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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

für den Kreis Hersfeld

.. ...............- ........ - - ' "" ""« R-y Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im MKISOIMI amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Nr. 91.

Dienstag, den 30. April

1915

Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich auf der letzten Seite.

Bus der Heimat.

* (Fürsorge für jüngere invalide Offiziere.) Die Heeresverwaltung hat, wie die Köln. Ztg." meldet, um einem jüngern invaliden Offizier, der keine Reifeprüfnng abgelegt hatte, zu seiner Versorgung den Zugang zu den studierten Berufen zu eröffnen, ihm die Teilnahme an dem Unterricht auf der Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde zur Ablegung der Reifeprüfung gewährt. Dieses Ver­fahren dürfte sich in allen den Fällen empfehlen, in denen eine Kriegsbeschädigung der militärischen Lauf­bahn jüngerer Offiziere ein Ende bereitet hat.

* (Kirchliche Aus kunf (stelle f ü r Ver­mißt e.) Da die Anfragen über Vermißte bei den kirchlichen Behörden in immer größerer Zahl ein- gingen hat der Bischof von Paderborn, Dr. Karl Joseph Schulte, auf Anregung des Apostolischen Stuhles und im Einverständnis mit den deutschen Bischöfen bereits im Januar dieses Jahres eine Aus- knnftstelle für - ganz Deutschland ins Leben gerufen. Ungefähr 10 000 Anfragen sind bereits eingegangen, von denen etwa 1200 in verhältnismäßig kurzer Zeit erledigt werden konnten. Die Auskunftstelle sammelt die Anfragen über deutsche Vermißte ohne Unterschied der Konfession und vermittelt sie an die betr. Zen­tralen im feindlichen Auslande, von wo sie dann in die einzelnen Lager und Lazarette gelangen. Die von dort aus einlaufende Nachricht wird dem Frage­steller dann umgehend zugesandt. Bei den Anfragen wolle man möglichst genaue Angaben machen: Name, Vorname, Rang, Truppenteil, Wohnort, Geburtsdatum, ferner wo (westl. oder östl. Kriegsschauplatz) und seit wann der Betreffende vermißt wird, und ob schon Nachforschungen ungestellt worden sind, eventuell mit welchem Ergebnis. Die Nachforschung und Auskunft­erteilung erfolgt kostenlos. Alle Anfragen sind zu richten an das Bischösl. Generalvikariat (Abt. Aus­kunftstelle Paderborn (Wests.).

* (Die Verlustedes höheren Lehrer standes im Krieg e.) Bis Ende März hat die deutsche Ober­lehrerschaft 869 ihrer Mitglieder im Kriege verloren. Von ihnen entfallen auf Preußen 560, Sachsen 41, Württemberg 45, Baden 50, auf Hessen 86, auf Mecklenburg-Schwerin,13, auf Hamburg 23, auf Elsaß- Lothringen 17, auf Braunfchweig 9, auf Bremen 8, auf Oldenburg 6, auf Anhalt 3, auf Mecklenburg- Strelitz, aufSachsen-Altenburg, Sachsen-Coburg-Gotha, Schwarzburg-Rudolstadt uud Lübeck je 2, auf Sachsen- Meiningen, Schaumburg-Lippe und die deutschen Aus­landsschulen je 1. Unter der Gesamtzahl befinden sich 25 Direktoren, 41 Professoren, 417 Oberlehrer 182 wissenschaftliche Hilfslehrer und 203 Kandidaten des höheren Lehramtes. 1699 Angehörige des höheren Lehramtes erhielten bis jetzt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse und 19 das Eiserne Kreuz erster Klasse.

* (Ein reicher Knospenansatz bei den Obst - bäumen.) Wie aus Aeußerungen von Sachver­ständigen hervorgeht, ist zurzeit ein reicher Knospen- ansatz bei den verschiedensten Obstsorten zu verzeichnen, was namentlich bei den Aepfel- und Birnbäumen der Fall sein soll. Auch die Beerenobststräucher zeigen einen erfreulichen Ansatz der Knospen, so daß, falls nicht Naturereignisse die Knospenbildung und später­hin die Blüte erheblich beeinträchtigen, mit einem guten Obstjahr zu rechnen sein dürfte.

* (Vo lksschulunterricht und Krieg.) Der Unterrichtsminister gibt seiner Befriedigung da­rüber Ausdruck, daß es überall gelungen ist, den Unterricht in den.Volksschulen auch während der Dauer des Krieges aufrecht zu erhalten. Es hat das den größten Wert in einer Zeit, in der die häusliche Erziehung vielfach durch die Abwesenheit des Familien­vaters beeinträchtigt ist Schule und Schulaufsicht werden auch weiterhin alles tun, was ihnen möglich ist, um die Jugend in guter Zucht und Ordnung zu erhalten.

* Die Königliche Eisenbahndirektion in Erfurt hat die Vahnwirte ihres Bezirks angewiesen, die Anzahl der in den Bahnwirtschaften vorzuhaltenden Gerichte imJnteresse einer wirtschaftlichen Ausnutzung der vorhandenen Nahrungsmittel einzuschränken, die Gerichte selbst einfacher zu gestalten und den vor­handenen Nahrungsmitteln mehr anzupassen. Für die sachgemäße Aenderung der Wirtschaftskost sind da­bei von den Bahnwirten folgende Leitsätze zu be­obachten : a) Einschränkung der allzu großen Speise­karte und Beschränkung auf wenige Fleischgerichte, vornehmlich Schweinefleisch, b) Einschränkung der ge­bratenen Fleischspeisen zu Gunsten der gekochten, e) Einführung halber Fleischportionen, d) Ständige Be- reithaltung von Zuspeisen, bestehend in Gemüse, Recs, Nudeln, Mackaroni, frisch gekochten Kartoffeln und bergt e) Einführung wohlschmeckender Mehlspeisen, f) Mehreinführung der zusammengekochten Speisen. Vor allem: g) Besonderes Bestellen jedes einzelnen

Gerichts und jeder Zuspeise, letzterer auch in größeren Portionen.

* (Lest dieZeitungen!) Mit der alten Ent­schuldigung, er habe die fraglichen Bestimmungen nicht gekannt, suchte vor der Strafkammer Sorau der Land­wirt Stein sein Verhalten zu erklären. Dem Ange­klagten wird zur Last gelegt, daß er ca. fünf Zentner geschroteten Roggen bei der Bestandaufnahme nicht angegeben. Diesen Roggen hat er während des ganzen Winters an sein Pferd verfüttert und die ver­fütterten Mengen durch neues Schroten ergänzt. Daß dies verboten sei, davon will der Angeklagte nie etwas gehört oder gelesen haben. Der Vertreter der An­klage machte hierzu einige Ausführungen, die von allgemeinem Interesse sind. Er erklärte, daß nur die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten ihn ver­anlaßt habe, nicht auf eine Gefängnisstrafe zu plädieren. Wer sich um die Bestimmungen des Bundesrats nicht kümmere, sie nicht kennen wolle, der müsse eigentlich noch härter bestraft werden als der, der sie wissentlich übertrete. In dieser schweren Zeit sei es Pflicht eines jeden, sich durch genaues Lesen der amtlichen Bekanntmachungen und ihrer Erläuterungen in der Zeitung Kenntnis davon zu verschaffen. Die Presse habe alles getan, um auf­klärend zu wirken. Unkenntnis unter solchen Um­ständen verrate eine sträfliche Gleichgültigkeit. Eine exemplarische Strafe sei notwendig, daher beantrage er, den Angeklagten zu einer Geldstrafe von insge­samt 650 Mk. zu verurteilen. Der Gerichtshof er­kannte auf eine Geldstrafe von 200 Mk.

§ Hersfeld, 19. April. (Zur Wetterlage.) Die Wetterkarte zeigt eine weitere Verstärkung des Hochdruckgebietes über dem ganzen Festland, vor allem ist im Südosten ein rasches Ansteigen des Luftdrucks für die Ausbildung des Hochs in diesen Gebieten sehr fördernd gewesen, sodaß auf dem ganzen europäischen Kontinent die Witterung unter Hochdruckeinfluß durch eine rasche Abnahme der Bewölkung und Nachlassen oder gänzliches Aufhören der Niederschläge gekenn­zeichnet wird. Die Temperaturen sind tagsüber sehr mild, und haben auch bei uns in der letzten Nacht nur einen schwachen Rückgang aufgewiesen. Allerdings entwickelt sich im Norden das Depressionsgebiet lang­sam und stetig weiter, sodaß die an einem Südrand sich bildende Zone westlicher Winde allmählich wieder Zunahme der Bewölkung, später auch wieder Nieder­schläge bringen dürfte. Die Temperaturen werden aber mild bleiben.

-w-Mengshanseu,19. April. Unteroffizier P l e t s ch von der 4. Kompagnie 1. Garde-Regiments wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Marburg, 17. April. Am 15. April begann das Sommersemester an der Universität Marburg. Die Jmmatrikulatiouen dauern bis zum 5. Mai, während die Vorlesungen bis zum 12. Mai belegt sein müssen. Die endgültige Immatrikulation erfolgt am 15. Mai. Der Beginn der Vorlesungen ist am 27. April.

Marburg, 15. April. Das Schöffengericht verur­teilte heute eine Bäuerin aus einem Nachbardorfe, die ihrem Knecht befohlen hatte, dem Pferd ein Stück Brot zu geben, wegen Uebertretung der infolge des Kriegs erlassenen bundesratlichen Bestimmungen zu 25 Mk. Geldstrafe. Der Knecht, der behauptete, es habe sich um die ihm zustehende Brotration gehandelt, wurde in eine Geldstrafe von 5 Mk. genommen.

Gerstungen, 15. April. Die durch die Amts­niederlegung des Bürgermeisters Stein am Donners­tag stattgehabte Neuwahl ist wegen zu geringer Be­teiligung der wahlberechtigten Bürgerschaft ohne Er­gebnis verlaufen.

Hann. Münden, 17. April. DieMünöenschen Nachrichten" melden, daß, wie von der Kommandantur des Offiziersgefangenenlagers mitgeteilt wird, es in­zwischen gelungen ist, von den 8 geflüchteten Offizieren drei wieder einzufangen.

Münden, 17. April. Gestern mittag ereignete sich in Altmünden ein schweres Brandunglück. Die Ehefrau des Chausseewärters Schäfer wollte ihr Herd­feuer wieder in Gang bringen und goß dabei Petroleum ins Feuer. In demselben Augenblick ex­plodierte die Flasche. Die Bedauernswerte stand in hellen Flammen. Auf ihre Hilferufe eilten Nachbarn herbei, löschten die Flammen und brachten die Schwer- verletzte ins Bett. Während der Arzt gerufen wurde, stürzte sich ihre 20 Jahre alte Tochter, wahrscheinlich in geistiger Verwirrung, aus dem Fenster des dritten Stockwerkes. Mit schweren inneren Verletzungen brächte man sie in ihre Wohnung.

Eisenach, 16. April. Ein Zug von Frankfurt a. M. ohne Aufenthalt bis Eisenach wird zum ersten Male am 1. Mai mit der Einführung des Sommerfahrplans verkehren. Es wird dies der D-Zug sein, der Frank­furt 12,58 Uhr nachm. verläßt und in Eisenach 4,12 Uhr eintrifft. Er hält bann nur noch in Gotha 4,43 Uhr, Erfurt 5,03, Weimar 5,33, Halle 6,47 Uhr, um in Berlin 9,05 Uhr uachm. einzutreffen. Die Durch- führuug des Zuges von Frankfurt nach Eisenach wird dadurch möglich, daß die Umgehungsbahn bei

Bebra fertiggestellt ist und am 1. Mai in Benutzung genommen werden kann. Die Durchführung von Zügen ohne Aufenthalt von Frankfurt a. M. bis Thüringen hat zur Voraussetzung auch die unmittel­bare Verbindung zwischen Flieden und Schlüchtern, die im vorigen Jahre in Benutzung genommen worden ist. Dadurch wurde es möglich, die andere Kopfstation zwischen Frankfurt und Bebra, Elm, zu umgehen. Infolge der beiden Verbesserungen können jetzt die Züge von Frankfurt bis Berlin ohne Wechsel der Richtung durchgeführt werden, während sie früher, einmal in Elm und das zweitemal in Bebra, sämtlich die Richtung wechseln muhten.

Hoof, 16. April. Hier wurde ein Landwirt von einem schweren Unfall betroffen. Er spannte einen neu gekauften Ochsen vor den Wagen, um ins Feld zu fahren. Der Ochse aber wurde wild und schleifte den Besitzer eine Zeitlang mit, so daß derselbe ein Bein brach) ein Kind wurde dabei überrannt, kam aber glücklicherweise ohne Verletzung davon.

Sechs MiMarden eingezahlt.

Als der Erfolg der Zeichnungen auf die zweite deutsche Kriegsanleihe bekannt wurde, ging durch das ganze deutsche Reich das Gefühl der Befriedigung, durch die übrige Welt aber ein Erstaunen, das nament­lich bei unseren Feinden grenzenlos war. Man hatte nicht erwartet, daß Deutschland sich als so kapital­kräftig erweisen würde, wie es mit der Zeichnung von 9060 Millionen Mark gezeigt hat. Vergeblich bemühte sich die Presse des uns feindlichen Aus­landes, diese glänzende Leistung des deutschen Volkes, an der keineswegs allein die großen Bankinstitute und die kapitalkräftigen Kreise, sondern in erster Linie die kleinen Sparer teilge- nommen hatten, dadurch herabzusetzen, daß sie die Zeichnungen auf die Kriegsanleihe als Scheinzeich­nungen bezeichneten und. das Märchen verbreiteten, als ob die deutsche Regierung den Zeichnern der An­leihe das Geld für diese Zeichnungen vorgestreckt, also eigentlich nur sich selbst beliehen habe. Als dieses Märchen aber von deutscher Seite gründlich widerlegt wurde, verlegte man sich darauf, zu prophezeihen, daß die Einzahlungen auf die Anleihe mit den Zeichnungen schwerlich Schritt halten würden.

Auch dieser Trost ist unseren Feinden schnell ge­raubt worden. Am 14. April war der erste Ein­zahlungstermin, bis zuwelchemdiekleinenZeichnungen von 1.000. Mk. und darunter voll und auf die größeren Zeichnungen 30° o einzuzahlen waren, was rund 3.360 Millionen Mark oder 37" o der Gesamtanleihe aus- machte. Tatsächlich aber sind bis zum 14. April nicht weniger als 6.076 Millionen Mark oder 67" o der Ge­samtsumme eingezahlt worden, also 2.716 Millionen Mark (30" o) mehr, als fällig war. Dieses Ergebnis übertrifft alle Erwartung und selbst die Schätzungen derjenigen Optimisten, die von der Kapitalkraft des deutschen Volkes und dem deutschen Geldverkehr die besten Vorstellungen hatten. Das Anschwellen der Einzahlungen an sich war schon ein Vorgang, der wohl beispiellos in der Finanzwirtschaft dasteht. Be­ginnen durften die Einzahlungen am 31. März. Be­reits am 4. April war die Summe, die eingezahlt werden muhte, überschritten, denn an diesem Tage betrugen die Einzahlungen bereits 3 600 Milli­onen Mark. Am 7. April waren die Ein­zahlungen bereits auf 4105 Millionen Mark, am 9. April auf 4 640 Millionen Mark gestiegen. Damit war schon das Zeichnungsergebnis der ersten Kriegs­anleihe, das sich ohne Berücksichtigung der Feld­zeichnungen auf 4 460 Milliouen Mark belief, über­schritten. Das Endergebnis der Einzahlungen mit 6 076 Millionen Mark beweist, daß in den letzten Tagen vor dem Einzahlungstermin ein förmlicher Wetteifer der Zeichner auf die neue Kriegsanleihe sich entwickelt haben muß, Einzahlungen zu leisten.

Das Endergebnis, wie dieser Wetteifer sind zweifellos ein überwältigender Ausdruck des Ver­trauens, welches das deutsche Volk beseelt, daß der uns aufgezwungene Krieg zu einem siegreichen Ende für Deutschland und seine gute Sache geführt werden wird: sie sind aber auch ein nicht mrßzuverstehendes Zeichen dafür, daß das deutsche Volk sich bewußt ist, was von dem Ausgange dieses Krieges für seine Gegenwart und Zukunft abhängt. Mußte schon das Ergebnis der Zeichnung auf die neue Kriegsanleihe das gesamte Ausland, in erster Linie unsere Feinde, darüber belehren, daß das deutsche Volk entschlopen sei, seiner Regierung mehr als die notwendigen Mittel zur Durchführung des Krieges zur Verfügung zu stellen, so muß das Resultat des ersten Ein­zahlungstermins jeden davon überzeugen, daß Deutsch­land auch imstande ist, das einzulösen, was es mit seinen Anleihezeichnungen versprochen hat. Die Kapitalkraft des deutschen Volkes und sein ganzes Wirtschaftsleben steht nicht nur ungeschwächt da, sondern zeigt eine Entwickelung, die jeden Gedanken an eine wirtschaftliche Niederwerfung Deutschlands als Illusion erscheinen lassen muß. Wir sind sicher, daß der neue Beweis für die Leistungsfähigkeit Deutschlands seine Wirkung auch im Auslande nicht verfehlen wird.