Hat. Die gezeichneten Gelder bleiben im Reiche; wenn wir Kriegsmaterialien ankaufen, so kommt das dafür ausgegebene Geld der deutschen Industrie, dem deutschen Arbeiter zugute. Wenn wir also im April neun Milliarden aufbringen und sie bis zum Herbst verausgaben, so kehrt das Geld zum Volk zurück, das es hergab.
Das deutsche Volk hat heute einen Sparkassenbestand von 20 Milliarden, obgleich viele Sparkassen für die letzte Kriegsanleihe gezeichnet haben. Während der Monate Januar und Februar dieses Jahres haben sich die Geldeinlagen der Sparkassen um mehr als 600 Millionen Mark erhöht.
Vergleichen Sie nun unsere Lage mit -er Frankreichs, dessen einzige langfristige Kriegsanleihe die lächerliche Summe von 300 Millionen Francs erreicht hatte: eM Tropfen in ein Wasserfatz. Frankreich deckt deshalb feine Kriegskosten mit Schatstcheineu. Uever- dies borgen Frankreich, England und Rußland gewaltig in den Vereinigten Staaten. Frankreich schuldet der Banque de France fünf Milliarden Francs und außerdem mehrere Milliarden für unbezahlte Kriegsmaterialien. Das ist eine mehr als ungünstige Lage.
Deutschland kann nicht ausgehungert werden. Der gegenwärtige Krieg ist zwischen England und Deutschland ein wirtschaftlicher geworden. Aber wer uns nicht mit Eisen und Stahl niederzwingerr kann, der soll sich keine Hoffnung machen, daß wir uns aus Mangel an Silberkugeln oder vielleicht durch die Furcht, daß unsere Frauen, Kinder und Nichtkämpfer zu verhungern hätten, mürbe machen lassen.
Amerikas „Neutralität" der Waffenlieferung.
Staatssekretär Bryan teilte dem deutschen Botschafter in Washington Grafen Bernstorff mit, daß ein Slussuhrverbot für Waffen eine direkte Verletzung der Neutralität wäre. Es sei für die Bereinigten Staaten unmöglich, einen solchen Schritt in Betracht zu ziehen. Die Note des Staatssekretärs Bryan rst die Antwort auf ein Memorandum des Grafen Bernstorff, in dem die Vereinigten Staaten des Bruchs der Neutralität gediehen werden. Bryan bedauert die Sprache des Memorandums, die als Anzweiflung des guten Glaubens der Vereinigten Staaten ausgelegt werden konnte, indem es sagt,'es liege in der Macht der Vereinigten Maaten, den Waffenhandel zu verbieten. Die Unterlasiurra des Verbotes sei eine Ungerechtigkeit gegen Deutschland. Die Regierung der Vereinigten Staaten memt, daß iede Aenderung der Neutralitätsgesetze die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu einzelnen Kriegführenden ungleich beeinflussen wird und eine uilgerechtfertigte Ab- iveichuug von dem Prinzip der strikten Neutralität wäre.
Dieser 'Auffassung des Ferrit Bryan steht, wie die „Köln. Ztg." Hierzu bemerkt, die des ganzen deutschen Volkes und wohl auch der meisten Neutralen gegenüber: daß Amerika mit seinen gewaltigen Kriegsliese- rungen unseren Feinden die Fortführung des Krieges überhaupt erst ermöglicht, daß es damit, da Deulsch- land, Oesterreich-Ungarn und die Türkei ganz aus ihre eigenen Hilfsquellen angewiesen sind, gewissermaßen als Mitkämpfer an der Seite unserer Gegner steht. Herr Bryan nennt das Neutralität. Das deutsche Volk und mit ihm tausende ehrlicher Amerikaner nenuen es offen jeder Scham bare Parteinahme zuungunsten Deutschlands und seiner Bundesgenossen.
Die Neutralen.
Friedenspropaganda der Neutrale«?
wo Christiania, 23. April. (T. U.) Frithjvs Nansen reist, wie die „Voss. Ztg." meldet, dieser Tage nach Neu- york, um dort an einer Sitzung testmnehmen, über deren Zweck er sich vorläufig nicht aützern darf. Es ioU sich um eine Zusammenkunft bedeutender Männer des ueutralen Auslandes Handel«, die eme energische Friedenspropaganda verbreiten wollen und auf die Un- terstützung Wilsons rechnen.
Eine niederländische Mission nach Rom.
w Amsterdam, 23. April. (T. U.) Wie anscheinend offiziös nach dem „B. L.-A." aus dem Haag gemelde wird, hat die Reise des Vorsitzenden der katholischen Kammerfraktion, des geistlichen Doktors Nolensnach Rom den Zweck, die niederländische Regierung über dre vom Vatikan vor einiger Zeit unternommenen Schritte zur Herbeiführung des Friedens zu informieren Die Frage einer Wiederherstellung einer niederländischen Vertretung beim Vatikan kommt anscheinend erst m zweiter Linie in Betracht.
«rleasallerlei.
England kauft griechische Transportdampfer.
w Konstantinopel, 23. April. (T. U.) Dem „Ta- nin" zufolge kauften, wie dem „B. L.-A." gemeldet wird, die Engländer griechische Transportschiffe auf. Neuerdings kauften sie den griechischen Dampfer „Amros im Viräushafen sowie fünf andere Dampfer und sandten sie nach dem Hafen von Mudros auf der Jrrsel Leumos, wo sie für etwaige Truppentransporte Verwendung finden sollen. .
Ein belgischer Orden für den Zaren.
Die Frkft Ztg." meldet aus Stockholm, General de Bitte ist "mit einer belgischen Militärabordnung in Pe- tersbnra anackommen. Die Deputation hat Seit 9htt- traa dem Zaren den höcKten Orden Belgiens zu über- rÄchen und Znen wahrer Regen von Orden und Medaillen über die russischen Offiziere und Soldaten mw-
zuschütten. „
Kampfesunlust bei einem Teile der französischen
Truppen
scheint sich in neuerer Zeit bemerkbar zul machen Das beweist ein Regimentsbefehl für das o4^. französische MfenV Es 'ist im'Wauf v^
Ksirnpfe an denen das Regiment während des jetzigen Feldzuges teilgenommen M ctu- sich bei Vorwärtsbewegungen viele Mannschaften cht- gegraben haben, anstatt den Zugfüh^rn zn folgen. Um in Zukunft derartige Anfälle von Feigheit zu vcMn- tÄ iM aufgelöst ist, durch einen anderen, vertreten lassen und ihm die Richtung bezeichnen. Sie selbst sollen sich hinter ihren Zug vegeven, um öas Vvrgehen zu überwachen, das Ganze zu leiten und Zögernden Kmiipfe darin besteht, jedenseinem Ptatze zu hal^ und ihn mit allen nur möglichen Mitteln zum Gehör
... sieben versucht (Art. 12 der Felddienstordnung). Der ErstehendeBefehl ist der versammelten Mannschaft vor- zulesen."
Das Ausbeutungssyste«, in Frankreich.
durch WMWHkEa-stllM
»t. Gleich anr ersten Tage wurden drei
nal", daß der 3, ungeordnet hat
große Vereine wegen Betrugs geschlossen; der eine hatte Krankenpflegerinnen gegen hohes Entgelt wertlose Zeugnisse ausgestellt, zwei andere Vereine hatten zu riesig großen Preisen Nachforschungen nach verschollenen Soldaten vermittelt. Die Barbestände der drei geschlossenen Vereine wurden beschlagnahmt, ihre Leiter verhaftet. Die Untersuchung wird fortgesetzt.
Großadmiral v. Tirpitz.
Zu seinem 50jährigen Jubiläum am 24. April.
Am 24. April sind, wie der Korrespendenz „Heer und Politik" geschrieben wird, 50 Jahre vergangen, seitdem Großadmiral von Tirpitz, der Organisator der deutschen Flotte als Kadett in die preußische Flotte einge- treten ist. Die englische Zeitung „Daily Telegraph" hat einmal die Aeußerung getan, daß unser Kaiser der deut- schen Flotte durch die Berufung von Tirpitz den größten Dienst erwiesen habe. Tatsächlich ist die Amtszeit des jetzigen Staatssekretärs des Reichsmarineamts für unsere Flotte von der allergrößten Bedeutung gewesen.
Als Tirpitz am 15. Juni 1897 die Leitung des Reichs- marineamts übernahm, war die deutsche Flotte recht unansehnlich. Schon zwei Jahre später hatte sich die Gesamtstärke der deutschen Flotte beinah verdreifacht. Tirpitz war und ist bis heute unermüdlich dabei, unsere Flottenmacht im Rahmen unserer Heeresstärke zu vergrößern. Er hatte, als er zum Staatssekretär ernannt wurde, schon ein festes Programm zur Vergrößerung unserer Flotte, das er bis zum heutigen Tage ganz sistematisch ausbaute. Die Verwirklichung seines Programms wurde ermöglicht durch die 6 Flottenge- setze, welche den Ausbau unserer Seemacht umschreiben. Von größter Bedeutung ist die Stetigkeit unserer Flot- tenpolitik, die durch die lauge Amtsdauer des Großadmirals von Tirpitz gewährleistet ist. 18 Jahre — län- ger als alle seine Amtskollegen — ist Tirpitz bereits als Staatsseretär des Reichsmarineamts tätig. Als der damalige Konteradmiral im Sommer 1897 vom Kom- mando des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders in die Heimat berufen wurde, um die Marineverwaltung zu übernehmen, glaubte niemand an seine so lange Amtsdauer. Man war sich darüber klar, daß der neue Staatssekretär nur dann Ersprießliches leisten könnte, wenn er nicht nur ein tüchtiger Seemann, sondern auch ein großzügiger Organisator und ein geschickter Diplomat und Politiker sein würde. Alle diese drei Eigenschaften hat aber Tirpitz in seltener Vereinigung Bewiesen. Er ist bisher mit dem Reichstage stets vorzüglich ansge- kommen und hat es durch eine vernünftige Berücksichtigung der öffentlichen Meinung erreicht, daß er stets fast alle seine Wünsche erfüllt sah.
So hat er sich nicht nur als ein großer Organisator, sondern auch als ein ungemein geschickter Diplomat bewährt, der nur ein Ziel kannte: Die Stärkung der deutschen Seemacht. Stile Mittel mußten diesem Ziel untergeordnet werden. Die großen Aufgaben, welche ihn nach dem Weltkriege zufallen werden, werden in ihm den geeigneten Mann finden. Sein Wahlspruch: „Ziel erkannt, Kraft gespannt!" zeigt, mit welcher unermüdlichen Sicherheit er seine Absichten zu verwirklichen weiß.
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Vermischtes.
Todesurteil gegen eine Frauenmörderin. Nach dreitägiger Verhandlung verurteilte das Dresdner Schwurgericht die 53jährige Schneiderin Marie Margarete Leopoldine Müller geborene Mitzbach aus Dresden zum Tode und zu lebenslänglichem Zuchthaus, sowie zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Angeklagte hat im Mai und Juni vorigen Jahres die 86jährige Frau Müller miß die etwa 60jährige Witwe Lehmann durch Erdrosseln umgebracht und ihrer Wirtschaft und sonstigen Habseligkeiten beraubt. Beide Frauen hatten allein gewohnt. Die Angeklagte, die häufig bestraft ist, leugnete anfangs, so daß ein umfangreicher Indizienbeweis geführt werden mußte. Namentlich auf Grund von Fingerabdrücken wie auch einiger anderer Tatfachen wurde die Angeklagte im Falle der Witwe Lehmann wegen Mordes, im anderen Falle wegen Totschlages in Tateinheit mit Raub schuldig gesprochen. Sie nahm das Urteil mit der gleicheil Ruhe entgegen, die sie während der ganzen Verhandlung an den Tag gelegt hatte.
Vergehe« gegen Kartoffelhöchstpreise. Der Rittergutsbesitzer Otto Jakobs aus Treskow hatte, als die Höchstpreise für Kartoffeln 4,25 Nkark betrugen, an einen Bäckermeister 50 Zentner geliefert und dafür zuerst 5,50 Mark und dann 5 Mark verlangt. Die Ptehrforöerung betrachtete er als Transportkosten. Die Strafkammer in Neuruppin ertannte auf 300 Mark Geldstrafe, der Staatsanwalt hatte 500 Mark Beantragt.
„Geschäststmffe" gegenüber Kriegerfranen. Nttt welchen Mitteln mauesje Leute arbeiten, um ihren For- dermigen gegenüber Kriegerfrallen mehr Stachdruck zu geben, zeigt ein Brief einer Plauener Firma an eine Frau, deren Mann seit Monaten im Felde steht. Das Ehepaar schuldete der Firma zirka 79 Mark, auf die bis zum Ausrücken des Mannes 36 Mark abbezahlt waren. Als die Frau Baun mit den Rückzahlungen säumte, wurde sie zum Offenbarungseid geladen und erhielt von der menschenfreundlichen Firma noch eilten Brief, in dem es u. a. heißt: „Ich wollte nicht verfehlen, Sie besonders darauf aufmerksam zu macherr, daß ein Bevollmächtigter dem Termin persönlich beiwohnerr wird, um genau zu wissen und Punkt für Punkt haarscharf korsirollieren zu köntlen, was Sie da allgeben irnd beschwören. Er nracht das Gericht auf jede, selbst die geringste evtl. Abweichung aufmerksam, um dadurch die Aufnahme eines neuen, aber desto schärferen Verfahrens zu erzielen. Sie werden sich aber Bann sehr darüber wundern, in welcher energischen und durchgreifenden Weise dieses seinen neuen Lauf nimmt und was für Kosten und Ungelegeuheiten Jhnell aus der Sache eut=. stehen. Die Schuld bleibt voll und ganz ihre 30 Jahre zu Recht bestehen, ob sie nun den Eid leisten oder nicht. Legen Sie den Eid nicht ab, so hinterlege ich den Verpflegungsvorschuß und wirö daraufhin Ihre Verhaftung «orgenommen. Leisten Sie aber den Eid, so üBergeBe ich die Forderung Bern für mit tätigen Jnkassvbüro zur Einziehung. Aber ich versichere Ihnen, wenn diese Leute die Sache erst einmal in Bcit Händen haben, dann stiegen Sie keine Ruhe tags und nachts, solange nicht der letzte Pfennig der Schntü abgetragen ist. Allerdings häufen sich dadurch die Stoffen immer mehr . . ." Das Aeußere des Briefes läßt erkennen, daß es sich um ein Sor- mularschreiben handelt, das gleichlantend wahrscheinlich an viele Schulöller versandt worden ist .Der „Volgtl. Anr." fragt mit Recht: Wieviel mittellose Kriegersrauen mögen sich unter den mit einem solchen Schreiben Bedachten Befunßen haben, wieviel Sorge und Angst rst wohl hervorgerufen worden, wieviel herzbewegende Stoßseufzer mögen den Weg zu dem Gatten auf blutiger Walstatt gefunden haben! .
Die Sehnsucht nach der Front. Soeben trifft wieder ein kennzeichnender Feldvostbrief in der Heimat ein: Trifft da ein bärtiger, biederer Landwehrmann einen Kameraden feines, des überplanmäßigen Landwehr
bataillons A., Regiment v. G., der im Begriff ist, nach den Stellungen zu wandern. Es entwickelt sich folgendes Gespräch: „Nu, wo kömmst'e denn har?" „Autzem Lazarette in I. Dort sull'ch noch fünf Tage bleibe, 's stöllkt mer awer su sehr nach Karwol, un in ür Kom- penie hamm mer mehr Schpaß." „Na wart dach liewer (lieber) bös zum Amoe (Abeno), sunst sahnch (sehen dich) de Franzosen un bschietzen 'ch." „Nu, meintwagen wärn se nech glei met 'ner Kanone schieße," sprachs und stapfte vergnügt dem Schützerlgraben zu ... .
Rühmliche Taten.
Am Morgen des 5. November 1914 ging die 9. Kompagnie des Reserve-Jnfauterie-Regiments Nr. 60 von M. mit zwei Zügen zum Angriff auf L. vor, der 3. Zug erhielt den Befehl, das etwa 1 Klm. nördlich von M. gelegene Dorf H. zu nehmen, das die linke Flanke der von F. auf A. vorgehenden 3. Kompagnie gefährdete. Auf einer eiligst hergestellten Brücke wurde der zwischen, M. und H. fließende Wasserlauf gruppenweise überschritten, und nun galts das auf einer kleinen Anhöhe gelegene, leicht zu verteidigende Dorf anzugrei- fen. Die Besatzung — es waren, wie sich näher heraus- stellte, 50 Mann — schien zunächst ganz überrascht unser Angriff ging schnell vorwärts. Plötzlich erhielt der linke Halbzug Flankenfeuer von zwei Strohhaufen her, die vor dem Dorfe auf dem Felde standen. Ein Gruppenführer, sein Stellvertreter und noch ein Mann derselben Gruppe werden kurz nacheinander verwundet. Der Angriff stockt, und die Verwirrung wächst, da die feindlichen Schützen am Flügel nicht erkannt werden. Alles Zurufen ist vergebens, die Kommando des Zugführers werden übertönt durch den Lärm des Gewehrfeuers und der dicht hinter der Schützenlinie einschlagenden feindlichen Grauaten. Der Zug droht gänzlich ausein- andergerisien zu werden. Der Wehrumnu Rvmer aus Zittersdorf, Kreis Saarburg, soll jetzt die Befehle des Zugführers persönlich übermitteln. Mitten im Kugelregen steht er auf und läuft^zu der gefährdeten Stelle. Kaltblütig, wie er ging, kehrt er zum Zugführer zurück: „Es geht wieder voran, Herr Leutnant." Und es ging wirklich voran. Im Hurra wird das Dorf genommen. Der Wehrmann Römer wurde wegen seines tapferen Verhaltens mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet.
Reservist Hitzegrad aus Wanne i. Wests, von der 8. Kompagnie des Reserve-Jnfanterie-Regiments Nr. 60 war von Gestalt ein kleiner, ganz unscheinbarer Mann; daher kam es, daß man ihm zuerst nicht sehr viel zu- traute. Seine Vorgesetzter! wie seine Kameraden erkannten nicht, welcher Heldengeist diesen kleinen Körper beseelte. Garrz kurz, nachdem er bei der Kompagnie mit einem Ersatztransport eingetroffen war, meldete er sich freiwillig zu Patrouillen.
Bald darauf kam eine Zeit, wo die Konrpagnie bei H. in erbitterten fünftägigen Kämpfen einer großen Uebermacht gegenüberstand. Ein Zug, bei dem sich Hitzegrad befand, lag im Schützengraben. Feindliche Infanterie, feindliche Maschinengewehre geben ein mörderisches Feuer gegen uns ab, dazu nahm die feindliche Artillerie unsere Stellung und ein kleines Wäldchen hinter derselben scharf unter Feuer. Da behindert Hitzegrad ein Ginsterbusch am Schießen. Vom Schützengraben aus kaun er ihn mit dem Seitengewehr nicht erlangen. Kurz entschlossen springt er im feindlichen Feuer aus dem Graben miß macht den Strauch mit dem Seitengewehr ab. Dann kriecht er wieder in den Schützengraben zurück und schießt weiter, als ob ganz selbstverständlich sei, was er getan habe.
Am nächsten Tage behauptet der Zug in vorderer Linie, trotz der feindlichen Angriffe feine Stellung. Da muß ein Befehl vom Konwagnieführer zu dem Zuge vorgebracht werden. Auch Siesnral ist es wieder unser Hitzegrad, der sich freiwillig mit zwei Kameraden dazu Bereit findet. Wohl müssen sie durch ein Dorf, das vom Feind unter schwerem Artilleriefeuer gehalten wird. Aber kurz entschlossen von Haus 5« Haus gesprungen, sobald sich das Herannahen eines Geschosses bemerkbar macht, niedergelegt, so gelangen sie schließlich glücklich an den Ausgang. Nun gilt es, eine längere Strecke zu durchschreiten, die bereits im feindlichen Infanterie- nnd Maschiuengewehrfeuer liegt. Doch auch hier zögert Hitzegrad keinen Zlugenblick, seinen Befehl auszuführen. Also einen festen Slnlauf genommen und, so schnell es geht, in das kleine Wäldchen hinter der Stellung, das wieder Deckung bietet. Wohl eröffnet der Feind sofort, nachdem die Breie den Dorfrand verlassen BaBen, das Feuer auf sie; aber wie durch ein Wunder kommen sie alle utlverletzt bei dem Buge an und überbringen den Befehl.
Am andern Tage muß nachmittags Ler linke Flügel der Kompagnie vor dem überwältigenden Artillerie- feuer, das der Gegner aus drei Batterien'dorthin ver= einigt, zurückgchen, und es wirß eine Stellung weiter rückwärts besetzt. Da bernerkt der Konwagnieführer, daß der Offizier, der den linken Flügel befehligte, fehlt. Lag er vielleicht verwundet und hilflos noch in der ersten Stellung, in dem fürchterlichen Artilleriefeuer? Kurz entschlossen reißt der Konwagnieführer Leutnant Rupp einem Mann das Gewehr ans der Hand und stürzt vor in den Geschoßhagel, Ben Vermißten zu suchen. Dabei hörte er rechts von sich ein Stimmchen als etwas Selbstverständliches rufen: „Herr Leutnant, ich gehe mit." Es war wieder unser Hitzegrad, der in der ärgsten Gefahr seinen Führer nicht verlassen wollte. Bor geht es in Bon tollen Geschotzhagel hinein. Rings herum schlagen Granaten ein, platzen Schrapnells. Doch die Stelle, wo der vermißte Offizier zuletzt gesehen wurde, ist leer. Glücklich gelangen die beiden wieder zur Kompagnie zurück, wo der vermißte Kamerad inzwischen schon eingetroffen ist.
Bald darauf muß Sie Kompagnie weiter zurückgehen. Hitzegrad verläßt mit den Offizieren als letzter die Stellung, als plötzlich ein feindliches Geschoß seinem Heldenleberr ein Ende setzte.
Weitere Drahtnachrichten.
Die Jahresklasse 1916 i« Frankreich.
w Paris, 23. April. (WTB.) Dem Temps zufolge hat der Parlamentsausschuß für Gesundheitspflege beschlossen, sich mit dem Heeresausschusse des Parlaments zum Zwecke der Ernennung von Unterausschüssen ins Einvernehmen zu setzen, welche an Ort und Stelle unter- »M sollen, unter welchen Bedingungen die Jahres- c 1916 eingezogen werden soll.
Englischer Bandalismus.
w> Koustantinopel, 23. April. (WTB.) Die Agentur Milli berichtet, daß das englische Schlachtschiff „Aga- memnon" die in Bulair auf Gallipoli befindliche Grabstätte Suleiurau Paschas zerstörte, obwohl sie nicht zu militärischen Zwecken benutzt wurde. Die Engländer haben durch dieses Vorgehen die Haager Konvention und die durch die Türkei uno England unterzeichnete Konvention verletzt, wonach Tempel und andere Heiligtümer während des Krieges geachtet werden sollen.