsten Aprilwetter wurde ein Tempo von 114 Schritt in der Minute festgehalten, wobei nur ein einziger ausgetreten war. So bemüht sich der ungediente Landsturm, der in manchen Zimmern die mannigfaltigsten Berufe, wie einen Hoteldirektor, Künstler, Ingenieure bis aum Ar­beiter in fast familiärem, gemütvollem Beisammensein vereint, alles zu leisten.

Vermischtes.

Verzweiflungstat einer Mutter. Im HotelZur alten Post" in Limburg hat sich die Frau des Land­richters H. aus Berlin vergiftet. Vorder hatte sie ihrem Sohn, der bis vor kurzem in der Kadettenanstalt Ora- nienstein untergebracht war, Gift geaebeu. Der junge Mann ist ebenfalls tot. Als Grund der Tat werden in einem hinterlassenen Briefe Ehezerwürfnisse angegeben.

Eine russische Schandtat aus der Leidenszeit Ost- prMtzeuS ist Utit durch ainsn auf Gumbinnen gemel­

deten grausigen Fund M der Stefarube zu Schillehne« offenbart worden. DasOstpreumsche Tageblatt" be­richtet darüber folgendes:Die Kiesgrube von Schilleh- nen (Kreis Pillkallen) hat die Leichen von fünf ermor­deten Besitzern herausgegeben, nach denen ihre Ange­hörigen lange vergeblich gesucht haben. Schon wollte man es nicht recht glauben, daß am 12. Januar hier eine Anzahl von Besitzern aus Duden von den Rnssen er­schossen seien, doch das Zeugnis des einen, der dem Mordblei wie durch ein Wunder entrann, sollte recht behalten. Als der Schnee völlig aufgetaut war. fand man die unglücklichen Opfer der dreimonatigen Russen­herrschaft in einer Schneewassergrube. In Duden waren Ichon vorher drei Hausväter getötet, jetzt ergriff man aufs neue sechs über 50 Jahre alte Männer, um ihnen in der Schillehner Kiesgrube ein jähes Ende zu bereiten. Offenbar war keine Transportgelegenheit, und nun schoß man die Wehrlosen einfach nieder, weil sie lästig waren. Man stellte die Männer an die hohe Kieswand und die tödliche Salve fegte sie hinweg. Nur der Besitzer Paö- leschat war nicht tot, sondern durch den Ellenbogen ge­schossen, er verbiß den Schmerz und lag da, ohne sich zu rühren. Da aber die anderen Körper noch auf dem Schnee zuckten, fiel seine ruhige Haltung den Feinden auf, weshalb ein Kosak einige Schritte zurücktrat und noch einmal auf seinen Kopf Feuer gab. 3(ber die Kugel ging fehl, worauf die Unholde, ohne weiter nach- zuforschen, die Leichen oberflächlich mit Schnee bewar- fen und fortritten. Der Verwundete grub sich abends mit der einen Hand durch deu Schnee, schleppte sich zu einem Gehöft und verbrachte dort im Versteck Nacht und Tag. In der zweiten Nacht kam er in sein Dorf zu Freunden, da sein eigener Hof eine Brandstätte war. Er hauste nun mit seinem verwnndeten Arm im Keller, bis unsere Truppen ihn durch ihre herrliche Befreiungs­tat erlösten und ihm das Aufsuchen eines Arztes ermög­lichten. Die Leichen der fünf Gefährten ruhten drei Monate beieinander und wurden am 14. April gefun­den."

krsahnivgeu mit Fliegerbomben.

Man schreibt derFrkft. Ztg.": Ans den Bomben­würfen im Markgräflerland läßt sich Verschiedenes er­sehen, das von Nutzen sein könnte. Die eine Bombe fiel in weiches, sandiges Gartenland, sie wühlte sich ein und schlug bei der Explosion ein Loch von etwa einein­halb Meter Tiefe und zwei Meter Durchmesser. Leute, die in zwölf Meter Abstand auf ihrem Gärtcheu sich zu schaffen machten, blieben unverletzt. Den Spuren auf den Dächern der Umgebung nach sind die Splitter un­gefähr in einem Winkel von 30 Grad weggestreut wor­den. Steine bis zur Kopfgröße wurden bis fünfzehn Meter gestreut, sie sollen aber nicht gefährlicher gewe­sen sein als mit der Hand geworfene Steine. Eine zweite Bombe fiel ebenfalls in Gartenland, aber nicht auf sandigen Boden. Sie schlug ein Loch von kaum zwan­zig Zentimeter Tiefe und die Splitter flogen niedrig auf dem Boden hin. Noch in zwanzig Meter Abstand wur­den Bäumchen in Atannshöhe durchschlagen. Die Sprengwirknng war sehr stark. Ein Stück Gartenzann wurde zersplittert, und Bombenstücke von Bohnengrötze durchschlugen noch zehn bis zwanzig Zentimeter starke Pfosten. Die Streuung ist sehr unregelmäßig, so wurde ein Kind, das wenige Schritte von der Sprengstelle stand, nicht verletzt, was natürlich ein Zufall war. Zwei wei­tere Bomben fielen auf die harte Straße. Sie schlugen keine großen Löcher, die Streuung war flach, die Gefahr- für eine viel weitere Umgebung gegeben. An einer Stelle wurde ein Kind hinter einem Fenster im Erdgeschoß getötet, an einer anderen ein Kind im Arme der Mutter, die weit weg stand, getroffen, es starb bald nachher. In einem Falle blieb ein Knabe, der sich auf die Erde gelegt hatte, unversehrt.

Hieraus geht hervor: beim Stirnabern der Flieger ist die Gefahr auf freien Plätzen und Straßen der Städte am größten, aus Wiesen und Aeckern wesentlich gerin­ger. falls man sich niederleqt, sehr gering. Völlig gefahr­los ist der Aufenthalt in den Häusern, wenn man den Anfcnthallsort richtig wählt. Zwei Bomben fielen auf Dächer, sie schlugen die Ziegel klein, explodierten aber schon beim Aufschlagen, ohne erst durchzuschlagen. Diese Eigenschaft der Fliegerbomben bringt es mit sich, daß man in Häusern Sicherheit finden kann. Die Stockwerke nahe dem Dache sind nicht bombensicher. Das Erdgeschoß ist ebenso gefährlich wie die Straße selber, wenn man es nicht sorgfältig vermeidet, so zu stehen oder zu sitzen, daß man durch Fenster oder Türen hindurch von der Straße ge­troffen werden kann. Das Schließen der- Türen und Fensterläden, wenn sie nicht von Eisen sind, ist zwecklos, da die Splitter jede Holzwand, ohne viel an Kraft ein- zubüßen, durchschlagen. Der Slufeutbalt in Kellern bie­tet nur dann absolute Sicherheit, wenn man durch die Feuster nicht getroffen werden kann. In zwei Fällen wurden Kinder im Keller ziemlich schwer verletzt. Mau­ern wurden nirgends durchschlagen, es scheint, daß jede Steinmauer den Bombensplittern vollständig genügend Widerstand bietet.

Es darf vielleicht noch lsinzugefügt werden, daß man das Abwersen der Bomben im allgemeinen wahrnehmen kann, und daß man die Bombepfeifen" hört, wenn sie durch die fast fliegt. Man kann die Fliegerbombe ans weiter Ferne erkennen und weiß dann, daß Gefahr da ist, weil die Flieger meistens mehrere Bomben nach­einander abwerfen. Wer die Bombe pfeifen hört, kann nicht mehr entfliehen, es gibt dann nur noch eine Schutz- möglichkeit, das ist, sich auf die Erde zu legen, wo man sich gerade befindet.

Weitere Drahtnachrichten.

Unter dem Druck der Teuern »g in Rußland.

<m3 Petersburg, 28. April. (WTB.) Unter dem Titel: Unter dem Drucke der Teuerung schreibt der Rjetsch" sehr pessimistisch über die Lebensnuttelfrage: Sogar für die mittleren Bürger werde da* leben sehr erschwert: für den unbemittelten Arbeiter iei e» fail un­möglich. Die Empörung großer Massen der Aevolkernug nehme ständig z«. Die Kaufleute würden ,ur die Spc^ kulation verantwortlich gemacht, seien aber eigentlich unschuldig. Die Regierung und die Stadtverwaltungc« seien die einzig Schuldigen, die ihre völlige Unfähigkeit e^ » w («») M tan Rußkoje Storno" sind im Gonvernement Rjman an Lebeusmittelu nur noch Kartoffeln vorhanden. In vie­len ©emeiudeu reicht der Borrat an Lebensmitteln nur noch bis zum 28. Mai. In Kursk ist der Betrieb der größten Mühle wegen mangelnder Getreide- und Kvh- lenznfuhr eingestellt worden .In Wladikawkas herrscht völliger Mangel an Zucker und Fett. Nach demRjetsch" werden in Petersburg statt des täglicheu Bedarfes von 25 000 nur noch 2500 Pud Kohlen angeliefert. Jlt der Stadtverwaltung bestehen ernste Sorgen hinsichtlich der Aufrechterhaltung des Betriebes der Wasserleitung, da die Kohlenvorräte nur noch bis zum 28. Mai aus» trieben.